Der Balkan.
Griechenlands Bereitschaft.
^ Athen, 8. Januar. (T.-U.) Bei der vorgestrigen Kammersitzung hat Ministerpräsident Venizelos erklärt, daß alle Maßregeln getroffen worden sind zur Verteidigung Griechenlands. Der Minister fügt hinzu: „Von heute ab ist Griechenland imstande, tn jedem Augenblick die Mobilisation aller Kontingente seiner Armee auf allen Punkten des Territoriums umgehend vorzunehmen."
Der Krieg in den Kolonien.
Ueber das Erscheine« deutscher Flugzeuge über dem britischen Lager bei Lüderitzbucht
weiß die „Köln. Ztg." noch zu berichten, daß es sich nach dem Telegramm des Reuterschen Bureaus um einen Eindecker und einen Zweidecker handelt. Sie kamen
Flugzeuge hielten sich
Eindecker und einen Zweidecker handelt.
aus der Richtung von Aus. Die Flugzeug , . ,
in beträchtlicher Höhe und waren für das Feuer der Briten nicht zu erreiche«. Eines von den ausgeworfenen Geschossen ging einige Meter von den britischen Laufgräben nieder, in denen jedoch niemand verletzt wurde. Der Eindecker warf einige Sprengkörper ans die Eisenbahn, einige Meilen von der britischen Stellung, an einer Stelle, wo der Bahnkörper schon einmal beschädigt war. — Aus dieser Meldung geht wiederum hervor, daß die Verteidiger Südwestafrrkas sich die Angreifer vom Leibe zu halten wissen. In kurzer Entfernung von der Küste sind diese genötigt, Erdbefestigungen anzulegen, eine Erscheinung, die auf einem südafrikanischen Kriegsschauplatz als durchaus neu zu bezeichnen ist. Der Ort Aus liegt nur 80 Kilometer von der Lüderitzbucht entfernt.
Die Kämpfe in Kamerun für die Engländer wenig ruhmreich.
os£ London, 8. Januar. (T. U.) Aus Briefen von Angehörigen der englischen Kolonialtruppen geht hervor, daß sowohl in Kamerun, wie in Ostafrika die dortigen Kriegsereignisse den Engländern wenig Ruhm gebracht haben. Selbst die Beschießung von Daressalam, die anKkündigt wird, dürfte daran nichts ändern. Ueber- all, wo geschlossene Abteilungen englischer und deutscher Kolonialtruppen sich gegenüber treten, sind die Engländer in überraschend kurzer Zeit geschlagen worden. In Nordkamerun macht den Engländern ein Panzerzug, den die Deutschen zusammengebaut haben, viel zu schaffen, während in Ostafrika die schwarze Schutztruppe sich durch ihren militärischen Drill und ihre Gewandtheit außerordentlich vorteilhaft von der eingeborenen Truppe der Engländer unterscheidet. Die Engländer müssen zur Bedienung der Maschinengewehre beispielsweise fast nur Weiße verwenden, während die schwarzen Unteroffiziere von der Schutztruppe mit größter Ruhe ihr Maschinengewehr bedienen.
SriegsMerlei.
Verurteilter Feldposträuber.
Unter der Anklage wegen Amtsunterschlagungen stand der achtzehn Jahre alte Postaushelfer Schultze vor dem Berliner Landgericht. Schutze war im August 1914 als Aushelser verpflichtet worden und mußte Feldpostsendungen aus den Dörfern sammeln und diese auf einem Postamt abliefern. Der Angeklagte gesteht, in
nein Postamt abliefern. Der Ang^ vierzig Fällen Pakete geöffnet und öl geeignet zu habe
______ „ „ ,. ien Inhalt sich an- geeignet zu haben. Der Staatsanwalt beantragte die Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis mit Rücksicht auf die Überaus verwerfliche Gesinnung. Das Gericht verhängte mit Rücksicht auf die Jugend des Schultze zweieinhalb Jahre Gefängnis.
Aus einem Feldpostbrief.
