erklären, wenn kürzlich in 6er Presse des feindlichen Auslandes allen Ernstes behauptet wurde, Deutschland habe an Toten, Verwundeten und Gefangenen 1,200,000 Mann verloren, und wenn ein ganz besonders gut „unterrichteter" Gewährsmann sogar von 2 Millionen wissen wollte.
Wir möchten unseren Gegnern empfehlen, unsere sehr gewissenhaft aufgestellten Verlustlisten zu studieren; sie werden sich dann zu ihrem Schmerz von der völligen Unhaltbarkeit dieser Ziffern überzeugen. Es ist nicht nötig, hier alle feindlichen Uebertreibungen zu entkräften. Nur eine ganz besonders dreiste Entstellung sei Herausgegrissen. Durch die Presse ging die Meldung, daß Rußland bisher 1140 Offiziere und 134 700 Mann von uns zu Gefangenen gemacht habe. Demgegenüber konnte unsere Heeresleitung feststellen, daß die Zahl unserer Vermißten auf dem östlichen Kriegsschauplatz im Höchstfälle 15 Prozent, also nicht einmal ein Sechstel dieser Summe, beträgt.
Wenn wir, wie es nicht anders zu erwarten war, in diesem gewaltigen Kriege erhebliche Verluste hatten, so kann das bei der todesmutigen Betätigung des Angriffsgeistes unserer Truppen nicht überraschen. Es steht aber fest, daß unsere gesamten Verluste an Toten, Verwundeten, Kranken und Vermißten kaum die Ziffer der in Deutschland kriegsgefangenen Franzosen, Russen, Belgier und Engländer übersteigen. Auch darf man nicht vergessen, daß unsere Listen viele Tausende von Leichtverwundeten enthalten, die jetzt längst zur Front zurückgekehrt sind. Viele davon wurden inzwischen schon zum zweiten Male verwundet. Da sie somit doppelt in den Listen erschienen sind, bleibt die wirkliche Zahl unserer Verlustliste also erheblich hinter der zurück, die sich durch eine einfache Addition ergeben würde. Der Prozentsatz der felddieustfähig wiederher- gestellten Verwundeten ist überdies dank unseren vorzüglichen Sanitätseinrichtungen außerordentlich hoch.
Die Hoffnung unserer Feinde, daß Deutschlands Widerstandskraft durch seine Abgänge mehr geschwächt sei als die seiner Gegner, ist also trügerisch. Schon der Umstand, daß unsere Feinde allein an Gefangenen fast ebensoviel eingebüßt haben, wie unser Gesamtverlust beträgt, läßt klar erkennen, auf welcher Seite man in Wirklichkeit Grund hat, mit ernster Sorge in die Zukunft zu blicken.
Der Türkenkrieg.
Die Lage im Kaukasus.
Petersburg, 24. Januar. (WTB.) Mitteilung aus dem Stäbe der kaukasischen Armee: In der Gegend jenseits des Tschorekh setzten unsere Truppen ihre erbitterten Kämpfe gegen die Türken fort, die in gut verstärkten Stellungen stehen. Auf den anderen Fronten keine erheblichen Zusammenstöße, nur das übliche Feuergefecht.
^ Konstantinopel, 25. Januar. (WTB.) Im Gegensatz zu dem russischen Bericht stellt der „Tanin" fest, daß der Versuch der Russen, den linken Flügel der türkischen Armee bei Olty zu umgehen, an der Tapferkeit der türkischen Truppen gescheitert sei. Sie hätten nur einige unbedeutende Punkte aus taktischen Gründen geräumt, aber sonst den Boden, den sie auf russischem Gebiet besetzt hätten, nicht aufgegeben. Die russischen Verluste seien doppelt so groß als die bisherigen eigenen Verluste.
Der Krieg in den Kolonien.
Die Buren gegen den Dienstzwang.
Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: Die „Pretoria Volksstem" veröffentlicht einen Brief des Buren Frouwtje aus Henterdon, der die Stimmung der Buren im allgemeinen wiedergibt und auszugsweise lautet: Wir hatten unsere Freiheit, unsere Fahne, unsere Selbständigkeit verloren, aber dafür war uns gesagt worden, daß wir eine große persönliche Freiheit gewonnen hätten. Dies sei das Hauptmerkmal britischer Staatskunst. Kein Mensch würde unter britischer Herrschaft zum Militärdienst gezwungen. In unserem Land wie in allen britischen Gebieten müsse sich der Bürger einzig und allein dazu verpflichten, sein Land zu verteidigen. Wohlverstanden: Verteidigen! Mit welchem Recht will man uns nun nach Deutsch-Südwestafrika in den Kampf schicken? Wie kommen wir dazu, gegen die Deutschen einen Angriff in Nakob auszuführen? Das ist ein trauriges Erwachen, wenn wir so schnell unsere Ideale persönlicher Freiheit beim geringsten Anlaß mit Füßen getreten sehen. Das Volk wünscht keine Eroberung zu machen, es überläßt der Regierung, das selbst zu tun, wenn sie es will. Aber dann soll sie sehen, wo sie die nötigen Menschen hernimmt, um es zu erreichen.
Die Neutralen.
Der Nobelpreis für König Gustav.
o-r Moskau, 25. Januar. (T. u.) „Golos Moskwy" erfährt aus Stockholm, daß der diesjährige Nobelpreis für den Frieden König Gustav zuerkannt werde. Das Preiskomitee besitze Handhaben dafür, daß der König von Schweden durch die Herbeiführung der Zusammenkunft der nordischen Könige in Malmö eine weitere Kriegsgefahr abgewendet habe. Wie groß sein Verdienst sei, werde sich nach dem Kriege Herausstellen.
Ein russisch -italienischer Zwischenfall?
Eine Meldung des Lyoner Blattes „Progrös" aus Paris besagt: Der russische Kreuzer „Askolö" hatte in der Nähe von Kalmun (?) bei Tripolis eine Schaluppe zur Einholung von Lebensmitteln an Land geschickt. Die Schaluppe kenterte. Die Ortsgendarmerie verhaftete die russischen Matrosen. Der Kommandant des „As- kold" verlangte die Auslieferung der Matrosen und drohte die Küste zu beschießen, falls sie binnen einer bestimmten Frist nicht ausgeliefert seien. Nach Ablauf der Frist wurde die Küste beschossen und eine Matrosen- abteilnng gelandet, der es gelang, die Matrosen zurück- zubringen.
Wenn sich diese Meldung bestätigt, so würde es sich um eine schwere Verletzung italienischer Hoheitsrechte in Tripolis durch die Russen handeln, die Italien sicherlich nicht gleichgültig hinnehmen würde. — Gleichzeitig meldet das Bukarester Blatt „Diminatea" einen
russisch-rumänischen Zwischenfall.
Die Meldung des rumänischen Blattes lautet: In Szuczava hat der russische Kommandant den Stationschef von Bordujeni aufgefordert, die an der Station stehenden österreichischen Eisenbahnwaggons auszufol- gen. Der rumänische Stationschef hat diese Forderung mit der Begründung abgelehnt, daß die Herausgabe der Waggons eine Verletzung der rumänischen Neutralität bedeuten würde. _
Auch hier wird man genauere Berichte abzuwarten Haben.
Krlegsallerlel.
Des Kaisers Dank an die Helden von Tsingtan.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Die deutsche Gesandtschaft in Peking hat laut brieflicher Meldung den folgenden Befehl des Kaisers erhalten:
„In.wärmster Anerkennung für die heldenmütige Verteidigung Tsingtaus verleihe Ich Kapitän znr See Meyer-Waldeck das Eiserne Krenz erster Klasse und behalte Mir vor, in weitgehendem Matze auch die Offiziere und die Besatzung der Festung zu belohnen, ebenso die Tapferen von der „Kaiserin Elisabeth". Sie alle werden aber den schönsten Lohn in der Bewunderung finden, die ihnen über die Grenzen des Heimatlandes hinaus gezollt wird. Mit Freude habe Ich vernommen, datz die Verluste verhältnismäßig gering sind. Die Namen der Gefallenen und Verwundeten sind so bald wie möglich zu telegraphieren. gez. Wilhelm I. R.
