- Di« „Köln. Ata? meldet auS Konstantinopel: Der „Osmanische Lloyd^ vernimmt von unterrichteter bulgarischer Seite, die Zahl der aus Neuserbien vor der serbischen Gewaltherrschaft nach Bulgarien geflohenen Bulgaren und Mohammedaner übersteigen 32 000 und vermehre sich täglich. Die Lage in Mazedonien sei derart, daß auch das amtliche Bulgarien sich einer entscheidenden Stellnugnahme nicht länger entziehen könne. Der „Turan" vernimmt aus Sofia: Die abschlägige Antwort Serbiens auf den bulgarischen Schritt wegen der Greueltaten in Mazedonien habe die Gemüter in Sofia derartig erregt, daß dieses Verhalten Serbiens wichtige Folgen haben werde. Als Beweis, daß wichtige Ereignisse bevorstehen, wird lebhaft besprochen ein Erlaß des Unterrichtsministers, die Lehrgänge derart zu beschleunigen, daß das Schuljahr diesmal schon am 15. März abgeschlossen werden könne.
Die Neutralen.
Der Heilige Stuhl vollkommen unparteiisch.
Rom, 22. Januar. (WTB.) Der Papst hielt heute morgen im Konsistorium eine Ansprache, in der er von neuem seinem tiefen Schmerz über den w unheilvollen Krieg Ausdruck gab und bemerkte, daß Monat um Monat verstreiche, ohne daß sich auch nur von ferne die Hoffnung zeige, daß dieses Blutbad ein Ende nehmen werde. Er fügte Hinzu, daß, wenn er auch das Ende dieser Geisel nicht herbeiführen könne, er sich bemüht habe und noch bemühe, um seine schmerzlichen Folgen zu lindern. Der Papst erklärte, daß es sicherlich weder ratsam noch nützlich sein würde, wenn sich die väpstliche Autorität in die Zwistigkeiten selbst der Kriegführenden einmischen würde. Der Heilige Stnhl müsse vollkommen ««parteiisch bleiben.
Der Krieg zur See.
Elf Schiffe von der „Karlsruhe" versenkt.
Die „London News" meldet aus San Juan auf Portorieo, daß das deutsche Kriegsschiff „Karlsruhe" immer noch unbehindert den Atlantischen Ozean durch- sahre und im Verlaufe der letzten vierzehn Tage nicht weniger als elf Handelsschiffe versenkt habe.
Wie die „Durward" versenkt wurde.
Das Amsterdamer Handelsblad meldet über das Versenken des englischen Dampfers Durward aus Rotterdam: „Durward" empfing gegen 3 Uhr nachmittags das Signal des Unterseebootes, anzuhalteu. Der Kapitän gab seinerseits den Befehl „Volldampf voraus" in der Hoffnung, die holländischen Territorialgewässer zu erreichen. Er stoppte auch auf ein zweites Signal nicht. Schließlich löste das Unterseeboot einen Schutz. Es befand sich jetzt längsseits des Dampfers, der so Gefahr lief, torpediert zu werden. Nachdem der Dampfer gestoppt hatte, hißte das Unterseeboot die deutsche Flagge. Vier Mann der Besatzung begaben sich an Bord des Dampfers, wo Offiziere die Schiffspapiere forderten und der Mannschaft aufgaben. das Schiff zu verlassen. Es waren dazu nur fünf Minuten nötig, da wegen der Minengefahr die Boote stets fertig waren. Das Unterseeboot schleppte die Boote zum Maasfeuerschiff. wo die Mannschaft ausgenommen wurde. Dann wurde der Dampfer torpediert.
Die „Dacia" soll abfahren.
** Amsterdam, 23. Januar. (T. U.) Die Abteilung der auswärtigen Angelegenheiten in Washington teilt nach Meldung des „B. L.-A." den Eigentümern des Dampfers „Dacia" mit, England beabsichtige, das Schiff zu beschlagnahmen, falls es den Hafen verlassen werde. Die Besitzer erwiderten, daß der Dampfer trotzdem abfahren werde, um die Frage grundsätzlich vor dem Pri- sengericht entscheiden zu lassen.
