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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^§5 für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- fiAVr$A(SAn zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei BlUu

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 9.

Dienstag, den 13. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat.

* (Die Kriegsspende der mittleren Post­beamten.) Die für Kriegswohlfahrtszwecke ver- anstaltete Geldsammlung des Verbandes mittlerer Neichs-Post- nnd Telegraphenbeamten hat bis heute rund 178 500 Mark ergeben.

* (B e st r a f t e U n p ü n k t l i chk ei t b e i m Schul­beginn.) Eine interessante Entscheidung hat soeben das Kammergericht gefällt: Infolge der Abwesenheit ihres Mannes schlief eine Frau des Morgens ge­wöhnlich länger als tunlich, wodurch die Kinder häufig zu spät zur Schule kamen.» Nach wiederholten frucht­losen Warnungen erfolgte eine polizeiliche Bestrafung der lässigen Mutter wegen Schulversäumnis ihrer Kinder. Sie beantragte gerichtliche Enscheidung, da ein abgeschlossener Teil des Unterrichts nicht versäumt sei, sondern nur eine bloße Unpünktlichkeit beim Schulbeginn vorliege. Das Kammergericht bestätigte indessen die Bestrafung. Im gesetzlichen Sinne liege sehr wohl eine strafbare Schulversäumnis vor.

* Pakete nach Italien und dem neutralen Ausland über Italien können, soweit dies bis zum Kriegsausbruch zugelassen war, von jetzt ab außer über die Schweiz auch wieder über Oesterreich geleitet werden.

*(DieStreckungder Mehlvorräte.) Zu der neuesten Verordnung.des Bundesrates über die Streckung der Mehlvorräte, besonders der Weizenmehl­vorräte ist dieTägl. Rdsch." in der Lage, folgendes mitzuteilen: Die Verordnung sollte schon früher in Kraft treten. Die Verhandlungen darüber haben sich aber länger hingezogen,als es ursprünglich angenommen wurde. Den Anlaß dazu gab der Umstand, daß die Verordnung anfangs noch strenger gedacht war, als sie jetzt erlassen worden ist. Die Bäcker und Kondi­toren, die sich durch die Verordnung getroffen fühlen und über ihre Härte klagen, mögen daher dessen ein­gedenk sein, daß es für sie noch weit unangenehmer hätte kommen können und daß es auch jetzt noch un­angenehmer kommen wird, wenn die jetzige Verord­nung dadurch, daß alle Ermahnungen an die Bevölke­rung, mit dem Mehl Haushälterisch umzugehen, wenig oder gar keine Beachtung gefunden haben. Am Weih­nachtsfest hat ein ungeheuerer Verbrauch von Kuchen stattgefunden. Die leitenden Stellen sind der Ansicht, daß es so unmöglich weitergehen könne. Wenn die Bevölkerung aus eigenem Antriebe nicht sparsam zu sein vermag, so muß sie dazu gezwungen werden, das ist der Sinn und der Zweck der neuesten Verordnung, der, um es noch einmal zu betonen, noch andere Be­stimmungen folgen werden, wenn die erwartete Wirkung ausbleibt.

* (Prüfungstermine.) Es sind folgende Prüfungstermine festgesetzt worden: Beginn der diesjährigen in Casfel abzuhaltenden Prüfungen für Lehrer an Mittelschulen: 30. April und 19. November, der Prüfungen für Rektoren: 6. Mai und 25. No­vember. In Cafsel beginnt ferner die Prüfung für Sprachlehrerinnen am 8. Februar, in Frankfurt a. M. am 1. Februar. Die Prüfung für Zeichenlehrer und -lehrerinnen der Provinz Hessen-Nassau beginnt am 21. Juni und findet ebenfalls in Cassel statt. Die Prüfung für Turnlehrerinnen nimmt in Cassel am 23. November und in Frankfurt a. M. am 1. März ihren Anfang. Die Prüfung der Lehrerinnen für weibliche Handarbeiten beginnt in Casfel am 1. März, in Wiesbaden am 4. März und in Frankfurt a. M. am 1. März. Die Prüfung der Lehrerinnen für Hauswirtschaftskunde nimmt ihren Anfang in Cafsel am 15. Februar, in Frankfurt a. M. am 17. Februar und in Obernkirchen am 4. März. Die Entlassungs­prüfung an der Kl. Präparandenanstalt zu Herborn beginnt am 16. September und die Aufnahmeprüfung am 27. September.

