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deutschen Torpedoboote und Unkerseevoote; es würde also von der japanischen Flotte eine außerordentliche Wachsamkeit und Betriebsamkeit erforderlich sein. Die Spanische Kriegsflotte muß die japanischen Transport- iffe in geschlossener Linie umgeben. Born, an der Seite und hinter den Transportschiffen fahren die Pan­zerschiffe und Kreuzer. Die Zwischenräume zwischen diesen großen Kriegsschiffen werden durch Torpedoboote ausgefüllt. Außerdem muß eine bedeutende Anzahl schneller Kreuzer bet einer solchen Reise den Aufkla- rungsdienst besorgen. Mit Rücksicht auf den verhältnis­mäßig kleinen Umfang der japanischen Kriegsflotte ist es nicht zu erwarten, daß die Japaner es wagen würden, mehr als zwei oder drei Armeekorps bei einem Trans­port zu überführen. Ein Transport werde aber zwei bis drei Monate dauern. Selbstverständlich muß abge- wartet werden, ob es überhaupt zu einem derartigen Transport kommt, denn vor allem lassen dies die letzten Geschehnisse im japanischen Parlament durchaus zwei­felhaft erscheinen.

Mlklrilt des Grafen berchtold.

Wien, 13. Januar. (WTB.) DasFremdenblatt" veröffentlicht in seiner heutigen Abendausgabe folgende

^^Der Minister des K. und K. Hanfes und des Aen- tzern, Graf Berchtold, welcher Seine Majestät schon vor längerer Zeit gebeten hatte, ihn in Gnaden seines Amtes zu entheben, hat diese Bitte nunmehr an Allerhöchster Stelle erneuert. Der Kaiser hat die ge­wichtigen persönlichen Gründe, welche den Minister des Aeutzern zn seinem Rücktritt bewogen haben, gewür­digt und Allergnädigst geruht, seiner Bitte zu will­fahren. Zum Nachfolger des Grafen Berchtold wird der ungarische Minister beim Allerhöchsten Hoflager, Baron Stefan Bnrian, zum Minister des K. «. K. Hauses und des Aeutzern ernannt werden.

Graf Leopold Berchtold ist am 18. April 1863 in Wien geboren, steht also im 52. Lebensjahre. Er ge­hörte dem diplomatischen Dienste seines Haterlandes seit 1895 an, wo er Sekretär bei der Pariser Botschaft wurde, ging dann 1896 als Legationsrat nach London und 1903 in gleicher Eigenschaft nach Petersburg. 1906 mit dem Titel eines Gesandten zur Disposition gestellt, ward er im Dezember desselben Jahres für den zum Minister des Aeutzern ernannten Botschafter v. Aehren- thal Botschafter in Petersburg, um nach dem Tode Aehrenthals am 177. Februar 1912 die Leitung der aus­wärtigen Politik Oesterreich-Ungarns zu übernehmen, die er seither in schwerer Zeit geführt hat.

Der Nachfolger des jetzt in den Ruhestand überge­tretenen Ministers steht in bedeutend höherem Lebens­alter, als sein Vorgänger. Freiherr Stefan Bnrian vonRajecz wurde am 15. Januar 1851 in Stampfen bei Pretzburg geboren, trat früh in den diplomatischen Dienst, war in Alerandrien, Bukarest und Belgrad, so­wie als Generalkonsul in Sofia und in Stuttgart tätig und ward darauf Gesandter in Athen. 1903 ernannte ihn dann der Kaiser zum Reichsfinanzminister, von welcher Stellung er aber 1912 zurücktrat und in ihr durch den Baron Bilinski ersetzt wurde. Er blieb aber als soge­nannter Minister a latere Mitglied des ungarischen Mi­nisteriums am Hoflager des Monarchen.

Nach der oben wiedergegebenen Mitterlung haben gewichtige persönliche Gründe den Wechsel in der Leitung des auswärtigen Dienstes in Wien und Pest veranlaßt.

