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»rtlärte, zum Schutze zahlreicher auf dem Schiffe defind- licher Neutraler, nämlich Neger und Chinesen.

Was Englands Handelsflotte bis jetzt verloren hat.

Im Londoner „Daily Telegraph" schreibt der Kor­respondent für Seeversicherung: Der Markt für Kriegs- versicherung war gestern sehr belebt. Die Prämien er­halten sich auf der alten Höhe. Seit Beginn des Krieges wurden 191,102 Tonnen britischer Schiffe versenkt, 31,017 Tonnen durch Minen und 3385 durch Torpedos zum Sinken gebracht. Das ist nach Lloyds Register et­was über ein Prozent der gesamten Handelsflotte.

Zur Versenkung des amerikanischen Dampfers „Washington" durch die Russen

meldet ein WTB.-Telegramm aus K o n st a n t i n o p e l noch folgende Einzelheiten: Eine halbamtliche Mittei­lung besagt, daß zwei russische Torpedoboote, die am 8. Februar in den Hafen von Trapezunt kamen, auf den amerikanischen Dampfer „Washington", der dort vor Anker lag, Feuer gaben und ihn am Vorder- und Hinterschiff beschädigten. Zwei später gekommene rus­sische Kreuzer eröffneten ein heftiges Feuer aus schwe­ren Geschützen auf den „Washington" nnS versenkten ihn in wenigen Augenblicken; die amerikanische Flagge weht noch über den Fluten und gibt Zeugnis von die­sem Akt der Barbarei. Nach dieser Heldentat richtete der Feind sein Feuer auf die Stadt, besonders auf das Ho­spital, wo er den Tod zweier Verwundeter und zweier anderer Kranker herbeiführte. Diese Handlungsweise der Russen, die auch die Flagge einer neutralen Groß­macht beleidigt hat, verdient die Aufmerksamkeit der zi­vilisierten Welt. _

Wieder ein unglaublicher Akt von Mißachtung der Rechte Neutraler. Wäre der Fall nicht so bedauerlich, so wäre man, wie dem „B. T." dazu geschrieben wird, geneigt, ihn von der scherzhaften Seite aufzufassen. Der russische Kriegsschiffkommandant wird übernervös den Befehl gegeben haben, auf den nordamerikanischen Dampfer zu feuern. Man kennt dergleichen von der russischen Marine! Es ist nur nötig, an die Dogger­bankaffäre — 1904 — zu erinnern, als Admiral Rod- jestwensky englische Fischerfahrzeuge, weil er glaubte, es seien japanische Torpedoboote, beschießen ließ. Da­mals wurde der Handel friedlich beigelegt. Sollte es jetzt auch der Fall sein, so wird Rußland eine Entschä­digung zahlen, der russische Kommanaut wird — an­geblich — einen Rüffel erhalten und die betreffenden Nummern 1, die die Geschütze, die feuerten, bedienten, wird man ins Loch stecken.

Der Balkan,

Die Erfolge der bulgarischen Neutralität.

Sofia, 11. Februar. (Bulgarische Agentur.) In ei­ner gestern abgehaltenen Versammlung von Abgeord­neten der regierungsfreundlichen Mehrheit führte Mi­nisterpräsident Raöoslawow aus, daß die von Bulgarien beobachtete Haltung dem Lande das Wohlwollen aller Mächte eingetragen habe, was zu der festen Hoffnung berechtige, daß die gerechten Ansprüche Bulgariens, de­ren Legitimität überall anerkannt werde, sich schließlich siegreich durchsetzen würden.

Der Krieg in den Kolonien.

Renter über Burenoberst Maritz.

