Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 41.
Donnerstag, den 18. Februar
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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt | sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |
Bus der Heimat.
* (Die Erhöhung der Bierpreise.) Von bestunterrichteter Seite erhalten wir folgende Information : In wenigen Tagen wird eine Bundesratsverordnung in Kraft treten, wonach Malz nur noch in beschränkten Mengen zu Brauzwecken verwendet werden darf. Diese einschneidende Maßnahme, in Verbindung mit der enormen Preissteigerung fast sämtlicher Rohmaterialien und sonstiger Bedürfnisse der Brauereien wird zur Folge haben, daß nicht nur die Brauereien genötigt sind, einen erheblichen Aus- schlag von ihren Abnehmern zu nehmen, sondern daß auch die Gastwirte im Interesse der Erhaltung ihrer Existenz genötigt sein werden, das Bier teurer zu verkaufen.
* (B a h n e r ö f f n u n g.) Die Eisenbahn-Neubaustrecke Niederaula—Grebenau wird nicht, wie festgesetzt war, am 1. März eröffnet, sondern am 15. April oder erst am 2. Mai ö. Js.
* (Der Po st verkehr mit den Kriegsgefangenen.) Das Reichspostamt hat dieser Tage von dem Merkblatt über den Postverkehr mit deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen im Auslande eine Neu- ausgabe herstellen lassen. Das Reichs-Postamt ist, wie wir hören, bereit, das Merkblatt kostenfrei unmittelbar an Interessenten abzugeben. Diese hätten nur den Wunsch durch Postkarte der Geheimen Kanzlei des Reichs-Postamts in Berlin W. 66 mitzuteilen.
):( Hersfeld, 17. Februar. Mit dem Eisernen Kreuz und zuvor mit der Großherzogl. Badischen Tapferkeits-Medaille in Silber wurde der Vize-Wacht- meister Hermann Iablinski vom 22. Dragoner Regt, (früher Kriegsschule hier) ausgezeichnet.
):( Hersfeld, 17. Febr. (AusderVerlustliste 151.) Res. Ins. Rgt. Nr. 7. Wehrmann Johannes Rudolph, Herfa, Hersfeld gefallen.
-s- Kleba, 17. Februar. Der Landwehrmann Adam Braun vom Jnf.-Regt. Nr. 46 eroberte bei einem Sturmangriff in Rußland ein Maschinengewehr und 1 Fernglas. Für seine Tapferkeit erhielt er das eiserne Kreuz und wurde zum Unteroffizier befördert.
Hofgeismar, 15. Februar. Die Strafkammer verurteilte gestern den Bäckermeister Georg K. aus Hof- geismar wegen Uebertretung der Bundesratsverordnung betr. das Verbacken von Weizenmehl zu 15 Mark Geldstrafe. Bäckermeister K. hatte nach wie vor Brötchen von Weizenmehl im Gewicht von 180 Gramm gebacken, während er nach den Bestimmungen der Bundesratsverordnung nur Brötchen von Weizenmehl im Gewicht von höchstens 100 Gramm backen durfte. Der Bäckermeister war von der Konkurrenz angezeigt worden; er entschuldigte sich damit, daß er in diesen Tagen, als die Bundesratsverordnung erschien, keine Zeit zum Lesen der Verordnung gefunden hätte, da ihm zahlreiche Gesellen eingezogen worden waren und er daher alle Arbeiten selbst tun mußte. Diesen Entschuldigungsgrund ließ das Gericht zu einem Teil gelten und sah deshalb von einer höheren Strafe ab.
Marburg, 15. Febr. Zwei dreizehnjährige Jungen von hier haben das Weite gesucht, um auf dem westlichen Kriegsschauplatz ihren kriegerischen Tatendrang zu befriedigen. Die Kriegs- und Reisekasse enthält hundert Mk., die der eine von ihnen einem hiesigen Geschäftsmann unterschlagen hat. Hoffentlich werden sie festgenommen, bevor das Geld verbraucht ist.
Ohrdruf, 10. Februar. Die beiden Franzosen, die am Mittwoch abend aus dem hiesigen Gefangenenlager entwichen sind, sind am Sonnabend in Würz- burg wieder ergriffen worden.