Der Eindruck des Ministerwechsels in Wien.

He* Wien, 14. Januar. (T. U.) Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug gestern, wie demB. T." ge­meldet wird, die Nachricht vom Rücktritt des Grafen Berchtold ein. Nur gering war die Zahl derjenigen, öre Kenntnis davon hatten, daß Graf Berchtold vorgestern den Kaiser um Enthebung vom Amte gebeten und da& der Monarch der Bitte Folge gegeben hatte. Andert­halb Stunden hatte die Audienz gedauert, die Berchtold am Montag nachmittag beim Kaiser hatte. Ueber die Ursachen des Rücktritts des Grafen Berchtold sind meh­rere Gerüchte im Umlauf, die sich heute auf ihre Rich­tigkeit nicht kontrollieren lasten. Ob Baron Bnrian der geeignete Mann ist, wird sich zeigen. Er ist der Mann Tiszas und mit diesem intim befreundet. In diploma­tischen Kreisen wird angenommen, der äußere Anlaß des Rücktritts Berchtolös sei aus der Diplomatenaffäre auf der Süöbahm entstanden, weil Berchtold eine nach An­sicht der militärischen Kreise zu weit gehende Genug­tuung geben wollte.

Die Neutralen.

Italienische Stimmen über Deutschlands Widerstandskraft.

Palamenghi-Crispi beleuchtet in einem Leitartikel seines BlattesConcordia" die Lage Englands. Wenn erst einmal die deutschen Soldaten nach Hause zurttckge- kebrt und die Legende von der Unttverwindlichkeit Eng­lands zerflattert sei, werde dies sehr bedenklich sein. Der Artikel wendet sich gegen Roseberys Prahlerei von der Zerstörung" Deutschlands und erklärt, es werde Eng­land niemals gelingen, Deutschlands Macht zu brechen, die weniger in materiellen Kräften als in unerschöpf­lichen. unzähmbaren Reserven des nationalen Geistes bestehe. Der bekannte Militärschriftsteller desCorriere della Sera", General Gatti, schreibt in seinem Blatt, daß die Gesamtkräfte der kriegführenden Staaten nahe da­ran sind, sich auszugleichen. In absehbarer Zeit werden aber Deutschland und Oesterreich die Oberhand ge­winnen.

Deutliche Worte gegen England.

Die NeuyorkerWorld" schließt einen Artikel über Englands Note an die Union mit folgenden Worten: England führt Krieg mit Deutschland und ist berech­tigt, sich dabei aller Hilfsmittel der Zivilisation zu be­dienen. Um Deutschland zu blockieren, hat es nun die Nordsee geschlossen, und doch hat es nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, die Blockade erklärt und dafür die Verantwortung übernommen. Es hat den Handel der Neutralen paralysiert, um gewisse Waren aus Deutsch­land fernzuhalten. Um seine große Seemacht gegen den Feind zur Geltung zu bringen, hat es nicht gezögert, seine Freunde ins Unglück zu ftürzen. Halt man das Großbritannien entgegen, so Mtzt es die Notwendig­keit vor, die in Kriegszeiten weder Freunde noch Gesetze kennt, und wirft uns unlautere Handlungen vor, ohne dafür die Beweise bringen zu können. Das englische Reich muß darüber von den Vereinigten Staaten noch mehr zu hören bekommen, denn es handelt in einer ern­sten Frage zweideutig.

Deutsch-amerikanische Protestversammlungen gegen die M anglophile Unionsregierung.

Wie dieKöln. Volksztg." meldet, ist von dem be­kannten Pädagogen Dr. Hexamer, dem Vorsitzenden des amerikanischen Lehrerburrdes, ein Aufruf an die Deutsch- Amerikaner ergangen, in allen Städten Protestversamm- lungen gegen die anglophile Haltung der amerikanischen Regierung zu veranstalten.

fitiegsaHetiel. ?

