- , . Der Balkan.
Die bulgarische Neutralität.
Nach einer Sofioter Meldung der „Franks. Ztg." bringt der regierungsfreundliche „Dnewnik" im Zusammenhang mit Aeußerungen ausländischer Blätter über die Mission Ghenaöiews folgende Notiz: Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß die bulgarische Regierung weiterhin bestrebt ist, an der proklamierten strengen und loyalen Neutralität festznhalten und auf friedlichem Wege die territorialen Forderungen zu sichern, zu denen Bulgarien berechtigt ist.
Die Neutralen.
Die „Dacia".
Das Amsterdamer „Handelsblad" meldet nach der „Frks. Ztg." aus London: Aus Washington wird der „Times" telegraphiert, daß bezüglich der „Dacia" mehrere Informationen vorliegen, die, wenn sie sich als richtig erweisen, von großer Wichtigkeit für die wahre Beurteilung dieses Schiffes sind. Das Gerücht läuft nämlich, daß der neue Eigentümer der „Dacia", Brei- tung, das Schiff für 33 000 Pfund gekauft, es jedoch für 50 000 Pfund, wahrscheinlich bei der Hamburg-Amertka- Linie selbst versichert habe. Es wird auch erzählt, daß bei dem Verkaufe die Bestimmung getroffen worden sei, daß das Schiff nicht für die Fahrt nach französischen und britischen Häfen gebrachtwerden dürfe. Nach den amerikanischen Bestimmungen ist eine Uebertragung eines Schiffes, bei welchem Bestimmungen hinsichtlich der zukünftigen Beuutzung des Schiffes getroffen sind, ungesetzlich, da alsdann die Uebertragung sich nicht mit der Neutralität vereinbaren läßt. Wenn die Richtigkeit dieser Mitteilung bewiesen werbe, dann sei England vollständig berechtigt, die „Dacia" weiter als verdächtig an-
Deutschland und China.
Aus Amsterdam meldet die „Frkf. Ztg.": Wie die Blätter aus Peking melden, hat die japanische Regierung die Gesandten der Ententemächte in Tokio davon benachrichtigt, daß China einen Geheimvertrag mit Deutschland geschlossen habe, nach dem Deutschland die Einexerzierung des chinesischen Heeres durch deutsche Offiziere verspricht. Der „Daily Telegraph", der diese Meldung bringt, erklärt sie zu gleicher Zeit für falsch.
Nochmals die belgische Neutralität.
Berlin, -23. Januar. (Amtlich. WTB.) Das Londoner Pressebureau veröffentlicht eine lange Erklärung, die sich gegen eine vom Reichskanzler dem hiesigen Ber- Assoc. Preß" gewährten Unterredung wen- atliche Londoner Pressebureau bestreite
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det. Das amtliche Londoner Pressebureau beftreitet, daß England im Jahre 1911 entschlossen gewesen sei, ohne Zustimmung Belgiens Truppen nach Belgien zu werfen. Diese Auffassung beruhe mehr auf nicht offiziellen Besprechungen zwischen englischen und belgischen Offizieren aus den Jahren 1906 bis 1911, die Vorkehrungen gegen eine etwaige Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland treffen sollten. Ehe diese Besprechungen stattfanden, wurde von britischer Seite ausdrücklich festgelegt, daß die Erörterungen militärischer Möglichkeiten darauf zu beschränken wären, wie ein britischer Beistand Belgien
zur Verteidigung feiner Neutralität
