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Amtlicher Anzeiger

Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im MmSDIUll amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. i --------------------------------------------------------------------------------------------------1

Nr. 18. Freitag, den 23. Januar 1915

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im , amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. i --------*-----------------------------------------------------------------------------------------------------;

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Idaben Sie schon ihr Mudel für die Reichs-Woll-Woche geschnürt?

. Bus der Heimat*

*Schweigen ist Gold", unter dieser Ueberschrift ermähnt der Verband reisender Kaufleute Deutschlands in Leipzig in seiner Verbandszeitschrift die reisenden Kaufleute, die jetzt auf die Frühjahrsverkaufsreisen gegangen sind, unterwegs, namentlich bei Reisen nach dem neutralen Auslande, doch recht vorsichtig mit Aeußerungen über die militärische und wirtschaftliche Lage des Deutschen Reiches zu sein. Es sei ja nicht zu vermeiden, daß bei langen Reisen das Gespräch in dieser Zeit auf den Kriege komme, der unerschöpflichen Unterhaltungsstoff biete. Da werde, weil die reisenden Kaufleute unterwegs viel sehen und hören, teils Selbsterlebtes, teils von anderen Gehörtes besprochen, und es könne leicht geschehen, daß Personen in dem­selben oder im benachbarten Abteil sitzen, die die Unterhaltung zum Schaden nnseres Landes verwerten. Vorsicht und Zurückhaltung sei unterwegs dringend am Platze, zumal die Weiterverbreitung von mili­tärischen Dingen unter Umständen für den Erzähler von recht unangenehmen Folgen sein könne.

* Die deutsche Gesandschaft in Haag (Holland) über­nimmt die Weiterbeförderung von Briefen und Postkarten nach dem Ausland, besonders nach England. Die an die Gesandtschaft gerichteten Briefe müssen genügend frankiert sein und das für das Aus­land bestimmte Schriftstück in einem zweiten, mit der genauen Auslandsadresse versehenen Briefumschlag enthalten. Briefe nach England (außer denjenigen an Gefangene) müssen in englischer Sprache abgefaßt sein, solche nach Frankreich in französischer Sprache usw. Die Schriftstücke müssen ferner kurz und deutlich gehalten sein und dürfen nicht ver­schlossen werden. Deutliche Adresse. Lateinische Schrift! Jedem an die Gesandtschaft gerichteten Briefe muß ein Internationaler Anwortschein (für 25 Pfg. bei den Postämtern erhältlich) für die von der Gesandtschaft auf den Auslandsbrief zu klebenden holländischen Briefmarken beigefügt werden. G e I d- und Pakete werden durch die Gesandtschaft n ich t weiterbefördert. Für Gefangene bestehen hierfür be­sondere Vergünstigungen, die bei den Postämtern er­fragt werden können. Die Dorötfche Bank in Haag, Kneuterdijk 12/14 übernimmt Geldsen­dungen nach England.

* (Fe rienorönung.) Der Oberpräsident hat für das Schuljahr 1915/16 die Ferien der höheren Schulen überhaupt, der mittleren und Volksschulen in denjenigen Orten, wo sich höhere Schulen befinden, wie folgt festgesetzt: a) für die Städte Gaffel, Eschwege, Frankenberg, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Homberg, Melsungen, Rinteln, Rotenburg, Schmalkalden, Schlüchtern und für Nieder- zwehren: Schluß des Schulunterrichts Ostern 1915: Mittwoch, den 31. März, Anfang des Schulunterrichts: Donnerstag, den 15. April 1915: Pfingsten: Schluß Freitag, den 21. Mai, Anfang Freitag, den 28. Mai; Sommer: Schluß Freitag, den 2. Juli, Anfang Dienstag, den 3. August; Michaelis: Schluß Dienstag, den 28. September, Anfang Donnerstag, 14. Oktober; Weih­nachten : Schluß Dienstag, den 21. Dezember, Anfang Mittwoch, den 5. Januar 1916; Ostern 1916: Schluß Freitag, den 14. April 1916: b) für die Stadt Marburg a. L.: Ostern 1915: Schluß Mittwoch; den 31. März. Anfang Donnerstag, den 15. April; Pfingsten: Schluß Freitag, den 21. Mai, Anfang Dienstag, den 1. Juni; Sommer: Schluß Freitag, den 16. Juli, Anfang Diens­tag, den 17. August: Michaelis: Schluß Sonnabend, den 2. Oktober, Anfang Donnerstag, den 14. Oktober- Weihnachten: Schluß Dienstag, den 21. Dezember, Anfang-Mittwoch, den 5. Januar 1916; Ostern 1916: Schluß Freitag, den 14. April 1916. Öfter-, Pfingst- und Weihnachtsferien in den übrigen Orten des Re­gierungsbezirks Caffel werden in gleicher Weise wie vorstehend bei den unter a) aufgeführten Orten fest­gesetzt, während die Lage und Daner der Sommer- und Herbstferien, wofür insgesamt 46 Tage übrig herben, von den Landräten im Einvernehmen mit Kreisschulinspektoren und nach Anhörung der ^)Mchulbehörden zu bestimmen sind. Auf die'israe- unschen Volksschulen, und zwar auch diejenigen in den wtadten und Orten mit höheren Lehranstalten soll eine vesondere Ferienordnung erlassen werden.