§ Hersfeld, 11. Jan. Die Königl. Förster Fennel zu Burghaun, Kurth zu Bengendorf, Herpel zu Lützel, Oberförsterei Bieber, und Lipsky zu Ronshausen, Oberförsterei Wildeck, wurden zu H e g e m e i st e r n ernannt.

,. ß( Hersfeld, 11. Januar. (Aus d e r V e r l u st - ilste 121:) Jnf. Batl. Nr. 59. Unteroffz. Robert ^^Jnroeg, Hersfeld, verw. Jnf. Rgt. Nr. 144: Lt. b. R. Wilhelm Büff, Nentershausen Rotenburg, ge- Talten, Musk. Heinrich Kaufma n n, Rothenkirchen, Hünfeld, l. verw. Ers. Res. Johann Brenneck, Rotenburg, verm. Musk. Friedrich Vogel, Hvf- aschenbach, Hünfeld, l. verw.-Musk.AlbertKneisel,

Hersfeld, l. verw. Feld-Art. Rgt. Nr. 47. Kan. Ludwig N i x, Gotthards, Hünfeld an seinen Wunden gestorben. Kam Joseph G 0 l l b a ch, Grttsselbach, Hünfeld leicht verwundet.

Casfel, 9. Januar. Die Stadtverordnetenver­sammlung beschloß einem Magistratsantrage ent- fprechend, für die Hindenburgspende für das Ostheer den Betrag von 20 000 Mark zu bewilligen. Ober­bürgermeister Koch teilte der Versammlung mit, daß für das 11. Armeekorps einschließlich den Reserve- formotionen Weihnachtsliebesgaben in einer Menge von 500 000 Paketen dank der Opferfreudigkeit der Bürgerschaft Cassels und der Organisationstätigkeit der Vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz und des Vinzenzvereins zusammengekommen seien. Der Kommandierende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie v. Plüskow, ließ der Bürger­schaft Cassels besten Dank für diese Sammlungen über­mitteln. Der Bezirk Erfurt hatte für die Armeeteile seiner Division besonders gesammelt und auch diese Sammlung in eigenen Transporten in die Front ge­bracht.

Cassel, 9. Januar. Der langjährige Direktor des Kgl. Provinzialschulkollegiums für die Provinz Hessen- Nassau, Ober- und Geheimer Regierungsrat a. D. Dr. phil. und Dr. theol. Gustav Lahmeyer, Ehren­mitglied des Kgl. Provinzialschulkollegiums und Ritter vielen und hoher Orden, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er hatte dem Kgl. Provinzial- schulkollegium länger als 15 Jahren vorgestanden und sich durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Ar­beiten einen Namen in der akademischen Welt ge­schaffen. Trotz seinen hohen Alters war er bis in die letzten Tage des vergangenen Jahres noch recht rüstig, dann befiel ihn eine Erklältung, die ihm schließ- lich den Tod brächte.

Cassel, 10. Januar. Der Landesausschuß des Re­gierungsbezirks Cassel tritt am Montag den 18. ö. Mts., vormittags 10 Uhr, im Stündehaus hier zu­sammen. Die Sitzung wird drei Tage in Anspruch nehmen.

Eschwege, 8. Jan. Der erst seit dem 1. Oktober hier tätige Kreisschulinspektor Schrader ist zum Re- gierungs- und Schulrat ernannt und der Königlichen Regierung in Allenstein überwiesen worden.

