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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Zersselder

für den Kreis Hersfeld

Misblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 2.

Sonntag, den 3. Januar

1915

I Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande u. macht sich strafbar.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Tageblatt

werden für das

1. Vierteljahr 1915

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat.

* Unter st ützungsgefuche von ehemaligen Heeresangehörigen des Mannschaftsstandes und von Unterbeamten der Militärverwaltung sowie von deren

allein und endi

Hinterbliebenen werden noch immer häufig unmittel­bar an das Kriegsministerium gerichtet. Ueber der­artige Gesuche haben aber bestimmungsgemäß die örtichzuständigen stellvertretenden Generalkommandos

'gültig zu entscheiden. Um Verzöge­rungen in der Erledigung der Unterstützungsgesuche zu vermeiden, kann den Gesuchtsstellern in ihrem eigenen Interesse nur dringend geraten werden sich vor- kolymendenfalls an das für ihren Wohnort zuständige Bezirkskommando zu wenden, das die Gesuche dem ihm vorgesetzten stellvertretenden Genneralkommando vorzulegen hat. Die Bewilligung der Veteranen- Beihilfen erfolgt durch die Zivilbehörden. Gesuche um diese Beihilfe sind daher stets an die Ortsbehörde, in Berlin an das Königliche Polizei- Präsidium, zu richten. Eingaben an das Kriegs­ministerium sind zwecklos, da diesem eine Einwirkung auf die Entschließungen der Zivilbehörde nicht zusteht. Durch Eingaben an das Kriegsministerium geht nur unnötige Zeit verloren.

):( Hersfeld, 2. Januar. DieNeujahrs- bezw. Sylvesterfeier hat sich den augenblicklichen Zeit­verhältnissen entsprechend in etwas weniger geräusch­voller Weise abgespielt als in anderen Jahren. Die Herabsetzung der Polizeistunde, die anscheinend im ganzen Reiche durchgesührt worden ist selbst in Berlin war nach 1 Uhr Nachts jede Feier untersagt verhinderte wirksam, daß einige wenige Naturen, die dem Ernste der Zeit keine Rechnung tragen wvllten, sich störend bemerkbar machen konnten. Im allgemeinen war jedoch auch die Stimmung erklär­licherweise eine gedämpfte,' und es kann mit be­sonderer Genugtuung darauf hingewiesen werden, daß Ausschreitungen so gut wie garnicht vorgekom­men sind.

-oc- Hersfeld, 2. Januar. (Wetterregelnfür Ianua r.) Der Landwirt wünscht sich den Januar kalt und trocken, jedoch mit reichlicher Schneedecke, unter der das Pflanzenleben gegen Frost geschützt ist und die außerdem dem Boden genügende Feuchtigkeit zuführt. Ist der Januar zu mild, so liegt stets Ge­fahr vor, daß sich die Wintersaat zu früh entwickelt und dann bei den unausbleiblichen Lenzfrösten Schaden erleidet, von dem sie sich nicht mehr erholen kann. Ebenso sind starke Regenfälle dem Landwirt wenig erwünscht, die zwar dem Boden Feuchtigkeit zuführen, durch die nächtliche Abkühlung jedoch Veranlassung zur Eisbildung und damit zum Vertrusten des Bodens geben, die soweit vorschreiten kann, daß die jungen zarten Saatwurzeln förmlich zerschnitten werden. Hoffen wir, daß Allmutter Natur, die uns schon im Vorjahre durch eine reiche Ernte hilfreich zur Seite stand, dem deutschen Volke auch in diesem Jahre ihr Wohlwollen erhalten und alle Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwickelung der diesjährigen Feldbestellung schaffen möge.

-oc- Hersfeld, 2. Januar. Unseren Mitar­beiter aus Leserkreisen, die uns im vergangenen Jahre durch Uebermittelung von Nachrichten und dergl. in liebenswürdigster Weise unterstützt haben, sagen wir an dieser Stelle nochmals unseren herz­lichsten Dank für die wertvolle uns geleistete Hülfe und bitten, uns ihre bewährte Mitarbeit auch in diesem Jahre nicht vorenthalten zu wollen, damit wir nach wie vor in der Lage sind, der Einwohner­schaft mit einer erschöpfenden Berichterstattung über alle Tagesereignisse des Ortes dienen zu können.

Oberaula, 31. Dezbr. Der vor etwa 5 Jahren neuerbaute große Bauernhof des Bürgermeisters Sinning Sohn in Oberelsa steht nebst Wohngebäude seit heute früh in Flammen. Das Feuer greift noch weiter um sich. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Der Schaden ist groß.

Marburg, 28. Dez. Etwa 500 gefangene Engländer, und Jndier passierten am ersten Feiertag die hiesige Station. Ein auf dem Bahnsteig ausgestellter großer Christbaum, an dem viele elektrische Birnen bräunten, erregte während des kurzen Aufenthaltes des Zuges die lebhafte Aufmerksamkeit der Gefangenen.

