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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Zersfeider

für den Kreis Hersfeld

Wfott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 34.

Mittwoch, den 10. Februar

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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt | sich am Vaterlands u. macht sich strafbar, z

Bus der Heimat«

* (Sammelt Metall in den Schulen.) Durch den Krieg ist unserem Vaterlande die Zufuhr von Kupfer aus überseeischen Ländern erschwert. Gegenwärtig werden für Kriegszwecke gewaltige Mengen Kupfer und kupferhaltige Legierungen ver­braucht. Dem Vaterlande kann man jetzt ohne Mühe und Geldaufwand wertvolle Dienste leisten, wenn man überall im Hause (bisher wertlose) alte Messing- und Kupfersache zusammensucht und diese den an den Schulen zu errichtenden Sammelstellen zuführt. Alle Schulen ohne Unterschied sollten sich in den Dienst der Sache stellen. Den Schülern macht das Sammeln Freude und die Eltern helfen gerne mit. Millionen Schüler sollen in deutschen Städten und Dörfern Millionen Kilogramm Altmaterial sammeln und da­durch dem Vaterland ebensoviele Mark Ausgaben er­sparen. In Hauptsammelstellen sollen die Sammlungen der einzelnen Schulen vereinigt und sortiert werden. (Hülsen getrennt.) Ohne Zwischenhandelwerden später die gesammelten Sachen jedenfalls durch die Kriegs­metall e. G.) Berlin der Militärverwaltung kostenlos zugeführt. Etwaige Einnahme fließen demRoten Kreuz" zu. In wenigen Tagen wurden, dank der eifrigen Mitarbeit aller Lehrkräfte an der Gewerbe­schule zu Pforzheim mehr als 1200 Patronenhülsen und beträchtliche Mengen Altmaterial gesammelt, u. a. Messing- und Kupferkessel, Schöpflöffel, alte Licht­putzscheren, Fahrradpumpen, Knöpfe, Uhrenrädchen, Lampenteile aller Art, Messingschildchen, Ketten, alte Trompeten usw.

§ Hersfeld, 9. Febr. Der Verein gegen V e r»- armung undBettelei hielt am 2. d. Mts. seine diesjährige Generalversammlung ab. Erster Punkt der Tagesordnung betraf die Rechnung vom abge­laufenen Vereinsjahr. Aus derselben war zu ent­nehmen, daß die Mitgliederbeiträge zurückgegangen sind, was umsobedauerlicher ist, als der Verein un­ausgesetzt bemüht ist, der Hausbettelei Einhalt zu tun, was im Publikum empfunden wird. Dagegen wurde dem Verein eine außerordentliche Zuwendung

vom hiesigen Presbyterium in Höhe von 100 Mark zu teil zur Verwendung für Familien der ins Feld gezogenen. Dieser Betrag ist ein Teilbetrag von Kirchenkollekten und ist zweckentsprechend verwandt worden. Was nun die Ausgaben anbetreffen, so wurden infolge Kriegsausbruchs erhebliche Anforder­ungen an die Kasse gestellt. Hiesigen Armen gewährte sie insgesamt 472,50 Mk. Geldunterstützuugen. An Naturalunterstützungen wurden 20.75 Mk. verausgabt. Durchgereiste Arme erhielten zusammen 52,15 Mark Retseunterstützungen und als Vorschüsse gelangte der Betrag von 61 Mk. zur Verausgabung. An sonstigen

Betrag von 61 Mk. zur Verausgai

Ausgaben insbesondere für Bescheerung von Armen auf Weihnachten mußten 217 Mk. aufgewandt werden, sodaß die Gesamtausgabe im abgelaufenen Vereins-

