Englands wirtschaftliche Sorgen.
W Frankfurt a. M., 4. Februar. Die „Frkf. Ztg." meldet aus London: Die schottischen Kohlenminen beschlossen, den Kohlenpreis weiter um 1 Schilling für die Tonne, somit in den letzten zwei Wochen um insgesamt 8 Schilling, zu erhöhen, nachdem die Regierung die Ermäßigung der Etsenbahntransportfracht verweigert hatte. Der Mehlpreis in London wurde um weitere 2 Schilling erhöht.
te». Hamburg, 4. Februar. (T. U.) Dem „Hamb. Fremöbl." wird nach der „Boss. Ztg." aus Kopenhagen gemeldet: Die englische Admiralität hat infolge der gemeldeten Tätigkeit der deutschen Unterseeboote an der britischen Küste das Auslaufen von Schiffen ohne Begleitung einer genügenden Zahl von Torpedobooten verboten.
Der Türkenkrieg.
Konstauttuopel, 3. Februar. (WTB.) Noch immer melden sich zahlreiche muselmanische Kriegsfreiwillige. Ungefähr dreihundert Afghanen sind von hier und aus der Provinz nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. Ein aus Mewleli-Derwischen gebildetes Bataillon wird in einigen Tagen abgehen. Mehr als eintausend kurdische Reiter sind auf dem mesopotamifchen Kriegsschauplatz eingetroffen. Der mächtige Araberhäuptling Emir Jbn Roschid wird in Bagdad erwartet. Die Blätter verzeichnen mit großer Entrüstung die von den Serben an Muselmanen und Bulgaren begangenen Grausamkeiten. Zahlreiche Muselmanen, die vor den Verfolgungen der Serben flüchteten, sind bereits im Sandschak Rodosto angelangt. Die Behörden treffen Vorsorge für die Flüchtlinge. Gestern ist ein Trupp hier angekommen. Die Flüchtlinge erzählen schaudererregende Einzelheiten.
Für ein Bündnis der mohammedanischen Staaten.
Das „Berl. Tagebl." meldet aus Konstantinopel: In einem Leitartikel tritt der „Tanin" für ein Bündnis der mohammedanischen Staaten, Türkei, Perfien und Afghanistan, ein. Ein solches Bündnis werde deu Islam in Zukunft zu einer wirklichen Macht gestalten, da Afghanistan über ein wohlausgebildetes Heer verfüge und Persien mit seiner 10-Millionen-Bevölkerung sehr wohl eine Armee schaffen könnte. Die Teilnahme der Türkei an einem solchen Bündnis würde die Unabhängigkeit Persiens und Afghanistans garantieren, dagegen die genannten Staaten der Türkei schon jetzt in dem Kampfe gegen die Feinde des Islams wertvollen Beistand leisten können.
Das „Berl. Tagebl." meldet weiter aus Wien: Die russischen Blätter führen eine sehr heftige Sprache gegen Persien, dessen Regierung sie des geheimen Einverständnisses mit den Türken beschuldigen. Der Einmarsch der Türken in Aserbeidschan und die Besetzung der wichtigsten Städte dortselbst bedeute für Rußland einen harten Schlag, den es durch unverzügliche Okkupation Persiens im Verein mit England zu parieren gelte. In Persisch-Kuröistan und im Bulak-Krets sei eine für Rußland verhängnisvolle Bewegung ausgebrochen. Die pantslamitische Agitation reiße alles mit sich fort. Kurdistan könne schon jetzt als im Besitz der Türkei angesehen werden.
Die Neutralen.
Norwegische Neutralität.
Unter dieser Ueberschrift bringt die Köln. Ztg. ein Berliner Telegramm, in dem es heißt: Der frühere norwegische Staatsminister Konnow hatte vor kurzem in einer Studentenversammlung eine Rede gehalten, in der er ausführte, die öffentliche Meinung Norwegens müsse mehr als bisher zu Tatsachen wie das Schicksal Belgiens, auch zu belgischen und französischen Angriffen und Beschuldigungen gegen Deutschland entschiedener Stellung nehmen. Die Sympathien der Norweger seien überwiegend auf Seiten der Entente. Die Oeffentlich- keit billige zwar die Politik des skandinavischen Zusammengehens, müsse aber nähere Aufschlüsse über die von Norwegen mit den anderen skandinavischen Regierungen getroffenen Vereinbarungen verlangen.
