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Sun« hinter Bet deutschen Front gezwungen wurden. Die übrigen englischen Flugzeuge ergriffen die Flucht. Auch ein Versuch französischer Flieger, an der norö- französischen Front deutsche Flugzeuge zu verfolgen, mißlang. Ein französisches Flugzeug kenterte bei dem heftigen Sturme und stürzte ab.

te* Genf, 17. Februar. (T. U.) Petit Parisien mel­det nach derTgl. Rösch.", daß Pont a Mousson beinahe täglich von deutschen Fliegern überflogen wird, die Bomben und Pfeile abwerfen. Vorgestern wurde durch die Fliegerbomben ein Brand verursacht, der aber bald gelöscht werden konnte. Infolge der Fliegerangriffe und der täglichen Beschießung der Stadt ist der größte Teil der Bevölkerung abgewandert. Der Schaden in Pont a Mousson ist ungeheuer.

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Entsendung englischer Schiffe aus dem Mittelmeer nach Ostasien?

Aus Informationen verschiedener Blätter scheint, wie dieMagdeb. Ztg." berichtet, mit Sicherheit hervor- zugehen, daß Abtransports von Marineinfanterie, die sehr viel bei den Kämpfen in Flandern verwendet wur­de, stattgefunden haben und noch vor sich gehen wer­den. Angesichts der Tatsache, daß das französische Heer an großem Mannschaftsmangel leidet, erweckt diese Maßnahme einiges Erstaunen. Die französische Re­gierung beabsichtigt offenbar die Besatzung der franzö- schen Kriegsschiffe, die aus das allernotwendigste herab­gesetzt worden war, wieder auf volle Kriegsstärke zu bringen. Die Gründe hierfür sind unbekannt und geben zu vielen Vermutungen Anlaß. Am hartnäckigsten er­hält sich das Gerücht, wonach Teile der englischen Schlachtflotte im Mittelmeer im Begriff stehen, nach Ostasien abzugehen und daß die Franzosen an ihre Stelle treten sollen.

Churchills Drohung.

London, 16. Februar. (WTB.) Im Unterhause brächte gestern Churchill den Flottenetat ein. Er sagte dabei u. a.: Nach sechs Monaten des Krieges, wo neue Gefahren und Schwierigkeiten in den Gesichts­kreis getreten sind, haben wir allen Grund zufrieden zu sein mit dem Ergebnis der Anstrengungen, um für die Flotte vorzusorgen. Ein mächtiges deutsches Ge­schwader befand sich im Ozean, jetzt ist Sir Jellwoes Flotte ohne Herausforderung. Zwei kleine deutsche Kreuzer und zwei Hilfskreuzer, das ist alles, was übrig geblieben ist, und diese verbergen sich. Was die deutsche Drohung betrifft, so sehen wir uns einer Art. von Kriegsführung gegenüber, wie sie noch nre von emem zivilisierten Staat verwirklicht worden ist. Deutschland darf nicht in die Lage kommen, sein System von offen­barem Mord und Seeraub anzuwenden. Bisher haben wir neutrale Schiffe nicht daran gehindert, einen direk­ten Verkehr mit deutschen Häfen zu unterhalten. Die Zeit ist aber gekommen, wo man erwägen muß, ob einem Staat, der sich durch seine Politik außerhalb aller nationalen Perpflichtungen gestellt hat, der Genuß un­serer Rechte nicht entzogen werden muß. Die verbün­deten Regierungen werden eine neue Erklärung abge- ben, um den Feind mit aller Kraft den Druck der See- ^ Churchills^ Drohungen bleiben ohne Eindruck auf uns.

Englische Vorsichtsmaßregeln.

Daß die Ankündigung der deutschen Aktion nicht ohne Wirkung auf England bleibt, beweisen folgende von derFrkf. Ztg." derTimes", entnommene Mtt- teilungen. Die Admiralität hat bei drei der größten Firmen eine große Anzahl von Rettungsgürteln und sogenannten Mirailda-Rettungswesten bestellt. Die Fa­briken haben 200 Mädchen mehr einestellt, um in kür­zester Zeit diesen erhöhten Ansprüchen der AdmiraUtat genügen zu können. Die schottischen Eisenbahnlinien, die den Dampferdienst nach Irland betreiben, haben ihre Frachtsätze um 8 bis 10 Prozent erhöht.

