Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- fitut^Mhn« zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei AblI I"lUVl

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

ß #| ij Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Mittwoch, den 6. Januar

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

I Wer versündigt I sich am Vaterlande u. macht sich strafbar. |

Bestellungen

auf das Bersfelder Tageblatt werden für das

1. Vierteljahr 1915

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Aus der Heimat

* (Stockung in der Abfuhr'derLiebes- g a b e n s e n d u u g e n für das O st h e e r.) Von wohlunterrichteter Seite wird darauf aufmerksam ge­macht, daß es sich empfiehlt, mit der Versendung von Gaben für das Ostheer einige Zeit, etwa acht bis zehn Tage, Pause zu machen. Die Abfuhr der Spenden ist immer noch in sehr spärlichem Umfange möglich. Allein in Gnesen standen noch vor wenigen Tagen etwa 150 Eisenbahnwagen mit Liebesgaben, deren Weiterbe­förderung vorläufig zumindest zweifelhaft ist Solange derartige Stockungen noch bestehen, wird man nament­lich mit verderblichen Sachen, Eßwaren und dergleichen, am besten zurückhaltend sein.

* (Zwei Vollmonde imMonat Januar und Mär z.) Der seltene Fall, daß im Laufe eines Monats zwei Vollmondstellungen eintreten, war zu­letzt im Monat Mai 1912 zu verzeichnen. Das Jahr 1915 aber wird uns sowohl im Januar wie im März je zwei Vollmonderscheinungen bescheren. Für die Berechnung kommt hierbei in Frage,daß ein sogenannter synodischer Monat (von Vollmond zu Vollmond) genau 29,53 Tage umfaßt. Der letzte Vollmond im Jahre 1914 fiel auf den 2. Dezember, 7 Uhr 21 Min. nachmittags, so mußte der nächste Vollmond auf den 1. Januar 1915 fallen, und zwar trat diese erste Vollmondphase des neuen Jahres nachmittags 1 Uhr 20 Minuten ein. Der zweite Vollmond findet dann 29,53 Tage später, also am31. Januar, 5 Uhr 41 Minuten früh statt, sodaß der Januar 1915 zwei Voll- mondphasen aufzuweisen hat. Dafür wird der Febr. überhaupt keinen Vollmond zu verzeichnen haben, sondern dieser wird erst auf den 1. März, 7 Uhr 53 Minnten abends, fallen, und nun muß wieder 29,53 Tage später der nächste Vollmond ebenfalls noch im März 1915 eintreten, und zwar ergibt die genaue Be­rechnung den 31. März, 6 Uhr 38 Minuten vormittags.

* (Ueber die Behandlung schriftlicher Nachrichten und Beweis stü cke in Kriegs­zeiten.) In diesem großen und schweren Kriege, den unser Vaterland um Sein oder Nichsein kämpt, ist es von höchster Wichtigkeit, daß alles das, was einem unserer Krieger oder über ihn oder von ihm geschrieben ist, sorgfältig aufbewahrt wird. Nicht nur als treue Erinnerung, sondern unter dem Gesichtspunkte, daß solche Schriftstücke möglicherweise einmal als Ergänz­ungen zu amtlichen Feststellungen des Verbleibs von Vermißten oder Verwundeten oder Gefallenen von größter Bedeutung werden können. Wer je in amtlichen Auskunftsstellen Gelegenheit hatte zu beobachten, wie wenig sorgfältig Nachrichten aus dem Felde, z. B. Briefe oder Postkarten von Truppen, Feldwebeln, Kameraden, die den Tod eines Kriegers den Ange­hörigen mitteilen, von diesen natürlich aus Un­kenntnis der Folgen behandelt werden: wie diese Schriftstücke verknittert, verwischt, beschrieben werden; wie man sie anderen Händen anvertraut sie mit der Post versendet, ins Feld vielleicht auf Nimmerwiedersehen der Ifühlt sich zu der ernsten Mahnung verpflichtet. Bewahrt wie ein Kleinod alles, was Ihr von solchen Schriftstücken erhalten. Macht Euch Abschriften, oder laßt Euch solche unfertigen, vergeht dabei aber nicht scheinbar unwichtige Kleinigkeiten, wie Stempel und Aufschrift und sorgt womöglich für eine amtliche Be- glaubiguug der Abschriften. Legt die Urschriften nicht ^b.ne Not weg sie können verloren gehen, und da- Beweisstücke von unschätzbarem Wert. Und was mündlich erfahrt durch Kameraden und andere stellt die Namen der Mitteiler fest, schreibt es auf und laßt die Betreffenden es unterzeichnen, wenn es geht. Und hütet das alles getreu und mit Liebe."

