Hers selb er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld Herrscher WW Wlatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Telle 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 15.
Dienstag, den 19. Jannar
1915
I Wer Brotgetreide verfüttert, verjündigt sich am Vaterland« u. macht sich strafbar.
Bus der Heimat.
* Zur Hebung der Land- und For st - wirtschaft in den wirschaftlich zurückgebliebenen Bezirken in Höhe der auch vom Staate geleisteten Zuschüsse sind im Rechnungsjahre 1913 vom Bezirks- verbande Cassel aus dem Fonds zu besonderen Meliorationen gezahlt worden: auf Antrag der Kgl. Regierung : an 34 Gemeinden zu Aufforstungszwecken 3804.50 Mark, an 22 Gemeinden zu Hutemeliorationen usw. 7565.61 M., an 21 Gemeinden zur Anlegung von Wasserleitungen 13 944.30 M., an 2 Gemeinden zum Bau von Brücken 992.50 M.; auf Antrag der Kgl. Generalkommission in Cassel an 25 Gemeinden zu Folgeeinrichtungsbauten 28 000 M., zusammen54 306.91 Mark.
* (Kognak inBlechflaschen.) Als Liebesgaben für die im Felde stehenden Truppen werden auch mit Kognak gefüllte Metallgefäße (Blechflaschen) versandt. Die Untersuchung einer solchen Flasche hat ergeben, daß der Kognak von dem mangelhaft verzinnten Eisenblech des Flascheninnern Eisen ablöst. Dieses verursacht in Verbindung mit dem im Kognak enthaltenen Gerbstoffe eine tintenschwarze Färbung des Getränks, wodurch der Kognak ungenießbar wird. Die Behörde warnt daher von einem derartigen Gebrauche solcher Metallgefäße.
* Zur Verpackung der F e l d p o st s e n d- u n g e n wird postamtlich geschrieben: Die Zahl der bei den Postsammelstellen beschädigt eingehenden Feldpostpäckchen ist noch immer groß trotz der vielen von der Postbrhörde an das Publikum gerichteten Mahnungen, diese Sendungen so h-anerhaft wie nur irgend möglich zu verpacken. Besonders mangelhaft ist vielfach die Verpackung von Feldpostbriefen mit Flüssigkeit. Hunderte von Päckchen dieser Art mit zerbrochenen oder leck gewordenen Glasgefäßen gehen täglich schon bei den Postsammelstellen ein, also kurz nach ihrer Aufgabe zur Post. Die Aufgabepostanstalten sollen zwar ungenügend verpackte Feldpostbriefe mit Flüssigkeit unbedingt zurückweisen. Vielfach läßt sich jedoch den Sendungen von außen nicht ansehen, daß sie eine mangelhaft verwahrte Glasflasche enthalten. Es wird deshalb erneut darauf hingewiesen, daß sich bei Feldpostbriefen mit Flüssigkeit diese in einem starken, sicher verschlossenen Behälter befinden müssen, und daß der Behälter in einen durchlochten Holzblock oder in eine Hülle aus Pappe fest verpackt sein muß. Außerdem müssen sämtliche Zwischenräume mit Baumwolle, Sägespänen oder einem schwammigen Stoffe so angefüllt sein, daß die Flüssigkeit beim Schadhaftwerden des Behälters unbedingt aufgesaugt wird.
* (Portofreiheiten für Postsendungen der Jugendwehren.) Die „Deutsche Parlaments- Correspondenz" berichtet: Das Reichspostamt hat für Postsendungen aus Anlaß der militärischen Vorbereitung der Jugend Portofreiheit zugestanden, so daß Postsendungen in Angelegenheiten der Jugendwehren unter der Bezeichnung „Heeressache" portofrei befördert werden, wenn sie durch Bermittelung einer Reichs-, Staats- oder Gemeindebehörüe unverschlossen eingeliefert und von diesen nach Prüfung des Inhalts mit dem Abdruck des Dienstsiegels versehen werden. Durch den Abdruck des Dienstsiegels übernehmen die Behörden die Ueberwachung und Gewähr dafür, daß der Inhalt der Sendungen allein Dienstangelegenheiten der Jungwehren betrifft. Die Abgabe unausgefüllter mit dem Dienstsiegel vorher versehener Briefumschläge, Paketadressen usw. an die Jungwehren ist verboten.
