vaM<r« wervW V«rH W» ®We und heftigen Fkofi aufgehalten. Unsere in Aserveioschan vorrückenden Abteilungen verfolgen trotz schlechten Wetters den Feind, der sich zurückzieht, nachdem wir Rumi jUrmia) und Kotnr besetzt haben. Die Russen behaupten, die Divisionskommandeure eines Armeekorps gefangen genommen zu haben. Diese Meldung wird für falsch erklärt. In Wirklichkeit hat eine russische Abteilung in einem russischen Dorf einen Zug von Verwundeten angegriffen, unter denen sich ein schwer verletzter Brigadekommandeur befand. Dieser wurde gefangen genommen, die andern getötet. In Irak versuchten gestern zwei Bataillone englischer Infanterie mit großen Gebirgs- schuellfenergeschützen ein Lager unserer arabischen Parteigänger in der Umgebung von Kourna zu überraschen. Sie fielen aber in einen Hinterhalt und verloren 125 Tote nnd Verwundete. Nach einem Kampf von zwei Stunden verfolgten die Araber den Feind; obwohl sie auf kurze Zeit dem Feuer der Geschütze ansgesetzt waren, hatten sie nur fünfzehn Verwundete.
Die Neutralen.
Eine Stimme aus Italien.
Der „Berl. Lok.-Anz." meldet aus Mailand: Die Mailänder „Perseveranza", ein Blatt, dessen Urteil in auswärtigen Angelegenheiten stets allgemein die größte Beachtung gefunden hat, erklärt an leitender Stelle in Bezug auf die Bemühungen der Entente-Mächte, wei- tere Nationen in den Krieg hineinzuziehen und Japan zur Entsendung von Truppen nach Europa zu veranlassen, kurz und bündig: Die Japaner mögen kommen oder nicht: das eine ist sicher, die Russen, Franzosen und Engländer können eher auf die Hilfe des Mikado rechnen, als auf Hilfe von Europa. Was Rumänien an- betrifft, so wird es tun, was ihm beliebt, allein oder in Gesellschaft, falls der Balkanbund, um den sich die Ententemächte sehr bemühen, wieder aufleben sollte, was wir stark bezweifeln. Italien aber betreibt eine ausschließlich italienische Politik.
Dummes Friedensgefasel.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Schweizer Blätter berichten, daß letzter Tage Angehörige der kriegführenden Staaten des Internationalen Friedensbure- aus zu einer freundschaftlichen Besprechung in Bern zusammengekommen seien. Die Besprechung, an der auch Neutrale teilgenommen hätten, sei indes ohne Ergebnis verlaufen." Die Angehörigen des Dreiverbandes und seiner Freunde hätten sich auf den Standpunkt gestellt, daß Friedensversuche nur auf der Grundlage der allseitigen Anerkennung der vor dem Kriege gültigen Verträge und internationalen Zusicherungen (Belgien) möglich seien. Die anwesenden Deutschen und Oester- reicher hätten diesem Standpunkt nicht beipflichten können, und darum habe die Konferenz es vorgezogen, ohne weitere Beschlußfassungen auseinanöerzugehen.
Derartige freundschaftliche Besprechungen im Internationalen Friedensbnrean sind, so bemerkt die „Köln. Ztg." mit Recht dazu, wenn sie stattgefunden haben, anf dieselbe Stufe zn stellen, wie das bisherige wirkliche oder angebliche Friedensgerede. Die dent- schen Vertreter in dem Bureau haben selbstverständlich zu einem Friedensunternehmen keinerlei amtlichen Auftrag gehabt. Unsere amMchen Stellen haben in voller Uebereinstimmung mit dem ganzen deutschen Volke sattsam betont, daß wir das Schwert nicht wieder in die Scheite stecken werden, bis wir ganze Arbeit gemacht haben. Die Friedensliebe des Internationalen Friedensbnreans in Ehren, aber die praktische Bedeutung seines von den Schweizer Blättern gemeldeten Unternehmens war von Hause aus gering, «nd es ist daher auch kein Verlust, daß die Konferenz ohne Beschluß ans- einanderging.
kklegsallerlei.
Ein diplomatischer Zwischenfall.
