Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
WUer
für den Kreis Hersfeld
KMM
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen TeUe 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 13.
Sonnabend, den 16. Januar
1915
Dle amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt I sich am Vaterlande u. macht sich strafbar. |
Bus der Heimat.
* (Eine neue Pfundpaketwoche.) Feldpostbriefe nach dem Feldheer im Gewicht über 250 Gramm bis 500 Gramm werden für die Zeit vom 1. bis einschließlich 7. Februar von neuem zugelassen. Die Gebühr beträgt 20 Pfg. Die Sendungen müssen dauerhaft verpackt sein. Nur sehr starke Pappkasten, festes Packpapier oder dauerhafte Leinwand sind zu verwenden. Für die Wahl des Verpackungsstoffes ist die Natur des Inhalts maßgebend,' zerbrechliche Gegenstände sind nach Umhüllung mit Papier oder Leinwand ausschließlich in starke Schachteln oder Kasten zu verpacken. Die Päckchen, auch die mit Klammerverschluß versehenen, müssen allgemein mit dauerhaftem Bindfaden fest umschnürt werden, bei Sendungen von größerer Ausdehnung in mehrfacher Kreuzung. Die Aufschriften sind auf die Sendungen niederzuschreiben oder unbedingt haltbar auf ihnen zu befestigen und müssen deutlich und richtig sein. Außer kleinen Bekleidungs- und Gebrauchsgegenständen sind auch Lebens- und Genußmittel zulässig, aber nur soweit, als sie sich zur Beförderung mit der Feldpost eignen. Ausgeschlossen sind leicht verderbliche Waren, wie z. B. frisches Obst, frische Wurst,' ferner feuergefährliche Gegenstände, wie Patronen, Streichhölzer und Taschenfeuerzeuge mit Benzinfüllung. Päckchen mit Flüssigkeiten sind nur zugelassen, wenn die Flüssigkeiten in einem starken, sicher verschlossenen Behälter enthalten und dieser in einen durchlochten Holzblock oder in eine Hülle aus starker Pappe fest verpackt ist, sämtliche Zwischenräume mitjBaumwolle, Sägespänen oder einem schwammigen Stoffe so ange- füllt sind, daß beim Schadhaftwerden des Behälters die Flüssigkeit aufgesaugt wird. Sendungen, die den vorstehenden Bedingungen nicht entsprechen, werden von den Postanstalten unweigerlich zurückgewiesen.
»(Kriminalität und Krieg.) Im letzten Jahresbericht der Dresdener Kriminalpolizei, den ihr derzeitiger Chef Dr. Robert Heindl kürzlich veröffentlichte, finden sich interessante Zahlen über das Abnehmen der Kriminalität seit Kriegsausbruch. Die Betrugsfälle haben nach Heindl in Dresden um 40 Prozent abgenommen, die Einbrüche sogar um 70 Prozent. Die Sittlichkeitsdelikte dagegen nur um 17 Prozent. Man sieht, daß nicht so sehr die Gelegen- Hettsverbrechen als vielmehr die gewerbsmäßigen nachgelassen haben. Dies entspricht vollständig den statistischen Erfahrungen des Jahres 1870, in dem ebenfalls die schweren Verbrechen in Deutschland und in Frankreich sich stark verminderten. Es wäre verfehlt, die Abnahme der Kriminalität etwa nur der Abnahme der Zivilbevölkerung zuzuschreiben. Es müssen vielmehr psychische Gründe mitspielen. Der beste Beweis dafür ist die preußische Kriminalstatistik des Jahres 1864, in dem nur sehr wenig preußische Truppen das Land verließen. Damals waren die wirtschaftlichen Verhältnisse Preußens zu Kriegsbeginn nicht günstig, und es bestanden Gründe, die erfahrungsgemäß ein Steigen der Kriminalität verursachen. Trotzdem war eine Abnahme der strafbaren Handlungen zu beobachten, die in keinem Verhältnis zur Abnahme der Bevölkerung stand.