Wrexen (Waldeck), 30. Dezember. Von einem verheerenden Brandunglück wurde gestern das be­nachbarte westfälische Städtchen Borgentreich heim­gesucht. Der Brand soll durch Flugfeuer entstanden sein von einem Hause, das bereits am Abend zuvor, abgebrannt und nicht genügend abgelöscht war. In­folge starken Windes und nachdem das Feuer an mehreren Stellen zugleich ausgebrochen war, hatten die aus Nah und Fern herbeigeeilten Feuerwehren (darunter auch aus den benachbarten hessischen Ort- schaften) einen ungemein schwierigen Stand und ver­mochten nur wenig auszurichten. Im Ganzen sind 14 große Wohnhäuser mit anschließenden Wirtschafts­gebäuden, Stallungen, nebst allen Ernte- und Futter­vorräten, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten usw. vollständig eingeäschert worden. Auch einiges Kleinvieh ist in den Flammen umgekommen. Der sehr bedeutende Brandschaden ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt.

Oberpöllnitz, 28. Dezember. Auf dem nur schwach zugefrvrenen Dorfteiche brach das dreijährige Söhnchen des Feuermannnes Glück ein und ertrank. Die Leiche konnte erst nach einiger Zeit geborgen werden.

Eisenach, 31. Dezbr. In dem großen Thüringer Mühlenkonkurs der Firma R. Reinemann in Eisenach sind jetzt 4 Prozent in Höhe von 22 000 Mark als Ab­schlagszahlung gewährt worden. Die Prüfung hat ergeben, daß sich die Höhe der nichtbevorrechtigten Forderungen auf insgesamt 542835 Mk. (!) beläuft. Die Gläubiger erleiden eine bedeutende Einbuße.

Coburg, 31. Dezember. Wie das Coburgcr Tage­blatt meldet, wurde der falsche Leutnant Otto Thees aus Haselbach nach der Festung Lötzen ge­bracht, um vor dem dortigen Kriegsgericht abgeurteilt zu werden. Der Schwindler ist von Beruf Metzger. Die Militärbehörde verhaftete ihn, als er sein Leut­nantsgehalt abheben wollte. Der mit den beiden Eisernen Kreuzen geschmückte Kamerad fiel natürlich auf und wurde auch nach der Ursache dieser hohen Auszeichnung befragt. Dabei teilte er mit, daß er beim 82. Infanterie-Regiment gestanden habe. Zu­fällig aber war auch ein Hauptmann des in Coburg zurzeit liegenden Feld-Bataillons beim Regiment Nr. 82 und dieser erkundigte sich eingehend nach ver­schiedenen Regimentskameraden. Da aber versagte das Erinnerungsvermögen desLeutnants Thees" und man hatte bald heraus, daß hier etwas nicht stimmte. Er wurde in Arrest abgeführt, und bei näherem Verhör zeigte sich, daß all die Heldentaten, die Thees aufgetischt hatte, vollständig erfunden waren. Thees hatte sich die Eisernen Kreuze gekauft, und es ist sogar zweifelhaft, ob er überhaupt Soldat ge­wesen ist.

Fnlda, 30. Dezember. In Hammelburg riß ein für die Weihnachtsschlachtung bestimmter Ochse seinem Führer auf dem Wege nach dem Schlachthause aus. Er stürmte gegen einen Uhrenladen und sprang durchs große Schaufenster in den Laden. Hier richtete das Tier in wenigen Augenblicken ein fürchterliches Chaos an. Der Schaden beträgt taufende von Mark.

Schlüchter«, 21. Dez. An dem hiesigen Lehrerse­minar beginnt am 18. Januar 1915 ein sechswöchent- licher Kursus für evangelische Pfarramtskandidaten.

»ringt das Gold zur Reichsbanl.

Soviel auch schon darüber geschrieben und gemahnt worden ist, die Goldmünzen, die noch so mancher in seiner Sparbüchse liegen hat, zum Besten der wirt­schaftlichen Stärkung des Reiches herauszugeben, und gegen Papiergeld einzutauschen, so steht doch fest, daß viele, sei es aus Unverstand, sei es aus kleinlichem und unpatriotischem Mißtrauen, das gesammelte Geld zurückbehalten. Sie begehen damit ein Verbrechen,' denn jedes Goldstück, das sie zurücklegen und der Reichsbank, für die es als Deckung für das Papier­geld den drei und vierfachen Wert hat, vorenthalten, hat für sie selbst nur einen eingebildeten höheren Wert als Papiergeld.

Wem darum zu tun ist, daß wir mit unseren Mitteln bis zum letzten Ende auskommen, wer einer Teuerung der Lebens- und Gebrauchsmittel vorbeugen will, wer das Reich in den Stand setzen will, reichlich und billig anzukaufen, der tausche sein Gold gegen Papier ein, das für ihn genau denselben Wert hat wie Gold. Haben doch vor 100 Jahren die deutschen Frauen und Mädchen ihr goldenes Geschmeide, ohne einen Gegen­wert zu erhalten, Angegeben, um das Vaterland zu retten. Darum, Ihr Frauen und Mädchen, laßt euch durch den Glanz des Goldes nicht bestechen, gebt es dem Reiche, für das Euere Angehörigen ihr Blut ver­gießen, Ihr bekommt dafür Papiergeld, das ganz den gleichen Wert hat. Darum, Ihr Kinder, gebt das

Gold aus euren Sparbüchsen und helft zu eurem Teile mit, den Krieg zu gewinnen. Bringt alles Gold, das noch in Eurem Besitz ist, den öffentlichen Kassen!

