Einzelbild herunterladen
 

hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

HerMer

für den Kreis Hersfeld

WlOtt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 35.

Donnerstag, den 11. Februar

1315

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt g sich am Vaterlande u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat«

* Eine angenehme Entdeckung machte am Dienstag in einem Dorfe bei Neustadt (S.-C.) ein Haushaltungsvorstand, als die Aufnahme seines Weizenmehlbestandes vor sich gehen sollte. Die Auf­nahme Anfang Dezember hattenur sieben Zentner" ergeben. Obwohl nun inzwischen die Weihnachts­bäckerei vor sich gegangen war, und durch den, wenn auch geringen wöchentlichen Verbrauch eine Ver­minderung des Mehlreichtums hätte eintreten sollen, hatten sich die Vorräte ohne jeden Zukauf ganz ge­waltig vermehrt: denn es waren am Dienstag aus sieben Zentnern auf einmal 34 Zentner geworden.

* (Die Feldpakete bis 50 Kilogramm.) Feldpakete bis zum Gewicht von 50 Kilogramm werden bekanntlich von Ende Februar an dauernd zugelassen, solange es die militärischen Maßnahmen gestatten. Die Beförderung geschieht durch die Militärpaketdepots, die sich im Bereich eines jeden Armeekorps befinden. Von den Depots ins Feld wird keine Gebühr erhoben. Die Einlieferung geschieht bei den Paketen bis zu 50 Kilogramm unmittelbar bei den Depots, bis zu 10 Kilogramm bei den Postanstalten. Für die Beförde­rung von der Postanstalt zum Depot sind bis zu 5 Kilogramm 25 Pf., für jedes weitere Kilogramm 5 Ps. zu entrichten. Pakete über 10 Kilogramm werden bei der Güterabfertigung einer jeden Eisenbahnstation aufgeliefert. Die Beförderung von dort bis zum De­pot erfolgt zu den üblichen Frachtsätzen. Es empfiehlt sich der Vermerk: Falls unbestellbar zur Verfügung des Truppenteils. Sonst werden unanbringliche Pa­kete dem Absender zurückgeschickt. Die Pakete können aber auch auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Die Postanstalten, Eisenbahnstationen und Militär­paketdepots sind berechtigt, ungenügend verpackte Sendungen zurückzuweisen oder von der Weiterbe­förderung auszuschließen.

):( Hersfeld, 10. Februar. Der Unterricht an den hiesigen Schulen, der seit Mitte November um 8.30 Uhr vormittags begann, nimmt von nächsten Montag, den 15. Februar wieder um 8 Uhr seinen Anfang.

):( Hersfeld, 10. Februar. (Verlustliste 145.) Jnf.-Regt. Nr. 144 Musk. Heinrich Goßmann Meck- bach, Hersfeld, schw. verw. Musk. Jacob Hoffmann Mecklar, Hersfeld, schw. verw.

):( Hersfeld, 10. Februar. Wir machen darauf aufmerksam, daß das Heckenschneiden vom 1. März ab verboten ist.

):( Hersfeld, 10. Februar. Der Beamtenverein Hersfeld und Umgebung hielt vergangenen Sonnabend seine Jahresversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist folgendes hervorzuheben: Die zur Linderung der Not derjenigen Familien, deren Ernährer im Felde sind, vorgesehenen 100 Mk. sind vergriffen. Eine freiwillige Sammlung unter den Mitgliedern ergab 51 Mk. Diese Summe ist mit dem sich nach genauer Prüfung der Kasse festgestellten Kassenbestand zu vor­genannten Zweck zur Verfügung gestellt. Die statuten­gemäß ausgeschieüenen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Für den von hier versetzten Bahnhofs­vorsteher Hahn fand eine Ersatzwahl statt. In allen Punkten der Tagesordnung herrschte unter den An­wesenden volle Einigkeit.

§ Friedervald, 10. Februar. Zum Leutnant wurde befördert, der Offizier-Stellvertreter Herr Otto Rotten- bach, Amtsgerichtssekretär in Friedewald, zur Zeit beim 143. Infanterie-Regiment im Westen.

