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Serssel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

Willst

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 32.

Sonntag, den V. Februar

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Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt | sich am Vaterlande u. macht sich strafbar |

Bus der Heimat«

* (Von der Maul- und Klauenseuche.) Im Landkreise Cassel ist in der Gemeinde Weimar die Seuche auf dem Gehöft des Landwirts Arnold Braunhahn erloschen. Nach weiteren amtlichen Fest­stellungen ist die Seuche erloschen im Kreise Mel- sungen (Gemeinde Elbersdorf) und im Kreise Eschwege (in einzelnen Gehöften der Gemeinde Hoheneiche und Vogelsburg). Ausgebrochen ist sie dagegen im Kreise Rotenburg (Stadt Rotenburg), Kreis Eschwege (Ge­meinden Niederdünzebach, Grebendorf) und im Kreise Ziegenhain (Stadt Ziegenhain.)

*(WichtigfürösterreichischeLandsturm- Pflichtige.) Die bei der bei dem K. u. K. General- Konsulat in Frankfurt a. Main in der Zeit vom 2. bis 18. Januar d. Js. stattgefundenen Landsturm­musterung als zum Landsturmdienste mit der Waffe geeignet befundenen österreichisch-ungarischen Land­sturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 18781890 sind für den 15. Februar 1915 zur aktiven Dienstleistung einberufen. Die Vorgenannten haben sich am 15. Februar d. Js. bei dem der Grenze nächstgelegenen Landwehr-Ergänzungs-Beztrkskommando zu melden, welches ihre Weiterbeförderung zu dem zuständigen (im Landsturmlegitimationsblatt vermerkten) Land- wehr-Ergänzungs-Bezirkskommando zwecks Präsen­tierung und Beeidigung veranlassen wird. Unbe­gründete Nichtfolgeleistung des Einberufungsbefehls ist strafbar. Auf Grund des Landsturmlegitimations- blattes haben die Einberufenen auf allen Bahnen freie Fahrt bis zur Einrückungsstation. Die vorge­nannten Jahrgänge, welche der Musterungspflicht noch nicht entsprochen und auch ihre Adresse dem K. u. K. General-Konsulat noch nicht gemeldet haben, haben dies unverzüglich nachzuholen.

* (Die Unter stützung der Hinter­bliebenen.) In den letzten Wochen haben Er­örterungen zwischen Vertretern des Bundes der Landwirte und des Hansabundes (Kriegszentrale) stattgefunden, welche zu gemeinsamer Vorlegung von Gesetzesvorschlägen beim Kriegsministerium geführt haben. Der gewaltige Umfang des jetzigen Krieges hat dazu geführt, daß weit über Erwarten hinaus die verheirateten Reservisten, Landwehrleute und Land­stürmer vor dem Feinde stehen. Viele Tausende von ihnen sind bereits für das Vaterland auf dem Felde der Ehre gefallen. Die Versorgung ihrer Hinter­bliebenen regelt das Gesetz vom 17. Mai 1907. Die Höhe der Bezüge richtet sich nach der letzten mili­tärischen Stellung des Verstorbenen. Danach er­halten:

Witwe eines gemeinen Soldaten jährlich 400 M., die Witwe eines Unteroffiziers jährlich 500 M., die vaterlosen Kinder jährlich 168 M.

Diese Bezüge werden in vielen Fällen den Be­dürfnissen gerecht, sie stellen aber eine Härte gegen­über den Hinterbliebenen solcher Personen dar, die aus gehobener Lebensstellung (als Arbeiter, Kaufleute, Landwirte und Angehörige der freien Berufe) in das Heer eingetreten sind. Die Vorschläge der beiden Ver­bände gehen deshalb von dem Grundgedanken aus, daß es erforderlich ist, zu den Renten dieses Gesetzes Zusatzrenten zu gewähren. Diese soll auf der Grund­lage des letzten Einkommens des Gefallenen mit der Maßgabe bestimmt werden, daß ein angemessener Höchstsatz für die gesamte Rente einer Familie festge­setzt wird und daß nur dasjenige Einkommen be­rücksichtigt werden soll, welches als Arbeitseinkommen des Verstorbenen erscheint. Erfreulicherweise werden nach Zeitungsnachrichten der letzten Tage derartige Gedanken auch innerhalb der Sozialdemokratie als billig und gerecht empfunden. Angesichts der Not­wendigkeit schleunigster Hilfe steht zu hoffen, daß die zuständigen Behörden die gestellten Anträge günstig aufnehmen und bereits dem im März zusammen­tretenden Reichstag ein Notgesetz solchen Inhalts vor­legen werden.

