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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Str. 26.

Sonntag, den 31. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

IWer Brotgetreide verfüttert, verkündigt I sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat.

* Die Fütterung unserer nützlichen gefiederten Lieblinge bei Schnee, Rauhreif und strenger Kälte ist gerade jetzt im Winter wichtiger denn je zuvor, weil infolge des Krieges uns allen außerordentlich viel daran liegen muß, in diesem Jahre eine gute Ernte aus Garten und Feld hereinzubekommen, wozu unsere, nützliche Vogelschar ganz wesentlich beiträgt. Die Inhaber von Futterstellen werden deshalb gebeten, letztere recht sorgfältig mit Futter zu versehen. Auch ist es erwünscht, daß auch sonst viel in Gärten und Höfen gefüttert wird, damit unsere nützliche Vogel­welt gut durch den Winter kommt.

* (Zur Beachtungfürfreiwillige Gold- sammler.) Unter Hinweis auf die Verordnung vom 25. Januar 1915, wonach von privater Seite Goldmünzen gesammelt werden dürfen, wenn die Sammlungen ausschließlich zu dem Zweck erfolgen, die Goldmünzen der Retchsbank zuzuführen, teilt die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" u. a. mit, daß es gleichwohl geboten erscheint, wenn Personen die für die Reichsbank solche Sammlungen veranstalten, sich deswegen mit der Reichsbank in Verbindung setzen und sich von ihr eine schriftliche Bestätigung darüber verschaffen, daß ihre Tätigkeit des Ankaufs von Gold­münzen ausschließlich für die Zwecke der Reichsbank erfolgt.

^Zeitlich gleichmäßige Verteilung der Liebesgabenspenden dringend nötig. Die Opferfreudigkeit des deutschen Volkes hat ge­legentlich der Weihnachtsliebesgaben-Sendungen einen jede Erwartung weit übersteigenden Erfolg gehabt. Die Truppen sind in so reichem Maße mit Liebes­gaben bedacht worden, daß deren Unterbringung und Verwertung für den einzelnen Soldaten oft schwierig ist. Noch konnten leider infolge starker Inanspruch­nahme der Bahnen für Truppen- und Munitions­transporte, namentlich im Osten, Massen von Liebes­gaben nicht zur Entladung und Verteilung gelangen, die ausreichen, die bisher unberücksichtigt gebliebenen vorn kämpfenden Truppen für die nächste Zeit mit Paketen zu versorgen. Bei der voraussichtlichen Dauer des Feldzuges ist aber eine zeitlich gleich­mäßige Verteilung der Liebesgaben dringend nötig, um nicht Gefahr zu laufen, daß Gaben verschwendet werden und dem Nationalvermögen Hunderttausende verloren geben. An alle opferwilligen Spender ergeht daher die Bitte, keine leicht verderblichen Gegenstände, wie das so oft der Fall ist, zu spenden. Es ist zu bedenken, das Wochen vergehen können, bis die Waren in die Hände der Soldaten gelangen. In erster Linie sind daher Geldspenden znr An­schaffung solcher Gegenstände erwünscht, die von den Truppen aufgefordert werden, in den Sammelstellen für Liebesgaben aber fehlen. Ferner wird erneut darauf hingewiesen, daß durch die für bestimmte Truppenteile gespendeten Liebesgaben bei diesen ein Ueberfluß hervorgerufen wird, der bei sachgemäßer Verteilung anderen, weniger reichlich bedachten For­mationen mit besserem Erfolg zugeführt werden könnte. Deshalb ergeht an alle die Bitte, Spenden für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, da­mit den Militärbehörden das Recht gewahrt bleibt, alle Truppenteile gleichmäßig zu bedenken, um nicht bei einzelnen den Gedanken aufkommen zu lassen, daß ihrer in der Heimat weniger gedacht wird. Nur so kann die Abgabe der Liebesgaben an die Truppen in geregelte Bahnen geleitet werden und können Werte erhalten bleiben, die heute weil Ueber- fiuß vorhanden, von den Truppen vielleicht achtlos beiseite geworfen werden, während sie später unschätz­bare Dienste leisten würden.