Die 2. Kriegssitzung des Preußischen Abgeordnetenhäuser.

In noch größerer Zahl als bei der ersten Kriegs- fitzung des Abgeordnetenhauses war in der zweiten ore feldgraue Uniform im Plenum vertreten. Auf gar mancher Brust erglänzte das Kreuz von Eisen, erworben da draußen im Osten oder im Westen, im stampfe gegen die Feinde unseres Vaterlandes.Ein Eiges Volk, keine Parteien mehr", das war der Grundton in der Rede, des greisen Präsidenten Grafen von Schwerin-Löwitz, mit der er die Sitzung eröffnete.

Frnanzminister Dr. Lentze, der sodann das Wort Etatsrede ergriff, gab zuerst einen Ueberblick über die Erfolge unserer Waffen, um dann die Ein­zelheiten des Etats zu streifen. Von sehr lebhaften Bravorufen wurde er unterbrochen, als er die Treff­

lichkeit unseres Eisenbahnsystems pries, das während des ganzes Krieges noch nicht den geringsten Anlaß zu Klagen gegeben habe. Das liege daran, daß jeder Eisenbahner vom Minister bis zum letzten Arbeiter voll und ganz seine Pflicht erfüllt habe, andererseits aber auch an der Arbeit des Hohen Hauses, das sich wichtigen Maßnahmen noch nie verschlossen habe. Ferner hob er die Segnungen der Argarpolitik hervor, wie sie in den letzten Jahren getrieben worden sei. Wir brauchten nun uicht zu zagen, sondern könnten der Aushungerungspolitik Englands trotzen, be­sonders nach den Maßnahmen, zu denen der Bundes­rat in den letzten Tagen sich veranlaßt sah. Mit er­hobener Stimme wies er dann aber in nachdrücklichster Weise auf die Sparpflicht jedes einzelnen hin. Wenn in dieser Beziehung weiter gesündigt würde, dann sei die Lage sehr ernst. Auch auf die Lage in Ostpreußen ging der Redner kurz ein und betonte besonders, daß schon viel zur Linderung der entstandenen Not ge­schehen sei, an einen völligen Wiederaufbau könne man allerdings erst nach Beendigung des Krieges denken.

Schön wäre es, besonders im Hinblick auf unsere Feinde, gewesen, wenn der Antrag von Pappenheim, den Etat ohne Erörterung der Budgetkommission zu fiberweisen, durchgegangen wäre. Doch es sollte nicht sein. Der Abgeordnete Hirsch mußte durchaus eine Entschließung der sozialdemokratischen Partei mit schwachen Stimmitteln zum Vortrage bringen. Oft war darin die Rede vonberechtigten Forderungen des Volkes", und als ob es gar nichts Wichtigeres auf der Welt gäbe, mußte auch wieder der Ruf nach der Abschaffung der Dreiklassenwahl erschallen, be­gleitet von kaum merklichen Bravosäuseln auf der äußersten Linken. Unter lebhaftem Beifall des ganzen übrigen Hauses machte Dr. v. Heydebrand gegen diese Resolution" der Sozialdemokratie Front. Das Volk verlange vor allen Dingen, daß zuvor alle Maßnahmen getroffen würden, die dazu führen könnten, den Feind völlig zu Boden zu werfen, um einen Frieden zu er­zielen, der sich als dauerhaft erweise und eine segens­reiche Friedensarbeit gewährleiste. Das und nur das allein seien die berechtigten Forderungen des Volkes draußen in den Schützengräben und hier im Lande. Die Ausführungen des Abgeordneten v. Heydebrand wurden durch Zwischenrufe des Herrn Liebknecht unterbrochen, der urplötzlich aus der Versenkung her­vorgetaucht war. Die Nachwelt wird es jedoch er­tragen müssen, in Unkenntnis über diese Zwischenrufe zu bleiben,' denn es erhob sich von Seiten des Hauses ein so deutlich und dringend ausgesprochenes Ver­langen nach Ruhe, daß Liebknecht verstummte.

