Der Türkenkrieg.
Die Ausbreitung des Heiligen Krieges.
Um die Stämme Arabiens «nd Mesopotamiens für den Heiligen Krieg zu gewinnen,, durchziehen, wie die Londoner „Morningpost" aus Kairo berichtet, türkiiche Abgesandte die Halbinseln Sinai und Arabien bis hinauf nach Mesopotamien. Die Werber für den Heiligen Krieg führen Waffen aller Art mit sich, die den Eingeborenen und BekRinern zum Islam als Geschenk überlassen werden. Die in Aegypten stationierten englischen Kriegsschiffe haben an der kleinasiatischen Küste zwischen Port Saiö und Gasa Aufstellung genommen, um die Benutzung der am Meere entlang führenden Saumpfade und Straßen, soweit sie von dem Feuer der Schiffe erreicht werden können, unmöglich zu machen.
Ein französisches Tauchboot vor den Dardanellen gesunken.
^ Konstantinopel, 16. Januar. (WTB.) Das
Große Hauptquartier teilt mit: Das französische Unterseeboot „Saphir" versuchte sich den Eingang in die Dar- danellenstrahe zu erzwingen, wurde aber sofort durch unsere schwere Artillerie zum Sinken gebracht. Ein Teil der Besatzung konnte gerettet werden.
„Saphir" ist ein älteres Tauchboot; es lief 1908 vom Stapel. Seine Wasserverdrängung beträgt getaucht 450, ungetaucht 390 Tonnen. Seine Besatzung belief sich auf 23 Mann. Die Bewaffnung bestand aus sechs 45-Zentimeter-Torpedorohren.
Der Krieg in den Kolonien.
Die blutige englische Niederlage in Ostafrika.
Der Londoner „Daily Telegraph" meldet über den Angriff der Engländer auf Tanga: Unsere Truppen gerieten in einem Sichren Busch in heftiges Kreuzfeuer, behaupteten aber ihre Stellungen. Sie kamen langsam vorwärts und dragen in Tanga ein. Da es nicht möglich war, den Feind bei dem heftigen Feuer aus fernen Stellungen herauszubringen, gingen die Truppen bei Tanga im Dunkel in eine befestigte Stellung zurück, von wo es möglich war, die Küste zu gewinnen und sich wieder einzuschiffen. Der Angriff fand in einem schwierigen Lande statt, wo jedes im Busch versteckt liegende Haus auf die Verteidigung vorbereitet war. — Ueber die Verluste der Engländer sagt das Blatt natürlich nitchs. Der auMhrlichere Bericht des Blattes lautet:
London, 15. Januar. (WTB.) „Daily Telegraph" veröffentlicht einen Bericht über den erfolglosen englischen Angriff auf Tanga in Dentsch-Ostafrika Dre aus britischen und indischen Truppen bestehende englische Streitmacht war Ende Oktober von Bombay ab- gereist und am 2. November vor Tanga angekommen. Da Tanga ein unbefestigter Hafen ist, so forderte der Kommandeur des Kriegsschiffes „Fox" den Platz auf, sich zu ergeben. Der deutsche Gouverneur lehnte dies ab, zog Verstärkungen heran «nd befestigte den Platz. Eine Abteilung englischer Truppen zog auf Tanga, von wo sie mit Gewchrfener empfangen wurde. Der Gegner machte einen Gegenangriff, bei dem die Briten weichen mußten. Inzwischen wurden weitere Truppen gelandet. Die Streitmacht verschanzte sich. Ein allgemeiner Vormarsch wurde unternommen. Infolge dichter Pflanzungen war es unmöglich, weiter als hundert Yards zu sehen. Da die Gefechte nutzlos waren, so gingen sie an Bord des Transportschiffes im äußeren Hafen.
Die Neutralen.
Amerikas Protest.
Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: Das Reuterbureau meldet aus WaWngton: Staatssekretär Bryan bestätigt der englischen Regierung in einer kurzen Mitteilung den Empfang der vorläufigen Antwort auf die amerikanische Note und erklärte, die volle Antwort avwarten z« müssen, ehe er selbst antworte.
Gefälschte Etnfnhrzahlen.