* (Pfundpakete bis auf weiteres dau - er.nd zu befördern.) Aus Berlin meldet WTB.: Wre wir hören, wird die Postverwaltung mit Ablauf letzigen Päckchenwoche die Beförderung von Feld- ?ostbrtesen nach dem Feldheer im Gewicht über 250 «^00 Gramm nicht einstellen, sondern solche Send­ungen bis auf weiteres dauernd befördern.

§ Hersfeld, 6. Febr. Von jetzt ab gelten neue n zah l ung s ku r s e für Postanweisungen nach den Niederlanden 100 Gulden = 187 Mk., nach Däne­mark, Norwegen und Schweden 100 Kronen116 Mk.

):(Hersfeld, 6. Februar. (V e r l u st l i st e 189-142.) Res.-Jnf.-Rgt. Nr. 71. Res. Johs. Lotz, Kirchheim, (Kreis Hersfeld), l. verw. Res. Burghardt- Heenes, Rekerode, (Kreis Hersfeld), l. verw. Wehrmann Jacob Müller, Philippsthal, gefallen. Jnf.-Regt. Nr. 82. Musk. Kaspar Sauerwein, Friedlos, (Kreis Hersfeld), vermißt. Ers.-Res. Heinrich Steinert, Willingshain, (Kreis Hersfeld), I. verw. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 83. Wehrm. Konrad Krauser, Hersfeld, an s. W. gestorb. Wehrm. Kaspar Weppler, Oberhaun, (Kreis Hers­feld), I. v. Wehrm. Johannes Weidmann Willings­hain, (Kreis Hersfeld), vermißt. Res. Ernst Hergert, Sorga, (Kreis Hersfeld), vermißt. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 284. Musketier Albert Schleicher, Hersfeld, gef. Brigade-Ers.-Batl. Nr. 48. Musk. Konrad Heyer, Obergeis, (Kreis Hersfeld), l. v. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 32. Wehrm. Wilhelm Paul, Willingshain, (Kreis Hersfeld), schwer verw. Jnf.-Regt. Nr. 167. Musk. Georg Werner,Widdershausen,(KreisHersfeld) l. verw. Kriegsfr. Heinrich Strack, Scheuklengsfeld, (Kreis Hersfeld), l. verw.

§ Oberstoppel, 6. Febr. Mit demE i s e r n e n Kreuz" 1. Klasse wurde ausgezeichnet Reservist Valentin Schmidt, Ref. Jnf. 53 (Maschinenge­wehrabteilung), nachdem er schon früher das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten hatte.

Eassel, 5. Februar. Wie streng die Vorschriften für die Bewachung der Kriegsgefangenen sind, erwies eine Verhandlung, die gestern vor dem Caffeler Kriegs­gericht stattfand. Der Landsturmmann H. war mit acht Kriegsgefangenen auf dem Militärfriedhofe, um die Leute bei ihren Arbeiten zu beaufsichtigen. Die Gefangenen bekamen bei der Arbeit Durst und baten H. mehrmals, ihnen doch etwas zu trinken zu ver­schaffen. Der gutmütige Landstürmer ließ sich über­reden und beschaffte acht Glas Bier. Da die Ange­legenheit den Militärbehörden zu Ohren laut, mußte H. vor Gericht gestellt werden. Er wurde zu sechs Wochen Mittelarrest verurteilt.

