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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

SrtW

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 0^lWl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 42.

Freitag, den 19. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt | sich am Vaterlande u. macht sich strafbar |

Bus der Heimat.

* (Das gefälschte Telegramm.) Der Musketier H. aus Osterode, der beim 167. Regiment Dienst tut, bekam eines Tages eine Depesche des In­halts, daß sein Kind krank sei. Das genügte aber der Militärbehörde nicht und der erbetene Urlaub wurde versagt. Daraufhin erschien H. kurz darauf in der Kompagnieschreibstube mit einem anderen Tele­gramm, worin zu lesen stand, daß der Vater gestorben sei. Es war aber leicht möglich, das Schriftstück als Fälschung zu entlarven. Wegen Urkundenfälschung und Erstattung einer unrichtigen dienstlichen Meldung wurde H. vor das Kriegsgericht gestellt und erhielt 6 Monate Gefängnis.

* (Ueber eine halbe Million Kriegs­spende der Lokomotivführer.) Bald nach Kriegsausbruch wurde die Kriegsfürsorge in dem Ver­bände kgl. preußischer und großherzogl. hessischer Lo­komotivführer, e. V., auf der Grundlage der Berufs­organisation eingerichtet. Durch regelmäßig wieder­kehrende Sammlungen in den Ortsgruppen des Verbandes wurde nach einer jetzt vorliegenden Uebersicht seit Beginn des Krieges bis 31. Dezember v. I. allein in Preußen-Hessen die bedeutende Summe von rund 590 000 Mark aufgebracht. Für die Kriegs­anleihe wurden durch den Preußisch-hessischen Verband 20 000 Mark und durch einzelne Ortsgruppen 16 500 Mark gezeichnet. Diese Ergebnisse sind als sehr er­freulich zu bezeichnen und um so höher zu bewerten, als außer den Lokomotivführern auch die Reserveloko­motivführer und die Lokomotivführer-Anwärter sich in sehr anerkennenswerter Weise daran beteiligt haben. Die Sammlungen werden weiter fortgesetzt und haben bereits neue ansehnliche Erträgnisse gezeitigt, so daß auch schon weitere Spenden für die Kriegshilfe ver­wendet werden konnten.

* (Die Kaiserspende der Kinder.) Auf den Aufruf der Knieselschen Schule in Meinigen hin, sind dem Reichsmarineamt 40 000 Mk. zur Verfügung gestellt worden als 1. Rate derDankesgabe der deutschen Jugend für unsern Kaiser". Diese von deutschen Schulkindern gesammelte Gabe ist dazu be­stimmt, um dem Kaiser als Erinnerung an das schwere Kriegsjahr ein neues Schiff zu schenken. Alle Kinder an allen deutschen Schulen sollten gerne an diesem Sammeln sich beteiligen. Viele Wenig geben ein Viel. Jede Gabe wird gern angenommen von der Bank für Thüringen in Meiningen. Postscheck­konto Nr. 189 Leipzig. Um Abdruck wird gebeten.

* (Ausschuß für deutsche Kriegsge­fangene." Nach Vereinbarung mit dem Zentral- Komitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, Abteilung für Gefangenenfürsorge Berlin, und unter Zustimmung des Königl. Preuß. Kriegsministeriums soll der bisher nur in Hamburg tätigeAusschuß für deutsche Kriegsgefangene" des Hamburgischen Landes­vereins vom Roten Kreuz seine Organisation auch auf andere Teile Deutschlands ausdehnen. Seine Tätigkeit erstreckt sich auf die Aufklärung der Ange­hörigen über den Verkehr mit den Kriegsgefangenen, die Nachforschung nach solchen Vermißten, deren Auf­enthaltsort durch die offiziellen Stellen wegen der teilweise mangelhaft und mit großer Verspätung ein­treffenden Gefangenenlisten der feindlichen Staaten noch nicht ermittelt werden konnte und die Samm­lung von Geldern zur Unterstützung bedürftiger Kriegs- und Zivil-Gefangener. Zu diesem Zwecke wird in Frankfurt a. M. seitens des Roten Kreuzes ein der Hamburger Gründung nachgebildeterAus­schuß für deutsche Kriegsgefangene" errichtet. Die Hamburger Stelle übernimmt als Zentrale die Or­ganisation in Norddeutschland, die Frankfurter in Süddeutschland einschließlich Hessen-Nassau und der Rheinprovinz. Diese beiden Zentralen werden den Verkehr mit dem Auslande nach einheitlichen Gesichts­punkten gemeinsam besorgen. Für die einzelnen Gegenden Deutschlands werden Unter-Ausschüsse unter dem NamenHilfe für kriegsgefangene Deutsche" ge­bildet. Die Franksurter Vereinigung für Gefangenen­hilfe nimmt diesen Namen ebenfalls an und führt fortan die Geschäfte der Abteilung für Süddeutschland in Frankfurt a. M.