§ Hersfeld, 5. Januar. Der Nähverein des Noten Kreuzes wird seine in der Weihnachtszeit aus­

gesetzte'Tätigkeit für die Truppen im Felde nunmehr am Mittwoch den6. d. M., im Auguste Viktoria Haus wieder beginnen.'

§ Hersfeld, 5. Januar. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehen aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeines Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden,' die Einsender mögen deshalb angeben, was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

):( Hersfeld, 5. Januar. (Aus der 115 Verlustliste.) Res. Jnf. Regt. 32. Offiz. Stellv. Fritz Sexauer, Hersfeld, gestorb. Jnf. Regt. Nr. 77 Musk. Konrad Hahn, Tann, Kreis Hersfeld, gefallen. Jnf. Regt. Nr. 82. Res. Anton Dehler Obernüst, Kreis Hünfeld gefallen. Gefr. Anselm Vogel Steinbach, Kreis Hünfeld, verw. Musk. Anton Härtung Rummles, Kreis Hünfeld verw. Res. Georg Bachmann, Jba, verw. Utffz. Adam Le i m ba ch, Reilos gefallen. Jnf. Regt. Nr. 167. Utffz. d. Res. Leo Gutb er- I e t, Rasdorf, Kreis Hünfeld, gefallen. Feld. Art. Regt. 47. Kan. Josef Abel U Großentaft, Kreis Hünfeld, leicht verw. Waffenmeister Andreas H ä d e Bebra gefallen. 43. Res. Pion. Komp. Untffz. d. L. Heinrich F e y, Weihsenhasel, Kreis Rotenburg tödlich verunglückt.

§ Hersfeld, 5. Januar. Entwichen sind am 2. Januar abends gegen 5 Uhr auf dem Transport von Bahnhof Wilhelmshöhe nach dem Gefangenenlager in Niederzwehren vier russische Gefangene in Feldnui- form. Sämtliche Ortspolizeibehörden und die König­liche Gendarmerie des Kreises werden aufgefordert, nach den Entwichenen zu forschen und sie im Be- tretungsfalle festzunehmen.

):( Hersfeld, 5. Januar. Von einem Einwohner aus Asbach, wurden uns gestern) mehrere Mai­käfer gebracht, die er auf einem Acker gefunden. Gewiß eine Seltenheit zu jetziger Jahreszeit.

):( Hersfeld, 5. Januar. Herrn Dr. H i l l e b r e ch t wurde der Titel Sanitätsrat verliehen.

):(Hersfeld, 5. Januar. Aus wiederholt gegebener Veranlassung wird darauf hingewiesen, daß bei den maßgebenden Stellen von einer, in nächster Zeit stattfindendennochmaligenPferdcaushebung nichts bekannt ist.

§ Niederanla, 5. Januar. Der Unteroffizier F. Plant vom Garde-Füsilier-Regiment, Sohn des ver­storbenen Kaufmanns H. Plant dahier, wurde mit dem E i s e r n e n.K r e u z ausgezeichnet.