* Der schon in Friedenszeiten öfters hervorgetretene Mangelangedeckten Wagen hat unter den Verhältnissen des Krieges an manchen Orten einen für die beteiligten Kreise äußerst fühlbaren Umfang ange­nommen. Die Magdeburger Handelskammer nahm daher vor einiger Zeit Veranlassung, dem preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten Vorschläge für Konstruktionen zu unterbreiten, durch die offene Wagen im Bedarfsfälle in gedeckte verwandelt werden könnten. Hierauf ist der Kammer ein Bescheid des Ministers zugegangen, der erkennen läßt, daß die Staatsverwaltung bemüht ist, dem Mangel nach Möglichkeit abzuhelfen. Der Minister schreibt: Die erforderlichen Schritte zur Einrichtung einer größeren Anzahl von offenen Wagen als bedeckte Wagen sind eingeleitet. Um den Mangel an bedeckten Wagen nach Möglichkeit abzuhelfen, ist ferner in Erwägung gezogen, eine größere Anzahl offener Wagen mit

Deckenauflegebalken auszurüsten, die die Decke in der Mitte stützen und ihre dachartige Auflage ermöglichen, so daß das Regenwasser zu beiden Seiten des Wagens über die Wagenwände ablaufen kann. In Verbin­dung mit dieser Maßnahme ist für eine außerordent­liche Vermehrung des Deckenbestandes der Preußisch- Hessischen Staatseisenbahnen Vorsorge getroffen wor­den ; ich habe Auftrag gegeben, so viel Decken zu be­schaffen, als bis zum Beginn des starken Frühjahrs­verkehrs zu annehmbaren Preisen erhältlich sind. Außerdem werden die Wagenbauanstalten veranlaßt, bei Erledigung der ihnen erteilten Bauaufträge auf vorzugsweise Lieferung bedeckter Güterwagen Bedacht zu nehmen.

*(EineBitteandasHerzderdeutschen Frauen.) In derDeutschen Tageszeitung" lesen wir: Vom östlichen Kriegsschauplatz geht uns von hoher Stelle die dringende Bitte zu, eine größere An­zahl Muffs heranzuschaffen. Trotz reichlicher warmer Unterkleidung, wollenen Handschuhen und Puls­wärmern leiden unsere Truppen sehr unter der trengen Kälte. Leicht ist die Bitte zu erfüllen, aber chnell, ganz schnell muß es sein, ehe der Winter vor- >ei ist. Alte Federbetten, die längst durch neuzeitige Matratzen und Decken ersetzt worden sind, eignen sich wundervoll für warme Hüllen. Man stopft ein flaches Inlett-Kissen damit aus, steckt es in einen passenden Ueberzug aus dickem, weichem, feldgrauem Woll- oder Barchenttuch und näht es zu einem Muff zusammen. Selbstverständlich sind Pelzmuffs vor allen Dingen geschätzt. Aber wer kann sie schenken? Es werden nur wenige sein. Im Notfalle können sogar Wollab- fälle, aufgezogene alte Strumpfwolle, kleingeschnittene Wollstoffreste die Füllung bilden. Darüber wird eine dicke Lage Watte gelegt, das ganze mit feldgrauem Stoff umhüllt, und der Muff ist fertig. Oder man opfert eine alte Steppdecke und nähe Muffs daraus. Je schöner die Schafwolle oder die Daumen sind, desto besser für den Tapferen, dessen Hände dadurch ge­wärmt werden sollen. Wenn man dann noch einen Wachstuchüberzug zum Schutz gegen Nässe dazu näht, so sei der Besitz eines solchen Muffs überhaupt das Jdealeines jedenSoldaten, meinte ein kriegserfahrener Offizier. Weich und warm, das ist die Hauptsache! An einer kräftigen Schnur um den Hals hängend muß der Muff getragen werden können." Trockene Hasen- und Kaninchenfelle find ein vorzügliches Aus­polsterungsmittel. Aber schnell an die Arbeit: Am 1. Februar beginnt die Pfund-Woche.