Große Besorgnis herrscht in London.

Die englische Admiralität hat, wie dieVoss. Ztg." aus Hamburg berichtet, angeordnet, daß Verluste von Handelsschiffen nicht mehr öffentlich bekanntgegeben werden sollen. Die Dampfer der Hauptschiffahrtslinien sollen in Zukunft, wie denHamb. Nachr." aus Brüssel gemeldet wird, von Kriegsschiffen bis weit in das offene Meer begleitet werden.

Einstellung des Schiffsverkehrs Le Havre-London.

Nach Amsterdamer Meldungen aus Havre wird der fahrplanmäßige Schiffspassagierverkehr mit England am 17. ö. M. eingestellt. Viele in England, namentlich in London sich aufhaltende Belgier wollen vor Donnerstag mit Rücksicht auf die deutschen Maßregeln nach Holland und Belgien zurückkehren.

Vorstellungen der nordischen Regierungen.

Kopenhagen, 17. Februar. (T. U.) Amtlich wird nach demB. L.-A." berichtet: Die dänische, norwegi­sche und schwedische Regierung haben sich bei ihren in Stockholm geführten Verhandlungen dahin geeinigt, gegenüber der britischen und deutschen Regierung Vor­stellungen zu erheben anläßlich der Gefahren, die der neutralen Schiffahrt drohen.

Der Balkan.

Der türkisch-griechische Zwischenfall.

Konstantinopel, 16. Februar. (WTB.) Die Agentur Milli veröffentlicht folgende Mitteilung: Die griechische Gesandtschaft hat mit der Erklärung, daß derMarine- attachee Kriezis durch einen Zwilbeamte» velMigt wor­den sei, gemisse Forderungen aufgestellt. Mit Rück­sicht auf die zwischen beiden Staaten bestehenden guten Beziehungen und auf die strengen, für derartige Falle geltenden Regeln der internationalen Höflichkeit hatte die Kaiserliche Regierung diese Forderungen angenom­men und den griechischen Gesandten von der Annahme verständigt. Trotz des diesbezüg! ständnisses ist der hellenische Geh

siich erzielten Einver- andte vorgestern früh

abgereist.

DieKöln. Ztg." berichtet in dleser Sache weiter aus Athen: Da die von der Pforte schriftlich verspro­chene Genugtuung über den Zwischenfall mit dem grie­chischen Militärattaches nicht nach der gestellten Frist gegeben und der griechische Gesandte nach einmaliger Verlängerung der Frist eine neue nicht bewilligen konnte, reiste er von Konstantinopel ab unter Ueber- tragung der Dienstgeschäfte an den ersten Sekretar der Gesandtschaft. Hiesige amtliche Kreise halten gleichwohl eine gütliche Regelung der Angelegenheit für möglich, wenn sich die Pforte beeilt, die gewünschte Genugtuung zu geben. Der türkische Gesandte besuchte Venizelos und hatte eine längere Besprechung mit ihm.

Die Neutralen.

Portugal will neutral bleibe».

Der neue portugiesische Ministerpräsident General Castro erklärte nach einem Brüsseler Telegramm der »Magdeb. Ztg." beim Empfang der Vertreter der Lissa- voner Presse, Portugal werde weder an dem euro­päischen Feldzuge, noch an dem Kriege in Aegrivten teil­

nehmen, sondern in Eintracht mit dem allgemeinen Volkswillen Neutralität beobachten. Auch der Prä­sident der Republik weigert sich ganz entschieden, sich von England in den Weltkrieg hineinzerren zu lassen.

Chinas schwierige Lage.

