Einzelbild herunterladen
 
  

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Metier

für den Kreis Hersfeld

Äreisölott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 6.

Freitag, den 8. Januar

1915

Bus der Heimat

* (Eine beachtenswerte Mahnung!) Aus den Reihen unserer kämpfenden Truppen selbst, von Offizieren und Mannschaften, kommen in letzter Zeit wiederholt Mahnungen zur Einschränkung der Feldpostsendungen. Sie entspringen weniger der Ab­neigung gegen den Empfang heimischer Liebesgaben, als offenkundigen militärischen Rücksichten. Die Un­menge der Sendungen bedeutet nicht nur für die Feldpost eine stetig wachsende Ueberlastung, sondere auch für die Truppen selber. Sie müssen ja die Massen von Postsachen von den Endstationen der Feld­posten abholen und an die Mannschaften verteilen. Eine Division gebraucht dafür in normaler Kriegslage täglich 68 Wagen, wenn aber durch Truppenver- schiebungen Stockungen eingetreten sind, müssen zeit­weise gar Kolonnen von 20 bis 30 Wagen in Be­wegung gesetzt werden, um die aufgesammelten Post­säcke heranzuschaffen. Bei aller Wertschätzung heimischer Liebesgaben, die in den Reihen der kämpfenden Truppen natürlich ganz allgemein verbreitet ist, wird solche Ueberflutung doch mit Recht für bedenklich ge­halten. Vor allem solltendie täglichen Lebenszeichen" unterbleiben, die den Verkehr ganz unnötig belasten. Zu den notwendigen Opfern, die der Soldat wie seine heimischen Angehöriegen pflichtmäßig aus sich nehmen müssen, sollte auch der Verzicht auf täglichen Postverkehr bei den Truppen wie bei ihren Ange­hörigen selbstverständlich sein. Schon wird zur Er­zwingung dieser Pflicht Frankierungszwang aller Sendungen vorgeschlagen. Es wäre im Interesse der ärmeren Volksschichten bedauerlich, wenn es dahin kommen müßte. Eben deswegen sollte man sich all­gemein daheim und im Felde eine Einschränkung der unnötigen Sendungen zur Regel machen.

* (Pfundpakete insFelö.) Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Feldpostbriefe nach dem Feldheer im Gewicht über 250 Gramm bis 500 Gramm vom 11. bis einschließlich 17. Januar von neuem zu­gelassen werden. Die Gebühr beträgt 20 Pfennig.

§ Hersfeld, 7. Januar. Die hiesige Ortsgruppe des Hansa-Bundes beabsichtigt, in Gemeinschaft mit dem Flotten- und Kolonialverein in der zweiten Hälfte des Januar einen Lichtbildervortrag über die durch den Einbruch der Russen in Ostpreußen hervorgerufenen Verwüstungen abzuhalten. Die Licht­bilder sind nach den wiederholten Einbrüchen an Ort und Stelle ausgenommen. Der Vortragende ist ein genauer Kenner der ostpreußischen Verhältnisse und hat auch die Verwüstungen zum großen Teil selbst in Augenschein genommen, sodaß ein sehr interessanter Vortrag in Aussicht steht. Der Eintritt ist Jeder­mann, auch Damen, frei gestattet, jedoch werden Gaben zu Gunsten der ostpreußischen Flüchtlinge mit Dank angenommen.

§ Hersfeld, 7. Januar. Eine Ober- Postsekretär­stelle in Gotha wurde dem Postsekretär Herrn Hahn aus Hersfeld übertragen.