Göttingen, 8. Jan. Aus dem soeben erschienen Personalverzeichnis der Universität Göttingen geht hervor, daß an der Universität zu Beginn des Winter- semesters 2263 Studierende gezählt wurden, 178 Frauen und 2085 Männer, von denen jedoch nur 564 zu Be­ginn des Semesters Vorlesungen besuchten. Etwa 1500 sind dem Ruf des Vaterlandes gefolgt.

Gießen, 8. Jan. Morgen vollendet unsere Mit­bürgerin Bertha von G r 0 l m a n n ihr 100. Lebens­jahr. Die Jubilarin, die körperlich und geistig noch rüstig ist, besucht noch unsere Konzerte und das Theater und sorgt noch täglich persönlich für alle ihre Be­dürfnisse.

Hanan, 7. Januar. Als gestern nachmittag kurz vor 4 Uhr der aus der Richtung von Frankfurt kommende Personenzug in die Station Hochstadt (Bahnlinie Frankfurt-Hanau) einfuhr, stürzten die letzten beiden Wagen um. Hierbei wurde eine Frau totgedrückt, eine andere Frau schwer verletzt. Mehrere andere Passagiere erhielten leichtere Verletzungen. Die Ursache des Unfalls steht noch nicht fest.

Ae ViecklsthrssorW -er SritiSfmntn.

Das neue Jahr bringt den Frauen, deren Männer im Felde sind, die Sorgen um das Vierteljahr, um alle die Verpflichtungen, die man im alten Jahre eingegangen ist und die nun in diesem Vierteljahre zu Beginn erledigt werden müssen. Viele Männer haben nicht mehr die Zeit gefunden, um die Ange­legenheiten in Ordnung zu bringen, um die Frau iu Ruhe und Sicherheit zurückzulassen, und so hat die Frau nun das zu erledigen, was sonst Angelegenheit des Mannes war. Da hört man nun gar häufig den verzagten Ausruf:Ach, das verstehe ich nicht," und hat man sich mit der betreffenden Frau ius Einver­nehmen gesetzt, dann muß man sehen, daß sie die Ordnung der Angelegenheit erst gar nicht begonnen hat, sondern sofort als zu schwer von sich gewiesen. Und doch sind die Diffge des geschäftlichen Lebens meistens nicht so schwer, als daß sie nicht auch von einer Frau erledigt werden könnten, sie hat nur nötig, sich ein wenig darein zu vertiefen. Die Lage- ist in den bei weitem zahlreichsten Füllen so, daß die eingegangenen Verpflichtungen erledigt werden münen, die Rechnungen, die im vergangenen Jahre ausge­stellt wurden, müssen beglichen, die Steuern bezahlt werden. Ist die Frau pekuniär dazu nicht in der Lage, so empfiehlt sich ein Einigungsverfahren, zu dem die meisten Geschäftsleute bereit sind, nur darf das nicht auf die lange Bank geschoben werden, darf die Rechnung nicht unbeantwortet liegen bleiben, bis mit der Klage gedroht wird. Der betreffende Gläubiger soll der Frau eine schriftliche Abmachung geben, und

keine Frau, die mit der Ordnung der Geschäfte be­traut ist, soll verabsäumen, sich eine schriftliche Eini­gung geben zu lassen. Die Bedingungen sind vorher genau zu überlegen, denn sie müssen innegehalten werden.

