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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

HerMer

für den Kreis Hersfeld

KreiMatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. :

Nr. 14. Sonntag, den 17 Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

I^WerBrotgetrewe verfüttert, versündigt I sich am Vaterlande u. macht sich strafbar. |

Bus der Heimat.

* (N eu e r A u s n a h m e t a r i f.) Am 11. Januar d. J. ist für zubereitetes (geräuchertes, gepöckeltes) Fleisch von Rindvieh, Schweinen usw. zum Verbrauch im Jnlande ein gleicher Ausnahmetarif in Kraft getreten, wie er bereits für frisches, nicht zubereitetes Fleisch besteht. Ferner wird mit Gültigkeit vom 14. Januar d. I. für den zur Vergällung zu Futter­zwecken bestimmten Zucker ein Ausnahmetarif auf der Grundlage der Sätze des Spezialtarifs in einge- führt. Nähere Auskunft erteilen die Güterabfertig­ungen.

* (Ausgezeichnete Dienstbote n.) Im Jahre 1914 wurden von der Kaiserin an weibliche Dienstboten für 40jährige Dienstzeit in einer Familie 270 goldene Dienstbotenkreuze nebst Diplom verliehen, davon 20 in der Provinz Hessen-Nassau. Für 30jährige Dienstzeit 238 Bronzedenkmünzen, davon 17 in Hessen- Nassau, an Hebammen für 40jährige Tätigkeit in ihrem Berufe goldene Broschen 178, davon in der Provinz Hessen-Nassau 16.

):( Hersfeld, 16. Januar. (Aus der 125. Ver - lustli st e.) Ref. Joh. Heiderich aus Ausbach gestorben a. s. Wunden. Adam Bickhard aus Gersdorf ge­fallen. Gefr. Andreas Hoffmann aus Wippershain oder Widdershausen schw. verw. Res. Friedrich Bommer aus Röhrigshof schw. verw.

Cassel, 15. Januar. Am 21. Juni beginnt in Casfel die Prüfung der Zeichenlehrer und Zeichen­lehrerinnen.

Cassel, 15, Januar. (Leichtsinnige Reservisten.) Zwei Reservisten H. L. und R. T. von den 32ern in Meiningen waren verwundet worden; sie kamen in ein Reserve-Lazarett in Dessau. Nach ihrer Heilung sollten sie sich sofort wieder bei ihrem Truppenteil in Meiningen stellen- sie glaubten jedoch, auf einige Tage käme es nicht an, und fuhren erst nach Hause. Infolgedessen erreichten sie ihren Gestellungsort nicht rechtzeitig. Ihre unerlaubte Entfernung dauerte über fünf Tage, deshalb hatten sie sich gestern vor dem Kriegsgericht zu verantworten, das sie zu je 43 Tagen Gefängnis verurteilte.

Cassel, 15. Januar. Ein zweite große Hausfrauen- versammlung wurde gestern nachmittag in das Ver­einshaus zusammenberufen, um über die Aufsamm- lung von Küchenabfällen für die Viehhaltung, über die in nächster Woche beginnende Sammlung von wollenen und baumwollenen Sachen für die Truppen, die sogenannteReichswollwoche" und über Fragen in ernster Zeit Aufklärung zu verbreiten. Frl. Julie v. Kästner setzte den vielen taufenden Hausfrauen auseinander, wie schwer es den Landwirten in dieser teueren Zeit werde, ihr Vieh durchzubringen - die Grenzen für die Einfuhr von Kraftfuttermitteln seien geschlossen, Roggen, Gerste, Kartoffeln dürfen nicht verfüttert werden, das Vieh aber müsse doch nach Möglichkeit erhalten werden. Da richte man an die Hausfrauen in den Städten die dringende Bitte, alle Küchenabfälle, besonders Kartoffelschalen, Reste von Gemüse, Küchenabfälle aller Art wie Brotstückchen zu sammeln, damit sie durch Arbeiter des städtischen Reinigungswesens abgeholt und der Landwirtschaft zur Viehfütterung zur Verfügung gestellt werden können. Aus den vielen tausend Haushaltungen in Cassel werde so viel zusammenkommen, daß viele tausend Schweine damit fettgemacht werden können. Gleichzeitig richtete Frl. v. Kästner an alle Haus­frauen und Mütter den dringenden Appell, auf keinen Fall zu dulden, daß den Kindern mehr Brot verab­reicht werde, als diese essen können, auf daß jeder Möglichkeit vorgebeut werde, Brot etwa fortzuwerfen. In dieser ernsten Zeit heiße es überall und immer sparen, damit der Feind uns weder vor den Grenzen noch innerhalb des großen Vaterlandes schaden kann.