):( Hersfeld, 7. Januar. Verlust 1 iste Nr. 116. Jnf.-Regt. 29: Musketier Karl Brod aus Unterneu­rode l. verw. Reserve-Jnf.-Regt. 32: Wehrmänner Franz Adam Bartholomäus aus Machtlos, Kr. Roten- burg, und Kaspar Gerlach aus Untersuhl l. verw. Jnf.-Regt. 83: Gefreiter derReserveWilhelm Gehhardt aus Wetßenhasel, Kr. Rotenburg, schw. verw. Muske­tier Johannes Opfer aus Wehrda l. verw. Gefreiter Johann Heusner ausLispenhausen. schw. verw. Kriegs­freiwilliger Friedrich Hämel aus Homberg l. verw. Unteroffizier Heinrich Sichler aus Oberhaun in Ge­fangenschaft. Reservist Karl Wettlaufer aus Nieder- beisheim schw. verw. Wehrmann Heinrich Heß aus Oberhülsa, Kr. Homberg, in Gefangenschaft, Mnsketier Georg Siering aus Friedlos in Gefangenschaft. Leutnant der Reserve Backhaus in Hünfeld tot. Reservist Hein­rich Reuber aus Arnsbach, Kr. Homberg, l. verw. Musketier Peter Hahn aus Ausbach tot. Musketier Adam Wendel aus Rotenburg l. verw. Musketier Jost Diehl aus Niedergrenzebach l. verw. Kriegsfreiwilliger Gustav Klingspohr aus Homberg vermißt. Musketier Johannes Dülfer aus Niedergrenzebach vermißt. Re­servist Georg Weber aus Neukirchen (Kreis Ziegenhain) tot. Gefreiter der Reserve Jakob Geisel aus Rölls- Hausen, Kr. Ziegenhain, l. verw. Jnf.-Regt. 88: Re­servist Leonhard Hahn aus Steinbach, Kr. Hünfeld, an seinen Wunden gestorben. Jnf.-Regt 99: Musketier- Ludwig Dickhardt aus Freudenthal, Kr. Homberg an seinen Wunden gestorben. Musketier Johannes Fröh­lich aus Florshain, Kr. Ziegenhain, I. verw. Jnf.- Regt. 132: Reservist Adam Diehl aus Obergrenzebach schw. verw. Jnf.-Regt. 173: Unteroffizier Heinrich Eck­hardt aus Riebelsdorf, Kr. Ziegenhain, schw. verw. Musketier Georg Volkert aus Mansbach I. verw. Feldart.-Regt. 47 Fulda: Kanonier Hermann Ruppel aus '.Großentaft l. verw. Feld-Luftschiffer-Abteilung des 23. Reservekorps: Reservist Adam Weißenborn aus Jba verw.

,, X H"sfeld, 7. Januar. Am 17. November v. I. starb in Folge, einer am 14. November in der Schlacht bet Dombrovice erhaltenen schweren Verwundung, in

einem Feldlazarett auf dem östlichen Kriegsschauplatz der Leutnant d. L. im Jnf. Rgt. 59 Herr Karl Bächstädt, Besitzer und Herausgeber der Hersfelder Zeitung. Nachdem Herr Bächstädt an den Kämpfen auf dem westlichen Kriegsschauplatz teilgenommen hatte und dort mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet war, wurde er nach dem Osten versetzt, wo er bald den Heldentod fürs Vaterland starb.

§ Unterhann, 8. Januar. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde Unteroffizier Philipp Hartwig von hier.

Bebra, 6. Januar. Die seither zum hiesigen Standesamte gehörenden Gemeinden Asmushausen, Braunhausen und Rautenhausen bilden nun mit Jahresbeginn ein eigenes Standesamt mit dem Sitz in Asmushausen.

Oberaula, 4. Januar. Ein schrecklicher Unglücks­fall ereignete sich heute nachmittag im benachbarten Jbra. Der 24jährige H., der am Fenster seiner Wohnung mit einem Gewehr hantierte, traf den vor­übergehenden 14jährigen Sohn des Gastwirts Euler so unglücklich ins Auge, daß dasselbe wahrscheinlich verloren sein dürfte. Der Knabe mußte sich in die Augenklinik nach Marburg begeben.

Cassel, 6. Januar. Wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz ist vom Landgericht Cassel am 21. September v. I. der Schriftsetzer K. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er eine von seinem Bruder erhaltene Dynamitpatrone als Kuriosität auf­bewahrt hatte, ohne polizeiliche Erlaubnis zum Be­sitz von Sprengstoffen zu haben. Seine Revision wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen.

Cassel, 6. Januar. Dem Leutnant Karl Caspar aus Cassel, der durch seine kühnen Unternehmungen als Fliegeroffizier, speziell durch seinen ersten Eng­landflug bekannt ist, wurde das Ritterkreuz mit Schwertern des SLchsich-Ernestittischen Hausordens verliehen.

Limburg, 5. Januar. Als beim Spielen mit einem Revolver dieser sich nicht entladen wollte, ver­suchte der 14jährige Schüler Karl Faust einem Schul­freund die Waffe zu erklären. Plötzlich entlud sich das Geschoß und traf Faust in den Leib. Die Ver­letzung führte nach kurzer Zeit den Tod des Jungen herbei.