Wien, 12. Januar. (WTB.) Die Korrespondenz Wilhelm meldet: Als am Sonntag nachmittag sich in einem Abteil der Südbahn eine Gesellschaft in französischer und englischer Sprache unterhielt, wurde sie von einem in demselben Abteil fahrenden Offizier aufgefordert, sich der deutschen Sprache zu bedienen, worauf ein Herr der Gesellschaft antwortete, daß er Schweizer sei. Auf Veranlassung des Offiziers wurden die Mitglieder der Gesellschaft bei ihrer Ankunft auf dem Südbahnhofe von den militärischen Machtorganen aufgefordert, sich auszuweisen. Hierbei stellte es sich heraus, daß die Gesellschaft aus dem schwedischen Gesandten, dem schweizerischen Gesandten, dem dänischen Geschäftsträger sowie mehreren höheren Mitgliedern des hier akkreditierten diplomatischen Korps mit Gemahlinnen bestand. Der Jnspektionsoffizier sprach den Herren, nachdem er sich von ihrem diplomatischen Charakter überzeugt hatte, sein Bedauern über den Zwischenfall aus, ebenso, wie wir hören, auch das Ministerium des Aeutzeren.
Das Schicksal der Deutsche» in Odessa.
Ein in Odessa ansässiger Prediger einer deutschen Gemeinde schrieb, wie wir nn „H. K." lesen, seinem zurzeit in Hannover lebenden Sohne am 24. November einen Brief, aus dessen Einzelheiten hervorgeht, wie schwer das Schicksal der Deutschen in Rußland ist und welcher völkerrechtswidrigen Behandlung und Grausamkeit auch Greise, Frauen und Kinder dort ausgesetzt sind. Es heißt darin: Prediger M. hat ein hartes Los getroffen. Erst wurde sein Sohn, jetzt am 19. November er selbst (über 63 Jahre alt) und am 20. November seine ganze Familie verschickt. (Darunter Kinder noch unter zehn Jahren.) Man sagte mir, daß wir aus der Stadt nur unter 48 Jahren verschickt würden. Wir sind für alle Fälle reisefertig. Unser Vermögen wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, mit allem, was drum und dran ist, verloren sein. Nun, wie Gott will! Leicht wird es uns ja nicht sein, im Alter noch einmal von vorn anzu- fangen. Das Wetter hier ist gelinde, feucht uns) neblig. Ein Glück für die Armen, denn die Feuerung ist hier sehr teuer. Set vorsichtig im Schreiben. Daß Dein Brief uns erreicht hat, ist ganz besondere Gnade, viele gehen verloren.
Russische Verletzung der Geuser Konvention.
Am 21. November v. I. wurde in Brzeziny bei Lodz eine deutsche Sanitätskolonne, bestehend aus 45 Mann unter Führung eines Chefarztes, überfallen und gefangen genommen. Die drei Oberarzte sonnten, da sie beritten waren, sich retten, die übrigen gerieten in Gesanges Nach Mitteilungen, die drei Gefangene aus Ufa dem „B. T." zufolge an ihre Berliner Ange- Hörigen sandten, befinden sie sich auf dem Wege nach Sibirien.
Die Nevergabe der Hiudenburg-Spende.
Die Vertreter der deutschen Städte sind am Dienstag nach dem Osten abgereist, um dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die von ihnen gesammelte „Hindenburg-Spende" zu übergeben. Die Herren wer- Zen dem Generalfeldmarschall offiziell von der „Hinden- burg-Spende der deutschen Städte", die annähernd zwei Millionen Mark beträgt, Kenntnis geben und sie dem Feldmarschall zur Verfügung stellen.
Der Walfisch als Unterseeboot.
An der holländischen Küste ist ein großer toter Walfisch angetrieben worden. Er war von einer Granate durchbohrt, was anzudeuten scheint, daß der Walfisch von einem Kriegsschiff für ein Unterseeboot gehalten und beschossen worden ist.
Mitzglückter Fluchtversuch englischer Offiziere aus Holland.
Wie „Nieuwes van den Dag" nach der „Franks. Ztg." aus Groningen meldet, versuchten dort am Sonnabend vier internierte englische Offiziere zu entfliehen. Sie ließen durch einen Holländer zwei Autos mieten, die sie nach Harlingen bringen sollten. Der Vermieter, der mißtrauisch geworden war, benachrichtigte die Polizei, die die Offiziere verhaftete.
Politische Rundschau.
