Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^r». sur den Kreis Hersfeld
-kkssMk WM Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfew 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Nr. 21.
Dienstag, den 26. Januar
1615
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt I sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |
Bus der Heimat
* (ZurNachahmungempfohlen.) In den Lokalen Zürichs fragen die Kellner jeden Gast, ob er seine Rechnung auf einem weißen oder einem rosa Blockj yorgelegt zu sehen wünscht. Der rosa Block ist vom Roten Kreuz herausgegeben, mit fortlaufenden Zahlen versehen und kostet 5 Pfg. Die'meisten Gäste nehmen, nachdem sie gegessen und getrunken haben, den rosa Zettel und zahlen die 5 Pfg. mehr, die dem Roten Kreuz zufließen, gern. — Man sollte die schöne Einrichtung auch bei uns einführen.
* Der Haushaltder Landwirtschaftskammer für das Jahr 1915 sieht Einnahmen in Höhe von 430 977 Mark vor, während die Ausgaben 438 258 Mark betragen, sodaß 7 821 Mark ausgebracht werden müssen. Die Kammerumlagen bleiben mit 2/s Prozent des Grundsteuer-Reinertrages unverändert.
* (Keine Feldpakete im !Januar.) Wie bereits bekanntgegeben worden ist, findet im Januar keine Abnahme von Feldpaketen durch die Militärpaketdepots statt. Veranlaßt wurde diese Maßregel durch die überreiche Versorgung der Truppen mit Feldpaketen und Liebesgaben anläßlich des Weihnachtsfestes. Durch die Militärpaketdepots gingen nicht weniger als 8V2 Millionen Weihnachtspakete. Dazu kommen Millionen von LiebesgabenpüleLen. Vielfach konnten die Truppen die ihnen zugegangenen Pakete kaum bewältigen. Da ferner im Osten bisher nicht einmal alle Pakete den Truppen zugeleitet werden konnten, hat sich das Kriegsministerium veranlaßt gesehen, die im Januar beabsichtigte Annahme von Feldpaketen nicht stattfinden zu lassen. Etwa Mitte Februar werden dagegen die Militärpaketdepots dauernd geöffnet werden. Die darauf bezüglichen Bekanntmachungen werden in kurzem erfolgen.
):( Hersfeld, 25. Januar. (D i e Umgehungsbahn bei B e b r a.) Trotz des Krieges hat die Eisenbahnverwaltung den Bau der Umgehungsbahn bei Vebra weiterführen lassen, und bereits am 1. Mai ds. Js. sott diese neue Teilstrecke in Betrieb genommen werden. Diese Umgehungsbahn zweigt bei der Station Ronshausen von der Thüringer Eisenbahn ab und wendet sich in großer Kurve nach der Station Blankenhain, wo sie wieder in die Bebra-Frankfurter Linie einmündet. Die neue Strecke erfordert bei Weiterode den Bau einer großen Talbrücke und ferner die Schaffung eines neuen Flußbettes für die Fulda. Künftig werden nun dieDurchgangszüge von Thüringen nach Frankfurt die Kopfstation Bebra nicht mehr berühren, und der durch den Maschinenwechsel nötige Aufenthalt kommt in Wegfall. Da bereits durch die im Jahre 1914 erfolgte Inbetriebnahme des Distelrasentunnels (Paß von Schlüchtern) der Umweg über Elm weggefallen ist, so wird der Schienenweg von Thüringen nach Frankfurt vom 1. Mai 1915 ab insgesamt etwas über 10 Kilometer kürzer, und die Fahrzeit von Thüringen nach Frankfurt verkürzt sich um etwa eine halbe Stunde. Durch die Ausschaltung des Durchgangsverkehrs in Bebra wird der dortige Bahnhof ganz wesentlich entlastet. Auf der Anschluß- strecke Eisenach—Bebra—Cassel wird der Fahrplan dann eine Neugestaltung erfahren.
