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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im Ju?l5 01011 amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder-

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, i

Nr. 12

Freitag, den 15 Januar

1915

Gedenket allzeit

des Roten Kreuzes!

Bus der Heimat

* (Versteuerung der Pacht- undMiet - v er träge.) Nach dem preußischen Stempelsteuerge­setze sind sämtliche während der Dauer des letzten Kalenderjahres in Geltung gewesenen Miet- und Pacht­verträge (auch die nur mündlich abgeschlossenen steuer­pflichtig, sofern der verabredete nach der Dauer eines Jahres zu berechnende Pacht- und Mietzins den Be­trag von 360 Mk. bezw. bei Jagdpachtverträgen und bei Beträgen über die Verpachtung im Jnlande ge­legener unbeweglicher Sachen zur land- u. forstwirt­schaftlichen Nutzung den Betrag von 300 Mark über- steigt. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob der Vertrag das ganze Jahr hindurch, oder nur eine kurze Zeitlang in Kraft gewesen ist. Befreit sind nur solche Verträge, bei denen der für die ganze Dauer des Vertrages zu entrichtende Zins zusammen 150 Mk. nicht übersteigt. DemZinsesind alle inGeld bestehenden Nebenleistungen an den Vermieter für Schornsteinreinigung, Müllab­fuhr, Beleuchtung usw. zur Berechnung seiner steuer­pflichtigen Höhe zuzurechnen. Für die Vermietung von Wohnungs- und Geschäftsräumen ist zu beachten, daß die Hälfte der Steuerabgabe für solche Räume nicht erhoben wird, die für gewerbliche oder berufliche Zwecke bestimmt sind. Bezüglich der Versteuerung der Automaten und Musikwerke wird darauf hingewiesen, daß bei Musikwerken ihr Anschaffungspreis, eventuell ihr Wert für die Besteuerung maßgebend ist, und daß bei Warenautomaten anzugeben ist, wieviel Waren- behälter sie haben.

* (Immer nochBrotvergeudung.) Trotz aller Sorge um die Ernährung des Volkes findet viel­fach immer noch eine Brotvergeudung durch Schul­kinder statt. ImMünst. Anz." lesen wir, und die Nutzanwendung wäre auch für andere Städte zu ziehen: Man,hat beobachtet, daß viele Schüler als Frühstück Brotstücke mitbekommen, die selbst der ge­sundeste Appetit eines Tagelöhners nicht bewältigen könnte. Bei Beendigung der Pause wird deshalb häufig der Rest des Brotes weggeworfen. Man hat berechnet, daß durch diese Vergeudung täglich in jeder Klasse mindestens ein halbes Pfund Brot verloren geht. Das würde in einer mittleren Stadt mit 200 Schulklaffen 50 Kilo täglich, also 6 Zentner in einer Woche ausmachen. Auch zu Hause wird manches Stück Brot von den Kindern vergeudet. Kommt das Kind nach Hause und das Essen ist noch nicht fertig, so er­hält es vielfach ein Stück Brot, das nicht immer auf­gegessen wird. Einzelne Schulverwaltungen haben sich jetzt auch dieser Gelegenheit, Brot zu sparen, ange­nommen und die Lehrer gebeten, darauf zu achten. Sie sollen auch in dieser Beziehung aufklärend und be­lehrend auf die Schulkinder und deren Eltern ein­wirken. Der Ernst der Zeit verlangt, mit dem Brot sparsam umzugehen. Pflicht der Eltern ist es, ihre Kinder dazu anzuhalten.

* (KeineZeitungenandeutscheKriegs- gefangenen.) Amtlich wird mitgeteilt: Es er­scheint nicht ratsam, Deutsche Zeitungen an kriegsge- fangene Deutsche im Auslande zu senden oder sie zum Verpacken in Paketen an solche zu verwenden, weil zu befürchten ist, daß in den feindlichen Staaten die Aushändigung derartiger Sendungen vielfach ver­zögert und aus erklärlichen Gründen wohl auch ganz unterlassen wird.

§ Hersfeld, 5. Januar. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehen aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle ist in unserer Provinz das 9tefturnt der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeines Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden; die Einsender mögen deshalb angeben, was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es tst zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

):( Hersfeld, 14. Januar. Herrn Wilhelm O b e r - lies von hier wurde, unter Ernennung zum com. K r e i s a s s i st e n t e u, die neugegrundete 2. Königl. Kreisassistentenstelle übertragen.

):( Hersfeld, 14. Januar. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Herr Lehrer Henning aus Tann, Vizefeldwebel im Reserve-Jnfanterie-Rgt. Nr. 71.

):( Hersfeld, 14. Januar. (A u s der 128. Ver - l u st l i st e.) Jäger-Battl. 11 Marburg: Wehrmann Heinr.Röß-Kalkobesverm.,JägerHeinr.Nuhn-Kerspen- hausen l. verw., Res.Peter Höfer-Schenklengsfeld verm., Res. Adam Landsiedel-Ransbach l. verw. b. d. Tr., Res. Gg. Kehres-Unterhaun l. v., Jäger Heinr. Barth 2.- Friedewald l. v., Gefr. Johs. Berk-Schenklengsfeld l. verw. b. d. Tr., Jäger Kurt Krach-Hersfeld verw., Jäger Heinr. Döring 1,-Heringen verm.

