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Mtalünber bezweckten mit diesem Verfahren, daß die Neutralen den Deutschen nichts mehr liefern könnten und daß die Frachtsätze wegen der fehlW-en Güterla­dungen wieder fielen.

Die Stimmung in Nordamerika.

Ein T. U.-Telegramm aus Neuyork meldet: Die Verkündigung des deutschen Handelskrieges gegen Eng­land erhitzt die Gemüter immer mehr und mehr. Die vom Dreiverband gekaufte Prefse führt eine schamlose Sprache gegen Deutschland. Die Wutausbrüche mancher Blätter grenzen an Paroxismus und erscheinen selbst amerikanischen Lesern als etwas stark. Allen voran geht natürlich derNew York Herald", der die Deut­schen überhaupt nicht anders alsHunnen" oderPi­raten" bezeichnet. Auf der anderen Seite jedoch ge­winnt die deutsch-freundliche Partei durch ihre ruhige und unentwegte Arbeit, die auf das Vorteilhafteste von der ihrer Gegner absticht, stets mehr Freunde. Während bisher eigentlich nur die oberen Schichten der Bevölke­rung sich auf das leidenschaftlichste an dein Meinungs­streite beteiligen, beginnt sich jetzt das Interesse der großen Masse zu regen, und der Mann aus dem Volke fängt an, zur brennenden Tagesfrage Stellung zu nehmen. Die erste Folge davon ist allerdings das Ver­bot der Polizei gewesen, sogenannte Diskussionsver­handlungen abzuhalten, in Selten Redner für und gegen Deutschland sprechen durften, da es hierbei mehrfach zu blutigen Zusammenstößen gekommen war. Die Tat­sache, daß England seine Flagge furchtsam hinter 6er neutraler Staaten verbergen will, hat hier dem Ansehen der meerbeherrschenden britischen Flotte enorm ge­schadet. Die Witzblätter bringen zum Teil sehr geist­reiche Karikaturen, in denen zum Beispiel John Bull ängstlich bemüht ist, seine riesige Gestalt hinter der Flagge der Republik San Marino zu verbergen. Diese Spottbilder werden viel belacht und von einem großen Teil der Presse wiedergegeben.

Graf Zeppelin über den Luftkrieg.

Von der holländischen Grenze meldet dieKölnische Ztg.": Graf Zeppelin gewährte Herrn Karl v. WieganS, dem Vertreter der United Preß in Berlin eine Unter­redung über den Luftangriff gegen England. Der Graf kam eben von einem Ort an der Küste, wo er die Luft-

Angriff über Norfolk Ite sich nach seinen

schiffe untersucht hatte, die an dem ' beteiligt gewesen waren, und wollte , , Werken in Friedrichtshasen begeben.Der Luftkrieg," so erklärte er,muß sich zu einem maßgebenden Faktor in dem Völkerstreite entwickeln; er kann ebenso wichtig werden, wie der Krieg unter See, der freilich noch von der weitern Entwicklung der Kriegsschiffe abhängt. Ob jemals große Schlachten in der Luft zwischen starken Luftflotten stattfinden werden, ähnlich den Geschwadern auf See, wird erst eine spätere Zukunft lehren. Ich für meine Person neige nicht zu dieser Auffassung."

Was die Nichtkämpfer angeht, die aus Luftschiffen

von Geschossen getroffen werden, so erklärte Graf Zep­pelin:Niemand bedauert das mehr als ich, allein sind keine Nichtkämpfer durch andere Kriegswerkzeuge ge­tötet worden? Weshalb denn dieses Geschrei? Ledig­lich weil England fürchtet, daß die Zeppeline seine glän- zerlde Vereinsamung zerstören könnten, weil es ihm mtf)t gelingt, etwas Aehnliches M bauen, und es daher hofft, die Erbitterung der ganzen Welt hervorzurufen, Samt ein Druck aus Deutschland gegen die Verwendung einer England nicht zur Verfügung stehenden Waffe ausgeübt werde. Die Besatzungen der Luftschiffe sind größeren Gefahren ausgesetzt als die Kämpfer in allen anderen Zweigen der Wehrmacht, allein sie handeln ebenso menschlich wie diese. Es liegt auch nicht in ihrer Absicht und ihrem Wunsch, Frauen und Kinder zu töten; sie wollen das nicht mehr als die Offiziere und Kano­niere der Artillerie. So weit es in ihrer Macht steht, suchen sie es zu vermeiden. Der beste Beweis für ihre menschlichen Regungen liegt in der Tatsache, daß in den kürzlich von ihnen besuchten Städten ungeplatzte Sprengkörper gefunden worden sind.