jähr auf 823 Mk. 40 Pf. sich belief. Diese hohe Aus­gabe ist in erster Linie auf den ausgebrochenen Krieg zurückzuführen. Punkt 2 der Tagesordnung betraf die Wahl von Rechnungsprüfer. Als solche wurden die Herren Pfarrer Gonnermann und Rentner Hch. Gesing gewählt. Neuwahl des Vorstandes bildete Punkt 3 der Tagesordnung. An Stelle des durch Wegzug von hier ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Herrn Pfarrer Lieberknecht wurde dessen Nachfolger Herr Pfarrer Uloth neugewählt und die übrigen Vor­standsmitglieder, bestehend aus den Herren Super­intendent Feyerabend, Pfarrer Scheffer, Pfarrer Gonnermann, Fabrikant Hermann Braun, Rentner Heinrich Gesing und Standesbeamte Fr. Demme wiedergewählt. Nach Entgegennahme von Unter­stützungsanträgen der erschienenen Helferinnen schloß der Vorsitzende Herr Superintendent Feyerabend die Versammlung mit dem Wunsch, daß die dem Verein noch fernstehenden Herrschaften, insbesondere die in der letzten Zeit hier Zugezogenen, demselben beitreten möchten, damit der Verein in die Lage versetzt werde, auch künftighin seine Wohltätigkeit zu entfalten. Mit dem Einkassieren der Mitgliederbeiträgen und Werb- ung von neuen Vereinsmitgliedern werde in den nächsten Tagen begonnen.

.§ H"sfeld, 9. Februar. Auf die am 10. ds. Mts. ristct). 2 Uhr im HotelHohenzollern stattfindende Ver-

wMlu ng seien unsere Landwirte nochmals ganz vejonöers hingewiesen, ebenso alle jene Männer, welche ein besonderes Interesse an einer starken und blühen- den Landwirtschaft haben. Im allgemeinen ist zwar beschehen, was zur Brotversorgung bis zur nächsten Ernte notwendig erscheint. Sehr wenig ist

geschehen für die weitere Erhaltung der Landwirt­schaft und für die Sicherstellung der neuen Ernte. Der Mangel an Viehfutter ist außerordentlich stark und wird mit jedem Tag bedrohlicher. Man wird, wie die Dinge heute liegen, nicht daran vorbeikönnen einen Teil des Viehes vorzeitig abzuschlachten. Wie

soll ferner die Frühjahrsbestellung des Ackers durch­geführt werden, das ist eine weitere ernste und schwere Sorge. Auf irgend eine Weise muß unbedingt dafür gesorgt werden, daß die Zugtiere bei der anstrengenden Bestellungsarbeit ausreichend ernährt werden können. Geschehen muß da unbedingt etwas, das muß mit aller Entschiedenheit gesagt werden. Die Sicherung der nächsten Ernte ist eine unerläßliche Voraussetzung unseres Sieges. So ist es denn Pflicht aller ein­sichtigen Landwirte, durch zielbewußtes und ge- schloßenes Vorgehen nach Mittel und Wegen zu suchen, welche geeignet erscheinen den drohenden Ge­fahren und dem Mangel an Viehfutter soweit dies im Bereich der Möglichkeit liegt vorzubeugen.

sichtigen Landwirte, schloßenes Vorgeher

):( Hersfeld, 9. Februar. Nachdem der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz in der Absendung von Wollsachen an unsere Truppen im Felde seit Weihnachten eine längere Pause hatte eintreten lassen, übermittelte derselbe im Laufe der letzten Woche der Abnahmestelle 2 zu Cassel wieder eine größere Sendung zur Weiterbeförderung an die Front. Die Sendung enthielt 150 Barchenthemden, 100 starke Unterhosen, 250 Paar Strümpfe, 286 selbstgestrickte Kopfschützer, 30 Ohrenschützer, 23 Schals, 60 Paar Pulswärmer, 12 Paar Handschuhe, 14 Paar Kniewärmer, 20 Muffe und neben einigen anderen kleineren nützlichen Gegen­ständen 17 Kisten Cigarren. Die Damen der Kriegs- nähstube hatten gleich mit Beginn des neuen Jahres ihre Arbeit mit altbewährtem Eifer wieder ausge­nommen. Viele Frauen und Mädchen unserer Stadt und zahlreicher benachbarter Ortschaften hatten sich am Stricken mit großer Hingebung beteiligt. Vor allem halten auch das hiesige is'-ae lit ffche Strickkränzchen und die israelitische Gemeinde Niederaula sich wie schon seit Monaten auch jetzt wiederum bei der An­fertigung der Strümpfe, Schals, Kopfschützer und Hand­schuhe aufs eifrigste betätigt. Daß eine der hiesigen evgl. Dame im Laufe des Winters allein 73 Kopf­schützer anfertigte, muß gewiß als ein Zeichen aus- opferungsfreudigstens Fleißes besonders hervorge­hoben werden. Allen treuen Helferinnen und auch insbesondere den gütigen Spendern der Geldbeiträge und sonstigen Gegenstände für unsere Truppen im Feldesei auch an dieser Stelle nochmals herzlich Dank gesagt. Man kann ja jetzt gar oft die Versicherung hören, daß da draußen an den Kampffronten die wollenen Sachen in reichem, 'ja überreichem Maße vorhanden seien, aber ebenso wird von maßgebender Stelle eindringlich gebeten, in der Anfertigung von Wollsachen nicht erlahmen zu wollen. Unsere Soldaten stehen Tag für Tag, Nacht um Nacht in Kälte und Regen. Da halten die festeten Stiefelsohlen nicht stand und lassen Nässe durch und der Strumpf im Stiefel wirdhart undmürbe. Dadürfen die Stricknadeln noch nicht ruhen. So lange der Kampf draußen noch tobt, wollen deutsche Frauenhände auch noch nicht ruhen. Für Abgenutztes muß dauernd Ersatz geschafft werden, und wenn der dicke wollene Strumpf und das warme Hemd in kommenden Frühlingstagen als lästig empfunden werden, muß Vorsorge für leichtere Kleidungsstücke getroffen sein. So lange unsere wackeren Streiter das Schwert noch führen müssen, werden unsere deutschen Frauen auch ihre Näh- und Stricknadeln nicht bei Seite legen und auch weiterhin freudig an der Herstellung der Liebesgaben für unsere Truppen im Felde mit helfen wollen.