.* (Fürsorge für die schulentlassene Jugend.) Die „Deutsche Parlaments-Correspondenz" berichtet: Der preußische Kultusminister hat neuerdings folgenden Erlaß herausgegeben: Bereits durch Erlaß vom 12. September 1914 habe td) darauf hingewiesen, daß gerade in der gegenwärtigen ernsten Zeit die Pflege der schulentlassenen Jugend nicht weniger dringlich ist als in Friedenszeiten. Es gilt nicht allein zu erhalten und fortzubauen was in den letzten Jahren Erfreuliches auf diesem Gebiete geleistet worden ist, sondern vor allem auch den für die Jugend vielfach gesteigerten Gefahren zu begegnen und die durch die Zeitereignisse gebotene,Möglichkeit wirksamer Einflußnahme auf Geist und Herz je nach den örtlichen Verhältnissen zu verwerten. Aufmerksamkeit und kräftige Förderung wird namentlich auch solchen Versammlungen JngendUcher zuzuwenden sein, zu denen Eltern, Angehörige usw. als Gaste zugezogen werden können. Bet zweckmäßiger Vorbereitung und Einrichtung vermögen diese Veranstalt- nngen hervorragende Dienste auch nach der Richtung zu leisten, der Bevölkerung über die schwierigen Verhältnisse der Gegenwarthillwegzuhelfen, Opferfreudigkeit und Gemeinsinn lebendig zu erhalten sowie Zuversicht und Vertrauen auf die Zukunft zu starken.
* (G u t e A u s s i ch t e n f ü r A n w ä r t e r z u m technischenEisenbahnsekretar.) Die „Eisen
bahn" bringt in ihrer neuesten Nummer folgende Notiz: Jungen Leuten, die die Laufbahn eines technischen Eisenbahnsekretärs einschlagen wollen, bieten sich zurzeit recht günstige Annahmeaussichten. Die Bewerberlisten für den bau- und maschinen- technischen Bureaudienst I. Klasse sind jetzt auch für solche Bewerber geöffnet, die in der Reifeprüfung an der technischen Fachschule nur das Gesamturteil „bestanden" erlangt haben. Geeignete Bewerber, die militärfrei sind oder mit einer Einziehung zum Heeresdienste in absehbarer Zeit nicht zu rechnen haben, können sofort nach der Vormerkung einberufen werden. An Vorbildung wird verlangt: Berechtigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst, zweijährige praktische Tätigkeit in einem Bau- oder Maschinenbauhandwerk oder in einer Eisenbahn-Hauptwerkstätte, Reifezeugnis der Tiefabteilung einer anerkannten Baugewerkschule oder einer höheren Maschinenbauschule.
§ Hersfeld, 15. Jan. Vom 11. ö. Mts. ab ist zunächst für den Bereich der Preußisch-Hessischen, Badischen, Bayerischen, Oldenburgischen, Sächsischen und Württembergischen Staatseisenbahnen, der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (einschließlich der Wilhelm-Luxemburg-Eisenbahn) und der Militäreisenbahn ein Ausnahmetarif für zubereitetes (geräuchertes, gepökeltes) Fleisch von Rindvieh, Schweinen usw. zum Verbrauch im Jn- lande eingeführt worden. Er gilt auf Widerruf, längstens für die Dauer des Krieges. Anwendungsbedingungen und Frachtsätze sind die gleichen wie die des bestehenden Ausnahmetarifs für frisches, nicht zubereitetes Fleisch.
§ Hersfeld, 15. Januar. Der Offizier-Stellvertreter bei der 1. Komp. Landsturm Jnf. Bataillon 2, Halle, Willi Gleiser, früher Bezirksfeldwebel des Kreises Hünfeld, z. Zt. im Felde, wurde durch A. K. O. vom 2. 1. 1915 zum Feldwebel-Leutnant befördert.
):( Hersfeld, 15. Januar. (Aus oer 124. Ver - lustlist e.) Untffz. A. Dickel aus Goßmannsrode l. v., Wehrm. Karl Bock aus Oberhaun bish. vermißt verw., Res. Friedrich Enders aus Hersfeld bish. verm., verw., Karl Cornelius aus Hersfeld verm., Richard Möller aus Rohrbach verm., Gefr. Friedrich Roll aus Niederaula verm., Wilhelm Fleischert aus Hersfeld schw. v.
