« WoßeS HWptquartter, 4. Januar. (Amtlich.
WTB.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Abgesehen von mehr oder weniger schweren Arttl- leriekämpfen herrschte auf der Front im allgemeinen Ruhe. Nur bei Thann im Overelsatz zeigten die Franzose» lebhafte Tätigkeit. Nach einem überwältigenden Fener avf die Höhe westlich Sennheim gelang es ihnen in den Mendstunden unsere zusammengeschossenen Schützengräben anf dieser Höhe und anschließend das von nns hartnäckig verteidigte, in den letzten Tagen öfters erwähnte Dorf Steinbach zu nehmen. Die Höhe wnrde nachts im Bajonettkampf von uns wieder genommen. Um den Ort Steinbach wird noch gekämpft.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage im Osten hat sich nicht verändert. Unsere Angriffe in Polen östlich der Rawka werden fortgesetzt.
Oberste Heeresleitung.
[ Dom öfterr.-ungar. Generalstab *
Wien, 4. Januar, mittags. (WTB.) Amtlich wird verlautbart: In den hartnäckigen Kämpfen im Raume südlich Gorlice, die sich unter den schwierigsten Wit- Lernngsverhältniffen abspielten,. sicherten sich unsere braven Truppe« durch die Besitznahme einer wichtigen Höhenlinie eine günstige Basis für die weiteren Ereignisse.
In den Karpathen keine Verä»Ser«ng; im oberen Ungtale nnr kleinere Gefechte.
Während der Kämpfe der Weihnachtszeit wurden auf dem nördlichen Kriegsschanplatze 37 Offiziere «nd 12 698 Mann gefangen genommen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs.
v. H ö f e r, Feldmarschallentnant.
Die Lage in Galizie«.
Die Lage in Galizien ist, wie der Kriegsberichterstatter K. v. Reden der „Frkf. Ztg." unterm 3. Dezember aus dem Kriegspressequartier meldet, nach den schweren Mißerfolgen der russischen Offensive gegen Krakau und Limanowa durch Heranziehung neuer feindlicher Armeeteile auf diesen Teil des Kriegsschauplatzes in ein neues Stadium getreten. Die Russen konnten erneut zur Offensive übergehen und verfolgten ihren alten Plan des Durchstotzens in der Richtung auf Krakau mit starken frischen Kräften. Alle diese Versuche wurden durch unsere vorzüglichen Stellungen am Dnnajec avgewieseu. Obwohl die Russen gleichzeitig auch einen starken Druck auf unsere viel ausgedehntere Front längs der Karpathen ausübten, gestatten unsere Stellungen einen anhaltenden Widerstand auch gegen überlegene Kräfte, die sich beim Angriff daran verringern. Die Lage ist durchaus zufriedenstellend und zeigt derzeit das Bild der Posttionskampfe.
ob^ Budapest, 5. Januar. (T. U.) Im Ung -Komi- tat, wo die Russen in der Sylvesternacht mit großer Uebermacht eindrangen, kam es nach einer Meldung der „Frkf. Ztg." nachdem unsere Truppen bei Patakofalu und Kisveelgy ein Umgehnngsmanöver der Russen vereitelt hatten, bei Ligestes zu erbitterten Kämpfen, in deren Verlauf Oberst Osermak fiel. Es gelang, die Rüsten bei Csontos ausznhalten. Aus strategischen Gründen wurden Nagyberezna und einige kleinere Ortschaften geräumt.
Nach dem „Pester Lloyd" gestaltet sich die militärische Lage in den Karpathen andanernd günstig. Dem Bordringen der russischen Truppen ist zum größten Teil Einhalt geboten worden. Wo sie unser Gebiet betreten konnten, wurden sie hart an der Grenze zum Stehen gebracht.
Russische Meldungen über die Schlacht in Polen.
Der Mailänder „Secolo" meldet aus Petersburg: Die Schlacht in Mittelpolen am linken Weichselufer dauert an. Sie hat den Charakter eines Lansgraben- ■ kampfes angenommen, ähnlich der im Westen. Der Aus- gana der Schlacht wird daher von den Verstärkungen abhängen, die beide Gegner heranführen können. Man weiß nicht, über welche Reserven die Deutschen verfügen, aber sicher ist, daß die Russen fortwährend neue Truppen an die Front schicken.
