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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Hrrsselder

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 16.

Mittwoch, den 20. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Baterlande u. macht sich strafbar.

Bus der Heimat

* (Privattelegrammverkehr zwischen Feldheer und Heimat.) Nach dem Amtsblatt des Reichspostamtes wird ein Privattelegrammverkehr zwischen Feldheer und Heimat unter den vom Kriegs­ministerium bekanntgegebenen Bedingungen einge­führt und versuchsweise zugelassen. Um dem Offizier der Prüfungsstelle die Prüfung der Dringlichkeit zu ermöglichen, sind Telegramme der für den Korpsbezirk usw. zuständigen Prüfungsstelle versönlich oder brief­lich unter Beifügung der Gebühren zu übermitteln. Der Absender hat die Dringlichkeit zu begründen. Telegramme über das Befinden von Schwerver­wundeten haben vor anderen den Vorzug. Zugelassen ist nur die offenene deutsche Sprache. Jede Prüfungs­stelle darf nur eine beschränkte Anzahl von Tele­grammen zur Beförderung täglich annehmen. Die Gebühren betragen 5 Pfg. für das Wort, wobei die Adresse für zehn Taxworte gezählt wird. Kein Tele­gramm darf außer der Adresse mehr als zwanzig Worte enthalten. Für alle vom Feldheer nach der Heimat gerichteten Telegramme werden die Gebühren vom Empfänger erhoben.

* (Der Po st verkehr mit Kriegsge­fangenen.) Von jetzt ab können Postsendungen jeder Art unter den Bedingungen des Kriegsge- fangenen-Postverkehrs an die deutschen Kriegs und Zivilgefangenen in allen britischen Besitzungen und Schutzgebieten (Leitung über die Niederlande), ferner gewöhnliche Briefsendungen und Postanweisungen an deutsche Kriegs- und Zivilgefangene in Japan (Leitung je nach Wahl und Leitvermerk des Absenders über die Schweiz oder über Schweden-Rußland) abge­sandt werden. Die Postanweisungen an Gefangene in britischen Besitzungen sind wie solche an Gefangene in England an das Postamt im Haag, Postanweisungen nach Japan wie solche an Gefangene in Frankreich oder Rußland an die Oberpostkontrolle in Bern oder an das Postamt in Malmö 1 zu richten.

* (Das Ende der Hasenjagd.) Das zu Ende gegangene Hasenjagdjahr 1914/15 hinterläßt bei den Jägern kein freundliches Andenken. Ein naß­kalter Frühling vernichtete die jungen Hasensätze fast vollständig. An manchen Orten sah man deshalb von vornherein von der Abhaltung größerer Jagden ab, um die kargen Bestände nicht ganz aufzureiben. Wo man aber Treibjagden abzuhalten'wagte, erlebte man bittere Enttäuschungen. Winzige Bruchteile von dem Ergebnis früherer Jagden brachten die Jäger zur Strecke. Die Folge war, daß die Hasenpreise eine außerordentliche Höhe erreichten und mancher deshalb auf den altgewohnten Weihnachtshasen seufzend Ver­zicht leisten mußte. Der Kriegswinter 1870 71 hat es in bezug auf Wtldreichtum besser gemeint als der des gegenwärtigen Weltkrieges. Damals gab es Hasen in Hülle und Fülle, soviel, daß manches Langohr nicht gegessen werden konnte. Freilich waren 1870/71 die jagdlichen Verhältnisse noch weit, weit günstiger als heute, wo in jeder Gemarkung Fabrikschlote rauchen, Eisenbahnen rasseln und ein verzweigtes Wegenetz die Fluren durchschneidet.

* (Die Acker- und Gartenländereien in Hessen-Nassau.) Die Ermittelung der land­wirtschaftlichen Bodenbenutzung in Hessen-Nassau hatte für das Jahr 1913 folgendes Ergebnis: Getreide und Hülsenfrüchte 410 327 Hektar, Hackfrüchte 126 540 Hektar, feldmäßig gebaute Gartengewächse 4172 Hektar, Handelsgewächse 2163 Hektar, Futterpflanzen 54 708 Hektar, Brache 8170 Hektar, Ackerweide 2322 Hektar, Hausgärten 10 790 Hektar, Acker- und Gartenland zu­sammen 619192 Hektar. In dieser Zusammenstellung sind die Feldobstanlagen nicht mitgerechnet.