Die reiche Weihnachtsbescherung nnserer Truppen.
Wie bereits am 21. ö. Mts. bekanntgegeben worden ist, findet im Januar keine Annahme von Feldpaketen durch die Militär-Paketdepots statt. Veranlaßt wurde diese Maßregel durch die überreiche Versorgung der Truppen mit Feldpaketen und Liebesgaben anläßlich des Weihnachtsfestes. Durch Militär-Paketdepots gingen nicht weniger als 8% Millionen Weihnachtspakete, dazu kamen Millionen von Liebesgabenpaketen. Vielfach konnten die Truppen die ihnen zugegangenen Pakete kaum bewältigen. Da ferner im Osten noch nicht einmal alle Pakete den Truppen zugeleitet werden konnten, hat sich das Kriegsministerium veranlaßt gesehen, die im Januar beabsichtigte Annahme von Feldpaketen nicht stattfinden zu lassen. Etwa Mitte Februar werden dagegen die Militär-Paketdepots dauernd geöffnet werden. Die darauf bezüglichen Bekanntmachungen werden in Kürze erfolgen.
Ein belgischer Lehrer über die deutschen Truppen.
Das katholische holländische Blatt „Zentrum" veröffentlicht einen Brief eines Lehrers, der an der Bürgerschule eines belgischen Städtchens in der Nähe von Löwen tätig ist. Der Lehrer schreibt: In. diesem Augenblick liegt hier der Landsturm von Sch. in Garnison. Die Deutschen betragen sich anständig und verursachen uns keine Last. Wir sind beauftragt, dreimal in der Woche dem Kommandanten und seinen Offizieren Unterricht im Niederländischen zu geben. Das ist ein Beispiel von der deutschen Einsicht und zugleich eine Lexion für unsere belgischen Französlinge.
ZeintSicher Iucchd«chr»eri»ch.
Ein Kompagnieführer schreibt aus dem Westen: 29. 12. 14. Wir haben Schweres hinter uns; eine ganze Woche im ununterbrochenen Kampf mit einem stark überlegenen Feinde, der uns, zumal durch seine ungeheure artilleristische Uebermacht, niederzuringen suchte. Wir haben standgehauen, aber wir alle waren stunden- und tagelang in den Armen des Todes. Das Donnern der Kanonen war zum unaufhörlichen Rollen geworden. Granaten und Schrapnells zerstörten unsere kunstvollen Erdbesestigungen. Aber keiner von uns floh, alle haben ausgeharrt. Außerdem hatte der Gegner an zahlreichen Punkten unsern Schützengraben unterminiert und sprengte ihn in die Luft; wir wurden furchtbar geschaukelt. In die Sprenglöcher sprangen sofort französische Pioniere und verschanzten sich darin. Sechs Tage und sechs Nächte haben wir in ständiger Schlacht gelegen, die zum Teil erbitterter Nahkampf war (18.-24. Dezember). Kein Wunder, daß von Weihnachten nie die Rede war.
Aus dem Munde von Gefangenen, deren wir ungefähr 300 gemacht haben, erfuhren wir, daß ein ganzes Korps gegen nnsere Brigade eingesetzt war. Die gewaltige Leistung des Regiments besteht darin, daß dem Feind der mit gewaltigen Mitteln vorbereitete Durchbruch nicht gelungen ist. Wir haben ausgehalten und dem Gegner weit größere Verluste beigebracht, als er uns. Ich bin die ganze Zeit in vorderster Linie gewesen, habe aber von meiner Kompagnie nur 17 Mann verloren. Wie prächtig waren meine Kerls, fast jeder ein Held! Aber immer wieder warfen sie ihre Blicke auf mich, als wollten sie in meinen Augen lesen: Hilfe, Hoffnung, Zuversicht und Tapferkeit. Und dies ermähnte mich, wenn ich unablässig anfeuernd durch den Graben lief, mich trotz aller Müdigkeit höher aufzu- richten, den Leuten zuzureden, einen Scherz zu machen, für dies oder jenes Interesse zu bekunden, was mir eigentlich in diesem Augenblick ganz gleichgiltig war. Das waren Stunden, wo zum Beten keine Zeit war, wo die Tat Gebet war!