Wenn ein Zeppelin von dem Feinde bemerkt und in ein heftiges Feuer genommen wird, so hängt seine Sicherheit davon ab, ob ihm ein rascher Aufstieg gelingt. Zu diesem Ende kann es durchaus notwendig werden, Bomben als Ballast abzuwerfen. In diesem Falle wer­den die Zündschnüre, wenn möglich, losgelöst, bevor das Geschoß abgeworfen wird. Ich zweifle nicht daran, daß über den englischen Städten so gehandelt worden ist." Auf die Frage, wie man nach der Ansicht des Grafen im Hinblick auf diese neue Art der Kriegführung klar umreitzen könne, wann ein Luftangriff auf eine Stadt oder einen Ort zuläfsig sei, antwortete der Gras:Ich möchte dieselben Vorschriften anwenden, die für den Krieg zu Lande gelten. Diese Vorschriften beruhen auf zwei ungeschriebenen Gesetzen: dem Gesetz der Mensch­lichkeit, das verbietet, da, wo es sich vermeiden läßt, Nichtkämpfer zu töten, und dem Gesetz der militärischen Notwendigkeit oder Gebot. Eine nicht befestigte Stadt oder Ortschaft, die jedoch von militärischen Streitkräften besetzt oder auch nur durch Schützengräben verteidigt er­scheint, ist einem Landangriff unbedingt ausgesetzt, außer wenn sie übergeben oder geräumt ist. Daß solche Ortschaften oft angegriffen und zusammengeschossen werden, haben Sie wohl selbst Gelegenheit gehabt, aus beiden Fronten in diesem Kriege zu beobachten. Wenn eine Stadt oder Ortschaft von militärischen Streitkräften besetzt ist, die auf Luftschiffe feuern, oder wenn sie Ge­schütze zu diesem Zweck aufgestellt hat, so erscheint es durchaus richtig, daß sie einem Luftangriff genau so aus- gesetzt ist, wie wenn der Angreifer aus Infanterie oder Artillerie bestünde."

Die Frage des Berichterstatters, ob ein Luftangriff aus London beabsichtigt sei, beantwortete Gras Zeppelin l^>iglich damit, daß man sich mit solcher Frage an den Admiral- oder Generalstab zu richten hätte. Auch die Frage, ob die Zeppeline in diesem Kriege seinen Er­wartungen entsprochen hätten, wollte der Graf nicht be­antworten; indes gab er offen zu, daß es noch manches au bessern gäbe. Er wolle daher nicht sagen, daß er mit den Leistungen nicht zufrieden sei, sondern nur, daß man erst vor den Anfängen der Wissenschaft der Safts schiffahrt stehe. Schließlich verwies Graf Zeppelin den AuSfrager, der wissen wollte, welche tatsächlichen mili­tärischen Leistungen die Zeppeline aufzuweisen hätten, wiederum an den Admiral- und Generalstab.

Zum Schluß sprach Graf Zeppelin noch den Wunsch »ud. daß es ihm vergönnt fein möge, eine Lnftreise von Europa nach Amerika zu machen. Der Krieg habe seinen darauf gerichteten Plan unterbrochen. Technisch sei aber eine Fahrt von Europa nach Amerika in drei bis *ier Tagen durchaus möglich.

kriegsallerlei.

Der König von Bayern bei Krupp.