Gestern haben wir hier einen starken Angriff der Franzosen gegen meinen Abschnitt im furchtbarsten feindlichen Granatfeuer auf der Brustwehr meiner Stellung blutig zurückgeschlagen. Unmittelbar vor meiner Stellung war ein grausiges Bild von französischen Leichen. Auf einem Raume von 30 Meter Breite lagen 60 bis 80 Leichen, Pioniere mit Sprengladungen in den erstarrten Händen. Heute nacht haben meine Pioniere 70 Meter vor der feindlichen Stellung stöhnende französische Verwunde auf dem Rücken trotz seirrdlichen Feuers in mein zerschossenes Schloß zum Verbinden geschleppt. Kein Franzose hätte das getan. Ich stehe hier an weit vorgeschobener, exponierter Lage. Aber da wir mit Gottes Hilfe schon acht Wochen ausgehalten haben, wird es auch weiter gehen. Wir arbeiten wie die Pferde. Die Franzosen, die angriffen, waren künstlich betrunken gemacht. Die Franzosen versuchten jetzt hier überall durchzubrechen; es ist scheinbar ihr letzter Versuch. (Köln. Ztg.)
Weihnachten i« der Feuerlinie.
Der Heilige Abend brächte uns, wie wir in der „Köln. Ztg." lesen, einen klaren Wintertag und Tod und Verderben für manchen unserer braven Kameraden. Schon am Vormittag schickten die Franzmänner mit ihren schweren Liebesautos die größten Weihnachtspakete herüber, die sie zur Verfügung hatten; alles in reichlicher Auswahl, Granaten, Schrapnells und Handgranaten, von gewöhnlichen Gewehrkugeln ganz zu schweigen. Das Artillerieseuer war so stark und hörte sich so an, wie wenn ein Regiment Infanterie ununterbrochen Salven abgäbe. Das Knallen der platzenden Geschosse verschlug einem für den Augenblick die Sinne, und der Pulverdampf biß einem in Augen und Nase. Aber keiner wich von seinem Posten am Guckloch in der Schießscharte, und als das wachsende feindliche Gewehrgeknatter einen Angriff vermuten ließ, waren alle Mann schußbereit an den Brustwehren. Doch ließ sich der Feind nicht sehen, obwohl er nur etwa 50 Meter entfernt lag. Wir selbst hatten nur drei Leichtverwundete. Dagegen wurden die anderen Kompagnien härter mitgenommen. Der Heilige Abend sah uns stumm und still auf unsern Posten unter hellglitzerndem Sternenzelt. Bet ein- brechender Dunkelheit ging ich mit mehreren Kameraden über die Höhe zurück, um etwas Essen und Kaffee zu holen, auch gab uns der sorgsame Feldwebel au der Küche Briefpost und kleine Weihnachtspaketchen mit. In den wenigen unterständen im Graben hallten bet unserer Rückkunft leise die Weihnachtslieder, die wir für die große Feier im Quartier eingeübt hatten. Sogar zn einem Bäumchen kamen wir. Ein findiger Kopf schoß eine kleine Tanne vor seinem Schießloch ab, warf eine Schlinge hinaus und zog es frohlockend über die Brüstung. Kleine Kerzen schmückten den Baum, der im Unterstand in einfacher Schlichtheit erglänzte; das war eine Weihnacht, die wir zeitlebens nicht vergessen werden. Der Wethnachtstag selbst verschonte uns mit feindlichen Liebesgaben. Aber wir ließen den Fran- ovsen, die sich zu nahe bei uns einzunisten suchten, keine Ruhe. Eine unserer Kompagnien erstürmte im Kampf M Gruben zu Graben etwa 60 Meter der feindlichen Ä Pioniere mit Handgranaten unterstützten uns M^t wirksam. So konnte unser Bataillon im Bewutzt- fE/mehr getan zu haben, als ihm zugemutet war, in ^ Nacht zum zweiten Feiertag wieder abrücken. Als wir gerade beim Essen an den Feldküchen inmitten eines
Talkessels standen, erhielt einer noch einen Querschläger in die Stirn und war sofort tot. Am nächsten Tag begingen unsere Kompagnien eine schlichte erhebende Weihnachtsfeier, bei der jeder mit kleinen Gaben beschert wurde.
