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Der Balkan.

Die militärischen Vorbereitungen Rumäniens.

'0* Kopenhagen, 27. Janum. (T. U.) Tem „Ruß- koje Slowo" wird nach einer Melönng der „Bl. Mp " aus Sofia berichtet, daß -ie rumänische Regierung offi­ziell Bulgarien verständigt bat, die militärischen Vor­bereitungen Rumäniens seien durchaus nicht geaen Bulgarien gerichtet. Nach der gleichen Quelle wird der Ankauf von Kriegsmaterial energisch und in großem Umfange fortgesetzt.

Der Krieg zur See.

Feindliche Unterseeboote bei Rügen.

... Berlin, 26. Januar. (WTB.) Wie wir von zu­ständiger Stelle erfahren, ist am 2o. Januar der kleine Krenzer „Gazelle" in der Nähe von Rügen durch ein feindliches Unterseeboot angegriffen und durch einen Torpedoschuß verletzt worden. Die erlittenen Beschadi- guMbn sind gering. Der Kreuzer ist in einem deutschen Ostieehafen eingetroffen. Menschenverluste sind nicht eingetreten.

Weiter meldet der Draht:

<^ Stockholm, 27. Januar. (T. U.) Die „Verl. Mp." meldet: Der deutsche Fährdampfer, der um 1,30 Uhr von Trelleborg nach Satznitz abgeht, kehrte um 3,40 Uhr in den schwedischen Hafen zurück, da er unterwegs Kenntnis erhalten hatte, im Fahrwasser vor Arkona bei Rügen seien Unterseeboote gesichtet worden. Aus glei­chem Grunde erhielt der in Satznitz zur Abfahrt bereite schwedische Fährdampfer den Befehl, nicht auszulaufen.

^ Stockholm, 27. Januar. (T. U.) Z« dem Auf- tauchen feindlicher Unterseeboote vor Rügen wird nach der „Bl. Mp." noch gemeldet: Um 2 Uhr gestern mittag tauchten vor Rügen zwei feindliche Unterseeboote auf und beschossen die dort stationierten deutschen Kriegs- fahrzenge. Der kleine Kreuzer „Gazelle" wurde durch einen Torpedoschutz getroffen nnd beschädigt. Der Kreu­zer konnte sich jedoch mit eigener Kraft nach Arkona be- geben. Es scheint Grnnd zur Annahme, daß es nicht englische, sondern rnssische Unterseeboote waren, die un­ter dem Befehl englischer Offiziere standen.

Den Verlauf -er Nor-seeschlacht schildert „Daily Mail" folgendermaßen: Die Geschütze eröffneten das Feuer auf die „Blücher", die, das lang­samste Schiff des deutschen Geschwaders, zum Schluß fuhr. Die Hinteren Schiffe sollen mit ihren Berdeckkanv- nen gleichfalls auf „Blücher" gefeuert haben, so daß dies Schiff unter ein mörderisches Feuer gekommen sein muß. Die englischen Schiffe konnten den Abstand von der feindlichen Flotte nicht mehr verringern. Die Ge­schosse der „Blücher" konnten zwar unbeschlitzte Teile der englischen Schiffe zerstören, aber ihre Panzerung nicht durchdringen. „Blücher" soll von einem Eisenregen überschüttet worden sein, und als eine 34 Zentimeter- Granate explodierte, wirkte dies wie die Eruption eines Vulkans. Vermutlich ist „Blücher", nachdem sich die englischen Schiffe auf ihn eingeschossen hatten, zurück­geblieben und war so der Wirkung der Granaten über der Wasserlinie am meisten ausgesetzt, bis er sank.

Wie das Haager „Handelsblad" in einer Privat- meldung mitteilt, haben sich die englischen Panzerkreuzer „Prinzeß Royal" und „New Zealand" ins Dock bege- ben zur Ausbesserung der in der Seeschlacht in der Nord­see erlittenen Beschädigungen.

Noch ein englischer Schlachtschiffverlnst?