DieKöln Ztg." meldet aus Ellen: Mittwoch nach­mittag gegen 5 Uhr traf König Ludwig von Bayern lu einem Besuch der Kruppschen Werke in Essen ein. Der «Wa, o« am vauptuaHnhof von Dr. Kruvv

v. Bohlen und Salbach empfangen wurde, begab sich als Gast der Familie Krupp nach Villa Hügel. Er wird die Kruppschen Werksanlagen besichtigen.

Deutsch-russischer Gefangenenaustausch.

DemRjetsch" zufolge werden demnächst 27 russi­sche Würdenträger, die sich bisher in deutscher Gefangen­schaft befunden haben, gegen Deutsche, die in Rußland dasselbe Schicksal erleiden, ausgetauscht.

Befestigung Tsingtaus durch die Japaner.

Wie die Petersburger Agentur aus Tokio meldet, hat die japanische Regierung einen Kredit von 110 Mil­lionen angewiesen znr beschleunigten Vornahme stra­tegischer Anlagen in Tsingtau und in der Provinz Schantung.

Schweizer Lob der Deutschen in Belgien.

In einem in denBasler Nachrichten" veröffentlich­ten Stimmungsbild aus Belgien wird ausgeführt: In Brüssel hat man so recht Gelegenheit, deutsches Organi­sationstalent und administratives Können zu bewun­dern. Der riesige Verwaltungsapparat sämtlicher bel­gischer Bahnen wird von hier aus in Bewegung gesetzt durch ausnahmslos deutsche Beamte. Der ganze Post-, Telegraphen- und Telephondienst, das großstädtische Polizei- und Verwaltungswesen vollziehen sich ohne jeg­liche Unterbrechung in tadelloser Weise; der neutrale Beobachter erhält unwillkürlich die Ueberzeugung, daß hier die Frucht jahrelanger, unermüdlicher Arbeit und Anstrengung eines Volkes zum Ausdruck kommt, wel­ches vor keinen Opfern zurückschreckte, weil es galt, ein Werk aufzubauen, welches einzig und allein zum Schutze des Vaterlandes dienen sollte. Demgegenüber wirkt be­trübend das unpatriotische Handeln der meisten reichen Belgier. Diese Herren bleiben mit ihrem verfügbaren Golde im Ausland, unbekümmert darum, was aus ihren Mitbürgern und ihrem Baterlande wird. Hätten die zur Mehrzahl aus den mittellosen Kreisen sich rekru­tierenden belgischen Soldaten eine solch rücksichtslose Flucht der sogenanntenbesseren" Klassen vorausgese­hen, hätte König Albert eine Ahnung von der Unzuver- lässigkeit seines intellektuell auf höherer Stufe befind­lichen Volkes gehabt, so wäre wohl manches in Belgien bei Ausbruch des Krieges anders gegangen, als es der Fall war.

Aus der Liller Kriegszeitung.

Unter der SpitzmarkeNeues aus Flandern" bringt dieLiller Kriegszeitung" vom 29. Januar folgenden hübschen Scherz: DieNowoje Wremja" in Petersburg veröffentlicht einen Brief ihres Korrespondenten aus Bern, demzufolge in Stockholm die Meldung einge- troffeu sei, daß derCorriere delle Sera" in Mailand ein Telegramm aus Valparaiso erhalten habe, laut wel­chem der New York Herald" Buenos-Aires die Nachricht aus Guatemala empfing, die letzte Nummer derTimes" enthalte aus Tokio über Ceylon eine Depesche ihres Auslandsvertreters, der übereinstimmend mit dem Nieuwe Rotterdamsche Courant" mitteile. auf dem Kriegsschauplatz in Flandern wäre es wieder zu hef­tigen Kämpfen gekommen.

Ein Aufschneider.

Einige Deutschmeister erwachen morgens in einem galizischen Bauernhaus und geraten in Streit.Was is Senn", sagt der Feldwebel,mützt's ös denn glei in aller Fruah streiten?"Weil Halt der Lehner Toni be­haupten tuat, er Hai an Floh!" sagt ärgerlich einer der Soldaten.Was ist denn da dabei?" fragte der Feld­webel ganz erstaunt,mir ham ja doch alle Flöh genua?" Na, alsdann; aber der Lehner Toni, der Aufschnei­der, behauptet, er hat nur aan!"

