Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Weite ^
für den Kreis Hersfeld
Sreisitott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 25
Sonnabend, den 30. Januar
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.
Bus der Heimat.
»(AuskunftüberVerwundete.) Nachdem nun wieder größere militärische Operationen stattge- funden haben, interessiert es die Angehörigen von Kriegsteilnehmern, zu erfahren, daß nach einem Erlaß der Medizinalabteilung des Kriegsministeriums über die Einlieferung von Verwundeten in Lazaretten sofort an die Angehörigen eine Meldung in Form einer Feldpostkarte zu erstatten ist. Soweit die Verwundeten hierzu nicht selbst in der Lage sind, haben die Lazarette diese Meldung zu vermitteln. Bekanntlich nimmt der Transport von Verwundeten von der Front in die Feld- oder Etappen-Lazarette je nach der Lage, immerhin einige Zeit in Anspruch. Im Falle also von Kriegsteilnehmern Nachrichten plötzlich ausbleiben nnd dies nicht etwa durch die militärischen Operationen bedingt ist, können die Angehörigen damit rechnen, daß sie sobald als irgend möglich Nachricht erhalten.
» Sendungen von Kleidungsstücken der auf dem Schlachtfelde gefallenen Offiziere und Mannschaften auf den preußisch-hessischen und bayerischen Staatsbahnen werden frachtfrei befördert.
* (Einschränkung der Beschlagnahme vonSchlafdecken.) Die militärische Beschlagnahme von Schlafdecken, die durch den Versuch, Decken ins Ausland zu verkaufen, veranlaßt worden ist, hat mehrfache Einschränkungen erfahren. Nicht nur, daß die Beschlagnahme auf Mannschaftsdecken im Gegensatz zu teueren Kamelhaardecken, Reiseplaids, usw. eingeschränkt und der Einzelverkauf an Privatkunden freigegeben ist, ist nunmehr, wie die „Textil-Woche" erfährt, nach einer KundgebungdesGeneralkommandos des 9. Armeekorps an den Verband deutscher Detailgeschäfte der Textilbranche das Veräußerungsverbot noch weiter beschränkt worden. Danach sind Decken- bestände unter 50 Stück bei den Händlern weder anzeigepflichtig noch dem freien Verkehr entzogen. Für die von beiden Maßregeln betroffene Bestände von zusammen über 50 Decken wird den Händlern die Aussicht auf Abnahme seitens der Heeresverwaltung eröffnet.
* Von amtlicher Seite wird geschrieben: Offene gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen sowie Telegramme werden unter denselben bekanten Bedingungen wie schon bisher im Verkehr mit Brüssel, Verviers und deren Vor- und Nachbarorten von jetzt ab, auch im Verkehr zwischen Deutschland einerseits und Lütttch nebst seinen Vor- und Nachbarorten Ang- leur, Ans, Chenee, Flemalle, Grivegnee, Herstal, Hol- logneaux-Pierres, Jemeppe (Maas), Jupille, Ougree, Selessin, Seraing, Tilleur, Val-Saint-Lambert und Wandre andererseits von den Postanstalten zur Beförderung zugelassen.
»ZurHebung desGtzschäftes haben fünf große Berliner Warenhäuser wieder die Zeitungsanzeigen in früherem Umfange ausgenommen. Sie hatten beschlossen, ihre Ausgaben für Reklame bedeutend einzuschränken. Der Rückgang tm Umsatz zwingt sie, den Beschluß fallen zu lassen.
Dien
»DiewährenödesKriegesabgelei stete stzeit wird später, wie amtlich mitgeteilt, auf die gesetzliche aktive Dienstzeit in Anrechnung gebracht. Dies gilt auch für die mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst eingestellten Mannschaften.
* (Mietsstempe I.) Wir machen nochmals unsere Leser darauf aufmerksam, daß bis Ende dieses Monats die Abstempelung der Mietsverträge am Zollamt erneuert werden muß.
):( Hersfeld, 29. Januar. Neuangeschlosseu an das Fernsprechnetz H. Goldschmidt, Pferdehandlung, Nr. 204.
§ Hersfeld, 29. Januar. Bei Herrn Bürgermeister Strauß sind folgende Dankschrciben für Liebesgaben cingcgangen: NE°r°n, 12. Sammr 191°.
Herrn Bürgermeister Strauß, Hochwohlgeb. Hersfeld.