* (Benutzung von Militärzügen durch Zivilpersonen.) Der Kommandierende General des stellvertretenden Generalkommmandos des 18. Ar­meekorps erläßt folgende Bekanntmachung: AllenZivil- personen wird die Benutzung von Militärzügen ver- boten, sofern sie sich nicht im Besitz eines von höchsten

Militärbehörden oder von Linienkommandanturen ausgestellten schriftlichen Geleitescheins befinden. Zu­widerhandlungen gegen dieses Verbot werden auf Grund des § 9 des Gesetzes über den Belagerungs­zustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, sofern die sonst bestehenden Gesetze keine schärfere Strafe bestimmen.

):( Hersfeld, 18. Februar. Aus militärischen Gründen und im Interesse des Verkehrs hält es das K r i e g s m i n i st e r i u m im Einverständnis mit dem Reichspvstamt für dringend erforderlich, daß über die Aushändigung postlagernder Sendungen No. 50 der Anlage I zum Mob. Plan von sämtlichen Generalkommandos einheitliche Vorschriften erlassen werden. Das Kriegsministerium schlägt vor, die Aushändigung derartiger Sendungen allgemein von der Vorlage eines polizeilichen Ausweises oder einer Postausweiskarte, die nach den bestehenden Vorschriften mit einer Photographie des Inhabers versehen sein muß, abhängig zu machen und ersucht ergebenst hier­nach die nötigen Anordnungen zu treffen. Sollte es erforderlich sein, in einzelnen Grenzbezirken diese Vorschriften zu verschärfen, so könnte diesem Erforder­nis von dem beteiligten Generalkommando besonders Rechnung getragen werden.

):( Hersfeld, 18. Februar. Die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode des Landesgerichts­bezirks Cassel war bekanntlich auf Mitte Januar fest­gesetzt worden, fiel aber ganz aus, weil eine ge­nügende Anzahl von Anklagesachen nicht mehr spruch­reif geworden war. Nachdem die strafrechtliche Vor­bereitung dieser Fälle inzwischen weiter gediehen ist, auch einige neue Schwurgerichtsfälle hinzugekommen sind, ist die Tagung dieser ersten Schwnrgerichtsperiode für Mitte März in Aussicht genommen. Die Ver­handlungen werden nur wenige Tage in Anspruch nehmen.

):( Hersseld, 18. Februar. (Verlustliste 152.) Jnf.-Regt. Nr. 56. Musk. LudwigKnittel, Dünkelrode, (Kr. Hersfeld), gefallen. Jnf.-Regt. Nr. 132. Res. Valentin Mentel, Untergeis bisher vermißt, verw.

):( Hersfeld, 18. Februar. Neu angeschlossen an das Fernsprechnetz: A. Nußbaum Breitenstraße 22 unter Nr. 292.

):( Hersfeld, 18. Februar. Heute Morgen fand in einem Hause der Wallengasse ein kleiner Stuben- brand statt, bei welchem mehrere Kleidungsstücke verbranten. Derselbe wurde durch Hausbewohner gelöscht.

):( Hersfeld, 18. Februar. Der Feldwebelleutnant im Landsturmbataillon Hersield, Herr Georg Sauer, wurde zum Leutnant d. Reserve befördert.