Der Feind kam nur an einigen Stellen vor, verblutete sich an nnsetm Drahtverhau und sandte weiter, immer weiter seinen furchtbaren Eisenhagel über unsere Leute. Am 24., abends 8 Uhr, wurden wir von einer anderen Brigade abgelöst. Weihnachtsabend! Aber uns war nicht zum Feiern zu Mute! Die bis dahin krampfhaft gespannten, überreizten Nerven versagten weitem Dienst. Und eine andere Nachricht erreichte uns am Weihnachtsabend, eine große Trauerbotschaft. Unser Oberst, an dem Offizier wie Mann wie an einem Vater hingen, als Mensch wie als Soldat eine gleich Achtung gebietende Persönlichkeit, war zum Äounnaudeur einer Ersatzbrigade ernannt worden. Als er sich mit Tränen von seinem Offizerkorps verabschiedete, weinten die meisten von uns wie Kinder, wenn sie ihren Vater verlieren. Von seinen Leuten sich zu verabschieden, brächte er nicht übers Herz. Am Abend des ersten Weihnachtstages habe ich mit einer größerer! Anzahl von Offizeren beim brennenden Lichterbaum die Weihnachtsfeier nachgeholt. Mit den Mannschaften habe ich zwei Stunden im Freien unter dem klaren Sternen- himmel gestanden bet einem schönen Weihnachtsbauni, und wir haben unzählige Lieder gesungen. War Sorg eines jeden Herz so übervoll von Dankbarkeit für den Himmelsschutz in schweren Tagen. Wie einst die Hirten im Feld schauten wir zu den Sternen auf, aber kein Engel kam, der uns den Frieden auf Erden verkündet hätte. Aber neue Hoffnung auf Frieden und Wiedersehen erwachte in den müden Menschenherzen, trotz des klaren Bewußtseins, daß uns noch so furchtbar viel Schweres bevorsieht. Ohne Kampf und Blut kein Preis!
Wie groß ist auch der Opfersinn in der Heimat! Das bezeugen die Liebesgaben, die Hingabe von Geld und jede Tat der Daheimgebliebenen. Wie schön ist es, Deutscher zu sein, um diese herrliche Gesinnung zu genießen, an ihr mit Wonneschauer teilzunehmen, in öie- fer großen deutschen Zeit!(Köln. Ztg.)
Vermischtes.
Brand einer katholischen Kirche. Aus Düsseldorf meldet der „B. L.-A": In der Nacht zum Sonnabend entstand in der katholischen St.-Ursirlakirche in Grafenberg Feuer aus unbekannter Ursache. Nach großen Anstrengungen der Feuerwehr gelang es, den Brand zu löschen. Die Sakristei und ihre Sieben räume find aus- gebrannt, das Kirchenschiff erheblich beschädigt. Die Höhe des Schadens ist noch meist ermittelt, er ist aber erheblich.
Unwejter in Italien. In ganz Oberitalien herrscht starker Schneefall. Die Züge erleiden starke Verspä- tungem In der Provinz Modeua erreichte die Höhe des Schnees 128 Zentimeter. Starker Schneefall wird auch aus der Riviera di Ponente gemeldet. In Genua
mußte der Tramverkehr eingestellt werden. Die Züge auf der Strecke Genua-San Remo erleiden Verspätungen.
