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tzersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld Weite Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich. Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 5.

Donnerstag, den 7. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt j sich am Vaterlands u. macht sich strafbar. |

Bestellungen

auf das ßersfelder Tageblatt werden für das

1 . Vierteljahr 1915

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat«

* Die neuen Bestimmungen des Handelsge­setzbuches über die Konkurrenzklausel der kauf­männischen Angestellten sind am 1. Januar 1915 in Kraft getreten. Sie bezwecken, den Angestellten gegen eine übermäßige Erschwerung seines Fortkommens durch Wettbewerbsverbote, das heißt durch Verein­barungen, die ihn für die Zeit nach Beendigung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränken, mehr als bisher zu schützen. Aber auch eine Bestimmnng zugunsten des Prinzipals ist ge­schaffen worden, nämlich die, daß er Urtier Regel außer einer vereinbarten Vertragsstrafe den darüber hinaus- geyenden, nachweislich durch Uebertretung des Wett­bewerbsverbots entstandenen Schaden ersetzt verlangen kann; bisher war ein solcher Ersatzanspruch ausge­schlossen, wenn eine Vertragsstrafe verwirkt wurde.

* (Wertbriefe nach den deutsch e n Grenzgebiete n.)WertbriefenachElsaß-Lothringen und den sonst in der bei den Postanstalten aushängenden Bekanntmachung bezeichneten deutschen Grenzgebieten werden von jetzt ab bei allen Postämtern (nidjt auch Postagenturen) zur Postbeförderung angenommen. Sie sind bei den Postämtern offen vorzulegen'und dort nach Prüfung des Inhalts durch den Beamten in dessen Gegenwart von dem Absender zu verschließen.

* (Postver kehr der Kriegsgefangenen i u D e u tsch lan ö.) Ueber den Postverkehr der in Deutschland befindlichemKriegsgefangenen sind nach derVoss. Ztg." neuerdings Bestimmungen ergangen, die, soweit sievon allgemeinerem Interesse sind folgendes besagen: Der Postverkehr der in Deutschland befind­lichen Kriegsgefangenen nach und von dem Auslande wird durch neutrale Staate vermitelt: durch die Schweiz für Sendungen nach und aus Frankreich, durch Holland für Sendungen nach und aus England, durch Schweden für Sendungen nach und aus Rußland. Den Ver­kehr nach und aus Belgien vermittelt die deutsche Postverwaltung. Den Kriegsgefangenen ist die Be­nutzung des Telegraphen und Fernsprechers nicht ge­stattet. Der Postverkehr der Kriegsgefangenen findet offen statt, d. h. ^jede aus- und eingehende Sendung unterliegt der Durchsicht und genauesten Kontrolle der damit beauftragten Organe. Zu diesem Zwecke sind tu .den Gefangenenlagern besondere Prüfungsstellen einzurichten. Ihnen liegt die Ueberwachung der ge­samten ein- und ausgehenden Postsendungen der Ge­fangenen ob. Die vorgenommene Prüfung ist von diesen Prüfungsstellen durch Stempelung ersichtlich zu machen, so daß sich eine nochmalige Dursicht des Inhalts beim Hinausgehen ins Ausland erübrigt. Haben Lazarette oder Krankenhäuser eine der schon bestehenden Ueberwachungs- oder Prüfungsstellen am Ort, so können sie die gesammelten Briefe bei dieser abgeben, andernfalls bei einem Gefangenenlager des Korpsbezirks oder, wenn ein solches nicht vorhanden ist, bet der nächstgelegenen Ueberwachungs- usw. Stelle. Die durchgesehenen Postsachen, mit den: Prüfungsstempel und dem Dienststempel der Vorge­setzten Dienststelle der Kriegsgefangenen bedruckt, sind der Ortspostanstalt gesammelt zu übergeben,' diese bewirkt die Absendung an die ihr vom Reichspostamt bezeichneten Poststellen der vermittelnden neutralen Staaten, ohne daß diese Sendungen über eine der schon bestehenden Ueberwachungsstellen geleitet werden. Alle eingehenden Postsachen werden ebenfalls ohne vorherige Beteiligung der schon bestehenden Ueber­wachungsstellen von der Ortspostanstalt der Vor­gesetzten Dienststelle der Kriegsgefangenen zuge­leitet, die die Prüfung durch die in Betracht kom­mende Ueberwachungs- und Prüfungsstelle und so­dann die Aushändigung bewirkt.