Für die meinem Bataillon von Stadt und Kreis Hersfeld übersandten Gaben sage ich im Namen aller Angehörigen des Bataillons meinen herzlichen Dank. Die Gaben haben allgemein einen Sturm der Freude erregt und sind bei dem dauernden Aufenthalt im nassen Lehm ganz besonders willkommen. Alle Angehörigen des Bataillons wissen, daß sie in der Heimat nicht vergessen sind, sondern daß ihre harte Arbeit anerkannt wird. Sie werden sich auch fernerhin ihrer Väter würdig zeigen. ,
Indem ich die Grüße aller Offiziere, Unteroffiziere
und Mannschaften übermittele, habe ich die Ehre zu sein
Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener
v. Brandenstein,
Hauptmann und Führer des in. Bataillons
Reserve-Jnfanterie-Regiments Nr. 71. Res.- Feldlazarett 90 O. U. Roulers, 17. Jan. 1915. xxvi. Res. Armeekorps.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Euer Hochwohlgeboren haben unser Lazarett mit Liebesgaben bedacht, die uns am Cristfest, das wir in der kleinen flandrischen Stadt feierten, eine rechte Weihnachtsfreude bereitet haben. In den Herzen aller Kranken und Verwundeten wuchs das beglückende Bewußtsein auf, daß in der Heimat für die im Felde Stehenden treulich gesorgt wird. Dies Bewußtsein wird ihnen in schwerer Zeit Kraft geben und sie zu neuen Taten anspornen.
Im Namen aller Kranken und Verwundeten dankt Euer Hochwohlgeboren und den Bürgern der Stadt herzlich
der Chefarzt: Dr. Dürst, Stabsarzt.
Sottegem, 20 Km. südlich Gent 21. Januar 1915. Herrn Bürgermeister Strauß, Hochwohlgeb. Hersfeld.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister.
Die dem Landsturmbataillon Hersfeld schon vor einiger Zeit freundlichst angekündigten zahlreichen Liebesgaben, die am 11. 12. 14 aus Hersfeld abgingen, sind jetzt nach langer Irrfahrt hier eingetroffen. Sie sind an unsere Landsturmmänner verteilt und mit Freude entgegengenommen, um so mehr, da sie ja ein Zeichen der Liebe und des freundlichen Gedenkens aus der engeren Heimat sind.
Im Namen des Bataillons sage ich allen gütigen Spendern, inbesondere auch den lieben Schulkindern, die mit Fleiß und mit viel Arbeit bemüht gewesen sind, uns eine Freude zu machen, unserer Aller herzlichen Dank. Die vielen nützlichen Gegenstände werden alle beste Verwendung finden.
Der Geist unserer hessischen und thüringischen Landsturmmänner ist ein vortrefflicher; .alle sind bemüht, wie es einem braven Deutschen eignet und gebührt, treu ihre Pflichten zu erfüllen und willig Mühen und Anstrengungen zu ertragen, an denen es oft nicht mangelt. Wir alle denken zwar viel an die ferne teuere Heimat, aber vor der Rückkehr aus Feindesland soll erst ein Friede erkämpft sein, der wert ist aller der Opfer, die gebracht werden, und der unserem Vaterlande eine Zeit ruhiger und segensreicher Entwickelung verbürgt für lange Zeit.
Gott segne Deutschland!
In vorzüglicher Hochachtung
Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener von Griesyeim,
Oberst und Kommandeur des Landsturmbataillons Hersfeld, Führer eines Landsturm-Regiments.
§ Heringen, 27. Januar. Einen erhebenden Verlauf nahm die K a i s e r s g e b u r t s t a g s f e i e r in der hiesigen Gemeinde. Nach einem gut besuchten Festgottesdienst, an dem auch der Kriegerverein mit Fahne teilnahm, fand am Abend im Gunkelschen Saale ein vom Vaterländischen Frauenverein veran- stalteter patriotischer Abend zum Besten unserer verwundeten Krieger statt. In vaterländischen Dichtungen, die von Frau Paula Schug, Fräulein Elfriede Wrede, Fräulein Kurth, Fräulein Rommel und Herrn Büchner mit viel Liebe und Begeisterung vorgetragen wurden, zog die große Zeit an uns vorüber. Herr Rechtsanwalt Dr. Rümann hielt die Kaiserrede. In lichtvoller klarer Weise schilderte er das gewaltige Völkerringen und brächte am Schlüsse seiner zündenden Ansprache ein mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Fräulein Luise Drücke erfreute die Zuhörer durch ihre mit klangvoller Stimme und feinem Verständnis vorgetragenen Lieder. Musik- vorträge der Herren Wilmers und Eisenkraut sowie die wohl eingeübten Chöre unserer Gesangvereine hoben die Feier. Das Schlußwort sprach Herr Pfarrer Trübestein, der den Erschienenen in warmen Worten die Fürsorge für unsere Verwundeten ans Herz legte. Der Abend ergab einen Ertrag von 150 Mk. für unsere verwundeten Krieger.
Eisenach, 28. Januar. Gegen den Rekruten Gustav Franz Nebelung, Schreiner, geboren am 22. November 1894 in Wvhlitz, Kreis Mersebura, der sich verborgen hält, ist laut Bekanntmachung des Bezirkskommandos in Eisenach die Untersuchungshaft wegen unerlaubter Entfernung verhängt. Es wird ersucht, ihn zu verhaften, in die nächste Militärarrestanstalt abzuliefern und dem Gericht der Landwehr-Inspektion zu Erfurt sofort Nachricht zu geben.
AeberMrung Gefallener nach der Heimat.