Limbnrg, 4. Januar. An der Eisenbahnbrücke zwischen Erfurt und Aumenau wurde gestern abend der Landsturmmann Körte von der 6. Kompagnie des hiesigen Ersatz-Landsturm-Bataillons von dem Berlin- Metzer Schnellzug erfaßt und über 50 Meter wegge­schleudert. Der Verunglückte, der nach einer halben Stunde tot war, hatte an der Brücke Bahnwache aus- zuüben. Er stammte aus dem Kreise Siegen.

Erfurt, 6. Januar. Wie erschwerend die Kriegs­lage in dem Kampf ums Deisein des Handlungsge­hilfen eingreifen kann, lehrte wie derErf. Allg. Anz." berichtet, eine Verhandlung, die vor dem Erfurter Kaufmannsgericht stattfand. Der Kläger, Handlungs­gehilfe S., war acht Jahre bei einer hiesigen Firma in Stellung. Nach Kriegsausbruch veranlaßte die Firma den Kläger, einen Vertrag anzuerkennen, nach dem S., ^ür die Dauer des Krieges in bestimmte monatliche Gehaltsabzüge einwilligt. Trotzdem kündigte die Firma am 15. November dem Kläger die Stellung für Ende des Jahres. Im Dezember wurde S. entlassen. Der Kläger forderte nunmehr von der Firma Zahlung des Dezembergehalts und Nachzahlung der seit September gekürzten Gehaltsteile, insgesamt 347,50 Mark. Er begründete seinen Anspruch damit, daß der Verein­barung über die Schmälerung seines Gehaltes während der Kriegsdauer die selbstverständliche Voraussetzung zugruade liege, daß die Firma als Gegenleistung die unkündbare Aufrechterhaltung des Anstellungsverhält­nisses bis zur Beendigung des Krieges übernähme und im Falle^einer vorzeitigen Entlassung die Verpflichtung zur Nachbezahlung der bis dahin abgezogenen Gehalts­teile habe. Es kam zwischen den Parteien ein Ver­gleich zustande' wo nach die Firma 300 Mark Gehalt und Schadenersatz zahlt.

Fulda, 6. Januar. Infolge der eingetretenen gelinden Witterung und der dadurch bedingten Schnee­schmelze in der Rhön sind der Fuldafluß und seine Nebenflüsse stellenweise über die Ufer getreten.

Unser Weihnachten am Aserkanal.

In den letzten Tagen waren Liebesgaben ange­kommen, ö-Gabenpakete aus Hessen und Baden. Sie wurden an die Truppenteile verausgabt, auf jeden Kopf eines. Dazu waren von den Feldproviantämtern Pfeffernüsse, Aepfel, deutsches Bier, Zigarren und Zigaretten, auch etwas Rotwein verausgabt worden, und daß ich es nicht unerwähnt lasse, auf 30 Mann jedesmal 1 Tabakspfeife gottseidank eine richtige deutsche Pfeife und nicht solch belgisch-romanischer Jietz-Kloben- und eine Mundharmonika. Dann brächte die Post uns noch reichlich Pakete und Briefsachen von unsern Lieben und so kam die Festesstimmung über uns alle wie von selbst.