):( Hersfeld, 80. Januar. (V e r l u st l i st e 136.) Landwehr Ers. Rgt. Nr. 4. Kriegsfreiw. Landsiedel, Hillartshausen, Hersfeld, l. v. Res. Ins. Rgt. Nr. 83. Unteroff. Wilhelm Fey, Meckbach, Hersseld, l. v. Musk. Johann Valentin Hoffmann Wippershain, Hersfeld, gef. Gefr. Jsidor Wallach, Oberaula, schwer verw. Ins. Rgt. Nr. 88. Lt. d. R. Rud. Hafner, Hersfeld, d. Uns. schwer verl. Ins. Rgt. Nr. 167. Musk. Heinrich Gischler, Mengshausen, Hersfeld, gef. Kriegsfreiw. Johannes Frank, Kalkobes, Hersfeld, verm. Wehrm. Karl Reuffurth, Kohlhausen, Hersfeld l. verm. Gefr. d. L. Jakob Weber, Kirchheim, Hersfeld bish. verm., verw., b. d. Tr. Musk. Heinr. Leist, Hersfeld, l. verw. Musk. Christian Sauer, Hersfeld gef.

):( Hersfeld, 30. Januar. Montag den 1. Februar Nachmittags 5 Uhr findet eine außerordentliche Stadtverordnetensitzung statt

Rotenburg a. Fulda, 26. Januar. Unter den Rindviehbeständen der Landwirte A. Hohwiesner, Eckh. Buchenau und E. Sangmeister ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt. Da das Sperr­gebiet nur auf den Teil der Stadt ausgedehnt ist, in welchem die drei Beteiligten wohnen, so kann das Vieh in die Stadt ein- und ausgeführt werden.

Marburg, 28. Januar. In Elberberg fand die Beisetzung des in Frankreich infolge eines Herzschlages verstorbenen Kommandeurs des Res.-Jnfanterie-Rgts. Nr. 82, Oberst v. Buttlar, statt Der Verblichene war bekanntlich bis zum Ausbruch des Krieges Kommandeur des Marburger Jägerbataillons. Bei der Trauerfeier war auch eine Abteilung Jäger zu­gegen.

Hanau, 29. Januar. Aus der Hinterlassenschaft der verstorbenen Frau Marie Lindenbauer ist der Stadt Hanau die Summe von 334 000 Mark für wohl­tätige Zwecke zugefallen. Davon sollen 178 000 Mark Verwendung finden zur Errichtung eines Damen- heims, 89 000 Mk. zur Errichtung einer Pflegeanstalt für arme Kinder, 67 000 Mk. sollen an bestehende Armenanst alten der Stadt Hanau verteilt werden.

Frankreich, England und Deutschland in ihrer künftigen Kriegsstärke.

Unter der UeberschriftDie Reserven der krieg­führenden Nationen für den Frühjahrsfeldzug" bringt der militärische Mitarbeiter der römischenTribuua", ein bekannter General, einen längeren vergleichenden Aufsatz über die.Kräfteverteilung der Kriegsparteien im kommenden Frühjahr, der im Lager unserer Gegner keine ungeteilte Freude entfesseln dürfte.

Frankreichs 800 000 Mann aus der Friedenszeit bildeten zusammen mit 11 Reserveklassen eine Ge­samtheit von 2 600 000 Mann, hinter denen sich die Reserve von 1200 000 Mann Territorialen befindet, die hinaufreicht bis zum 48. Lebensjahr,das als eine äußerste und schon gefährliche Grenze für die mili­tärische Tüchtigkeit betrachtet werden muß". Dem Kritiker ist eins während der ersten Kriegsphase sonnenklar geworden, nämlich daß es Frankreich nicht gelungen ist, seine Absicht wahrzumachen, aus seiner Bevölkerung die gleich hohe Wehrkraft zu schöpfen, wie sie Deutschland aufweist. Für die französischen Verluste fehlen alle genauen Daten, die die Deutschen über die eigenen Verluste liefern.Wir glauben in der Annahme nicht fehlzugehen, wenn wir unter Ab­rechnung der Leichtverwundeten, die wieder in die Gefechtslinie zurückkehren können, die endgültigen Verluste der Franzosen auf eine Million Mann be­ziffern. Deutschland aber hat seine Vorbereitungen derart getroffen, daß es auch jetzt in der Lage ist, Frankreich die gleich großen Reserven entgegenzustellen, ohne darum die Wehr an der Ostgrenze vernachlässigen zu müssen".