Fulda, 16. Februar. Das Backen vou Kuchen, die in Haushaltungen hergestellt werden, ist den Bäckern laut amtlicher Bekanntmachung verboten.
Hanau, 15. Febr. Der Hanauer Geschichtsverein hat beschlossen, in seinem Museum eine Ehrentafel aufzustellen, auf der die Namen und die Photographischen Abbildungen der in dem gegenwärtigen Kriege Gefallenen und der Ritter des Eisernen Kreuzes aus Hanau (Stadt- und Landkreis angebracht werden sollen.
Flachs- and Hanftau betreffend
Vom Tage der Mobilmachung an war der deutsche Konsum vom Bezüge ausländischen Flachses ganz
abgeschnitten und nun wurde es den beteiligten Kreisen plötzlich ganz klar, welche unabsehbare Kalamität hieraus entstehen konnte, wenn der Krieg länger dauern sollte. Der Bedarf in allen Sorten Leinen-Geweben für die vielerlei Ausrüstungsgegenstände von Heer und Marine, für Lazarette und Bekleidungsämter räumte alle Fabrikläger und die Webereien können bis zur Stunde den Anforderungen nicht rasch genug nachkommen. Die öffentliche Mild- tätigkeit zeigte sich fast überall im besten Lichte und gar viele Leinenschränke wurden ihres Inhaltes beraubt, um den außerordentlichen Erfordernissen an Wüsche und Verbandstoffen einigermaßen zu entsprechen. Wenn auch die einheimische Leinen-Spinnerei von dem in Feindesland beschlagnahmten Flachsvorräten für wenige Monate Rohmaterial erhält, war indessen noch von einem glücklichen Verlauf des Feldzuges abhängt, so könnte es nach menschlichem Ermessen nicht ausbleiben, daß die ganze Industrie im Herbste ihre Betriebe still legen müßte, wenn nicht in Deutschland dafür gesorgt wird, daß die eigene Landwirtschaft dieses Frühjahr wieder zum Flachsbau zurückkehrt, um im Herbste den großen inländischen Bedarf befriedigen zu können. Schon heute sind die Vorräte überall sehr knapp und die Magazine leer wie noch niemals zuvor und man kann sich keinen günstigeren Zeitpunkt für die Landwirtschaft denken, als den gegenwärtigen, die Leinsaat wieder in die Fruchtfolge aufzunehmen. Wenn auch die derzeitigen Phantasie-Preise, die tion unberufenen Hausierern so unsinnig in die Höhe getrieben wurden, nach Eintritt normaler Verhältnisse wieder zurückgehen, so ist nach fachmännischem Ermessen doch mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Notierungen für gute Flächse in den nächsten Jahren recht hohe bleiben und es deshalb keinem Zweifel unterliegt, daß diese Kultur sehr rentabel wird. Angesichts der Tragweite und außerordentlichen Bedeutung, welche diese Frage im öffentlichen Interesse beansprucht, dürfte es Sache der Behörden sein, sich ohne Verzug darum zu kümmern. Für die Landwirtschaftlichen Bezirksvereine wäre es eine dankbare Aufgabe, ihrerseits rechtzeitig für Aufklärung und Belehrung zu sorgen und auf ihre Mitglieder den notwendigen Einfluß auszuüben, damit tatsächlich etwas geschieht. Auch der gemeinschaftliche Bezug guter Leinsaat könnte wohl am besten durch diese Vereine bewirkt werden. Gewiß ist die Versorgung des deutschen Volkes mit Brotgetreide das Wichtigste, aber die vorstehend erörterte Angelegenheit ist ebenso eins Existenzfrage und verdient deshalb entsprechend gewürdigt zu werden.
Zur Verwendung des Rindes als Zugtier.
Vom Oekonomierat Wirz, Wittlich, in „Feld und Wald".