Ein englischer Dampfer vermißt.
ffe* Mailand, 23. Januar. (T. U.) Der am 26. Dezember mit einer Ladung Kohlen aus Newcastle abgegangene englische Dampfer „Glennorvenu", der am 7. oder 8. Januar in Livorno eintreffen sollte, ist bis jetzt nicht eingetroffen und man befürchtet nach einer Meldung des „B. L.-A.", daß er entweder Havarie erlitten oder von einem deutschen Unterseeboot gekapert worden sei.
Japanische Kaperbente.
os* Berlin, 23. Januar. (T.-U.) Die „Kreuzzeitung" teilt mit. Japan hat, wie der „Neuen Freien Presse" aus Zürich gemeldet wird, seit Ausbruch des Krieges 41 deutsche Schiffe gekapert, die sich im Hafen von Nagasaki befanden.
Der Krieg in den Kolonien.
Rümpfe der Bnre«.
Mag es den Engländern vorläufig auch gelungen sein, den Aufstand der Buren im Gebiete von Kapland niederzuschlagen, so haben sie doch beim Einrücken in Deutschsüdwestafrika mit dem Widerstand nicht nur deutscher, sondern auch burischer Truppen noch weiterhin zu rechnen. Das bestätigt jetzt wieder nachstehende Reutermeldung aus Kapstadt: „Die Buren haben unter Maritz, Kemp, Schoeman und Stadler Blydeverwacht am 8. Januar in der Richtung auf Nakob verlassen. Am 14. Januar waren Kemp mit einem großen Kommando und einigen Kanonen in Ukemas, Maritz und Schoe- mann in Jerusalem und Blydeverwacht. Am selben Tage gerieten 86 Mann der Regierungstruppen bei Langklip in eine Falle und wurden gefangen genommen. Der Feind rückte 25 Meilen nach Gnydas vor, griff am 17. Januar die britische Hauptabteilung an «nd zwang sie mit einem Verlust von 8 Toten, 20 Verwundeten und einer Anzahl Gefangener zum Rückzug."
Die hier genannten Orte liegen unmittelbar am Oranjeflusse und an der Grenze Deutschsüdwestafrikas.
Sieg oder Untergang.
Aeußerungen des Generals von Falkenhayn.
Der „B. L.-A." meldet aus dem Haag: Die amerikanische „Associated Preß" veröffentlicht den Bericht einer Unterredung, die einer ihrer Korrespondenten mit General v. Falkenhayn im deutschen Hauptquartier hatte. Nach dem Bericht erklärte der deutsche Generalstabschef:
, Der Krieg kann, was Deutschland anbetrifft, unbestimmte Zeit dauern. Ich sehe nichts, was uns zwingen könnte, den Kampf einzustellen. Falls wir untergehen, wird es mit Ehren geschehen, kämpfend bis zum letzten Schützengraben «n- zum letzten Mann.
Der General fügte hinzu, daß es uurichtig sei, die deutschen Operationen in Flandern als einen Versuch zum Durchbruch nach Calais zu deuten. Im Gegenteil, i fette Phase des Felozuges ist die Folge des Versuches I der Franzosen und Briten gewesen, sich nach Norden einen Weg zu bahnen, der den rechten deutschen Flügel zu umfassen, Antwerpen zu entsetzen und die Deutschen »um Rückzüge aus Belgien zu zwingen sucht. Jener Plan mißlang. General Josfres Offensive wurde im Dezember befohlen, aber die Deutschen behaupten nicht nur ihre Linien, sondern gewannen sogar Gelände.