Caffel, 18. Februar. In der Sitzung des Ver­bandsausschusses des Hess. Verbandes Ländl. Genossen­schaften, die gestern im Raiffeisenhaus Hierselbst statt- fand, berichteten Herr Lanüesökonomierat Rexeodt u. Herr Genossenschaftsdirektor Schüler über die Land­wirtschaftliche Zentraldarleynskasse in Berlin, ihre hiesige Filiale und die Hessische Raiffeisen-Organisation und wurde mit Genugtuung von dem in vieler Be­ziehung erfreulichen Stand des ländl. Genossenschafts­wesens, das auch in der Kriegszeit sich gut bewährt hat, Kenntnis genommen. Herr Pfarrer Meyenschein- Altenhaßlau, der mit Herrn Genossenschaftssekretär Elmer an dem vom Ministerium des Innern in Berlin veranstalteten Lehrkursus für Redner über Volksernährung teilgenommen hat, machte über ihn und besonders darüber Mitteilungen in welcher Weise die über diese wichtige Angelegenheit nötige allge­meine Aufklärung erfolgen solle und wie dabei auf dem Land vor allem die Genossenschaften und ihre Führer wertvolle Dienste leisten können. Auch be­züglich der durch den Bundesrat angeordneten Ver­teilung von Brotgetreide und Mehl hielt Herr Land­gerichtsrat Klingenbiel-Marburg eine Mitwirkung der ländl. Genossenschaften in den Kreisen für wünschens­wert und zeigte, wie der Verkehr mit Brotgetreide und Mehl im Kreise Marburg geregelt wird und daß den Darlehnskassenvereinen die Abgabe von Mehl übertragen werden soll. Bei Besprechung der Ver- fügung über die Fütterung von Hafer, durch die es für die Landwirte sehr schwierig und fast unmöglich wird, ihr Anspannvieh leistungsfähig zu erhalten, wurde einstimmmig ein dementsprechender, an den Herrn Kriegsminister weiterzugebender Beschluß gefaßt.

Eisenach, 17. Februar. Wie der Gemeindevorstand von Marksuhl dem Eisenacher Polizeiamt mitteilte, werden aus dem Orte seit Sonnabend, den 13. Februar, fünf Kinder vermißt. Das jüngste der Kinder ist 7 Jahre, das älteste 10 Jahre alt. Zwei der verrmyten Kinder gehören der Familie Niebling, zwei der Familie Schumann und eines der Familie Wolf an. Bis jetzt hat sich noch kein Anhaltspunkt dafür er­geben, in welcher Richtung die Vermißten zu suchen sind.

Erfnrt, 17. Februar. Aus der Gera wurde gestern der in Wolldecken verpackte Rumpf eines Mannes gezogen. Die Arme, Beine und der Kopf waren ab­

geschnitten und nicht bei der Leiche. Es handelt sich um ein Verbrechen, das vermutlich schon vor mehreren Wochen begangen wurde. Anscheinend wurde der Leichnam erst nach Erfurt verschleppt. Die näheren Umstände sind unbekannt.

Fnlda, 16. Februar. Die Stadtverordneten ge­nehmigten heute den städtischen Haushaltsplan für 1915 auf folgende Feststellungen. Ordentliche Ver­waltung: 1177 300 Mk. Außerordentliche Verwalt­ung : 86 282,72 Mk. Volksschulen: 250 600 Mk. Fonds­verwaltung : 158 420,88 Mk. Grundstücksverwaltung: 64 400 Mk. Steuern werden nicht erhöht. Im Ver­gleich zum Vorjahr weist der Hauptetat ein Mehr auf von 7281.69 Mk.

Wiesbaden, 17. Febr. Die Tatsache, daß Wies­baden als Kriegsbad von verwundeten und kranken Offizieren besonders bevorzugt wird, hat die auf­fallende Erscheinung gezeitigt, daß im Januar d. Js. die Zahl der hier amtlich gezählte» Kurgäste mit 4880 um 341 höher ist als im Januar des Vorjahres trotz der jetzigen allgemeinen Reiseunlust. Die Zahl der Passanten freilich ist stark zurückgegangen.