Neuyorker Blätter veröffentlichen wie die „Berl. Börsenzeitung" berichtet, eine Unterredung mit Gorge Rothweiler aus Chikago, welcher vor einiger Zeit von einer Geschäftsreife aus Europa zurückkehrte und bet seiner Ankunft in Neuyork erklärte, daß außer dem eng­lischen Dreadnought „Audacious" noch ein anderes Schlachtschiff einem deutschen Unterseeboote zum Opfer fiel. Die „Neuyorker Staatsztg." veröffentlichte diese Unterredung in folgender Fassung: Die Mitteilung, daß in der Nähe der Stelle, an der das britische Schlachtschiff „Audacious" einem deutschen Unterseeboote zum Opfer fiel, auch der „Thunderer", ebenfalls eins der neuesten Schlachtschiffe, torpediert worden und gesunken sei, machte gestern Herr George Rothweiler aus Chikago, der von einer Geschäftsreise aus Europa an Bord des Dampfers „St. Louis" zurückkehrte. Ein Teil der Mannschaft des britischen Panzerriesen sei von einem schwedischen Handelsschiffe zwischen Schweden und Eng­land aufgefischt worden und dann zur Heimreise auf das Schiff, auf dem er sich selbst befand, gebracht wor­den. Von diesen habe er die Mitteilung erhalten. Weiter erzählte er, daß der Passagierdampfer „Earl of Aber- deen", der zwischen Aberdeen und Holland verkehre, habe ein britisches Unterseeboot überfahren nnd zum Sinken gebracht. Der Kapitän sei eingesperrt worden. Die Schweden, sagte Herr Rothweiler, wurden nach dem Untergang des „Thunderer" gefangen genommen und etwa zwei Wochen interniert gehalten, damit über das Unglück, das die britische Flotte betroffen hatte, nichts verlaute. Von vier englischen Torpedobooten, die dem sinkenden Panzerkreuzer zu Hilfe eilen wollten, sollen zwei das deutsche Unterseeboot verfolgt und gerammt und es zum Sinken gebracht haben.

Der Krieg in den Kolonien.

Overstlentnant von Heydebreck gefallen.

Der Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch- Südwestafrika, Oberstleutnant von Heydebreck, ist, wie die „L. N. N." melden, nach jetzt eingelaufenen Mitte­lungen am 12. November in der Kolonie im Kantpfe gegen -ie Engländer gefallen.

Reichsschatzsekretär Helfferich über die

Entstehung des Weltkrieges.

Rußland ist -er Brandstifter. — Frankreich und England die Mitschnldigen.

Berlin, 26. Januar. (WTB.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht einen Artikel des neum Staatsse^ des ReiMchatzamtes Helffe- rich, über die Entstehung des Weltkrieges. Es werden das englische Blaubuch, das russische Orangebuch und das französische Gelbbuch einem sorgfältigen Studium unterzogen. Helfferich beleuchtet die allgemeine russische Mobilmachung als eine angebliche Antwort auf die mili­tärischen Maßnahmen Oesterreich-Ungarns, die angeb­lichen militärischen Maßnahmen Deutschlands gegenüber Rußland, sowie die Weigerung Oesterreich-Ungarns, eine Intervention der Mächte zuzulassen. Er hebt Her­vor, daß von russischer Seite angesichts der auf deutsches Betreiben zutage getretenen Nachgiebigkeit der öster­reichisch-ungarischen Regierung alle Brücken sum Frie­den abgebrochen wurden. Die nraßgebenden russischen Kreise haben den Krieg gewollt. Sodann beschäftigt sich der Artikel mit Frankreich und England als Mttichul- d^aen Rußlands. Der englische Botschafter in Peters­burg hatte am 24. Juli erklärt, die britischen Interessen in Serbien seien gleich Null und ein Krieg wegen dieses Landes werde niemals durch die öffentliche englische Meinung sanktioniert werben. Frankreich hatte am Abend des 29. Juli, nicht früher und mcht spater Ruß­land die vorbehaltlose Erklärung der Waffenhilfe avge-

gevett. Der Artikel weist darauf hin, daß das die Folge einer Unterredung Sir Edward Greys mit dem franzö­sischen Botschafter Cambon am Vormittag des 29. Juli war, worin Grey Cambon ankündigte, er wolle dem

