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Hersjelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Dszugsprei» vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

MÄr

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 37.

Sonnabend, den 13. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

[WerBrotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlands u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat«

* (Achtet auf die amtlichen Bekannt­machungen!) Seit Ausbruch des Krieges hat sich der Erlaß einer langen Reihe von Verordnungen und Bekanntmachungen erforderlich gemacht, die zum großen Teil von einer tief in unser gesamtes öffent­liches Leben eingreifenden Wirkung sind. Aus diesem Grunde ist es nötig, daß jedermann diese Verord­nungen kennt, denn Unkenntnis schützt nicht vor eventueller Bestrafung.

* (Namen-Veröffentlichung der Ve r- fütterervonVrotgetreide.) Wie dieKreuz­zeitung" meldet, haben sich die Behörden zu einem scharfen Mittel entschlossen, um dem längst ver­botenen Verfüttern von Brotgetreide endlich ein Ende machen. In den Amts- und Kreisblättern werden Name und Wohnung derer bekanntgegeben, die Brotgetreide trotz Verwarnung verfüttert haben und deshalb der Staatsanwaltschaft angezeigt worden sind.

):( Hersfeld, 12. Februar. Aus dem Gefangenen­lager Ohrdruf sind am 10. d. Mts. 2 französische Ge­fangenen entwichen, 1. Lelievre, Gaston 175 cm. groß, schwarzer Schnurbart; 2. Lekonturier, Marcel, 165 cm. groß und kleiner blonder Schnurrbart

Sontra, 11. Febr. Durch zwei Kampfhähne erlitt gestern das Schlachtefest eines Arbeiters hierselbst eine unangenehme Unterbrechung. Der Arbeiter be­wohnt mit einem Gelegenheitsarbeiter gemeinsam ein Mietshaus. Als nun letzterer gestern früh seine Wohnung verlassen wollte und über den Hof ging, mußte er an dem Hausschlachter, welcher mit dem Ausschlachten eines Schweines beschäftigt war, vorüber. Da beide seit einiger Zeit die Freundschaft gekündigt hatten, so erbosten sie bei ihrem gegenseitigen Anblick derart, daß sie mit Hängeholz und Stock auf einander losgingen. Auf das Geschrei eilten nun die Frauen des Hauses herbei, um die Kampfhähne auseinander zu bringen, was aber erst mit großer Mühe gelang. Einer der beiden hat so erhebliche Verletzungen am Kopfe davongetragen, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

Von der Werra, 11. Febr. Mit Rücksicht auf die fortgesetzte Steigerung des Verkehrs auf der Eisen- bahnstrecke BebraEisenach sollen bei dem Bahnhof Wommen (Werra) in diesem Jahre zur Entlastung der Bahnhöfe Gerstungen und Eisenach zwei neue Ueberholungsgleise angelegt werden. Gerade diese beiden Bahnhöfe haben infolge des starken Kali-Ver­sands des Werratals kaum noch Platz für die Auf­stellung des Wagenparks des Kaligebietes. Nach Inbetriebnahme der beiden neuen Ueberholungsgleise können die Güterzüge nach beendeter Zusammenstell­ung sofort von diesen Bahnhöfen ablaufen und zur Beschleunigung der Zugaufeinanderfolge dann auf den neuen Gleisanlagen überholt werden.

Cassel, 11. Febr. Sie wolltenin's Feld rücken!" i einigen Tagen wurden die 13 und 14 Jahre

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Seit einigen Tagen wurden die 13 und 14 Iah alten Schüler F. und W. aus den elterlichen Woh ungen in der Bettenhäuser- und Kleiststraße vermißt. Alle Ermittelungen über den Verbleib der Jungen waren bis jetzt erfolglos geblieben. Gestern erhielten nun die geängstigten Eltern die Nachricht, daß die Ausreißer in Köln festgenommen und in Schutzhaft genommen worden seien. Die Eltern möchten ihre Kinder dort abholen. Die Jungen haben bei ihrer Vernehmung ausgesagt, daß sie nach Frankreich gehen wollten, um an dem Kriege teilzunehmen.

