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von Viktoria. Der Augenzeuge berichtet, daß sich dieCumberland" auf etwa 800 Meter dem Lande näherte und dann absichtlich das große Magazin der Ge­sellschaft unter Feuer nahm. Dieses stand im Augen­blick in Flammen, sämtliche Vorräte an Lebensrnitteln und alles Material verbrannten. Die gesamte dort auf­gestapelte Kakaoernte von 2800 Sack wurde völlig ver­nichtet. Das alles geschah, trotzdem der Platz unbefestigt ist, und auch keine militärische Besatzung vorhanden war.

Nicht minder schlimm wurde in Edea. einer 90 Kilometer landeinwärts an der Mittellandbahn ge­legenen Station gehaust. Hier wurde nicht einmal die Mission von der Plünderung verschont. Nach dem Be­richt des Leiters der Missionsstation bot sich den Mis­sionaren bei der Rückkehr von der befohlenen Meldung beim französischen Oberst ern schrecklicher Anblick. In Bündeln, Leinentüchern, Tischtüchern usw. zusammeuge- packt, befand sich das ganze Eigentum der Mission, Meß­gewänder, Kelche, Kirchenwäsche ustv. mit blutigen Stücken der geraubten Schafe und Schweine. Auf dem Wege zur Mission lagen die Kirchengerate im Grase.

Auf der Mission waren alle Türen gewaltsam auf- gebrochen, alle in den Zimmern befindlichen Kosfer und Schränke waren erbrochen: Papiere, Briefschaften und Bücher lagen auf dem Boden zerstreut, der Tabernakel Zbrochen in der Sakristei Kelche und sonstige kostbare Geräte ihres Inhalts beraubt, vier Harmoniums voll­ständig zerstört und unbrauchbar gemacht. Die Oberm war von einem Schwarzen tätlich angegriffen und mit bluttriefendem Cutlas bedroht worden. Der dabei- - - ' weiße Soldat lachte dazu.

stehende

Friedensgebete im Vatikan.

^ Rom, 8. Februar. (WTB.) Gestern vormittag wurden in der Basilika von St. Peter die vom Papst angeordneten Friedensgebete abgehalten. Die Feier­lichkeiten wurden durch eine Messe eingeleitet. Kar­dinal Merry öel Val zelebrierte dieselbe. Nach der Messe wurde am Papstaltar das Allerheiligste ausge­stellt. Der Altar war mit Kerzen geschmückt, wo die vorgeschriebenen Gebete verrichtet wurden. Am Nach­mittag begab sich der Papst in die Basilika, in der über 30 000 Personen Platz genommen hatten. Der Papst nahm vor dem Altar Platz, rechts von ihm stellten sich die Kardinäle und sonstigen hohen geistlichen Würden­träger, links das diplomatische Korps und Vertreter des römischen Adels und Patriziats auf. U. a. waren an­wesend die Botschafter von Oesterreich-Ungarn und Spanien, die Gesandtee von Preußen und Bayern, Ruß­land, Belgien, England und südamerikanischen Staaten. Der Papst kniete beim Verlesen des Gebetes und hob, als Gott angefleht wurde, den Völkern Mäßigung ein- zuflötzen, beide Hände beschwörend in die Höhe. Nach­dem der Patriarch von Konstantinopel den Segen ge­reicht hatte, schloß die Feier.

kkiegsallerlei.

Die Kriegsschädech in Polen.

DieGazetta Krakowska" bringt eine Meldung des Kurjer Warszawski", wonach die. wirtschaftlichen Ver­luste in Russisch-Polen infolge der Kriegsereignisse sich bis jetzt auf etwa 1 Milliarde Rubel belaufen.

Choleraepidemie in Petersburg?

^ Hamburg, 7. Februar. Wie nach derVoss. Ztg." aus Petersburg berichtet wird, ist dort eine Cholera­epidemie ausgebrochen, die täglich große Fortschritte macht. Nach einer Stockholmer Meldung sind schon sehr viele Todesopfer zu verzeichnen.

General Lsman und Lehmarm.

Verschiedene Zeitungen haben die Mitteilung ge­bracht, daß der kriegsgefangene belgische General Lsman identisch sei mit einem fahnenflüchtigen deutschen Feld­webel Heinrich Lehmann, gebürtig aus Herzberg, Re­gierungsbezirk Merseburg. Die darüber angestellte Un­tersuchung hat dagegen ergeben, daß nach der standes­amtlichen Geburtsurkunde der Stadt Lüttich der General L6man am 8. Januar 1851 in Lüttich als Sohn eines belgischen Offiziers geboren ist.