Das Reutersche Bureau meldet aus Pretoria vom 10. Februar, daß Oberst Maritz angeblich von den Deut­schen hingerichtet worden fei. Hierüber schreibt das Blatt „Pretoria News": Als Maritz unlängst eine Be­sprechung mit Offizieren des füdafrikanischen Heeres we­gen seiner Uebergabe hatte, fragte er, ob- man ihm das Leben zusichere. Er erhielt die Antwort, daß man ihm keine Bedingungen gewähren könne. Die Regierung müsse sich Freiheit vorbehalten. Maritz verließ hierauf das 'Lager der Regierungstruppen. Er sollte nach der Abmachung nicht nur sich ergeben, sondern auch ein deutsches Geschütz ausliefern. Der weitere Bericht des genannten Blattes gibt einen neuen Einblick in die Er- • eignisse des Gefechtes bei Kakamas. Das Blatt sagt, daß wahrscheinlich Marttz die Deutschen nach Kakamas brächte, als sein Verrat entdeckt wurde. Die Folge war, daß die Deutscher! den Angriff auf die Stadt eröffneten. Der Angriff wurde abgeschlagen, während das deutsche Geschütz nur mit Mühe gerettet wurde. Der Feind mußte mit schweren Verlusten abziehen. . Die Deutschen nahmen Marttz sofort in Haft und haben ihn wahrschein­lich ohne besondere Prozeßformen erschossen.

Was an dieser phantastischen Geschichte wahres ist, läßt sich von hier aus nicht nachprüfen. Die Reuter­meldungen aus Südafrika zeichnen sich bekanntlich durch ganz besondere Unglaubwürdigkeit aus.

kkiegsallerlei.

Nachträgliche Anzeigen der Mehlvorräte.

Berlin, 11. Februar. (Amtlich. WTB.j Zur Er­hebung über die Getreide- und Mehlvorräte. Mit dem 5. Februar ist die Frist abgelaufen, innerhalb der die Anzeige über die am 1. Februar vorhandenen Vorräte an Weizen, Roggen und Hafer, sowie Wetzen-, Roggen-, Hafer- und Gerstenmehl zu erstatten war. Die Vorräte, die an dem genannten Tage unterwegs waren und erst am 5. Februar in den Besitz des Empfängers gekommen sind, müssen unverzüglich nach Empfang angezeigt wer­den. Auch die Versäumung dieser nachträglichen An­zeige zieht die gesetzlichen Strafen nach sich, also Ge­fängnisstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark. Außerdem geht der Eigentümer bei Enteignung des Preises der enteigneten Waren ver­lustig. Die Empfänger von Sendungen der obenge­nannten Vorräte, die längere Zeit auf dem Transport waren, müssen sich also darüber vergewissern, ob der Transport vor dem 1. Februar begonnen hat, und ge­gebenenfalls noch jetzt Anzeige erstatten.

Eiserne Kreuze für weibliche Kriegsteilnehmer.

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse am schwarz-weißen Bande ist bisher an 38 weibliche Kriegsteilnehmer ver­liehen worden, die sich in der Krankenpflege auf den Kriegsschauplätzen durch Mut und Tapferkeit vor dem Feinde ausgezeichnet haben.

Die deutsche „Unterseeboot-Pest" ist nicht ohne Einfluß aus die Reiseordnnngen des Kö­nigs Georg geblieben. Wie man der „Voss. Ztg/' meldet, ist im Londoner „Freemans Journal" ein Brief des Privatsekretärs des Königs erschienen, worin es heißt, daß bis jetzt noch keine Vorkehrungen für einen Besuch des Königs in Irland getroffen sind.

Ein norwegischer Dampfer durch eine Mine gesunken. Englische Fischdampfer landeten in Grimsby den Kapitän und 13 Mann der Besatzung des norwegischen Danwfers „Frigga" aus Brevik, der am 8. Februar in der Nordsee auf eine Mine gestoßen und gesunken ist. Die Mannschaft bestieg die Rettungsboote und wurde nach längerer Zeit von den englischen Fischern gerettet.

Weihnachtsfeiern für unsere Gefangenen in Japan.

Nach einer Meldung der Petersburger Zeitung „Rjetsch* veranstalteten die japanischen Behörden über- M, wo sich deutsche Gefangene befinden, eine großartige WelhuachSfet«. Besonder» prachtvoll war der Tan-

nenbaum für Kapitän Meyer-Waldeck; der Baum war nur zu diesem Zweck von den Sandtabergen gebracht und mit unzähligen Lichtern geschmückt.