Die letzte Forderung berührt uns nicht. Wir können aber nicht vorbeigehen an Aeußerungen, in denen der frühere Staatsminister seinen Landsleuten eine Parteinahme für Belgien und für England anzuraten scheint. Eine derartige öffentliche Anforderung und Parteinahme für unsere Gegner würde schwer mit der Neutralität Norwegens in Einklang zu bringen sein. Deshalb setzen wir auch voraus, daß die Rede des norwegischen Staatsministers in der norwegischen Oeffentlichkett nicht unwidersprochen bleiben wird, zumal die Feinde Deutschlands, besonders England, aus ihr die Forderung ziehen könnte, daß sie mit Norwegen sich noch mehr erlauben könnten als bisher.
Amerika als Friedensvermittler.
Die „Köln. Ztg." erklärt zu den erneuten Meldungen über Friedensvermittlungen auf einen Hinweis des Pariser „Temps" aus Amerika: Es sei möglich, daß diese Vermittlung den Engländern, Russen, Franzosen, so sehr sie sich auch jetzt spreizten, willkommen wäre. Den Deutschen kann sie es nicht sein, solange die amtlichen Stellen Amerikas in ihren Worten und Handlungen eine Auffassung des Begriffes Neutralität bekunden, der dem schnurstracks entgegensteht, was man bei uns für recht und billig hält. Es müsse mit aller Offenheit ausgesprochen werden, die heutige Politik Amerikas, das eine Beendigung des Krieges fordert, weil er seinen Handel schädigt, durch den Verkauf von Kriegsmaterial aber den Krieg ins Unendliche verlängert, empfindet das deutsche Volk als ein schreiendes Unrecht. Solange Amerika seine Haltung nicht ändert, fehlt dem deutschen Volke das Vertrauen, daß seine Ver- mittluna mit der Unparteilichkeit geübt würde, die ein solches Amt voraussetzt. Im Übrigen erklärt die „Kölnische Ztg.", daß niemand einem Frieden zustimmen würde, der uns nicht die Gewißheit gibt, daß Deutschland auf Jahrzehnte hindurch vor neuen Ueberfällen durch Frankreich, Rußland und England sicher wäre.
Kleine Kriegsnachrichten.
m 4. Februar. (WTB.) Das Schweizer
Politische Departement teilt der deutschen, osterretchisch- mmartschen und französischen Regierung mit, daß das Schweizer Bureau zur Heimschaffung internierter Zivilpersonen am 28. Februar geschlossen werden soll.
** Neuyork, 4. Februar. (Melo. o. Reut. Bureaus.) mü-^m Dyuamitanschlag gegen die Brücke von Bance-
^d amtlich mitgeteilt, daß der Verhaftete ein £na™0™ hat, das Dynamit zur Explosion gebracht zu haben, weil Kanada ein Feind seines Vaterlandes sei.
4\ Februar. (WTB.) Herve fordert in ni^e Sociale" die Neutralen zur Bildung einer
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Kriegsallerlei.
Ein englischer Abgesandter zum Zaren unterwegs.
Nach einer Athener Meldung der „Frkf. Ztg." traf der englische Admiral Paget im Piräus auf dem Kreuzer „Husar" ein. Er wird über Saloniki, Serbien und Bulgarien mit Briefen an den Zaren reisen.
Die Versorgungsansprüche der Kriegsfreiwilligen.
Berlin, 4. Februar. (WTB. Amtlich.) Das Of- fizierspensions- und Mannschastsversorgungs- und das Militärhinterbliebeneugesetz finden auf die als Kriegsfreiwillige in den aktiven Militärdienst Eingetretenen in gleicher Weise Anwendung, wie auf die anderen Heeresangehörigen. Die hin und rvieder geäußerte Besorgnis, daß die Kriegsfreiwilligen für sich und ihre Angehörigen keine Versorgungsansprüche hätten, ist daher unbegründet.
4% Millionen Mark für Lumpen aus der Reichswollwoche.
Nachdem die Sortierung bei der Zentralsammelstelle der Reichswollwoche beendet ist, werden die eingegangenen Lumpen, die für den Zweck der Reichswollwoche unverwendbar sind, verkauft. Es sind auf diese Lumpen bereits Angebote im ertrage von 4^ Millionen Mark gemacht worden.
Landesverräter.
Das außerordentliche Kriegsgericht Straßburg hat soeben unter Beschlagnahme des Vermögens der genannten Landesflüchtigen Steckbriefe erlassen hinter dem Gutsbesitzer Anselm Laugel von hier sowie dem Kan- tonalarzt von Saales Dr. Adolf Arbogast, in beiden Fällen wegen Landesverrates. Namentlich Laugel war in Rede und Schrift einer der tätigsten um Wetterlee.