^ZudemVerbotder Veräußerung v'on Decken erfährt Wolffs Büro von unterrichteter Seite, daß es sich hierbei nur um Mannschaftsdecken handelt, daß ein Verbot für das ganze Reichsgebiet angeregt worden ist und daß bei Bestandsanzeige auch die Art und Menge der einzelnen Sorten anzugeben ist und daß alsbald nach erfolgter Bestandsaufnahme eine weitere Verfügung ergehen wird.
* Gegen einen Kriegsschwätzer verhängte das Landgericht Berlin, wie Wolffs Bureau meldet, eine empfindliche Strafe. Wegen Beleidigung des deutschen Heeres wurde der Kutscher Erich Euch angeklagt. Der Angeklagte hatte in angetrunkenem Zustande zu einem Soldaten, der verwundet aus dem Feldzuge zurückkam, verächtliche Aeußerungen über E Deutschen Soldaten in Belgien gemacht. Mit Rück- u.cht auf die Gröblichkeit der Beleidigung erkannte die Strafkammer auf zwei Jahre Gefängnis.
§ Hersfeld, 18. Januar. Passierscheine und Fahrtausweise zu Reisen an die Front und m besetztes feindliches 'Gebiet werden nur in bchonders begründeten Fällen ausgestellt. Die Be- dlugungen hierzu sind auf dem Landratsamt zu erfahren.
§ Hersfeld, 18. Januar. In zahlreichen durch die Zeitungen veröffentlichten Anpreisungenwerden zurzeit Kugelschutzpanzer der verschiedensten Art zum Verkauf gestellt. Diese Schutzpanzer erfüllen "nicht den versprochenen Zweck, sind vielmehr, wie ein Versuchsschießen auf den von einer Firma G. Schneider u. Co., Maschinenfabrik, Roschlitz i. S., in den Handel gebrachten „Kugelschutz gegen Infanterie-Geschosse" beweist, dazu angetan, schwerere Berwundungen herbei- zuführen. Abgesehen hiervon sind sie auch geeignet, den Träger in seiner Bewegungsfreiheit zu hemmen und ihm dadurch die Erfüllung seiner Aufgaben in erheblichem Maße zu erschweren. Der Berliner Lokal- Anzeiger schreibt hierüber: In vielen Geschäften werden ans minderwertigem Material hergestellte Schutzschilde gegen Verwundungen feilgehalten. Der Gebrauch solcher Schilde bedeutet eine ernste Gefahr für den Träger, weil sie zur Splitterwirkung neigen und die Geschoßwirkung durch die in den Körper eindringenden Stücke der Schilde erheblich verschlimmern Der Oberbefehlshaber in den Marken hat deshalb angeordnet, den Verkauf solcher Schutzschilde solange zu verhindern, bis seitens der betreffenden Firmen amtliche Zeugnisse über die Brauchbarkeit der Schilde vorgelegt sind. Die Reviere sind angewiesen worden, den Inhabern der Geschäfte ihres Bezirks, in den in Schutzschilde feilgehalten werden, sofort schriftlich im Namen des Oberbefehlshabers zu eröffnen, daß diese Schilde nur verkauft werden dürfen, wenn dem Revier durch amtliches Zeugnis der Gewehr-Prüfungskommission Spandau-Ruhleben die Brauchbarkeit nachgewiesen wird. Für jeden Uebertretungsfall sind dreihundert Mk. Geldstrafe schriftlich anzudrohen.
) :( Hersfeld, 18. Januar. (A u s der 127. Ver - lustlist e.) Musk. Heinrich Eidam aus Oberhau n schw. verw. — Musk. Gg. Engelbrecht aus Schenk- lengsfeld l. v. — Res. Gg. Rüger aus Motz - f e l d gef. — Musk. Hrch. Götze aus Kohlhausen l. v. — Gefr. Christian Bollmer aus Unterneu - rode l. v. — Gefr. Frdr. S ch ö n e w o l f aus H e r s - fe Hr I. v.
