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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld Weiler Äreisllott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. Ä*.------------------------------ .................

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 17.

Donnerstag, den 31. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden fich aus der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt I sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat.

* (Streupflicht.) Bei Glatteis und Schnee­fall muß der Hausbesitzer streuen, das ist eine selbst­verständliche Pflicht. Auch die von den Kindern ge­machten Rutschbahnen und sonstigen glatten Stellen sind schleunigst durch Streuen von Sand oder Kohlen- asche und dergleichen zu beseitigen. Der Hausbesitzer ist verantwortlich für die Sicherheit der Vorbei­gehenden vor seinem Grundstück.

* (Auszeichnungen für treue Dien ste. In Hessen-Nassau wurden im Jahre 1914 von der Kaiserin an weibliche Dienstboten für 40jährige Dienst­zeit in derselben Familie 20 goldene Kreuze und für 80jährige Dienstzeit 17 bronzene Denkmünzen ver­liehen. Ferner erhielten 16 Hebammen für 40jährige Tätigkeit in ihrem Berufe goldene Broschen.

*(SchwefelätherdarfmitderPostoder Feldpo st nicht versandt werden.) In Zeit­ungen ist dieser Tage empfohlen worden, den Ange­hörigen im Felde als Schutzmittel gegen Ungeziefer Fläschchen mit Schwefeläther zu übersenden. Schwefel­äther gehört zu den leicht entzündlichen Gegenständen, die wegen ihrer Feuergefährlichkeit nach der Postord- na«g zur Versendung mit der Post nicht zugelassen sind. Es wird daher dringend vor der Uebertretung dieses Verbots gewarnt.

Homberg, 18. Januar. Die Aufnahmeprüfung zum Eintritt in das hiesige Lehrerseminar ist auf den 29. und 30. März festgesetzt. Die für den Ostertermin angesetzte Abgangsprüfung fällt mit Rücksicht darauf aus, daß die Seminaristen der ersten Seminarklasse sich bereits im August der Notprüfung unterzogen haben.

Bebra, 16. Januar. In einer am Freitag im Hotel Schlüter hier abgehaltenen Versammlung des Bundes der Landwirte im Kreis Rotenburg forderte der Geschäftsführer Buhl unter allgemeiner Zu­stimmung auf, die vom Bund der Landwirte ins Leben gerufene Hilfsaktion durch Sammlung von Naturalien zu unterstützen, um das unbeschreiblich große Elend der Berufsgenossen in Ostpreußen einigermaßen lindern zu helfen. Die anwesenden Vertrauensmänner erklärten, freudig für dieses Werk christlicher Nächstenliebe arbeiten zu wollen.

Melsungen, 18. Januar. Von einem schweren Mißgeschick wurde am Sonnabend nachmittag der Tagelöhner A. in dem benachbarten Röhrenfurth be­troffen. A. war im Walde mit dem Fällen eines Baumes beschäftigt,' bei dieser Gelegenheit schlug ihm ein starker Ast derartig wuchtig gegen das Schienbein, daß es zersplittert wurde. Der schwerverletzte Mann wurde ins hiesige Krankenhaus eingeliefert.

Caffel. 19. Januar. (Der neue Generalquartier­meister ein Kurhesse.) Nachfolger des verstorbenen Generalquartiermeisters von Voigt-Rhetz wurde der bisherige Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartemen ts im Kriegsministerium Wild von Hohenborn, ein Sohn des Obermedizinalaffeffors Dr. Wild aus Caffel.

Caffel, 19. Januar. Der Vorstand der Handwerks­kammer beschloß, die Frühjahrsvollversammlung der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Caffel auf den 15. März nach Eassel, Sitzungssaal der Landesversicherungsanstalt für Hessen-Nassau, einzu- berufeu. Die Tagesordnung wird noch festgesetzt werden; sie wird unter anderm die Festsetzung des Haushaltsplans enthalten.