Hann.-Mündeu, 11. Februar. Ein schönes Bei­spiel vaterländischer Gesinnung gibt Amtsgerichtsrat Krogmann!in Münden der im Münd. Tageblatt an- zeigt, daß er sieben Stücke Gartenland ^und zirka 20 Morgen Ackerland im Interesse des Gemeinwohls ge­dünkt, gepflügt und vorbereitet zur einmaligen Be­stellung mit Korn oder Hackfrucht im Jahre 1915 an tüchtige Landwirte ohne Entgelt überlassen will. Wer machts nach?

Münden, 11. Febr. Die beiden Haarpfleger H. und M. bedienten die Offiziersgefangenen und hatten denselben, trotz ausdrücklichen Verbots, Zigarren und Zigaretten verkauft. Die Göttinger Strafkammer hielt beide Beschuldigten des Vergehens gegen die Verordnung des stellvertretenden Generalkommandos in Hannover für überführt und verurteilte M. zu 3 Tagen und H. zu einem Monat Gefängnis.

Mitteilungen der RohmaterialiteSe des Landwirtschastrmiaiiteriums.

Fürsorge für die nächstjährige Ernte.

Die Unterbindung des Handels der neutralen Länder durch die englische Flotte hat zur Folge, daß wertvolle, aus dem Auslande stammende Rohstoffe, an deren Verwendung unsere Landwirte zur Hebung der Erträge seit Jahren gewöhnt sind, für die kommende Frühjahrsbestellung gar nicht oder nur in sehr be­schränkter Menge zur Verfügung stehen. Zu diesen Rohstoffen gehört der Stickstoffdünger. Zum Wohle des Vaterlandes hat daher jeder Landwirt die Pflicht, an einer möglichsten Steigerung der einheimischen Stickstoffdünger-Erzeugung mitzuhelfen und den in der Landwirtschaft selbst vorhandenen organischen Stickstoffdünger möglichst zweckmäßig zu verwenden.

Im Jnlande wird Stickstoffdünger in Form des Ammoniaks gewonnen als Nebenerzeugnis der Koke­reien. Da aber infolge der Einberufung der Arbeiter zum Heeresdienst und infolge der Unterbindung des Ueberseehandels die Hauptverbraucher des Kokses, die Hochöfen, nicht voll in Betrieb sind, fällt mit dem Sinken des Koksverbrauches auch die Kokserzeugung und damit die Herstellung von Stickstoffdünger. Um ihren Rückgang nach Möglichkeit zu beschränken, muß im ganzen deutschen Vaterlavde mit Nachdruck dahin gewirkt werden, daß an Sfv.ie von Kohlen Koks in allen Feuerungen verwendet werde. Hierzu kann in erheblichem Umfange auch die Landwirtschaft beitragen, indem in allen Feuerungen, die ganz oder teilweise mit Koks geheizt werden können, in den Brennereien, Stärke-undZuckerfabriken,Kartoffeltrockungs-Anlagen, in Futterdämpfern, Lokomobilen jeder Art, Küchen­herden und Zimmeröfen, soviel als möglich die Kohle durch Koks ersetzt wird. Die geringen, mit dem Uebergange zum Koksbrand verbundenen Unbequem­lichkeiten muß jeder Landwirt auf sich nehmen, der sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, bewußt eine schwere Verantwortung für neu Rückgang der Ernte in 1915 auf sich zu laden.

Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministe­riums hat der Leiter der technischen Abteilung des Vereins zur Förderung der Moorkultur, Herr Arland, in einer landwirtschaftlichen Brennerei und an sonstigen Feuerungen die Möglichkeit, Koks zu verbrennen, er­probt. Hierbei hat sich gezeigt, daß in allen Feuerungs­anlagen, die mit Rosten versehen sind, Zechenkoks und Gaskoks in Mischung mit Schwarzkohlen und mit Braunkohlen-Briketts sehr gut verwendet werden kann,- der Koks ist für diesen Zweck zu nußgroßen Stücken zu zerkleinern.

Bei Dampfkesselanlagen mit schwachem Zug durch niedrige Schornsteine oder längere wagerechte Rauch­kanäle kann die Dampfleistung bei der Koksfeueruug allein oder als Zusatz zu anderen Brennstoffen durch Anordnung eines einfachen Dampfgebläses unter dem Rost, das jeder Schlosser herzustellen weiß, wesent­lich erhöht werden.