Japanisches ProtcMorat über Schantung.,

Der „Berl. L.-A." meldet aus Rotterdam: „„No- woje Wremja" meldet aus Tokio, daß Japan Schantung und Tsingtau zum japanischen Protektorat erklärte.

Vermisdites.

Die Beratungen über die Neuregelung der Brot­versorgung Großberlins sind beendet. Nach den von der Stadtverwaltung getroffenen Bestimmungen ist die Ausgabe von Brotkarten am 22. Februar zu erwarten. Jede Person erhält eine nicht übertragbare, auf eine Woche giltige Karte zum Gesamtbezuge von zwei Klgr. für die Woche mit Abschnitten für den BezUg von klei­neren Mengen von 25, 50, 100 und 250 Gramm, zur Regelung werden 170 Kommissionen gebildet. Die Ein­heitlichkeit des Vorgehens auch in den Nachbargemein- deu ist gesichert. Die Brotabgabe in den Restaurants ist verboten. Jeder Gast kann sich Brot mitbringen. Ho­tels und Pensionen erhalten Tageskarten nach der Zahl der polizeilich gemeldeten Personen. Der Vorstand des Deutschen Stäötetages, der in Berlin Zusammentritt, wird voraussichtlich in alten Städten über 25 000 Ein­wohnern dieselbe Regelung treffen.

Ein erschütterndes Familiendrama hat sich in Kiel abgespielt. Dort hat die Frau eines Volksschullehrers erst ihre beiden Kinder und dann sich selbst getötet. Als die siebenjährige Tochter des Ehepaares um %2 Uhr nachmittags aus der Schule nach Hause zurückkehrte und mit dem ihr übergebenen Schlüssel die Wohnungstür geöffnet hatte, fand sie die Mutter und ihren drei Jahre alten Bruder erhängt vor. Ein neunjähriger Bruder lag tödlich verletzt auf dem Fußboden. Ein von den Nachbarn sofort herbeigeholter Arzt stellte fest, daß der ältere Knabe noch schwache Lebenszeichen von sich gab, während bet der Frau und dem jüngsten Sohn der Tod bereits eingetreten war. Der ältere Knabe ist bald da­rauf gestorben. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzu- nehmen, daß die Frau die Tat in einem plötzlichen An­fall von geistiger Umnachtung ausgeführt hat, da sie in glücklichster Ehe lebte. Ihr Mann, der im Felde stand und nach einer Verwundung vor kurzem in die Heimat zurückgekehrt war, ist soweit wiederhergestellt, daß er in Schleswig Garnisondienst tun kann.

„Was würden Sie tun. . .?" Wie wir der Köln. Volksztg." entnehmen, hatte der „Chicagoer American" folgende Rundfrage an seine Leser erlassen: „Was wttr- oen Sie in der gegenwärtigen Krisis tun, wenn Sie der Deutsche Kaiser, der König von England, der französische Präsident oder der russische Zar wären?" Ein Fran­zose namens Charles Carree antwortete darauf: „Wäre ich der Präsident von Frankreich, würde ich mich um den Frieden bemühen und statt; ein Feind Deutsch­lands zu sein, würde ich versuchen, sein Freund zu werden. All' das Kämpfen, das jetzt mein liebes Vaterland besorgt, geschieht nicht für Elsaß-Lo­thringen, sondern für Englands Oberherrschaft. Wäre ich der Deutsche Kaiser, würde ich Frankreich den Frieden anbieten, aber ich würde weiter gegen England kämp- fen, bis es selbst um Frieden bäte. Wäre ich der rus­sische Zar, würoe ich eine Entscheidungsschlacht abwar­ten und dann Frieden anbieten oder um Frieden bitten. Wäre ich König von England, dann wüßte ich nicht, was ich tun sollte."