Trost im Leid. Peter Rosegger schreibt in Heimgärtners Tagebuch: „Eine arme Frau, deren zwei Söhne vor der Front stehen, beklagte sich, daß so wenig Leute trösten können. Sie sei jetzt ganz vereinsamt auf der Welt und möchte halt manchmal mit jemandem über ihren Kummer reden. Da komme gewöhnlich ein solcher Trost zurück: Na, nur Mut, jetzt ist halt Krieg. Müssen alle dran. Den Soldaten geht s ja ganz gut, hört man; manchmal bissel im Wassergraben liegen. Das schadet nix. Fürs Vaterland. Werden schon wieder zurückkommen. Und wenn nicht — gefallen fürs Vaterland. Ein schöner Tod. Ein Heldentod. Nur nicht verzagt sein. So trösten sie. Daß das bange Herz nach solchem Trost gar nicht verlangt, weil es sich den selber sagt, daß es sich nur nach ein wenig Teilnahme und Mitleid sehnt — sie denken nicht daran. Die schwer bekümmerte Mutter ging zu meiner Frau, um ihr Herz auszuschütten. Meine Frau sagte gar nichts — sie weinte mit ihr. Und öiefes gemeinsame Weinen hat der verlassenen Mutter wohler getan als die hochklingenden Trostworte."
An Brief aus Reims.
Vier Monate der Beschießung.
Der „Temps" veröffentlicht einen vom 13. Januar datierten Brief von einem Einwohner von Reims, der während der ganzen Dauer der Beschießung in der Stadt geblieben ist. Das Schreiben schildert das Leben per Bevölkerung in düsteren Farben: „Die letzte Woche rst ichrecklich gewesen. Sobald die Nacht gekommen ist, ruckten die Deutschen vor und schleuderten Granaten auf Stadtviertel, die bisher noch verschont waren und die ihre Tagesration erhalten. Wir haben keine Sicher- hest in der Straße mehr. Es ist jetzt vier Monate her, daß wir Reims wieder besetzt haben; es ist also der 118. Tag des Bombardements. Und wir erinnern uns me- lanchonisch der Frende und Begeisterung, mit der wir am Sonntag den 13. September unsere netten Artilleristen und unsere kühnen Jäger begrüßt haben. In der Tat, außer einigen Fortschritten in der Ebene steht es so, daß die Deutschen noch genau dieselben Stellungen einnehmen, wie vor vier Monaten, und zwar in einem Kreisbogen, der sich von Courcy bis Prunay über die verschiedenen Höhen erstreckt.
Das wirtschaftliche, finanzielle und Handelsleben in unserer Stadt ist gleich Null. Die Banque öe France und andere Kreditinstitute haben ihre Pforten nicht geöffnet. Der Credit Lyonnais hat seine halb geöffnet. Nur das Steueramt hat seine Schalter seit dem 16. September zur Verfügung des Publikums gelassen. Aber es ist nur noch eine Zweigstelle der Wohltäligkettsau- stalt. Wenn die Steuereinnehmer auch auf ihren Posten geblieben find, so kommen doch die Steuern nicht ein. Das Handelsgericht hat zweimal für zwei Prozesse Sitzungen abgehalten. Wo das Zivilgericht znsauimen- tritt, weiß ich nicht, die Bomben verfolgen es unaufhörlich. Die berühmten Biscuitbäckereien sind geschlossen, nur eine Marzipanfabrik arbeitet noch. Einige Schlächtereien und Bäckereien, einige Kleinwarenhändler und drei Warenhäuser mit sehr beschränktem Personal sind nur noch in Betrieb. Es gibt ein einziges Hotel und ein einziges Kaffeehaus. Die Post befindet sich vier Kilometer von der Stadt, das Telegraphenamt besteht nicht mehr. Die einzige Verbindung mit der übrigen Welt hat man neun Kilometer von Bezannes, der Endstation einer Kleinbahn, die in Dormans die Linie Epernay-Paris erreicht. Und um dorthin zu gelangen, bedarf es vieler Schritte bei den bürgerlichen und militärischen Behörden, die nur auf bestimmte Zeiten lautende Erlaubnisscheine geben.