Botschafter sagen, sich nicht durch den freund­schaftlichen Ton früherer Unterhaltungen zu dem Glau­ben verleiten zu lassen, daß England beiseite stehen würde, rverm alle Anstrengungen, den Frieden zu er­halten, die England damals in Gemeinschaft mit Frank- re'ch machte, scheitern sollten. In der belgischen Neu- tralitat suchte Grey den Ausgangspunkt, um Kabinett und öffentliche Memung in den Krieg zu führen. Das englische Kabinett hatte so stark für ein sofortiges be- wannetes Eingreifen an der Seite Frankreichs sich fest- gelegt, daß es nicht mehr zurück konnte. Aus der Durch­leuchtung der Dokumente des Dreiverbandes zieht Staatssekretär Helfferich die schließliche Folgerung: Auf Grund der unbestreitbaren, durch diese offiziellen Ver- öffentlichmigen selbst bestätigten Zusammenhänge wird vor dem Richterstuhl der Geschichte die Behauptung, daß Deutschland den Krieg gewollt und verursacht habe, in nichts zerfallen. Rußland ist der Brandstifter, Frank­reich nnd England sind als die Mitschuldigen erwiesen.

krleüsallerlei.

Mitten wir im Leben sind.

Der „Lodzer Zeitung" wird geschrieben: Neben den Verschanzungen liegt Stacheldraht und davor liegen zahlreiche Leichen. In der Nähe liegt die Leiche eines russischen Soldaten, eines Polen, er ist gestorben, wäh­rend er betete, denn in seinen Händen befinden sich noch der Rosenkranz und neben ihm liegt eine Medaille mit bem Bildnisse der Mutter Gottes. Nicht weit davon liegt die Leiche eines deutschen Soldaten, gleichfalls eines Polen. Ihn traf die tödliche Kugel in dem Augen­blick, als er einen Brief-an seinen Vater schrieb. Er hatte gerade erst den Brief datiert und den Anfang geschrie­ben: „Lieber Vater! Ich bin gesund . . ."

Verfälschte Nahrungsmittel für -as englische Heer.

, Die „Franks. Ztg." meldet aus London: Die be­kannte Nahrungsmittelfirma I. Lyans u. Co. wird ge­richtlich verfolgt, da sie angeklagt ist, für das Heer große Lieferungen schlechten Fleisches gemacht zu haben. Es wurden eine größere Anzahl von Zeugen verhört, die sehr zum Nachteil der Firma aussagten. Die Verhand- luitgen sind noch nicht zum Abschluß gebracht. Auch die Firma Wright wurde gerichtlich verfolgt, die sie 40 000 Pfund Butter für das englische Heer in Frankreich lie­ferte, die mit Milchpulver verfälscht war. Der Kontrakt der Firma lautet auf 152 000 Pfund Butter.

Unsere Eisenbahner in Feindesland.

Die „Voss. Ztg." entnimmt einem Feldpostbrief: Wenn es uns Eisenbahnern auch nicht vergönnt ist, große Siege zu erringen, so sind wir doch diejenige Truppe, die in diesem Feldzuge eine große Rolle spielt. Unsere Hauptaufgabe ist es, Bahnen und Brücken zu zerstören und wiederherzustellen. So haben wir z. B. die Strecke Wien—Warschau, welche von den Russen vollständig zerstört worden war, in kurzer Zeit wieder hergestellt und den Betrieb ausgenommen. So war es uns möglich mit Hilfe eines Panzerzuges bis 40 Kilo­meter vor Warschau den Betrieb aufzunehmen und un­sere kampfenden Kameraden in der Front auf schnellem Wege wieder mit Munition und Proviant zu oerforgen. Da die russischen Eisenbahner auch einen solchen Pan­zerzug besaßen und versuchten, die von ihnen zerstörte Bahn von Warschau aus wiederherzustellen, liefen un­erwartet die beiden Züge in einen Bahnhof ein. Aber lerder war es uns nicht möglich, den russischen Panzer­zug zu kapern, da er dampfartig die Flucht ergriff und lerne Geräte im Stich ließ. Aber nach einigen Tagen ist es unserer Artillerie gelungen, denselben in Klump zu schießen. Unsere Infanterie und Artillerie, die mit wenigen Kräften nicht imstande war, dem an Zahl weit überlegenen Feind entgegenzutreten, mußten sich wie­der zurückziehen. Auch wir haben dabei unser Möglich­stes getan und haben die ganze Bahnlinie bis kurz an der deutschen Grenze in die Luftgesprengt unter Deckung der Infanterie und Artillerie.