Marburg, 15. Januar. Gestern abend wurde in der Schwanallee in das offene Fenster eines Hauses ein etwa 2 Tage altes Mädchen ausgesetzt. Das Kind war in ein Stück Leinen, gez. E. B., einge- wickelt. Zwischen hier und Cölbe fand man gestern in einem Fichtendickicht in einer Schachtel die Leiche eines neugeborenen Knaben. Die Nachforschungen nach den Müttern sind im Gange.

Frankfurt a. M., 14. Januar. Wie man der Franks. Ztg." mitteilt, ist der kommandierende General des 16. Armeekorps, v. Mudra, dieser Tage mit dem OrdenPour le Merite" ausgezeichnet worden, nachdem er Anfangs September das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse erhalten hatte.

Frankfurt a. M., 14. Januar. Die Kriegskommis­sion des Magistrats bewilligte die Kosten zum Um» pflügen aller brachliegenden Ländereien und Bau­grundstücke. Diese neugewonnenen Aecker sollen im Frühjahr bedürftigen Familien zum Kartoffelbau unentgeltlich überlassen werden. Auch viele Privat­leute stellen ihre unbestellten Plätze der Stadt zum genannten Zweck zur Verfügung.

Zur Linkommenfteuerveranlagung für Kriegsteilnehmer.

Der Finanzminister hat an die Veranlagungsbe­hörden eine Reihe Weisungen erlassen, deren wichtigste wir hier an führen.

1. Die Pflicht zur Steuererklärung besteht auch für die Feldzugsteilnehmer. Sie können aber in der Heimat Vertreter, z. B. die Ehefrau, auch ohne be­sondere Vollmacht bestellen. Der Kriegsteilnehmer kann auch ohne das übliche Formular seine Erklär­ung abgeben in Briefform.

2. Die Frist zur Erklärung verlängert sich für ihn, wenn er in Deutschland von seinem Wohnort entfernt weilt, auf drei Wochen; weilt er im Ausland, auf fechs Wochen. Ueberschreitungen der Frist sind straflos.

3. Bei der Veranlagung der Offiziere, Militär- und Zivilbeamten der Militärverwaltung ist das Friedenseinkommen, das der Steuerpflichtige bezogen haben würde, wenn der Krieg 1914 nicht ausgebrochen wäre, zugrunde zu legen. Ist die bei Ausbruch des Krieges bekleidete Dienststellung erst im Laufe des Jahres 1914 erreicht worden, so wird das mutmaßliche Diensteinkommen dieser Friedensstelle zugrunde ge­legt. Mobilmachungsgelder sind außer acht zu lassen. Für die Zeit der Zugehörigkeit zu einer Kriegsformation ist das gesamte Militäreinkommen der Offiziere usw. steuerfrei.

4. Die einberufenen aktiven oder pensionierten Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten werden mit dem vollen Zivil-Diensteinkommen veranlagt, ohne Rücksicht darauf, daß ih^eu ein Teil der Krtegsbe- soldung hierauf angerechnet wird. Das gesamte Militäreinkommen einschließlich des auf das Zivil- Diensteinkommen angerechneten Teiles bleibt jedoch steuerfrei, solange sie sich bei der Fahne befinden.

5. Unteroffiziere und Mannschaften des Beur­laubtenstandes sind nach ihrem Zivildiensteinkommen unter Ausschaltung des Militär-Einkommens zu ver­anlagen. Soweit sie unter 3000 Mk. zu veranlagen sind, bleiben sie, solange sie im aktiven Heeresdienst stehen, steuerfrei.