Göttingen, 5. Januar. Der Barbier Sander aus Einbeck, der als Sanitätssoldat einige Monate im Felde gewesen war, mußte auf Betreiben der Polizei öffentlich im „Tageblatt" folgende Erklärung abgeben: „Die von mir an einigen Biertischen über die Kriegslage unüberlegt gemachten Aeußerungen vermag ich nicht aufrecht zu erhalten. Sie sind unrichtig. Uebrigens halte ich mich auch außerstande, mir über die Lage ein richtiges Urteil zu bilden." Folgt Name und Stand. Diese Erklärung wird hoffentlich allen Kriegsaufschneidern zur Lehre dienen.
Schotten, 17. Januar. Der Sohn des Musikers Kraft dahier zog sich an der Hand eine kleine Verletzung zu, die er nicht beachtete. Als sich dann Blnt- vergiftung einstellte, war es zu einem ärztlichen Eingreifen zu spät, so daß der junge Mensch an der erlittenen Verletzung sterben mußte.
Eisenach, 15. Januar. Hier ist neuerdings eine Kurrende ins Leben gerufen worden, wie sie schon zur Zeit Luthers bestanden hat und die sich bis in die 70er Jahre erhalten hatte. Die Kurrende ist schon mehrfach hervorgetreten und hat auch in den hiesigen Kriegslazaretten schon gewirkt.
Weimar, 16. Januar. Die Großherzogin vou Sachsen besichtigte neulich wieder mehrere Lazarette, wobei ihr Töchterchen sie begleitete. Eine Dame des Roten Kreuzes unterhielt sich angelegentlich mit dem Prinzeßchen und erkundigte sich auch nach dem Ergehen des Großherzogs, der bekanntlich sehr regen persönlichen Anteil an den Kämpfen in Polen nimmt, worauf Prinzeßchen stolz erwiderte:„Papaschießtdie Russen tot—und hatauchLäuse." (Letzteres mit ganz besonderem Nachdruck.)
IhäbenSieWon ihr Bündel für die I Reichs-Woll-Woche geschnürt?
Nicht Sorge, sondern Lorsorge.
Ueberängstliche Gemüter kann man nicht selten die Besorgnis aussprechen hören, daß Deutschland, das gegenwärtig in seiner Nahrungsmittelversorgung infolge der durch den Krieg verhinderten Einfuhr auf sich selbst angewiesen ist, nicht in der Lage sein werde, sich auf die Dauer genügend mit Nahrungsmitteln zu versorgen, wenn der Krieg sich in die Länge zöge, und in düsteren Farben wird eine in Aussicht stehende Teuerung, wenn nicht gar Hungersnot an die Wand gemalt. Diese Besorgnis ist indessen unnötig,- denn im wesentlichen kann die deutsche landwirtschaftliche Produktion den Bedarf wohl befriedigen. Freilich ist auf der anderen Seite auch weise Versorge durch haushälterische Sparsamkeit und Einschränkung in unseren Eßgewohnheiten geboten.
Zunächst ist unser Hauptvolksnahrungsmittel, die Kartoffel, in so reichem Maße vorhanden, daß ihr
Verbrauch nicht einmal eingeschränkt zu werden braucht. Zudem kann durch Urbarmachung der Oed- ländereien die Anbaufläche noch bedeutend vergrößert werden. Es sind davon etwa S1^ Millionen Hektar vorhanden, und das ist nahezu ein Zehntel der landwirtschaftlich angebauten Fläche Deutschlands. In der wachsenden Schar von Kriegsgefangenen haben wir Arbeitskräfte in reichem Maße. Wenn man rechnet, daß jeder Gefangene einen Hektar urbar macht, so können 500 000 Hektar Oedland der Kultur erschlossen und darauf eine Million Tonnen Kartoffeln geerntet werden. Die preußische Regierung hat die Urbarmachung im Havelländischen Luch und in der Lüneburger Heide bereits in Angriff genommen, und in dieser Beziehung wird der Krieg, der große Zerstörer, zu einem schöpferischen Neugestalter werden. Weiter können wir unsere Nahrungsmenge dadurch steigern, daß wir die Haltbarkeit der Kartoffeln vergrößern. Dazu muß jede Hausfrau das ihrige beitragen : die Kartoffeln müssen kühl, trocken, geschützt gegen Frost und Licht aufbewahrt und die darunter befindlichen angefaulten Knollen von Zeit zu Zeit ausgelesen werden.