Das Kriegsministerium bringt folgende Bestimmungen über die Rückführung von Leichen Gefallener
vom Kriegsschauplatz nach der Heimat zur öffentlichen Kenntnis:
Gesuche um Rückführung von Leichen sind an das stellvertretende Generalkommando zu richten, das für den Wohnort des Gesuchstellers zuständig ist. In den Gesuchen muß dargelegt sein: 1. daß es sich um ein Einzelgrab handelt, Massen- und Reihengräber dürfen nicht geöffnet werden, 2. wo das Grab liegt; die Angabe muß so genau als irgend möglich sein, tunlichst ist eine Skizze beizufügen, bei kleinen, schwer auffindbaren Orten ist auf die nächste größere Ortschaft (Stadt usw.) Bezug zu nehmen, 3. wer die Ueber- führung bewirken soll; grundsätzlich muß ein Verwandter oder Freund zugezogen werden, der bei Agnoszierung der Leiche mitwirkt, bei Begräbnisanstalten ist deren Vertrauenswürdigkeit darzulegen, 4. daß sich der Gesuchsteller allen Bedingungen unterwirft, die von der Militärbehörde gestellt werden.
Für die Genehmigung geeignete Gesuche geben die stellvertretenden Generalkommandos an die Etappeninspektionen weiter, in deren Bereich das Grab liegt Gesuche von Ausländern gehen durch den Generalquartiermeister im Großen Hauptquartier an die Etappeninspektion. Die Entscheidung der Etappeninspektion wird an das stellvertretende Generalkommando zurückgeleitet, das den Gesuchsteller bescheidet und im Genehmigungsfall einen Geleitschein ausstellt. Reise und Ueberführung dürfen nur mit der Eisenbahn und Pferdefuhrwerk geschehen. Die Verwendung von Kraftwagen ist verboten. Die Beförderung der Leichen auf den im Militärbetrieb befindlichen Bahnen erfolgt frachtfrei, auf den übrigen Bahnen nach den Bestimmungen der Verkehrsordnung. Für Ueberführung der Leichen der an übertragbaren oder gemeingefährlichen Krankheiten Verstorbenen gelten die gleichen Bestimmungen wie im Frieden.
Es wird darauf hingewiesen, daß die Rückführung von Leichen während des Feldzuges äußerst störend wirkt und die im Felde stehenden Kommandostellen usw. stark belastet, daß anderseits das Gelingen stets fraglich bleibt, abgesehen, ton den Schwierigkeiten und Gefahren, die der Unternehmer zu überwinden hat. Die Rückführung von Leichen vom Kriegsschauplatz nach der Heimat muß daher auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben.
Der für sein Vaterland Gefallene — dies mag noch ganz besonders betont werden — ruht am ehrenvollsten im Soldateugrab, wo er stritt und fiel, inmitten seiner Kameraden, deren Ruhe nicht um Eines willen gestört werden darf. Kameraden haben dort an vielen Grabstätten bereits harmonisch wirkende Anlagen geschaffen, die erhalten bleiben sollen.
I Jrde warme Decke schützt einen Soldaten vor Erkrankung!
Durch die Lupe.
(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)
Unentschieden aller Orten — tobt der Kampf zwar immer noch, — aber Deutschlands, Oesterreichs Aussicht — bessert sich beständig doch — und man kann schon heut' behaupten, daß in nicht zu langer Frist — wohl bereits für Deutschlands Fahnen — der Erfolg gesichert ist. — Denn mit ungeschwächten Kräften — steht noch heute kampfbereit — Deutschland gegen seine Feinde — nach der langen Kriegeszeit, — während kaum die Zahl zu nennen — von des Gegners Kraftverlust, — hat bei uns die Kunst der Aerzte — tausendfachen Rat gewußt, — gegen zwei Millionen Menschen, — die der Feind verlor bis jetzt, — werden auf der deutschen Seite — kaum ein fünftel angesetzt, — und des Feindes Menschenmenge, — die zuerst uns fast erdrückt, — sind wir mit der eignen Anzahl — nunmehr ziemlich nahgerückt. — Darum soll mit Gottvertrauen — jeder in die Zukunft sehn, — wo mit jedem Tage besser — Deutschlands, Oesterreichs Chancen stehn. — Schon bereitet sich im Osten — Rußland letztes Drama vor, — auch vom Westen dringt die Kunde — ausfichtsvoll zu unsrem Ohr — und auf Englands eig'nem Boden — haben, was es me gedacht, — Deutschlands brave Zeppeline - Tod und Elend ihm gebracht. — Englands Seemacht, die im Frieden — fast unüberwindlich schien, — sieht man ängstlich vor dem Kampfe — mit der deutschen Flotte fliehn, — hat auch unsere eigne Flotte — Opfer bringen schon gemußt, — Jetjufen dafür wir dem Briten — unersetzlichen Verlust. — Und aus tiefstem Herzen hoffen — alle wir, daß hundertfach noch der Tod und das Verderben — über England kommen mag. — — Schonung und Entgegenkommen — gönnen wir dem Briten nicht — und des Krieges Weltgeschichte — werde ihm zum Weltgericht.
Walter-Walter.
Verfolgt Euch mit Vorrat an Smwciucfleisch-Tautrwart!