* Nach dem Reichsanzeiger ist der Kommunal- larck>tag des Regierungsbezirks Caffel zum 9. April nach Cassel, der des Regierungsbezirks Wiesbaden zum 26. April nach Wiesbaden berufen worden.

* (Nachtbackverbot und Hausbäckerei.) DreDeutsche Parlaments-Correspondenz" berichtet:

Das Bäckereigewerbe beginnt sich mit der Bundes­ratsverordnung über das Nachtbackverbot bereits ab- zufinden, trotz der großen Schwierigkeiten, die mit der Neueinrichtung der Backarbeit verbunden sind. Man erkennt allgemein an, daß eine Streckung der Getreidevorräte zweckmäßig ist, anderseits wird es Aufgabe des Publikums sein, das Bäckereigewerbe nach Möglichkeit zu unterstützen. Von verschiedenen Innungen sollen übrigens Anträge an den Bundes­rat gerichtet werden, die gesamte Hausbäckerei zu ver­bieten. Ueber die Herstellung von Kuchen im Wege der Hausbäckerei bestehen in weiten Kreisen unzu­treffende Auffassungen. Viele haben sich bekanntlich vor Inkrafttreten des Nachtbackverbots reichlich mit Weizenmehl versorgt, um sich im Hause eigenes Weizengebäck herzustellen. Nach der Bundesrats- verordnung ist aber auch im Hause das Kuchenbacken usw. aus reinem Weizenmehl verboten. Für die Hausbäckerei gelten dieselben Vorschriften wie für Bäckereibetriebe, darnach darf bei Bereitung von Kuchen nicht mehr als die Hälfte des Gewichts der verwendeten Metzle oder mehlartigen Stoffe aus Weizen bestehen. Der preußische Handelsminister stellt in seinen Ausführungsbestimmungen fest, daß die vorerwähnte Bestimmung nicht nur für Bäckereien und Konditoreien, sondern für alle, zum Beispiel auch die land- und hauswirtschaftlichen Betriebe gelten, in denen Backware hergestellt wird. Die Polizei­beamten und die beauftragten Sachverständigen sind befugt, in Räume, in denen Backware bereitet, auf­bewahrt usw. wird, jederzeit einzutreten.

) :( Hersfeld, 21. Jauuar. Unteroffizier Carl Otto, 9 . Bayr. gemischte Landwehr Jnf. Brigade, Sohn des Herrn Hutmacher Otto, hat das Eiserne Kreuz erhalten.

):( Hersfeld, 21. Januar. (Aus der Verlust­liste Nr. 128.) Res. Jnf. Regt. Nr. 224. Kriegsfrw. Friedrich Hill Wölfershausen, (Kreis Hersfeld) schw. verw. Kriegsfrw. Heinrich Rhoden, Hersfeld, verw. Gefr. Heinrich Weber Heringen, verw. Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regt. Nr. 2. Res. Simon Heller Oberaula, gefallen. Res. Adam Schmidt, aus Stärk- los (Kreis Hersfeld) schwer verw. (Pion.-Bat. Nr. 16.)

Caffel, 20. Januar. Im Saale des Ständehauses trat gestern vormittag der Landesausschuß unter Vor­sitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gebeschuß zu­sammen. Bei den Vorlagen, welche zur Beratung und Beschlußfassung stehen, handelt es sich in der Hauptsache um die Berichte und Anträge über die kommunalständischen Anlagen und Einrichtungen, so­wie Eingabenanträge, welche demnächst den hier zu­sammentretenden diesjährigen Kommunallandtag für den Reg.-Bez. Caffel beschäftigen werden. Wie bereits früher berichtet, wird der Kommunallandtag in An­betracht des Krieges dieses Jahr später als sonst zu seiner Tagung einberufen werden.