Hinsichtlich der englischen Truppen erklärte General v. Falkenhayn, die Engländer sind gute Kämpfer
und ich habe alle Achtung vor ihnen, aver eine Armee ohne die nötigen Offiziere ist kaum eine Armee. Wir sind stark genng, sie zn schlagen und mit blutigen Köpfen znrückznwerfen. Wir sind auf einen Landungsversuch in Belgien vorbereitet und je früher er stattfindet, um so besser.
Die britische Blockierung, fügte der General noch hinzu, habe tatsächlich keinerlei Einfluß auf die Kupfer- verschiffung,- sie sei ein schwerer Schlag für Amerika, aber für Deutschland vollkommen gleichgültig.
KtieasoIletleL
Neutrales Lob des deutschen Soldaten.
»-»' Zürich, 23. Januar. Oberst Müller schildert iu der „Neuen Züricher Zeitung" die umsichtigen hygienischen Anlagen an der deutschen Stellungsfront. Der Entwässerung der Latrinen und der Reinlichkeitsfrage werde überall die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Infolge der glänzenden Ernährung und der Ausstattung der Truppen mit warmer Unterkleidung hätten die Leute ein geradezu blühendes Aussehen. Der frische, fröhliche soldatische Geist, die gute Kameradschaft, das anständige Betragen und die gute Haltung des deutschen Soldaten im Felde müßten jedem aufmerksamen Beobachter in die Augen fallen. Felsenfest sei die Zuversicht und der Glaube an den Sieg bis zum letzten Mann.
Englands Ernährungssorgen.
Von der holländischen Grenze meldet die „Köln. Zag.": Die „Morning Post" legt dar, daß England sich in einer fürchterlichen Lage befände, falls es dem Feinde gelänge, die Zufuhr von Lebensmitteln durch Unterseeboote zu unterbinden. Die Steigerung der Getreide- preise droht zu einer Katastrophe für die unbemittelte Bevölkerung zu werden, zumal England beinahe 37 Prozent der gesamten Getreideausfuhr sämtlicher Getreide liefernden Länder in sich aufnehme. Das englische Volk müsse unbedingt darauf verwiesen werden, mehr Kartoffeln zu essen.
Bericht des türkischen Hauptquartiers.
ite* Konstantinopel, 23. Januar. Das Hauptquartier veröffentlicht folgenden Bericht: Die Hauptstreit- kräfte der Russen, denen es, wie gemeldet, nicht gelungen war, unseren linken Flügel zu umzingeln, zogen sich vor unserer Gegenoffensive zurück. Unsere Trnp« pen verfolgen den Feind. Am 21. Januar versuchten englische Streitkräfte unter dem Schutz von drei Kanonenbooten eine Offensive gegen unsere Truppen, die sich bei Korna befinden, wurden aber völlig besiegt ungezwungen, sich mit großen Verlusten zurückzuziehen. Unsere Verluste sind unbedeutend.
D-Zng Lille-Brüssel-Berlin.
Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Brüssel: Ab 1. Februar soll ein D-Zug Lille-Brüssel-Berlin mit 70 Kilometer Geschwindigkeit verkehren, der voraussichtlich auch Speise- und Schlafwagen führt.
Vermischtes#
Ein Raubmörder zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Hamburg verurteilte den Dienstknecht Meißner aus Dommatsch, der am 3. November 1914 die Hus- ners-Ehefrau Steffens und das Dienstmädchen Schuhr in Neuengamme ermordete und dann beraubte, zum Tode. Der Raubmörder benahm sich während der Verhandlung beispiellos roh und dreist. Er forderte die Fällung des Todesurteils ohne Vernehmung der Zeugen und ohne weitere Verhandlung, da er in allen Schuld- fragen geständig sei.