Meiningen, 19. Januar. In Schwallung^n wurde in der Nacht zum Sonnabend die auf dem Wege zu ihrer Wohnung gehende ledige Rompel von dem Eisenbahnarbeiter Göbel aus Schwallungen in der Nahe des Werraflusses überfallen und in den Fluß 6Estürzt. Da der Täter vermißt wird, ist er vermut­lich von seinem Opfer mit in die Fluten gerissen worden. Die Leichen wurden noch nicht gefunden.

.Dransfeld, 18. Januar. Zu gleicher Zeit standen letzten Nacht zwischen 1 und 2 Uhr die Säge- Flitzers L. Koch und zwar die Stallungen Wohnhaus sowie eine dem Landwirt A. Mielen- ^hörende Scheune außerhalb der Stadt an dem Hohen Hagen in hellen Flammen. Gebäude samt ihren Futtervorräten und Ackergeräten brannten nieder. Man vermutet Brand- fttstung.

Eisenach, 18. Januar. Ein schrecklicher Unglücks­fall ereignete sich in der hiesigen Fahrzeugfabrik.

Drei Arbeiter waren dort an einem Wagen mit dem Abladen einer Maschine beschäftigt. Eine zu diesem Zwecke verwandte Leiste kam unglücklicherweise mit der Starkstromleitung in Berührung, so daß der Leitungsdraht zerriß. Der Elektromonteur Ernst Schäfer, der den Draht, wohl im Glauben, der Strom sei ausgeschaltet, beiseite schaffen wollte, erhielt einen derartigen elektrischen Schlag, daß er auf der Stelle tot zn Boden sank. Der im zu Hilfe kommende Ar­beiter Max Härtung wurde ebenfalls vorn Strome getroffen, doch sollen seine Verletzungen nicht ernster Natur sein.

Fulda, 19. Januar. Verbrechen oder Unglück? Das ist die Frage. Der 18jährige Fabrikarbeiter Edmund Fladung von Dirlos wurde am Montag früh in einer. Lehmgrube am Wege von Künzell nach dem Dicken Turm mit einer schweren Schädelverletzung tot aufgefunden. Die Leiche wurde gestern der gericht­lichen Schau unterzogen und wird heute die Sektion derselben stattfinden. Hierbei wird sich ergeben, ob der junge Mann durch den Sturz in eine Tiefe oder durch ein Verbrechen sein Leben eingebüßt hat.

I haben Sie schon ihr Bündel für die Beichs-Woll-Woche geschnürt?

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Das Laterland ist stolz aas diese Söhne.

Schöne Nachrichten von der unvergleichlichen Tapferkeit unserer Truppen auf den verschiedenen Kampfgefilden lassen jede deutsche Brust in diesen Tagen höher schlagen. In Ost und West haben sie den Dank des gesamten Volkes in vollstem Maße verdient, und ihr oberster Kriegsherr hat nicht mit Worten der Anerkennung, mit Auszeichnungen der Führer und der Tapferstell öd Tapferen gekargt, auch der tapferen Schutztruppe in Ostafrika, die über eine vierfache Uebermacht britischer Streitkräfte bei Tanga einen völligen Sieg erfocht, wobei die feind­lichen Scharen die Hälfte ihres Bestandes einbüßten, hat der Kaiser in einem Telegramme an den Saats­sekretär des Reichskolonialamtes Dr. Solf huldvollst gedacht. Das Vaterland ist stolz auf diese Söhne, mit diesen schlichten, aber ergreifenden Worten hat er der Schutztruppe und den Beamten, Kaufleuten und Pflanzern, die mit ihr und in ihr als ehemalige Soldaten oder als Kriegsfreiwillige, für die Freiheit ihrer zweiten deutschen Heimat und für die Ehre des deutschen Namens fochten, das höchste Lob erteilt.

