Stoß. Zwei englische Offiziere Erven als angebliche deutsche Spione verhaftet.
Dentsche Flieger über Dünkirchen.
®e* Dünkirchen, 11. Januar. (WTB.) Deutsche Flieger warfen gestern über Dünkrrchen unö Nachbarstadt über 30 Bomben ab. Infolge der getroffenen Vorkehrungen sind aber keine Opfer an Menschenleben zu beklagen.
Der Krieg in den Kolonien.
Deutsche Offensive in Kamerun.
Paris, 10. Januar. (WTB.) Der Gouverneur von Westafrika hat an Doumergue ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Die Deutschen griffen E-ea in Kamerun an, wurden aber zurückgeschlagen. Zwanzig Europäer und vierundfünfzig eingeborene Schützen blieben auf dem Kampfplatz. Unsere Verluste sind gering.
Daß die Schutztruppe gegen Edea zum Angriff geschritten ist, zeugt für die zuversichtliche und kampses- frohe Stimmung, die bei unseren Kamerunern herrscht. Daran vermögen auch solche Siegesberichte der Gegner nichts zu ändern.
Der Türkenkrieg.
Türkische Siegesbeute.
Wie nach dem „B. L.-A." aus Erzerum gemeldet wird, sind sechs Maschinengewehre und 500 Kisten mit Munition, die man den Russen abgenommen hatte, sowie 450 russische Gefangene von Olty nach Namervan gesandt worden. Am 7. o. M. ist ein anderer Transport mit russischen Gefangenen, bestehend aus 215 Soldaten und 5 Offizieren in Erzerum angekommen.
Die Neutralen.
Eine spanische Stimme.
Der bekannte spanische Publizist S. Canovas Cervantes kommt nach einer Meldung der :,Magbeb. Ztg." aus Genf in der Madrider „Tribina" in einer aufsehenerregenden Betrachtung über den Krieg zu folgendem Schluß: Neben der mohlbegründeten Sympathie für Deutschland empfände Spanien Schmerz und Mitleid mit der Verblendung Frankreichs. Seine Jugend in der Gefolgschaft Englands verblute. Die Zukunft werde lehren, daß Englands Pläne scheitern, Frankreich zur Selbstbesinnung kommen und Deutschland die Hand reichen werde, um den gemeinsamen Feind England ab- zumehren und nnschädttch zu machen.
Kriegsfeindliche Stimmung in Portugal.
. Rom, 10. Januar. (T. U.) Aus Portugal wird nach dem „B. T." gemeldet: Die kriegsfeindliche Stimmung der Bevölkerung nimmt zu. Als zwei Regimenter Infanterie mit unbekanntem Bestimmungsort von Lissabon abgehen sollten, weigerten sich die Truppön, sich einzuschiffen, sie kehrten unter dem Jubel der Menge in die Kaserne zurück. — Amtlich wird in Lissabon erklärt, es sei nicht wahr, daß portugiesische Truppen sich in Aegypten befinden. Es handele sich nur um eine AN- zahl von Offizieren, welche ins englische Heer eingetreten sind.
Die Vernichtung des französischen Admiralschiffs „Courbet."
Ueber den Kampf des österreichisch-ungarischen Unterseebootes „12" mit der französischen Flotte in der Straße von Otranto wird nach einer Meldung des „B. L.-A." aus Wien noch folgendes mitgeteilt: „Das französische Flaggschiff „Courbet" wurde von uns sehr gut getroffen. Es sollte von dem Schwesterschiff „Jean Bart" ins Schlepptau genommen werden, das hierbei den „Courbet" rammte, sodaß dieser sank. „Jean Bart" wird nun für den „Courbet" ausgegeben, von dem die Franzosen behaupten, daß er nur leicht beschädigt sei. da eins der beiden von „U 12" abgeschossenen Torpedos versagt habe: „Jean Bart" wurde nach Malta ins Dock gebracht. „U 12" war bei seiner erfolgreichen Fahrt einundzwanzig Stunden unter Wasser geblieben. Als es den Feind sichtete, kamen die französischen Schiffe in doppelter Kiellinie daher. Das Unterseeboot mußte unter die Panzer wegtauchen, um das Flaggschiff der Franzosen torpedieren zu können.