Aus Stockholm wird nach dem „B. L.-A." gemeldet: Die in der englischen Antwort auf die amerikanische Note angeführten Einfuhrzahlen für Schweden, wodurch England den Beweis erbringen wollte, daß Schwedens Einfuhr aus Amerika erheblich gestiegen ist, um nach Deutschland weitergeführt zu werden, wird von der größten Anzahl der schwedischen Blätter mit Entrüstung als gefälscht zurückgewiesen. Es wird hervorgehoben, daß in Wirklichkeit die Novembereinfuhr der verschiedenen Waren unter normal geblieben sei. Das Finanzministerium wird einen Bericht über die offiziellen schwedischen Einfuhrzahlen ausarbeiten und der englischen Regierung überreichen.
«kleasallerlei.
Die Sparsamkeit unserer Soldaten.
Die bayerischen Soldaten haben, wie der „Bayerische Kurier" erfährt, in einem einzigen Monat, dem ---* ' * " ------'enen Jahres, mehr als 7 "Ingehörtgen gesandt.
mK MUlKi ^\ uy^v vi Schlutzmonat des abgelaufe Millionen Mark an ihre A
Englische Offiziersfrauen als Spioninnen.
Aus Amsterdam wird berichtet: Jüngst wurde in Knocke eine Dame, die Frau eines englischen Offiziers, mit ihrer achtzigjährigen Mutter gefangen genommen. ?ln einem Briefe, den sie an ihren Gatten gesandt und en man abgefangen hatte, waren alle deutschen Stellun-
gefangen hatte, waren alle deutschen Stellungen ausgezeichnet.
Gefangene deutsche Sanitätsabteilung in Petersburg.
Kopenhagen, 15. Januar. (WTB.) „Birshewyja Wjedomosti" meldet, daß in Petersburg am 3. Januar mit der Warschauer Eisenbahn eine gefangene deutsche Sanitätsabteilung eintraf. Die Kriegsgefangenen erhielten Tee und wurden unter Bewachung in ein Hospital gebracht.
Der französische Lügenseldzug.
Berlin, 15. Januar. (WTB. Amtlich). Das „Journal Offictel" verbreitet einen amtlichen französischen Bericht über die deutschen Grausamkeiten. Der Bericht bildet den Gipfel in dem Lügenfeldznge, der seit dem Kriegsbeginn geführt wird. Er strotzt von den unerhörtesten Greuelgeschichten; die lediglich von Franzosen behaupteten Fälle werden als bewiesen dargestellt, ohne daß irgendeine Möglichkeit bestände, sie unparteiisch zu untersuchen. Das deutsche Heer steht viel zu hoch, als daß es von diesem Schmutz erreicht werden könnte. Es nimmt aber davon Kenntnis, zu welchen vergifteten Waffen ohnmächtiger Haß einen Gegner getrieben hat, der einst für ritterlich galt.
Unterdrückung alles Deutschen in Rußland.
Der Gouverneur von Riga hat das Verbot des sIwHy^tL öemonftrativen Deutschsprechens sowie der „^^Hen, Schilder und Aufschriften unter Androhung
Rubel Geldstrafe oder drei Monaten ^sangnis erneut eingeschärft. Nach Mitteilungen der Januar ist die Moskauer deutsche Zei- lA^r^^n schädlicher Richtung, die sich in Angriffen auf England und Frankreich zeigt, verboten worden.
Die schwedischen Gendarmen aus Persien zurückgezogen.
»^ Kopenhagen, 16. Januar. (T. U.) Aus Stockholm wird nach er „Dtsch. Tgztg." berichtet: Hjalmarson und die Offiziere und Unteroffiziere von der persischen Gendarmerie sollen beauftragt worden sein, den Dienst in Persien zu quittieren und wieder in die schwedische Armee einzutreten. Die Ursache ist nicht Entzweiung mit Persien, sondern die Regierung wünscht in dieser kritischen Zeit die Offiziere wieder bei ihren Regimentern zu sehen. Nach dem Kriege können sie wieder nach Persien zurückkehren.
Die Feldpost und das Eiserne Kreuz.