Der Opernsänger im Felde. Walter Kirchhofs, der bekannte Tenor der Berliner Oper, der als Hauptmann bet der Westarmee im Felde steht und sich, wie wir schon mitteilten, das Eiserne Kreuz erworben hat, ist auf kurze Zeit in die Heimat beurlaubt worden und erzählt im „Neuen Wiener Tagblatt" von seinen Erlebnissen während des Feldzuges. Von den zwei Seelen, die der kriegerische Sänger in der feldgrauen Brust trug, herrschte natürlich die soldatische vor. „An meine Stimme," versicherte Kirchhofs, „habe ich in der ernsten Zeit überhaupt nicht gedacht. Ich habe mir gesagt: ein guter Soldat kann an nichts anderes als an seine Aufgaben denken, und rücksichtslos gab ich mich Wind und Wetter preis. Ich habe auch die ganze Zeit nicht gesungen, schon weil ich nicht wußte, wie meine Stimme war. . . Doch halt! Ich erinnere mich, einmal beim Biwakfeuer habe ich doch gesungen — es war der Abend der Schlacht von Saint-Quentin. 40 000 Franzosen waren gefangen genommen, die Engländer in die Flucht geschlagen worden, und dazu kamen noch andere Siegesnachrichten vom östlichen Kriegsschauplatz. Wie kann ich meine freudige Erregung schildern, als ich diese Telegramme meinen braven Mannschaften vorlesen konnte? Die Stimmung wurde immer feierlicher, die Flammen prasselten zum Himmel,- und unter dem Eindruck dieser herrlichen Waffentaten begannen meine Leute plötzlich, erst leise, dann allmählich anschwellend, zu singen: „Nun danket alle Gott!" Meine Offiziere und ich mußten uns abwenden, es blieb kein Auge trocken. Da überkam es mich. . . Das Beste, was ich habe, ist meine Stimme, und mit diesem meinem Bestem will ich meinen Leuten, die jetzt eine solche Freude haben, auch sagen, was ich empfinde,- und ich sang ihnen die Ballade vom Prinzen Eugen . . . Und dann habe ich noch einmal gesungen,- es war in M., in der Cote Lorraine, die dauernd unter feindlichem Feuer liegt, bei der Weihnachtsfeier einer Division. Man bat mich, in der Kirche zu singen, und ich tat es, und war froh, den Offizieren und Mannschaften, die direkt aus den Schützengräben kamen, etwas bieten zu können . . ."
Vor der Zelle des Thronfolgermörders. Wie dem „B. T." gemeldet wird, hat der in Oesterreich als Soldat eingezogene Sohn eines Geraer Webers folgenden Brief an seine Eltern gesandt: Auf Wache war ich auch schon im Festungsstrafhaus. Da ist eine Menge Sträflinge und Verbrecher. Das letztemal hatte ich Ver- brecherposteu Nr. 1. Wie das klingt, nicht wahr? Also mit geladenem Gewehr wurde ich im linken Zwinger, ersten Hof, von meinem Aufseher vor eine Tür gestellt, die fest verschlossen und mit einem Guckloch versehen war. Ich bekam den Befehl, alle drei Minuten hinein- zuschauen, was der Insasse macht. Wißt Ihr, wer der Insasse ist? Princip, der Mörder des österreichischen Thronfolgerpaares. Alle drei sind hier in T. . . Also Princip ist an den Beinen gefesselt und in Ketten gelegt. Er ist die ganze Nacht in der Zelle. Nur früh von 9 bis 10 wird er allein von dem betreffenden Posten hin und her geführt. Wie es mir da zumute war, als ich hinter dem jungen, intelligenten Menschen mit geladenem Gewehr, drei Schritte hinter ihm, ging! Die Ketten rasseln bei jedem Schritt. Er darf kein Wort reden, nichts lesen und schreiben. In der Nacht muß Licht im Raume Brennen. Ich mußte vom 23. bis 24. Dezember von Mittag bis wieder Mittag in der Zeit von 3—5 und 9—11 und noch einmal von 3—5 und 9—11 Uhr Wache stehen. Doch genug davon! Jeder Mensch kann sich glücklich schätzen, der nicht darinnen ist.
Aus Zeldpostbriesen.