Caffel, 4. Januar. Ein Brand war gestern im Maschinenhaus der Akt.-Ges. fürZündwarenfabrikation, vorm. Stahl und Nölke ausgebrochen. Es waren auf noch nicht aufgeklärte Weise alte Körbe mit Pack­materialien, Holzteile, Abfälle usw. in Brand geraten. Zum Glück war der Brand durch den hervortretenden Qualm sehr bald bemerkt worden; er konnte bald ge­löscht werden.

Biedenkopf, 2. Januar. Ein entsetzlicher Unglucks- fall hat sich in Langenau bei Creuzthal vorgestern beim Eislauf ereignet. Im Auftrage der Eisenbahnver­waltung war auf dem Gelände in der Nähe des Bahn­hofes zur Untersuchung der Bodenverhältnisse ein großes Loch gegraben, welches etwa 30 Fuß breit war und infolge der vielen Niederschläge sich etwa 10 bis 12 Fuß mit Wasser angefüllt hatte und darnach zuge­froren war. Auf dieser dünnen brüchigen Eisfläche glanderten acht Kinder aus der Nachbarschaft. So lauge sie einzeln auf der Eisdecke liefen hielt das Eis, plötzlich aber hatte ein Mädchen einen erfrorenen Küfer in der Eisdecke erblickt, alle Kinder liefen nach der Mitte auf einen Haufen. Das Eis brach und alle acht Kinder brachen ein. Den hinzuspringenden er­wachsenen Personen gelang es, fünf Kinder zu retten, aber drei ertranken, nämlich die 12- und 13jährigen Töchter der Familie Wagner und die 10jährige Tochter der Familie Stähler.

Marburg, 2. Januar. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich gestern abend auf dem Hauptbahnhof. Der Aushilfspostbote Dietrich Herborg von hier, ein Mann in den zwanziger Jahren, geriet dort unter die Räder einer Maschine und wurde zermalmt. Trotzdem Warnungssignale gegeben wurden, war der Mann mit seinem Karren so nahe herangekommen, daß die Maschine diesen erfaßte und seinen Führer zwischen die Räder schleuderte.

Heiligenstadt, 4. Januar. Wir lesen im Herligenst. Tagebl.: Der Frau eines hiesigen Bürgers, welcher

zum Heeresdienst eingezogen ist und Reffen Familie auch aus zwei Kindern besteht, wurde von dem Haus­wirte die Mitteilung gemacht, daß sie 15 Mark mehr Miete pro Jahr zu bezahlen habe. Die Frau hat weiter kein Einkommen wie die staatliche Beihilfe und sieht dieser Tage einem freudigen Ereignis ent­gegen.

Erfurt, 4. Januar. Aus dem hiesigen Militär­gefängnis entsprang ein in Berlin wegen Verdachts des Landesverrats verhafteter Mann mit Namen Schütz, der sich demnächst vor dem Kriegsgericht ver­antworten sollte. Der Flüchtling war schon zuvor aus einem Zuchthaus entwichen.

Mülheim-Ruhr, 4. Januar. Das Notexamen war glücklich bestanden. Jetzt kam es für den neugebackenen Referendar darauf an, bei einem Regiment ange­nommen zu werden, damit er das Examen nicht noch einmal wiederholen mußte. Alle Regimenter waren mit Freiwilligen überfüllt. Da kam ihm eine Idee. Er ließ sich in die Liste der Arbeitslosen eintragen, weil er gehört hatte, daß Arbeiter ohne Beschäftigung alsbald eingestellt würden. Binnen 48 Stunden war der arbeitslose Referendar schmucker Musketier im 14. Infanterie-Regiment.

Weder Lüge noch DKensioe....