Die deutsche Verwaltung in Polen.
Berlin, 4. Januar. (WTB.) Für die von den deutschen Truppen besetzten Gebietsteile von Russisch-
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Petfidtt
Roman von A. von der Elbe.
9) (Nachdruck verboten.)
Josefine begann von einer Reise nach Aegypten zu erzählen, die sie im vorigen Jahre mit Stangens Gesellschaft unternommen hatte. Sie wußte die kleinen Erlebnisse der Fahrt, die verschiedenen Teilnehmer und die eigentümlichen Reize des alten Kulturlandes in seiner Glut, seiner Schönheit und seiner Vollkommenheit so anschaulich, und ohne daß sie sich in den Vordergrund stellte, zu schildern, daß die beiden Herren gefesselt zu- hörten. Wie lebhaft war ihr Mienenspiel, wie glänzten und lachten ihre Augen und wie, graziös begleitete oft eine Bewegung der weißen Hand die Erzählung.
Ihr Bruder dachte: Eine famose Frau ist sie doch, begreife nicht, daß Hermann immer mit ihr auf dem Kriegsfuß steht, er vermag eben nur eine Landpom- weranze zu würdigen.
Allerdings fand Eggeruck in den Schilderungen der unternehmenden Frau wieder manches, was er „un- weiblich" nannte, und was ihn abstieß. Daneben mußte er sich aber doch dem Zauber ihres Vortrags und ihrer Persönlichkeit wenn auch widerwillig, hingeben.
Sie suchten beide, sobald sie zusammenkamen, in jeder Wesensäutzerung des anderen eine Bestätigung für ihre Trennung, die sie eigentlich nie ganz verschmerzen konnten, so überzeugt sie auch waren, das Richtige getan zu haben.
Lachend kam Adele aus dem Eßzimmer auf die Veranda gelaufen. Sie stützte sich auf ihres Vaters Stuhl lehne, spielte mit seinem Haar und streichelte ihn dann und wann.
„Mülmke schwimmt in Tränen," sagte sie. „Das Weißbrot, dae sie zu heute abend gebacken hat, ist verarmt. Sie schluchzt: Und unsere feine Gnädige —
Von der Ost- und Westfront.
Polen ist eine Ztvtlverwaltimg mit Wirkung vom 5. Januar eingesetzt worden. Zum Verwaltungschef ist der Regierungspräsident z. D. v. Branden st ein unter Beilegung des Prädikats Exzellenz ernannt. Der Verwaltungschef wird seinen Sitz zunächst in Posen nehmen.
Von der Westfront.
Die Kämpfe im flandrische« Küstengebiet.
Kopenhagen, 5. Januar. (T. U.) „Nationaltidende" erfährt nach der „Frankfurter Zeitung" aus Paris: Die Kämpfe werden sehr heftig längs der ganzen Front fortgesetzt, namentlich dauert der Artilleriekampf ohne Unterbrechung an. Die französische Artillerie zeigt sich überlegen hinsichtlich der Schußweite und Präzision. Das große Artillerieduell am 31. Dezember werde sicher später als ein kriegsgeschichtliches Ereignis ersten Ranges gelten. Die Stellung der Deutschen in Westende ist schwer, nachdem die Verbündeten St. Georges besetzt und imstande sind, ein doppeltes Feuer gegen die Deutschen zu richten. Die Batterien der Verbündeten zwischen Nieuport und dem Meere können mit den Batterien nördlich und östlich von St. Georges zusammenarbeiten. Ueberdies kann die Flotte bei Westende in weiter Ausdehnung Beistand leisten. (Diese Darstellung vergißt, daß der Lys-Abschnitt überschwemmt ist und daß — wie der deutsche Bericht kürzlich erkennen ließ — gerade der Umstand, daß auch die Gegend von St. Georges unter Wasser steht, die Deutschen der Mühe enthoben hat, nach der Zurückschlagung der Gegner die genannten Positionen bei St. Georges wieder in Besitz zu nehmen. D. Red.)
Bei Thann und Sennheim.