Bei schwierigen Angelegenheiten soll man den Anwalt zu Rate ziehen oder aber sich an die Aus­kunftsstelle für Frauen wenden. Fast in jeder Stadt befindet sich eine Rechtsauskunftsstelle für Frauen, die den Rat in juristischer Hinsicht erteilt, zuweilen auch die Ordnung der Angelegenheiten in die Hand nimmt. Den Frauen, die mit der Ordnung von Ge­schäften betraut sind, sei auf das eindringlichste gesagt, daß in der Beziehung die Gefühlsseite ausgeschaltet werden muß, daß Verträge einklagbar sind, und der Frau die größten Unbequemlichkeiten erwachsen können, wenn sie sich darauf verläßt, daßschon alles werden" wird. Die Frauen, die dem Manne ihre Sorgen ins Feld schreiben, tun bitter unrecht, da man von einem Manne, der gegen den Feind marschiert, nicht verlangen kann, daß er sich auch noch mit häuslichen Sorgen befassen und daß er Sinn und Kopf für die Angelegenheiten des Hauses haben soll, die ihm fern gerückt scheinen. Den Frauen, die für die Erledigung der Geschäfte verantwortlich sind, sei gesagt, daß nur der juristische Rat gilt, und daß Rat­schläge wohlmeinender Nachbarinnen oder gutgesinnter anderer Frauen vor dem Gerichte keine Gültigkeit haben. Wenn man sofort an die Erledigung der Vierteljahrsverpflichtungen sich macht, wird man sich gar manche Unannehmlichkeit ersparen können, die meistens noch mit Kosten verbunden ist. Raten­zahlungen einzelner Rechnungen sind nur. dann ge­stattet, wenn der Gläubiger ausdrücklich darauf ein- geht, und wenn man diese Zusage schriftlich hat. Auch die Gewohnheit entscheidet. Ein Gläubiger, der jahrelang damit einverstanden war, daß'man ihm in Raten bezahlte, darf nicht plötzlich eine einmalige Erledigung verlangen, auch dann nicht, wenn er aus­drücklich darauf hinweist, daß der Krieg ihn in andere Verhälrnisse versetzt hat.

In jedenr Falle füll vUn gewissenhafte Hausfrau darauf bedacht sein, alle Dinge so zu erledigen, daß dem heimkehrenden Manne nicht Unannehmlichkeiten aus versäumten Dingen erwachsen, und meistens ge­hört nichts weiter dazu als der Wille, die geschäft­lichen Angelegenheiten des Wirtschaftsbetriebes er­ledigen zu wollen, oder, falls dieses wirklich über das Vermögen der Frau geht, den Rat der Juristen oder der juristischen Auskunstsstelle einzuholen. Die deutsche Frau von heute aber hat in der Zeit des Friedens, da alle Interessen sich ihr zuwandten, wohl gelernt, daß sie aus eigenen Füßen stehen kann, und daß andere Frauen, deren Geist in der Beziehung geschult ist, ihr beistehen, wenn ihre eigene Kraft versagt. _____________________________________________

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Krem, Seltion Hersfeld

von Herrn Pros. Schaaf, hier, 2. Rate M.

Frau Lina Müller, hier, .

Vermächtnis des in Rußland gefallenen

Sanitätssoldaten^Wilhelm Bernhardt, Obergeis

Herrn Justus Bernhardt, Obergeis Herrn Losdörfer, Hillartshausen P. H., Hersfeld

Frau Minna Wagner, Manchester N. H.

Wr. 621 Naple Str. durch Frau Anna Webert, hier

Herrn Schneider, Ransbach aus Büchse

Nr. 65 SchlachthofverwaltungErlösansGold- schlägcrhäutchen Arbeitervereinigung, Hers seid und Um­gegend " Gott strafe England" Ungenannt . . " ' Spende am Sylvester-Abend Bet Herrn Chr. Kühn ......

50.

25.

10.

3.

50.

100.

I.ÖOO.

7.21

18.

100.

5.

15.

1.50

1.384.71

Bestatt d 15.209.47

heutiger Bestand M. 16.594.18

von

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rr

tr

Für die Krieger im Felde: Frau Lina Müller M. 25. Militäranwärterverein 20. Schule in Eitra und Sieglos 61.50 Spielgeld 6. M. S. Ntthstube 32.40 M. 144.90

Bestand 2.602.84 heutiger Bestand M. 2.747.74

Für die notleidenden Ostpreußen: vom Militäranwärterverein Bestand 592.59

heutiger Bestand M. 612.59