Ueber die Art und Weise, wie diese Heldentat der uns verbündeten österreichischen Flotte vor sich ging, berichtet jetzt „Danzers Armeezettung" folgendes: „Unser „12", Kommandant Linienschiffsleutnant Egon Lerch, war gegen die Straße von Otranto entsendet worden und sichtete, gegen steifen Süöost mit schwerem Seegang, bei dichtem Regen aufarbeitenö. am 21. Dezember 9 Uhr vormittags ungefähr 20 Meilen Nordwest der Insel Saseno eine Kolonie großer Schiffe in nordwestlichem Kurse. Bei der raschen Annäherung konnte gerade nur deren Zahl — 16 — und der Typ des führenden Flaggschiffes, das ist einer der vier „Courbet", ausgeforscht werden, dann mußte flugs die Angriffspositivu eingenommen werden. Dies alles drängte sich in wenigen Minuten zusammen, und schon wurden in rascher Aufeinanderfolge zwei Torpedos lanciert, keine 30 Sekunden später verspürte die in atemloser Spannung harrende Bemannung des untergetauchten Bootes deutlich die Explosionen — also beide Torpedos Treffer! Rasch wieder an die Oberfläche manövrierend, sah Linienschiffsleutnant Lerch die feindlichen Schisse zerstreut — die Lehre aus dem Falle „Hogue", „Aboukir" und „Cresiy" war offenbar befolgt — auf dem getroffenen Flaggschiff ein Signal, aber tu unmittelbarer Nähe seines Bootes den Sporn eines Schlachtschiffes der „§ "vn"-Klaise. Eilends untertauchend, gtngs nun in fehl nder Tiefe aus dem Bereich der nun gewiß nach ane Zeiten nach einem Periskop auslugenöen feuer- berc i Schiffe. „U 12" mußte nun auf feine Rückkehr beb sein und erreichte auch wohlbehalten seinen Sta -Hafen, nicht ohne mehrere Stunden nach dem gel- ;en Angriff elf französische Torpedofahrzeuge mit r Fahrt gegen Südost laufend gesichtet zu haben. Da ze Gefühl der braven Bemannung, ein mächtiges Schu chiff, 23 500 Tonnen, 12 30,5 Ztm.-, 22 14 Ztm.- Geschi!.c und was nicht minder wichtig, gerade das Flaggschiff des gegnerischen Kommandierenden gefechts- und seeuntüchtig gemacht zu haben, wenn es schon ent- gegen aller Wahrscheinlichkeit nicht sinken sollte, können wir nur annähernd nachempftnden, gewiß aber nicht in Worte kleiden."
Ein solcher Kaiser ist ein halber Sieg.
Zwischen dem Kaiser und seinem Heere hat sich durch den Krieg ein noch innigeres Band geknüpft, wenn dies überhaupt möglich gewesen ist. Die Anwesenheit des Kaisers auf dem Kriegsschauplatz ist jedenfalls dazu angetan, aus jedem Mann das letzte an Entschlossenheit und kühner Tatkraft herauszuholen. Ueberall, wo der Kaiser zu seinen Truppen hinkommt, herrsch? bet den Mannschaften eine Begeisterung, die in erster Reihe durch die Kameradschaftlichkeit des Kaisers hervorgerufen wird. Der Kaiser ist im Felde ganz Soldat, wie jeder andere. „Einfach, zu Fuß, oen vielen Autos durch den Stratzenschmutz folgend, begegnen wir, hoch zu Fuß, unserm obersten KrjrgHrrM. M MMLll yw&s des
Eisernen Kreuzes sprach er an, drückte ihnen die Hand oder rief ihnen ein aufmunterndes Wort zu." So lautet die Schilderung eines Feldgrauen, der zufällig mit seiner Schwadron dem Kaiser in der Nähe des Schlachtfeldes begegnet war. An allen Freuden und Leiden der Soldaten nimmt der Kaiser teil. Es wurde schon gemeldet, daß für ihn das Kriegsbrot gebacken werden muß. Aber alle, die irgend wie zu beobachten Gelegenheit hatten, wissen, daß der Kaiser auch mit großer Vorliebe sein Essen aus der „Gulaschkanone" bezieht. Jüngst wurde von einem Soldaten berichtet, daß der Kaiser, der an einer Gulaschkanone vorüberkam, sich eine Kostprobe reichen ließ. In diesem Falle tat er es jedenfalls nur, um sich selbst von der Beschaffenheit des Essens für unsere Krieger zu überzeugen. Aber davon abgesehen, läßt er sich stets aus einer Gulaschkanone beköstigen, wenn eine solche gerade zu haben ist.