Amerikanische Lynchmorde. Aus Neuyork wird der „Frkft. Ztg." geschrieben: Abgesehen von den unsägli­chen Ausschreitungen gegen die Indianer, worüber die amerikanische Literatur reichlich Aufschluß gibt, sollen auch die nicht selten mit der raffiniertesten Grausamkeit ersonnenen und durchgeführten Lynchmorde in den Ver­einigten Staaten die hiesige Bevölkerung veranlassen, mit bedeutend weniger Selbstgerechtigkeit über die an­gebliche Kriegsgreuel im Ausland zu entrüsten. Jetzt wird wieder von einem solchen Vorgang, der sich im Caddo-Bezirk in Louisiana abgespielt hat, berichtet. In dem Ort Sylvester war dort der Postmeister ermordet worden. Wegen dieser Tat sind nun bis jetzt fünf Ver­dächtige gelyncht worden, Neger natürlich. .Der letzte war ein harmloser alter Schwarzer, den eine Volks­menge von fünfhundert Personen, darunter mehrere Frauen, aus dem Gefängnisse holte und dann nach der Mordstätte verbrachte, wo er mittels Stacheldrahts an einem Baum festgemacht wurde. Dann Holte die Menge Reisig herbei, und der alte Mann, der laut feine Schuld- losigkett beteuerte, wurde verbrannt. Er war, wre die Untersuchung ergeben hat, zweifellos nicht an dem Morde beteiligt. — Die Zahl der Lynchmorde in den Vereinigten Staaten im letzten Jahre war 52, wovon drei an Weißen begangen wurden.

Schulter an Schulter.

Die „Neue Freie Presse" bringt in einem Feldpost­brief folgende interessante Schilderung: „Am 5. Januar trafen sich in einer Ortschaft Südpolens eine österreichnch- ungarische und eine deutsche Infanteriedivision. Die Oester- reicher waren in ein Dorf eingerückt und sollten vor diesem! eine Stellung beziehen. In der letzten Minute kam aber zwischen den Divisionskommandanten eine Vereinbarung zustande, wonach die Deutschen diese Stellung bezogen und die Oesterreicher sich seitwärts davon festsetzten. Also marschierten die einen zurück, die anderen vor und in dem Dorfe begegneten sich die beiden Truppen. Es waren nur Deutsche, hüben und drüben, denn die österreichische Division war jene von Wien. Bataillon zog an Bataillon vorüber, bis beide Marschkolonnen ihrer ganzen Länge nach sich gegenüberstanden. Und nun lief durch die beide Truppenreihen ein Kommando. „Halt! Front!" und die Waffenbrüder hielten, nur durch ein schmales- Stück der Straße getrennt, Mann vor Mann. Die Säbel der Offiziere flogen aus den Scheiden und ein jubelnder Ruf brauste empor. Das „Heil" der Oesterreicher mischte sich mit dem „Hurra" der Deutschen — so grüßten sich die Hechtgrauen und die Feldgrünen auf erobertem Fein­desboden Nicht enden wollte der Jubel, und scheu verkro­chen sich die polnischen Bauern vor diesem germanischem Begeisterungssturm in ihre armseligen Hütten.

Als endlich der letzte Ruf verklungen war, traten zuerst die Offiziere aus den Reihen und stellten sich einander vor. Leider war es schon finster, aber da flammten hüben und drüben die elektrischen Taschenlampen und bei ihrem Scheine drückten Deutsche und Oesterreicher einander die Hände Die Uniformen und Ausrüstungen wurden gegen­seitig gezeigt und beurteilt: man zeigte sich die Handhabung des ' Gewchres, der Patronen, und bei dem Maschinen- qewehrabtcilunqen erhielt die Verbrüderung noch eine be­sondere technische Note. Hauptsächlich interessierten sich die Deutschen für die Art, wie die Oesterreicher M« Maschinengewehre transportierten — bekanntlich auf Trag­tieren — und billigten sehr dieses System. Die Oester­reicher waren sofort dabei, den deutschen Kameraden etwas vorzuexerzieren, und diese waren begeistert, von der! Schnelligkeit, mit der die Maschinengewehre abgenommen und in Feuerstellung gedruckt waren.