Der Russenführer von Marmaros.
UN-
Das „Neue Wiener Tagblatt" entnimmt dem garischen Blatte „Az Est" folgendes Geschichtchen: Im Vorsommer, kaum zwei Monate vor Ausbruch des Krieges, schlug ein großer Wanderzirkus sein Zelt in Marmaros-Sziget auf. Die zugkräftigste Nummer war der tägliche Ringkampf. Der Matador war ein 26—28jäh- riger mächtiger blonder Russe, der sich nach dem Familiennamen seines Herrschers Romanow nannte. Er war der Liebling der Bevölkerung, denn er war nicht
nur ein guter Ringer und schöner Mann, sondern auch intelligent und bekundete in der Gesellschaft, die er mit größter Beflissenheit besuchte, gute Manieren. Er sprach auch vorzüglich Deutsch. Im Zirkus streckte er feine
Gegner der Reihe nach in den Sand, und einige Male berührten um der größeren Aufregung willen auch seine Schultern den Boden. Romanow war wochenlang im Marmaros-Sziget. Auch noch Anfang Juni war er da. In dieser Zeit wurde er mit mehreren Familien bekannt, machte einigen Damen den Hof und veranstaltete am liebsten Ausflüge. Die Tonristik war seine wahre Leidenschaft. Oft ergötzte er sich in Ekstase an der wildromantischen Gegend und zerstreute bet solchen Gelegen-
ge. Die Touristik war seine wahre
heiten seine Gesellschaft damit, daß er mit schwarzkünstlerischer Schnelligkeit die Landschaft zeichnete. Er nahm an vielen Ausflügen teil, und da er die Gegend überall entzückend fand, zeichnete er auch viel, vielleicht mehr, als er rang . . . Drei Monate später. Die Russen waren am 3. Oktober in Marmaros-Sziget eingezogen. Unter den vordersten Offizieren befand sich ein athleti- . scher Riese, ein robuster junger Oberleutnant. Seiner Einteilung nach gehörte er zum Generalstab. Die Offiziere hatten sich im Hotel einquartiert. Das Personal war geflohen, nur ein ruthenisch sprechender fünfzehnjähriger Pikkolo war zurückgelassen worden. Er war Chef, Portier und Kellner in einer Person. Der riesenhafte Oberleutnant befahl dem Jungen, die Zimmer in Ordnung zu bringen. Dieser schaute den Offizier groß an, als ob er ihn kenne. Der Russe hilft ihm: „Nun, erkennst Du mich nicht?" — „Ich weiß nicht, wer der Herr Offizier ist," antwortete verwirrt der Knabe, „doch kommen Sie mir sehr bekannt vor." — „Ich bin Romanow," erwiderte lachend der Russe, „der Ringkämpfer." Er war es wirklich. Wie man jetzt feststellen kann, hatte er den Spionagedienst an der Grenze organisiert. Er hat von den gangbaren Gebirgswegen Zeichnungen gemacht und führte die Truppen über die Bergpfaöe.
Nach der Einnahme van Lodz.
Aus einem Feldpostbrief.
Hurra! Endlich haben wir die Russen, nachdem wir ihnen 18 Tage gegenübergestanden hatten, geschlagen. Ich kann kaum sagen, welchen Jubel dieser Sieg, hauptsächlich bei unserer Infanterie, die 18 Tage und Nächte ohne Ablösung im Schützengraben gelegen, hervorgerufen hat!