^ Amsterdam, 17. Februar. (T. U.) Aus Peking wird nach derKöln. Ztg." derTimes" gemeldet: Der chinesische Gesandte in Tokio hat der Regierung in Pe­king mitgeteilt, daß Japan sich weigere, seine Haltung gegen China zu ändern. China scheint entschlossen, die Verhandlungen über die ganzen Forderungen nicht so­gleich führen zu wollen. Um die Forderung über die Ostmongolei und Südmandschnrei soll sogleich verhandelt werden. China erklärt, es werde nach dem Ende des europäischen Krieges bereit sein, über die Schantung betreffenden Fragen zu behandeln.

Nach Kopenhagener Blättermeldungen berichtet die Petersburger Telegraphen-Agentur" aus Peking: Mnanschikai lehnte die Forderung nach Anerkennung des japanischen Protektorats über die Provinz Schantung ab und berief das chinesische ParlamerA zur Beschluß­fassung über die Forderungen Japans.

Englische Befürchtungen.

In denDaily News" gelangt nach einer Meldung desH. K." ein Kenner des japanischen Problems zu dem Urteil, daß die Lage sehr ernst aufzufassen sei. Wenn China Japan die Mitkontrolle auf die gewaltigen Eisen­werke Hangjang zugestehe, werde sich Japan im Herzen der englischen Einflußsphäre festsetzen. Eine richtige Beurteilung der Frage sei, schließt dieDaily News", vor dem Eintreffen der japanischen Note nicht möglich. Heute aber dürfe schon gesagt werden, daß China in das Berlaugen Japans nicht einwilligen könne, ohne die Interessen anderer Mächte ernstlich zu schädigen.

Kriegsallerlei.

Ein Tagesbefehl König Ludwigs.

König Ludwig hat unter dem 15. Februar 1915 fol­genden Tagesbefehl erlassen: Von meinem Besuch bei den Truppen, bei dem ich den größten Teil meiner Ar­mee gesehen habe, zurückgekehrt, drängt es mich, meiner braven Armee meinen Dank zu sagen für ihre hervor­ragenden Leistungen und meine Anerkennung für die vortreffliche Verfassung, in der ich sie gefunden habe. Ich bin mit hoher Befriedigung erfüllt über das Lob und die Achtung, die der bayerischen Armee von allen Seiten gezollt wird. Ich bin stolz auf den ausgezeichneten Ruf, den sie sich in diesem Kriege neuerdings erworben hat. Mit Vertrauen blicke ich in die Zukunft in der festen Zuversicht, daß meine Armee in treuer Pflichterfüllung ausharrt, bis ein glücklicher und dauernder Friede für unser Vaterland erkämpft sein wird.

Erster Kriegsgefangenen-Austausch zwischen England nnb Deutschland.

DerRott. Cour." meldet aus Vlissingen: Dienstag nachmittag wurden rund hundert verwundete deutsche Kriegsgefangene aus England erwartet. Sie sollen durch Transportkolonnen des Roten Kreuzes und durch Marinepersonal in den Zng gebracht werden, mit dem sie die Reise nach Deutschland fortsetzen werden.

Eisenbahnbeamte mit dem Eisernen Kreuz.

Von den im Felde stehenden Beamten und Arbei­tern der Eisenbahnverwaltung erhielten bisher von Oberbeamten 101 das Eiserne Kreuz 2. Klasse, von Bahnärzten 72 das Eiserne Kreuz 2. Klasse, einer das der 1. Klasse, von mittleren Beamten 333 das Eiserne Kreuz 2. Klasse, 3 das der 1. Klasse, von Unterbeamten 179 das Eiserne Kreuz 2. Klasse, einer das der 1. Klasse, und von Arbeitern 313 das der 2. und einer das der 1. Klasse.«

Ich will meine Kameraden rächen . . ."