m Es werden befördert, und zwar alle Sendungen unter A und B gebührenfrei:

A. Nach Belgien:

Gewöhnliche (nicht eingeschriebene) Briessendungeu ohne Nachnahme.

B. Nach dem übrigen Ausland:

1 .Gewöhnliche (nicht eingeschriebene) Briessenöungen ohne Nachnahme.

2 . Briefe und Kästchen mit Wertangabe bis zu 8000 M. aber ohne Nachnahme.

8. Postanweisungen.

4. Gewöhnliche (nicht eingeschriebene) Postpakete bis zu 5 Kilogramm ohne Nachnahme.

5. Postpakete bis 5 Kilogramm mit Wertangabe bis 8000 Mark (nach Frankreich Wertangabe nicht zulässig.) C. Im Verkehr innerhalb Deutschlands:

Gewöhnliche Briefe bis 50 Gramm einschließlich und gewöhnliche Postkarten gebührenfrei,- alle übrigen Sendungen wie im Jnlandsverkehr, diese sind aber portopflichtig.

Für Angehörige der feindlichen Staaten, die auf Anordnung der Militärbehörden in Deutschland ge­fangen gehalten werden, gelten hinsichtlich des Post­verkehrs die gleichen Bestimmungen.

* (Wie ein Müller Gold hervor- zauberte.) Wir lesen imB. T." die nachstehende Geschichte von einem patriotischen Müller, dessen Ver­fahren, Gold zu sammeln, so originell ist, daß wir es unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Der Be­sitzer der Niedermühlen in Laubau Wilhelm Pyrkosch, hatte am 28. Dezember bekannt gegeben, daß es für jedes Goldstück, das bei ihm am 30. und 31. Dezember zur Weitergabe an die Reichsbank eingewechselt werde, fünf Pfund Weizen-Kriegsmehl umsonst ver­abreiche. Der Erfolg dieser Aufforderung war ein ungeahnter. Schon am frühen Morgen umlagerten zahlreiche Männer und Frauen die Niedermühle. Eine Bauersfrau hatte so viele Goldstücke mit einem Male zusammengefunden, daß sie auf ihrem Wagen mehrere Zentner Weizenmehl umsonst heimwärts fahren konnte. Auch eine Anzahl früherer goldener Fünfmarkstücke kam wieder an das Tagelicht. Im ganzen konnten 68 000 Mark in Gold der Reichsbank in Lauban innerhalb zweier Tage eingeliefert werden. Die größte Goldsumme, die von einer einzigen Person .eingewechselt wurde, betrug 4310 Mark. Den 906 Personen, die an beiden Tagen zum Umwechseln er­schienen waren, wurden insgesamt 300 Zentner Mehl umsonst verabfolgt.

):( Hersfeld, 6. Januar. In der Zeit vom 4.20. d- Mts. müssen sämtliche Steuerpflichtigen, welche bisher mit einem Einkommen von über 3000 Mk. veranlagt worden sind, und diejenigen, die eine be­sondere Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung erhalten haben, ihre Steuererklärung bei dem Herrn Vorsitzenden der Einkommensteuer - Veranlagungs­Kommission hierselbst Johannesstr. 6/8 abgeben. Wer unliebsame Folgen vermeiden und die Erklärung zu Protokoll geben will, tut gut, dies baldigst zu erledigen, da erfahrungsgemäß der Verkehr in den letzten Tagen der gesetzlichen Abgabefrist auf dem Veranlagungskommiffionsbureau ein reger ist.

