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Sersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^H^, für den Kreis Hersfeld HersWer Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ^ amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. [

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 33.

Dienstag, den 9. Februar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, verkündigt | sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat.

* (Mißbrauch der Feldpost.) Einzelne Fälle mißbräuchlicher Benutzung der Feldpost durch Soldaten und ihre Angehörige sind bereits zur öffent­lichen Kenntnis gekommen. Neuerdings gesellt sich dazu ein weiterer Fall, der Abwehr fordert. Ein Briefmarken- oder Postkarten-Sammler übermittelt größere Mengen von Postkarten an einzelne Soldaten, deren Adresse er in Erfahrung gebracht hat, und bittet um Absendung an seine Adresse. Nach seiner Angabe sammelt er Feldpoststempel. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Sammlung der Spionage dienen kann. Den Soldaten ist daher verboten worden, der­artigen Aufforderungen zu entsprechen. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß die Versendung solcher Karten außerdem eine überflüssige Belastung der Feldpost bedeutet.

*(Nachgem achte RoteKreuz-Broschen.) Es ist die Warnehmung gemacht worden, daß Broschen mit dem Roten Kreuz feilgeboten und getragen werden, welche den durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 16. März 1912 genehmigten, zur Diensttracht der Schwestern vom Roten Kreuz gehörigen, zum Ver­wechseln ähnlich sehen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nur Broschen nach vorgeschriebenem Muster mit Erlaubnis der Vereinsvorstände vom Roten Krenz getragen werden dürfen und daß Broschen solcher Art im Handel überhaupt nccyr zu haben sind.

* (Nichts umkommen lassen.) Aus der landwirtschaftlichen Praxis heraus ist die Befürchtung ausgesprochen worden, daß im Herbst infolge des Ge­spann- und Leütemangels das Pflügen der Kartoffel­schläge und damit auch das Nachsammeln der im Acker befindlichen Kartoffeln vielfach unterblieben sei, und daß letzteres auch jetzt beim Pflügen vorläufig unter­bleiben dürfte, u. a. in der Annahme, daß die Kar-, toffeln doch erfroren seien. Das träfe aber nicht zu Wenn nun auch wohl angenommen werden kann, daß diefe Arbeiten bei dem außergewöhnlich milden Wetter jetzt im wesentlichen nachgeholt sind, so ist es doch wünschenswert, wenn in allen in landwirtschaft­liche Kreise kommenden Zeitungen und Zeitschriften auf diesen Punkt baldmöglichst hingewiesen wird. In diesen Kriegszeiten ist es um so mehr Pflicht eines jeden Landwirts, auch hierbei keine Nährstoffe unt; kommen zu lassen, als der hohe Preis der Kartoffeln wie der Futtermittel die Arbeit sicher bezahlt machen wird.

*(Laßt dasDichten" sein!) Die Liller Kriegszeitung (Nr. 11) wendet sich mit folgendemzeit­gemäßen" Stoßseufzer an ihre Leser:Nein, nein liebe Kameraden, nicht in Versen! Sagt lieber in klarer, schlichter Prosa, was Ihr erlebt und denkt und em­pfindet. Ein ernstes oder fröhliches Vorkommnis im Feld gewinnt nur in der gestaltenden Hand eines wirklichen Dichters. Und wir sind viel dankbarer für einen Beitrag, wenn er nicht in Strophen gepreßt ist. Denn das Ueberschwemmungsgebiet von Flandern ist eine einzige winzige Badewanne gegen die Sintflut von Gedichten, die über die Liller Kriegszeitung herein­gebrochen ist. Ein 30jähriger Krieg wäre notwendig, um hier eine Ebbe zu erleben." Nicht allein die Liller Kriegszeitung hat unter dem Austurm der ein­gehenden Gedichte zu leiden, sondern auch jede Zei­tung in der Heimat. Es ist unglaublich, was alles zusammengedichtet wird, die Redaktionen können sich der Fülle der poetischen Einsendungen aus dem Felde und von daheim kaum erwehren. Man möge also den eindringlichen Stoßseufzer recht beachten!

§ Hersfeld, 8. Febr. Von jetzt ab gelten neue Einzahlungskurse für Postanweisungen nach den Niederlanden 100 Gulden 189 Mk. nach den Ver­einigten Staaten von Amerika 100 Dollars 468 Mk.