Auf alle Mannschaften, die mit dem Kaiser jetzt natürlich öfter als im Frieden zusammenkommen, wirkt besonders der Ernst und die Festigkeit seines Gesichts- ausöruckes. Auch darüber finden sich in Feldpostbriefen zahlreiche schriftliche Zeugnisse. Eines von den vielen sei hier angeführt. Nachdem der Briefschreiber von den Beschwerlichkeiten des durch Regen aufgeweichten Wie- senweges erzählt hat, auf dem der Kaiser nur langsam vorwärts kam, erzählt er: „Es sind alles Märchen, die von alt und grau geworden sprechen: ich wünschte mir nur einen Teil seiner Kraft. Ich glaube, ich sah nie so ein energisches, starkes und festes Gesicht. Ein ganzer Herrscher! Wilhelm, der Sieger! Dabei schmaler, stolzer im Profil, als jedes Bild bisher mir zeigte. In Berlin hörte mein Bruder einst ein Wort nach des Kaisers erster Ansprache Ende Juli: „Ein solcher Kaiser ist ein halber Sieg." So denken wir alle.
llriegsallerlel.
Ein Leumundszeugnis für unsere Soldaten.
Während der amtliche französische Bericht über die angeblichen deutschen Grausamkeiten die deutsche Armee im schlimmsten Licht erscheinen läßt, berichtet der Kriegsberichterstatter Oberst Müller vom Berner Bund, der bayerische Artillerieoberst Z. habe ihm erzählt, daß ein französischer Ortspfarrer, der im übrigen eine kühle Zurückhaltung beobachtete, ihm feine Bewunderung über die Frömmigkeit, den Anstand und die gute Sitte der deutschen Truppen ausgesprochen habe.
Der Prinz von Wales im Felde.
Die Londoner Blätter verzeichnen mit Stolz, daß der Prinz von Wales am zweiten Weihnachtsfeiertage das Kommando über eins der besten englischen Terrt- torialregimcnter übernommen und es persönlich nach den Schützengräben geführt habe. Das Regiment zählte 300 Mann und marschierte 20 englische Meilen, um die in der Feuerlinie stehenden indischen Truppen abzu- lösen.
Die deutsche Post in Belgien.
In Belgien sind bis jetzt 97 Postämter und 16 Telegraphenanstalten eingerichtet. Die Telegraphenämter stehen außerdem mit 62 Orten im Telegraphen- und Fernsprechverkehr. Der Post- und Telegraphenverkehr Belgiens ist auf Luxemburg ebenso wie mit Deutschland ausgedehnt worden.
Eine Beute der „Emden".
Aus einem Brief einer auf den Philippinen lebenden deutschen Dame entnimmt die „D. Tgsztg.", daß sich unter den seinerzeit von der „Emden" zum Linken gebrachten Schiffen auch die „Zuäva Maru", der größte japanische Dampfer und ein noch ganz neues Schiff, befand: diese Tatsache hat vielleicht dazu beigetragen, daß die Japaner sich so eifrig an der Vernichtung der deutschen Kreuzer in der Südsee beteiligten.
Französische Feldposträuber.
Vor dem Kriegsgericht in Toulouse standen vier mobilisierte französische Eisenbahner, die aus den Zügen eine große Zahl von Feldpostpaketen gestohlen hatten. Die Angeklagten erklärten zu ihrer Entschuldigung, daß die meisten der von ihnen gestohlenen Pakete für deutsche Kriegsgefangene bestimmt gewesen wären. Das Gericht verurteilte zwei der Eisenbahner zu fünf und zwei zu sechs Monaten Gefängnis.