Feindliche Spitznamen für deutsche Geschosse.

Man schreibt der „Frkf. Ztg.": Unsere Gegner im Westen entwickeln eine große Fähigkeit in der Erfindung von Spitznamen für das deutsche Kriegsmaterial, mit dem sie in Berührung fommen, und namentlich der bri­tische Soldat leistet darin Erhebliches. Da er dann un­ter keinen Umständen mehr die eigentliche Bezeichnung braucht, so ist es für Neuhinzukommende oft verwir­rend, diese Fülle neuer Ausdrücke in sich aufnehmen zu müssen. So nennt er den Minenwerfer der „deutschen Leichenbitter", die Flugzeugabwehrkanone den „Archi- bald", und eine gewisse Art von deutschen Schrapnells den „Wollbär", weil das Geschoß dicken weißen Rauch entwickelt. Seine eigene Artillerie benennt Tommy Atkins auch mit liebevollen Namen. Eine schwere Hau­bitze z. B., deren öuRpser Ton durch alle anderen hör­bar ist, heißt er „Mutter", eine andere, die durchaus kei­ne Qualifirationen für ihren Spitznamen hat, „Baby". Auch die Franzosen haben ihre Namen für die deutschen Geschosse. Die schwere Felöhaubitzengranate, die die Engländer „Jack Johnson" nennen, heißen sie „Koch­topf".

Politische Rundschau,

Der Wechsel im Reichsschatzamt. Der „Reichsan­zeiger" meldet: S. M. der Kaiser und König haben ab lergnädigst geruht: dem Staatsminister Kuehn mit Ab­lauf des 31. Januar d. Js. auf seinen Antrag von seinen Aemtern unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers zu entbinden und ihm die Brillanten zum Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und der Königlichen Krone zu verleihen. Den Direktor der Deutschen Bank, Wirklichen Legationsrat Professor Dr. Helfferich, unter Verleihung des Charakters als Wirk­licher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes zu ernennen und mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Geschäfts­kreise des Reichsschatzamtes dach Maßgabe des Gesetzes vorn 17. März 1878 zu beauftragen.

Der österreichisch-ungarische Minister -es Aentzeren, Freiherr von Bnrtan, der wie gemeldet im Großen Hauptquartier weilte, hatte mit dem Reichskanzler eine längere Unterredung. Am 25. Januar folgte er einer Einladung des Kaisers zum Frühstück. Sodann hatte er eine Besprechung mit dem Chef des Generalstabes des Feldheeres, General der Infanterie von Falken- Hayn. Am Abend speiste Freiherr von Burian bei dem Reichskanzler und trat sodann die Rückreise an. Dem Vernehmen nach hat der Kaiser den österreichisch-unga­rischen Minister durch die Verleihung des Schwarzen Adlerordens ausgezeichnet.

Die Sicherung unserer Ernährn«.