In der bekannten Sachlichkeit, die uns Deutschen eigen ist, in jener Gerechtigkeitsliebe, die uns hart­herzig gegen uns selbst, weichmütig aber gegen den Feind macht, billigen wir dn Heeresleitungen und den Truppen des Dreiverbandes und seiner Gefolgs- mächte Umsicht und Tapferkeit zu und räumen willig ein, daß der uns aufgezwungene Weltkrieg überaus schwer und langwierig ist, weil unsere Gegner alles daran setzen und ihr Bestes geben, um Deutschland und Oesterreich-Ungarn in den Staub zu treten. Ritterlich geben wir den tüchtigen Feinden ihre Ehre, wenn mir auch zuversichtlich einen völligen Sieg unserer Waffen erwarten. Gerade die strenge Ein­kehr bei uns selbst, die schonungslose Prüfung unseres Soll und Haben und die unbestechliche Beurteilung unserer Kraft geben uns das gute Recht, unserer Heeresführung und unseren Feldgrauen eine ge­diegene Ueberlegenheit über die anderen zuzubilligen. Wir würden auch bei dem Kampfe um die Seele der Neutralen ebenso gut abschneiden, wie in dem Kampfe zu Wasser und zu Lande, da sich unsere Erfolge im vergangenen Jahre vor aller Welt sehen lassen können, wenn nicht der Lügen dichter Nebel wäre, mit dem die Generalstäbler des Dreiverbands und ihre Tele­graphenbureaux die öffentliche Meinung trüben und blenden. Wohltuend ist demgegenüber der trockene Humor und der gutmütige Spott, mit welchem unsere Heeresleitung bei Gelegenheit in letzter Zeit ge­schah es öfter- das gleisende Gewand der feindlichen Lügen so weit lüftet, daß man ihre kurzen Beine sehen und in ernster Zeit lautlos, aber befreiend lachen kann. So brüsteten sich die Feinde, die Draht­verhaue der zweiten Linie unserer Schützengräben bei Albert erreicht zu haben, gewiß erreichten 80 Franzosen diesen Drahtverhau, spottet unser Großes Hauptquartier, aber sie wurden gefangen. Bei Lilions wurde eine feindliche Truppe in Kolonnenstellung buchstäblich niedergelegt, prahlt der Franzmann,' niedergelegt kann sie sich höchstens zur eigenen Deckung haben, bemerkt dazu witzig die Oberste Heeres­leitung, da Verluste in jener Gegend überhaupt nicht eingetreten sind. Zwei Batterien der Deutschen in den Hauts de Meuse sind vernichtet worden, funkte die Eiffelturmstation; für mich war das eine große Neuigkeit, erzählt lüchelndGeneraloberstvonHeeringen, der dort kommandiert, denn die beiden Batterien feuern noch heute lustig auf den Feind. Die Russen behaupten, noch immer Lowicz und Skierniewics, drahteten die Petrograder nach allen Richtungen,' diese Orte sind seit mehr als sechs Tagen von uns genommen, schmunzelt Vater Hindenburg, und Skierniewice liegt weit hinter unserer Front.

Ebenso groß im Lügen wie die Großen General­stäbler der Entente sind seit alter Zeit auch die Bureaux Reuter und Havas. Sonst glaubt man ihnen nicht, wenn sie einmal die Wahrheit fprechen. Aber diesmal kann man denn doch Reuter glauben, wenn er kleinlaut meldet, daßvon der Wetterführung einer eigentlichen Offensive in Frankreich nicht mehr aesprvchen werden kann." Das stimmt durchaus über- ein mit den Meldungen unserer Obersten Heeres­leitung von den vielen vergeblichen heftigen An­griffen und den schweren Verlusten der Franzosen und Belgier, der Farbigen und- Engländer. Nichts, niemand will ihnen mehr helfen, weder Lüge noch Offensive, weder Japaner noch Neutrale,' denn Tat­sachen sprechen besser als Lockungen. Im Osten dringen die Deutschen, Oesterreicher und Ungarn un­aufhaltsam vor, und im Westen wird bald der erfolg­reichen deutschen Defensive eine frische, fröhliche Offensive folgen, bis mau drüben nicht mehr nur um Waffenstillstände zur Bestattung allzu vieler Toten bitten wird, sondern um den Frieden.