§ Hersfeld, 8. Februar. Bei der Trockenkartoffel- Verwertungs-Gesellschaft m. b. H. Berlin laufen von vielen Behörden und Städten Klagen ein, daß die Bäcker nicht in der Lage sind, den gesetzlichen Vor­schriften über die Verwendung von Kartoffeln bei der Brotbereitung nachzukommen, da die Trockenkartoffel- Berwertungs-Gesellschaft m. b. H. nicht genügende Mengen Kartoffelmehl zur Verfügung stellen kann. Demgegenüber erlauben wir uns, ergebenst darauf aufmerksam zumachen, daß laut Bundesratsverordnung vom o. Januar d. J. (§ 5) statt Kartoffelmehl oder sonstigen Kartoffelpräparaten auch frische Kar- toffeln, Gerstenmehl, Hafermehl, Reismehl, oder Gerstenschrot verwendet werden dürfen. Jeder Bäcker ist also in der Lage, den gesetzlichen Vorschriften zu

entsprechen, und zwar auch dann, wenn die Trocken- kartoffel-Verwertungs-Gesellschaft m. b. H. nicht aus­reichende Mengen Kartoffelpräparate liefert. Die Trockenkartoffel-Verwertungs-Gesellschaft m. b. H. Berlin wäre dankbar für die Unterstützung, die oben­erwähnte Bundesratsbestimmung möglichst zur Kennt­nis aller Bäcker gelangen zu lassen, da die Produktion sämtlicher in Deutschland vorhandenen Stärkefabriken und Kartoffeltrocknereien nicht annähernd ausreicht, um die laut Bundesratsbeschluß vom 5 Januar d. J. vorgeschriebene Beimischung von lO°/o den Bäckereien in ganz Deutschland in Kartoffelpräparaten zur Ver­fügung zustellen.

):( Hersfeld, 8. Febr. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich findet am nächsten Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags 2 Uhr, im Hotel Hohenzollern eine Versammlung für alle Landwirte und Pferdehalter des Kreises Hersfeld statt, deren Tagesordnung von größter Wichtigkeit ist. Es handelt sich hierbei um eine Beschlußfassung über Futtermittelbeschaffung, insbesondere um die Beschaff­ung eines Erfatzes für den Hafer. Die Landwirte stehen in dieser ernsten Zeit vor einer gewaltigen Aufgabe, denn es gilt nicht nur die Erhaltuug eines kräftigen Viehstandes, sondern ganz besonders die Sicherstellung der nächstjährigen Ernte. Es darf da­her kein Landwirt und Pferdebesitzer versäumen, an dieser wichtigen Versammlung teilzunehmen, denn großes steht auf dem Spiele.

): ( Hersfeld, 8. Februar. Herr Rechtsanwalt und Notar Brethauer, Leutnant d. R. im Feld-Art.- Regt. Nr. 11, wurde zum Oberleutnant befördert.

): ( Hersfeld, 8. Febr. (Aus de r Ver lustliste N r. 143.) Jägerbataillon Nr. 11. Jäg. Karl Sauer, Hersfeld l. v. b. d. Tr. Jäg. Georg Schleif-Hilmes, (Hersfeld) gef. Jäg. Adam Horn 11 Frielingen (Hersfeld) l. v. Jäg. Wilhelm Volkmar-Hersfeld leicht vw.

Fulda, 6. Febr. Dem Lauö-at Freiherr« von Doernberg ist der Charakter als Geheimer Regier­ungsrat verliehen worden.

Casiel, 5. Febr. Heute starb nach langem, schwerem Leiden die Witwe des Großindustriellen, Lokomotiven- fabrikanten Oskar Henschel, Frau Geheime Kommer- zienrat Sophie Henschel geb. Caesar, im 74. Lebens­jahr. Nach dem Tode ihres Mannes, der 1894 starb, führte sie das große, über 8000 Arbeiter und Beamte beschäftigende Werk mit Umsicht und seltenem Sachver­ständnis bis vor wenigen Jahren fort, worauf dann ihr Sohn die Leitung des Werkes übernahm und sie sich fast ganz den humanitären und sozialen Arbeiten widmete. In besonderer Weise war sie als Provinzial- vorsitzenöe des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz tätig. Hunderttausende stiftete sie für wohltätige Zwecke.