Die Stadtbehörden mit dem Bürgermeister tagen ständig im Rathaus. So ist auch die Verpflegung von Reims und dem, was von seinen Einwohnern geblieben ist (man zählt kaum 30000), vollkommen gesichert. Rindfleisch und Hammelfleisch ans den Schlachthäusern von La Bilette sind besser als in gewöhnlichen Zeiten; sie kosten 1,40 Frs. das Pfund, die Butter wird mit 2,40 Frs. für das Pfund bezahlt. Frische Gemüse und Kartoffeln werden zu den gewöhnlichen Preisen verkauft. Aber es gibt kein Geflügel, und mau findet selten Käse. Die Einwohner schonen ihre Vorräte; sie machen sich auf schlimmere Tage gefaßt. Petrolenm und Oel sind genügend vorhanden. Kohle wird selten, da die Kanäle nicht benutzt werden können. Den Bäckern fehlt es an Brennmaterial, und die Stadtbehörde will ihnen Holz liefern, aber wie kann sie es herbeischaffen? Wenn man das Viertel der Untversttätsstratze und die Außenvier- tel der Stadt, die niedergebrannt sind, ausnimmt, so macht Reims keinen schlechten Eindruck, dank den Bemühungen der Stadtverwaltung, die es sorgfältig von den Trümmern hat reinigen lassen. Wenn die Nacht, kommt, so macht die Stadt, ohne Licht, ohne Gas, ohne Elektrizität, mit ihren verlassenen Straßen und geschlossenen Läden den Eindruck einer schrecklichen Ein- öde. Reims scheint eine tote Stadt zu sein."_______
Weitere Drahtnachrichten.
Zur Seeschlacht in der Nordsee.
Berlin, 25. Januar. Die gestrige schwere Seeschlacht ist, wie das „Berliner Tageblatt" schreibt, die erste große Auseinandersetzung zwischen deutschen und englischen Streitkräften in den europäischen Gewässern gewesen, nächst dem Gefecht vom 28. August 1914. Daß wir den Engländern trotz ihrer Ueberlegenheit den gleichen Schaden zufügen konnten wie sie uns, sei erfreulich, wenn auch der Untergang unseres Panzerkreuzers „Blücher" schmerzlich zu bedauern sei. Der Vorstoß der deutschen Streitkräfte sei aber ein lebhaftes Zeichen unseres unverminderten Angriffsgeistes.
Vorsichtsmaßregeln in Havre.
Le Havre, 25. Januar. (WTB.) Der Militär- gouverneur hat angeordnet, daß die Jnnenbeleuchtung der Privathäuser in Havre und Umgegend während der Nachtstunden von außen nicht sichtbar sein darf und daß die Beleuchtung der öffentlichen Gebäude, der Werkstätten und Geschäftslokale auf ein Mindestmaß beschränkt und die Sä' ■ 'wer verbängt werden müssen.
Lodz-Lttte auf deutschen Bahnen.
Sk.mt, j. Januar. «WTB.) Seit gestern ist der Personenverkehr Ostrowo-Lodz ausgenommen worden, sodaß man nun auf deutsche« Bahnen von Lodz nach Litte verkehren kann._____________________
Bandei und Verkehr.
Berlin, 24. Januar. (WTB.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Obwohl die im Lande vorhandenen Mengen an Melasse und Rohzucker genügen, um auch den gegenwärtig stark gestiegenen Bedarf an zuckerhaltigen Futtermitteln zu decken, sind in letzter Zeit die Preise für solche Erzeugnisse in einem Maße gestiegen, das nach den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerechtfertigt ist. Man beschäftigt sich infolgedessen, wie wir hören, an maßgebender Stelle neuerdings mit der Frage, ob nicht durch Festsetzung von Höchstpreisen wird Abhilfe geschaffen werden müssen.