* Bei Po sta nw ei s ungen an deutsche Kriegsgefangene im Ausland ist es für Ab­sender und Empfänger von größter Wichtigkeit, daß die Angabe der Adresse des Empfängers auf der Rück­seite des Abschnittes der Postanweisung so deutlich wie möglich und in lateinischen Buchstaben geschieht. Denn diese Angaben dienen den Postbeamten in Bern nur Frankreich), im Haag (für England) und in Malmö (für Rußland) als Unterlage zur Ausfertigung einer neuen, an den Empfänger gerichteten Postan­weisung. Hierbei führen undeutliche Angaben des Uchenders sehr leicht zu Irrtümern und falschen An- gaben auf der neuen Postanweisung, die dann meist unbestellbar wird, sodaß der Zweck der Sendung ver- ^ffElt ist. In zahlreichen Fällen ist bisher schon die Nichtankunft von Postanweisungsbeträgen auf die undeutlich geschriebenen und mangelhaften Angaben der Absender zurückzuführen gewesen.

* (Herstellung von Schweinefleisch­dauerware.) Angesichts des augenblicklichen Ueber- angebots von Schweinefleisch erläßt der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Freiherr v. Schorlemer, einen dringenden Mahnruf, den Ueberfluß für die Zukunft nutzbar zu machen durch die möglichst umfangreiche Herstellung von Dauerwaren aller Art (Schinken, Speck, geräucherte Würste, Pökelfleisch, Konserven.) Die jetzige Jahres­zeit ist die beste für die Herstellung von Dauerwaren und für deren Aufbewahrung. Ein solches Vorgehen ermöglicht es der einzelnen Haushaltung, zu annehm­baren Preisen im voraus einen großen Teil ihres Bedarfes an Fleisch zu decken. Der Gesamtheit bringt es den Vorteil, daß dem unausbleiblich geringeren Angebot an Schweinefleisch in den späteren Monaten auch nur eine geringere Nachfrage gegenübersteht. Ein übermäßiges Steigen der Preise wird so ver­hütet und einer Beeinträchtigung der Volksernährung vorgebeugt werden. Das ist auch ein Stück Kriegs­arbeit, der sich die nicht im Felde Stehenden mit vaterländischem Pflichtgefühl unterziehen müssen, denn zum Durchhalten gegen die Welt von Feinden, die uns einen Hungerfrieden aufzwingen möchten, muß nächst der Brotversorgung auch die Fleischversorgung gesichert werden. Dauerware in Schinken, Speck und Wurst bedarf, falls sie für längere Zeit halten soll, folgender sorgfältigen Vorbehandlung ^ Schinken und Speck sind auch in den tiefen Lagen gut zu durchsalzen. Hierzu ist namentlich bei Schinken darauf zu achten, daß sie je nach der Größe während 6 bis 10 Wochen in einer genügend starken Pökellake gehalten"werden. Bei.Beginn^der^Pökelung sind sie ringsum, besonders an den nicht von Schwarte ^bedeckten Fleischteilen, kräftig mit Salz einzureiben. "Während der Pökelung sind die Waren möglichst Th Kellern bei 6 bis 12 Grad Celsius aufzubewahren. Bei höherer Wärme verderben Lake und Ware leicht, bei niedrigerer wird das Eindringen des Salzes in ! die Tiefe verzögert oder ganz verhindert. Nach der Pökelung werden Schinken und Specks einen halben bis einen ganzen Tag gewässert und darauf gut abgewaschen. Vor dem Räuchern werden sie in einem luftigen Raume, mög­lichst mit Zugluft,^je^nach^.dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft, mehrere Tage oder Wochen getrocknet. Würste sind sofort nach ihrer Anfertigung zu trocknen. Während der Trocknung dürfen die Waren Frost, feuchter Luft oder hoher Wärme nicht ausgesetzt werden. Das Räuchern der Ware ist langsam zu be­wirken, und zwar in mäßig starkem, kaltem und mit trockenen Sägespänen aus Hartholz, dem sogenannten Schmok, erzeugtem Rauch. Für längere Aufbewahrung beträgt^die Rüucherzeit bei Schinken etwa 3 Wochen, bei Speck bis zu 2 Wochen und bei Wurst bis zu 1 Woche.