Verzicht auf amerikanische Liebesgaben.
Aus Dresden meldet der „Ha. Ku.": Der Kriegsausschutz zu Mülsen-Sankt-Jakov bei Zwikau beschloß, auf die Annahme der aus Amerika eingetroffenen Liebesgaben zu verzichten, da man von einem Staate rote Nordamerika, der zwar die Neutralität heuchle, dabei aber allen uns feindlichen Ländern fortgesetzt Waffen und Munition liefere, keine Gaben annehmen wolle.
Gefangennahme von Russen durch ein . . . Witzbuch.
Die köstlichste Wirkung, die jemals ein Buch gehabt haben dürfte. ist, wie der „Jnf." aus Wien geschrieben wird, dem humoristischen Werke „Heiteres für ernste Zeit" vor einigen Tagen auf dem Kriegsschauplatz be- schieden gewesen. Dieses Buch, das einem wohltätigen Zwecke dient, ist an das österreichische Heer als Weihnachtsgeschenk geschickt worden. Nun teilten zwei österreichische Offiziere der Verfasserin des Buches ein heiteres Erlebnis mit, wie sie durch das Witzbuch in ganz merkwürdiger Weise russische Gefangene gemacht haben. Die Feldpostkarte lautete folgendermaßen: Offiziere der 7. Feldkompagnie im Landwehrinfanterie-Regunent Nr. ... Unsere Offiziersfeldwache Nr. 1 liegt in Deckung 25 Schritte, gegenüber der russischen. Ich lese meine nicht in strengen Dienst stehenden Leuten aus Ihrem Buche vor und übersetze die luftigen Sachen ins Polnische. Nach einiger Zeit eifrigsten Lesens und Zuhö- rens schrecke ich plötzlich auf: Vor uns ertönt ein herzliches Lachen durch die Nacht. Angelockt durch das Kichern meiner Leute haben sich sämtlich polnisch sprechenden Russen an unsere Deckungen herangeichlrchen und zugehört: Selbstredend brachten wir sie nun alle als Gefangene heim." __________ __________
Minister v. Soeben an die Heimarmee.
Ein Lehrkursus für Redner über Volksernährung im Kleinen wurde Mittwoch. vormittag bei überaus zahlreicher Beteiligung aus allen deutschen Gauen im großen Sitzungssaale oes Abgeorönetenhaufes zu Berlin eröffnet. Die einleitende Ansprache hielt der Minister des Innern v. L o e b e l l. Er begrüßte mit lebhafter Genugtuung die aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes zahlreich erschienenen Teilnehmer und betonte, daß die Zahl der angemeldeten Teilnehmer so groß gewesen sei, daß nur ein Teil von ihnen hätte berücksichtigt werden können, und führte dann aus:
„Bis zum letzten Dorf soll jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau wissen, was Pflicht ist in dieser ernsten Zeit. Unsere Feinde wissen, daß sie uns unter keinen Umständen mit den Waffen besiegen werden. (Lebhafter Beifall.) Mit hegen sie die Hoffnung, uns durch Junger niederzuringen. Deutschland ist jetzt auf die Nahrungsmittel des eigenen Bodens angewiesen. Das deutsche Volk wird für die Dauer des Krieges — und wie lange er dauern wird, kann heute niemand sagen —, dank der Opferwilligkeit jedes einzelnen und der deutschen Organisationsfähigkert mit den eigenen Mitteln auskommen. Außer den von den staatlichen Behörden erlassenen Gesetzen muß sich jeder Sparsamkeit und haushälterische Ordnung zum Gesetz machen, dann werden wir auch im wirtschaftlichen Krieg den Sieg davontragen, ebenso wie unsere heldenmütigen Krieger in Ost und West die militärischen Pläne unserer Gegner vernichten. In den ersten Monaten des Krieges haben wir nicht so sparsam gelebt, wie es die Pflicht gegen das Vaterland und der Ernst ber Stunde verlangt: während draußen in unvergleichlicher Tapferkeit die deutschen Soldaten für uns und unsere Sicherheit ihr Leben einsetzten, haben wir daheim wie im Frieden gelebt und selten oder gar nicht an Sparen gedacht. Kämpft der Krieger mit den Waffen gegen den Feind, so müssen wir den Kampf gegen Zungen und Magen, gegen lieb gewordene, aber nicht notwendige Gewohnheiten mit aller Kraft aufnehmen. Niemand braucht zu hungern, aber jeder muß sparen, dann haben wir genug zum Leben, auch für den längsten Krieg. Alle Teilnehmer des Kursus sollen Mitstreiter werden in diesem großen Kampfe. Sie sollen die Heimarmee bilden. Auch ihre Erfolge werden wesentlich mit zum Siege unserer nationalen Sache beitragen. Die allgemeine Bereitwilligkeit, die sich in allen Berufs-, Gesellschafts- imi> Jnteressenkreisen für diese Lehrkurse gezeigt hat, ist ein ernstes Zeichen des Willens aller, mitzuwirken an diesem Siege, sich ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der Meinungen und Interessen in den Dienst des deutschen Volkes und des eutschen Vaterlanes zu stellen." _
„Sie werden," so schloß der Redner, „wenn uns Gott den erbetenen Sieg der deutschen Sache zuteil werden läßt, mit Stolz sagen dürfen, daß Sie auch an Ihrem Teil dazu beigetragen haben."