am wirksamsten werden könnte. Von belgischer Seite wurde erklärt, daß ein britischer Einmarsch in Belgren nur nach Verletzung der Neutralität durch Deutschland stattfinden solle. Dre veröffentlichten belgischen Dokumente widerlegen diese Versicherung des englischen Pressebureaus auf das bündigste. Es steht fest, daß England 1911 im Falle des Kriegsausbruches zwischen Deutschland und Frankreich entschlossen war, unmittelbar mit oder ohne Zustimmung Belgiens, auch ohne daß die belgische Regierung Hilfe verlangt hatte, in Belgien zu landen. Dafür liegen die Erklärungen des Obersteutnants Bridges gegenüber dem belgischen Ge- ueralstabschef vor. Dafür spricht auch die von Lord Roberts abgegebene Erklärung (Britisch Review Heft vom August 1913), daß im August 1911 die Heimatflotte und ein Expeditionskorps für
einen Einfall in Flandern in Bereitschaft war, um das Gleichgewicht der Mächte aufrechtzuerhalten. Bemerkenswert ist aber ferner,.daß die englische Regierung jetzt diese Fiktion fallen laßt, als ob es, sich 1906 und 1911 nur um eine „akademische nnlttarrsche Diskussion gehandelt habe, für ben Fall, daß die belgische Neutralität „von einem seiner Nachbarn verletzt werden sollte. Die akademischen Besprechungen sind jetzt zu „nichtoffiziellen" Besprechungen geworden, für die aber vorher ausdrücklich Grundsätze — also doch wohl offt= zielte? — festgelegt worden sind. Zugegeben wird fetzt auch daß sich die Besprechungen allem gegen Deutsch- IÄ also nur den einen der belgischen Nachbarn gerichtet haben. Darin gerade liegt die Preisgabe der belgischen Neutralität. Die englische Regierung vermag durch keine Sophistik die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß sie das durch seinen Neutralitätsvertrag
gegenüber allen Mächten
gleichmäßig gebundene Belgien zu Verhandlungen und Ubmachungen gegenüber einem dieser Garantien, nam- lick> Deutschland, verlockte, auf die Seite der L.riple- eZeZe gezogen und schließlich in den Krieg hineingesto- ßen hat. Die weiteren Ausführungen der Erklärung lauten darauf hinaus, die Schuld am Scheitern der Friedensbemühungen Ser deutschen Regierung zuzu- schreiben und England von der Mitschuld am Ausbruch des Krieaes zu entlasten. Demgegenüber bleibt der dokumentarische Tatbestand bestehen, dessen Erlebnis Helfferich mit den Worten bezeichnet hat. „Rußland ist also der Brandstifter, Frankreich und England sind als die Mitschuldigen erwiesen."
grleasanertet
Der Kommandant der „Blücher".
(T.-U.) Der Kom- folge des Untergan-
Rotterdam, 29. Januar. (T.-U.) Der Kommandant der „Blücher", welcher infolge des Unterganges seines Schiffes an einer Nervenerschütterung leidet, wurde nach einer Meldung des „B. L.-A. in einem englischen Hospital untergebracht.
Erschossene englische Offiziere.
^ London. 29. Januar. (T. U.) In Torquay, an der englischen Küste, wurden am Sonntag abend zwei englische Offiziere von zwei auf Posten stehenden Terri- torialsoldaten des Devon Radfahrer-Reserve-Bataillons erschossen. Die beiden Radfahrer standen zwischen 7 und 8 Uhr abends mit geladenem Gewehr und aufgepflanz- tem Bajonett am Strande bei Torauay, wo eine breite Chaussee entlang führt. Plötzlich kam ein Automobil mit starken Lichtern, aus. der Richtuug^von PaigMon.
""Wie'offiziell erklärt wird, soll fitb habet t Schutz entladen haben, der zwei Offiziere
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mit starken Lichtern aus der Ri Die Posten titelten das Auto an, ziere befanden. „'- * * . . ,
aus Zufall ein Schutz entladen haben, der zwei Offiziere । auf der Stelle tötete. Von anderer Seite wird jedoch erklärt, daß die Offiziere nicht gleich hielten und infolge- - besten von den Posten, ihrer Instruktion gemäß, er- i
schössen wurden. Die beiden Posten wurden m Haft genommen.