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Politische Rundschau.

Eine Verlobung in den Häusern Schleswig-Holstein und Hohenlohe. Wie aus Koburg gemeldet wird, gibt der Fürst zu Hohenwhe-Langenburg die Verlobung sei­ner Tochter Marie Miletta mit dem Prinzen Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonöerburg-Glücksburg be­kannt. Prinzessin Marie ist die älteste, erst 16jährige Tochter des Fürsten Ernst, des ehemaligen Kolo- nialüirektors und Vizepräsidenten des Reichstages und seiner Gattin, einer geborenen Prinzessin von Sachsen- Koburg-Gotha. Prinz Friedrich, geb. 1891, ist der ein­zige Sohn des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Schles­wig-Holstein und der Prinzessin Adelheid zu Schaum- burg-Lippe. Von seinen Schwestern ist Prinzessin Vik­toria Adelheid mit dem Herzog von Sachfen-Koburg, Prinzessin Alexandra Viktoria mit dem Prinzen August Wilhelm von Preußen, Prinzessin Helena mit dem Prin­zen Harald von Dänemark vermählt.

Der Reichsetat für 1915. In 8 bis 14 Tagen wird der Entwurf zum Reichshaushaltsetat für 1915 dem Bundesrat zugehen, und jedenfalls schon mit Beginn des März wird der Gesetzentwurf dem Reichstag vorlie­gen. Der Etat wird im wesentlichen eine Abschrift des für das laufende Etatsjahr geltenden sein. Die kürzlich laut gewordene Annahme, die Etats für die Heeres- und Marineverwaltung würde große Neuforderungen brin­gen, ist nach demB. T." irrtümlich. Auf Grund der vom Reichstag erteilten Ermächtigung ist die Reichsre- aierung in der Lage, alle im Interesse der Landesvertei­digung notwendigen Maßnahmen durchzuführen und aus den ihr zur Verfügung gestellten Krediten zu be­streiten.

Aus dem Btiefe eines österreichischen Mitkämpfers.

Früher als heute zu schreiben war mir beim besten Willen nicht möglich. Wir sind seit dem 6. Dezember ununterbrochen im Gefecht, marschieren viel und fast täglich, so daß mir wenig Zeit geblieben ist. Heute habe ich mich tieme.en lassen, sonst müßte es auch h mte noch r nterbleiönr. Ich bin gesund, augenblicklich nur cuvas marschmüde, was bei den grundlosen Wegen, die das Marschieren und Vorwärtskommen so furchtbar erschwe­ren, kein Wunder ist. Leider finb die sehnsüchtig er­warteten Pakete noch immer nicht angekommen, wie überhaupt noch nicht das meiste der für uns bestimmten Gaben, da wir in ewiger Gefechtsbewegung sind.

Meine Weihnachtsfeier^ von der ich Dir schrieb, wurde unliebsam unterbrochen. Gegen 2 Uhr früh ver­suchten die Russen einen Sturmangriff, wurden aber aufgehalten, wobei unsere Maschinengewehre geradezu furchtbar auf räumten. Eine im Vorgehen begriffene feindliche Schwarmlinie wurde, so wie das Gewehr von links nach rechts gedreht wurde, Mann für Mann buch­stäblich niedergemäht.

Wir sind ungefähr in der Mitte von Westgalizien. Alle Bahnen in dem Hinterlande sind von den Russen mehr oder weniger zerstört worden. Aller Gewißheit