Bei Dampfkesseln mit gutem Zug und geeigneten Roststäben von 4-6 mm Luftspalten ist unter Um- tänden Gaskoks allein zu verfeuern, für Schmelzkoks, )er schwer anbrennt, muß dagegen stets ein Grund- euer von Steinkohlen oder Braunkohlen vorhanden ein, auf dem mit Koks weiter gefeuert werden kann.

Durch die angestellten Versuche ist ermittelt worden, daß sich bei Kesselanlagen die Kosten pro 1000 kg. Betriebsdampf bei der Verfeuerung von Steinkohlen oder Braunkohlenbriketts mit Zusatz von 1/3 Gaskoks ziemlich gleich hoch wie bei Steinkvhlen- feuerung stellen, bei einem Zusatz von 1/2 Gaskoks sich um etwa 45»/o erhöhen würden. Bei Zusatz von 1/3 Schmelzkoks würden sich die Dampfkosten um etwa 5ßo/o und bei einem solchen von % Schmelzkoks um etwa 10120/ü steigern.

Hierbei sind die in der Versuchsanlage festgesetzten Preise für die Brennstoffe zugrunde gelegt, die sich für Gaskoks um lOo/o und für Schmelzkoks sogar um 250/0 höher stellen als die Steinkohlenpreise, und zwar in allen Fällen einschließlich Ausfuhr, also frei Kessel­haus gerechnet.

Bei der großen Bedeutung der Frage muß trotz der entstehenden, nicht wesentlich höheren Kosten die Verwendung von Koks überall dort stattfinden, wo es nach der Beschaffenheit der Feuerungsanlagen irgend möglich ist.

Wesentlich leichter kann die zweite vaterländische Pflicht erfüllt werden, den in der Landwirtschaft selbst vorhandenen organischen Stickstoffdünger zweckmäßig zu verwenden.

Die seit Jahren übliche und von allen Landwirt­schaftslehrern nachdrücklichst empfohlene Stickstoff- Kopfdüngung kann in diesem Frühjahr den Getreide­saaten nur dann gegeben werden, wenn die Jauche in unverdünnter Form, also unter Fernhaltung des Regenwassers, hierfür verwertet wird. Da die Kopf­düngung in verhältnismäßig schwachen Gaben verab­folgt wird, die aber möglichst gleichmäßig zu verteilen sind, diese Verteilung aber in flüssiger Form undurch­führbar ist, muß die Jauche mit Torfmull vermischt werden, der in beliebigen Mengen leicht beschafft werden kann. Die bisher übliche Verteilung der

Jauche in flüssiger Form über Wiesen und Aecker muß im Jahre 1915 unbedingt unterbleiben. Die Jauche darf nur für die Beschaffung von Brotgetreide Verwertung finden.

Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministeriums sind praktische Versuche gemacht worden, die ergeben haben, daß bei inniger Vermischung von 5 Zentner Jauche mit 1 Zentner Torfmull durch Hin- und Her­schaufeln eine Masse entsteht, die feinkrümelig genug ist, um mit der Hand in gleichmäßiger Verteilung auf die Getreidefelder ausgestreut zu werden. Die Mischung wird am besten in dichten Kastenwagen lose auf das Feld gefahren und unter Verwendung von Körben oder anderen größeren offenen Gefäßen aus­gestreut. Säcke sind für diesen Zweck ungeeignet. Die Mischung enthält in 6 Zentnern 1,25 Pfund leichtlös­lichen Stickstoffes, also in einem Zentner rund 0,20 Pfund. Will man die übliche Gabe von 50 Pfund Salpeter auf den Morgen, enthaltend 8 Pfund Stick­stoff, ersetzen, so müssen 40 Zentner der Torfmull­jauchemischung ausgestreut werden.