Die Verluste der Russen sind riesenhaft. Sie liegen vor unseren Schützengräben, die sie immer wieder zu stürmen versuchten, wie gesät. Vor den Maschinengewehren des Infanterieregiments . . . liegen die Leichen zu drei und vier übereinander. (Diese Mitteilung bestätigt die Meldung des Großen Hauptquartiers vom 13. Dezember über „ganz ungeheure Verluste der Russen" und die beigefügten Worje; „Die verlassenen russischen Schützengräben waren mit Toten buchstäblich angefüllt.") Die meisten Ausfälle bei unseren Truppen sind nicht durch Tote und Verwundete, sondern durch Futzkranke entstanden. Es war ein trauriger Anblick, als man diese tapferen Männer auf Stöcke gestützt aus den Gräben heraushnmpeln sah. Wir haben sie, soweit es ging, auf unseren Kanonen mitgenommen. Wir quartierten dann unsere Abteilung in einer großen jüdischen Leichenhalle ein. Sowie das Feuer lustig prasselte, stimmten die Infanteristen das Lied an: „Großer Gott wir loben dich". Einige Mundharmonikas begleiteten den Gesang. Dann folgte ein Weihnachtslied dem anderen. Es war eine wundervolle Stimmung.
Auf dem Friedhof in der Nähe hatte eine russische Batterie gestanden, die von unserer gänzlich vernichtet war. Pferdeleiber, dazwischen kaput geschossene Protzen, Lafettenteile und die Marmorblöcke der getroffenen Leichensteine — alles lag im wüsten Durcheinander.
Vermischtes.
Ein Japaner, der die Schande seines Volkes nicht überleben wollte. Irr dem chinesischen Orte Hsincheng auf der Schantunghalbinsel hatte vor einiger Zeit der japanische Leutnant Nagata Selbstmord durch Harakiri verübt, angeblich weil er, nach japanischen Blättern, der Spionage bezichtigt worden war. Nunmehr wird aber von den „Peking Daily News" durch Veröffentlichung eines Schreibens, das der Verstorbene kurz vor seinem Tode an Pekinger Bekannte richtete, zweifelsfrei festgestellt, daß Leutrmnt Nagata, der erst kürzlich aus Berlin zurückgekehrt war, sich entleibte, weil er nicht gegen seine früheren deutschen Kameraden kämpfen und kein Kommando vor Tsingtau annehmen wollte. Leutnant Nagata hatte längere Zeit in einem deutschen Kavallerie- Regiment Dienst getan.
Da steckt das Goldgeld. Daß die Bemühungen der Behörden um den Umtausch des Goldgelbes gegen Bank- noten nicht überall Verständnis finden, beweist folgender Vorfall: Bei einem alten Manne in Mewe vermutete man seit langer Zeit eine größere Anzahl von Goldmünzen. Alle Versuche, den etwa 80 Jahre alten Fischer zum Umtausch des Goldgelöes zu bewegen, scheiterten; immer wieder gab er an, nichts zu besitzen. Hier konnte nur List zum Erfolg führen. Zwei Polizeive- amte erschienen in der Wohnung des Alten und fragten, ob ihm über Nacht nicht Geld gestohlen worden sei. Nicht wenig erschreckt, mußte er mit großem Widerwillen nun feine Schatzkammer: einen alten eisernen Topf im alten, morschen Bettgestell, verraten und siehe da: 3560 Mark in 20-Markstücken war der Inhalt. Der Ueber- redungsknnst der Polizeibeamten gelang es schließlich, den Mann zu bewegen, in die Umwechslung des Gold- aeldes zu willigen. Zü bemerken ist ferner, daß der )oldvorrat seit etwa 20 Jahren zinslos an seiner Aufbewahrungsstelle, leicht zugänglich für Diebe und Feuer, gelegen hatte.
Nicht tot zu kriege«, weil er siegen muß. Aus einem Bernburger Lazarett kehrt in diesen Tagen ein von Cöthen stammender Landwehrmann zum fünften Male zur Front zurück; viermal schon hat er als Verwundeter im Lazarett gelegen. Der Arzt wollte ihm nun vor der fünften Ausreise nach Rußland, wo er sich die vier Verwundungen geholt hatte, einen kurzen Urlaub in die Heimat gewähren, wo eine Frau und sieben Kinder seiner warten. Aber $£i Brave lehnte das freundliche
Anerbieten ab mit der Begründung: „Ich habe Frau und Kindern gelobt, nur als Sieger, nicht anders heimzukehren. Dies Gelöbnis will ich halten. Jetzt als Verwundeter, wenngleich geheilt, den angebotenen Heimatsurlaub anzunehmen, würde mir zu schwer werden. Entweder als Sieger und freier Deutscher in die Heimat zurück — oder tot!"