Auch die zweite Kriegssitzung des Preußischen Ab­geordnetenhauses wird immer zu feinen großen Tagen gehören: denn der wirkungsvolle Eindruck der Ge­schlossenheit der übrigen Parteien erlitt durch die Wenn und Aber der sozialdemokratischen Entschließung keinerlei Eintrag, geschweige denn durch das Ver­halten eines Mannes, der sich nicht einmal bei den eigenen Parteigenossen irgend welcher Sympathien erfreut.

Das Fleisch und seine Verwendung im Haushalt.

* Die zu Gunsten unserer Volksernährung not­wendige Verringerung unseres Viehbestandes muß naturgemäß über lang oder kurz zu einer Fleisch­knappheit führen, während zurzeit ein sich noch steigerndes Ueberangebot bemerkbar macht. Es gilt, unser Volk für diese Zeit der Not dadurch zu rüsten, daß jetzt das ausgeschlachtete Fleisch in großen Mengen zu Dauerware verarbeitet und für später aufgespeichert wird.

Bei der Versorgung des einzelnen Haushalts, jetzt und schon immer, ist, wie imLehrkursus für Redner über Volksernährung im Kriege" Altmeister Burg ausführte, der größte, verhängnisvolle Fehler der, daß namentlich in den oberen, aber auch in den mittleren Schichten der Volkes der Einkauf den Dienstboten überlassen wird, statt daß die Hausfrau sich selbst die nötige Kenntnis aneignet und selbst einkauft. Jede Art Vieh wird im Fleisch in 68 Klassen eingeteilt, und die daraus sich ergebenden Unterschiede sollte jede Hausfrau genau kennen. Ebenso sollte sie die drei Arten der Zubereitung (Kochen, Braten, Dünsten) genau kennen und zu unter­scheiden wissen, in welchen Fällen das Fleisch beim Kochen in schon kochendes oder nur in laues oder gar in kaltes Wasser eingelegt wird. (Bei dieser Gölegen- heit warnte der Vortragende dringend vor der Ver­wendung von Liebigs Fleischextrakt. Dieser gebe zwar gutes Aroma und schöne Farbe, hebe aber den Nährwert in keiner Weise: zudem sei die Firma Liebig stockenglisch und habe bei Kriegsbeginn sofort alle ihre deutschen Arbeiter auf die Straße gesetzt.)

Ein weiterer Fehler bei der Verwendung des

Fleisches ist der bedauerliche, unerklärliche Wider­willen der Verbraucher gegen fettes Fleisch. Dadurch gehen große Werte verloren, da das Fett dem Körper nachhaltige Wärme zuführt. Unsre Truppen wissen die Bedeutung des Fettes besser zu schätzen, wie das fortwährende Verlangen danach beweist. Vielfach verbindet sich die große Unkenntnis in der Bewertung des Fleisches auch mit einer falschen Scham,geringeres" Fleisch essen zu sollen, oder mit dem Dünkel, gerade immer das Teuerste nehmen zu müssen.

Was fordert nun unsre jetzige Zeit in Bezug auf das Fleisch und die Fleischverwendung? Brauchen wir uns des Fleischgenusses jetzt schon zu enthalten? Nein und abermals nein! Deutschland hat noch so reiche Viehbestände, daß wir auf lange hinaus keine Not daran leiden, nur müssen wir es rationell aus­nutzen. Das Beste und Richtigste ist eine gemischte Kost: Die Hausfrau muß wieder lernen, einen ordent­lichen Topf Essen zu kochen, ein gutes Gemüse und dazu Fleisch. Wie nahrhaft das ist, sehen wir an unseren Soldaten, die bei der so bereiteten Kasernen- kvst prächtig gedeihen.