Aber die Zeit rückte vor ;—• man mußte weiter. Dass Kommando Vergatterung" schnellte die Oesterreicher auf ihren Platz zurück und auch die Deutschen traten an. Wia auf dem Exerzierplatz klappten die Geweihrgriffe, wollte doch einer dem anderen zeigen, was er konnte, und in! weniger als einer Minute standen beide Kolonnen marsch-; bereit da. Plötzlich stimmten die Oesterreicher ihr „Goth erhalte" und wie eine Mauer standen die Deutschen in Parade da, d ie Offiziere den Säbel gesenkt,die Hand am Helme. Als die österreeichische Volkshymne verklungen war, s angen die Deutschen ihr „Heil dir tm Siegerkranz"- nun leisteten wieder Oesterreicher die Ehrenbezeigung. Zum Schlüsse vereinten sich beide zu einem CHor und das! uralte deutsche „Stille Nacht, heilige Nacht" stieg weihe-, voll auf russischem Boden empor.

Der letzte Vers des Weihnachtsliedes war verhallt, noch einmal grüßten sich die Waffenbrüder mit „Heil"- und „Hurra", dann lief das österreichische Kommando die Reihen entlang: „Doppelreihen abfallen, rechts um, Kom­pagnie marsch," und stramm drötznten die Schritte der Oesterreicher, wie sie an den deutschen Kameraden vorbei­defilierten Von Reich' zu Reih'- aber sprang der gute österreichische Soldatengruß „Servus", den die Deutschen schon längst gelernt, und imimcv wieder brausteen die „Hurra" und „Heilrufe" empor, bis die letzten Trainwagen vorrübergeknarrt waren.

Sie Leiden der Verschleppten.

Eine junge Elsässerin schreibt, nach der „Strah­ler Post" ihrer Mutter, die ebenfalls von den Fran-

Borger Post", ihrer Mutter, die ebenfalls von den Fran­zosen aus Sennheim mitgenommen worden, aber nach einiger Zeit im Austausch freigelassen worden war, folgendes:

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er

r November 1914. Liebe Mutter! Südlich habe ich die Gelegenheit, an Dich einige offene Zeilen zu schreiben. Ich will Dir jetzt schildern, wie es uns allen ergangen ist. Ich wurde doch am 31. August von daheim mit Frau. . . und Herrn . . . geholt und zwar bis nach Thann. In Thann blieb ich zwei Tage, und hat mir ein Kapitän gesagt, daß ich zu Dir nach Belfort käme. Du kannst Dir Senfen, daß ich mich ge­freut habe, aber leider war es nur Trug. Von Thann kamen wir nach Wesserling, wo wir in einer Bahnvor- steherswohnung übernachtet haben. Von dort kamen wir tagsdaraufnach Bussang, wo wir in einem ganz erbärmlichen Loch übernachteten. Am andern Morgen gmgs per Wagen nach Remiremont, wo wir zu Zucht­hausfrauen eingesperrt wurden. Zum Glück blieben wir nur eine Nacht dort, und als wir von Remiremont fortgrngen, waren wir rund 19 Beamtenfrauen, und zwar alle aus unserem Tal. Erinnerst Du Dich noch an einen Gendarmen, der . . . heißt? Dem seine Frau, zwei Tochter und der Sohn sind immer mit uns g wesen. Die arme Frau ist dann in Marseille an üc. Zuckerkrankheit gestorben. An der Bahn von Remire­mont sind wir fast gesteinigt worden. Zum guten Glück kamen wir wohlbehalten in der Bahn an und fuhren die Nacht durch, bis wir den andern Morgen 5 Uhr in Montelunar ankamen. Dort blieben wir zwei Tage, dann fuhren wir nach Marseille, wo wir ungefähr 10% Wr ankamen. Dort mußten wir uns in einen ge­schlossenen Wagen setzen, die Männer und 9 Mann Mi­litär mußten in offenen Wagen streit. Zuerst ging die Sache gut, wir wurden ziemlich vom Militär geschützt, aber nach ungefähr 10 Minuten fing unsere Steinigung an. Du kannst Dir keinen Begriff machen, was ‘ wir arme Frauen haben leiden müssen. Das Volk schrie alle möglichen Namen. Die Steine flogen an unsern Wagen, eine Flasche mit Wasser flog zum Gitter rein, sodaß die Scherben und das Wasser nur so über uns flogen. Jetzt aber erst die armen Männer! Die Soldaten selbst haben die Zivilpersonen gestochen. Ein Junge von 14 Jahren hat einen Stein aus Auge bekommen, sodaß er beinahe das Auge verloren hat. So fuhren wir min­destens 20 Minuten, bis wir in eine feftitno

