Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

HnMer

für den Kreis Hersfeld

KMN

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 20.

Sonntag, den 24. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt I sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat.

):( Hersfeld, 23. Januar. Am Geburtstag S. M. des Kaisers und Königs, hält das hiesige Post­amt Schalterdienststunden wie an Sonntagen ab. Ferner findet am genannten Tage nur eine einmalige Orts- und Landbestellung statt.

§ Hersfeld, 23. Januar. (Aus der Verlust - lifte 131.) Jnf.-Regt. Nr. 83. Georg Schaub, Heringen, l. verw. Musk. Justus Tann, Rous- hausen, an seinen Wunden gest Einj.-Freiw. Hans Trapp, Mackenzell gefallen. Nr. 132. Res.-Jnf.-Regt. Nr. 71. Karl Emmerich, Friede- wald (Hersfeld) I. verw. Jnf.-Regt. Nr. 167. Sergt. Johs. Bock, Conrode sHersfeld) verw. Kriegsfrw. Karl Brack, Hersfeld verw. Res. Joh. R e ß Obergeis (Hersfeld) I. verw. Musk. Georg Schü t- rümpf, Friedewald (Hersfeld) I. verw. Ers.-Jnf.- Regt. Königsberg I. Ers.-Res. Willy Haase, Gethsemane (Hersfeld) schw. verw.

Appenfeld b. Schwarzenborn, 20. Januar. In den letzten Tagen hielt der Ortsgendarm in unserem Dorfe Revisionen ab, um festzustellen, wie viel Ge­treide in den Scheunen lagere und ob Backgetreide dem Vieh verfüttert werde. Da ein hiesiger Land­wirt erzählt hatte, daß er seine Frucht nicht zu dem festgesetzten Preise verkaufe, sondern es dann lieber dem Vieh füttere, so wurde bei ihm eine strenge Untersuchung vorgenommen. Da der Gendarm in den Schweinetrögen Brotgetreide fand, kam der Wider­spenstige zur Anzeige. Er wurde in eine Strafe von 150 Mk. genommen.

Treysa, 21. Januar. Spaziergänger bemerkten am Schwalmberge zwei ihnen verdächtig vorkommende Personen, die ihr Heil alsbald in der Flucht suchten. Der eine wurde hinter einem Gebüsch festgenommen; der andere war in die Schwalm gesprungen, stand bis an dem Hals im Wasser, bequemte sich jedoch dazu, dasselbe zu verlassen und sich gefangen nehmen zu lassen. Wie sich herausstellte, waren es zwei der Er­ziehungsanstalt in Wabern entlaufene Bnrschen.

Arolsen, 21. Januar. Vor mehreren Wochen wurde von dem Pächter der Militärkantine, Herrn Kluckhuhn, ein Transport mit Liebesgaben an die Mannschaften unseres Bataillons im Osten befördert. Man kam glücklicherweise auch bis ins Lager und konnte die stattliche Zahl der Pakete aushändigen, wie ein anderer Herr, der Herrn Kluckhuhn begleitete, nach seiner Rückkehr bestätigt hat. Leider ist Herr K. von dieser Reise aber bisher noch nicht zurückgekommen und befürchtet man mit Recht, daß er ein Opker seines Wohltätigkeitssinnes geworden ist.

Künzell, 19. Januar. Ein grausiger Fund wurde gestern früh in nächster Nähe der Lehmgrube, etwa 200 Meter oberhalb Künzell an der Straße nach Pilger- zell gemacht. In dem teilweise mit Wasser angefüllten Straßengraben lag die Leiche des 18jährigen Burschen Fladung von Dirlos. Man nimmt an, daß Fladung in stark angetrunkenem Zustande auf dem Heimweg heftig gegen einen Baum stieß, dann das Bewußtsein verlor und in den Graben fiel, wo er erfror. Die Leiche ist zur Beerdigung freigegeben worden.

Frankfurt a. M., 22. Januar. Die seit zwei Tagen hier tagende Versammlung der Verbände der Herren- und Damenmoden hat jetzt zu einem Ergebnis ge­führt. Es wurde eine Arbeitsgemeinschaft für die deutsche Herrenmode gegründet, der sämtliche Ver­bände beigetreten sind. Da durch diese Gründung die Grundlage für die Schaffung einer deutschen Herren­mode gegeben ist, sollen in der nächsten Zeit größere Versammlungen stattfinden, in denen man versuchen will, auch die Grundlagen für eine deutsche Damen- mode zu gewinnen.

Die Magermilch im Saashalt.