Noch»schärfer als bisher muß künftig der Kampf gegen die Goldau'käufer geführt werden, da gerade sie das Vaterland unerhört schädigen. Die Verordnung des Bundesrats vom 23. November d. J. verhängt Gefängnis bis zu einem Jahre und zugleich Geldstrafe bis zu 5000 Mk. falls jemand ohne Genehmigung des Reichskanzlers unternimmt, Reichsgoldmünzen zu eiuem ihren Nennwert übersteigenden Preise zu er­werben, zu veräußern oder solche Geschäfte über sie zu vermitteln, oder dazu auffordert oder sich erbietet. Besteht der Verdacht, daß Goldmünzen, zwecks Aus­führung in das Ausland, insbesondere das feindliche, aufgekauft werden, so kann gegen diese Personen ferner aus Grund der §§ 89 und 91 des Reichsstrasgesetzbuches oder der Zahlungsverbote gegen das feindliche Aus­land eingeschritten werden. Bei Ausländern wird auch ihre Ausweisung aus dem Staatsgebiete in Frage kommen.

Der Hinweis auf diese Strafvorschriften sei nicht nur eine Warnung für jedermann, Geschäfte mit Goldaufkäufern abzuschließen, sondern er rufe auch jedem die vaterländische Pflicht in das Gewissen, sich an der Ermittlung und Festnahme dieser Personen nach Kräften zu beteiligen. Für jede Anzeige, die zur Festnahme und Verurteilung eines Goldkäufers führt hat jetzt der Regierungspräsident in Potsdam eine Be­lohnung von 20 Mk. ausgesetzt.

Lurch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Immer noch im Kriegeszeichen zeigte sich das neue Jahr, während unser aller Hoffnung doch darauf gerichtet war, daß bereits zum Weihnachts­feste diese harte Zeit vorbei und im neuen Jahre Frieden rings in ganz Europa, --^-Allerdings mit stolzen Blicken sieht der Deutsche heute schon seiner Gegner Aussicht schwinden, ernstlich kann uns nichts mehr droh'n, und der Krieg, so schwer begonnen, hat schon jetzt uns dargetan, daß der Deutsche wie von jeher stolz und sicher auf dem Plan, daß es eine Sünde hieße gegen rechten deutschen Geist, wollte heute man noch zweifeln, wie dereinst der Sieger heißt. Zwar der Brite und Franzose heben den gesunk'nen Mut heute noch mit großen Reden, weil das ja nichts kosten tut, und weil jeder Volksgenosse, wenn er in die Zukunft lauscht, gerne sich an stolzen Phrasen und an ähnlichem berauscht. Unterdessen sieht im Osten man den Russen Zoll für Zoll auf der Karte rückwärts rücken und in London, heißt es, soll man bereits die Stirne runzeln, ja, es wird bereits erzählt, daß in England man es ein- sieht, daß man diesesmal gefehlt, daß das schmutzige Exempel, von Kanaillen ausgedacht, diesesmal verkehrt gerechnet und unlösbar drum gemacht. Sei es drum! im deutschen Volke herrscht statt dess' die Zuversicht, daß von unsern Feinden diesmal jeder seine Quittung kriegt, daß zu schwächlichem Vertragen diesmal keine Hand sich beut,Siegen oder Untergehen" lautet Deutschlands Wahrspruch heut.

Walter-Walter.

Der sterbende deutsche Krieger.

Todesmatt auf blut'gen Boden

Liegt der Krieger hingestreckt, Bleich die Wangen schwach der Odem Und von Wunden ganz bedeckt.

Er zog aus mit Kampfesmut, Doch es floß gar schnell sein Blut.

In dem Strahl der Abendsonne,

Reckte er sich noch empor, Sah nochmal mit Freud und Wonne

Unsre Tapfern stürmen vor.

Hörte noch den Siegesschall Betet' dann zum letztenmal.

Lebet wohl ihr meine Lieben Lebet wohl, zum letztenmal

Grüße ich euch von Hienieden, Bald bin ich im Himmelssaal.

Von des Lebens Not befreit,

Schütze Gott euch allezeit."

Lieber Vater in dem Himmel

Nimm mich zu dir in dein Reich,

Aus dem großen Schlachtgetümmel

Nimm mich zu dir, ach sogleich."

Und sein Auge schloß sich zu!

Geb ihm Gott die ewige Ruh.

Schlummer sanft du deutscher Krieger,

Ruh in Frieden Heldensohn,

Gott der Herr ruft dir einst wieder,

Legt dir bei die Ehrenkron, -

Die sein Wort versprochen hat Dem, der recht gekämpfet hat.

D. Gremm.