Eröffnung des norwegischen Parlaments. Das norwegische Storting ist am Dienstag feierlich eröffnet worden. In der Thronrede wird ausgeführt: Die Beziehungen zu den Mächten sind freundschaftlich. Die Bestrebungen sind darauf ausgegangen, das Land außerhalb des Weltkrieges zu halten und die Gefahren und die Schwierigkeiten abzuwenden, die die Lage für die Sicherheit und die Erwerbszweige des Landes mit sich brächte. Ferner erwähnt die Thronrede die Neutralitätserklärung Norwegens, die Uebereinkunft zwischen Norwegen und Schweden vom 8. August, die Dreikönigszusammenkunft in Malmö und die dort festgestellte Einigkeit. Dem Storting werden einige Gesetzentwürfe über außerordentliche Maßnahmen zur Förderung der Land- und Seeverstärkung vorgelegt. Ferner werden Gesetzentwürfe angekünöigt über die Einsetzung einer Kommission zur Behandlung der Frage der Getreideversorgung des Landes und über ein Staatsmonopol für die Einfuhr von Getreide und Mehl.
Kleine Hadiridifen,
Schaffung einer deutschen Herrennode. Der Allgemeine deutsche Arbeitgeberverband für das Schneider- gewerbe in München sowie der Verband deutscher Tuch- versender und Großhändler in München haben dem „Konfektionär" zufolge für den 20. Januar nach Frankfurt a. M. eine große Versammlung aller Interessenten einberufen, in der die Frage der Schaffung einer deutschen Herrenmoöe eingehend erörtert werden soll.
Städtischer Kartoffelverkauf in Berlin. Die Stadt Berlin hat seit längerer Zeit große Bestände an Kartoffeln angesammelt, die sie von jetzt ab zum Verkauf stellt und in den Markthallen durch Händler, die am Zentner 40 Pfennig verdienen, für 3.50 ^ verkaufen läßt. Mengen unter fünf Pfund werden nicht abgegeben. _ „
Familientragödie. Einer Meldung der „L. L. N" zufolge durchschnitt in der Ortschaft Anröchte bei Hagen i. W. der Althändler Schmitz seine erwachsene Tochter die Kehle und zündete dann das Wohnhaus an. Die Leichen des Vaters und der Tochter wurden aus den Trümmern hervorgezogen.
Vermischtes.
Die ersten Porträtaufnahmen Hindenburgs als Generalfeldmarschall und seines Generalstabschefs Lu- öendorff sind in diesen Tagen im Hauptquartier des Ostens zum Besten des Deutschen Vereins für Sant- tätshunde vom Meisterphotographen Perscheid geschaffen worden. Im Auftrage des Vereins gibt der bekannte Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg i. Gr. die prachtvoll gelungenen Blätter demnächst in verschiedenen Ausführungen heraus.
Aeichswollwoche vom 18. bis 24. Zanuor.
Unter wärmster Billigung der Kaiserin und mit grundsätzlicher Zustimmung und Unterstützung der verbündeten Regierungen soll in der Zeit vom 18. bis 24. Januar 1915 in ganz Deutschland eine Reichswollwoche stattfinden. Zwecke und Ziele dieser Veranstaltung ergeben sich aus den nachfolgenden Darlegungen:
Wie bekannt, übersteigt der Bedarf an Wolle in Deutschland weitaus den zurzeit vorhandenen und in absehbarer Zeit zu erwartenden Vorrat. Die vorhandenen Wollmengen hinwiederum müssen lediglich zur Herstellung von Strümpfen und Tuchen verwendet wer- Jnfolgeöessen ist anzunehmen, daß in absehbarer Zeit in bezug auf die Bschaffung der für die Schützengräben so sehr notwendigen wollenen Decken und der ebenso erforderlichen warmen Unterkleidung für die Truppen selbst im Wege der freien Liebestätigkeit erheblicher Mangel an Material eintreten wird. Deshalb ist es notwendig, die in den Familien vorhandenen überflüssigen warmen Sachen — Woll-, Baumwoll- und Tuchsachen (sowohl Herren- wie Frauenkleidung wie auch Unterkleidung) — in möglichst großem Umfange der Verarbeitung namentlich zu wollenen Decken, aber auch sonst zu folgen Gegenständen zuzuführen, welche der Bekleidung der Truppen anderweit dienen können (Westen, Ueberziehhosen, Unterhosen u. dgl.).
Nach den Mitteilungen des Kaiserlichen Gesund- Heitsamtes ist es möglich, gut erhaltene Kleidungsstücke vor weiterer Verarbeitung so zu desinfizieren, daß sie für die Verarbeiter und spätern Benutzer keine Gefahr in hygienischer Beziehung bilden. Die in allen größeren Städten (z. B. bei jedem größeren Krankenhaus) und auch in den Strafanstalten vorhandenen Desinfektions- einrichtungen werden wahrscheinlich von den Eigentümern — dem guten Vorbild der Stadt Berlin folgend — gern unentgeltlich für den gedachten Zweck zur Verfügung gestellt werden.