Aus einem Feldpostbrief. ' '

. . . . Der Kaiser war bei seinem letzten Besuche bei uns in prächtigster Stimmung. Von seiner schönen, stolzen Rede wirst Du inzwischen gehört haben. Er er­zählte uns u. a. von einem Besuch an der Front im Argonnenwald. Dort wurde er in einen Unterstand geführt, wo ihm von einem Artillerie-Offizier an einem richtigen Büffet ein Glas Wein angeboten wurde. Als er aus der komfortablen Erdhöhle herauskroch, sah er sich, zu seinem nicht geringen Erstaunen, einer ganzen Kompagnie Franzosen gegenüber. Da trat ein alter Landsturm-Unteroffizier vor und sagte:Majestät, das sind man bloß Gefangene, die ich hergebracht habe, da­mit sie Ihnen auch 'mal sehen können!" ..." ngc.

Deutsche Kriegsgefangene nach Marokko.

Wie Rußland nach Sibirien schafft Frankreich Kriegsgefangene nach Marokko. DerKöln. Ztg." zu­folge berichtet der AmsterdamerTelegraf", daß 500 deutsche Kriegsgefangene an Bord eines französischen Kriegsschiffes am Freitag von Brest nach Bordeaux ge­bracht wurden, von wo man sie nach Marokko überführen wird.

Zwei Millionen Mark Hindenburgspeude.

Die Vorstandsmitglieder des Deutschen Städtetages sollten Mittwoch abend im Hauptquartier des Ostheeres vom Generalfeldmarschall v. Hindenburg empfangen werden, um ihm Mitteilung zu machen von dem bis­herigen Ergebnis der Hinöenburgspende im Betrage von zwei Millionen Mark zur Beschaffung von Pelz­joppen für das Ostheer.

Hindenburgs Neffe schwer verwundet.

Aus Wiesbaden wird denL. N. N." berichtet: Der Neffe des Generalfelömarschalls von Hindenburg, Ober­leutnant von Manstein, ist schwer verwundet hier einge­troffen.

Unterschleife bei den serbischen Kriegslieferungen.

Die in Nisch erscheinendePrawa" deckt riesige Un­terschleife auf, die von serbischen Kaufleuten unter Be­stechung von Jntenüanturbeamten bei Gelegenheit der Kriegslieferungen begangen wurden. Eine parlamen­tarische Kommission untersucht die Angelegenheit.

Erkrankung des Zaren.

Aus zuverlässiger Quelle erfährt der Kopenhagener Mitarbeiter derL. N. N.", daß der Zar seit seiner Rückkehr von der Front an einer schweren Erkältung lei­det und das Zimmer hüten muß. Infolgedessen ist der Neujahrsempfang bedeutend eingeschränkt worden.

Britische Minen in der Nordsee.

Der norwegische DampferCastor" ist in der Nord­see gesunken. Nach Angabe des Kapitäns ist der Dampfer anscheinend auf eine englische Mine gelaufen. Die Mannschaft wurde bis auf einen Heizer gerettet.

Ein Woermanndampfer in den Grund gebohrt.

Wie aus Melbourne gemeldet wird, hat ein austra­lisches Blatt am 8. Januar den deutschen Paketdampfer Eleonore Woermann" in den Grund gebohrt. Die ge­samte Besatzung konnte gerettet werden.

Vermischtes.

Ein Kammerdiener als Millionenerbe. Vor meh­reren Wochen ist Baron Franz Revay in Budapest ge­storben, der sein ganzes Leben hindurch ein Sonderling war. Baron Revay setzte zum Universalerben seines zwölf Millionen Kronen betragenden Vermögens, seiner 30 000 Joch umfassenden Güter, seines alten Schlosses, seines Palais in der Anöraffystraße in Budapest und seiner Kunstschätze seinen Kammerdiener Johann Rei­che! ein. Seinen Verwandten vermachte er keinen Heller, ebenso ist in den Testamenten von Legaten zu wohl­tätigen Zwecken keine Rede. Für den Fall, daß Johann Reiche! die Erbschaft ausschlagen sollte, wird, offenbar um den Seitenverwandten jede Hoffnung zu nehmen, die Bistritzer Diözese als Erbin bezeichnet. Die Ver­wandten gedenken das Testament anzufechten.