Von der Rhön, 13. Januar. Durch einen erst 13 Jahre alten Schulknaben wurde in Gersfeld ein kleiner Junge vom sicheren Tode des Ertrinkens ge­rettet. Der letztere, ein Sohn des Telegraphenar­beiters Neumann, hatte am Ufer des Mühlenbachs gespielt, war in das hoch angeschwollene Wasser ge­stürzt und bereits ein Stück fortgetrieben, als der Schulknabe Bordram, der eigenen Lebensgefahr nicht achtend, in den Fluß sprang und das Kind wieder aufs Trockene brächte.

Ziegenhain, 13. Januar. Ein Wiedersehen eigener Art erlebte ein in der Schwalmgegend angesessener Gutsbesitzer, der jetzt unter der Fahne steht, auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Er war dort in russische Gefangenschaft geraten und hörte plötzlich zu seiner großen Ueberraschung beim Abtransport aus den feindlichen Reihen seinen Namen rufen und zu gleicher Zeit einen Russen auf ihn in voller Freude zueilen. Der Gutsbesitzer erkannte in diesem einen bei ihm seit Jahren beschäftigt gewesenen Saisonarbeiter.

Aas einem Feldpostbrief.

Sleyhage (am Upern-Kanal), den 21.12.14.

Soeben erhalte ich das schöne Weihnachtspaket mit der Karte und den frohen Weihnachtsgrüßen von den lieben Kinderchen und hat mich dieses alles sehr gerührt, wofür ich nun auf diesem Wege meinen herz­lichen Dank ausspreche. Weiter können wir Krieger Euch in der lieben Heimat kein Entgegenkommen bringen, aber das eine wollen wir Euch beweisen, wir wollen stehen wie ein Mann und wollen sümpfen wie ein Held bis zum letzten Blutstropfen für Kaiser und Vaterland und für Weib und Kind und durch­halten, durchhalten bis der letzte der vielen Feinde besiegt am Boden liegt. Ich danke Euch auch herzlich für die schönen und frohen Weihnachtswünsche und mein Wunsch wäre der, daß sich in die Heiligeabend­klänge der deutschen Kirchenglocken die Siegesklänge vom Westen und besonders hier vom Npern-Abschnitt mischen würden. Dies wird aber leider nicht der Fall werden, denn es ist sehr schwer hier. Tag und Nacht wird erbittert gekämpst. In den sechs Wochen, die wir schon hier stehen, hat mancher treue Held sein Leben fürs Vaterland gelassen. Auf seinem schlichten Holzkreuz, welches ihm seine Kameraden gesetzt haben, singt ihm ein Vöglein das Schlummerlied. Wolle Gott wir könnten es den tapferen Helden im Osten bald gleich tun und die ganze Westarmee in die Flucht schlagen; aber nicht mehr allzufern wird dieser Tag sein. Wir können dies Jahr nicht Weihnachten mit unsereu Lieben feiern und uns an den leuchten- den Kinderaugen erfreuen; aber auch wir werden Weihnachten feiern so gut es geht, und sollten es die Feinde wagen uns daran zu stören, so wollen wir ihnen die Weihnachtsgrüße in Gestalt von stählernen Lebkuchen und blauen Bohnen so reichlich in die Ge­sichter schleudern, daß sie die Augen auf immer schließen. Mein sehnlichster Wunsch ist nun der, daß mich Gott gesund und mich noch auf britischen Boden kommen läßt, dann aber nochmals Zügel kurz, Sporen lang und den scharf geschliffenen Degen fest in die Faust, dann sollen die Engländer erfahren was Deutsche- und vor allem Hessenhiebe heißen. Nun Ihr Lieben, wenn Euch dieser Brief erreicht, wird Weihnachten schon verflossen sein, so wünsche ich Euch aber noch nachträglich frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr. Feiert die Feste in alt her­gebrachter Weise. A. B.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Baterlande u. macht sich strafbar.

loajährige Jubiläen von Truppenteilen im Jahre 1915.

In dem neuen Jahre 1915 kann eine große An­zahl von Truppenteilen unseres Heeres das Fest ihres 100 j ä h r i g e n Bestehens feiern. Nicht weniger als 21 Truppenteile sind im Jahre 1815 be­gründet worden. Schon am 21. Februar ist der Stif- tungstag für drei Regimenter, nämlich für das Garde-