Mißbrauch der Feldpost.

Einzelne Fälle mißbräuchlicher Benutzung der Feld­post durch Soldaten und ihre Angehörigen sind bereits zur öffentlichen Kenntnis gekommen. Neuerdings ge­sellt sich dazu ein weiterer Fall, der Abwehr fordert. Ein Briefmarken- oder Postkarten-Sammler übermittelt größere Mengen von Postkarten an einzelne Soldaten, deren Adresse er in Erfahrung gebracht hat, und bittet um Absendung an seine Adresse. Nach seiner Angabe sammelt er Feldpoststempel. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Sammlung der Spionage dienen kann. Den Soldaten ist daher verboten worden, derartigen Auf­forderungen zu entsprechen. Es bedarf kaum der Er­wähnung, daß die Versendung solcher Karten außerdem eine überflüssige Belastung der Feldpost bedeutet.

Die Luftverteidigung von Paris.

DerRepublicain" meldet aus Paris: Die Ueber- wachung von Paris durch Flugzeuge wird äußerst scharf durchgeführt. Unablässig, auch während der Nacht, über- fliegen Flugzeuge Paris und Umgegend. Zwei deutsche Flugzeuge, die sich am Sonnabend Paris näherten, wur­den von französischen Fliegern zur Umkehr gezwungen.

Drohender Streik in englischen Khakispinnereien.

36 000 Arbeiterinnen in den Khakispinnereien von Leeds dürften diese Woche in den Streik treten, da die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über eine Lohn­erhöhung ergebnislos geblieben sind.

Pofitifdie Rundschau.

Znr Sicherung der Fleischversorgung der Bevölke­rung schlägt der Schutzverband für deutschen Grundbe­sitz in einer Eingabe an den Vundesrat vor, Höchstpreise für alle wichtigen Futtermittel festzusetzen und die im Julande vorhandenen Futtermittel-Vorräte auf dem Wege der Beschlagnahme oder der erzwungenen Ueber- lOpuna an den Verbraucher ihrer Verwendung im land- w.rtschaftlichen Betriebe zuzuführen. Ferner wird ver- langr, haß die Verteilung der beim Mahlen des Getrei­des gewonnenen Kleie an die Landwirte staatlich ge­regelt werde.

, Wechsel im österreichischen Finanzministerium. Of- siziell wird aus Wien gemeldet: Der bereits angekün­

digte Rücktritt des gemeinsamen FinanzMtnisters Ritter v. Bilinski ist erfolgt. Zu seinem Nachfolger ist der frühere Ministerpräsident Koerber ernannt, der in den nächsten Tagen vom Kaiser vereidigt werden wird.

Eine Kriegssteuer in der Schweiz. Zur Deckung eines Teiles der Sofien des Truppenaufgebotes wäh­rend des Krieges hat der schweizerische Bundesrat die Ausnahme eines neuen Verfassungsartikels beantragt, durch den der Bund befugt wird, eine einmalige direkte Kriegssteuer auf Vermögen und Erwerb zu erheben. Das Vermögen unter 10 000 und der Erwerb bis 2500 Franken bleiben steuerfrei.

der Zsslizmord von Kasablanca.

Frau Franziska Ficke, geborene Erb, in Wies­baden veröffentlicht folgende Todesanzeige:

Nach erfolgter amtlicher Bestätigung bringe ich hiermit allen unseren Verwandten und Freunden zur Kenntnis, daß mein lieber Mann, Herr Karl Ficke, Be­gründer und Teilhaber der Firma Karl Ficke in Cafa- blanca, Magazan, Marrakesch, Rabat und Fez (Mo- rokko) und sein Gschäftsteilhaber in Magazan, Herr Ri­chard Gründler, am 28. Januar auf Befehl des Gene­rals Liauthey in Casablanca erschossen worden sind. Mi- ihnen sind zwei unschuldige, wehrlose Männer für das Vaterland gefallen, die in Marokko in hohem Ansehen standen, lange bevor die Franzosen in das Land kamen, und deren einziges Verbrechen es war, Deutsche zu sein. So führt Liauthey fort, sein in Rabat gegebenes Wort, daß er die Deutschen Marokkos vernichten wolle, unge­hindert in die Tat umzusetzen."