Im Fleischverbrauch steht Deutschland mit an erster Stelle und hat auf den Kopf der Bevölkerung einen ebenso starken Fleischverbrauch wie England. Von unserem Fleischverbrauch deckt aber den weitaus größten Teil unsere heimische Landwirtschaft, nur etwa fünf Prozent werden in Frieöenszeiten eingeführt. Diese mangelnde Einfuhr können wir ersetzen durch unsern Viehbestand, der in Zeiten der Not angegriffen werden müßte, aber vor allem dadurch, daß wir das Uebermaß in unseren Eßgewohnheiten gründlich dämmen. Wir müssen im Verbrauch ebenso rationell verfahren, wie wir es in der Produktion für selbstverständlich halten. Eine Gewohnheit hierin wird ein Gewinn für die spätere Zukunft sein. Eine starke Einschränkung wird auch der Verbrauch von Eiern erfahren müssen, da zwei Fünftel des Gesamtangebots in Eiern aus Rußland und Oesterreich- Ungarn eingeführt werden, diese Einfuhr aber jetzt wegfällt. Ebenso wird man auch mit dem Fettverbrauch sparsamer umgehen müssen, damit namentlich die für die Kinderernährung so wichtige Menge von Milch erhalten bleibe, sollte nicht mehr als bisher die Hälfte aller produzierten Milch verbuttert, sondern statt der Butter Obstsäfte und Marmeladen verwendet und die Magermilch wieder mehr Menschennahrung werden.
Hierzu kann die Hausfrau beitragen, indem sie den Verbrauch von Käse erhöht, der zudem einen ganz erheblichen Nährwert besitzt. Unser ganzer Verbrauch muß vom Kriegsgedanken durchdrungen sein. Anch die fehlende Einfuhr von Futtermitteln zu ersetzen, ist eine durchaus lösbare Aufgabe. Zur Vermehrung der Futtermittel kann dadurch beigetragen werden, daß man allgemein Versuche macht, die Küchen- abfälle für die Verfütterung zu sammeln. In Essen ist dieser Versuch mit solchem Erfolge angestellt worden, daß 50 000 Kilogramm Futtermittel wöchentlich der Landwirtschaft zugeführt werden können.
Den Kaffeegenuß dagegen werden wir nicht wesentlich einzuschränken brauchen; denn es liegen mehr als eine Million Sack von brasilianischem Kaffee in Hamburg, und 700 000 Sack Kaffee sind in Antwerpen beschlagnahmt worden. Mit der Absicht Englands, Deutschland durch Hiuausziehung des Krieges auszu- hungern, ist es also nichts, und bange Sorge braucht uns nicht zu quälen, aber der Geist der Vorsorge muß in jedem einzelnen von uns lebendig sein.
Ratschlöge für die Kriegsreit von Zentralstelle für Volkswohlfahrt.
Milch und Käse. Die Milch soll reichliche Verwendung finden. Auch saure Milch und Buttermilch sind ausgezeichnete Nahrungsmittel. Alle Arten der Milch lassen sich auch zu Suppen und Mehlspeisen verwenden. Hierzu eignet sich auch die abgerahmte Milch (Magermilch), deren Verwendung stch bei billigem Preise empfiehlt. Die mannigfachen aus der Milch hergestellten Käsesorten, besonders auch Quarkkäse, sind bekömmliche und nahrhafte Speisen. Milch und Käse sind ein vortrefflicher Ersatz für Fleisch und Eier
Brot- und Mehlspeisen. Als tägliches Brot soll man die hauptsächlich aus Roggenmehl hergestellten Arten bevorzugen. Dre Sitte vieler Landesteile, als Frühstück und Abendbrot, Grrrtzen, Mehlsuppen und andere Suppen mit Zusätzen zu genießen, verdient Nachahmung. Man bereite auch viele Mehlspeisen auf süddeutsche Art. Altes Brot ist ebenso nahrhaft wie frisches. Ausschließlicher Genuß frischen Gebäcks führt zur Brotvergeudung. Brotreste lassen vielfache Verwertung in der Küche zu. Man soll sie trocken aufbewahren, damit sie nicht verschimmeln und ungenießbar werden. , ,
Gemüse. Ein gut zubereitetes Gemüse ist ein wertvoller Bestandteil des Mittagessens. Das Gemüse ermöglicht viel Abwechslung in der Kost. Bei der Zubereitung spare man an Fett. Auch Gemuje- abfälle verdienen eine sorgfältige Verwertung.