Seit Ausbruch des Weltkrieges wird das Rindvieh infolge der Ausmusterung und Einstellung vieler Pferde zu Militärzwecken mehr als seit langer Zeit Zeit vorher wieder als Zugtier verwendet. Während früher am häufigsten und in den ärmeren Gegenden unseres Vaterlandes in den bäuerlichen Betrieben fast nur die Ochsen Verwendung als Zugtiere fanden, benutzt man in neuerer Zeit auch in besser bemittelten Gegenden und insbesondere jetzt durch den Pferdemangel in steigender Zahl auch Kühe. Leider sieht man unter den Zugtieren noch gar zu selten auch die Znchtstiere. Die Benutzung dieser als Zugtiere gestattet zunächst deren längere Zeit andauernde Ausnutzung zur Zucht; dazu kommt dann auch noch der nicht unerhebliche Vorteil der Ausnutzung der Arbeitskraft. Daß die Zuchtstiere durch Einstellung zum Zuge länger zuchttauglich bleiben, als wenn sie dauernd im Stalle stehen, kommt daher, daß sie infolge regelmäßiger Bewegung nicht so leicht fett werden und ihre Zeugungsfähigkeit länger behalten, deshalb auch nicht, wie viele gute Zuchtstiere, sehr jung abgeschafft werden müssen, weil sie zu schwer werden. In jugendlichem Alter lassen sich auch die Stiere leicht anlernen; jedoch sei erwähnt, daß man von denselben keine zu starke Arbeitsleistung fordern darf, damit nicht die Zuchtfähigkeit nachteilig beeinflußt wird. Eine Leistung wird immerhin auf Kosten der andern erzeugt. So tritt auch durch die Benutzung der Kühe als Zugtiere eine Abnahme der Milchleistung ein. Besonders stark macht sich dies bei frischmelken Kühen bemerkbar. Daher soll man, wenn irgend möglich, insbesondere bei hoher Milchverwertung frischmelke Kühe nicht bald, sondern etwa erst drei Monate nach dem Abkalben zur Arbeit benutzen. Hat man ausreichend Kühe im Stalle, so stelle man sie als Wechselgespann ein, d. h. das eine Gespann arbeitet vor-, das andere nachmittags. Bei dieser beschränkten Arbeitsleistung geht die tägliche Milchmenge nicht erheblich herunter, die Abnahme beträgt ungefähr nur bis 1 Liter, dagegen nimmt der Fettgehalt zu. Die ^.rach- tigkeit der Kühe und Rinder soll kein Grund zu deren Ausschließung von der Gespannleistung sein. Die Anspannung derselben bis 6 Wochen oder selbst bis nur 4 Wochen vor dem Kalben ist bei richtiger Behandlung der Tiere nnd bei nicht gar zu schlechter Witterung ohne Zweifel von günstigem Einfluß auf die Zucht. Auch geht die Geburt der Kälber bei Zugkühen leichter vor sich, als wenn die Kühe dauernd im Stalle stehen.
Die zehn Kriegssebote für den Haushalt.
1. Iß Kriegsbrot und verwende jedes Stückchen Brot als menschliche Nahrung; trockene Brotreste geben eine wohlschmeckende und nahrhafte Suppe.
2. Spare aufs äußerte an Butter und Fetten; ersetze sie beim Bestreichen des Brotes durch Syrup und Marmeladen; denn nur einen Teil aller Fette, beziehen wir aus dem eigenen Lande.
3. Iß wenig Fleisch und Wurst; denn die im Fleisch enthaltenen Nährstoffe können dem Körper jetzt vorteilhafter durch Vollmilch, Magermilch, Käse, Buttermilch und Zucker zugeführt werden.
4. Genieße soviel Zucker wie irgend möglich, denn Zucker ist das vorzüglichste Kräftigungsmittel und kann Butter und Fett ersetzen.
5. Genieße weder Sahne noch Schlagsahne; damit alle in der Vollmilch enthaltenen Nahrungsstoffe als menschliche Nahrung erhalten bleiben.
7. Koche Kartoffeln nur mit der Schale! dadnrch sparst du 20—250/0.
7. Meide, Bier, Liköre und Schnaps; dadurch vermehrst du unsern Getreide- und Kartoffelvorrat und nützest deinem Körper.
8. Iß viel Gemüse und Obst und benutze in Zukunft jedes Stückchen geeigneten Boden zum Anbau von Gemüse.
9. Sammle alle Küchenabfälle als Viehfutter; achte aber streng darauf daß nicht schädliche Stoffe in die Abfälle hineingeraten.