Ueber die Verfügung des Bundesrates betreffend die sofortige Monopolisierung der Getreidevorräte schreibt Georg Bernhardt in der „Voss. Ztg." u. a.: Immer und immer wieder ist der Bevölkerund gevre-

W worMn, daß wir mit dem Brot, wenn wir bis zur nächsten Ernte reichen wollen, ehrerbietig und sparsam umgehen müssen. Tausende unter uns sind dieser Mah­nung gefolgt. Aber ebenso haben viele, viel zu viele unserer Volksgenossen, weil sie sahen, daß das Brot nach wie vor billig und schmackhaft zu haben ist, die @tnF schrankung den anderen überlassen. Es ist eben durch­aus noch nicht allen deutschen Staatsbürgern das Be­wußtsein für die Pflichten aufgegangen, die jeder unter uns tm Kriege zu üben hat. Damit, daß man die Nach- rrchten oom Kriegsschauplatz liest und daß man am L-tammtiub genau erzählt, wie man dies oder jenes hätte besser machen können als dieser ohne jener Heerführer, oder diese oder jene Behörde, sind die Kriegspflichten der Daheimgebliebenen keineswegs erschöpft. Es kommt auch letzten Endes nicht darauf an, ob etwas mehr oder weniger für das Brot bezahlt werden muß, sondern da- rauf, daß diejenigen, die sich weise beschränken, nicht schließlich durch die Selbstsucht und die Unersättlichkeit EMl.sirem die keine Pflichten übernehmen wollen, Man­gel leiden müssen. Da die Vernunft vief zu vieler ver­sagt hat, bleibt eben kein anderes Mittel als der Zwang, ^aß der Zwang wenigstens jetzt schon ausgeübt wird, ist gut, denn noch sind unsere Vorräte im Lande so zahl-

bas jetzige schnelle Eingreifen der Regierung uns die tröstliche Gewißheit zu bieten vermag, daß wir wirklich mit unseren Beständen bis zur nächsten Ernte ausreichen.

In demselben Sinne führt das „B. T." aus: Prüft man die Frage, ob so einschneidende Bestimmungen notwendig waren, so muß man zu einer Bejahung kommen, denn gleichviel, ob unsere Vordäte relativ groß oder klein sind: eine weitgehende Vorsorge für die Zu­kunft war notwendig, und es ist nur zu bedauern, daß man sich erst mit halben Maßregeln abgegeben und da­durch kostbare Zeit und — kostbare Werte vergeudet hat. Mencherlei Unbequemlichkeiten werden sich aus den neuen Bestimmungen ergeben: jeden Einsichtige wird aber gern die ihm auferlegten Opfer tragen, wenn er sich an die Worte hält, die sich in dem Erlaß des Staats- ministeriums finden und die hier noch einmal wieder­holt seien: „Die getroffene Maßnahme gibt uns die Sicherheit, daß der Plan unserer Feinde, Deutschland auszuhungern, vereitelt ist."

Wie es jetzt in Tsingtau aussieht.

Ein Leser der holländischen „Tijd", Limburger von Geburt, sendet dem Blatte aus Tsingtau folgende Schil­derung der dortigen Lage nach der japanischen Er­oberung:

. Hier in der Stadt geht wieder so ziemlich alles seinen geregelten Gang. Man muß zugeben, daß die Japaner sich anständig betragen. Zu Anfang gaben sie militärische Gutscheine aus, die in Zahlung genommen werden mußten, gegenwärtig werden diese Scheine jedoch wieder eingewechselt. Seit Beginn dieses Monats sind die Chmesen, die geflohen waren, wieder allmählich zu- rückgekehrt,- weitere Japaner sind eingezogen. Die ja­panischen Behörden gewähren nicht jedermann Einlaß in die Stadt, weil sie befiirchten, daß sich zuviel Jan­hagel herbeiörängt,- auch die Japaner, die in die Stadt wollen, werden gehörig gesiebt und erhalten dann einen Patz. Es stehen noch imer japanische Posten an den Straßenecken,- auf meinen Gängen zum Gasthof be­komme ich hier und da den Ruf einer Schilöwache zu hören, der einem „Halt, wer da!" entsprechen dürfte, und . dann habe ich mich still zu halten, bis der Mann mir urchlaß gewährt. Wenn er sieht, daß er mit einem Euro­päer zu tun hat, dann mag man durch: Japaner müssen übrigens recht häufig ihren Patz vorzeigen. Die schönen Straßennamen Augusta Viktoria, Prinz Heinrich usw. sind verschwunden: es sind jetzt japanische Namen an­gebracht, die ich vorläufig noch nicht zu lesen vermag. Auch haben die Japaner sämtliche staatlichen Gebäude bezogen und richten sich dort bestens ein. Der größte Teil der Truppen ist wieder weg. Es sind hier nur mehr einige tausend Mann japanische Besatzungstruppen zu­rückgeblieben. Unser Geschäft ist offen geblieben wie gewöhnlich, es war namentlich der Laden lebhaft be­sucht. In Uhren madjen wir gute Geschäfte. Von Zeit zu Zeit morde ich herbeigerufen, um mit meinen Sprach- kenntnissen auszuhelfen. Auf der Bahn nach Tsinartfu verkehren die Züge wieder: da jedoch zahlreiche Brücken zerstört sind, braucht man gegenwärtig dorthin drei Tage gegen früher einen Tag. Die Deutschen hatten an der Einfahrt des eigentlichen Hafens zwei große Schiffe ver­senkt, die dort als Versperrung dienen, infolgedessen müssen die Schiffe auf der Reede bleiben, wo die Güter auf kleinere Schiffe übergeladen werden. Es sind je­doch nur japanische Boote, die Güter für die Behörden einbringen. Denn bis wieder Handelsschiffe aus- und entfahren, werden wohl noch Monate vergehen. In dieser Hinsicht haben die Japaner durchaus keine Eile.

Das holländische Blatt enthält weiter aus Tsingtau einen kur en Bericht des Vorstehers der Oblaten-Mis- sion (Steyl) von Tsingtan über die Erlebnisse der Mis­sionsangehörigen während der Beschießung. Sie muß= ten sich in die Keller flüchten, insbesondere in den der Agentur der Hamburg-Amerika-Linie, deren Gebäude besser geschützt war als das eigene. Acht Tage wohnten sie im Keller, wo sie dann auch Gottesdienst hielten. Die bet ihnen weilenden christlichen Chinesen weinten, wenn geschossen wurde, und wurden auf den Ton vorbereitet.

(Köln. Ztg.)

Keuointion in portnaal?

Lyon, 27. Januar. (T. u.) Der Lyoner „Re- publicain" teilt mit, das gesamte portngiesische Kabinett hat demissioniert. General Piments Castro hat vor­läufig den Vorsitz im Ministerium und die provisorische Führung sämtlicher Portefenilles übernommen.

Zürich, 27. Januar. (T. II.) Die „Neue Zürcher Zeitung" hat nach Meldung der „Bl. Mp." ein wahr­scheinlich chiffriertes, äußerst lakonisches Privattele- gramm aus Lissabon erhalten, das meldet: In Portugal sei die Revolution ausgebrochen und habe die Regierung gestürzt. Ob eine andere republikanische Negierung ein­gesetzt oder die Monarchie wieder hergestellt worden ist, geht aus der Meldung nicht hervor.

Weitere Drahtnachrichten,

Schweres Unglück in Johannisthal.

Berlin, 27. Januar. (T. U.) In Johannisthal hat sich gestern nach dem „B. T." ein schweres Unglück ereignet, das den Tod dreier Flieger zur Folge hatte. Gegen 2 Uhr nachmittags war der Flieger Müller, der erst vor einigen Tagen das Pilotenexamen bestanden hatte, aufgestiegen und verließ das Flugfeld in der Richtung auf den Teltowkanal. Kurz vorher war Feld­webel Konrad mit Leutnant Boemer zu einem Runö- fluge aufgestiegen. In einer Höhe von 50 Metern stießen beide Flugzeuge zusammen. Der Zusammenprall war so stark, daß beide Apparate in der Luft zerschellten und M Boden stürzten. Alle drei Flieger kamen unter die Trümmer des Flugzeuges zu liegen und waren so­fort tot.