ErWteruugen

zur Herstellung des kartoffelhaltigen Brotes gemäß der Bekanntmachung des Bundesrats über die Be­reitung von Backmare vom 5. Jannar d. Js. (R. G. Bl. S. 8).

Für die Herstellung von kartoffelhaltigen Broten kommen folgende Formen von Kartoffelerzeugnissen in Frage:

1. Kartoffelwalzmehl und Kartoffelflocken,

2. Kartoffelstärke,

3. ein Gemisch von 1 und 2,

4. frische Kartoffel.

1. Kartoffelwalzmehl und Kartoffelflocken: Der Pflichtzusatz beträgt 10°/°, es müssen also auf je 90 Gewichtsteile Roggenmehl 10 Gewichtsteile Kartoffel­mehl verwendet werden. Größere Zusätze bis 20°/° sind durch Aufdruck einesK", Zusätze über 20°/° durch Aufdruck der BuchstabenKK" auf dem Brote zu kenn- zeichnen. Brot, das nicht mehr Kartoffel als den Pflichtznsatz enthält, darf keinen solchen Aufdruck trage«.

Bei der Verarbeitung des Kartoffelwalzmehls und der Kartoffelflocken ist die Sauerteigführung wie bis­her zu handhaben; das Kartoffelmehl wird mit dem übrigen Roggenmehle dem reifen Vollsauer bei der Teigbereitung zugesetzt. Die Kartoffelflocken können zweckmäßig vorher mit Wasser angerührt werden, da­mit die voluminöse Masse zusammmensickert.

Bei den Zusätzen von 10 und im besonderen von 20°/» der genannten Kartoffelerzeugnisse ist der Terg bedeutend fester zu halten, als man es bisher zufolge des Abgreifens 'der Teige gewohnt ist, weil sowohl Flocken wie Walzmehl zuerst sehr begierig Wasser aus­nehmen, dann aber nicht mehr nachquellen, so daß die Teige, wenn sie nicht sehr fest sind, nachlassen, breit­stehen und zu ganz feuchten Gebäcken ausbacken. Bei diesen Zusätzen muß auch möglichst knapp geschoben werden, weil die Brote nicht viel Gare vertragen. Es muß in einem zwar heißen, aber auf keinen Fall zu heißem Ofen gebacken werden, weil andernfalls wegen der zu starken Bräunung nur unvollkommen ausge­

backen werden kann. Man schließe den Wrasenschieber am besten gar nicht.

2. Kartoffelstärke: Pflichtzusatz wie oben. Bei Zusatz von 102O°o wird der auf das Gesamtmehl be­rechnete Anteil Stärke zweckmäßig vor der Teigbe­reitung in lauwarmen Wasser eingeweicht und nach einstündigen Stehen dem reifen Vollsauer bei der Teigbereitung zugesetzt. Der Teig muß weich gehalten werden, weil hier eine deutliche Nachquellung zu be­obachten ist und bei auch nur einigermaßen festen Teigen leicht Rißbildung und Krümeln der Krume eintritt.

3. Gemisch von 1 und 2: Pflichtzusätze und höhere Zusätze wie oben, d. h. bei dem Pflichtzusatze von lO°/o sind auf 90 Gewichtsteile Roggenmehl 5 Gewichtsteile Kartoffelflocken oder Walzmehl und 5 Gewichtsteile Stärkemehl zu verwenden. Diese Mischung von Walz­mehl und Stärke ist bei den jetzt vorgeschriebenen Zu­sätzen an Kartoffel unbedingt zu empfehlen. Die Verarbeitung wird dadurch eine viel leichtere und bleibt nahezu unverändert, doch gilt auch hier; je höher der Zusatz der Mischung, desto fester die Teige, weil die Eigenschaften des Walzmehls diejenigen der Stärke meist überragen.