Als der Krieg ausbrach, mußten sich sämtliche Deut­sche der marokkanischen Küste, ungefähr zweihundert Personen, in die auf einer Anhöhe bei Casablanca ge­legene geräumige Villa des Herrn Ficke begeben. Es ist das einzige Privatbesitztum, mit eigener elektrischer Beleuchtung und eigenem Wasserwerk. In dem oberen Stock dieses Hauses schliefen eine Reihe Frauen mit ihren Kindern, und diese hatten in der ersten Nacht einige Male das elektrische Licht angedreht. Sofort am nächsten Tage wurde Herr Ficke gefangen genommen unter der Beschuldigung, elektrische Lichtsignale gegeben zu haben! Nach einigen Tagen ließ man ihn wieder frei, doch wurde er bald darauf mit der gesamten Ko­lonie nach Algier gebracht, wo er vom Pöbel auf dem Weg vorn Schiff zum Bahnhöfe durch Stock- und Stein­schläge stark verwundet wurde. Nachdem er im dor­tigen Hospital genesen war, wurde er aufs neue nach Casablanca in das Militärgefängnis übergeführt und unter Anklage gestellt, Spionage getrieben und die Ara­ber aufgewiegelt zu haben. Der Generalresident Liau- they, dem die Deutschen in Casablanca stets ein Dorn im Auge gewesen waren, hat in einer Rede in Rabat den Ausspruch getan, daß er die Deutschen Marokkos für immer vernichten werde, und nach allem, was wir bisher erlebt haben, wird er dieses Wort buchstäblich wahr machen. Ist es ihm nün einerseits um die Aus­rottung der Deutschen zu tun, so ist ihm anderseits ihr Grundbesitz ein noch viel bedeutungsvolleres Objekt, und so läßt er künstlich Anklagen konstruieren, um dann nach im voraus befohlener Verurteilung die Ländereien konfiszieren und dem französischen Staate überliefern zu können, ohne einen Franken dafür zahlen zu müssen. Der gleichfalls erschossene Grünöler war Geschäftsteil­haber der Firma in Mazagan, während der zu lebens­länglicher Zwangsarbeit verurteilte Nehrkorn, ein Neffe des Ficke, das Mutterhaus mit leitete.

Vermischtes.

Die Opfer des Erdbebens in Italien. Nach dem Mattino" beträgt die Gesamtzahl der Todesopfer des Erdbebens vom 13. Januar 44 650. Dreißig Ortschaften sind gänzlich dem Erdboden gleichgemacht, fünfzig zu zwei Dritteln zerstört und 200 unbewohnbar geworden. 600 000 Menschen sind obdachlos, ohne Kleider und ohne Brot. Das ganze Erdbebengebiet umfaßt fünf Pro­vinzen.

Die Schulschmeiue. Ein Leser schreibt denBerl. N. N.": Zwei Hofbesitzer schenkten, um etwas zur Bolkserntthrung beizutragen, einer Schule in Marne ein paar Schweine. DieseSchulschweine" (so lautet ihr amtlicher Titel) werden teils durch die Beiträge der Schüler (5 Pfg. für Kopf und Woche), teils durch frei­willige Lieferung der Abfälle aus dem Haushalt der Bürger ernährt.

Gaunereien eines angeblichen ostprentzischen Flücht­lings. Als gerissener Betrüger entpuppte sich der Händ­ler Ferdinand Mielke vor der 4. Strafkammer des Ber­liner Landgerichts. Der schon bejahrte und recht würdig aussehende Angeklagte ist in der Maske desarmen Alten aus Ostpreußen" aufgetreten und hat es verstan­den, mit großem schauspielerischen Talent die öffentliche und private Wohltätigkeit zu betrügen. Er schilderte die Schandtaten der Russen und sein eigenes Leid: Fünf feiner Söhne seien im Felde gefallen, sein Gehöft sei verwüstet, seine Frau ermordet, seine Tochter verstüm­melt worden, er selbst habe in der Verzweiflung einen Kosaken totgeschlagen und irre nun umher. Der Ge­richtshof hielt es, wie der Vorsitzende ausführte, für ruchlos und verächtlich, die Opferfreudigkeit in dieser Weise zu mißbrauchen. Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.

Bei hessischen Truppen an der Szura.

Der Kriegsberichterstatter derFrkf. Ztg." bei der Ostarmee, Dr. Fritz Wertheimer, meldet seinem Blatte von der Bzura Ende Januar:

Es ist noch nicht an der Zeit, rückblickend der Leistun­gen einzelner größerer Truppenverbände zu gedenken. Ich habe mir sagen lassen, es würde dem Gegner Ein­blick in einzelne für ihn noch dunkle Abschnitte unserer Strategie gewähren, wenn die Kriegsgeschichte der 25. hessischen Reservedivision im einzelnen bekannt würde. Aber so viel darf doch verraten werden, daß diese Divi­sion mit ihren nahezu 130 Gefechtstagen und ihren sieg- und erfolgreichen Kämpfen im Westen und im Osten, mit einer Zahl von weit über 5000 Gefangenen allein in den letzten zwei Monaten ihres Feldzuges in Ruß­land, wohl mit an der Spitze aller deutschen Truppen- verbänöe marschiert. Ueberall, wo es hart auf hart ging, sind die Hessen eingesetzt worden, und es paßt weder Führern noch Mannschaften recht in den Kram, daß man diese angriffslustigen Truppen nun seit ein paar Wochen in einer Stellung hält, die durchaus defensiven Charak­ter trägt. Als sie damals in ungestümem Vorwärts­stürmen darauf losgingen, Wald um Wald nahmen, in mächtigen Sprüngen über die Felder wegsetzten, hier und

da sich rasch mit Schaufeln und Spaten Deckung nett schassten, dann aber wieder aussprangen und dem wei­chenden Gegner nachdrängten, da glaubten sie, es ginge geraden Weges aus Warschau los. Den fliehenden Russen nach stürmten sie über die russische Kriegsbrücke über die Bzura weg, und es half dem Feinde nichts mehr, daß die Pfeiler und das Geländer schon mit Stroh umwickelt und mit Petroleum getränkt waren. Schon hoffte man auch, mit dem Feind in die nässte größere Stadt gelangen zu können, da wurde aus strategischen Gründen ein Teil der Truppen abgezogen und an an­deren Stellen vorgeschoben,' da war ein Halten geboten. Und nun konnte der Russe plötzlich eine Brigade gegen ein paar Kompagnien ansetzen, um den vorgeschobenen Brückenkopf über die Bzura zurückzunehmen, aber schon am nächsten Abend war er mit blutigen Köpfen wieder herausgejagt und auf seine Höhen zurückgetrie­ben.

Da liegt er nun in stark überhöhten Stellungen, von denen er auf die deutschen Schützengräben und alles, was dahinter liegt, an sichtigen Tagen einen wunder­vollen Rundblick haben mag. Hinter ihm befinden sich schützende Wälder, in denen seine Mannschaften lagern, hinter ihm liegen neue, überaus starke, seit Wochen und Monaten vorbereiteten Erdwerke des Ringes der Blo- niestellung, hinter ihm liegt das schützende Warschau mit einem Bahnnetz, das Truppenverschiebnugen und neue Gruppierungen erleichtert und das gestattet, er­müdete Truppen aus der Schützenkette auf einige Tage in bequeme Ruhestellungen zurückzunehmen. Und vor ihm liegen die Hessen. Jeden Wagen, jeden Mann, der über die weiten Ebenen fährt, reitet und spazieren geht, kann er mit feiner Artillerie bequem beschießen.