Ein „hingemordeter" Garibaldiner.
Die Pariser Korrespondenten hatten mit allen Einzelheiten den Martertod eines Garibaldiners namens Seculee geschildert, der im Argonnenwald schwer verwundet worden sei. Als die Deutschen den Verwundeten aufforderten, sich zu ergeben, habe er stolz geantwortet: „Ich ergebe mich nicht, ich bin Italiener! Hoch Italien, hoch Frankreich!" Darauf hätten die Deutschen, „rote das bei ihnen so üblich ist", den Verwundeten meöer- gemacht. Heute kommt nun von dem so schmählich $tu= gemordeten, dessen Martyrium durch alle Zeitungen ging, ein Telegramm, in dem er seiner Familie mitterlt, daß er ganz wohl und munter ist!
Verbot der Weihnachtsbänme in Rußland.
In einem russischen Blatte ist tta# der „Frkf. Ztg." zu lesen, daß in den Volksschulen des Gouvernements von Wilna der Christbaum verboten wurde, weil er eine deutsche Sitte sei.
Franz Lehhr in russischer Gefangenschaft.
Der „Dtsch. Tgztg." zufolge.berichtet der „Daily Telegraph" aus Petersburg, daß m den letzten Kämpfen der bekannte Komponist Franz Lehar von den Rügen gefangen genommen wurde.
Deutsche Helden.
Drei Unteroffiziere und fünf Schützen vom 12. bayerischen Reserve-Jnfauterie-Regiment, die als Schildträger, Deckungs- und Haildgranatenschtttzen einen französischen Schützengraben genommen haben, und durch einen besonderen Tagesbefehl des Divisionsgene- rals belobt worden. Der Infanterist Knittel, der als Schildträger eine besonders gefährdete Stelle deckte, hat mit dreizehn Schüssen im Leib bis zum letzten Rest seiner Kräfte ausgehalten: er wurde dann bewußtlos sortge- tragen und ist im Lazarett gestorben. Der französische Graben war 800 Meter lang und von fünfhundert Tur- kos besetzt. Dreimal liefen die Bayern Sturm gegen den Graben, bis sie ihn hatten. Der Unteroffizier Menacher hatte nachts gegen den feindlichen Flankierungsgraben einen Stollen getrieben, die Wand durchgeschlagen und dann mit sechs Mann so viele Handgranaten in den Graben geworfen, daß der Feind in völlige Verwirrung geriet: die Deutschen warfen dann noch beständig Handgranaten unter die Fliehenden. Stellenweise mußten sie förmlich über Tote hinwegklettern. Vierhundert tote Turkos sowie drei Schwerverwundete lagen nach der Räumung im Graben: drei Unverwnndete wurden zu Gefangenen gemacht. Die Bayern hatten nur einen Toten und einen Leichtverwundeten. Der Unteroffizier Menacher, der Führer der deutschen Helden, ist später in anderen Kämpfen gefallen.
Das unerwartete Wiedersehen.
Aus Emden wird berichtet: Eine wohl einzig dastehende Ueberraschung wurde den hier untergebrachten VerwundetLN -»läßlich einer WeM-chMescherung zu
teil, welche die hiesige Bürgerschaft den Kriegern bereitete. Infolge der außerordentlichen Gebefreudigkeit, die zu dem genannten Zweck in allen Kreisen der Stadt an den Tag gelegt wurde, waren so erhebliche Mittel aufgebracht worden, daß es nicht allein möglich war, die Verwundeten mit praktischen Gegenständen zu beschenken, sondern ihnen noch eine ganz besondere Freude zu machen. Als nämlich die Feier vor sich ging, waren die Krieger nicht wenig erstaunt und überrascht, ihre Angehörigen vor sich zu sehen, denen es die Opferwilligkeit der Emder ermöglicht hatte, zum Teil aus weiter Ferne zu dem Fest herbeizueilen. Das gab ein leuchtend frohes Wiedersehen zwischen Eltern und Söhnen, Gatten und Gattinnen, Verlobten und Liebenden.