):(Hersfeld, 6. Januar. (R e i ch s w o l l w o ch e.) Wir machen unsre Leser aufmerksam auf den im An­zeigenteil der heutigen Nummer enthaltenen Aufruf betreffend die R e i ch s w o l l w o ch e in den Tagen vom 18.24. d. Monates.

):( Hersfeld, 6. Januar. Zur Erinnerung an das 76jährige Bestehen der hiesigen Luisenschule, der damaligen höheren Privat-Töchterschule, fanden heute morgen an den Gräbern des Gründers, Herrn Prof. W i s k e m a n n und der Vorsteherin der Schule, Fräulein M. Zimmer m a n n, kleine Feiern statt, bestehend in Niederlegung von Kränzen, Ansprachen des Herrn Superindententen Feyerabend und Gesängen der Schülerinnen der Luisenschule.

Niederaula, 4. Januar. Im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder beging das Johannes Schneidersche Ehepaar in dem benachbarten Orte Hattenbach am Neujahrstage das Fest der goldenen Hochzeit. Herr- Pfarrer Schröder hier überreichte dem Jubelpaar die Ehejubiläumsmedaille. Sch. ist seit 21 Jahren Kirchen- kastenmeister und bekleidet seit 35 Jahren das Amt als Kircheuältester. Zahlreiche Aufmerksamkeiten wurden dem Paare zuteil.

Die Meute Waffe im jetzigen Kriege.

Im Kriege 1870 71 waren von hundert Verwun­deten verletzt durch Jufauteriegeschosse 80, durch Artillerie 1518, durch blanke Waffen nur 25. Die Zahlen lauten für den jetzigen Krieg ganz anders, die Verwundungen durch Artilleriefeuer machen 40 Prozent aus, die durch Infanterie nur noch 45 Pro­zent, durch die blanke Waffe aber 15 Prozent. Wir sehen hier, wie in diesem Kriege jede Partei den Gegner durch Artilleriefeuer zu erschüttern sucht und dann das Bajonett den Ausschlag gibt. Vor gar nicht langer Zeit glaffbte man, um die Ausbildung gu ver­einfachen von der im Bajonettfechten absehen zu dürfen, ja man wollte das Bajonett selbst abschaffen. Aber die Erfahrungen des Burenkrieges sprachen dagegen.

Die Buren hatten kein Bajonett, sie waren also im Nahkampf von vorn herein verloren. Und der japa­nische Krieg wurde nicht zum kleinsten Teil entschieden durch die größere Gewandheit der Japaner gegenüber den schwerfälligen Ruffen. Die waren auf ihre Fähigkeit im Bajonettfechten stolz gewesen, nach diesen Erfahrungen aber zogen sie die Deckung durch den Schützengraben vor, und der Nahkampf wird eher vermieden. Keine Rolle spielt mehr der Gewehr­kolben, der in den Freiheitskriegen so grimme Blut­arbeit tat. Das ganze Gewehr ist leichter geworden und mit ihm der Kolben, der jetzt leicht abbricht.

Daß der deutsche Soldat im Gewehrfechten so gut ausgebildet worden ist, entspricht der eigensten An­regung des Kaisers, und auf den Kaiser geht zurück die Bewaffnung der gesamten Kavallerie mit Lanzen Die Erfahrungen von 1870 hatten schon gezeigt, wie sehr bei einem Zusammenstoß die Lanzenreiter denen überlegen waren, die nur Säbel oder Palasch führen. Aber erst Kaiser Wilhelm II. zog daraus die Folgerung, daß die ganze Kavallerie mit der Lanze und zwar mit der Stahlrohrlanze ausgerüstet wurde. In den feindlichen Heeren ist noch ein großer Teil mit dem Säbel bewaffnet. Die Resultate in den verschiedenen Reitertreffen dieses Krieges sollen auch für uns außerordentlich günstig gewesen sein. Die Mangel- Haftigkeit der russischen Kavallerie ist allgemein zu­gegeben, aber auch die englische hatte wenig Glück, eher zeigte die französische den alten Reitergeist, der sie in den Kämpfen der Napoleonischen Zeit berühmt gemacht hatte. Doch haben die Franzosen nicht einen einzigen Reitergeneral von Bedeutung hervorgebracht, während wir doch einen v. d. Harwitz aufweisen können, der in der zweiten Hälfe des Augustes wie ein Sturmwind über Noröfrankreich fegte.