Es waren wundervolle acht Tage, die ich als Gast des Divisionsstabes der Hessen da draußen verleben konnte. Ein wenig schneite es wohl bisweilen, aber es war so mildes Wetter, es gab so weiche linde Luft, daß man nur noch von polnischen Rivierawetter sprach. Man ging Tag und Nacht in den warmen Kleidern mit allerhand Pelz- oder Wolleuntersachen, aber ohne Man­tel spazieren, und diejenigen Mannschaften, die mit Ohrenschützern und Kinnwärmern und dergleichen Din­gen sich vermummten, die taten es wohl nur, weil sie nicht wußten, wo sie diese wohltuenden Genossen viel­leicht noch kommender winterlicher Tage sonst lassen sollten. Ich habe mich in diesen Tagen ein wenig darum gekümmert, wie die Offiziere und Mannschaften aus­gerüstet und verpflegt sind, und ich kann nur sagen, daß eine einzige Stimme des Lobes überall Herrscht. Es ist ja rührend und man möchte es nicht missen, wie die Post in unzähligen Säcken die Päckchen und Paketchen Tag für Tag anschleppt. Und nicht etwa um der- waren und der Wollsachen willen jammert man, daß infolge der zahllosen Verschiebungen der Truppe die Weihnachtspakete noch nicht angekommen sind, sondern wegen anderer persönlicher Geschenke, wenn ich so sagen darf, wegen der gedanklichen Entbehrungen, die dieses Ausbleiben verursacht. Rein materiell gesprochen, ist es ganz erstaunlich, was die in dem jetzigen Abschnitte der Stellungskämpfe außerordentlich prompte und zuver­lässige Feldpost alles heranschleppt. Jeder einzelne Mann bekomrut so viel, die Kameradschaftlichkeit im Teilen ist so groß, daß sich oft schon Schattenseiten zei­gen. Erst jetzt wieder sind drei tapfere, Mühsal nicht scheuende Herren gekommen und haben Liebesgaben der Kriegsfürsorge von Hessen-Nassau, insbesondere aus Frankfurt, mitgebracht: Zeitungen, Wollsachen, stär­kende Getränke. Aber schon vorher sah ich in Gräben und Hecken zahllose alte Wollsachen, Decken, Unterhosen, Strümpfe. Wenn sie schmutzig waren, warf man sie einfach weg, weil man trotz der Ruhe der jetzigen Stel­lungskämpfe zum Waschen und Flicken zu bequem war und zudem sicher auf neue Sachen hoffen durfte. Und gegen diese Materialverschwendung, zu der der Reich- tum an Liebesgaben und an Postsendungen manchen früher sparsamen Mann anreizt, helfen auch häufige und strenge Divisionsbefehle des gerade hier sehr be­sorgten und volkswirtschaftlich denkenden Divisions- kommandeurs nur wenig. Die Truppe ist übrigens auch ohne die mehr Annehmlichkeiten und kleine Son- öergenüsse vermittelnde Heimatpost von Heeres wegen durchaus glänzend versorgt. Ich bin mit dem Kom­mandanten des Stabsquartiers, der in trefflicher Für­sorge auch dessen vorzügliche Verpflegung besorgt, Hin­ausgeritten zu dem Proviant-Magazin, aus dessen Vor­räten Stab wie Truppe ihre Bezüge holen. In muster­hafter Ruhe und Ordnung, mit einer Pünktlichkeit und Genauigkeit vollzog sich da die Ankunft und die Aus­gabe der Waren, daß man glaubte, im tiefsten Frieden bei einer Uebung zu sein. Und dort habe ich mir die Verteilungszettel, wenn man so sagen darf, die täglichen Speisekarten von acht Tagen mitgenommen. Da gab es beispielsweise vom 18. bis zum 23. Januar pro Mann je zwei Zigarren und je zwei Zigaretten täglich. Am 19. gab es pro Bataillon und Abteilung je 5 Kilo­gramm Rauchtabak dazu, am 20. Kautabak, am 22. Rauchtabak und zwar diesmal 10 Kilogramm, am 23. Kau- und Schnupftabaknach Bedarf", und am 24. neben einer Zigarette pro Mann Rauch-, Kau- und Schnupftabak nach Bedarf. Da gab es Fleischkonserven, Gemüsekonserven in Menge, da lagen riesige Käseräder, die mit einem alten Reitersäbel zerteilt wurden, sodaß ungefähr jeden zweiten Tag auf den Mann 50 Gramm kamen: Streichhölzer und Petroleum gab es (pro tau­send Mann 5 bis 6 Liter alle acht Tage hintereinander), Rum, Branntwein, Schmalz, Salz, Zwiebeln, Zucker, Kaffee, Tee, Kakao, Butter und ähnliches. Ich habe in den Schützengräben und bei den Kolonnen etwas herum gehorcht und überall die Auskunft erhalten:Alles was wahr ist, wir werden glänzend verpflegt!", und das all­gemeine Urteil lautet nicht nur so für die Zeit der jetzi­gen Stellungskämpfe, sondern auch, bis auf ganz wenige Tage, für die Zeit des raschen Voranrückens. Diese Intendantur klappte wundervoll, obgleich ihre Beamten keine geschulten Friedenssoldaten waren, sondern nur brave Kaufleute. Nach dem Urteil der Berichterstatter, die bei anderen Divisionen zu Besuch waren, soll es übrigens dort nicht anders sein, manche Vorurteile gegen gefrorenes Hammelfleisch und gegen Büchsenge­müse werden in diesem Feldzuge schon geschwunden sein.

Es ist kein Wunder, daß bei der guten Verpflegung und bei dem schönen Wetter der Krankheitsstand der Division verschwindend gering ist. Trotz der Schutz­impfung mögen ein paar Tnpbusfälle vorgekommen sein, weil die Leute immer wieder in Ermangelung von Bier das ungesunde und nicht abgekochte Wasser der Brunnen trinken. Und nur um dem abzubelfen, möchte ich hier empfehlen. an Stelle eines Wollzuges einmal einen Liebesgabenbierzug an die braven Hessen im Osten zu senden. Denn das Bier fehlt, es ist schwer Heran, zubringen, und wenn es kommt, stammt es aus Lod? und Lowicz und ist nicht sonderlich gut. Ein Glas Bic das ist der am lautesten geäußerte Wunsch der Leu« und daß trotz aller Bemühungen der Division die l stellten 17 000 Liter nicht zu Kaisers Geburtstag c trafen, angeblich aus ganz märchenhaftensanitär Gründen, das war ein großer Kummer.