Gegen einen Kriegsschwätzer verhängte das Ber­liner Landgericht eine empfindliche Strafe. Wegen Be­leidigung des deutschen Heeres wurde der Kutscher Erich Euch angeklagt. Der Angeklagte hatte in angetrunkenem Zustande zu einem Soldaten, der verwundet aus dem Feldzuge zurückkam, verächtliche Aeußerungen über die deutschen Soldaten in Belgien gemacht. Mit Rücksicht auf die Gröblichkeit der Beleidigung erkannte die Straf­kammer auf zwei Jahre Gefängnis.

Drei Personen überfahren. Zwischen Schwelm und Barmen wurden in der Nacht zum Mittwoch drei Män­ner von der Eisenbahn überfahren. Es handelt sich an­scheinend um Arbeiter. Die Leichen sind bis zur Un­kenntlichkeit verstümmelt.

103 Jahre alt. In der Ortschaft Welver ist der äl­teste Bewohner Westfalens, der Landwirt Borggrewe, im Alter von 103 Jahren gestorben.

Ein schweres Brandunglück ereignete sich in Ren- gersdorf i. Schl. Der mit der 84 Jahre alten Witwe Rothe in einem Hause wohnende Schuhmacher Berg­mann wurde durch qualvolles Jammern in der Woh­nung der Rothe veranlaßt, in die Behausung der alten Frau einzudringen. Dort fand er die Bedauernswerte fast vollständig verbrannt an der Ofentüre auf. Sie gab zwar noch Lebenszeichen von sich, starb aber bald darauf.

Schwere Explosion in einer Pariser Geschotzfabrik. Ein schweres Explosionsunglück hat sich in den Betrieben der zur Geschotzfabrik umgewandelten Automobilfabrik Renault in Billancourt bei Paris zugetragen. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einer Granate explodierte plötzlich das Geschoß, tötete vier Arbeiter und verletzte eine ganze Reihe weiterer Arbeiter schwer.

Winke für die lleichswollwoche.

Der Kriegsausschutz für warme Unterkleidung gibt zur Vorbereitung eines möglichst guten Erfolges der bevorstehenden Reichswollwoche den lokalen Wollaus- schüssen nachstehende Anweisung zur nutzbaren Verwen­dung von getragenen Kleidungsstücken an die Hand:

Männerhosen sind an den Hosennähten unten 15 Zentimeter aufzutrennen dort ist die Naht fest zu ver­riegeln, damit sie nicht weiter trennt und mit 40 Zen­timeter langen starken Wndebändern zu versehen. Die Bänder recht fest annähen. Weitere Aenderungen nicht mehr vornehmen, denn die Hose ist nunmehr als Unter­hose für Militär brauchbar. Westen werden, wenn sie hochgeschlossen und im Rücken genügend lang sind, um die Nieren 31t schützen, nur im Rücken warm abgefüt­tert und mit Aermel versehen. Bei Westen mit etwas weiterem Ausschnitt und zu kurzem Rücken muß Ab­hilfe geschaffen werden, und zwar durch Einsetzung eines Brustlatzes und durch Verlängerung des Rückens beim .Füttern. Frackwesten sind hierfür ungeeignet. Die Aermel sind nur in normaler Weite zu halten sonst haben sie in der Uniform keinen Platz, die un­