Verna, 19. Januar. Das 9jährige Mädchen des Ortsdieners Göbel wollte sich mit noch anderen Kindern am Ofen der' Schule wärmen, wobei die Kleider Feuer fingen. In der Angst liefen die Kinder auf die Straße, wodurch die Flammen noch größer wurden. Da nicht gleich Hilfe zur Stelle war, wurden die Brandwunden so heftig, daß das Mädchen noch am selben Abend gestorben ist.

Aus Thüringen, 19. Januar. Der Leipziger Kunstmaler Eugen Urban läßt in Friedrichroda eine Sagenhalle erstehen. Der Herzog von Coburg-Gotha hat sein Interesse für den schönen Plan bekundet. Urban vollendete kürzlich nach vieljähriger Arbeit die fünfzehn farbenfreudigen Kolossalgemälde, die in der Halle Aufstellung finden sollen. Urban wählte folgende Stoffe, um sie in zusammenhängende Bildergruppen auszugestalten: Der Graf von Gleichen und seine beiden Frauen; der Schmied von Ruhla und der Edelacker bei Freyburg; der Gottesmauu Luther und die Vision in der Wartburg: Tannhäuser im Venusberg und die Heimkehr aus Rom,- Friedrich mit der gebissenen Wange und die Taufe zu Reinhardsbrunn; die Hu- ssitten vor Naumburg und als Abschluß die Sage vom wilden Heer und vom getreuen Eckard nach der Darstellung Goethes. Manche dieser Stoffe sind schon wiederholt von Malern behandelt worden. Urban weicht jedoch jedem Vorbild aus und schuf nach eigener Eingebung und durchaus persönlichem Temperament.

Ratschläge für die Kriegszeit von Zentralstelle für Volkswohlfahrt.

Kartoffeln. Die Kartoffel soll im Haushalt ein ausgedehnte Verwendung finden, denn sie läßt sich zu mannigfachen und wohlschmeckenden Speisen verarbeiten. Sie kann mit vielen Gemüsen sowie auch mit Obst zusammengekocht werden. Man koche im allgemeinen die Kartoffeln mit der Schale, denn durch das vorherige Schälen geht ungefähr ein Zehntel unnütz verloren. Erfordert die Zubereitung eines Kartoffelgerichtes das Schälen, so soll man sich des Sparmessers (Kartoffelschälers) bedienen.

Zucker und süße Speisen. Zucker kann man in ausgiebiger Weise im Haushalt verwenden. Er hat einen hohen Nährwert. Während er in früheren Zeiten nur den Bemittelten zugänglich war und des­halb mehr als Genußmittel betrachtet wurde, kann er

heute bei billigem Preise geradezu als Volksnahrungs­mittel dienen. Mit reichlich Zucker eingekochtes Obst, Obstmus usw. ersetzen auf dem Brot die Butter. Süße Mehlspeisen, namentlich mit Obstbeilagen, sind keine bloße Leckereien. Sie können recht wohl dann und wann das Hauptgericht der Mittags- oder Abend­mahlzeit sein.

Getränke. Die besten und gesündesten Ge­tränke sind Wasser und Milch. Kaffee und Tee schaden bei mäßigem Genuß nicht, haben aber einen Nähr­wert nur in dem Zusatz von Zucker und Milch. Im Genuß geistiger Getränke halte man Maß. Namentlich Branntwein ist geeignet, die Gesundheit zu schädigen.

G e st a l t u n g d e r M a h l z e i t e n. Abwechslung in der Kost ist für die Gesundheit von großer Be­deutung, weil der Körper durch sie am ehesten die sämtlichen notwendigen Nährstoffe erhält und außer­dem die Eßlust angeregt wird. Die Kriegszeit ist kein Hindernis, die Kost ebenso abwechslungsreich zu gestalten wie bisher. Man muß nur die Möglichkeit verschredenartigerZubereitungdereinzelnen Nahrungs­mittel richtig ausnutzen.