Im Laufgraben. (
.Früh morgens ging ich durch den Laufgraben zum Wald, wo unsere Feldküche im Erdboden eingebaut ist. Vor der Stellung bis dorthin sind etwa 900 Meter, aber man braucht bei der Dunkelheit mindestens 20 Minuten. Ohne etwas zu ahnen, tappte ich ohne Gewehr allein zur Feldküche, um den Kaffee zu holen. Kaum war ich eine halbe Minute fort, so ertönte Trompetenschall von der Stellung her. Ich wußte, was das zu bedeuten hatte, sofort ein Gewehr von der Feldküche gerissen, von einem Kameraden fünf Streifen Patronen geliehen, und so stürmten ich und der Koch der Stellung zu, ohne Mütze und ohne Säbel und Patronentaschen.
Der Gefechtslärm war fürchterlich. Der Laufgraben wurde unheimlich mit Maschinengewehr und Schrapnells beschossen. Wir hatten den Rand des Wäldchens noch nicht erreicht, da hieß es schon: „Die Franzosen sind durchgebrochen, schnell zurück, wir werden sonst gefangen!" Um mich von dieser Hiobspost zu überzeugen, steckte ich meinen Kopf zum Graben hinaus und sah, daß es zu dem Gefangengenommenwerden noch wett fehlte. Wohl waren die Rothosen an die Stelle meiner Kompagnie in dicken Schwaden durchgebrochen und hielten zugleich den Laufgraben, der nur äußerst schwach besetzt war. Auf die Schützengräben hatten sie es anscheinend nicht abgesehen, denn sie gingen in gerader Richtung auf die Artilleriestellung los und stürmten eine Batterie. Jedoch da kam unsere Unterstützung aus der Ortschaft und drängte sie mit der vereinigtet: Artilleristen wieder zurück gegen uns. Als sie den Höhenrand wieder überschritten, wurden sie von der eigenen französischen Artillerie gesehen und für deutsche Reserven angesehen. Die französische Artillerie gab Salvenfeuer auf die vermutlichen Deutschen, und etwa 30 Mann dieser wirklich tapferen Schar wälzten sich in ihrem Blute, die übrigen wurden teils uiedergeschossen, teils gefangen.
Bei uns also in der Stellung war der Schützengraben teilweise von den Franzosen besetzt. Es war nichts anderes, als eine blutige Rauferei. Zwischen uns und den Franzosen war nur eine Schulterwehr, das ist ein kurzer Halbrundbogen im Graben, so daß wir auf 1)4 Meter beieinander waren und einander doch nicht sahen. Es war unheimlich, mancher fiel tot hin oder war verwundet, dazu war eine Kanonade, nicht zu beschreiben. Der Koch meinte, „du, jetzt gehen wir vor gegen diese... Franzosen",' ich mußte trotz der Situation lachen! Wir krochen weiter Btuten zum Graben hinaus, und im „Marsch marsch" ging es vor. Ein schreckliches Jnfau- teriefener Besamen wir; doch unser sicheres Vorgehen wirkte auch auf andere und mancher schwang sich noch zum Graben hinaus und kam uns zu Hilfe. So standen wir zu sieben vor dem Graben. Ich glaube, die freundlichsten Mienen haben wir damals nicht gemacht. Au- gebrüllt haben wir sie schon auch, als wollten wir sie fressen. Nur zwei machten eine Gebärde, als wollten sie noch Widerstand leisten, die anderen hoben die Gewehre verkehrt in die Höhe und schrieen „Pardon, par- don". einer, ein ganz junger, weinte sogar. Sie ergaben sich dann alle freiwillig und warfen ihre Waffen weg. Einige hatten sich trotz der gefährlichen Lage in die Unterstände gehockt und aus unseren Tornistern die Fleischkonserven gegessen. Die haben wir weniger freundlich aus den Nestern herausgezogen! Sie wurden dann abgeführt, es waren 37 Mann. Lauter kräftige Leute. Nach der Aussage der Gefangenen waren sie jetzt vier Wochen in Paris ausgebildet, mit Auto hierher befördert und sofort zum Stürm angesetzt worden.