Ein Kriegsteilnehmer, der an der Westfront steht, erzählt in einem Feldpostbrief folgende Episode:Eine Sappe wurde kürzlich von den Franzosen genommen und dabei ein paar Pioniere und Dragoner nieöerge- stochen. Einer dieser Pioniere wurde nur in den Arm gestochen und, da er umfiel, von den Franzosen für tot gehalten. In diesem Glauben achteten sie seiner nicht und häuften Sandsack auf Sandsacr über feinem Körper. Der Pionier konnte alles beobachten; aber lieber er­sticken, dachte er, als von den Franzosen totgeschlagen werden, denn Pioniere sind am gebatztesten bei den Franzosen. Da nach einiger Zeit ertönten fürchterliche Detonationen. Die Dentschen warfen Minen. Die Franzosen flohen unter Zurücklassung ihrer Waffen. Aber die Deutschen kamen nicht sofort nach.Kommt doch heran!" schreit der Pionier,die Franzofen sind schon lange fort." Unsere Leute fürchten eine Falle, wie schon oft und riefen zurück:Sage erst die Parole!" Aber der gute Pionier hatte sie vergessen. Endlich ka­men die Deutschen heran, stürmten auf den Sanösack- Haufen zu und befreiten den Kameraden. Er sollte mit seiner Verwundung ins Lazarett geschafft werden, aber mit eisernem Willen verlangte er zu bleiben.Ich will meine Kameraden rächen," sagte er auf alle Vorhaltun­gen. Abends ging er mit Handgranaten bewaffnet in die französische Schützenlinie er rächte seine Kame­raden. Nach der Rückkehr versagten ihm die Nerven und er fiel vor Schwäche und Anstrengung ohnmächtig um. Er ist zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen worden.

Sie masurischen Seen.

Die zweite Schlacht an den masurischen Seen, die in diesen Tagen im Osten derselben stattfand, und in der über 50 000 Russen gefangen genommen und reiches Material erbeutet wurde, dürfte es wünschenswert er­scheinen lassen, etwas Ausführliches über diese Seen zu erfahren, umso mehr, als es wohl kaum eine Gegend gibt, die so reich an Seen ist wie die ostpreußische Land­schaft Masuren, in der wir die größten Binnenseen finden, die Preußen und Deutschland überhaupt besitzt, den 105 Quadratkilometer großen Mauersee und den 102 Quadratkilometer umfassenden Spirdingsee.

An der Westgrenze Masurens befindet sich der über 1% Meilen lange Muckersee, der durch den Crutinna- fluß mit dem Beldahnsee in Verbindung steht, welch' letzterer wieder durch den Gußinsee mit dem in weitem Bogen sich hinziehenden Niedersee verbunden ist. Von einem zum anderen Ende besitzt diese Seeplatte eine Länge von mehr als sechs Meilen. Der gewaltige Manersee ist neben zahlreichen, teilweise bewaldeten Inseln durch eine ansehnliche Menge von umfangreichen Ausbuchtungen charakterisiert, die meist noch ihre be- sondere Namen führen. Diese vielfachen, tief ins Land hineinreichenden Buchten sprechen für die Wahrschein­lichkeit, daß dieser See ursprünglich kein einheitliches Becken gewesen ist. Den Mauersee verbindet der Lötze- ner Kanal mit seinem südlichen Nachbar, dem Löwen- tinsee. Er ist der kleinste der drei großen masurischen Seen und von mehr abgerundeter Gestalt. Eine einzige Insel, die sogenannte Franzoseninsel, erhebt sich aus seinem Wasser. Während im Osten und Süden die Ufer- gelände von dem Fleiße des Landmannes Zeugnis ab- leaen. grüßen vom Westen dunkle Wälder. welche die

Uferberge krönen und sich in den blauen Wellen spie­geln. Nach Südosten setzt sich der Löwentinsee in dem wenig umfangreichen Saitensee fort, der durch den kur­zen Kullakanal mit dem langgestreckten Jagodnersee und großen Henselsee in Verbindung steht. Aus diesem führt der Schimonker Kanal in den Großen Schimonsee, der wiederum durch einen Kanal mit dem etwa % Kilo­meter breiten Großen Kottecksee verbunden ist. Eine kurze Kanalstrecke leitet von hier nach dem Taltowisko- see, und dieser endlich läßt seine Wasser durch das Schlutzstück des ganzen Kanalsystems nach dem Talter- gewässer fließen, das mit dem Nikolaikersee die weitere Verbindung mit dem zweitgrößten der masurischen Seen, dem Spirdingsee, vermittelt.