§ Hersfeld, 25. Januar. (Sanitätshunde.) Nachdem am-10. Januar 1915 die Meldestelle Cassel, Lutherstraße 7, aufgelöst wurde, werden die dem Deutschen Verein für Sanitätshunde (Sitz Oldenburg i. Gr.) zugedachten Spenden direkt von der Militärkanzlei Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs in Oldenburg (Gr.) entgegengenommen und wird gebeten, solche dorthin zu senden. Der Verein hat bisher 1400 Führer und Hunde felddiensttüchtig ausgebildet und durch die Heeresverwaltung unseren braven Truppen beigegeben.
):( Hersfeld, 25. Januar. (A u s der Verlustliste Nr. 133.) Res. Valentin Dietrich, Unterhaun (Hersfeld) gef. — Vzwachtm. Anton Malkomes, Lauten- hausen (Hersfeld), l. v. b. d. T. — Utffz. Carl Eichmann, Niederaula (Hersfeld) schw. v.
§ Hersfeld, 25. Januar. (W e m gehört der Ring?) Bei dem Nachlaß des Leutnants Fuhry vom Regiment 136'3. fand sich ein Ehering, gezeichnet „E. K. 1912." Von wem Herr Fuhry den Ring zur Uebermittelung an die Eigentümerin erhalten hat, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Hauptlehrer Kranz-Hainstadt, Kreis Offenbach, ist gern bereit, den Ring an die richtige Adresse gelangen zu lassen. — Um Nachdruck wird gebeten.
Frielendorf, 23. Januar. In dem Nachbarorte Verna ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Gegen den ausdrücklichen und strengen Befehl des Lehrers hatte sich ein Mädchen vor Beginn des Nachmittagsunterrichts in den Schulsaal geschlichen, um sich zu wärmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Kind dem Ofen zu nahe gekommen, sodaß seine Kleider Feuer fingen. Brennend und schreiend eilte es auf die Straße. Frauen suchten zu löschen, verbrannten sich aber die Hände, bis eine Frau eine große Decke um das Kind schlug und so die Flammen erstickte. Gegen Abend starb das Kind unter großen Schmerzen.
Cassel, 23. Januar. Zwölf Jahre Gefängnis wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten wurden dem Ersatzreserve-Krankenwärter Sr. aus Cassel vom Kriegsgericht zudiktiert. Der leichtsinnige Man nhatte im Dezember in einer Gastwirtschaft einen Feldwebel angerempelt. Als dieser das Lokal verließ, sagte der halbbetrunkene Angeklagte, den müsse er mal anlümmeln, ging ihm nach und versetzte ihm einen Stoß vor die Brust. Darauf versuchte er, dem Feldwebel den Degen zu entreißen, durchschnitt sich aber hierbei an einer Hand eine Sehne. Seine unüberlegte Handlungsweise brächte ihn vor das Kriegsgericht, das das obige Urteil fällte.
Caffel, 23. Januar. Im Regierungsbezirk Cassel ist der Ausbruch der Pferdebrustseuche im Kreise Hof- geismar in der Gemeinde Carlsdorf amtlich festgestcllt worden, was zur Anordnung der zur Verhinderung einer Weiterverbreitung erforderlichen Bestimmungen geführt hat.
Cassel, 23. Januar. Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer nahm in ihrer Schlußsitzung eine Resolution an, in der sie die Notwendigkeit der Festsetzung von Höchstpreisen der wichtigsten Nahrungsmittel im Interesse einer möglichst billigen Volksernährung unbedingt anerkennt. Nach Ansicht der Landwirtfchaftskammer kann aber der Zweck der Höchstpreise nicht erreicht werden, wenn dieselben nur einseitig für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse (Getreide, Kartoffeln) festgesetzt werden. Es muß vielmehr gefordert werden, daß auch für die Erzeugnisse der Müllerei und Bäckerei (Mehl, Brot, Backwaren usw.) Höchstpreise zur Einführung gelangen. Zur Sicher- stellung der nächsten ErnteHält die Landwirtschaftskammer weiter die Festsetzung von Höchstpreisen für alle im Inland hergestellten künstlichen Düngemittel für dringend erforderlich. Es steht sonst zu befürchten, daß weite Kreise der Landwirtschaft bei den unverhältnismäßig gesteigerten Preisen Kunstdünger nur in geringem Maße anwenden können, als dies zur Er- zielung einer guten Ernte erforderlich sein würde. Aber auch die Festsetzung von Höchstpreisen für die künstlichen Düngemittel kann nur dann den gewollten Erfolg haben, wenn, wie es beim Getreide der Fall ist, ein behördlicher Zwang auf Feststellung der Borräte einschließlich der Rohstoffe und auf Lieferung der vorhandenen Mengen zur Einführung gelangt. Die Landwirtschaftskammer richtet daher an den Bundesrat die Bitte, die schleunige Durchführung der hiernach erforderlichen Maßnahmen in Erwägung ziehen zu wollen.