Teuerung in England.
ite* Amsterdam, 29. Januar. (T. U.) In englischen Arbeiterkreisen nimmt nach Meldung der „Frkf. Ztg." die Entrüstung wegen der Nahrungsmittelteuerung außerordentlich zu. Da nun auch eine Teuerung der Milchpreise angekttndigt wird, wendet das Arbeiterblatt ^Daily Citizen", das von Winston Churchill für die Deutschen erfundene Wort „Kindermörder" in ihrem Artikel an die englischen Landwirte, Schiffseigentümer usw. an.
Unsere Feldgrauen als Schatzgräber.
Dem Feldpostbrief eines deutschen Soldaten in Flandern entnimmt die „Ostsee-Zeitung" eine Mitteilung, die deutlich zeigt, welches Vertrauen jetzt unseren Feldgrauen von demjenigen Teil der belgischen Bevölkerung entgegengebracht wird, mit dem sie in nähere Berührung kommen. Der Briesfchretüer erzählt u. a.: . . . . Bei dem Bauer, wo ich in Quartier liege, ist eine alte Frau, die aus E. geflüchtet ist, da dort fast alle Häuser, selbst die Kirche, in Brand geschossen sind und alle Bewohner flüchten mußten. Die alte Frau hat in E. ein eigenes Haus, welches zwar noch steht, aber innen ganz zerstört ist. Sie bat mich, ich sollte doch nach E. fahren,' sie hätte da noch Sachen, die sie gerne haben möchte, und was das meiste war, sie hatte ihr Vermögen dort vergraben, was ihr am Herze lag. Da die Strecke nach E. nicht weit ist und ich noch Zeit hatte, versprach ich, ihr die Sachen mitzubringen. Sie beschrieb mir die Stelle, wo die Blechkiste mit dem Geld eingegraben ist, unter die Kartoffeln bet dem und dem Fenster. Da ich keine Schippe oder sonst etwas hatte, nahm ich meinen Säbel und schaffte die Kartoffeln beiseite, dann nahm ich die Säbelklinge und durchsuchte den Boden. Auf einmal stieß ich auf einen Harten Gegenstand, ich machte mit der Säbelscheide die Erde weg und brächte den kostbaren Schatz zutage. Die Freude aber, als ich mit den Sachen und der Blechkiste nach Hause kam! Die alte Frau konnte kaum ein Wort vor Freude herausbringen. Am nächsten Tag fragte sie mich, was sie mir schuldig sei, ich sagte ihr, ein deutscher Soldat nimmt für solche Gefälligkeiten kein Geld. Jetzt machen die^Leute uns alles, was sie uns von den Augen absehen können. Am Sonntag hatten sie für meine Leute zwei Hühner gebraten, die haben wir uns gut schmecken lassen
Die letzte Bitte vom „Blücher".
Man schreibt der „Frkf. Ztg." aus Lübeck: Eine hiesige Zeitung erhielt am Montag früh, also zu einer Zeit, da der Panzerkreuzer „Blücher" in dem Gefecht mit englischen Schlachtschiffen bei Helgoland schon untergegangen war, einen Brief von einem zur Besatzung des Kreuzers gehörenden Lübecker Seewehrmann. Der Bries muß kurz vor dem Kampfe geschrieben worden sein, der Absender fand bald darauf in dem Seegefecht den Heldentod. In dem Briefe, den die Zeitung veröffentlichen sollte, heißt es u. a.: „Ihr lieben Lübecker Bürger! Denkt an Eure Seewehrmanner, die heute mit einer Bitte zu Euch kommen. Wir sind von Hause fortgegangen und haben Weib und Kind verlassen. Nun ist hier alles still an Bord, weil die Musik fehlt,' wir haben nichts zu spielen. Wir sind fünfzehn Lübecker an Bord und bitten die werten Lübecker, uns ein Instrument zu schicken, wir bitten herzlich um eine Harmonika. Was blasen die Trompeten? Matrosen heraus!
Jetzt fahre, braver „Blücher" wie Sturmwind im Saus, Dem Siege entgegen nach Helgoland,
Und über die Nordsee nach Engeland . . ."