Der Spirdingsee bildet ein einheitliches Becken von der Gestalt eines nahezu gleichseitigen Dreiecks. Gleich dem Mauersee zeigen seine Uferränder im Norden viel­fache Ausbuchtungen, die teilweise ihre eigenen Namen erhalten haben, so im Süden den länglichen Warnold- see und den Sextersee mit dem Kalzaramosee, von denen jener durch den Johannisburger Kanal mit dem Rosch- see verbunden ist, aus dem der Pissekflutz entquillt; im Norden bilden der schmale Tirklosee sowie der Tuchliner und der fast kreisförmige Luknainer See Ausläufer des Spirding. Von den wenigen Inseln des Spirding sind erwähnenswert der Spirüingwerder, der einen Durch­messer von 1 Kilometer besitzt und bewohnt ist, sowie der Teufelswerder, der früher das von Friedrich dem Großen erbaute, aber später geschleifte Fort Lock ge­tragen hat. Mit dem Svirding ist durch ein teilweise kanalisiertes Fließ -er Aryssee verbunden, der in seiner äußeren Gestaltung eine gewisse Aehnlichkeit mit seinem viel größeren Nachbar zeigt und eine ansehnliche Zahl von Inseln hat.

Sind die vorgenannten Seen auch die bedeutendsten des Masurenlandes, so finden wir ihrer doch noch eine große Menge recht umfangreicher im Osten, wo die neue Schlacht stattgefunden hat. Am bemerkenswertesten find dort die Goldapper und Krucklinner See, die ihre Wasser nach dem Mauersee senden, der Haßnen- und Litigaino- see, welche gleich dem Gablicker dem Szonstag- und Mid- minner See mit dem recht umfangreichen Laßmiadensee durch Flußläufe in Verbindung stehen. Der letztere sendet seine Wasser durch den Lyckflutz nach dem Lycksee bei der im jetzigen Kriege oft genannten Stadt Lyck, der wiederum mit dem nordwestlich gelegenen Großen Sa- winda-Malkiehnen- und Sanowosee verbunden ist. Der in südöstlicher Richtung fließende Lyckflutz nimmt in seinem weiteren Laufe die Zuflüffe aus dem Oletzkosee, dem Großen Selment-, dem Skoment-, Stützen- und Ratgroösee auf und führt die Wasser dieses vielver­zweigten Seenkomplexes durch den Bober nach der Ra­rem und damit gleichzeitig nach der Weichsel. Die zahl­reichen, waldumrauschten Seen bilden den Hauptreiz des Masurenlandes.

Einen abenteuerlichen Valronillengang, der mit dem Militärverdienstkreuz belohnt wurde, schildert ein Leiber" in einem Brief, den die. N. N." veröffentlichen.

Die Nacht breitete ihren Schleier über Berg und Tal. Unten im Grunde stiegen dichte Nebel auf, die sich wie ein Keil zwischen Freund und Feind schoben. Das Feuer der brennenden Gehöfte drang nur mehr schwach durch das alles umhüllende Grau. Ich wurde zum Bataillonskommandeur gerufen. Ich sollte mit vier Mann einen Patrouillengang erkunden, ob und wie stark A. noch vom Feinde besetzt sei.

Ich suchte mir vier schneidige Burschen heraus, dann ging es hinüber nach A., dem heiß umstrittenen. Auf allen möglichen Umwegen kamen wir an das Dorf. Auf einmal krachte es: die feindliche Feldwache hatte uns enldeckt. Hier war also nichts zu suchen, aber auch an allen anderen Stellen, wo wir durchschleichen wollten, wurden wir angeschossen und liefen sogar Gefahr, ge­fangen zu werden. Zwei knallten wir weg, einer der unseren be- kam einen Streifschuß. In der Ortschaft herrschte sichtlich reges Leben. Ich hätte jetzt meine Ausgabe erfüllt gehabt, doch ich wollte mehr.Durch das Dorf und die feindliche Artillerie er­kunden," schoß mir jäh durch den Sinn. Zwei Mann, darunter den Verwundeten, schickte ich mit der Meldung zurück:A. von stärkeren feindlichen Kräften besetzt. Patrouille sucht die feind­liche Artilleriestellung zu erkunden; wenn bis 2 Uhr nachts nicht zurück, ist sie verloren.