§ Hersfeld, 15. Januar. (A nmeldung neuer Fernsprechanschlüsse.) Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit vom 1. April (Beginn des ersten Bauabschnittes) bis Ende Juli gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.
-h- Kalkobes, 15. Januar. Vor dem Beginn des Krieges hatte die Gemeinde den Bau der Wasserleitung beschlossen und stand dann vor der Frage, ob während des Kriegs die Leitung ausgeführt oder ob damit gewartet werden sollte. Die Angebote ergaben, daß die Arbeiten und Lieferungen billiger als wie vor dem Krieg ausgeführt wurden und entschloß sich daraufhin die Gemeinde zum Bau der Anlage während des Krieges. Die Gemeinde hat dies bisher nicht zu bedauern gehabt. An Materialien hat es nie gefehlt, die Leute aus der Gemeinde arbeiteten im Tagelohn bei den Arbeiten, fodaß ein erheblicher Betrag der Bausumme im Dorf geblieben ist. Die garr^e Anlage ist in 212 Monaten fertig gestellt, und genießt die Gemeinde schon seit einiger Zeit die nicht geringen Vorteile der Leitung. Gerade jetzt in der Kriegszeit, wo die männlichen Hilfskräfte im Krieg sind und die ganze häusliche Arbeit meistens von den Frauen und Kindern erledigt werden muß, kommen die Vorteile der Leitung doppelt zur Geltung und es ist auch keine Familie in der Gemeinde, welche die Leitung wieder missen wollte. Die früheren Gegner der Anlage sind in kurzer Zeit Freunde derselben geworden. Die Quelle liegt in der eigenen Gemarkung und ist der Gemeinde billig abgegeben worden, der Behälter liegt auf dem Eigentum der Gemeinde und ist der ganze Ban nicht teuer. Die Anlage wird billiger als wie der ausgestellte Kostenanschlag. Der Herr Bürgermeister Seelig hat sich um das Zustandekommen der Anlage einen großen Verdienst erworben und sind ihm die Ortsbewohner auch sehr dankbar. Die ganze Anlage mit Quellenfassung und Behälter wurden von dem Installateur H. Gesing in Hersfeld zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde ausgeführt. Die Vorarbeiten, Projektierung und Bauleitung lag in den Händen des Civilingenieur Köhl-Fulda, von welcher Firma die meisten Gemeindewasserleitungen in der hiesigen Gegend zur vollen Zufriedenheit der Aufsichtsbehörden projektiert und geleitet worden sind.
Philippsthal, 14. Januar. Die für das Jahr 1915 festgesetzten Gerichtstage sind aufgehoben und auf folgende Tage festgesetzt worden: 11. Februar, 18. März, 29. April, 3. Juni, 8. Juli, 23. September, 28. Oktober und 9. Dezember.
Limburg a. Lahn, 14. Januar. In einer Wohnung der Brückenvorstadt gerieten Betten und Kleidungsstücke in Brand. Fünf Kinder, die sich ohne jede Aufsicht in dem Raum aufhielten, konnten sich nicht rechtzeitig retten und wurden bewußtlos. Erst, als der Rauch aus den Fenstern drang, wurde man aufmerksam und drang gewaltsam in die Wohnung ein. Vier der Kinder konnten • nach langen Bemühungen ins Leben zurückgerufen werden. Ein fünf Monate alter Knabe dagegen war bereits erstickt.
Arnstadt, 14. Jan. Seinen Verletzungen erlegen ist der 20 Jahre alte Dentist Hans Nilbur von hier. Bei einer Explosion in dem Autoschuppen seines Vaters am vergangenen Freitagabend, die durch Entzündung von Benzol-Dämpfen verursacht wurde, ist er am ganzen Körper furchtbar verbrannt worden.
Lehesteu (Sachs.-Mein.), 14. Januar. Auf dem Wachtersbruch im Herzogl. Domänenwald wurde der Schieferarbeiter Friedrich Röstel aus Wurzbach durch große herunterstürzende Steinmassen sofort getötet, ein zweiter Schieferarbeiter, Walter Müller aus Bremersgrün, so schwer verletzt, daß er mtt doppelten Beinbrüchen ins Kreiskrankenhaus Gräfenthal gebracht werden mußte.