Unheimlich war es, als die Gefangenen fort waren, wie die französische Artillerie in unsere Gräben geschossen hat. Dieses furchtbare Feuer Hielt ununterbrochen an, bis die Dunkelheit hereinbrach. Jedoch mußten wir auf einen neuen Angriff der Infanterie jede Sekunde gefaßt sein. Tatsächlich haben sie es auch noch vier bis fünfmal probiert, jedoch brachen ihre Linien unter unserem Feuer sofort zusammen. Das Artilleriefeuer begann am frühen Morgen mit vermehrter Heftigkeit und schwieg erst wieder bei Einbruch der Dunkelheit. Gegessen hat in den zwei Tagen keiner viel, denn die Aufregung war zu groß. Die Nacht wurde schon wieder ruhiger, auch ließ die Artillerie gewaltig nach. Am nächsten Tag wurden wir wieder abgelöst und kamen um 3m Uhr in unseren alten Quartieren an.
Eins will ich noch näher erklären, und zwar die Nachtgefechte. Bei Einbruch der Dunkelheit wurden wir von den Pionieren verstärkt. Die einen bedienen den Scheinwerfer, die zweiten die Minenwerfer, die dritten werfen die Handgranaten, und die vierten schießen die Leuchtkugeln ab.
Die Franzosen arbeiteten sich wieder heran mit Schutzschilden, die sie vor sich hinschoben. Mit den Gewehren konnten wir ihnen natürlich nichts anhaben. Jedoch, als sie bis auf fünf Meter vor dem Drahtverhau waren. leuchtete der Scheinwerfer auf und eine Handgranate löste die Aufgabe ihrer Bestimmung vollständig. Sechs tote und verwundete Franzosen waren die Folge der Explosion. Die anderen nahmen dann Reißaus, wurden aber, als die Leuchtkugeln die Finsternis grell beleuchteten, alle von unserem Feuer weggefegt,- keiner erreichte seinen Schützengraben. Verschiedene Male haben sie es versucht, heranzukriechen, aber der Scheinwerfer entdeckte sie zur rechten Zeit.
Das Feld vor uns ist übersät mit Toten, aber nur Franzosen. Unsere Toten waren alle im Laufgraben und wurden in der Nacht nebeneinander beerdigt. Ein schlichtes Holzkreuz steht darauf. Das Grab selber ist eingefaßt mit Granatenausbläsern, von denen im Walde wohl mehr als 1000 liegen. Im ganzen hatten wir 11 Tote und 43 Verwundete. Die Franzosen verloren auf der Front unseres Regiments 352 Gefangene und allerwenigstens ebensoviele Tote. Verwundete sind zu ihnen sehr wenig zurückgekommen.
Aber das muß man der Truppe lassen, gekämpft haben sie wie Helden, ich hatte eine solche Todesverachtung noch nie gesehen. Auch sie wehren sich blutig mrs Vaterland oder, besser gesagt, für den . . . . . Engländer. Ich glaube, daß ihnen die Lust zum Angreifen für einige Zeit vergangen ist. (Mim. N. N.)
den loten jungen Helden.
Ich möcht euch des Herbstes letzte Blume Aufs ferne Grab int fremden Lande tragen.
Ihr hört nicht mehr der Mütter, Bräute Klagen, Ihr sankt dahin in frühem Heldentume.
Nie wird euch nun die große Sonne scheinen, Der Frühlingsfriedenssonne warmes Glänzen, Ich kann die Stirn euch nicht mit Eichlaub kränzen —
Ich kann nur stiller Wehmut Träne weinen . . .
Ich möchte euch des Lenzes erste Blume
Aufs ferne Grab im fremden Lande tragen
Und über euern Hügeln tröstend sagen:
Deutschland blüht auf ob euerm Heldentümer (Köln. Ztg.) Elisabeth Drügg, Cölm