-h- Hersfeld, 19. Januar. Gestern stattete Herr Geheimrat Kunz aus Cassel der hiesigen gewerb- Uchen.Fortbildungsschule einen längeren Besuch ab und wohnte in mehreren Klassen dem Unterricht bei. In einer längeren Ansprache, die der genannte Herr an die Schüler hielt, ermähnte er letztere zu wahrer Vaterlandsliebe und stetem Fleiß, da nach dem Kriege soviel Arbeiten und Pflichten zn erfüllen wären, daß Deutschland nur tüchtige und brave Menschen ge- brauchen könnte.

; ):( Hersfeld, 19. Januar. Alle diejenigen, welche noch nicht ihre Steuererklärung abgegeben, werden daran erinnert, daß morgen der letzte Tag ist. Wer dazu in der Zeit nicht in der Lage ist, möge bei der zuständigen Stelle rechtzeitig um Fristver­längerung einkommen.

):( Hersfeld, 19. Januar. Wir machen an dieser Stelle nochmals aufmerksam auf den im Anzeigenteil befindlichen Aufruf betreffs Reichs-Woll-Woche.

§ Hersfeld, 19. Jan. Wie das Generalkommando erfährt, versuchen Händler K r a f t w a g e n bei Pri­vatpersonen aufzukaufen, angeblich für Heeresver­waltung. Diese Angabe ist falsch. Ankäufe dieser Art werden hiermit verboten und sind zu verhindern.

Bebra, 17. Januar. Der Postbote Bachmann da- hier wurde beim Ueberschreiten der Geleise auf dem hiesigen Bahnhof von einer Maschine erfaßt und so schwer verletzt, daß seine Ueberführung in das Land­krankenhaus in Hersfeld angeordnet wurde.

Sontra, 15. Januar. Auf der Landstraße bei Bernebnrg wurde ein unbekannter Mann in er­schöpftem Zustande aufgefunden. Der Bedauernswerte starb alsbald nach seiner Auffindung. Ueber die Persönlichkeit konnte bis jetzt nichts näheres festge­stellt werden.

I A« den Schützengräben sind Decken, Teppiche, Matten aller Art dringend nötig.

Ein MiNämpser über die

Tage von Tfingtau.

Eine packende Schilderung des heldenhaften Ver­zweiflungskampfes von Tfingtau gibt in einem Brief an seine Angehörigen der Unteroffizier im 3. Seeba­taillon Saefkow, der zu den Verteidigern von Tfingtau gehörte und sich jetzt in japanischer Gefangenschaft be­findet. Er schreibt aus dem Gefangenenlager in Kurume:

Hiermit an Euch ein Zeichen meines Lebens. Wie Ihr wohl schon aus Zeitungsnachrichten wißt, hat Tfingtau sich am 7. d. M. ergeben, und wir sind in japanische Gefangenschaft geraten. Wie Ihr seht, bin ich mit dem Leben und, Gott sei Dank, auch gesund und unverwundet durchgekommen. Eine jede Kugel trifft fa nicht, hat sich auch hier gezeigt. Ich war et­was über 5 Wochen mit noch 4 Mann als Beobachtungs­posten an einer Bucht, wodurch ich nicht in der Lage war, an Euch zu schreiben, sonst wären in der ernsten Zeit wohl noch ein paar Briefe durchgekommen. Hoffe nun, daß Ihr Euch nicht unnütz um mich besorgt habt. Nachdem die Japaner soweit vorgekommen waren, habe ich bet den Kämpfen im Vorgelände am 27. und 28. September auf dem rechten Flügel teilgenommen. Am 28. September mußten wir dann in die Befestigungs­linie zurück, da ja die Japaner in großer Ueberzahl waren. Am 28. September begann die Beschießung von See mit 28 Zentimeter- und 30,5 Zentimeterge- schützen, die jedoch verhältnismäßig wenig Schaden an- richteten, da die Schiffe immer auf etwa 14 Kilometer Entfernung feuerten. Vom 25. Oktober begann die Beschießung von Land mit 28 Zentimeter- und 15 Zentimeterhaubitzen, öteeine furchtbare Wirkunghaben und zum Schluß bis auf die bombensicheren Kasernen und Wachen alles zerstörten.