4. Frische Kartoffel: Die gereinigte Kartoffel wird mit der Schale gekocht oder gedämpft, nach dem Aus­kühlen geschält und dann auf einer Reibe zerrieben oder durch den in jeder Küche vorhandenen Fleisch­wolf gedrückt. Von dieser Masse ist, da die frische Kartoffel viel wasserreicher ist als die Trockenmehle aus Kartoffel, die mindestens dreifache Menge zu nehmen. Pflichtzusatz: auf 90 Gewichtsteile Roggen­mehl 30 Gewichtsteile der Kartoffelmasse. Auch diese Zusätze erfolgen erst bei der Teigbereitung. Es ist hier dasselbe zu beachten wie bei dem Zusatz von Kartoffelwalzmehl und den Kartoffelflocken.

Man beginne bei Herstellung des Kartoffelbrots erst mit den Pflichtzusätzen und steigere den Zusatz in dem Maße, wie man die richtige Aufarbeitung der Teige erkannt hat.

Bedeutung des Obst- und Gemüsebaues.

Die deutsche Landwirtschaft ist der Tragbalken in der Ernährung unsers Volkes, aber sie bedarf der kräftigen Unterstützung durch Obst- und Gemüsebau, wenn er allen Anforderungen gerecht werden soll. In diesem Glaubensbekenntnis sprach bei demLehr- kursus für Redner über Volksernährung im Kriege" der Kgl. Oekonomierat Direktor Echtermeyer seine Ansicht über die Bedeutung des Obst- und Gemüse­baues aus.

Auch im Obst- und Gemüsebau sind wir leider, wenigstens was gute Früchte anlangt, bisher dem Auslande tributpflichtig gewesen und deshalb jetzt mit Obst und Gemüse lange nicht so versorgt, wie es bei ihrem Nährwert und ihrer Bekömmlichkeit wünschenswert wäre. Ueberhaupt steht ja auch der Verbrauch weit zurück hinter Bier beispielsweise, dessen Genuß wir sehr einschränken müßten, um mehr Getreide zur Brotbereitung zu erübrigen. Hier sollte jede Hausfrau mit ihrer Arbeit einsetzen, und kleine und große Landflächen sollten dem Obst- und Gemüse­bau gewonnen werden. In den Gärten sollte man in dieser ernsten Zeit mehr Nutzpflanzen ziehen als Blumen; wenn bei der Rückkehr unserer siegreichen Truppen dann Blumen fehlen, so würden Eichenkränze einen weit würdigeren Schmuck bilden. Der deutsche Garten- und Obstbau müßte so gestärkt werden, daß wir uns nicht nur loslösen vom Auslande, unser Volk allein ernähren, sondern auch noch abgeben können. Selbst der kleinste Gartenbesitzer, der Laubenkolonist muß durch fleißigen Anbau dazu helfen ; Oedländereien und Moorflüchen müssen in Kultur genommen werden, zu drei Vierteilen landwirtschaft­lich, zu einem Viertel gärtnerisch.

Die Forderung der Zeit ist vor allem unverzüg­licher Anbau von Frühgemüse, das uns in den nächsten Monaten fehlen wird. Der Gemüsebau ver- hilft zu rascher Ernte, etwas weniger rasch geht ev mit Obst, namentlich Kern- und Steinobst, aber auch mit Beerenobst.

Der Hauptfehler, der bisher im Obst- und Ge­müsebau gemacht worden ist, besteht dann, daß er bis­her als Stiefkind behandelt worden ist. Diese Auf­fassung des Landwirtes muß sich gründlich andern, dann werden beide Teile gut fahren. Alles nicht halt­bare Obst und Gemüse, das nicht sofort der Ernährung diene« kann, muß konserviert werden; vorzüglich eignet es sich zur Verarbeitung als Marmelade, die wohlschmeckend ist und alle Nährwerte aufspeichert.

In Zukunft wird man daran denken müssen, auch dem Obst- und Gemüsebau durch Zölle und gleiche Maßnahmen aufzuhelfen, wie es mit so großem Er­folge und wie der jetzige Krieg lehrt zum größten Segen des Vaterlandes bei der Landwirt­schaft geschehen ist.

Die soziale Bedeutung des Obst- und Gemüse­baues ist gar nicht hoch genug zu bewerten: er schafft dem glücklichen Bebauer eines Stückchens Land, ja eines Beetes Zufriedenheit und Frohsinn und erweckt und erhält in ihm die Liebe zur Scholle, zum heimat­lichen Boden, in dem er einen Teil fühlt von dem großen, schönen deutschen Vaterlande.