Hindenburgs Hunde. In ein Berliner Restaurant, dicht am Bahnhof Zoologischer Garten, kommt dieser Tage gegen Mitternacht ein Unteroffizier in Feldgrau. Eine riesige, kohlschwarze Dogge und ein kräftiger, weißer Bulldogg sind seine Begleiter, und kaum hat der Kellner sich entsetzt auf die Hundesperre berufen, legitimiert der Unteroffizier sich und seine Hunde auf Grund eines Passagierscheines. Von nun an werden alle drei mit größter Ehrerbietung behandelt. Die prächtigen Tiere sind sehr scheu, und sie legen sich erst, nachdem der Unteroffizier mit ein paar kräftigen Püffen dazu auf- gefordert. Ein Gast am Nebentisch reicht den Tieren Zucker, betrachtet die russischen Militärknöpfe an den Halsbändern, und der Unteroffizier seufzt: „Jotte doch, wenn ick Russisch könnte, ick hätte die halbe Arbeit mit den Biestern!" — Sofort schreibt der Gast dem Feldgrauen die wichtigsten Redensarten aus dem russischen Hundeknigge auf, die von den Hunden auch verstanden werden. — „So," saqte der Feldgraue erfreut, „nu wer'n se in Hannover gleich mit die Hunde reden können!" — „Lebt der Besitzer der Hunde in Hannover?" fragt der Gast. — „Sonst ja, aber jetzt ist er in Rußland auf der Jagd ohne Hunde," entgegnete der Unteroffizier, „det sind nämlich Exzellenz Hindenburg seine; ick komme aus dem Hauptquartier und bringe die Hunde seiner Gemahlin!"
der Tod vor Przemysl.
Aus russischen Feldpo stbriefen.
Von den ungeheuren Strapazen, denen das russische Velagerungsheer, das jetzt zum zweiten Male die Festung Przemysl eingeschlossen hat, ausgesetzt ist, geben einige russische Briefe Zeugnjs, die von der Wiener „Neuen Freien Presse" veröffentlicht werden. Die Briefe waren infolge einer falschen Direktion eines russischen Postwagens nach Przemysl gelangt und in den dort in zwangloser Folge erscheinenden „Kriegsnachrichten" ab- gedruckt worden. Militäraviatiker haben Exemplare dieser Zeitschrift in kühnem Fluge über die russischen Linien hinweg aus der belagerten Stadt herausgebracht und sie der k. u. k. Feldpost übergeben, die sie nach Wien weiterbeförderte. In beiden Nummern der „Kriegsnachrichten", deren eine vom 5. Dzember, die andere vom 18. Dezember datiert ist, werden Proben dieser Briefe mitgeteilt.
Da lesen wir beispielsweise in einem an Alexandra Dragomirow in Mstislav adressierten Brief daß der Briefschreiber sich in den Schützengräben der Festung Jwangorod befunden habe, und nachdem er mit seinem Regiment die Weichsel wieder passiert Hatte, per Eisenbahn nach Lemberg und schließlich nach dem Uebergange des Karpathengebirges, der zehn Tage und Nächte gedauert habe, vor den Mauern von Przemysl angelangt sei. „Und nun begann uns die Gefahr zu drohen, in einen seriösen Kampf zu geraten. Jetzt, in den Klüften des Karpathengebirges stehend, kann ich sagen, daß alles Vergangene im Vergleich zu dem Gegenwärtigen nur ein Spiel war. Frost, Schnee, zerrissene Stiefel, das Sitzen in den Schützengräben, Alarm erwartend, die von uns sogenannten „österreichischen Schnellsieder- geschosse", die oberhalb unserer Köpfe explodieren, und über allem der Mangel an Nahrungsmitteln: das alles zusammen bildet statt eines Lebens eine Hölle! Hier bei Przemysl leben wir schon den achten Tag, hocken in den Gräben und hören das Donnern österreichisch-ungarischer Geschütze. Sobald wir einen Schuß hören und dazu das charakteristische sausende Pfeifen der Schrapnells, ducken wir schnell unsere Köpfe in die Schützengräben, als wenn wir den östereichifch-ungarischen Geschossen eine Verbeugung machen wollten."