Die Herstellung von Dauerware zur Aufbewahrung ist ein Gebot der Zeit, da die Preise für das Roh­material schon so im Steigen sind, daß bald Höchst­preise erforderlich sein werden. Familien sollen sich mit dieser Herstellung von Dauerware im allgemeinen nicht befassen, denn sie ist zu umständlich und zu schwierig: auch vor reicherem Ankauf ist zu warnen, da die Dauerware mit der Länge der Zeit doch dem Verderb (Fliegen!) ausgesetzt ist.

Eine richtige Ausnutzung des Fleisches aber ist eine Aufgabe von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, und alle Kreise müssen dazu mithelfen, denn das Fleisch ist eine allgemeine Gottesgabe, deren wir uns nicht unwert erweisen dürfen, sondern die wir dankbar genießen und nicht vergeuden sollen.

Majjenkonkurse in Rußland.

Der Mosrauer ^au .^untenverein hat eine Stati­stik über die Zahlungseinstellung von Handelshäusern aufgestellt. Im November haben, wie die Vossische Zeitung (Nr. 22) in ihrem Finanz- und Handelsblatte mitteilt, im Moskauer Bezirk 248 Firmen bankerott erklärt. Für 192 Firmen liegen Angaben über den Umfang derZahlungsverpflichtungen vor. Die Passiven dieser 192 bankerotten Firmen belaufen sich auf 23896000 Rubel. Die Verpflichtungen der übrigen 56 Firmen werden auf 4,5 Millionen Rubel geschätzt. Der Gesamtsumme von 28,4 Millionen Rubel Passiven ent­sprechen für den Monat Oktober 28 Millionen.Ruff- koche Slowo" behauptet, daß sich trotz dieser hohen Zahlen im Moskauer Bezirk die Konkurse im Ver­gleich zum Vorjahre vermindert hätten; im November 1913 hätten die Konkurse 37 Millionen Rubel betragen, dagegen habe sich die Zahl der Konkurse im Norden und im Ural vermehrt. Die Hauptzahl der Konkurse betrifft die Textilindustrie.

Diese Behauptung des russischen Blattes steht auf schwachen Füßen, denn bekanntermaßen hat Rußland die weitestgehenden Moratorien erlassen und trotzdem erreichen die Konkurse Riesenziffern. Wenn erst die entsprechenden Ziffern für Polen vorliegen werden, wird auchRußkoje Slowo" die an völligen Zusammen- bruch grenzende Krise der russischen Textilindustrie nicht mehr gut bestreiten können. _________________

And unser Junge war nutz dabei...

Nun stand sie gerüstet, die junge Schar, Die trotz tiefsten Ernst's voll Begetst'rung war. Sie standen wie Eichen zur Frühlingszeit.

Und lauschten dem Worte zum letzten Geleit Fünfhundert Freiwill'ge in stolzer Reih'

Und unser Junge war auch dabei.

Und flammend erklang's:Auf dem rauhen Pfad Behüt' und geleit' euch des Himmels Gnad.

Das Vaterland ruft, das Volk ist in Not!

Ihr zieht in den Kampf, und geht's auch zum aoo, So seid bis zum Tode der Fahne getreu !"

Und unser Junge war auch dabei.

Zum Bahnhof ging es in festem Tritt: Wir Alten und Jungen marschierten mit Ein letzter Blick noch, ein letzter Gruß; Dem Vater, der Mutter, dem Lieb einen Kuß Auf Wiederseh'n!" klang es,daß Gott mit dir (eil Und unser Junge war auch dabei.

Es kam zur blut'gen Polenschlacht,

Da haben auch Hessen den Sieg gebracht. Hessische Regimenter und Westpreußens Wehr, Die gaben ihr Bestes, ihr Letztes her;

ZU alten Lorbeern pflückten sie neu'

Und unser Junge war auch dabei.

Durch Polens blutgetränkte Flur

Schreitet der Tod auf grausiger Spur, Dort liegt deine Jugend, o Hessenland, Den brechenden Blick noch zu dir gewandt, Bleich blutig, zerschossen, in stiller Reih' Und unser Junge liegt auch dabei.

Anna Luh.