Vermischtes.
Eisenbahnunglück in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Mittwoch früh fuhr ein Personenzug auf den vor der Station Gerasöorf haltenden, in Wien Ostbahn um 6 Uhr 55 Min. früh fälligen Präger Schnellzug bei dichtem Nebel auf. Von den in den letzten i Wagen des Schnellzuges befindlichen Reifenden wurden vier schwer und fünfzehn leicht verletzt. Der Schnellzug ist mit zwei Wageu entgleist. Er setzte mit unbeschädigten Wagen die Fahrt nach dem Wiener Ostbahn- boke fort, wohin er auch die Verletzten brächte. Die
Schwerverletzten wurden ins Spital gebracht, während die Leichtverletzten der häuslichen Pflege übergeben wurden. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht aufgeklärt.
Teuerungs^uruhen in Italien. In Sardinien ist es nach einer Meldung der „Frkf. Ztg." zu neuen Teuerungsunruhen gekommen. In Sassari veranstaltete die Menge eine Straßenkundgebung und stürmte ein Lebensmittelgeschäft. In Porto Torres wurde ein Kornlager geplündert. In Argenta bei Ferrari verhinderte die Menge, daß Getreide auf der Bahn verladen wurde, da es für das Volk von Argenta nötig sei.
Auf Vorposten im Lande der Schwarzen Serge.
Einem Feldpostbrief entnimmt das „N. W. Tageblatt" folgende Skizze aus dem Leben eines Reserveleutnants der Festungsartillerie auf dem südlichen Kriegsschauplatz:
Das Geschützfeuer ist donnernd verrollt. . . . Nur in der S.-Schlucht knattern noch wütend die Gewehre. Ich liege mit . . . Mann als Flankendeckung für unsere äußerste Geschützstellung auf einem feindwärts verlaufenden Höhenzug, ein paar hundert Schritte entfernt von der gegnerischen Jnfanteriestellung. Die Karsthöhen hier, über die im Winter die Bora rast und im Sommer die Sonne glüht, sind mit Felstrümmern übersät, zwischen denen nur spärliche Wacholöersträuche und einzelne Grashalme fortkommen, und eignen sich im Kriege hervorragend für überraschende Nebersälle. Darum ist größte Wachsamkeit geboten, um so mehr, als unser Gegner, ein Volk von Schaf- und Ziegenhirten, hier jeden Stein und jede Schlucht genau kennt. Wir liegen daher, hinter Felsblöcke verdeckt, so verteilt, daß wir alle An- marschrichtungen um uns herum unter kräftiges Feuer nehmen können.
Bei den Feinden ist alles ruhig. Ihnen bringen ihre Weiber in buntgewebten Sacktaschen, die sie über die Schultern gehängt tragen, das einfache Nachtmahl: Weißbrot und Schafkäse. Das Gewehrfeuer, das aus der S.-Schlucht herüberhallte, ist nun auch verstummt.
Im Felshang vor uns hört man leises Knistern, wie wenn Sandkörner sich reiben. Ab und zu rollt auch ein kleines Steinchen. Endlich sieht das geschärfte Auge die grauen Gestalten, welche, Deckung benutzend, durch die finstere Nacht heranschleichen. Ein Eisenhagel fährt ihnen entgegen und hallend rollen unsere Schüsse die Bergwand entlang.