Nach den bis zum 4. Januar reichenden Veröffentlichungen des Reichspostamts sind bis jetzt 340 Eiserne Kreuze zweiter Klasse und 46 andere Kriegsauszeichnungen an Angehörige der deutschen Feldpost und Feld-Etappen-Telegraphie verliehen worden. Von den 340 Eisernen Kreuzen entfallen 310 auf Angehörige der Reichs-Postverwaltung, 23 auf bayerische und 7 auf Württembergische Feldpostbeamte. Da das Personal der Feldpost zur Zeit rund 3500 Köpfe zählt, sind also mehr als 10 Prozent davon schon ausgezeichnet worden. Diese Zahlen sind ein Beweis nicht nur für die Gefahren des Berufs, sondern auch für die Pflichttreue, Hingabe und Tapferkeit der Feldpostbeamten.
Vermischtes.
Ein Schweizer Dorf von einer Lawine verwüstet. Das Dorf Ober-Getelen ist Donnerstag morgen durch eine Lawine teilweise zerstört worden. Viele Stellen sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Einwohner konnten noch rechtzeitig aus den Häusern flüchten.
Lieb Vaterland magst ruhig sein! In Bottrop (Regierungsbezirk Münster) wurden zwei Frauen, deren Männer im Felde stehen, mit Drillingen beschenkt. In beiden Fällen sind drei Knaben angekommen. — Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt sein, daß dieser Tage in München-Glaöbach einem Handwerksmeister der 16. Knabe geboren worden ist. Er hat das Ereignis seinen Freunden und Bekannten unter dem Fettdruck „Lieb Vaterland, magst ruhig sein" mitgeteilt.
Was sich die Amerikaner vorlügen lassen. Eine niedliche Reutermeldung findet die „Holzwelt" in „Hardwood Record". In diesem Blatte, das in der amerikanischen Holzindustrie durchaus angesehen ist — es erscheint in Chicago — ist folgende Nachricht enthalten. „In Deutschland wird aus Sägespänen, die mit Roggenmehl vermischt werden, eine Art Brot gebacken, das von Menschen sowohl, als auch von Pferden verzehrt wird. Eine Dampfbäckerei stellt allein 20 000 solcher Brote täglich her." — Das stimmt nicht ganz, wir sind von den Sägespänen längst zu Kieselsteinen übergegangen, die in Essig und Del eingemacht und als Delikatesse genossen werden.
Ein Schwindler, der mit einem falschen Eisernen Kreuz von 1870/71 geschmückt, verschiedene Logis fchwin- deleien verübt hatte, mußte sich in der Person des 58- jährigen Schneiders Ludwig Köter vor dem Strafrichter in Berlin verantworten. Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte tauchte vor einiger Zeit in der Rolle eines Veteranen von 1870/71 in Berlin auf und verstand es, obwohl er nie einen Soldatenrock getragen hatte, seine Zuhörer durch seine Erzählungen über seine Heldentaten im deutsch-französischen Felözuge zu fesseln. Sein sicheres Auftreten verschaffte ihm auch Eingang in die Kasernen, wo er im Kasino mit Speise und Trank bewirtet wurde. In den jetzt zur Anklage stehenden Fällen hatte der Angeklagte bei mehreren Vermieterinnen einige Tage gewohnt und war dann unter Hinterlassung der Schuld spurlos verschwunden. Wegen ähnlicher Straftaten wurde der Angeklagte kürzlich in Süddeutsch- land zu 8 Monaten Gefängnis und wegen des Tragens des Eisernen Kreuzes zu einer Haftstrafe verurteilt. Wegen der jetzt verübten Schwindeleien erkannte die Strafkammer auf eine Zusatzstrafe von 9 Monaten Gefängnis.
Erlebnisse im Felde.