Kürassier-Regiment, das 1. Garde-Dragoner-Regi- ment zu Berlin und das Leib-Garde-Husaren-Regi- meut zu Potsdam. Den Hauptanteil an den Jubiläen kann aber der 7. März 1915 für sich in Anspruch nehmen) an diesem Tage wurden nämlich zehn ver­schiedene Regimenter im Jahre 1815 gestiftet, und zwar das Infanterie-Regiment Nr. 27 in Halberstadt, das Kürassier-Regiment Nr. 7, das teils in Halber­stadt, teils in Quedlinburg garnisoniert, das Infan­terie-Regiment Nr. 32 in Meiningen, das Kürassier- Regiment Nr. 8 in Deutz, das Dragoner-Regiment Nr. 4 in Lüben, das Hnsaren-Regiment Nr. 7 in Bonn, das Husaren-Regiment Nr. 8 in Paderborn und Neuhaus, das Husaren-Regiment Nr. 9 in Straß­burg in E., das Ulanen-Regiment (1. Pommersches) Nr. 4 in Thorn und das Ulanen-Regiment Nr. 5 in Düsseldorf. Zwei Jägerbataillone wurden am 21. Juni gegründet und zwar das Jägerbataillon Nr. 3 in Lüben und das Jägerbataillon Nr. 4 in Naumburg a. d. Saale. Der 10. September ist der 100. Stiftungs­tag des 2. Bayerischen Schweren Reiter-Regiments, das in Landshut in Garnison steht. Der 3. Oktober ist wieder der Tag der Jägerbataillonn, denn an diesem Tage wurden die Jägerbataillone Nr. 7 in Bückeburg und Nr. 8 in Schlettstadt gegründet. Am 27. November kann das 1. bayerische Jägerbataillon zu Freising das Fest seines 100jährigen Bestehens feiern. Endlich blicken am 13. Dezember zwei Füsilier- Regimenter auf den gleichen Zeitraum zurück, näm­lich das Füsilier-Regiment Nr. 35 in Brandenburg und das Füsilier-Regiment Nr. 36 in Halle. Ueber die Feierlichkeiten, die stets mit den 100jährigen Ju­biläen verbunden sind, sind jetzt naturgemäß noch keine Anordnungen getroffen, da die Regimenter und Bataillone alle im Felde stehen und der Krieg militärische Feiern verbietet. Das Geschützfeuer der Schlacht ist aber eine Feier, die jeder Soldat als die würdigste empfinden wird.

Ratschläge für die Kriegszeit von Zentralstelle für Volkswohlfahrt.

Feinde ringsum! Das deutsche Volk ringt zu Wasser und zu Lande den Kampf um sein Dasein. Unser Heer steht in Waffen gegen die halbe Welt. Unsägliche Opfer werden von unseren Kriegern im blutigen Kampfe verlangt. Um ihnen den Siegespreis zu entreißen, will England das deutsche Volk durch Hunger niederringen. Die feige Waffe hebt sich gegen Weib und Kind.

Der Schlag soll wirkungslos sein, nicht mutlos soll man uns finden. Unsere Nahrungsversorgung ist gesichert, wenn die schwere Stunde uns bereit sieht zu vernünftiger Lebenshaltung und zur Preis­gabe von Luxus und Verschwendung. Nicht Entbehr­ungen werden gefordert, sondern nur eine Lebens­weise, die dem Ernst der Lage entspricht und, weit entfernt die Gesundheit zu schädigen, vielmehr eine Quelle körperlicher und sittlicher Kraft ist. Keiner darf hier versagen. Unser Heer soll an uns Mit- kämpfer und Opferwillige finden, die in der Heimat und mit ihren schwachen Kräften mitringen um den Lorbeer des Sieges.

Die uns gestellte Aufgabe ist eine doppelte. Wir müssen die Nahrungsmittel wählen, die uns das eigene Land reichlich liefert, und wir müssen die Ver­geudung vermeiden, die nur zu sehr bei uns einge­rissen ist. Beides bedeutet eine Rückkehr zur ein­fachen Vätersitte.

Fleisch und Fische. Wo der Fleischgenuß in den letzten Jahren übermäßig gestiegen ist, führe man ihn auf ein bescheidenes Maß zurück. Wurst- Sind Fleischaufschnitt zum Frühstück können sehr wohl in Wegfall kommen, ebenso der jetzt durchweg zu reichliche Genuß von Fleisch zum Abendessen. Sogar der völlige Verzicht auf Fleisch an einzelnen Tagen schädigt die Gesundheit nicht. Das Fleisch kann durch andere Speisen sehr wohl ersetzt werden, vor allem durch Käse, Milch, saure Milch und gehaltvolle Mehlspeisen. Wenn man Fleisch ißt, soll man sorglich damit umgehen. Abfälle und Reste, die heute vielfach als wertlos weg­geworfen werden, liefern gute Suppen und Saucen und andere Gerichte. Fett. Der Genuß von Schmalz, Speck, Kunstbutter und anderem Fett, be­sonders auch von Butter und Rahm (Sahne) wird in einzelnen Landesteilen, wo man kein Brot ohne Fettaufstrich genießt, stark übertrieben. Ein zu relch- licher Fettgenuß ist gesundheitsschädlich, da er die Verdauung beschwert, außerdem ist das Fett ein unver­hältnismäßig teures Nahrungsmittel. Der Verbrauch von Fett in der Küche läßt sich einschränken. Als Zutat zum Brot läßt sich das Fett durch andere Stoffe ersetzen, besonders durch Obst, Obstmus, Marmelade. Die Fettreste soll man nicht verkommen lassen, man kann sie durch Ausbraten oder Reinigen (Durchkochen) wieder verwendbar machen.

l Gedenket der Reichswollwoche! j