6. Unterstützungen für die Angehörigen gesetzlicher Art oder fortgesetzte Lohnzahlungen bleiben steuerfrei. Zinsen von Wertpapieren usw., auf deren Beitreibung im Auslande nicht zu rechnen ist, sind nur, insoweit sie tatsächlich im Laufe von 1914 eingegangen sind, steuerpflichtig.

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Den unvergeßlichen eisernen Trauringen, die glü­hende Patrioten im Befreiungskämpfe vor hundert Jahren gegen den güldenen Reif eintauschten, reihen sich würdig hochherzige Gaben an, die deutsche Fraueu und Männer zur Erringung des Sieges über unsere Feinde im Weltkriege opferten. Die Zeiten und Werte haben sich geändert, hundert Jahre sind ver­rauschten Kampf und Sieg, die deutschen Freiheits- und Einheitsgedanken blieben die alten. Unsereisernes Jahrhundert" hat den weltgeschichtlichen eisernen Ehe­ring nicht zum zweiten Male geflochten, aber ebenso sinnig sind andere Spenden, die das Lied von der deutschen Opferwilligkeit hoch erklingen lassen. Eine Fülle deutschen Edelmutes, die das gewaltige Ringen um Recht und Freiheit in ererbter Nacheiferung unserer Vorfahren hervorrief, spricht aus den vielen Zu­schriften, die das Central-Komitee vom Roten Kreuz gleichzeitig mit ihm überwiesenen Spenden erhält. Hier seien nur einige Beispiele angeführt, die zum Teil gerade durch die wenig bemittelte Lage der Spender von wahrem Geistesadel sprechen und uns allen leuchtende Vorbilder sein sollen. Nicht die Größe der Gabe macht immer ihren Wert, weit mehr oft die entsagende Gesinnungsart, die aus dem von wenigem, mit vollem Herzen Gegebenen spricht. Da verzichtet für die Dauer des Krieges ein in bescheidenen Verhältnissen lebenderRentenempfängerauf seine monatlichen20 Mk. Invalidenrente. Nicht den dritten Teil seines früheren Verdienstes kann er aus eigener Kraft erzielen und kleidet doch seine Gabe in das hübsche Wort, daß nicht zuviel tun könne, wer nicht die Faust hat zum Drein- schlagen. Ein in den Heeresdienst zurückgetretener pensionierter Schutzmann überweist zu gleichem Zweck seine fällige Jahrespension im Betrage von 300 Mk. Der dritte im treuen Bunde ist der ehemalige Staats­diener, der sich sagt: Von meiner Pension kann ich gerade leben . . . ., meine kleinen Ersparnisse im Werte von ganzen tausend Mk. gehören den Brüdern im Felde! Aus sich selbst heraus beschließen die Ange­stellten großer Geschäftsfirmen, Teile ihres Gehalts

in die Rote Kreuz-Kaffe zu opfern. Tausende von Mk. sind es mit einem Schlage. Stammgäste einer Bahn­hofswirtschaft haben gemeinsam ein Rotes Kreuz-Los gespielt. Das Los, das kühne Hoffnungen umspannt, macht einen Treffer, und sofort heißts: Die glücklichen Gewinner sind nicht wir . . . . nein, unsere tapfe­ren Soldaten! Schwer mag es dem Kriegsinvaliden von 1866 werden, aus seinen schmalen Einkünften, den Altar des Vaterlandes zu schmücken. Er weiß ja, was es heißt, im Kugelregen zu stehen, und weiß daher auch, wie tief sein kleines Scherflein von monatlich 3 Mk. in die Wagschale fällt. Rührend ist das Verhalten der Insassen in den Strafanstalten Sonnenburg, Mewe und Graudenz, die freiwillig eine Sammlung unter sich veranstalteten und aus ihren Arbeitsver­diensten dem Roten Kreuz eine Spende in Höhe von 2542 Mk. überwiesen. Und von kindlichem Opfersinn redet der Brief des Dorflehrers, der neben anderen winzigen Spenden ein Zweipfennigstück sendet, das lange Zeit von einem vierjährigen Dorfmädel wie ein Schatz gehütet war. Nur zwei Pfennig sind es, und doch welch ein Vermögen an deutscher Treue bedeuten sie. Da kann der einfache Dorflehrer be­glückt ausrufen: Ein neues 1813!