Diese kaiserliche Anerkennung gilt auch der tapferen Wacht im Osten, die unter Hindenburgs Führung, wie der neue ausführliche amtliche Bericht rühmend hervorhebt, im Kampfe mit einem an Zahl über­legenen Feinde erst in Ostpreußen, dann in Polen kaum einen Tag der Ruhe gefunden hat. Wtll's Gott, wird der Lohn für diese ihre fast übermensch­lichen Anstrengungen nicht ausbleiben. Wenn jetzt, nachdem der Winter endlich mit Schnee und Eis bei Neuem Monde Einzug gehalten hat, die aufgeweichten Wege erstarren, wird das fünfwöchige anhaltende Ringen an Rawka, Sucha und Piliza, wenn Gott der Herr seinen Segen gibt, durch siegreiche Entscheidung gekrönt werden; denndie Angriffskraft dieser herr­lichen Truppen ist nicht gebrochen, ihr Wille zum Siege unerschüttert."

Das Vaterland ist stolz auf diese Söhne, dieses Lob verdienen auch im vollsten Maße die Tapferen, die seit Mitte September von der belgisch-französischen Küste bis zur Burgundischen Pforte dem wuchtigsten ! Anpralle der Uebermacht widerstanden, die neben den Ansprüchen dieser stählernen Defensive auch den An­forderungen einer mühseligen Offensive mühselig, weil im Stellungskriege jeder Zoll Boden erkämpft werden mußte stets gerecht wurden und nie auf- hörten, Fortschritte zu machen. Hinter Lille und vor Arras, bei Soissons und Reims, vor Verdun in den Argonnen und an der Maas zwischen Verdun und Toul. Aberüber alles Lob erhaben ist, was unsere wundervolle Truppe, zwar schmutzig anzusehen, aber prachtvoll an Körperkraft und kriegerischem Geiste vor Soissons geleisteit hat." Von Aussehen wie die I Grasteufel Friedrichs des Großen und dasschmutzige" Elitekorps Aorcks, voll Ungestüm und Heldenmut wie I die Stürmer von Düppel und Spichern nahmen sie | bei Regenschauer und Wind über grundlose Wege | und lehmige Felder eine Höhe nach der anderen, einen Schützengraben nach dem anderen.Vielfach blieben die Stiefel im Kote stecken, der deutsche Soldat | focht dann barfuß weiter." Das Vaterland ist stolz auf diese Söhne.

Zu den Schützengräben find Decken, Teppiche, Matten aller Art dringend nötig.

Las K-Brot.

Ueber die durch den Bundesrat vorgeschriebenen Brotmehlersatzstoffe aus Kartoffeln, ihre Verwendung und ihren Nährwert bringt Prof. Dr. E. Parow in derZeitschrift für Spiritusindustrie" eine längere Abhandlung, der folgendes zu entnehmen ist.

Das Kartoffelstärkemehl bezw. die Stärke wird bekanntlich in der Weise gewonnen, daß die sauber ge­waschenen Kartoffeln mittels Reibe fein zerrieben werden, der Brei durch reines Wasser auf Auswasch- apparaten ausgewaschen, die ausgewaschene Stärke mehrere Male mit reinem Wasser gewaschen und die von dem Waschwasser durch Absetzen oder Schleudern getrennnte Stärke mittels Zentrifuge vorentwässert und nochmals gereinigt wird. Die Trockensubstanz besteht aus 98°/o Kohlehydrate, O,5«/o Eiweiß, W Asche und O,5o/o Rohfaser, Fett u. a. Die Trockensubstanz ist zu 98o/o verdaulich.