nach haben wir es nur mit Barbaren zu tun. In Bartfa und Gorlice haben die Russen, zumeist Kosaken, fürchter­lich gehaust. Ich habe Läden und Wohnungen gesehen, wo alles, was nicht niet- und nagelfest war, ohne Gnade und Barmherzigkeit zertrümmert worden war. Pferde, Kühe, Gänse, Hühner usw., kurz alles Brauch- und Ge­nießbare wird von den Russen einfach mitgenommen. Heu und Hafer ist in Orten, wo einmal Russen gewesen sind, fast nie aufzutreiben. Am ärgsten werden die zu­meist verlassenen Wohn- und Geschäftshäuser der Juden mitgenommen. Die russische Armee scheint völlig ver­lottert zu sein. Wir vom Regiment allein haben in den letzten drei Tagen 1000 Gefangene gemacht. Man riecht es schon auf Hunderte von Schritten, wenn wieder ein Transport im Anzüge ist; und wenn die Brüder nahe an einem vorbei gehen, muß man die Nase fest zu­halten, sonst fällt man um vor Gestank. Läuse merken nur dieAustriacy", die Russen scheinen dagegen un­empfindlich zu feilt. Reinlichkeit oder gar Waschen kennt man in der russischen Armee anscheinend überhaupt nicht, selbst die Offiziere waschen sich nicht, auch nicht, wenn die Gelegenheit dazu da ist . . .

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Das alles und noch so manches andere über die Benehmität" unseres Gegners steht man und hört es von der Bevölkeruug. Ich bekomme jetzt sehr selten eine Zeitung und staune über die Nachrichten von un­sern Rückzug aus Serbien. Aber bitte nur Geduld, sie kriegen früher oder später doch ihre Keile. Ich habe unbedingtes Vertrauen zu unserer Führung und in unsere Mannschaften. Du würdest rnanchmal staunen, was für Stückchen hier und da von vielen geliefert wer- gen z. B. verlief sich ein Jnfan- nt an einer feindlichen Feldküche, Küche nachher mit in

den. Vor einigen Ta< terist in der Dunkelheit zn ______ atz sich dort satt und brächte die unsere Schützenlinie. Etwa 80 Russen, durch kurzent- schlossenes Anschreien des Soldaten jedenfalls aus der Fassung gebracht, liefen hinter der Feldküche her und unsern Leuten in die Hände.

Ein Mann steht als Posten auf einer Anhöhe nächst einem Waldrande und mußte da den Russen zu Gesicht gekommen sein. Man schießt auf etwa 1200 Schritt Ent­fernung ziemlich heftig nach ihm, trifft ihn aber nicht. Weißt Du, was er tut? In aller Ruhe greift er nach seinem Feldspaten, schwingt ihn über dem Kopfe hin und her und zeigt wie auf Lern Scheibenstand:Fehler,,! Am San voll den furchtbaren Geschützfeuer-Nüchten auf der Linie Raöymno-Jaroslau hoffe ich Dir später noch erzählen zu können trug einer meiner Leute einen schweren Sack Kartoffeln zu seinen Kameraden in die Deckungen und auf meinen Zuruf, sich doch zu decken, drehte er sich einigemale gemütlich um seine eigene Achse, brummte etwas in seinen wilden Bart und ging ruhig und im Schneckentempo weiter im Feuer seines Weges. Einen Unteroffizier sah ich, der 17 Schutzlöcher in Uniform und Rüstung trug, er selbst war unverletzt.

Ich bin seit längerer Zeit glücklicher Besitzer einer Generalkarte und könnte Dich ziemlich genau über un­sere gegenwärtige Stellung orientieren, es darf aber nicht sein, auch mein Kompagniekommnnöant erlaubt es nicht, auch noch nicht einmal die Angabe des -Stand­ortes. Es ist gut und angebracht, datz die Zensur so streng ist, denn wir haben hier viel mit Verrat zu tun.

(Köln. Ztg.)

Magermilch in die Küche.

Wenn die fette Kuhmilch die Zentrifuge verläßt, ist sie in zwei Teile gesondert. Man erhält fast den ganzen Fett­gehalt d er Milch in Gestalt des dicken weißen Rahms, außerdem die entfettete Milch als Magermilch. Der Rahm wird nach kurzer Säuerung zu Butter verarbeitet, wober wiederum ein Nebenprodukt entsteht, nämlich die schwach säuerlich wohlschmeckende, etwa 1 Prozent Fett enthaltende Buttermilch. Während nun die Buttermilch gern als Ge­tränk genossen wird, findet die Magermilch wenig Gegen­liebe. Sie wird wegen ihres faden Geschmackes kaum als Getränk verwendet und hat überhaupt nur in Form des aus ihr gewonnenen Käses (Quarkkäse, Magerkäse) Ein­gang in den Haushalt gefunden. Siee wird vielmehr zum allergrößten Teil zur Fütterung des Viehes, vor allem der Schweine, verwendet.