Halb tot waren wir, als wir dort nnfamen. Dort wur­den urw dann Strohsäcke hergeschleift, und sobald wir allein waren, haben wir uns auf unsere Strohsäcke ge­setzt und haben geweint und Gott gedankt, daß er uns W Uen erhalten hat. Dort blieben wir 10 Tage.

^cr Seit fjobe ich auch meinen Geburtstag gefeiert, an den ich für mein Leben denken werde. Ein Frauleiu aus dem Tal hat ihr Gebetbuch milgehabt, und da hat sie mir morgens und abends ein Gebet extra für meinen Geburtstag vorgelesen. Von dort sind wir am 17. Sep­tember emgeschifft und auf eine ganz kahle Insel ge­führt worden, wo wir bis jetzt noch Hausen. Wir schla- leVUr sechs auf einem ganz kleinen Simmer. Als wir 3 Wochen hier waren, starb das einzige Kind von einem Notar aus Masmünster. Ich bin mit zur Beerdigung gegangen, und weißt Du, wen ich da getroffen habe? Den Herrn . . von Rappoltsweiler. Von der Zeit an hat Herr . . . für mich gesorgt. Seit heute ist er jetzt srei, und er hat für mich Geld hier gelassen. Ich bin nämlich krank geworden, und zwar eine Krankheit, die S tn meinem Leben nicht erwartet hätte, nämlich die Gelbsucht. Ich bin am ganzen Körper gelb ge­worden, und das Weiße in meinen Augen war auch OMiz gelb. Zum Glück bin ich von einem deutschen Arzt, ebenfalls einem Gefangenen gepflegt worden. Er hatte gesagt, ich hatte das nur vom Ekel und Meiner gekriegt. Es war aber auch viel Heimweh dabei, denn es kam gerade, als ich Friedas B.rief erhalten hatte, und ich er­fahren habe, daß Du daheim bist. Es fiel mir ein Stein vom Herzen, als ich dies erfuhr. Wir haben uns alle sehr gefreut, denn bei uns (geht's mit) ist mit der Aus- tauschgeschichte eine solche Bummelei, daß man auS der Haut fahren möchte. Schon seit 6 Wochen warten wir a"fs Hermgehen und immer will's nicht kommen.

Die Mutter, an die dieser Brief gerichtet ist, äußert sich ihrerseits ebenfalls in der abfälligsten Weise über Die ihr zuteil gewordene Behandlunq. Sie, die mit französischen Sympathien groß geworben, erklärt, sie würde den Franzosen nie zugetraut haben, was sie nun selbst gesehen und erlebt; sie würde, wenn sie nur an­nähernd Aehnliches gelesen hätte, es für Lüge gehalten haben.

Weisere Drahtnachrichten«

Die Russen in Persien.

** Konstantinopel, 12. Februar. (WTB.) In maß­gebenden osmanischen Kreisen wird halbamtlich daraus hingewiesen, daß entgegen den Behauptungen der „No- woje Wremja" Rußland tatsächlich vor Kriegsausbruch in Nordpersien im ganzen mehr als 40 000 Mann stehen hatte. Nach Ausbruch des europäischen Krieges wurde Die Hälfte der Truppen mit den im Kaukasus stehenden Regimentern vereinigt und nach Deutschland gesandt, also nicht aus Achtung vor der persischen Neutralität. Nach Beginn des türkisch-russischen Krieges bedrohte die russische Truppenmacht in Aserbeidschan die türkische Flanke. Die russischen Truppen überschritten sogar noch vor Eröffnung der Feindseligkeiten die Grenze uno zwangen schwache türkische Garnisonen zum Rückzug.