Die Verse lassen die Begeisterung erkennen, die vor der Ausfahrt zur Seeschlacht auf dem Panzerkreuzer herrschte. Natürlich wäre die Bitte des Seewehrmanns sofort erfüllt worden: jetzt brauchen die braven Blaujacken keine Harmonika mehr. Von den fünfzehn aus Lübeck haben zehn den Tod gefunden.
Vermischtes.
Eine Familientragödie hat sich in Neukölln abgespielt. Dort vergiftete, dem „Berl. Lok.-Anz." zufolge, der 31jährige Arbeiter Bernhard Hanft aus der Oker- straße 41 seine beiden sechs und fünf Jahre alten Söhne Erich und Kurt mittels Gas und erhängte sich darauf selbst. Nur das jüngere Kind konnte ins Leben zurückgerufen werden. Angeblich ist die Tat auf unglückliche Familienverhältnisse zurückzuführen.
Verurteilung dentschfeindlicher Elsässer. Das außerordentliche Kriegsgericht in Dieöenhofen verurteilte den Gerbereibesitzer Eugen Wonner aus Flörchingen und den Drogisten Viktor Rimmel aus Kneuttingen wegen Bekundung deutschfeindlicher Gesinnung zu 6 Wochen bezw. 6 Monaten Gefängnis.
Ein holländischer Advokat wegen Beleidigung des Kaisers verurteilt. Der Rotterdamer Advokat van Rossen wurde nach einer Meldung aus dem Haag wegen Beleidigung des deutschen Kaisers, die in einem von ihm veröffentlichten Pamphlet enthalten war, zu einer Geldstrafe von dreihundert Gulden oder dreißig Tagen Haft verurteilt. Bon der Anklage einer Gefährdung der Neutralität der Niederlande wurde van Rossen frei- gefprochen.
Einer, der seinen Beruf verfehlt hat. Vor dem Kriegsgericht in Augsburg hatte sich ein Soldat wegen eines merkwürdigen Schwindels zu verantworten. Als er verwundet im Lazarett lag, trennte er sich von einem fremden Unteroffiziersrocke die Tressen ab, nähte sie auf feine Uniform, ließ sich die Unteroffizierslöhnung auszahlen und reiste stolz als neugebackener Held in seine Heimat. Seine Prahlereien, daß er die Tressen dafür bekommen habe, daß er ein ganzes Bataillon, das in eine leergelaufene Kanalstrecke geraten sei, gerettet habe, hörte auch ein Berichterstatter, und bald stand die Heldentat in vielen Zeitungen. So kam der Schwindel ans Tageslicht, und das Kriegsgericht verurteilte den Maulhelden zu fünf Monaten Gefängnis. Der Anklagevertreter tat dabei nach Meldung der „L. N. N." den hüb- fchen Ausspruch, der Angeklagte habe seinen Beruf verfehlt,' er wäre als Kriegsberichterstatter bei unseren Gegnern besser am Platze gewesen.
Wie wir unsere Ernährung sichern.
Endlich sind wir so weit, daß der Bundesrat von kleinen Maßnahmen, guten Ratschlägen und halber Entschlossenheit zu einer Verordnung großen Stiles über- geht, alle in Deutschland vorhandenen Mehl-, Weizen- und Roggenvorräte mit Beschlag belegt und ihre zweckentsprechende Verteilung an die Bevölkerung den Behörden überträgt. Bis zur nächsten Ernte gilt es, die Ernährung unseres Volkes sicherzustellen, damit die menschenfreundlichen Absichten unserer ehemaligen Vettern jenseits des Kanals zuschanden werben. Das preußische Staatsministerium ist zugleich mit einer Bekannt- macbuna auf den Plan getreten, um die Notwendiakett
oer neuen Krtegsmatznaymen mit seiner vollen Auto« rität zu decken, und nun werden wohl auch die begriffs« stutzigsten Elemente der Bevölkerung einsehen, daß es ernst ist mit der Patriotenpflicht, hauszuhalten mit den Nahrungsmitteln, die wir im Lande haben, und daß die Mahnungen zu einfacher und sparsamer Lebensweise befolgt und ihre Befolgung, wenn es nicht anders geht, erzwungen werden muß, wenn wir nicht im Wirtschaftskamps unterliegen sollen, während unsere Waffen siegreich bleiben.