teren Enden der Aermelnaht bleiben 6 cm offen unS werden mit einem Knopfloch und zwei Knöpfen ver­sehen. Die Knöpfe werden 3 cm voneinander gesetzt, recht fest genäht, dadurch kann der Aermel je nach Be­darf am Knöchel enger gemacht werden. Bet Jacketts wird an beiden Seiten so viel herausgenommen, daß man die Form einer enganliegenden Jacke bekommt: am Hals wird das Jakett durch starke Haken und Oesen ge­schlossen, die Aermel werden wie an der Weste behan­delt. Ueberzieher, Ulster, Capes, überhaupt gute noch verwendbare Oberkleidung soll nicht zerschnitten, son­dern für die durch den Krieg in Not geratene Bevöl­kerung erhalten werden. Möglichste Ausnutzung und Verwertung aller sonst in die Lumpen gehenden Woll- sachen ist der Hauptzweck dieser Aktion, aber es muß bei der Verarbeitung besonders darauf geachtet werden, daß die fertigen Gegenstände keinen schlechten Eindruck machen. Decken Breite etwa 1,50 m, Länge etwa 2 mwerden aus Tuchflicken aller Art zusammenge­näht,- es kommt nicht auf die gleichmäßige Größe der Flicken oder Stücke an, aber auf ziemlich gleiche Stärke, deshalb müssen dünne Stoffe dort doppelt genommen werden, wo dickere bereits verarbeitet sind. Besonders geeignet sind Vorlegemuster aus Geschäften, jegliche Wollstoffe (auch Portieren, Decken usw.), die sich hier­zu eignen, können verwendet werden. Für Schützen­gräben sind alte Teppiche, Läufer, Kokos- und Stroh­matten außerordentlich nötig.

Es versteht sich von selbst, daß es außerordentlich dankenswert und sehr zu wünschen ist, wenn rührige Hausfrauen die Arbeit des vorschriftsmäßigen Herrich­tens der Kleidungsstücke nach Möglichkeit selbst leisten und damit sich über das bloße Geben hinaus Verdienste um das Vaterland erwerben.

der Zahlmeister im Felde.

Einen interessanten Einblick in dasLeben hinter der Front", in das vielverzweigte Getriebe der Inten­dantur und Verpflegeämter wie den Dienst der Feld­zahlmeister gibt folgender Brief aus dem Westen, der zugleich feststellt, daß unsere Truppen in nichts Mangel leiden.

Der Dienst eines Zahlmeisters ist ein sehr umfang­reicher und verantwortlicher. Meine Hauptarbeit be­steht zunächst im Empfang der Lebensrnittel, dann kommt die Verpflegung der Truppe, dann kommt aber­mals die Verpflegung der Truppe, dann nochmals die Verpflegung der Truppe, und dann erst kommt meine Abrechnung und Rechnungslegung. Zunächst muß der Soldat etwas Ordentliches im Magen haben, ehe von ihm etwas verlangt werden kann und soll. Dafür ist aber Gott sei Dank hinreichend gesorgt, und ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich behaupte, daß uns das kein Land der Erde nachmacht. Die Verpflegung ist nicht nur reichlich, sie ist auch vorzüglich, und es wird viel Soldaten geben, die daheim das nicht haben und gar nicht haben können, was sie selbst im Krrege bekommen. Das haben mir wenigstens schon viele meiner Land- sturmleute gesagt, und auch ich fühle es als Mann aus bescheidenen Verhältnissen selbst. Die Hauptschwierig­keit liegt darin, daß die Zubereitung hinter der Front geschehen und das Essen meistens nach Eintritt der Dun­kelheit erst in die Schützengräben und Feuerstellungen gebracht werden muß. Das richtet sich naturgemäß viel nach der ganzen Lage und nach dem Gelände.