Nun ist aber die Magermilch auch für den Menschen ein sehr wertvolles Nahrungsmittel, da sie den gesamten Eiweiß- und Zuckergehalt der Vollmilch trägt. In Zeiten wo wir mit unserem Vorrat an Nahrungsmitteln Haus­halten müssen, ist es also unbedingt notwendig, auch die Magermilch dein menschlichen Gennß direkt zuzuführen. Denn wenn wir sie durch Fütterung in Schweinefleisch! umwandeln, so erhalten wir nur ein Viertel ihres Eiweiß­gehaltes wieder, den Rest verbraucht das Schwein für sich selbst. Es tritt also ein sehr großer Verlust eut, Wenn wir nun bedenken, daß in Deutschland jährlich 56 Mil­liarden Liter Magermilch den Schweinen gegeben werden, so bedeutet das ein Verlust von rund 150-000 Tonnen Eiweiß oder etwa ein Zehntel unseres gesamten Bedarfes an EiweiU< Daraus ersieht man die große Wichtigkeit den Schweinen diese Mengen Nahrungsstoff zu entziehen und sie den Menschen direkt zu geben. Natürlich geht das! nicht mit der ganzen Menge, aber wir müssen dahin streben, wenigstens die Hälfte zu retten.

Dazu sind aber zwei Dinge nötig: erstens muß Sorge getragen werden, die Magermilch für diesen Zweck frei- zu bekommen, sie also den Schweinen wirklich sortzu- nechmen; zweitens muß die Hausfrau diese Magermilch auch kaufen. Und dazu muß sie wieder wissen, was sie damit anfangen soll; denn zum Trinken eignet sie ficht wie gesagt, nicht besonders. Es hat aber gar keine Schwierigkeit, trotzdem der Magermilch eine ausgedehnte Verwendung zu schaffen. Man soll sie nämlich ganz grund­sätzlich an Stelle der teuren Vollmilch zum Kochen und Backen verwenden. Alle die zahllosen Speisen unb int Haushalte hergestellte Kuchen lassen sich, ohne lebe Ein­buße an Wohlgeschmack, mit Magermilch herzustellen. Der Nährwert dieser Speisen ist ebenfalls in bezug am ba8i Eiweiß völlig den mit Vollmilch hergestellten gleichwertig, nur das Fett fehlt, ist aber in diesen an sich so nahrhaften Speisen entbehrlich. Es kommt aber noch etwas sehr Wichtiges hinzu. Da man mit Fleisch sparen, anderer­seits aber viel Zucker verwenden soll, so ist die Bereitung solcher Speisen in viel größerem Umfange nötig als bisher. Wollte man sie nun mit Vollmilch kochen, so würde den Kindern dieses unentbehrliche Getränk eingeschränkt. Das darf aber auch wieder nicht sein; denn für Kinder muß der Genuß von Milch der wichtigste Fleischersatz sein. Benutzt man aber zum Kochen grundsätzlich nur Magermilch, so bleibt die Vollmilch zum! Trinken frei, mindestens iml bisherigen Umfange. Wahrscheinlich wird aber sogar noch mehr zur Verfügung stehen.

Darum muß an alle Hausfrauen der Aufruf ergehen, bei ihren Milchhändlern solange Magermilch zu verlangen, bis diese sie liefern; denn die noch vorhandenen Schwierig­keiten der Beschaffung sind zu überwinden, und die Händler werden sie überwinden, sobald sie den ersten Wunsch der Hausfrauen erkennen. Natürlich muß sie billiger feilt als Vollmilch; sie darf nur die Hälfte kosten. Die Varol« muß also sein: die Vollmilch den Kindern zum Trinken, die Magermilch in die Küche,