Am 6. November abends begann, nachdem sich in­zwischen die Japaner überall bis zum Haupthindernis vorgearbeitet hatten, der Durchbruch zwischen J.-W. 3 und 4. Die Befestigungslinie bestand aus fünf Jn- fanteriewerken. J.-W. 1 rechts am Meer, J.-W. 5 links an der Kiautschoubucht. Jedes Werk war mit einem Werkhindernis rings umgeben, und vor allen fünf zog sich über die ganze Front ein Haupthinder­nis etwa 200 Meter von den Werken entfernt. Die Artillerie war rückwärts auf den Bergen aufgebaut mit Ausnahme der fahrbaren Batterie. Morgens um 1 Uhr 30 Minuten war J.-W. 3 gefallen, und es folgten J.-W. 4 und 2 gegen Morgen des 7. Die Ar­tillerie war schon vorher fast vollständig erledigt, hatte nur noch wenige Schuß in Reserve und in den letzten Tagen kaum noch geschossen. Etwa um 5 Uhr 30 Minuten morgens waren auch die Batterien genommen, und nur J.-W. 1 und 5 waren noch in unseren Händen. Ich war in J.-W. 1 und war von 8 Uhr abends bis 1 Uhr 30 Minuten morgens mit Maschinengewehr in der Feuerlinie. Als ich abgelöst wurde, kam sodann die Nachricht, daß J.-W. 3 gefallen, und so gab es natürlich keinen Schlaf. Habe sodann noch bis zum Morgen Sandsäcke in die hintere Feuerlinie geschafft. Nachdem die Werke 2, 3 und 4 von den Japanern ge­nommen waren, erhielten wir ein derart furchtbares Haubitzen- und Granatfeuer, daß es unmöglich war, in Stellung zu bleiben. Nachdem das Feuer etwas nachgelassen hatte, ging es wieder raus, aber ^nach kurzem Gefecht erhielten wir Befehl zur Uebergabe. Wir haben am wenigsten Verluste. Fast aufgerieben wurde die Pionier- und Maschinengewehrkompagnie, die eine Stellung zwischen J.-W. 3 und 4 hatten, eben­so die Oesterreicher, von denen 200 Mann ebenfalls dort lagen, und von denen 140 tot oder verwundet find. Kompagnie 2, welche J.-W. 4 hatte, hat etwa 40, dort wurden die Japaner noch um 10 Uhr einmal hlnaus- geworfen. Alle anderen Truppenteile haben verhält­nismäßig wenig Verluste. Wir, Kompagnie 1, haben tot 2 Unteroffiziere, 2 Gefreite, 3 Seesoldaten, und 8 Verwundete, haben aber auch wohl dre wenigsten von allen. Nach der Gefangennahme wurden wir so­fort abgeführt, haben von Tfingtau nichts mehr ge­sehen, und alle Sachen bis auf 4 Paar Strumpfe, die ich im Werk hatte, sind wohl verloren. Am meisten vermisse ich meine Uhr und die ganzen Erinnerungs­sachen, aber es ist Krieg, und man muß mit dem Leben zufrieden sein.

Wir waren dann noch vier Tage in Taputung, einem chinesischen Dorf, wurden sodann in der Schal- sykonbucht eingeschifft und nach einer zweitägigen Fahrt in Moji gegenüber Schimonoseki gelandet. Eine sechs­stündige Eisenbahnfahrt brächte uns sodann hier nach Kurume auf der Insel Fuknoka. Wir sind nett unter­gebracht, und das Essen ist gut, nur muß man sich erst an die japanischen Papierwände gewöhnen. Ander­mal Näheres, jedoch das meiste wohl mündlich, den wir sind Gefangene und können nicht frei von der Leber singen."