10. Koche und Heize mit Gas oder Koks; dadurch hilfst du ein wichtiges Düngemittel schaffen: denn bei der Gas und Koksbereitnng wird das stickstoffhaltige Ammoniak gewonnen.
Sam und Michel.
Onkel Sam sagt: Du hast die Gewässer um England als Kriegsgebiet erklärt, willst mit Deinen Unterseebooten den Engländern die Zufuhren von Waffen, Munition und Lebensmitteln möglichst abschneiden und dabei ohne Rücksicht auf das geheiligte Völkerrecht, auf den bloßen Verdacht hin, daß ein Handelsschiff mit Unrecht eine neutrale Flagge trage, und ohne nähere Durchsuchung nach Konterbande das Schiff versenken. Träte dieser Fall mit einem Schiff ein, das unter dem Sternenbanner fährt, so wäre das eine sehr ernste Sache. Das lasse ich mir nicht gefallen, ich bitte sehr!
aber du bist vor die falsche Schmiede ge-
Michel antwortet: Lieber Onkel, Sam, es tut mir leid, aber du bist vor die falsche Schmiede gekommen. Ich habe einen Gegner, der kennt kein Völkerrecht, das auch ihn binde. Wende dich an den, Erst hat er die Nordsee zum Kriegsgebiet erklärt zum schweren Schaden des neutralen Handels. Dergleichen gab es früher nicht, man kannte nur eine wirkliche Blockade mit genauer Durchsuchung aller ein- und auslaufenden Handelsschiffe, die aber England gegen mich trotz seiner großmächtigen Flotte nicht leisten kann. Aber das mag noch -hingehen, denn zur Zeit der Seerechtsdeklarationen in Paris, Haag und London gab es auch noch keinen Lust- und Unterseekrieg. Mein gewalttätiger Gegner hat noch viel Schlimmeres unternommen: seine eigenen Handelsschiffe sollen bewaffnet sein und die Erlaubnis haben, fremde Flaggen zu setzen, um meine Unterseeboote von dem Versuch, sich von der Art der Ladung zu überzeugen, abzuschrecken und über die Staatsangehörigkeit des Schiffes zu täuschen. Und überhaupt, sieh dir doch den erklärten Zweck der englischen Kriegsmethode näher an. Da England mit den Waffen nichts Entscheidendes verrichten kann, erklärt es der deutschen Zivilbevölkerung den Krieg, hungern soll sie, schreien nach Brot. Dagegen soll ich mich nicht wehren? Fällt mir ja gar nicht ern. Wenn es dir nicht paßt, daß ich Gleiches mit Gleichem vergelte, und du fürchtest, daß unter den besonderen Umständen des Unterseekrieges ein Schiff, .
amerikanische Flagge tragt, mit ^annschaftund Fracht zu Schaden kommen könnte, so sorge zuerst dafür, daß der von der englischen Admiralität befohlene Mißbrauch der neutralen Flaggen unterbleibt, oder halte deine Handelsschiffe, sehr viele sind es ja nicht, den Kriegsgewässern fern.
Ku welchem Ergebnis diese Unterhaltung führen wird läßt sich noch nicht erkennen. Wegen seiner fleißigen Lieferungen von Kanonen, Granaten, Schrapnells, Pulver usw. an unsere verbündeten Feinde hat Onkel Sam schon kein ganz reines Gewissen. In Ostasien bereiten sich Dinge vor, dre seine Aufmerksamkeit in viel höherem Maße beanspruchen könnten als der mit dem 18. Februar beginnende Krieg deutscher Unterseebote gegen die Zu- suhr von Konterbande aller Art nach England. Die Vergewaltigung Chinas durch Japan mehrt die Macht seines alten Gegners im Stillen Ozean und bedroht seinen Handel mit viel größeren, dauernden Verlusten als die Ankündigung Deutschlands, daß sich neutrale Kauffahrteischiffe in der nächsten Zeit an den englischen Küsten vorsehen und sie am besten meiden möchten.