Kriegshaushalt bei Hofe.
Am Berliner Hofe ist man — so wird der „Vo- ssischen Zeitung" von unterrichteter Seite versichert — durchaus nicht für Ueppigkeit an der Tafel und für erlesene Gaumengenüsse. Eine solide Bürger-, die sogenannte Hausmannskost, behagt dem Kaiser und der Kaiserin am meisten; nur wenn hohe Gäste geladen sind, wenn die sogenannte Prunk- (zu deusch Gala-) tafel ist, dann kann ber Mundkoch mit dem Heer der weißbemützten Angestellten seine Talente entfalten. Aber seit Ausbruch des Krieges fehlt dazu jeder Anlaß. Für die wenigen Gäste, die man bei Hofe sieht, werden keine besonderen Tafelfreuden bereitet, da sie zur kaiserlichen Familie zählen und man eben „in Familie" speist. Schon im November wurde das K- Brot bei Hofe „zur Probe" gegessen, und seitdem ist es das' tägliche Brot geworden; es wandert auch ins Hauptquartier wo es sich der besonderen Wertschätzung des Kaisers erfreut. Mit dem Augenblick wo das Oberkommando das Nachtbackverbot für Groß-Berlin erließ, da hörte sowohl für das königliche Schloß wie für Schloß Monbijou, wo die Kaiserin vorläufig ihren Wohnsitz aufgeschlagen hat, das frische Morgengebäck auf. Allabendlich liefert ein Hofbäckermeister die nötigen Backwaren, die am nächsten Tage unter Aussicht eines Hofbäckers in Schloß Montbijou für die Kaiserin und ihre Umgebung — die hohe Frau hat nur einen Kammmerherrn und zwei Hofdamen zu ihrer Seite — aufgewärmt wird Ein Ei, etwas Gebäck, Tee oder Kaffee bilden während der Kriegszeit den Morgen imbtß der Kaiserin. Um 1 Uhr wird eine Suppe nnd dazu irgend ein Gericht, Fleisch oder Gemüse, eingenommen. Abends ist die Speisekarte ein weniger reichhaltiger; zu der Fleischspeise kommt öfter eine Gemüsebeilage. Die Kartoffeln werden gewöhnlich in der Schale verabreicht. Oft gibt es nur kaltes Fletsch, sogenannten Aufschnitt. Wenn der Kaiser aus I
demHauptquartier, wo spartanische Einfachheit herrscht, nach Brrlin kommt, dann ändert sich am Speisezettel, kaum etwas; höchstens wird der Vorliebe des Monarchen für dicken Suppen — Suppen mit Fleisch- Einlage — Rechnung getragen. Oft geuug besteht das Mittagessen aus diesem einzigen Gang. Die Kaiserin läßt sich als echte Hausfrau täglich den Küchenzettel vorlegen und nimmt nicht selten Streichungen vor, da „man nicht allzu üppig werden soll, während unsere wackeren Krieger in den Schützengräben oft die größten Entbehrungen aushalten müssen". Kuchen, Schlagsahne sind schon seit Wochen bei Hofe ganz unbekannte Dinge- allenfalls nimmt man znm Tee, namentlich wenn die Kinder des Kronprinzen zu Besuch bei der Großmutter weilen Keks. Ist die Kronprinzessin oder die Herzogin von Braunschweig zu Gast, so wird an dem einmal festgesetzten Speisezettel nichts geändert. Die gesamte Haushalung bei Hofe ist seit Ausbruch des Krieges ganz gewaltig eingeschränkt und von einer Einfachheit, über die man sich in manch gut bürgerlicher Familie des Berliner Westens wundern würde.