Frankfurt, 17. Februar. (Einer, der nicht in den Krieg wollte.) Im August wurde in der Nähe der Station Goldstein einem Manne vom Eisenbahnzuge ein Fuß abgefahren. Es war der 39jährige Wehr­mann Julian Godard aus Lothringen, der sich in Mainz, noch ehe er eingekleidet war, unerlaubt aus der Kaserne entfernt hatte. Man dachte zunächst an Selbstverstümmelung und leitete ein Verfahren ein. Ein Arbeiter, der den Wehrmann noch in letzter Sekunde vor der Lokomotive weggerissen hatte, be­kundete, daß der Kopf auf den Schienen gelegen habe. Es handelte sich also um einen Selbstmordversuch, der natürlich nicht strafbar ist. Dagegen hatte sich der Wehrmann der unerlaubten Entfernung schuldig ge­macht und wurde dafür mit drei Tagen Mittelarrest bestraft.

Kaiser Franz Joses an die Kinder­welt seines Reiches.

Der greise Kaiser Franz Josef hat einen er­greifenden Brief an die Kinderwelt seines Reiches gerichtet. Er gehört wohl zu den schönsten Dokumenten, die der Weltkrieg gezeitigt, zu den schönsten auch, die der ehrwürdige Monarch in seiner langen Regierungs­zeit erlassen hat. Er lautet:

An die lieben Kinder unsres Reiches.

Wenn ich an der Schwelle des Grabes in so ernster Stunde an Euch Mich richte, geliebte Kinder, geschieht es aus mehrfachen Gründen. Einmal wäret ihr immer die Freude, der Trost, ja oft in schweren Zeiten Meines langen Lebens der einzige Trost und die einzige Freude Eures Kaisers und Königs. Wenn Ich Euch sah, traf Mich in den Schatten meines Da­seins wieder ein Sonnenstrahl. Ihr seid es, Kinder, die dem Herzen Eures Kaisers und Königs am nächsten stehen, die Blumen Meines Reiches, die Zierde Meiner Völker, der Segen der Zukunft.

Aber nicht bloß Eurem Kaiser und König steht Ihr am nächsten, noch einem, vor dem auch die Mäch­tigsten dieser Welt hilflose Geschöpfe sind, Gott, unsrem Herrn, in Eurem Auge strahlt noch das Licht des Schöpfungsmorgens, um Euch ist noch Paradies und Himmel. Gott ist allmächtig, in seiner Hand liegt das Schicksal aller Völker. Seinem Willen beugt sich alles, nach ihm lenken sich die Sterne und die Menschen.

Daß diese 'allmächtige Gotteshand Oesterreich-Un­garn hüte und bewahre, es über seine zahlreichen Feinde siegen und im Siegen erstarken lasse, zu Gottes Ehre und Verherrlichung, das ist noch das einzige, was Mir nach einem an Trübsal reichen Leben zu wünschen übrig bleibt. Es war Mein Wunsch, als Ich so jung und hoffnungsselig auf den Thron Meiner Väter stieg, es wird der Wunsch sein, der bald vielleicht auf Meinen sterbenden Lippen als das Wort der letzten Liebe und Sorge für Meme Zander, Meine Völker verweht.

Gott lenkt alles so, wie er es will. Wrr Menschen vermögen nichts außer ihm und ohne ryn. Da Ihr, liebe Kinder, Gott zunächst steht, bittet Euch Euer Kaiser und König, betet, daß er uns segne und unsrer Sache seine Gnade schenke. Gott erhört das Gebet der Unschuld, weil er sie liebt, in ihr sein Bild er­kennt. Darum lasset nicht ab, zu beten mit gefalteten Händen, Ihr Kleinen und Ihr Kleinsten.

Wenn des Reiches Kinder für chr Vaterland beten, weiß Ich, unser Stern steht gut. Dann seid Ihr mit teilhaftig am Sieges- und Ehrentage des Reiches. Ihr habt den Segen herabgefleht aus unsre Fahnen, auf unser Heer. Liebe Kinder, vergesset nicht das Reich, dem Ihr auf Erden zugehört, und seinen alten Kaiser."

Verschwendet Brot! |

Feder spare, so gut er kam. |