Nun nahmen wir alle unsere Kräfte zusammen. Wir mußte» durch, und es ging: 5 Meter vom feindlichen Posten entfernt schlichen wir uns in einem Bache durch, dessen Plätschern für uns vorteilhaft war; 400 Meter ging es so weiter, immer im Wasser, nur den Kopf an der Oberfläche, mitten durch das Dorf; kein Laut wurde gesprochen, blind folgten meine beiden Leute. End­lich nahm es ein Ende. Wir kamen in einen Hohlweg und walten unsvon dort in den Wald schleichen. Wir waren noch so 154 Nieter davon entfernt, da auf einmal ein Rollen und leise Kom, mandorufe: eine Batterie Artillerie fuhr vor uns etwa 80 SRcta entfernt auf und fing sofort zu feuern an.

Nun mußte die Meldung zurück, koste es, was es wolle. G» erschien vorteilhafter, einzeln zurückzugehen, einer kam da»» vielleicht doch durch. Ich schätzte die Entfernung vom Dorf bis zur Batterie und wollte eben meine beiden Leute abgehen lassen, da hörten wir eine feindliche Abteilung knapp an uns voroet« kommen. Vorsichtig drückten wir uns an den Hang, wir wurden nichte, t eckt. Als es ruhiger wurde, zogen meine Leute ab. Stumm drückte mir jeder die Hand, denn wer konnte wissen, was ge* schah.Haltet Euch tapfer und vorsichtig, wir müssen unbedingt durch, die Meldung ist zu wichtig, Gott befohlen!"

Ich wollte noch bleiben und mich im geeigneten Moment in den Wald schleichen, um auf anderem Wege durchzukommen. Fortwährend schoß die Artillerie. Ich kroch aus dem Hohlweg heraus und schob mich in einer Ackerfurche vorwärts. Da kam mir plötzlich der Gedanke, die Artillerie noch etwas zu belästigen und dann zu verschwinden. Ich richtete mir 10 Patronen her und schoß, mit höchster Steigerung, der Artillerie in die Flanke. Vier Mann seh ich fallen, ein mildes Durcheinander entstand, alles legte sich auf den Boden und hinter die Geschütze. Ich schoß noch immer zu, da sprang ein Offizier und 6 Mann, als sie merkten, daß nur einer schoß, auf und gegen mich los. Zwei knalle ich noch weg, dann hatte ich nichts mehr im Lauf und mit einem:Bonjour messieurs! rannte ich davon in wildem Lauf und sie nach. Ich weiß nicht, warum sie nicht schössen, hatten sie doch Karabiner, oder wollten sie mit mir Wettlaufen? So bin ich meiner Lebtage noch nicht gelaufen und gedacht habe ich mir dabei:Wenn sie dich erwischen, bist' kaput." Vor mir lag das besetzte Dorf, hinter mir die Verfolger im Dorfe eine fieberhafte Unruhe, hervorgerufen durch mein Schießen. Schon blitzte der Gedanke in mir auf:Ergib dich," da kam die Ret­tung : der Bach! Ich warf mich hinein und die Artilleristen liefen richtig an mir vorbei! Im Wasser kroch ich dann durch das alarmierte Dorf. Mich fror in dieser halben Stunde nicht, im Gegenteil es wurde mir eher heiß, denn da ist's mir einmal richtig nahegestanden. Durch die Vorposten am anderen Dorf­rand ging es ganz gut, dann kroch ich aus meiner Rettungs- quelle heraus und lief die Wiesen hinunter zur Straße. Dort raf ich meine beiden Leute noch an. auch sie sind ganz aben­teuerlich durchgekommen, hatten mein Schießen gehört und sind tnicht weitergegangen, weil sie meinten, mir noch Hilfe bringen zu können, die Braven.

Ich konnte meine Meldung erstatten und erntete reiches Lob. Die feindliche Artillerie wurde von der unseren beschossen und ebenso A. . . . Am nächsten Tage gingen wir vor. A. . . lag voll Toten. Von der Batterie waren drei Geschütze samt Be> (panitung vernichtet.