So werden wir also auf dem Gebiete der Volksernährung jetzt den Weg beschreiten, den in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Graf Kanitz mit seinem berühmt gewordenen Anträge gehen wollte. Damals hatte man sich in einer Fülle sogenannter „kleiner" Mittel erschöpft, um der schwer heimgesuchten Landwirtschaft wieder bessere Erträge ihrer Arbeit zu sichern. Graf Kanitz aber war der Meinung, daß man auf die Dauer dieser Schwierigkeit nur Herr werden könnte, wenn man die Ein- und Ausfuhr von Getreide unter staatliche Aufsicht nehme und dadurch die Festhaltung mittlerer, aber ständiger Preise gewährleiste. Nichts sei verderblicher für die Aufrechterhaltung eines gesunden und geordneten Betriebes als starke Preisschwankungen, wie sie teils infolge des unvermeidlichen Ungleichheit der Ernteergebnisse, teils infolge Maßnahmen des internationalen Spekulantentums immer wieder vorkommen und den Markt beherrschen. Was der ostpreu- tzische Landwirt und Parlamentarier vorschlug, war in der Tat ein großes Mittel, mit dem man wohl dauernde Wirkung erzielt hätte,' ob sie aber auch durchweg günstiger Art gewesen wäre, ließ sich nicht voraussehen. Man hatte nicht den Mut zu einem so folgenschweren Schritt in den Staatssozialimus hinein und behalf sich mit Maßnahmen von minder weitreichender Bedeutung. Nicht zum Schaden der Landwirtschaft, die vielmehr, wie allseits zugegeben wird, sich seit Jahren in guter Lage befindet, wenn auch der auf andere Ursachen zurückgehende Arbeitermangel leider noch keine Abhilfe gefunden hat.
Nun aber kommt die harte Notwendigkeit des Krieges und zwingt uns zu tiefen Eingriffen in das Wirtschaftsleben. Der Bundesrat ist sich wohl bewußt, mit den jetzt angeordneten Maßnahmen ganz neues Gebiet zu betreten, aber er durfte nicht mehr länger zögern, da die bisherigen Versuche, mit milderen Vorschriften auf eine Einschränkung des Mehl- und Getreiöeverbrauchs hinzuwirken, nicht zum Ziele geführt haben. So wird denn gründlich zugegriffen und der Staat selbst zum Hüter und Wächter bestellt für die Schütze des Bodens, über die wir noch verfügen. Eine sofort in Kraft tretende Anzeigepflicht soll alle vorhandenen Vorräte ans Licht bringen, sie werden zu den schon vor längerer Zeit festgesetzten Höchstpreisen enteignet und einer Reichsver- teilungsftelle überwiefen, die sie in Verbindung mit den örtlichen und beruflichen Verbünden an die Verbraucher herausgeben soll. Unsern staatlichen und städtischen Verwaltungen erwachsen hier mit einem Schlage eine Anzahl neuer und ungewohnter Aufgaben,- die Regierung hegt aber zu ihnen das Vertrauen, daß sie im Bewußtsein ihrer großen nationalen Verantwortung mit allen Kräften daran arbeiten werden, auch hier zu zeigen, was preußisches und deutsches Pflichtgefühl zu leisten vermag. Sie erwartet aber nachher auch von allen Kreisen unseres Volkes die bedingungslose Unterordnung unter die zwingenden Notwendigkeiten unserer volkswirtschaftlichen Lage. Nur auf diesem Wege können wir den Aushungerungsplan der Englän- der bekämpfen,' da haben also alle anderen Rücksichten zu schweigen, und jeder von uns muß, um volkstümlich zu sprechen, einschwenken wie ein preußischer Unteroffizier, von dem wir ja jetzt wieder gesehen haben, wie er auf den Schlachtfeldern in Ost und West an seinem Teile . dazu beiträgt, daß unsere Armeen in Angriff und Verteidigung unüberwindlich sind. Wir möchten aber auch glauben, daß der größere Zwang, zu dem der Bundesrat ich jetzt entschlossen hat, recht heilsam wirken wird. Es st nun einmal so im Leben, -aß erst der Zwang die Erkenntnis schafft und den Willen zu löblichem Tun be- lügelt. Haben viele unter uns es bisher noch an der nötigen Mitwirkung zur Sicherung der Volksernährung fehlen lassen, so geschah es wohl mehr aus Unbedacht als aus schlechtem Willeu. Den starren Vorschriften, die jetzt erlassen worden sind, wird sich jeder bereitwillig fügen, denn nun ist es völlig klar geworden, daß es krasser Landesverrat wäre, wollte man in dem bisherigen Schlendrian noch weiter verharren.