Aller Wahrscheinlichkeit nach befinden sich noch zahlreiche überflüssige warme Sachen in den deutschen Familien; ihre Hergabe wird auf eine entsprechende Bitte hin wohl nicht verweigert werden. Allerdings ist es notwendig, die Herausgabe dieser Sachen auf einem Wege zu bewirken, der oen Eigentümern möglichst wenig Ungelegenheit bereitet; es ist daher neben der Uebersendung und Abgabe durch die Besitzer selbst die Abholung in weitem Maße vorzusehen.
Mit der Durchführung der geplanten Aufgabe wird es möglich sein, den voraussichtlich im Januar und Februar 1915 frei werdenden Kräften der Heimarbeit weitere Arbeitsgelegenheit und Versorgung zu verschaffen. Das ist auch insofern von großer Bedeutung, als nach Lage der Sache vielleicht anzunehmen ist, daß im Wege der freien Liebestätigkeit sonst in Deutschland kaum noch sehr erhebliche Beträge für die Beschaffung wollener Decken und Unterkleider flüssig gemacht werden können. Die Ersparnis zwischen dem Preise einer aus alten Sachen hergestellten und einer im Wege des Handels neugekauften Decke beträgt z. B. durchschnittlich 4 bis 6 Mark für das Stück, so daß, wenn, wie vielleicht erhofft werden kann, im Februar und März insbesondere unserem Ostheer 400 000 bis 500 000 Decken übersandt werden, eine Ersparnis von 2 bis 2% Millionen Mark erzielt wird.
Die Durchführung der ganzen Aufgabe wird aber nur möglich sein, wenn sie durch die tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung aller beteiligten Kreise gewährleistet wird. Mit vorbildlicher Tatkraft hat sich daher auch das preußische Ministerium des Innern dieser großen vaterländischen Sache gewidmet, um eine recht gute Lösung dieser hochbedeutsamen Aufgabe zu ermöglichen.
glaset der Ironl.
Während draußen im Felde unsere braven Truppen mit ihrem Herzblute um den Ruhm werben, das tapferste, das opferwilligste, das eisernste Heer zu sein, und uns schirmen und schützen gegen die Geisel des Barbarentums, den Rachedurst verblendeter Scharen und die heimtückischen Angriffe eines verräterischen Juöasvol- kes, jeder einzelne ein Held, der höchsten Ehren würdig, ist nicht minder auch daheim eine Opferbereitschaft, ein stiller Heldenmut zu finden, der nicht genug gepriesen werden kann. In allen Schichten des Volkes ist er lebendig und tätig und bereit, dem Vaterlanbe in schwerer Zeit Opfer zu bringen, und einzelne ragen ganz besonders hervor.
Ein leuchtendes Beispiel hierfür ist der alte Oberstleutnant v. L. in Straßburg, der mit anderen Offizieren in seiner Garnison zurückgeblieben ist. Die Herren pflegen ihr Mittagsbrot gemeinsam im Offizierskasino einzunehmen, und da ist es natürlich, daß das Thema der Unterhaltung neben dienstlichen Gesprächen der Krieg und die Taten ihrer im Felde stehenden Söhne sind. Hell strahlen jedesmal die Augen des alten Oberstleutnants v. L., wenn er von den unlängst von Kaiser besonders gelobten Königsgrenaöieren spricht, seinem alten Regiment, mit dem sein Name eng verknüpft ist, und mit dem auch sein einziger Sohn mit ins Feld gezogen ist. Eines Tages tritt ein Telegraphen- bote ein und übergibt dem alten Offizier eine Depesche. Dieser liest sie und steht auf. Er klopft ans Glas: „Meine Herren! Es lebe seine Majestät der Kaiser! Ich erhalte soeben ein Telegramm. Mein einziger Sohn ist gefallen, Kopfschutz." Er verbeugt sich, die Offiziere erheben sich lautlos und begeben sich mit dem Oberstleutnant in den Dienst. Einen ergreifenderen Beweis soldatischer Festigkeit und stillen Heldenmutes auch „hinter der Front" kann es kaum geben.