Vermischtes.
Ein Opfer seines Berufs, verschied am 8. dieses Monats in Berlin nach kurzer Krankheit der Chirurg Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Otto Sprengel, Oberarzt am Herzoglichen Krankenhaus in Braunschweig, Prä- stdent der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie für 1915. Er hatte nch bei einer Operation eines Verwundeten eine Blutvergiftung zugezogen.
Von einer Lawine verschüttet. Aus Davos wird gemeldet: Zweiundzwanzig Schüler der Anstalt Schiers in Begleitung zweier Lehrer unternahmen Sonntag Trütl eine Skitour in Richtung Parsenhütte, oberhalb Davos. Die erste Abteilung geriet in eine Rutschlawtne und wurde verschüttet. Die zweite Abteilung begann sogleich unter Mithilfe einer Rettungsmannschaft die Bergungsarbeit. Alle Verschütteten bis auf einen, der wahrscheinlich tot ist, konnten ausgeraben werden. Einer der Ausgegrabenen war tot, ein zweiter starb auf dem Transport. Die übrigen wurden gerettet.
Ein Dokument des Menschen Hindenburg. Aus Stettin schreibt man der „Frkf. Ztg.": Ein hiesiger Invalide, Strutz, der Hindenburg als seinen ehemaligen Kompagnieführer zu seiner Ernennung zum General- feLömarichall beglückwünscht hat, erhielt von diesem eine eigenhändig geschriebene Karte folgenden Inhalts: „Vielen Dank für Ihren Brief, den ich leider nur kurz beantworten kann, weil meine Zeit sehr beansprucht ist Ich. freue mich, daß Sie sich Ihres Zugführers von Koniggratz noch erinnern und gedenke selbst oft und gern an diese schöne Zeit zurück. Möchte es Ihnen an Ihrem Lebensabend gut ergehen! Dies ist der Wunsch Ihres getreuen, umstehend abgebildeten Regimentskameraden." Zugleich traf eine ebenfalls eigenhändig geschriebene Postanweisung ein mit dem Vermerke: „Bitte für diese Summe ein Glas auf das Wohl unseres aller- gnäöigsten Kaisers und Königs und unseres lieben alten Regiments zu trinken. Mit kameradschaftlichem Gruß, v. Hindenburg."
Die neuen Vackvorschriflen.
Nichtamtlich.
Nach den Vorschriften über die Bereitung von Backware, die der Bundesrat am 5. d. M. erlassen hat, und die am 15. d. M. tu Kraft treten, dürfen in Zukunft nur noch drei Sorten von Backware hergestellt werden, kämlich Roggenbrot, Weizenbrot und Kuchen.
Zum Roggenbrot dürfen in Preußen Weizenmehl und Roggenauszugsmehl überhaupt nicht verwendet werden, dagegen muß zu allem Roggenbrot außer dem Roggenmehl auch — und zwar mindestens in dem in § 5 der Bekanntmachung vom 5. d Mts. genau bestimmten Verhältnis — Kartoffel, Gerstenmehl, Hafermehl, Neismehl oder Eerstenschrot verwendet werden. Der Kartoffelzusatz kann aus Kartoffelstöcken, Kartoffelwalzmehl, Kartoffelstärkemehl, gequetschten oder geriebenen Kartoffeln bestehen.
Roggenbrot, das Kartoffel oder die anderen genannten Zusätze nur in der vorgeschriebenen Mindestmenge enthält, kann ohne weitere Bezeichnung abgegeben werden. Roggenbrot, das mehr Kartoffel oder andere zulässige Zusätze enthält, ist mit dem Buch, staben K. zu bezeichnen. Werden mehr als 20 Gewichtsteile Karioffelflocken, Kartoffelwalzmehl, Kartoffelstärkemehl oder Gerstenmehl usw. verwandt, so muß das Brot mit den Buch- staben K. K. bezeichnet werden. Die Zusätze sollen in erster Linie dazu beitragen, daß aus dem vorhandenen Roggenmehl mehr Brot hergestellt werden kann, also die vorhandenenBrotvorräte „strecken." Wenn auch das Brot mit stärkerem Zusätze sich nicht billiger stellen sollte, so ist es doch die vaterländische Pflicht der gesamten Bevölkerung, daß sie nur K. K. Brot oder doch wenigstens K. Brot kauft, und der Bäcker, daß sie nur solches Brot herstellen. Wenn sich die nötige Menge von Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärkemehl nicht beschaffen läßt, sind gequetschte oder geriebene Kartoffeln, die in jeder Bäckerei bereitet werden können, zu verwenden.
