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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Mit

Amtlicher Anzeiger

B^ugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ßAw^trtfXA« zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 38. Sonntag, den 14. Februar 1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar

Bus der Heimat.

* (Z u hoheSchweinepreise.) Die Bundes­ratsverordnung vom 25. Januar dieses Jahres, durch welche den Städten von über fünftausend Einwohnern auferlegt wurde, sich einen der Bevölkernngszahl ent­sprechenden Vorrat an Fleischdauerware anzulegen, hat durch das gleichzeitige Einkäufen so vieler Stellen auf den Schweinemärkten zu einer durch die Markt­lage nicht gerechtfertigten Steigerung der Schweine­preise geführt. Aus diesem Grunde hat die Zentral- einkaufsgesellschaft im Einverständnis mit dem Deutschen Städtetage den Versuch gemacht, eine Zentrale für den Einkauf der von den Städten für die Verfertigung von Dauerware benötigten Schweinen ins Leben zu rufen. Eine aus Vertretern der Land­wirtschaft, der Städte und der Zentraleinkaufsstelle zusammengesetzte Preiskommission soll die Preise fest­setzen, zu welchen die Zentrale den Bedarf der Städte einkaufen wird. Die Kommission beginnt ihre Tätig­keit anfangs nächster Woche. Die Stadt- und Ge­meindeverwaltungen und sonstigen Interessenten werden gut tun, mit ihren Einkäufen so lange zurück- zuhalten, bis die Einkaufszentrale ihre Tätigkeit be­gonnen hat. Anderenfalls ist eine weitere Steigerung der bereits übermäßig hohen Schweinepreise unver­meidlich.

* (WarnungvorUebervorteilungvon Mannschaften.) Eine beachtenswerte Verfügung hat das stellvertretende Generalkommando in Cassel erlassen, in der es heißt, daß außerhalb des Korps­bezirks mehrfach Fälle bekannt geworden sind, in denen Offiziere und Mannschaften bei Besorgung oder Ergänzung ihrer Bekleidung und Ausrüstung von Geschäftsleuten in empfindlicher Weise übervorteilt worden sind. In einer Stadt soll beobachtet worden sein, daß von Mannschaften für Konserven höhere Preise gefordert sind als von anderen Personen. Der Kommandierende General macht in der Verfügung darauf aufmerksam, daß, sollten gleiche Fälle in feinem Befehlsbereiche Vorkommen in schärfster Weise vorgegangen und unter Umständen die Schließung des betreffenden Geschäfts angeordnet wird.

*(GeldsendungenanKriegsgefangene in Rußland.) Die Deutsche Bank teilt mit, daß sie jetzt in der Lage ist, auch die telegraphische Aus­zahlung von Geldbeträgen an deutsche und österreich­ische Kriegsgefangene in Rußland zu vermitteln. Entsprechende Formulare sind bet der Deutschen Bank erhältlich.

* (Die Beschrän kung des Getreide­verbrauchs.) WTB. meldet amtlich aus Berlin: Es scheint noch nicht überall bekannt zu sein, daß die Verwendung von Getreide zur Herstellung von Brannt­wein, Kornkaffee und dergleichen nicht mehr zulässig ist. Laut Bekanntmachung sind mit Beginn des 1. Februar alle Vorräte an Wetzen und Roggen allein oder mit anderer Frucht gemischt für die Kriegsge­treidegesellschaft m. b. H. beschlagnahmt. Abänderungen dürfen ohne Zustimmung der zuständigen Stelle nicht vorgenommen werden. Jede Verarbeitung von Ge­treide, die nicht die Herstellung von Mehl für den menschlichen Verbrauch bezweckt, wie Dämpfen, Mälzen, usw. ist also verboten und wird mit Ge­fängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. bestraft.