Heiligenstadt, 13. Januar. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in dem benachbarten Sieme- rode: Der 10jährige Sohn des im Kriege weilenden Gastwirts Arand fand den von feinem Vater versteckt gehaltenen Revolver. Beim Spielen mit der geladenen Waffe ging ein Schuß los, der in den Magen eindrang. Der Junge ist gestorben.
Bad Steven,/12.4Januar. In Geroldsgrün belustigen sich einige Knaben damit, Schnee zu einer Kugel aufzurollen. Dabei fiel diese auf die Seite und begrub den neun Jahre alten Bauunternehmers sohn Hans Löhner, so^daß^er^erstickte.
Ohrdruf, 14. Januar. Die erst kürzlich in Angriff genommenen 10 großen Baracken, die zur Unterbringung netterer Gefangenen M der Nähe des früheren städtischen Gutes Hunösbrunn errichtet werden, werden in den'nächsten Tagen fertiggestellt. Mit der Verbesserung der Wegeverhältnisse in dem neuen Lager sind viele gefangene Franzosen und Russen beschäftigt.
Fulda, 13. Januar. Bei der Legung des Kabels für Versorgung unserer Stadt mit elektrischer Energie vor zwei Jahren wurde dem Töchterchen eines hiesigen Bäckermeisters durch ein herabfallendes Kabel ein Auge zerstört. Der Vater des Kindes verklagte daraufhin die die Kabellegung ausführende Firma auf Schadenersatz. Nachdem sich der Prozeß zwei Jahre lang hinausgezogen hatte, ist nunmehr vor dem Hanauer Landgericht der Entscheid zugunsten des Klägers gefallen.
Wiesbaden, 14. Januar. Um Verwundeten, die voraussichtlich Krüppel bleiben, auf einen anderen Beruf vorzubereiten, haben sich hier 95 Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen der Volks- und Mittelschulen bereit erklärt, sofort unentgeltlich regelmäßig Lehr- kurse in den Lazaretten abzuhalten, die sich zunächst auf Schreiben und Rechnen erstrecken sollen. Nach den erzielten Erfahrungen werden diese Kurse ausgebaut werden. — Aus Montabaur wird gemeldet: Auf dem Wege von Steinebach nach Linden gerieten zwei Schwestern, bejahrte Witwen, infolge des stür- mischen Wetters vom Wege ab und kamen in ein sumpfiges Gelände, in dem beide den Tod fanden.
Durch die Lupe.
(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)
Seit Herrn Joffres Offensive -x Tag für Tag ihm mehr mißlingt, — ahnt auch er wohl, daß der Krieg ihm — künftig keine Lorbeern bringt, — daß ein Maß voll Fähigkeiten — etwas mehr im Kriege gilt, — als wenn man mit großen Worten — lediglich Revanche brüllt. — Und seitdem er eingesehen, — daß die Krieges- lage bös, — wird Herr Joffre ganz allmählich — aufgeregt und auch nervös. — 77 Generale, also lasen mir im Blatt, —mußten dafür daran glauben, bflh ^ aeäraert hat. — Gehts in diesem Tempo weiter, — was für uns erfreulich wär, — dann entläßt Herr Joffre schließlich — nach und nach sein ganzes Heer — und der Krieg schläft eines Tages —ganz im stillen drüben ein, — sollte das am Ende schließlich — Meister Joffres Absicht fein ? — Immerhin noch nicht am schlimmsten - geht es Frankreichs Generalen, - ihren russischen Kollegen — winken noch ganz and re Qualen. — Nikolajewitsch, der böse, — wirft sie nicht allem hinaus, — sondern teilt sogar persönlich — auch noch Backen streiche aus. — Nimmer können wir verstehen — wie mit solchen Mitteln man — Kriegesstimmung bei dem Heere — zu erwecken hoffen kann. — Wenn dereinst in diesem Kriege — Deutschland sich den Sieg errang, — dann gebührt sowohl dem Joffre — als dem Nikolajew Dank, — weil sie beide es verstanden, — — allen ihren Generälen — auch die letzte Lust am Kriege — prompt und unbedingt zu stehlen.
0 Walter-Walter.