H. . , . ist ein, oder besser gesagt, mehr als ein besseres Dörfchen und ist am gestrigen Samstag von den Franzosen zunächst besetzt von uns Deutschen mit Erfolg befeuert worden. Unter Verlusten auch auf unserer Seite ist der Ort von uns im Sturm genommen und vom Feind, um uns den Aufenthalt dort zu erschweren oder unmöglich zu machen, durch Granat- und Schrapnellfeuer zerstört worden. Beim Einmarsch gegen Abend brannten die Häuser noch lichterloh und die verseh'rt gebliebenen machen einen trostlosen Eindruck. Keine Fensterscheibe mehr ganz. Sämtliche Hausgeräte lagen auf den Straßen zerstreut, Vieh herrenlos herumlauiend, kurzum trostlos. Gegen 9 Uhr waren wir von M. . . (Gut bei C.) in M. angekommen, die Brigade blieb ca. 2 Klm. vor dem Ort in Deckung im Walde liegen. Ich als Befehlsempfänger bei der Brigade — für unser Bataillon — und ein Gastwirt aus . . . gingen zum Stab, der an der Kirche in M. lag. Ein interessantes Bild, die Herren Generäle vor der Türe sitzend und stehend, Charakterköpfe und interessante Erscheinungen darunter, Meldereiter, Radfahrer, Automobilpark usw. Immerwährendes Kommen und Gehen. Bei aller Ruhe eine emsige Tätigkeit. Im Hintergründe die'Kirche mit dem Genfer Kranz schon überfüllt. Verwundete mit ihren weißen Verbänden davor sitzend und stehend. Die Häuser daneben und gegenüber werden hinzugenommen. Leichter Verwundete kommen zu Fuß oder auf die Kameraden oder Krankenträger gestützt mit verbundenen Köpfen, Armen, Händen und Fingern an. Sie sind gleich hinter der Schützenlinie notdürftig verbunden worden und werden sofort zum nächsten Etappenlazarett nach D. geschickt. Die Häuser sind gefüllt und man holt Stroh und bereitet den Verwundeten vor den Häusern ein Lager. Etwas Chokolade, die ich noch hatte, stiftete ich fünf oder sechs der armen Gesellen.'
4 Uhr nachmittags. Unsere Brigade ist abgerückt und wir warten auf Befehle, die jedoch ausbleiben, also genügend Muße zum Beobachten. Drei gefangene Franzosen bringt man herauf und wieder Verwundete. Es wird uns aus der Feldküche etwas zu Mittag angeboten und dankend nehmen wir Suppe und Brot. Wieder neue Scharen Verwundete. Die Deutschen haben einen Vorstoß gemacht, die Franzosen schicken Kolonialtruppen (eingeborene Afrikaner) in die erste Linie, die von den Bäumen aus unsere Linien beschossen. Die meisten Verwundeten sind durch die französische Artillerie, die vorzüglich schießt, verletzt. Wir begeben uns zur Truppe, die wir nach kurzem Suchen in H. finden.
Sonntags abend gegen 7 Uhr. Unser Major nimmt unsern Befehlsempfänger noch mit in die Stellung, die das ganze Bataillon einnehmen soll. Dadurch gewinnen wir mehr Ueberblick. Etwa 1500 Meter hinter dem Westausgang von M . . ., haben Pioniere vorzügliche Schützengräben ausgehoben, teilweise ganz gedeckte mit Schießscharten, teils solche mit Deckungen. Das Bataillon hat einen Gefechtsabschnitt von etwa 2000 Meter (von dem jedoch eine Strecke von 1000 Meter nicht besetzt ist). 3 Kompagnien gehen in die Gräben, 1 Kompagnie in 'Reserve. Die Stellung wurden von der. . . Brigade besetzt, jetzt durch unsere Truppen abgelöst. Um 10 Uhr kommen wir zur Ruhe und ich schlafe in einem Stall auf einer Matratze, Kopf auf Stroh (ange- zogen) wie ein Dachs. Um 3 Uhr werde ich wach, weil ich friere. Eine Pferdedecke übergelegt, daß ich wieder einschlafe. Um Vj5 Uhr weckt mich Freund . . ., der Kaffee sei fertig. Er hat nicht schlafen können, hat vor der Haustüre ein Feuer gemacht und
Kaffee gekocht und jetzt trinken wir denselben und ich wärme mich.