Die Kartoffelflocken werden aus sorgfältig ge­waschenen und gekochten Kartoffeln hergestellt. Auf rotierenden, mit gespannten Dampf geheizten Walzen wird die Kartoffelmasse dann getrocknet, welche in Form von Schleiern oder Bändern von dem Mantel der Walzen abgeschabt wird. Auf dem Wege von dem Walzenapparat bis zum Flockenelevator, welcher die Flocken dem Lagerraum zuführt, werden die Schleier mittels einer Transportschnecke zu Flocken zerkleinert. Die Flocken bestehen aus mehr oder weniger großen, weißlich-gelben bis gelben Blättern. Sie haben einen gesunden Geruch und einen Wassergehalt von 1415» 0. Das Kartoffelwalzmehl wird durch Vermahlen der Flocken erhalten. Die Trockensubstanz der Flocken sowohl als des Walzmehls besteht in der Hauptsache aus 89900 0 Kohlehydrate und 78°/o Eiweiß. Der Rest ist Rohfaser, Fett und Asche. Die Trockensub­stanz ist zu 93% verdaulich.

Der hohe Gehalt an Kohlehydraten, die zum größten Teil aus Stärke bestehen, und die große Verdaulich­keit macht alle Kartoffelfabrikate für die Verwendung zur Herstellung von Nahrungsmitteln besonders ge­eignet. Ersetzt man 10°/o Roggenmehl z. B. durch 10°/« Kartoffelstärkemehl, so wird die Verdaulichkeit der Trockensubstanz von 88,5 auf 89,4o/o erhöht, die Ver­daulichkeit der Eiweißsubstanz von 7,2 auf 6,5% er­niedrigt. Ersetzt man 20% Roggenmehl durch 10% Stärkemehl und 10% Flocken oder Walzmehl, so wird die verdauliche Trockensubstanz von 88,5 auf 89,9% erhöht und die verdauliche Eiweißsubstanz von 7,2'nur anf 6,40/0 erniedrigt. Der Unterschied in der Ver­daulichkeit der Trockensubstanz bezw. Eiweißsubstanz, ist in beiden Fällen so gering, daß er vernachlässigt werden kann, und das um so mehr, wenn man be­rücksichtigt, daß auch bei reinem Roggenbrot aus Roggen verschiedener Provenienz noch größere Unterschiede vorkommen können, da der Eiweißgehalt des Roggen­mehls nicht unerheblich schwankt. Der Nährwert des reinen Roggenbrotes ist daher dem des K-Brvtes nicht überlegen, sondern gleich.

Die Verwendung der Kartoffelfabrikate für die Brotbereitung erfordert eine Veränderung der üb­lichen Teigbereitung, Teiggärung und des üblichen Backprozesses nicht.

Die maßgebenden Stellen haben die Ueberzeugung gewonnen, daß das K-Brot als ein nicht nur notdürf­tiger, sondern fast vollwertiger Ersatz des reinen Roggenbrotes anzusehen ist. Die Absicht der Regie­rung, durch die Einführung des l<-Brotes die Brot­mehlbestände so zu verlängern, daß jede Gefahr einer Brotteuerung ausgeschlossen ist, verdient somit die kräftigste Förderung aller. Es ist eine nationale Pflicht, sowohl des Bäckereigewerbes, K-Brot herzn- stellen, als auch des Publikums, K-Brot zu fordern.

Die Schränke auf!

Nun, Frauen, plündert frisch drauf los, In Kisten, Schränk und Truhen;

Seid jetzt im Plündern ein Franzos', Laßt nichts im Kasten ruhen!

Steigt auf des Bodens Rumpelkammer, Nehmt mit hinauf Brecheisen, Hammer, Was ihr voll Pietät versteckt, Sei wieder frisch an's Licht gestreckt, Und fei're freudig Aufersteh'n. Doch nun nicht lange erst beseh'n. Ob's 'noch zu brauchen künftig Jahr, Ob noch die Wolle gut von Haar, Und das des Kindchens erstes Röckchen, Und dies des Bubis erste Söckchen, Und dies Großmutters Türkenschal, Heraus damit, das war einmal!

Heraus mit allem ohne Zagen, Für die, die mehr für uns jetzt wagen, Sie brauchen Hüllen, Mäntel, Decken, Um nach dem Kampf sich auszustrecken, Gebt freudig und mit off'ner Hand, Für's liebe deutsche Vaterland.

BringMoldzrtttM!