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* Der Kriegsausschuß der Landesversiche­rungsanstalt Hessen-Nassau hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschloßen, daß den Hinterbliebenen der Versicherten, die infolge ihrer dem Vaterlande ge­leisteten Kriegshilfe gefallen oder gestorben sind oder innerhalb sechs Monate nach Friedensschluß noch ver­sterben sollten, aus den für Kriegwohlfahrtszwecke bewilligten Mitteln eine einmalige freiwillige Dankes- und Ehrengabe gespendet wird und zwar: für die Witwe 50 Mark, für ein Kind bis zu 15 Jahren 30 Mk., für 2 Kinder bis zu 15 Jahren zu­sammen 50 Mk., für mehr als 2 Kinder bis zu 15 Jahren zusammen 70 Mk., mit der Maßgabe, daß die Gesamtsumme dieser Aufwendungen den Betrag von 250 000 Mk. nicht übersteigen darf.

Voraussetzung für die Bewilligung der Spende ist:

1. Für den Versicherten müssen vor dem Eintritt in den Kriegsdienst zuletzt Beitragsmarken der Landesversicherungsanstalt Hessen - Nassau ver­wendet sein.

2. Die Wartezeit für Invalidenrente muß erfüllt und die Anwartschaft erhalten sein.

3. Die Hinterbliebenen dürfen von einer anderen

Landesversicherungsanstalt oder Sonderanstalt nicht eine gleichartige Gabe erhalten haben oder nach Empfang der unsrigen annehmen.

* (Wieviel Brot sollen wir täglich essen? Jeder von uns hat zurzeit die Verpflichtung, den Verbrauch des Brotes auf das notwendigste ein- zuschränken und dadurch dieRegierung in ihrerFürsorge, einem Brotmangel vorzubeugen, zu unterstützen. Wie viel Brot soll nun aber der erwachsene Mensch täglich essen? Diese Frage beantwortete Geh. Medizinalrat Professor Dr. Ad. Strumpel, Direktor der medizinischen Klinik in Leipzig, nachdem er zuvor auch vom ärztlichen Standpunkt aus die geforderte Bevorziehung des Roggenbrotes durch den gesunden Menschen als nützliche Maßregel bezeichnet, folgendermaßen: Von den Nährstoffen, die der Mensch zur Erhaltung seines Körperbestandes braucht, enthält das Brot Eiweiß, Mehlstoffe Kohlehydrate) und anorganische Salze. Fett ist im Getreidemehl nicht enthalten. Darum entspricht es einem physiologischen Bedürfnis, wenn wir das Brot mit Butter oder Schmalz bestreichen. Notwendig ist dies nicht, weil die Mehlstoffe des Brotes das Fett größtenteils ersetzen können. Unser gewöhnliches Roggenbrot enthält ungefähr 6 Prozent Eiweiß, das grobe Kommißbrot sogar 7,5 Prozent Eiweiß. Der Gehalt an Mehlstoffen beträgt etwa 50 bis 52 Prozent. Rechnet man den täglichen Eiweiß­bedarf eines erwachsenen Menschen zu etwa 100 Gramm, so müßten also täglich etwas über 1500 Gramm (drei Pfund) Brot genossen werden, um diesen Bedarf zu decken. Mit dieser Brotmenge würden dem Körper zugleich 840 Gramm Mehlstoffe (Kohlehydrate) zu­geführt werden, eine unnötig große Belastung für die Verdauungswerkzeuge. Man sieht also, daß eine ausschließliche Brotnahrung wie auch die Erfahrung lehrt keineswegs zweckmäßig, ja auf die Dauer überhaupt kaum durchführbar ist. Für unsere Soldaten ist die größte tägliche Brotration auf durchschnittlich 750 Gramm bemessen. In unseren Krankenhäusern erhalten diejenigen Kranken, die kein" besondere Diät nötig haben, täglich 375 Gramm Schwarzbrot und dazu 2 Semmeln zu 78 Gramm. Die für einen Erwachsenen unter gewöhnlichen Verhältnissen täglich nötige Brot­menge läßt sich schwer einheitlich bestimmen, da hierbei Neigung, Gewohnheit und vor allem natürlich die Menge der außer dem Brot genossenen Nahrungsmittel eine große Rolle spielen. Manche Menschen essen sehr wenig Brot, andere haben sich daran gewöhnt, zu jeder Mahlzeit ziemlich viel Brot zu genießen. Im allgemeinen wird man für einen Erwachsenen eine tägliche Brot­ration von etwa 300 Gramm für durchaus aus­reichend halten dürfen. Von unserem jetzigen Schwarz­brot wiegt eine Scheibe, deren Schnittfläche einen Durchmesser von 17 mal 8 Zentimeter und eine Dicke von 1,2 Zentimeter hat, etwa 70 Gramm. Sonach wären also durchschnittlich etwa 45 socher Brot­schnitten als tägliche Brotration anzunehmen. Dies macht in der Woche etwa 2 Kilo Vrot^ also diejenige Menge, die auch nach der neuen Verordnung über die Brotverteilung als der durchschnittliche wöchent­liche Bedarf angenommen worden ist.