Der zu 6 Zentner Mischung gebrauchte Zentner Torf kostet frei Hof durchschnittlich 1,30 Mk., ein Zentner der Mischung also rund 22 Pf. und ein­schließlich des Mischend, Ausfahrens und Ausstreuens (18 Pf.) 40 Pf. Eine Jauchekopfdüngung von 40 Zentnern stellt sich demnach für den Morgen auf 16 Mark. Die Kosten der Beschaffung und des Aus­streuens von 50 Pfund Salpeter betragen 5,75 Mark. Die Jaucheverwendung ist also wesentlich teurer. Der Umstand, daß auf den meisten Gütern die russisch-pol­nischen Schnitter den ganzen Winter hindurch beschäftigt werden müssen und zu ermäßigten Löhnen zu arbeiten bereit sind, wird aber die im wesentlichen aus Ar- beitslöhnenHestehendenKosten erheblich herabmindern. Außerdem "muß berücksichtigt werden, daß bei den herrschenden hohen Getreidepreisen eine volle Deckung der Kosten eintritt. Endlich zwingt der Krieg den deutschen Landwirt, in den nächsten Jahren zur Er­haltung des Vaterlandes hohe Getreideernten zu er­zielen. Die Jauchekopfdüngung muß also überall im höchstmöglichen Umfange durchgeführt werden.

Mit der Erzeugung des Jauchetorfs ist natürlich nicht erst im Frühjahr zu beginnen, sie muß sofort einsetzen und den ganzen Winter hindurch in dem Maße anhalten, in dem die Jauche anfällt.

Wenngleich die Jaucheverwendung seinen vollen Ersatz für die bisher übliche Kopfdüngung bietet, ist sie im laufenden Jahre das einzigste überall brauch­bare Mittel, um eine für die Steigerung der Erträge an Brotgetreide unbedingt nötige Stickstoffdüngung wenigstens in.bescheidenen Grenzen zu ermöglichen. Für alle schwächer bestandenen Saaten ist eine Torf- mull-Jauchedüngung auch bei geringerem Jauchevorrat, wenigstens mit 4 Pfund Stickstoff, entsprechend 20 Zentner Torfmull-Jauchemischung auf den Morgen unerläßlich. Kein Tropfen Jauche darf ungenutzt ab- flietzen! Der heute unersetzliche, in der eigenen Wirt­schaft erzeugte organische Stickstoffvorrat muß vor Verlusten möglichst bewahrt bleiben.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Gegen Englands Trug und Tücke, die es tausendfach bewies, drehte man in Deutschland nunmehr endlich einmal um den Spieß. Aus dem englischen Bemühen, Deutschlands Zufuhr ab- zusperren, wird das Gegenteil erblühen diesen allzu schlauen Herren.Stolz und mannhaft" zieht der Brite jetzt bereits die Fahnen ein, selbst der kleinste Staat der Erde könnte kaum noch feiger sein, und mit fremder Leute Federn schmückt sich Englands Flotte jetzt, aber auch in dem Gewände wird sie in den Tod gehetzt. Konnte mehr noch sich blamieren dieses England, bar von Scham, als daß es zu fremden Flaggen ängstlich seine Zuflucht nahm? England, das seit hundert Jahren meterweit das Maul aufriß, wenn von ferner Macht die Rede, dieses England ist gewiß langst besiegt vom deutschen Mute, ob es gleich noch nichts verlor, denn bereits aus allen Ländern dringt es heut' an unser Ohr, daß als niedrig, schlapp und feige man das heut'ge England schätzt, das vor deutschem Mannesmute schmählich pch ver­krochen jetzt. Unterdes mit stolzen Worten kündet Deutschland aller Welt, daß es jetzt die Zeit der Rache endlich für gekommen hält, daß es jeden anö'ren warne sich zu mischen in den Streit, den es jetzt zu Englands Schaden ausgenommen, frisch bereit. Und bereits aus allen Ländern lieft man heute schon erfreut, daß das Unheil, wo- mit Deutschland seinen Erzfeind jetzt bedräut, allen als gerechte Strafe für den Uebermut er­scheint, womit England allen Staaten ungestraft zu nah'n gemeint. England aber voll Entsetzen hat den deutschen Ruf gehört, Grey und Churchill, diese beiden, scheinen ganz und gar verstört, so daß sie sogar vergaßen, ehe wir ihr Fell verkeilen, uns zu einem solchen Schritte die Erlaubnis zu erteilen! Walter-Walter.