Verlustliste 144.) Res. rnst Gies, Mengshausen,

):( Hersfeld, 9. Febr. (V

Jnf.-Regt. Nr. 16. Res. Er..,, ^.v», »»><8».;^«, Hersfeld schw. v. Res. Jns.-Regt. Nr. 18. Gefr. Friedrich Schade Hersfeld, I. werw.

Hünfeld, 8. Februar. In einem Ort des Kreises Hünfeld wurde nach derFrkf. Ztg." ein Schwein ge­schlachtet, in dessen Magen sich, trotz täglich wieder­holter Mahnung, kein Brotgetreide zu verfüttern, nicht weniger als 22 Pfund Roggen befanden. Das Tier war auf Lebendgewicht gekauft und mußte laut Handelsabschluß nüchtern gewogen werden.

Cassel, 6. Februar. Im Niederzwehrener Ge­fangenenlager hat sich vorgestern ein schweres Unglück zugetragen. Beim Gewehrreinigen kam der Laud- wehrmann W. des Bewachungskomandos dem Abzug zu nahe, wodurch sich eine in dem Lauf befindliche Patrone entlud. Die Kugel drang einem Landsturm- mann in die linke Unterleibseite und dann einem zweiten in den Arm. Ersterer, welcher dem Garnison­lazarett zugeführt werden mußte, schwebt in Lebens­gefahr. Der zweite Soldat fand ebenfalls nach An­legung eines Verbandes Aufnahme im Garnison­lazarett.

Cassel, 6. Febr. Mehrere tausend Mark in Gold zahlte gestern eine einfache ältere Frau bei der städt­ischen Sparkasse ein. Sie erklärte auf Befragen, sie habe sich bis jetzt nicht von dem Anblick des Goldes trennen können, jetzt wolle sie es aber für das Vater­land der Reichsbank zufließen lassen.

(Versorgt Euch mit Vorrat an I S-tnveincflcisch-Dmlermare!

Auf jeden einzelne» kommt es an.

Der Krieg erhebt zur Gemeinschaft. Er stellt in Reih und Glied, draußen die Krieger im Felde wie die Daheimbleibenden, und in Reih und Glied gelten nur die Pflichten und der Wille der Gemeinsamkeit. Im Kriege hat der einzelne bloß als Glied der Ge­meinschaft, der staatlichen, völkischen, militärischen und wirtschaftlichen, Wert und Bedeutung. Sein vor­nehmstes Gebot ist, stets so zu wirken, wie es der Gemeinschaft frommt. Von der Stärke der Gemein­schaft, des Staates und des Volkes, der Wehrmacht und der Nationalwirtschaft hängen im Kriege jedes einzelnen Fortbestand und Wohlfahrt ab. Darum ist oberstes Kriegsgesetz, überall die Gemeinschaftskräfte zu festigen und zu mehren, den Gemeinschaftswillen zu stärken und zu erhöhen. Die Hauptsünde aber ist, so zu denken und zu handeln, als ob es auf jeden einzelnen, wenn er auch an sich unter Millionen nur ein Verschwindender zu sein scheint und zu sein wähnt, nicht ankomme. Wollten alle darnach verfahren, wo bliebe dann der Gemeinsinn? Dieser entscheidet im Kriege.