In einem anderen Briefe, der mit „Alexis" unterschrieben ist und an Sergej Dmitrjejew in Jrkutsk adressiert ist, heißt es: „Man kann sagen, die Lage ist ganz aussichtslos. Es gibt keine Hoffnung mehr, wenn nicht heute, so morgen, wenn nicht morgen, so übermorgen, wird man jämmerlich zugrunde gehen, inmitten fremder Wälder und Felder, wo der Wind traurig pfeift, und der Schnee die dort gefallenen Leute bedeckt! Welches Leben voll Kummer hat man hier! Das Unglück ist sicher vor unseren Augen, es gibt keinen Ausweg für uns, bei jedem Schritt droht der Tod!"
In einem dritten Briefe, der „Radko" unterfertigt ist, sagt der Briefschreiber! „Gegenwärtig haben unsere Truppen Przemysl umzingelt. Aber es ist unmöglich, diese Festung im Sturm zu nehmen; solche Festungen gibt es bis jetzt nicht, so meine ich — die Festung ist mit Panzern gedeckt, zwei Gräben mit Wasser gefüllt und im Wasser Drahthindernisse. Dann folgen die Reihen der Forts, dazwischen wieder Drahthindernisse und Wolfsgruben. Man kann sie nur mit Hunger nehmen, aber man sagt, es gebe dort viele Vorräte. Wenn aber die Unseligen denken, es im Sturm zu nehmen, so adieu, meine teuren und lieben Kinder! Es sind schon viele unserer Kameraden rings um die Festung gefallen. Beim Sturm, das muß mau wissen, werden alle in den vorderen Linien befindlichen Truppen getötet, und wir sind in der vorderen Linie. Falls Ihr aus den Zeitungen erfahren werdet, daß Przemysl im Sturm genommen wurde, und daß dabei unbedeutende Verluste waren, alles in drei Worten, so werden in diesen Worten nicht unbedeutende Opfer sein, sondern es werden viele, viele Tausende von vaterlosen Kindern bleiben. Wenn man dagegen nicht stürmen wird, so werden wir alle erfrieren, so wie die Franzosen im Jahre 1812."
In anderen Russenbriefen, welche die „Kriegsnachrichten" wiedergeben, ist von dem Mangel an Schutzmitteln gegen Wind und Regen, gegen Schnee und Kälte, der unmöglichen Mvntur, der schlechten Verpflegung die Rede.
Brand auf der NeuyorkerAnlergrundbah».
London, 8. Januar. (WTB.) Wie aus Neu- york gemeldet wird, geriet am Kreuzungspunkt der 59. Avenue und dem Broadway ein Tunnel der Untergrundbahn in Brand. Die Flammen ergriffen verschiedene Bahnzüge. Tausende von Passagieren wurden durch Rauch ohnmächtig. 200 Personen wurden verletzt, jedoch ist niemand umgekommen.
^ London, 8. Januar. (WTB.) Die „Daily Mail" meldet aus Neuyork: Bei dem Feuer im Tunnel der Untergrundbahn fand eine Person den Tod. 700 Personen wurden durch Rauch und Dampf bewußtlos. Zurzeit des Unglücksfalles waren ca. 500 Züge mit 300 000 Personen unterwegs. Diese Züge würben in dem völlig verfinsterten Tunnel zum Stehen gebracht. Die Panik war die schlimmste seit Bestehen der Neuyorker Unter« grundbahn. Hunderte von Aerzten und alle verfügbaren Ambulanzen eilten zu Hilfe. Der Verkehr wird mehrere Tage uuulöülich sein.