Aber auch in den schlichtesten Bürgerkreisen lebt und webt der stille Heldenmut. Ein Beispiel ist ein auf dem Anhalter Bahnhöfe in Berlin beschäftigter Gepäckträger, der seinen Namen Schlicht mit vollem Rechte verdient. Eine ostpreußische Pfarrersfrau war mit ihren fünf Kindern und einem Dienstmädchen vor den Russenhorden geflohen und hatte sich zu Verwandten nach Merseburg begeben. Als Ostpreußen von den Russen gesäubert war, begab sich auch die Pfarrersfrau in ihre Heimat zurück, mußte aber in Berlin die Reise unterbrechen, da die kleinen Kinder die Anstrengungen der langen Fahrt nicht ertrugen. Es war bereits spät Abend, und die in Berlin fremde Frau hatte nicht mehr genug Geldmittel, um mit so viel Personal in einem Hotel wohnen zu können. Während sie sich an das Rote Kreuz um Auskunft wendete, trat ein Gepäckträger, der das Gespräch mit angehört hatte, auf sie zu und sagte: „Madame, ich bin auch ein gebürtiger Ostpreuße; wenn es Ihnen recht ist, nehme ich Sie auf."
Alles Sträuben der Pfarrersfrau mit dem Hinweise, daß es doch unmöglich sei, sieben Personen und noch so spät am Abend unterzubringen, half nichts; der brave Mann nahm ihr Gepäck und führte sie in seine nahegelegene Wohnung, wo sie mit ihren Kindern und dem alten Dienstmädchen wie lange erwartete Gäste Aufnahme fand. Diese brave Tat war auch in der Leffent- ltchkett bekannt geworden, uniw ein Wohltäter schickte dem Gepäckträger als eine kleine Entschädigung 20 der wackere Mann aber schenkte die Hälfte davon der Wollsammlung für die Hindenburg-Armee, während für die andere Hälfte feine Frau Wolle kaufte, um selbst für die Truppen im Felde stricken zu können.
Schließlich sei noch des stillen Opfermutes einer Braut, der Tochter einer Beamtenwitwe in P., gedacht, deren Bräutigam in einem Regiment mit ihrem Bruder ins Feld gezogen war. Nach dem ersten Siege im Westen traf ein Feldpostbrief von ihrem Bruder ein, in dem er ihr mitteilte, daß ihr Fritz an seiner Seite gefallen sei; seine letzten Worte wären gewesen: „Grüß Deine Schwester, die meines Lebens ganzes Glück war, und bring ihr diesen Ring!" Still rannen die Tränen aus den Augen des jungen Mädchens, dann aber sagte sie mit vor Stolz leuchtenden Augen zu ihrer Mutter, die ihr Worte des Trostes zusprach: „Mtuter, ich klage nicht, ich habe mein Glück ja dem teuren Vaterlands geopfert, ich bin stolz auf Fritz!" So sümpfte eine deutsche Braut „hinter der Front" gegen den Schmerz, der ihr das treue Herz zu brechen droht.
Dom tokomolivführer deck aus Tarnowitz.
Hört euch ein Lieölein vorn braven Mann
Auf einer Lokomotive an.
Gibts deutsche Helden nur in dem Heer
Und in den Lüften und auf dem Meer?
Nein! Auch unter Eisenbahnern!
Das war eine Fahrt! Mit Kugeln und Brot
Zu deutschen Vorposten! Ehrend Gebot!
Das Eisenrotz ist eifrig gerannt
Die ganze Strecke im feindlichen Land.
Rings nur verödete Dörfer.
Da — plötzlich — Kosaken! Fünfzig Mann.
Sie greifen mit mördrischem Schnellfeuer an.
Die Kugeln prasseln. Ein ungleicher Kampf!
Der Schieber-kasten durchschossen! Der Dampf
Entströmt den Kugellöchern.
Nur weiter! In Schnellfahrt wie Donner und Blitz.
Tot lehnt der Hauptmann*) im Führersitz.
Der tapfere Lokomotivführer Beck
Hat einen Schuß durch die Lunge weg,
Doch weicht er nimmer vom Posten.
Fritz Pielot, der Heizer, steht ihm zur Seit'.
„Schlag schnell die zerschossnen Oelrohre breit.
Setz Pfropfen in Tenderbehälter und Dom, —
Das Wasser entweicht dem Kessel, ein Strom.
Uns soll kein Kosake erwischen!"
Vier Stunden noch hielten die Wackren stand,
Es galt ja die Pflicht und das Vaterland.
Beck brach erst zusammen am Ziel der Fahrt.
Halt jeder so aus nach Heldcnart! i
Der Kaiser dankt seinen Treuen.
Oberpfarrer Seiler-Forst.
♦) Hauxtmann Bader.