Bei gewissenhafter Erfüllung aller neuen Bestimmungen, die dem ganzen Volke alles das bis in den Hochsommer hineinsichern werden, was es zu seiner Ernährung braucht, dürfen wir der weiteren Entwicklung der Dinge mit Vertrauen entgegensehen.
Weitere Drahtnachrichten.
Der englische Admiralsbericht.
** London, 29. Januar. Das Pressebureau veröffentlicht den Bericht des Admirals Beatty, dem zufolge der Feind früh 7% Uhr gesichtet und auf eine Entfernung von 18 000 Pards beschossen wurde. Bei weiterer Annäherung wurden „Lion" und „Tiger" heftig vom beutue vemiossen. Gegen 11 Uhr wurde auf dem „Lion" durch einen Schuß in den Kessel die Maschine an Backbord außer Tätigkeit gesetzt. Als feindliche Unterseeboote gemeldet wurden, mußte der Kurs geändert werden. „Jndomitable" erhielt den Befehl, den sich in kritischer Lage befindlichen „Blücher" in Grund zu bohren und „Lion" dampfte mit Eskorte in nordöstlicher Richtung, während die Admiralsflagge auf die „Prinzeß Royal" gebracht wurde. Wegen Anwesenheit fetndlt- cher Unterseeboote mußte der Kampf abgebrochen werden. „Blücher" war zum Sinken gebracht und zwei andere in Brand geschossene feindliche Kreuzer ernstlich beschädigt worden. „Lion" wurde nach dem Hafen geschleppt. Die Beschädigungen des „Tiger" können in ftir- qett ausgebessert werden. Die übrigen Schiffe wurden nur leicht beschädigt. Menschenverluste sind nicht zu keklagen.
Die Lügen unserer Feinde.
&& Berlin, 29. Januar. (Amtlich. WTB.) Nach Mitteilung der Auscandspresse verbreitet die Petersburger Telegraph enagentur die Nachricht, oatz der russische Wimper des Aenßeren eine Note an den spanischen Botschafter in Petersburg gerichtet habe, in der auf Grund von Aussagen russischer Soldaten Greueltaten deutscher Soldaten festgestellt seien, wie Verstümmelung von Verwundeten, Er'Reßnng von Gefangenen, Mißhandlung der Bevölkerung usw. Auf Grund der in der Veröffentlichung erhaltenen Angaben kann natürlich die Behauptung nicht widerlegt werden. Die russische Regierung verfolgt also mit dieser Veröffentlichung denselben Zweck wie die Tauzösische Regierung mit dieser gleichzeitigen Darstellung angeblicher deutscher Greueltaten, nämlich planmäßig die öffentliche Meinung der Welt zuungunsten Deutschlands zu vergiften. Die deutsche Heeresleitung verzichtet auf jede Antwort darauf.