Die Magermilch wird noch immer nicht als wichtiges Nährungsmittel anerkannt, weil sie nicht jedem Gaumen behagt und weil ihr hoher Ernährungs­wert noch wenig bekannt ist. Tatsächlich zählt sie zu den eiweißhaltigsten Nahrungsmitteln, sie enthält nämlich sämtliche, bei der Umwandlung von Milch in Butter nach Abgabe des Fettes verbleibenden guten Stoffe der Vollmilch und zeichnet sich durch leichte Verdaulichkeit aus, so daß sie auch von einem Magen vertragen werden kann, dem andere Milch wegen ihres Fettreichtums nicht bekommt. Nun ist aller­dings der herbe Geschmack der Magermilch wenig ge­

eignet, ihr Liebhaber zu gewinnen. Leider kommt sie auch in manchen Orten in gepanschtem Zustande in den Verkehr, zumal da sich ein nachträglicher Wasserzusatz nicht gleich feststellen läßt. Wenn die Magermilch so führen die Hamburger Nachrichten (Nr. 28), deren Frauen-Rundschau wir diese dankens­werte Anregung entnehmen, weiter aus- heute nicht sorgfältig genug behandelt wird, liegt dies auch daran, daß sie fast nur als Schweinefutter zur Verwendung kommt. Ließe sich erwarten, daß sie allgemein zum unmittelbaren menschlichen Nahrungsmittel werde benutzt werden, so würde sie gewiß auch überall in tadellosem Zustande angeliefert werden. Es ist aber gar nicht notwendig, daß sie als unvermischtes Ge­tränk diene. Sie läßt sich mit überraschendem Erfolg als Ersatz für die mindestens doppel so teure Voll­milch zu den verschiedensten Suppen und süßen Speisen, insbesondere Mehlspeisen, verkochen und er­gibt so leichtverdauliche, daher auch als Kinderkost hoch zu bewertende und nahrhafte Gerichte. Wenig be­kannt dürfte sein, daß Magermilch auch im Kakao statt der Vollmilch benutzt werden kann, und, wenn das Getränk noch auf dem Feuer gut gesüßt wird, durchaus keinen unangenehmen oder eigenartigen Geschmack" zeigt. Die wertvollen Eigenschaften der Magermilch erscheinen auch in den sogenannten Magerkäsen, von denen der Harzerkäse und der Münchener Bierkäse längst allgemeine Wertschätzung genießen.

Spitzbergen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren diese großen unbewohnten Inseln im nördlichen Eismeer nur den Wallfischfahrern bekannt. Das hat sich seitdem ge­ändert, seit etwa zwanzig Jahren ist Spitzbergen ein beliebter Ausflugort hoch begüterter Touristen ge­worden, die weniger der öde Himmel als das behag­liche Leben auf den schönen Dampfern lockte, und sie fanden damals schon ständige Bewohner vor. Man hatte die mineralischen Reichtümer der Insel entdeckt. Es waren in erster Linie Steinkohlen, die nun amerikanische, englische und norwegische Firmen aus- beuteten. Für diese ständige Bevölkerung mußte nun eine Obrigkeit geschaffen werden, aber da zeigte es sich, daß das Land herrenlos war. Norwegen bean­spruchte es, da es seinen Küsten vorgelagert war, Rußland, da seine Beziehungen schon älter sein. In der Tat, als im 17. Jahrhundert die Kirchenspaltung in Rußland zur Verfolgung der Altergläubige führte, flohen viele nach Spitzbergen wie viele Jahrhunderte früher die letzten germanischen Heiden nach Island geflüchtet waren. Aber deren Nachkommen leben noch dort, während die Spuren der russischen Ansiedlungen auf Spitzbergen längst verschwunden sind. Nun aber kommt die Nachricht, daß Rußland die Inseln an­nektieren will, sei es um sein wankendes Prestige durch eine Erweiterung seiner Grenzen herzustellen, sei es mit Rücksicht auf die Kohlenlager. Denn an Steinkohlen hat Rußland empfindlichen Mangel, sein letzter durch Hindenburgs Sieg vereitelter Vorstoß auf Krakau galt auch dem Kohlenbecken Oberschlesiens, das zum Teil auch auf russisches Gebiet übergreift, nun aber schon längst vom Feinde besetzt ist.