Eisenach, 4. Februar. Vorgestern abend wurde ein Zivilposten, der an der Unterführung der Werrabahn in der Mühlhäuserstraße den Wachtdienst versah, von der Maschine eines Zuges erfaßt, zu Boden geschleudert und vom Zuge überfahren. Der Tod erlöste den be­dauernswerten Mann bald von seinen Qualen. Der Getötete ist der frühere Eisenbahnbeamte Fürneisen aus Eisenach. Wahrscheinlich hat der Posten das Heran­nahen des Werrabahnzuges überhört. Anderen Meldungen zufolge soll er, wie dieTagesp." meldet bei der herrschenden Glätte ausgeglitten und in das Gleis gestürzt sein.

Fulda, 5. Februar. Der nach hier beurlaubte Ma­schinistenanwärter Max König, ein Ueberlebender der Magdeburg", erzähltvon demSchicksaldieses Kreuzers: Im finnischen Meerbusen lief bei dichtem Nebel in der Nacht znm 27. August v. J. dieMagdeburg" bei Odensholm auf. Da der Kreuzer nicht mehr frei­kommen konnte und die Russen am folgenden Morgen auf uns feuerten, ließ der Kapitän um 10 Uhr vor­mittags dieMagdeburg" in die Luft gehen. Der Kapitän und 100 Mann wurden vom Torpedoboot V 226 gerettet und befinden sich in russischer Gefangen­schaft. Eine russische Granatsalve tötete auf der Magdeburg" auf einmal 17 Mann."

Fulda, 5. Februar. Beim Spatzenschießen mit der sogenannten Spatzenschleuder wurde ein Junge der­art mit einem Stein ins Auge getroffen, daß es ent­fernt werden mußte.

Frankfurt a. M., 5. Febr. Der frühere Ober­bürgermeister von Frankfurt a. M., Exzellenz Adickes, ist wie gestern mitgeteilt, gestorben. Ein bedeutender, in weitesten Kreisen bekannter Mann ist mit ihm da- hingegangen. Als er 1891 von seinem Oberbürger- meisterposten in Altona zum Nachfolger Miguels nach Frankfurt a. M. geholt wurde, nahm die Stadt einen beispiellosen Aufschwung. Im Jahre 1912 legte Adickes aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nieder und widmete sich nur noch der Gründung der Frank­furter Universität, die als sein Werk anzusprechen ist. Zum Wirk!. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt, rief ihn königliches Vertrauen auf Lebens­zeit ins Herrenhaus, dem er bereits vorher schon als städtischer Vertreter von Altona und Frankfurt am M. angehört hatte. Als Sozialpolitiker trat Adickes energisch für den Erlaß guter Bauordnungen ein, die nach ihm benanntelex Adickes" strebte zwecks Erschließung von Baugelände eine gewisse Beschränk­ung des Eigentumsrecht an Grund und Boden an, sie wurde jetzt für den Wiederaufbau der im Kriege zerstörten Städte und Gemeinden Ostpreußens in Kraft gesetzt. Der Verstorbene hat ein Alter von 69 Jahren erreicht.

Mühlhausen, 5. Februar. Totgesagt, doch nur gefangen ist der Kriegsfreiwillige Former Richard Oltersdorf im Jnf.-Regt. Nr. 71. Einer seiner Freunde hatte seinen Verwandten hierher berichtet, daß er am 28. Oktober bei einem Ueberfall durch Kosaken getötet worden sei. Das Haus seiner Verwandten war da­rauf zum Trauerhause geworden. Jetzt aber schrieb

der Totgesagte selbst aus der Gefangenschaft in Sibirien und teilte mit, daß es ihm gut gehe.

Unsere Kriegsfreiwilligen.

Einen frischen, mutigen Brief hat ein Mitte Oktober ins Feld gezogener Kriegsfreiwilliger an eine Berliner Dame geschrieben, die ihn aufgefordert hatte, im Felde nicht allzu tollkühn zu sein. Dafür erhielt die Dame eine wirklich herzerfreuendeAbfertigung", die ihr selbst herzliche Freude machte. Das betreffende Schreiben lautet:

Liebes Fräulein N.! Meinen besten Dank für Ihre Karte. Schreiben Sie mir bitte nicht mehr auf einer Karte:Stecke den Kopf nicht hervor!" Wenn es sein muß, tue ich es. Zuerst gehört mein Leben jetzt meinen Kaiser, und wenn's heißen würde :Frei­willige vor!" dann ist es eines jeden Pflicht, vorzu- treten, und unsere zu allererst. Wenn wir es nicht tun, wer soll es denn tun? Wenn es bestimmt ist, daß ich fallen soll, dann trifft mich die Kugel in der schönsten Deckung. Also, Sie wissen Bescheid! Da können Sie mir alle soviel schreiben, wie Sie wollen. Was meine Pflicht ist, das weiß ich, und nichts wird mich abhalten können, sie zu tun. Wenn sich jeder hinter der Deckung verkriechen sollte, wie Sie es am liebsten möchten bei mir, wo sollten wir dann bleiben? Man denke, noch lebt das Wort des alten Blücher: Vorwärts!"

Daß diealte Dame" sich zu Hause so gehen läßt, tut mir herzlich leid. So leid es mir auch tut, daß Hermann (Bruder) gefallen ist, er ist aber den Helden­tod für Kaiser und Reich gestorben, und da gilt es nichts zu klagen. Wenn jede Mutter, die ihren Sohn verliert, sich nun ihrem Schmerze hingibt! Nein, jetzt ist keine Zeit dazn, jetzt heißt die Parole:Vorwärts mit Gott für König und Vaterland!" Nun wissen Sie wohl meine Meinung endlich. Länger konnte ich nicht mehr warten, sie zurückzuhalten. Jeder schreibt, ich soll mich vorsehen, außer Kurt (Bruder, der früher Offizier war und wegen Erblindung nicht mit ins Feld kann), und ich glaube, der hat mich ebenso gern wie die andern, aber er schreibt nicht solchen Blödsinn.

Ich bin Soldat!

Wir liegen hier in Alarmbereitschaft, des Nachts wird umgeschnattt geschlafen, da die Franzosen hier bei unserm Armeekorps angefangen haben, den Durchbruch zu versuchen. Bei S., wo der Kampf immer noch tobt, und wo wir wohl auch noch hin­kommen werden, haben sie wahnsinnige Kloppe be­kommen. Gestern Abend scheinen Engländer und Hindus uns gegenüber gekommen zu sein. Na, sie mögen nur kommen!

Mit bestem Gruß an alle verbleibe ich Ihr dank­barer Hans."

Zwei Brüder des Schreibers dieses Briefes sind bereits den Heldentod gestorben, der älteste im Oktober bei Lyck, der zweite im November in Polen, beide mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Jenseits über dem Kanale sitzt in vhnmachts- schwacher Wut keifend über seine Gegner Eng­lands schnöde Britenbrut. Grey und Churchill, diese beiden sehen ganz allmählich ein, daß es kein Vergnügen heiße, Deutschlands Feind und Gegner sein. Denn bereits von allen Seiten hat sich Deutschlands Macht gezeigt und mit Hieben aller Sorten Engelland zum Tanz gegeigt. Auf dem Wasser, aus den Lüften, ja sogar vom Meeresgrund tut sich Deutschlands Mut und Eifer gegen seine Gegner kund, und mit blasser Angst im Herzen.sitzt in England jederman, weil die Aussicht für die Zu- kunst höchstens sich verschlimmern kann. Nichts als kleine Probefahrten, um zu sehen, wie es klappt, , haben unsre Zeppeline ja bisher nur vorge­habt, wenn sie erst mit allen Kräften gegen Eng­lands Küsten ziehn, - kann der Brite ja ermessen was ihm dann für Freuden blühn. Auch die Unter- waffe r boote, unbekannt ist ihre Zahl, haben ihre Zukunftszwecke höchstens ausprobiert einmal, und es kommt von dieser Seite auch an einem schönen Tag für die falschen Briten drüben noch das dicke Ende nach. Darum kann der Deutsche weiter voller freudigem Vertraun in die Zu­kunft dieses Krieges gegen Englands Räuber schaun, und in allen Erdenteilen wird die Schadenfreude glühn wenn die Briten ihre Keile später dann von uns beziehn.

Walter-Walter.

rgt Euch mit Borrat an Iveimslcisch-Dancrwarr!