Der deutsche Tagesbericht von Montag meldet den Verlust und die Wiedererstürmung einer wichtigen Höhe westlich von Sennheim — oder Cernay, wie die französischen Bulletins sagen. Sennheim liegt am nördlichen Ufer des bei Thann in den Sundgau mündenden Wesserlinger Tales, das seit langem von Franzosen besetzt ist. Die Entfernung zwischen Thann und Mülhau- sen beträgt etwa 20 Kilometer. Die Franzosen bestimmten am 14. Dezember ihre eigene Linie folgendermaßen: nördlich Steinbach (dieses liegt zwei Kilometer nordöstlich von Sennheim) — Höhe 425 (südwestlich von Steinbach) — Aspachbrücke-Brunighofen bis zu einem Punkt 1500 Meter östlich, von Eglingen.
Von Anfang Dezember an wurde dieser Abschnitt des südwestlichen Kampfplatzes wieder häufiger genannt. Dabei spielt die Höhe 425, die etwa in der Mitte des Dreiecks Alt-Thann-Steinbach-Sennheim liegt, eine besonders große Rolle. Die Höhe springt als kleines Vorgebirge und Ausläufer der von Westen her abfallenden Waloberge gegen Sennheim vor, das östlich davon etwa 300 Meter hoch liegen mag. Die Höhe beherrscht die Straßen, die in Sennheim aus allen Richtungen zusammenlaufen, vor allem aber den Eingang ins Wessinger Tal. Steinbach flankiert die Höhe von Norden her. Die Angriffe der Franzosen in der ersten Dezemberhälfte, von denen die Tagesberichte sprachen, richteten sich stets gegen diese Höhe. Die Franzosen hatten dabei den Vorteil, im Besitz der weiter talaufwärts und höher gelegenen Stellungen zu sein, und bis zu dem Punkt 325 vom Westen her im Wald vorgehen zu können. Ihre ungestümen Angriffe, die mit überlegenen Kräften durchgeführt wurden, hatten denn auch Erfolg. Die Höhe und der Ort Steinbach gingen am 14. Dezember verloren. Aber schon am 15. konnte vom deutschen Hauptquartier gemeldet werden, Steinbach sei wieder in unseren Händen und 300 Franzosen seien dabei gefangen worden. Am folgenden Tag war auch die „Höhe westlich von Sennheim" wieder fest in unserem Besitz. Dann schien eine Pause eingetreten zu sein, bis am 25. die Meldung von neuen Gefechten westlich von Sennheim bekanntgegeben wurde. Am 26. behaupteten die Franzosen wieder am Waldsaum auf der Höhe 425 angekommen zu sein, und am 27. und an den folgenden Tagen berichteten beide Parteien von neuen heftigen Kämpfen. Die Franzosen begannen, nach ihrer Darstellung, Steinbach „eng einzuschlietzen" und am 31. Dezember wurde aus Paris mitgeteilt, man bringe Schritt für Schritt in dem Dorf vor. Die deutsche Heeresleitung gab ihrerseits bekannt, datz ein heftiges Artilleriefeuer der Feinde das elsässische Städtchen zerstöre. Nachdem nun — wie die Meldung sagt — ein überwältigendes Feuer zunächst die deutschen Schützengräben auf der Sennheimer Höhe unhaltbar gemacht hatte, war diese Stellung für ein paar Stunden völlig aufgegeben nn6 Steinbach ganz geräumt worden. Unter dem Schutz der Nacht sind unsere Truppen zurückgekehrt und haben durch einen Bajonettangriff den Femd wieder von der Höhe vertrieben. Wenn diese Stellung wieder fest in
das bist Du. Tante Jose — mag kein Roggenbrot: was fang' ich an, was fang' ich an?"
„Na, Olle, man nich schwermütig," sagte ich, „gleich fahre ich zur Stadt, hole Dir Weißbrot: bin zum Abendessen längst wieder da und rette Deine Ehre."
„Du willst jetzt noch nach Wohlden?" fragte der Vater und zog seine Uhr. „Fünf vorbei."
„Ja, Pachen, warum nicht? 'ne halbe Stunde hin, 'ne halbe Stunde her, macht sechs."
„Und mindestens eine Stunde bei Mienchen Ehlers."
„Warum auch nicht? Wir essen erst halb acht: um sieben bin ich gewiß wieder hier!"
Sie küßte den Vater auf die Stirn und nickte den anderen zu. „Du bleibst zum Abendbrot, Onkel Hermann, nicht wahr?"