§ Hersfeld, 13.Febr. (UeberdieBedeutung der Kalidüngung.) Die Kalisalze stehen uns auch gegenwärtig unabhängig vom Auslande in mehr als ausreichenden Mengen zur Verfügung. Ihre Verwendung hat aber vielfach noch nicht die nötige Beachtung gefunden. Gerade für solche Böden, die bisher noch wenig mit Kali oder aber jahrelang mit Phosphorsäure, Stickstoff usw. gedüngt worden sind, ist in diesem Jahre eine gute Kalidüngung auf leichtem Boden 3-5 Ztr. Kainit pro Morgen, auf schwerem Boden 1V 2 Ztr. 40°/q Kalisalz besonders zu empfehlen, um die im Boden ruhenden Phosphor- säure- und Stickstoffvorräte zur besten Wirkung zu bringen.

):( Hersfeld, 13. Februar. Der Postauflage unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Hoehlschen Buchhandlung (A. Webert) betr. Il lustrie te Ge­schichte des Weltkriegs 1914 bei, worauf wir noch besonders aufmerksam machen.

-h- Mengshansen, 13. Febr. Tiefe Trauer hat der furchtbare Weltkrieg auch in unsere kleine Gemeinde gebracht. Schon sechs t a p f e r e K ä m p f e r hat er zum Opfer gefordert. Es sind dies die Jüng­linge : Valentin Becker, Karl Diehl, Heinrich Gtschler, Karl Schäfer, sowie die jungen Ehemänner: Adam Diehl und Konrad Dörr. Besonders schmerzlich ist es für die Familie des Schreiners Andreas Diehl die 2 Söhne dem Vaterland geopfert hat, und ebenso für die Familie des Landwirtes Valentin Schäfer, die nicht nur den schweren Verlust ihres einzigen Sohnes sondern auch des braven Schwiegersohnes zu beklagen hat. Mögen die tapferen Helden sanft ruhen in fremder Erde und frei von allem Haß und Streit der Welt eingegangen sein zum ewigen Frieden.

Bebra, 11. Febr. Wegen des Krieges hat die Eisenbahndirektion jetzt verfügt, daß alles im Besitze der Eisenbahn befindliche Land, das nicht genötigt wird, überall zur Feld- und Gartenbestellung her­gerichtet und ganz billig (zum Teil unentgeltlich) verpachtet werden soll. Für den Gemüsebau sollen

bis zu 300 Qudratmeter und für den Kartoffelbau bis zu 600 Quadratmeter Fläche in jedem Falle zur Verfügung gestellt werden und zwar unter Berück­sichtigung der Notlage und der Kinderzahl.einer Familie.