Sofort blitzt es auch auf der Gegenseite in langer Reihe auf und die Geschosse schlagen klatschend um uns ein und gellen schwirrend von den Steinen. Nach kurzem Feuergefecht weicht der Gegner. Man hört mieden Steinchen rollen und Sand knirschen. Die schimpfenden Rufe, mit denen die Montenegriner ihr Schießen zu begleiten pflegen, verstummen. Dann tritt für kurze Zeit vollkommene Stille ein. t ,
Der Uebersall ist mißlungen. Während ich nach- sehe, ob von meinen Leuten einer verletzt ist und Hilfe braucht, beginnt das Meer, das bisher rote eine düstere Mauer über die westlichen Bergländer binauszuragen schien, silbern zu glänzen. Hinter dem hohen Felükamm des K. leuchtet es auf wie von einem großee Feuer. Die finsteren Schatten, die uns umgaben, weichen und wie ein Märchen aus dem Morgenlande erscheint der Halbmond am schwarzblauen Himmel.
Die kriegssürforge deutscher Städte im Jahre 187071.
Im Kriege 70/71 war die Fürsorge der deutschen Städte bei weitem nicht so umfangreich, wie in diesem Kriege. Als Beispiel möge die Kriegsfürsorge Berlin im Kriege 70/71 dienen. Auf Borschlag des städischen Militttrkommissarius genehmigten die städtischen Behörden, wie wir der demnächst erscheinenden „Zeitschrift für Kommnnalwifsenschaft" entnehmen, daß für die Familien der Reservisten und Landwehrmänner folgende Unterstützungssätze gelten soMen wöchentlich: Eine Famile ohne Kind 15 Sgr. bis 1 Taler, eine Familie mit 1 Kind 25 Sgr. bis 1% Taler, eine Familie mit 2 Kindern 1 bis 1% Taler, eine Familie mit 3 Kindern 1% bis 2 Taler. Zugleich stellte die städtische Behörde 20 000 Taler zur Verfügung des städtischen Milt- tärkommissarius. Am 9. September 1870 wurde bestimmt, daß die verschiedenen Unterstützungssätze aufgehoben, und nur ein Unterstützungssatz siatifinden solle, nämlich 1 Taler für jede Frau und 15 Sgr. für jedes Kind. Hilfsbedürftige städtische Beamtenfrauen, welche den Gehalt ihres Mannes teilweise beziehen, erhalten die volle Unterstützung. Bis zum 1. Januar 1871 gingen 14044 Unterstützungsgesuche ein. Unterstützt wurden in den einzelnen Kommissionen 12845, durch fremde Behörden auf städtische Rechnung 68, im Ganzen 12913 Personen mit 394495 Talern, 24 Sgr., 5 Pf. Ueber die Verhältnisse im Jahre 1871 ist folgendes zu berichten: Die Unterstützungen der Familien einberufener Reservisten und Landwehrmänner betrugen 602493 Taler, dazu kommen 33143 Taler für den Transport verwundeter und kranker Soldaten nach den Lazaretten, im Ganzen wurden also für militärische Zwecke 565396 Taler verausgabt. Die entsprechende Summe des Vorjahres belief sich auf 475001 Taler. Von der Gesamtsumme der Stadt, stattete die Staats- regierung 280000 Taler zurück. Im Jahre 1871 wurden 16780 Unterstützungsgesuche eingereiht, 16671 Familien erhielten Zuwendungen. Im Kampfe oder infolge des Krieges starben 388 Männer, 2,47% der Einberufenen, deren Familien 3 Jahre unterstützt wurden.
Die Mörder von Serojewo gerichtet
Serajemo, 3. Februar. Heute früh wurde« im Hof des Festuugsgefäugrrisses Beliko Cubilowitsch, Mieko Jovauowitsch und Danile Jlitsch, die im Hochverrats- prozetz verurteilt worde« waren, hingerichtet. Die Hinrichtung vollzog sich ohne Zwischenfall.
Die gleichfalls^zum Tode verurteilten Jakov Milo- rvitsch und Nedjo Keroivitsch wurden begnadigt. Die Todesstrafe wurde in lebenslängliche, bezw. zwanzigjährige Kerkerstrafe umgewandelt. Printschip, der Mörder des Erzherzogs, der bekanntlich wegen seines jugendlichen Sllters nicht zum Tode verurteilt werden konnte, erhielt eine zwanzigjährige Kerkerstrafe.
Weitere Drahtnachrichten.
China und Japan.
Rotterdam, 4. Februar. (T.-U.) Eine hierher gelangte Information aus Tokio besagt: Japan brauche jetzt, da es Kiautschou mit Waffengewalt erobert habe, das Gebiet nicht ohne weiteres an CHina zurückzugeben. China habe das Gebiet auf 99 Jahre an Deutschland verpachtet und könne nicht früher sein Recht geltend machen. Dennoch werde Japan den mit England und Amerika eingegangenen Verträgen zu gegebener Zeit nachkommen.