„Ich glaube kaum."
„Na denn, adieu: mich zu besuchen bist Du ja doch nicht gekommen." Sie lief fort.
Eggeruck sah verstimmt aus, was Josefine mit Verdruß gewahrte.
„Läßt Du denn das junge Ding allein fahren, Richard?" fragte er. „Ich höffe, Tönnies begleitet sie!"
„Wozu?" erwiderte Bernhammer gleichmütig. „Sie ist Hunderte von Malen mit Susanne oder allein im Ponywagen zur Stadt gefahren. Ihr alter Douglas ist ganz zuverlässig, es wäre eine Zeit- und Kraftverschwendung, wenn ich ihr immer jemand mitgeben wollte. In der „Krone", neben Ehlers Haus, nehmen sie ihr gleich Wagen und Pferd ab, das ist eine althergebrachte Einrechtung. Aber komm, wir wollen sie av- fahren sehen, und ich zeige Dir meinen neuen Gaul: dreijährig, etwas hochbeinig, etwas ausgehungert, aber gut gebaut: denke, wir futtern uns was brauchbares daran zurecht."
Sie gingen, und auch Josefine verließ die Veranda, um in ihrem Zimmer vor dem Abendessen zu ruhen:
unserer Hand ist, wird es rasch gelingen, die Franzosen auch wieder aus Steinbach zu verjagen.
Für die strategische Lage — sowohl im allgemeinen, als auch im Hinblick auf die Situation im Sundgau — ist dieser ganze Detailvorgang bei Thann und Sennheim ohne Bedeutung. Er wäre es auch dann, wenn der deutsche Gegenstoß vorerst keinen Erfolg gehabt hätte. Der Sundgau ist nun einmal in diesem Krieg zu einem großen Teil ein Glacis für die großartigen deutschen Festungen, die den Rhein bewachen. Man wird die Franzosen von den deutschen Dörfern und Städtchen, so weit es irgend geht, fernzuhalten suchen, aber die Zentren der strategischen Entscheidung liegen an anderer Stelle. Die militärische Erwägung zielt auf das Wohl des Ganzen und läßt die Gründe des Gefühls der Einzelnen nur einen kleinen Raum. Der Erfolg ist aber mit ihr. („Frkf. Ztg.")
Friedenspropaganda in Paris.
^ Genf, 5. Januar. (T. U.) Von französische« Flugschriften, die gegenwärtig in Paris als Friedenspropaganda verbreitet werden, weiß das „Echo de Paris" zu berichten. Das Blatt nennt dies eine Infamie, und hält sie natürlich für deutschen Ursprungs. Die Schriften werden in der Nacht in Häuser und Wohnungen gebracht und beginnen mit den Worten: „Man täuscht uns. Die den Krieg herbeigeführt haben, sind Rußland und England und die französische Regierung. Frauen, ruft alle, es lebe der Frieden." Nach dem „Echo" hat die Polizei Maßnahmen getroffen, um die weitere Verbreitung zu verhindern.
Zum Untergang der „Formidable".
6-^ Rotterdam, 5. Januar. (T. U.) Reuter meldet aus London: Der größte Teil der Besatzung der „For- midable" schlief, als die Explosion erfolgte. Erst als der Kommandant das Herablassen der Boote befahl, begriff die Mannschaft den Ernst der Lage. Das Cchiff senkte sich bald nach Steuerbord, so daß auf dieser Seite Boote herabgelassen werden sonnten. Das Letzte, was die von dem Dampfer „Bixton" Geretteten sahen, war die Gestalt des Kapitäns. In ruhiger Haltung, eine Zigarette rauchend, traf er seine Anordnungen. „Haltet Euch ruhig, Leute, so sagte er. „So ists gut, keine Panik. Lebt ruhig auf, das alte Schiff hat noch viel Triebkraft behalten."
Neuer „Emden"-Schrecken in den indischen Gewässern.