Die deutsche Kraft.

Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß: wir sind die deutsche Kraft. Ein jeder bedeutet einen Teil dieser Kraft. Und wie wir alle sie verkörpern, so ist sie, so wirkt sie. In den Tagen vor dem Welt­sturm gab es viele, die entfernten sich von dem Kern der Kraft,' sie schlugen sie in sich verblendet zu Stücken oder gingen niederen Sinnes mit ihrem Teilchen zugrunde. Daroü war ein Trauern in den Seelen derer, die mit reinen und wachen Sinnen die deutsche Kraft darstellten. Mit heiliger Liebe warben sie um die abfallenden und zerfallenen Teilchen. Sie wollten ein Gesunden der Kraft bis ins Mark. Eine deutsche All­kraft wollten sie.

Da kam der Sturm, da kam die Not, jäh und furchtbar. Doch auch die deutsche Kraft war da, jäh und furchtbar! Die Allkraft! Es war ein Jneiander- schmelzen der Millionen, ein wunderbares Sich- vereinigen. Kraft, Kraft, eine Kraft! Und jeder wollte nichts anderes sein als ein Teil dieser herrlichen Kraft, dieses organischen Seins. Verschüttete Quellen waren ans Licht gekommen. Tiefen taten sich auf, und verborgenes Gut wurde emporgehoben von un­sichtbaren Händen, und das Gut war strahlend wie reines Gold. Die deutsche Allkraft war ein Sturm der Liebe, ein Feuer der Begeisterung, ein heller, erzener Klang des Treuschwurs. Dreimal gesegnet die deutsche Kraft!

Bruder du, Schwester du, und ihr Millionen aus deutschem Sproß, wir sind die Kraft: Unsere Seele, unser Leib, unsere Tugend und Sittlichkeit, unsere Liebe und Sehnsucht, unsere Tapferkeit und Treue.

O wie flutet und glüht es in der deutschen Kraft! O wie stürmt sie zu Land und zu Meere gegen eine Welt voll frevler Feinde! Sie muß siegen, sie ist die gottdurchdrungene, freie, sonnenlichte Kraft. Schaut zu unsern Feinden hinüber! Hat einer von ihnen diese wundervolle, erhebende Allkraft 2 Keiner, keiner! Nun, so siegen wir! .

Dann aber, wenn des Siegeus volle Sonne strahlt und der Friede unsere Gaue wieder segnet, dann laßt uns alle, Mann und Weib, in dieser Kraft bleiben mit demselben Streben zur heiligen Einheit, mit demselben hohen Willen zur Tat wie in den Stunden des Sturmes! Nicht erschlaffen! Nein, nicht er­schlaffen ! Die deutsche Allkraft muß Segenspenderin für die Welt werden. _

Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß: wir sind die Kraft, und unsere Kinder und Kindes­kinder werden die Kraft. Lasset uns leben mit reinem Leibe und mit reiner Seele, dann steht es gut um die Kraft. Ob du im Brand des Sommers, im Frost des Winters tagelöhnerst, ob du die magere' Scholle pflügst, ob du vom Kriege her als ein Krüppel lebst, ob du Künstler oder Gelehrter bist oder ein Herr über große Güter, ob du von äußerem Adel bist: sei du ein Teil der großen Kraft, wie du es mit ganzer Seele vermagst! Keinerlei zu niedrig, keiner zn hoch!

Wir müssen Teile fein, um das Ganze zu schmieden. Nun, so schmiedet euch aneinander, schließt euch noch mehr zusammen zur herrlichen deutschen Allkraft. Jubelndes Glück ist es, auch nur ihr winzigster Teil zu sein! Dreimal gesegnet, deutsche Kraft!

b.