Roggenbrot kann in jeder beliebigen Form und Größe gebacken werden. Die Zusammensetzung muß aber stets dieselbe sein. Auch das kleinere Roggengebäck hat daher mindestens den vorgeschriebenen Kartoffelzusatz zu enthalten und es darf dazu kein Weizenmehl und kein Roggeuauszugsmehl, das in Preußen übrigens nicht hergestellt werden darf, verwendet werden.
Eine Ausnahme ist nur für das sogenannte Vollkornbrot zu- gelassen, d. h. für ein Brot, das aus reinem bis zu mehr als 93 vom Hundert durchgemahlenen Roggen besteht. Dieses kann ohne Kartoffelzusatz gebacken werden, darf aber auch andere Zusätze, wie Weizenmehl und dergl. nicht enthalten.
Das zum Weizenmehl verwendete Mehl muß 30 Gewichtsteile Roggenmehl unter 100 Teilen des Gesamtgewichts enthalten; fein Weizengehalt kann bis zu 20 Gewichtsteilen durch Kartoffelstärkcmehl oder andere mehlhaltige Stoffe ersetzt werden. Weizenauszugsmehl und Roggenanszugsmehl dürfen zum Weizenbrot nicht verwendet werden. Weizenbrot darf nicht in Stücken von mehr als 100 Gramm Gewicht hergestellt werden. Das sogenannte Kastenbrot ist also in Zukunft verboten.
Als Kuchen gilt jede Backware, zu der mehr als 10 Gewichtsteile Zucker auf 90 Gewichtsteile Mehl oder mehlartige Stoffe verwendet werden. Bei der Bereitung von Kuchen darf nicht mehr als die Hälfte des Gewichts der verwendeten Mehle oder mehlartiger Stoffe aus Weizen bestehen. Sonstige Schranken sind der Verwendung der Mehle zum Kuchen nicht gezogen. Es ist also die Verwendung von Weizenauszugsmehl bis zur Hälfte des gesamten Mehlgehalts und die Verwendung von Roggen-, Kartoffel-, Gersten-, Hafer-, Reis-, Maismehl usw. in beliebigen Mengen zulässig.
Alle diese Vorschriften gelten nicht nur für Bäckereien oder Konditoreien, die Ware für den Verkauf herstellen, sondern überhaupt für die Herstellung von Backware, mag sie für den eigenen gewerblichen Betrieb (Holelbäckereien usw.) im landwirtschaftlichen Betrieb oder auch im Hause (Hausbäckerei) erfolgen. Die Vorschriften gelten namentlich auch, wenn den Bäckern der fertige Teig nur zum Ausbacken übergeben wird. Die Bäcker werden daher gut tun, wenn sie sich von der vorschriftsmäßigen Zusammensetzung des Teiges nicht überzeugen können, das 2lus- backen abzulehnen.
Die Bekanntmachung über das Verfüttern von Brotgetreide, Mehl und Brot vom 5. Januar 1915 verbietet unter Androhung strenger Strafen auch das Verfüttern von Brot mit Ausnahme von verdorbenem Brot und Brotabfällen. Das in den Bäckereien oder Verkaufsstellen zurückbleibende Brot, das nicht abgesetzt werden konnte, ist, auch wenn es altbacken geworden ist, weder verdorben, noch ist es Abfall. Die Verfütterung wäre also strafbar. Es ist aber zulässig, solche einwandfreie alte Ware zur Herstellung neuer Vackware zu verwenden. Dies ist auch bei altem Roggenbrot ohne besondere Schwierigkeiten möglich und sollte überall geschehen.