^ Basel, 4. Januar. (WTB.) Den „Baseler Nachrichten" zufolge ist in Mailand die Meldung eingetrof- fen, daß der Hafenkapitän von Rangoon (Siam) die die benachbarten Gewässer befahrenden Schiffe vor dem
Dreimaster „Ayasha" gewarnt habe, welcher mit deutschen Matrosen, dem Rest der Besatzung der „Emden", 'und vier Maschinengewehren an Bord seine Operationen gegen die Handelsschiffe fortsetze und bereits viel Küstenfahrzeuge versenkt habe. Auch der Kohlendampfer „Oxford" sei von den Deutschen genommen und von ihnen in einen Hilfskreuzer «nrgewandelt. Die Schiffe seien der Verfolgung dnrch die Flotte der Verbündeten bisher immer entkommen.
Es handelt sich hier um das Landungskorps der „Emden" das auf den Kokosinseln die Zerstörung der Kabelstation vornehmen sollte, als die „Emden" von dem australischen Kreuzer „Sydney" angegriffen wurde. Das ausgeschiffte Landungskorps rettete sich in einem Schoner, und nun hören wir, daß dieser Rest der „Emöen"- Helden unentwegt den Kaperkrieg mit gutem Erfolge weiter führt. Unsere wackere „Emden" ist tot, aber ihr Schrecken geht weiter unter den Feinden um. Die Heldenhaftigkeit unserer blauen Jungen zeigt sich auch hier im hellsten Lichte. Eine ganze feindliche Flotte ist sicher wieder auf der Verfolgung des „Emden"-Fahr- zeuges begriffen: wir wünschen ihm von ganzem Herzen glückliche Fahrt.
Kleine Kriegsnachrichten.
Nach Mitteilung von zuständiger Stelle hat die Mel- 6ung von Bombenwürfe« über Liesdorf bei Saarlouis keine Bestätigung gefunden.
Wie die Stadt Zabrze, hat jetzt auch der ganze Landkreis um die landesherrliche Genehmigung zur Aenderung seines Namens in Hindenbnrg (Oberschlesien) nachgesucht.
Dre Gemeindebehörden Berlins haben, um die Sympathie für das türkische Volk zu bekunden, für den Roten Halbmond eine Spende von 20 000 Mark bewilligt.
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sie fühlte sich jetzt oft erschöpft und wußte, daß jedes Wiedersehn mit Hermann sie errege.
Adele saß seelenvergnügt auf ihrem niedrigen Stuhlwagen. Es war ein hell lackiertes Wägelchen, vorn mit einem breiten gepolsterten Sitz, dahinter etwas Raum für Gepäck und ein Bänkchen für den Diener zum Herunterklappen.
„Stehst reichlich so schick aus, Kleine," sagte Hermann, ihr die Fahrpeitsche reichend, „wie Du als Reiterin aussehen würdest."
„Ich fahre auch gern: hott, Dondel, vorwärts!" Das muntere Pferdchen trabte vom Hofe.
Der sonnige Frühlingstag neigte «sich dem Abend zu, die Luft war erfüllt vom Geruch junger Blätter, frisch sprießender Wiesen und umgebrochener Aecker. Das Stückchen Buchenwald, das sich dem Park anschloß, prangte in lichtem Grün, die Vögel zwitscherten und fangen ihr Abendlied, Sonnenstreifen und Lichtfultken spielten auf dem moosigen Grund. Nun war die Vieh- wende erreicht, mit Pfählen und dazwischen gespannten Draht eingefriedigt, auf der einige junge Pferde grasten. Adele kannte jedes Fleckchen am Wegrand und beachtete ihre Umgebung wenig: sie hielt ihren Blick hinaus gerichtet auf das Städtchen, dem sie immer näher kam. Sie freute sich der Fahrt, weil diese ihrem ungeduldigen Sinn, der sich nach Unterhaltung und Abwechslung sehnte, einige Nahrung bot.
Da kam von fern ein Reiter ihr entgegen, es schien kein Bauer zu sein. Wer hielt denn in Wohlden ein Reitpferd? Ein seltsames Gefühl vor Schreck und Vergnügen überlief sie plötzlich: das mußte der Ungar sein, der elegante Verwalter von Lindental. Sie wollte rechtzeitig dem Herantrabenden ausweichen und ritz in ihrer Verwirrung so ungeschickt am Zügel, daß ihr Pony scharf zur Seite bog und mit der rechten Lenkstange der Gabeldeichsel heftig gegen einen der Bäume stieß, die die LaMtxatztz ^M EMsktzuyg folgt.),