Zu den 45 Millionen Bewohnern Großbritanniens kommen die Einwohner von der gleichen Rasse in Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland. Mit den Engländern zusammen genommen würden sie an Zahl der Bewohnerschaft des deutschen Reiches gleich­kommen. Aber die Zahl gibt hier nicht den Aus­schlag.England hat nunmehr seine Hauptstreitkraft aufgebracht. Mit einem Korps von 300 000 Mann im Felde und mit der Notwendigkeit, die Lücken auszu- füllen und den Drohungen der Türkei in Aegypten und Arabien zu begegnen, besitzt das reguläre eng­lische Heer, so wie es zu Beginn des Krieges aufge­stellt war, nicht mehr die Fähigkeit, neue Formationen auf den Kontinent zu bringen. Auch die Elemente aus den Kolonien, die Kanadier, Neuseeländer, Australier und Inder, w^üen, so vorzüglich und zahl­reich sie auch sein mögen, allesamt durch die obenbe­zeichnete Notwendigkeit, die Löcher auszufüllen, ver­braucht werden. Es bleibt daher nur noch der neue grandiose Organismus von Freiwilligen übrig, an dessen Schaffung sich Lord Kitchener herangemacht hat. Nun ist aber gerade um die Möglichkeit der Bildung dieses Heeres eine Polemik ausgebrochen: ist seine Schöpfung eine Tatsache oder ein Phantasiegebilde? Alle werden begreifen, daß von der Beantwortung dieser Frage der Ausgang des Krieges zu einem Teile, und zwar nicht zum geringen Teile, abhängig wird".

Kein Kompetenter", so schreibt der General weiter,möchte die Verantwortung auf sich nehmen, eine entscheidende, bestimmte Antwort zu geben. Fast alle beschränken sich darauf, vernüftige Zweifel über die Wirkungsfähigkeit einesimprovisierten Heeres" vorzubringen und die Schwierigkeiten zu bezeichnen, die sich dem Unternehmen Lord Kitcheners entgegen­stellen". Der Kritiker ist nicht der Ansicht, die andere vertreten haben, daß dem Heere' Kitcheners die tech­nischen Mittel, die Ausrüstung und Munition, ab­gehen würden. Es wäre kein Grund vorhanden, zu glauben, daß die englische Industrie nicht imstande wäre, eine Million Soldaten auszurüsten, während die deutsche vier oder fünf Millionen ausrüsten kann. Eine viel ernstere Schwierigkeit aber erblickt er in der Stellung der nötigen Offiziere. Die Statistik sagt uns zwar, daß das englische Heer schon einen sehr hohen Prozentsatz an Offizieren 11000 auf 180 000 Mann, also die doppelte Anzahl der Deutschen mit ihren 25 000 Offizieren auf 800 000 Mann bisher besessen hat. Und man sagt, daß dasselbe Verhältnis sich auch auf die Reserven übertragen läßt. Und Lord Kitchener konnte jüngst verkünden, er habe 29 000 neue Offiziere, zum Teil zweifellos aus seinen Reservebeständen und aus den Kolonien, zu seiner Verfügung. Aber diese neuen Offiziere werden sich auch nicht im entferntesten mit der Leistungsfähigkeit der Offiziere in den beiden Heereslagern, im deutschen wie im französischen, die bedeutend besser ausgebildet sind, messen dürfen. Mit anderen Worten: das neue große Heer Englands wird trotz der großen or­ganisatorischen Schöpferkraft Lord Kitcheners und trotz der mehrmonatigen Ausbildung der Rekruten doch immer ein improvisiertes Heer bleiben mit allen Schwächen und Mängeln, die sich namentlich zu Be­ginn ihrer Aktion regelmäßig bei ähnlichen Heeren herausgestellt haben. Die Kritiken und die Reser- viertheit der kompetenten Beurteiler sind nach dieser Richtung vollkommen berechtigt.

Gewiß habe man auch in Deutschland den Land­sturm herangezogen. Und auch da könnte man sagen, es handele sich nm eine Improvisation.Nur hat die militärische Improvisation Englands gegenüber der deutschen den Nachteil der geringeren Erfahrung für so riesige Heeresformationen." Der Kritiker ver­gißt noch eine Kleinigkeit: die Heeresorganisation, wie sie Deutschland besitzt, improvisiert man nicht innerhalb eines Jahres, sondern sie ist die Frucht einer jahrzehntelangen angestrengten Arbeitsleistung auf einem Gebiete, auf dem die Engländer voll­kommene Neulinge sind.