Zurzeit wird allerseits mit Recht an jeden einzelnen die Mahnung gerichtet, auf den volkswirtschaftlichen Gesamtgeist seine Wirtschaftsführung einzusteüen,alfo allenthalben haushälterisch zu verfahren, insbesondere auf dem Gebiete der Ernährung Sparsamkeit zu üben, damit wir mit dem während des Krieges gegebenen Nahrungsvorrat auskommen und nicht in wirtschaft­liche Bedrängnisse geraten. Dabei kommt es auf jeden einzelnen an. Jeder einzelne muß sich einzuschränken wissen, muß auf etwa sonst im Frieden gewohnte und befriedigte Bedürfnisse soweit verzichten können, als es unter dem Gesichtspunkte der Ernährung der Ge­samtheit erforderlich ist. Jeder soll sich in Friedens­zeit soviel Entsagung auferlegen, um die sogenannten verfeinerten Lebeusgepflogenheiten dazu zählt das Essen von Weizenbrot und Kuchen, der Genuß von Schlagsahne und andrer Leckerbissen aufzugeben und mit gröberer Kost, die dem Gesunden weder körperlich noch geistig schadet, sich ihm vielleicht sogar nützlich erweist, fürlieb zu nehmen.

Nimmermehr darf sich der einzelne sagen: es kann doch nicht die geringste spürbare Wirkung ausüben, wenn ich, ein Ungezählter unter vielen Millionen, fortfahre, mich genau so zu ernähren, wie ich es mir zuvor in Friedenszeit gestatten konnte, zumal wenn ich erwarte, daß alle andern sich für solche kleine Ent­sagung und Entbehrung empfänglich zeigen werden. Jede Ausnahme bedeutet Versündigung an der Ge­samtheit. Soll die Volksernährung für die Kriegs­dauer, und zwar für jede, sichergestellt bleiben und die Gefahr ausschließen, daß aus Ernährungsrücksichten ein vorzeitiger Friedensschluß angebahnt werden muß, so ist allenthalben jeder Vergeudung von Nahr­ungsmitteln Einhalt zu tun. Sparsamkeit in allen Vorräten, die für die Volksernährung vorhanden sind. Sparsamkeit namentlich in Mehl, Brot und Butter, Fleisch und Fett, ist eine wesentliche Bedingung unsers Durchhaltens. Zu solcher Sparsamkeit ist jeder einzelne verpflichtet. Sparsamkeit, Einfachheit, Genügsamkeit in Küche und Keller, in Haus und Hof sind Kriegs- tugenden der Daheimbleibenden.

Daß die Gemeinschaftspflicht nicht allgemein er­füllt wird, daß der einzelne oft mehr noch an sich denkt als an das Allgemeine, bezeugt die noch lange nicht vollständige Befolgung des wiederholten Aufrufs, alle Goldmünzen den Staatskassen und damit zuletzt der Reichsbank zuzuführen. Viele Hüten zu Hause noch immer ängstlich ihr Goldgeld in dem Wahne, daß Goldmünzen eine höhere Kaufkraft besitzen oder im Laufe des Krieges noch erlangen können als Papier­geld. Im Zeichen des Eisens unö nicht des Goldes leben wir, und wessen Herz heute am Golde hängt und sich labt, wenn Goldstücke durch seine Finger gleiten, der erweist sich unsrer großen Zeit und ihrer Pflichten als völlig unwürdig.

Die Einheit des deutschen Volkes, seine Krtegs- gemetnsamkett gestattet keinerlei Ausnahmegesinnung, die für sich den Satz beansprucht: Ich zähle nicht mit. Jeder zählt heute mit, mit seinen Worten wie Werken. Die vaterländische Verantwortlichkeit duldet nicht Be­sonderheiten zugunsten der Selbstsucht. Der Reichste muß mit dem Aermsten die Kriegslasten gemeinsam tragen in der Ueberzeugung, daß es auf jeden einzelnen ankommt, daß einer für alle und alle für einen einzutreten haben.

| Jede warme Decke schützt einen I Soldaten vor Erkrankung!