Die Annektion von Spitzbergen ist ein neuer Schlag für die akandinavischen Mächte und sollte sie die Uebermacht Rußlands empfindlich fühlen lassen. Denn Rußland verlangt von ihnen nicht mehr und nicht weniger als die Oeffnung des Hafens von Narwik an der Küste Norwegens. Er ist durch Eisenbahnen mit der schwedischen Ostseeküste verbunden und bald sollen die schwedischen Bahnen auch Anschluß an die russischen finden. Gegen diese Zumutung haben Schweden und Norwegen energisch protestiert, und die Zusammenkunft der nordischen Könige in Malmö bezweckte wohl auch die gegenseitige Aussprache über diese Gefahr. Denn die Gefahr besteht, daß die uns feindlichen Mächte sich mit Gewalt in Besitz der Häfen und Eisenbahnen setzen. Daß die Rechte der Neu­tralen dabei schwächlich verletzt werden, wird sie wenig rühren, und ihre unendlich verlogene Presse wird schon den Beweis bringen, daß diese Neutralitäts­verletzung nur vorn reinsten Wohlwollen gegen die Geschädigten diktiert sei. Bekanntlich hat England die Getreideeinfuhr nach Norwegen gesperrt, da mög­licherweise Getreide nach Deutschland ausgeführt werden könnte. Norwegen ist aber auf die Zufuhr fremden Getreides angewiesen. Also ganz Unbe­teiligte aushungern, um sie Englands Willen zu zwingen! So sieht der Schutz der schwachen Staaten in Wirklichkeit aus!

Jede warme Decke schützt einen Soldaten vor Erkrankung!

Amekika null giiglanö in früheren Alten.

Eine amerikanische Urkunde über englische Treu-

losigkeitundTyranneiveröffcntlicht das Unterhaltungs­blatt des Reichsboten (dir. 9) indem es schreibt:

Daß die Begriffe Treu und Glauben, die dem Deutschen von jeher heilig waren, dem Briten Schall und Rauch sind, bezeugt für ewige Zeiten die ameri­kanische Unabhängigkeitserklärung, in der folgende Paragraphen den König von England charakterisieren.

24. Er hat unsere Heere geplündert, unsere Städte verbrannt und Tod und Verderben über unser Volk gebracht.

25. Er hat, indem er gegenwärtig große Heere ausländischer Söldlinge überschifft, nm das Werk des Todes, des Elends und der Tyrannei zu vollenden, bereitsmitHandlungenvon Treulosigkeit und Tyrannei begonnen, welche kaum ihres gleichen in den barba­rischen Zeitaltern haben und des Hauptes einer zivili­sierten Nation völlig unwürdig sind.

26. Er hat nnsere aus hoher See gefangenen Mit­bürger gezwungen, die Waffen gegen ihr eigenes Vaterland zu tragen, die Henker ihrer Freunde und Brüder zu werden, oder selbst durch deren Hände zu fallen.

27. Er hat unter uns innere Aufstände erregt und gegen die Bewohner unserer Grenzen jene grausame Indianer aufgereizt, deren bekannte Kriegsweise ein rücksichtsloses Vertilgen jeden Alters, Geschlechtes und Standes ist.

Bei jeglicher Strafe dieser Unterdrückung haben wir auf das alleruntertänigste um Abhilfe gebeten: unsere wiederholten Bitten wurden nur mit wieder­holtem Unrecht beantwortet."

Und doch haben die Amerikaner großenteils diese Lektionen so sehr vergessen, daß sie heute an Englands Edelmut zum Schutze der Schwachen glauben und ihm für diese Mission noch Waffen liefern.

(Haben Sie schon ihr Bündel für die Reichr-Woll-Woche geschnürt?

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für dar Rote Kreuz, Sektion Herrfeld

von

v

//

//

Erlös aus Bändchenverkauf M. 23.06

Gesammelt von Frl. Eda Braun für Adieu" sagen 5.

Herrn Hegemeister Prenzel Friedlos 5.

Skat-Klub in Wirtschaft v. Göbel, Neukirchen 11.70

Gesammelt an einem Elternabend in Asbach 17.06 einem Vaterlandsfreund in Motzfeld 50. Für Zinsen von Fa. L. Pfeiffer 258.80 Büchse Nr. 4 a. Lazareth Verein 15.40 5 Sonne 8.05 6 Kriegsschule 9. 3 * 4.80 Frau Stuhr Neu-Jersey (Amerika) 22. Herrn Bernhard Löwenberg 10 M. 440.87 Bestand 16594.18

17035.05 Davon verausgabt 2208.60 heutiger Bestand 14826.45

Für die Krieger im Felde: Herrn L. Licht M. 8.05

Sconto a. bez. Waren v. Herrn A. Nußbaum 1-62 Ungenannt 5. Gott strafe England . 12. Frau Stuhr, Neu-Jersey, (Amerika) 28. Frl. Elisabeth Göbel Landershausen 10. M. 64.67 Bestand 2747.74 Davon verausgabt 2812.41 2359.10 heutiger "Bestand 453.31

Für die notleidenden Ostpreußen: Ungenannt M. ^3. " Frau Stuhr, Neu-Jersey (Amerika) " 10. Ungenannt 10. Herrn Julian Ernst, Herfa 10. M. 53. Bestand 612.95 heutiger Bestand M. 665.59

Brinil EuerGDldzurRelsbslianii 1