Langsam wird es lebendig. Schon um V,6 Uhr kommen die ersten Befehle fürs Bataillon und damit auch die Post, die ich zum Bataillon bringe. Es ist 8 Uhr vormittags. Ein Erkundi- gnngsgang in den Hausgarten läßt mich Bäume finden, an denen vorzügliche reife Pflaumen und Aepfel hingen. Eine Mütze voll fürs Frühstück schnell geschüttelt und gesammelt. In dieser rein bäuerlichen und friedlichen Beschäftigung werde ich und ein Kamerad durch 2 oder 3 Granaten gestört, die ca. 50 Meter vor uns einschlagen. Wir ziehen es vor, uns zum Stäbe zu begeben und der sonntäglichen Ruhe zu pflegen. Wir sitzen auf Stühlen an der Straße und lesen unsere Briefe und kochen und braten unser Sonntagsmittagsmahl. Etwas Geflügelsuppe und junges Spanferkel (alles selbst gerupft und geschlachtet). Plötzlich (für uns alle unerwartet) schlägt unter surchtbbrem Gekrache eine Granate in den Stall des Hauses, vor dem wir uns befinden ein und ein Sprengstück fliegt dicht neben mir und ein Ulan auf die Treppenstufe. Wir ziehen es vor, uns in den Keller zurückzuziehen.
Kaum dort angelangt, beginnt eine Höllenmusik um uns herum. Schlag auf Schlag krepieren die Granaten und Schrapnells auf der Straße, im Hofe und im Nebenhause. Wir sind zu ungefähr 7 Mann im Keller. Nach einem donnerähnlichem Getöse (der ganze Kellereingang durch Staubwolke verdunkelt) kommen noch 8—10 in unsern Keller herein gestürzt, sie hatten sich im Nebenhause gleichfalls im Keller aufgehalten und wurden dort durch eine einschlagende Granate vertrieben. Der Aufenthalt in unserem sZufluchtsort wird immer ungemütlicher. Ein Geschoß nach dem anderen krepiert in aller nächster Nachbarschaft. Unsere Häuser bildeten zweifelsohne das Ziel der feindlichen Artillerie. Das Nebenhaus brennt bereits! Hinaus und ins freie Feld! Laufschritt! Marsch, Marsch!
Im Obstgarten gedachten wir zu bleiben, jedoch auch dort befanden wir uns noch im beschossenen Raum, wie uns die einschlagenden Granaten bewiesen. Also noch weiter zurück. Hinter dem Dorf halten wir an. Wir ducken uns unwillkürlich, wenn wir das Pfeifen und Zischen der Granaten (ein eigentümliches, unheimliches und aufregendes Zischen) hören, jedoch belehren uns die aufspritzenden Steinmassen und Staubwolken, daß wir aus der Ziellinie heraus sind. Nach ca. einstündigem Bombardement schweigt das feindliche Feuer, verschiedene Häuser brennen! Der Stall, in dem wir die Nacht zugebracht hatten, ist auch in Mitleidenschaft gezogen.
Das war unsere Feuertaufe, Stunden, die man sein Lebelang nicht wieder vergißt. Gegen Mittag gehe ich durchs Dorf, mein zurückgelassenes Glas und Koppel zu holen. Es bietet sich schon wieder das gewohnte Kriegsbild. Die Pioniere räumen auf, die Soldaten durchsuchen wieder die Häuser und kochen und braten. Jedoch merkt man, daß jeder Mann auf dem Sprung bereit steht, diese gefährlichste Ecke eiligst zu verlassen, wenn die Höllenmusik nochmals begönne.
Der Nachmittag. Im herrlichen Sonnenschein ist's so friedlich, daß man fast vergessen kann, daß man im Kriege ist. Wir bereiten uns auf einen längeren Aufenthalt vor und bauen unsere Zelte auf. Alles begibt sich zur Ruhe und nicht lange dauert es und das Schnarchen meines Nebenmannes verkündet mir, daß es außer mir noch mehr Leute gibt. Durch die Uebung an derartige Schlasmusik gewöhnt, entschlummere ich auch.
Die Verheerungen durch das Erdbeben in Italien.
** Rom, 16. Januar. (T. U.) Die Hiobspoften häufen sich immer mehr. Ortschaften, die bisher ohne, Verbindung mit Rom waren, melden schwere Beschädigungen und Menschenverluste. Die Zahl der vom Erdbeben betroffenen Ortschaften ist heute auf 85 gestiegen. Die Zahl der Getöteten wird auf 25 000, die der Verwundeten anf 8000 geschätzt. Die amtliche Hilfe- teifhtne hat kräftig eingesetzt.