Weiynachtslieder schollen aus allen Quartieren und Höhlen, die durchmarschierende Artillerie hatte sogar Weihnachtsbäume auf Geschütz und Protze. Der nahe Wald hatte uns damit reichlich versehen. Das Wetter klärte sich am 24. Mittags auf. Die letzten Festesvorbereitungen wurden getroffen. Inzwischen war bei einem gefangenen französischen Offizier ein Befehl gefunden worden, der die bestimmte Absicht eines allgemeinen Angriffes auf unsere Stellungen in der Weihnachtsnacht ergab. Wir sind nun stets auf unserer Hut. So aber waren es unsere Truppen in verstärktem Maße. Die Infanterie hatte in der Mehrzahl bereits am 22. 23. die Weihnachtsfeiern in den Kompagnien hinter sich und lag nun schußbereit im Schützengraben und in den Reservestellungen. Die Artillerie hatte ihre bestimmten Aufträge für die Nacht erhalten. Wir standen ebenfalls in Alarmbe­reitschaft, und diese Maßnahmen verliehen uns das Gefühl vollkommenster Sicherheit für die Nacht. Ich selbst war voller Festesfreude. Etwa um 3 Uhr war ich Zeuge der Bescheerung der in den Ort zurückgekehrten armen Frauen und Kinder, die in der Verpflegungs­stelle stattfand, wo die Einwohner jetzt vielleicht noch 150 von 250- von unseren Truppen beköstigt werden. Ich fand dort etwa 90 Frauen und 200 Kinder. Aerzte des benachbarten Feldlazaretts teilten unter sie Pfefferkuchen, Chokolade, Nüsse und Stollen aus. Aller Kummer bei den Armen war verflogen. Glückstrahlende Mienen und wie wurde der brennende Christbaum angestaunt. Hier kennen die Leute diesen nicht, die Stechpalme mit ihren roten Beeren vertritt die Stelle unseres Tannenbaumes. Stets wird mir auch der gütige und milde Ausdruck in den Mienen des kleinen blonden Oberstabsarztes in Erinnerung bleiben, der vor Rührung mit Tränen kämpfte, als er die Gaben austeilte.

Dieser Stätte gegenüber liegt der Friedhof der Gefallenen. Ein mildes Sonnenlicht liegt über den Gräbern und giLt dem Bilde etwas versöhnendes. Da schlafen sie, die Helden vom Aserkanal den ewigen Schlaf.

Ich lese mit Andacht die Namen der teuren Toten: hier ruht in Gott der Landwehrmann .... Es ist ein frisches Grab zu Hause wohl Weib und Kinder, sie suchen im Glanz des Lichterbaumes die Gewißheit, daß ihr Liebster da draußeu noch lebt und heute ihrer gedenkt. Sie haben wohl dem Teuren, der nicht mehr ist, seinen Platz auf dem Weihnachts­tisch bereitet und ich höre die Kinderchen plappern: Gelt Mama, wenn der Pappa erst wiederkommt. Der kommt nicht mehr zu Euch zurück. Ich weiß es schon heute und Euch wird die Trauerkunde erreichen ehe ihr ins neue Jahr tretet, doch Weihnachten soll er heute auch feiern mit feinen gefallenen Kameraden. Wenn die Nacht hereinbricht, die sternenklare, mond­helle Weihnachtsnacht, dann flammen die Kerzen auf am Weihnachtsbaume, den Kameradschaft, Liebe, Dank­barkeit den gefallenen Helden hier auf dem Friedhof in Flandern mit liebender Hand bereitet haben.

Mein Weg ich suchte einen Pelzmantel für unseren Weihnachtsmann aufzutreiben- führte mich nach dem Nordausgang des Ortes. Geschäftiges Hin und Her überall und auf jedem Antlitz der Abglanz der Weihnachtsfreude. Ueber mir in der klaren Winterluft in majestätischem Fluge ein Flieger deutlich sind die Kreuze zu erkennen. Es ist also einer der unseren, der heimkehrt vom Falkenflug über dem Feinde am Aserkanal, dem blutgetränkten. Zwei feindliche Flieger weiter links.

Heut tauchen nicht die weißen weichen Wölkchen zerplatzender Geschosse" um sie auf wie sonst. Unsere Kanoniere trachten heute nicht danach, die Vögel herabzuholen, die Vögel mit dem Menschenleben.

Um 4 Uhr Kirchgang. Eine Kompagnie marschiert vorbei zum Gotteshause. Paßt ihr Marschlied mit dem Kehrreim:in der Heimat, da gibts ein Wieder- sehn" in die Weihestimmung des Christabends? Erst schien uns nicht so, dann aber um so sicherer. Heimat, in dir liegt ja unser Glaube, an die Krippe von Bethlehem, liegt ja unsere ganze Religion begründet. Auch wir marschieren nun zum Gotteshaus. Achtung Augen links!" Die Beine fliegen heraus und unsere Augen heften sich auf den Generatz der uns begegnet. Vorgestern ist auch sein zweiter Lohn vorm Feinde gefallen, sein letztes Kind. Man merkt es ihm nicht an, dem aufrechten, frischen Soldaten.

(Schluß folgt.)

Bestellungen

auf das Bersfelder Tageblatt

werden für das

L Vierteljahr 1915

von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.