Zubereitung der Speisen. Bei der Zu­bereitung der Speisen kann man sich mit großem Vorteil des Selbstkochers (der Kochkiste) bedienen. Hierbei wird Brennmaterial gespart und außerdem denjenigen Hausfrauen eine gute Zubereitung der Speisen ermöglicht, die durch ihren Beruf den größten Teil des Tages dem Hause entzogen sind. Der Selbst­kocher hat auch den Vorteil, daß draußen arbeitende Personen jederzeit warmes Essen vorfinden. Einen solchen Selbstkocher kann man sich mit Leichtigkeit und ohne nennenswerte Kosten selbst herstellen.

Rubland und England.

England und Rußland sind zwei alte Widersacher, die sich jetzt zu einem gemeinsamen Beutezuge zu- sammengefunden haben. Der Gegensatz bildete sich ganz von selbst heraus. Rußland ist mit seiner un­geheuren Landfläche doch vom Meer so gut wie abge­schnitten, England beherrscht alle Meere und wollte nicht dulden, daß sich Rußland an ihnen festsetzte. Rußland die größte Landmacht, England die größte Seemacht, so haben sich diese beiden Mächte nun unter Beiseitesetzung alter Streitpunkte geeinigt, um Deutsch­land zu überfallen. Der Erfolg ist bekannt. Er wiedersprach allen Erwartungen. So Mitte September wollten der Zar und der King, die beiden zum Ver­wechseln ähnlichen Vettern, sich in Berlin die Hände schütteln, neben ihnen noch König Albert von Belgien und Mr. Poinearee es geschah nichts von alledem. Die russische Armee erlitt furchtbare Niederlagen, trotzdem stellten sich immer neue Korps dem Feinde entgegen. Aber der zeigte eine Widerstandskraft, mit der man in Petersburg nicht gerechnet hatte. Man ist dort in schwerer Sorge und glaubt, daß die Ver­bündeten doch nicht genug getan haben. Man läßt der Tapferkeit der Franzosen alle Anerkennung widerfahren, findet aber das englische Aufgebot un­verhältnismäßig klein, das Resultat im ganzen un­befriedigend. Und die gewaltige englische Flotte hat allerdings den deutschen Handel vom Meere ver­trieben, geht aber dem Kampfe mit der deutschen Seemacht aus dem Wege. In Rußland verlangt man Taten zu sehen, in London vertröstet man. So im Mai ist Deutschland mit seinen Vorräten am Ende, im 'Diät hat auch Kitchener sein Millionenheer so weit ausgebildet, daß ihm der große Schlag gegen die Deutschen gelingen wird. So lange nur brauchten die Russen noch auszuharren.

Die hören die Botschaft mit wenig Freude. Un­ablässig dringt Hindenburg vorwärts, die Menschen- massen, die jetzt als russische Truppen bezeichnet werden, sind zu ernsthaftem Widerstund kaum noch fähig. Und am schlimmsten ist der Mangel an Kriegs­material. Das neutrale Amerika offeriert es zwar in reichster Auswahl, aber es verlangt bare Be­zahlung. Und Rußland hat kein Gold. Es baute ge­rade sein Finanzwesen aus neue Grundlage, das Branntweinmouopol war abgeschafft, Ersatz noch nicht gefunden. In diesem Moment den Krieg zu eröffnen, war Heller Wahnsinn, aber man rechnete auf den Reichtum von England und Frankreich. Aber Frank­reichs Reichtum ist gewesen, nur noch England kommt in Frage, und dieses ist seinem Bundesgenossen gegenüber einfach knickrig. So ist man in Rußland verstimmt und aus dieser Verstimmung erheben sich Fragen, wie die: Was hat Rußland gewonnen, wenn alle deutschen Industriellen aus dem Lande gejagt sind 2 Eine selbständige Industrie können die russischen Leute sich nicht schaffen. Schon immer waren neben den Deutschen, Belgier, Franzosen und besonders Engländer tätig. Sie haben allein den Vorteil vom Ausscheiden der deutschen Konkurrenz. Und man erkennt auch in Rußland, daß man sich nur für englische Interessen geopfert hat. Ganz das gleiche hat man in Belgien, auch in Frankreich er­kannt. Aber noch sind in allen diesen Staaten die Männer am Ruder, die sich der englischen Politik verschrieben haben. Auch ihre Zeit wird bald um sein, wenn die letzten Hoffnungen auf Hungersnot in Deutschland und Kitchenersche Riesenheere genom­men sind. So im Juli 2