Mhnrus.
Dank dem unablässigen Bemühen der deutschen Landwirtschaft während der Friedenszeit haben die heimischen Viehbestände an Menge und Güte so zugenommen, daß in den bisherigen Kriegsmonaten alle Bevölkerungskreise ohne Schwierigkeiten und zu annehmbaren Preisen fast in der alten Weise mit Fleisch versorgt werden könnten. Der Aufgabe, das Fleichbedürfnis zu befriedigen, werden sich die deutschen Landwirte auch künftig gewachsen zeigen. Die Erfüllung dieser Aufgabe wird ihnen aber namentlich bei längerer Kriegsdauer nicht ohne erhebliche Opfer und Erschwerungen möglich sein. Mit dem Kriegsausbruch hat die umfangreiche Einfuhr von Futtermitteln aus dem Auslande aufgehört. Das Verfüttern von Roggen und Roggenmehl, das bisher vielfach üblich war, hat verboten werden müssen, weil alles Brotgetreide und Mehl für die menschliche Ernährung nötig ist. Die Hoffnung, in erhöhtem Maße Kartoffeln als Viehfutter verwenden zu können, hat sich nicht in der erwarteten Weise verwirklicht, denn die Kartoffeln werden zum Ausgleich des Fehlbetrages an Brotgetreide und an andern, früher aus dem Auslande eingeführten Nahrungsmitteln in größerem Umfange als bisher zur Ernährung der Menschen gebraucht. Das Viehfutter ist daher knapp und teuer geworden und eine Aenderung ist darin vorläufig nicht zu erwarten. Die Erhaltung des R i n d v i e H I wird trotzdem wegen der im ganzen reichen Heu- un^ Strohernte nicht auf Schwierigkeiten stoßen, d^ S ch w e i n e h a l t u n g und S ch w e i n e m ü st u n " wird dagegen vielfach nicht mehr in dem bisherigen Umfange möglich sein. Infolgedessen hat sich der Auftrieb von Schweinen auf den Schlachtviehmärkten und das Angebot von Schweinefleisch in letzter Zeit in einer Weise vermehrt, daß es den augenblicklichen Bedarf übersteigt, und es muß mit einer weiteren starken Steigerung gerechnet werden. Diesem zeitigen Ueberangebot würde notwendig ein unliebsamer Mangel in späterer Zeit folgen, falls nicht alle Beteiligten bald dazu mitwirken, den Ueberfluß für die Zukunft nutzbar zu machen. Dies läßt sich durch die möglichst umfangreiche Herstellung von Dauerwaren aller Art (Schinken, Speck, geräucherte Würste, Pökelfleisch, Konserven) erreichen. Richten das Fleischergewerbe und die Fleischwarenindustrie hierauf ihr Augenmerk, wobei ihnen die Unterstützung der Gemeindeverwaltungen und Genossenschaften sicherlich nicht fehlen wird, und versorgen sich namentlich die Haushaltungen bald mit angemessenen Vorräten an Dauerwaren, so wird einer Vergeudung des Ueber- flusses vorgebeugt. Die jetzige Jahreszeit ist die beste für die Herstellung von Dauerwaren und für deren Aufbewahrung. Ein solches Vorgehen ermöglicht es der einzelnen Haushaltung, zu annehmbaren Preisen im voraus einen großen Teil ihres Bedarfs an Fleisch zu decken. Der Gesamtheit bringt es den Borteil, daß dem unausbleiblich geringeren Angebot an Schweinefleisch in den späteren Monaten auch nur eine geringere Nachfrage gegenübersteht. Ein übermäßiges Steigen der Preise wird so verhütet und einer Beeinträchtigung der Volksernährung vorgebeugt werden. Das ist auch ein Stück Krregsarbert, der sich die nicht im Felde Stehenden mit vaterländischem Pflichtgefühl unterziehen müssen, denn zum Durchhalten gegen die Welt von Feinden, die uns einen Hungerfrieden, aufzwingen möchten, muß nächst der Brotversorgung auch die Fleischversorgung gesichert werden.
Berlin, den 9. Januar 1915.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, gez. Freiherr von Schorlemer.
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