Weit in alle Lande erging der Ruf des bedrohten Vaterlandes, weit aus allen Landen kam die Hilfe. Ueberall, wo deutsche Zunge klingt und deutsch gefühlt wird, ward auf deutsche Art freudig gegeben. Die von deutschen Konsulaten an das Auswärtige Amt er­statteten Sammelberichte legen beredtes Zeugnis ab, wie auch die Deutschen im Auslande sich eins wissen mit dem geliebten Vaterlande und es in der Not nicht vergessen. Mit heißen, treuen Wünschen wurden auch jenseits des großen Wassers Tausende dem Roten Kreuz gespendet, und aus jeder kleinsten Gabe tönt zündend der Weckruf: Die gerechte Sache der deutschen Nation muß und wird siegen!

Belgien unter deutscher Verwaltung.

Da abgesehen von den wenigen Quadratmeilen um Npern und jenseits der User alles belgisches Land in deutschen Händen i(i, h,-r man nun auch die ganze Verwaltung deutsch organisiert. Ganz Belgien zer­fällt in neun Provinzen, von denen acht vollständig und die neunte zum größten Teil in unseren Händen sind. An der Spitze einer jeden stand ein Gouverneur, dessen Amt jetzt geteilt ist. Die Leitung hat durchweg ein Militärgouverneur, neben dem ein höherer Be­amter als Präsident der Zivilverwaltung funktioniert. Die Provinzen zerfallen in Kreise und auch hier stehen Offiziere und Beamte, meist Assessoren, neben einander. Aufgabe der Verwaltung ist zunächst die Herstellung des Verkehrs. Den Eisenbahnverkehr herzustellen war schon die Militärverwaltung bemüht gewesen, von den Schwierigkeiten sann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß 50 Brücken allein über die Maaß gesprengt waren. Erschwerend wirkte, daß die belgischen Beamten durchweg ihre Mitwirkung versagten. Auch die Postbeamten ver­weigerten den Dienst, neuerdings haben sich aber die Briefträger wenigstens in Antwerpen zur Aufnahme des Dienstes entschlossen. Wahrscheinlich zahlt ihnen die belgische Regierung keinen Gehalt mehr. Da die belgische Nationalbank ihren Sitz ins Ausland verlegt hatte und alles tat, um die belgischen Interessen, die ja nun auch die Deutschlands waren, zu schädigen, wird nächstens eine Bank ins Leben treten, die Papier­geld ausgibt. Es galt auch die große Industrie Belgiens, wenigstens zum Teil zu erhalten. Das galt besonders von den Kohlengruben, und hier ist die Arbeit in der Tat wieder ausgenommen worden, nur ist der Abtransport der Kohlen schwierig. Da die Versorgung dieser dicht bevölkerten Jndustriebe- zirke mit Lebensrnitteln schwer fällt, wurden zunächst dort alle Requisitionen untersagt. Neuerdings wird diese Bevölkerung durch amerikanische Freigiebigkeit mit Lebensrnitteln versorgt, die ihr natürlich in vollem Umfange allein zu - gute kommen. Bekanntlich ist gerade die minderbegüterte Bevölkerung rm tanoe zurückgeblieben, alles, was zu den Besitzenden gehört, flüchtete nach Holland, nach England, nach brankrerch und wußte nicht genug von deutschen Greueln zu er­zählen, die im Lande geblieben sind, denken anders. Nur das neue Aufgebot der belgischen Regierung in Havre beunruhigt, man kann nicht dulden, das; die jungen Männer der besetzten Gebiete sich als Rekruten zur belgischen Armee durchschlichen. In Belgien gibt es zwei oder selbst drei Landessprachen, der Osten und Süden spricht französisch, der Westen flämisch, ein kleiner Landstrich an der Luxemburger Grenze deutsch. Deutsch ist jetzt die erste Sprache, alle Verordnungen aber werden auch in flämischer und französischer Sprache veröffentlicht, aber die französische steht zu­letzt. Von Rechtswegen, denn bis jetzt maßten die französisch sprechenden sich unbedingt die erste Stelle an, trotzdem sie in der Minderzahl waren. Damit ists hoffentlich endgültig vorbei.