Damit Ihr eine kleine Ahnung bekommt, wie gut unsere Soldaten verpflegt werden, möchte ich Euch einen kleinen Speisezettel vorlegen. Da gibt es beispielsweise täglich frisches Fleisch (375 Gramm pro Kopf), Bror, Speck (Ranchfleisch, Schinken, Sülze, je nachdem, was gerade da), Kaffee, Tee, Zucker, Wein, Rum und Scho­kolade. Hierzu kommen noch an Genußmitteln Zigar­ren Zigaretten, Rauch-, Kau- oder Schnupftabak. Also Ihr seht, wir leben nicht ganz schlecht, und es wäre eine große Undankbarkeit auch gegen das Vaterland wenn der Soldat klaqen würde. Nun kommen die vie­len Liebesgaben. Hier draußen im Feindesland kann man es so recht würdigen, wenn daheim jeder sein Scherflein beiträgt, um uns die großen Strapazen, die der Krieg mit sich bringt, erleichtern zu helfen. Es ist ein großer Patriotismus und ein Opfersinn ohneglei­chen, der durch das deutsche Volk zieht. Und wir sind Euch von Herzen dankbar dafür. Aber auch ein jeder von uns, vom ältesten bis zum jüngsten Kriegsfreiwil­ligen, erfüllt seine Pflicht gegen das Vaterland, ja bis zum letzten Atemzüge Es wird so viel getan in der Heimat, daß ich manchmal denke, es ist zu viel. Ja, ich habe sogar manchmal gedacht, ob es nicht am Platze wäre, wenn eher hilfsbedürftigen Familien, deren Er­nährer im Felde stehen, von den Liebesgaben einmal etwas zugute käme.

Wenn ich nun des Abends noch die Post abholen lasse, etwa eine Stunde von hier es sind immer 6 bis 10 große Säcke voll für eine Abteilung (600 Köpfe), so sieht man« auch hier weiter nichts wie Liebesgaben und man freut sich selbst wie ein Kind mit, wenn man ans der Heimat eine Kleinigkeit, eine Aufmerksamkeit bekommt. Und alle bekommen etwas,sei es der Aermste. Fast jeder hat eine Mutter, hat eine Freu, eine Braut, ja einen guten Freund, der an ihn denkt. Man freut sich mit den andern. Hat einer nichts dabei, bekommt er etwas von den andern. Es gibt eben nirgends so ein kameradschaftliches Beisammensein wie beim Militär und vor allen Dingen im Kriege. (L. N. N.")

Die Erdbebenkatastrophe in Italien.

Viele Todesopfer.

Die weiter eingetroffenen Nachrichten lassen er­kennen, daß es sich bei dem bereits gemeldeten Erdbeben in Italien um ein sehr folgenschweres Naturereignis gehandelt hat. Ein Telegramm meldet uns:

** Rom, 14. Januar. (WTB.) Wie dasJournal d'Jtalia" meldet, beträgt die Zahl der Ueberlebenden bei dem Erdbeben in Avezzauo 800. Da die Bevölkerung der Stadt 11000 beträgt, so sind über 10 000 tot.

Auch in anderen Provinzen ist der Schaden groß. Das Erdbeben rief in allen Teilen Roms große Auf­regung hervor. Es fordert aber in Rom selbst keine Opfer an Menschenleben. Jedoch werden einige Schä­den gemeldet. Die Erschütterung verursachte auch eini­gen leichten Schaden im Vatikan. Der Papst befand sich im Augenblick des Erdbebens in der Bibliothek. Er kniete nieder, betete einige Augenblicke, dann gab er Weisung, die Folgen festzustellen.

oe* Rom, 14. Januar. In Anversa wurden zwei Tote und drei Verletzte gezählt, in Villalago ungefähr zwanzig Tote und eine unbestimmte Anzahl Verletzter. Das Dorf Frattura ist fast völlig zerstört worden. Viele Bewohner wurden getötet. In Sora sind viele Häuser zufammengestürzt. Die Zahl der Opfer ist ziemlich groß. Truppen sind mit Zelten nach den vom Unglück betroffenen Gegenden abgegangen.

Der König begab sich am Mittwoch nach den Gegen­den der Provinz Rom, die besonders durch das Erd­beben betroffen worden sind. Abends kehrte der König nach Rom zurück.