Eisenach, 12. Febr. Den Tod in der Hörsel fand eine junge Frau, die in selbstmörderischer Absicht in der Nähe des Wiesengrundes in das Wasser ge­sprungen war. Es handelt sich um die Ehefrau des zurzeit im Felde stehenden Schlossers Hippner. Die Leiche der armen Frau, die in letzter Zeit schwermütig gewesen ist, wurde in den späten Nachmittagsstunden geborgen.

Mühlhansen, 12. Februar. In vergangener Woche verlor der Arbeiter D. eine Brieftasche mit über 2000 Mark Inhalt. Es wurde festgestellt, daß der 13jährige Schulknabe M. aus der Erfurter Straße die Brieftasche gefunden und das Geld entwendet hat. Er will 50 Mk. davon genommen, das andere Geld aber im Schnee vergraben haben. Das Geld konnte an der von dem Diebe bezeichneten Stelle nicht gefunden werden. Wegen eines schweren Diebstahles ist M. schon im vorigen Jahre bestraft worden, doch wurde ihm die Strafe im Gnadenwege erlassen.

FleWeber.

In der russischen Armee ist das Fleckfieber auf­getreten, und es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß es vom Kriegsschauplatz aus in Deutschland ein­geschleppt wird. Ein Runderlaß des Ministers des Innern an die Regierungspräsidenten macht daher auf die Symptome der Erkrankungen aufmerksam, die nach wenig ausgesprochenen Vorläufererscheinungen (Lungenkatarrh, Kopfschmerz, Frösteln und Mattigkeit) mit Frost und schnell ansteigendem Fieber beginnen, gleichmäßig hohem Fieber, Roseola und Milzschwellung verlaufen und bald zu Störungen des Bewußtseins (Benommenheit) führen, und gibt eingehende An­weisungen über die Behandlung fleckfieberkranker und fleckfieberverdächtiger Personen, die unverzüglich in ein mit Einrichtungen zur sicheren Absonderung ver­sehenes Krankenhaus überzuführen sind. Für die breiten Kreise der Bevölkerung ist von besonderer Wichtigkeit, daß sie sich der Gefährlichkeit der Läuse als Ueberträger von Fleckfieber bewußt werden. Nach neueren Forschungen ist nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Krankheit nicht direkt von Person zu Person, sondern aus­schließlich durch Vermittlung von Läusen, hauptsächlich Kleiderläusen, die vom Kranken auf den Gesunden überkriechen, übertragen wird. Darauf beruht die vielfach gemachte Erfahrung, daß die Krankheit sich in der vagabundierenden Bevölkerung und in un­sauber gehaltenen Wohnungen, z. B. niederen Her­bergen (sog. Pennen) mit Vorliebe einnistet. Da die Läuseplage in Polen und Galizien sehr verbreitet ist, so ist Vorsicht gegenüber den von dort zureisenden Personen zu empfehlen.

Verzeichnis

der bei L. P f e i f f e r, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für dar Rote Kreuz. Sektion Sersseld von Ungenannt M. 1.90

Für verwertete Liebesgaben 150. Herrn Karl Koch, hier 20. Sühngeld von einem hiesigen Bürger 14.95 Herrn Unteroff. Rüger, Finderlohn 3. Ungenannt 5. Büchse Nr. 9 Lullusquelle ,, 30.08 Bestand 224.93 Bisheriger Bestand 12860.12 --2TTÄÖ5

Davon ferner verausgabt____ 221.50 heutiger Bestand M. 12863.55

Der in der vorigen Liste aufgeführte Posten von Mk. 19.50 ist nicht von den israel. Damen aus Schenk- lengsfeld sondern von den hiesigen israelitischen Damen gesammelt.

Für die Krieger tm Felde. Frau Forstmeister Mantels, hier M. 30. " 0 Bisheriger Bestand 1888.11 heutiger Bestand 9JT 1918.11

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Für die Marine.

Stammtitch A. G. Kurpark-Restau­rant 2. Rate M. 20. Bisheriger Bestand 391.40 Heutiger Bestand M. 415.40

Verschwendet kein Brot! Feder spare, so gut er kann.