Immer grausenerregender lauten die Meldungen, die über die Folgen des furchtbaren Erdbebens in Italien vorliegen. Der „Messagero" schreibt: Nach den bisherigen Berechnungen glaubt man, daß elftansend Menschen in Avezzano begraben sind. In Cappadocia sind alle Häuser unbewohnbar. Die Kirche ist eingestürzt. Die Bevölkerung kampiert im Freien und im Schnee. In Castel la Fiume sind fast alle Häuser eingestürzt. Man hat bis jetzt zwanzig Tote hervorgezogen, befürchtet aber, daß weitere dreißig sich unter den Trümmern befinden. Von Alba Futense ist nichts übrig ge- blieben; es scheint, daß niemand gerettet ist. Die Hälfte von Scurbola Marsichana ist eingestürzt; die Kapelle ist eingestürzt. Hunderte von Toten liegen unter den Trümmern. Von mehr als nennhnndert Einwohnern sind nur dreißig dem Tode entgangen. Halb Magiano die Marci ist zerstört; die Zahl der Toten wird dreizehnhundert betragen. Cesi ist vollständig zerstört. Bon mehr als fünfhundert Einwohnern sind nur dreißig am Leben geblieben. Die Kapelle von Marci ist vollständig eingestürzt. Dreizehnhundert Opfer liegen unter den Trümmern. San Benetto ist ebenfalls zerstört. Dreitausend Menschen — fast die ganze Bevölkerung des Ortes — sind begraben. Ebenso sind Jrtucchio und Gioria öel Marsi zerstört, in denen vorher zweitausend- vierhundert bezw. dreitausendfünfhundert Bewohner lebten. Pescina ist zu dreiviertel zerstört; die Toten werden auf viertausend geschätzt. Das ist die Hälfte der Bevölkerung.
Das sind schon mindestens 27 000 Opfer, die bei dieser, allem Anscheine nach noch immer unvollständigen Zusammenstellung sich ergeben.
Weitere Drahtnachrichten«
Neue Kämpfe im Mexiko.
»e* London, 16. Januar. (WTB.) Die „Times" meldet aus Washington: Die Lage bei den Oelfeldern von Tampico ist wieder ernst. Caranza versucht, den Betrieb der Oelgrube zu verhindern. Die britische Regierung legte Protest dagegen ein. Zwischen Caranza und Villa finden hartnäckige Kämpfe statt. Auch zwi- fdien Villa und Zapata dürften bald Kämpfe beginnen. Die Vereinigten Staaten von Amerika machen keine Anstalten, einzuschreiten.
Deutsche Sammlung für Hinterbliebene schwedischer Seeleute.
** Hamburg, 16. Januar. (WTB.) Der „Hamburgische Korrefponöent" teilt mit, der am 6. und 7. Dezember bei Mentiluvte im bottnischen Meerbusen erfolgte Untergang von drei schwedischen Dampfern durch Auflaufen von Minen ist in ganz Deutschland, insbesondere in den Handels- und Schiffahrtskreisen, lebhaft und schmerzlich beklagt worden. Der Ursprung der Minen hat, wie wir erfahren, trotz der nunmehr abgeschlossenen eingehenden Ermittelungen nicht mit Sicherkeit festgestellt werden können. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, daß es deutsche Minen waren. Um in beruflichem und menschlichem Mitgefühl den Hinterbliebenen dem bei dem Unglück ums Leben gekommenen braven schwedischen Seeleuten wenigstens materielle Hilfe angedeihen zu lassen, ist auf Anregung der Herren Ballin und Marburg in Hamburg, Leümann und Heinecken in Bremen, Satorius in Kiel, Kunstmann in Stettin usw. in den deutschen Handels- und Schiffahrtskreisen eine Sammlung veranstaltet worden. Sie hat einen Betrag von 200 000 Mark ergeben, der, wie wir hören, der Rederei A.-G. Swea in Stockholm von Hamhüpg aus übermittelt worden ist.