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Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
RwaioMaU Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird-Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. !
Nr. 1.
Freitag, den 1. Januar
1915
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auf das Bersfelder Tageblatt
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1. Viertelfahr 1915
oon allen Äußerlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Zum neuen Jahre!
Mit harmlosen Böllerschüssen hat man sonst das neue Jahr hier und da begrüßt, und sanfte Glocken- klänge schwangen sich ihm entgegen über Berg und Tal. Diesmal donnern die Kanonen der grimmen Feldschlacht, und die Glocken da draußen vor unsern Grenzen läuten Sturm, denn es ist Krieg! In Kriegsnot geht das alte Jahr zu Ende, in Kriegsnot tritt das neue seine Herrschaft an!
Und trotzdem geschehe der Jahreswende ihr altes Recht, uns zu einer kurzen Rückschau auf die vergangene Zeit und zu einem Ausblick auf die nächste Zukunft zu veranlassen. Liegt es ja doch so tief in der Menschenseele begründet, von Zeit zu Zeit sich innerlich zu sammeln, um aus gewisserhafter Rechen- sch^st über -Erreichtes "nd E^st^e-btes Zufriedenheit, Trost und Stärkung zu finden.
Keiner von uns hat vor einem Jahre ahnen können, daß die Morgenröte des Jahres 1915 vom blutigen Schimmer eines schon halbjährigen Weltkrieges durchfärbt sein würde. Denn jäh und gänzlich unvermutet brach das Unheil herein, die grausige Mordtat von Serajewo gab urplötzlich den Anlaß zur Zuspitzung der politischen Gegensätze, und trotz der lebhaften, aufrichtigen Friedensbemühungen Deutschlands- und Oesterreichs wurde mit unheimlicher Schnelligkeit fast ganz Europa in den wilden Strudel eines furchtbaren Weltkrieges gerissen.
Wir haben den Krieg nicht gewollt, des ist Gott Zeuge! Aber, „es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!" Böse Nachbarn hatte Deutschland gerade genug, allen voran England, dessen giftiger Neid gegen unsre beispiellose Entwicklung zur Weltmacht es zum Ränkeschmied auf dem ganzen Festland, ja auf der ganzen Welt stempelte. Heut wissen wir mit unwiderleglicher Sicherheit, daß der Vernichtungskrieg gegen Deutschland" eine seit langer Zeit zwischen unsern jetzigen Gegnern abgekartete Sache war, ja daß schon lange vor dem Meuchelmord von Serajewo dem eigentlichen Anstoß zum Kriege, russische Truppen mobilgemacht worden sind. Solchen fertigen Kriegsplänen gegenüber mußte freilich selbst die Friedensliebe unsers Kaisers erfolglos bleiben.
Hinterlist und Lüge sind die schmutzigen Waffen, mit denen unsre Feinde uns bisher am meisten bekämpft haben. Ungern, fast mit Ekel wehren wir uns gegen die tükischen Ränke und feigen Verleumdungen, denn so lieb dem waffenfrohen Deutschen von jeher ein ehrlicher Kampf mit ehrlichem Gegner war, so sehr verabscheut und verachtet er alles Boshaft-Feige, Tückisch-Gemeine. Doch auch in dem Kampf gegen die Lüge siegt allmählich die Wahrheit, und mehr und mehr erkennen die neutralen Völker, daß Deutschland der wahre Hort des Friedens, der Freiheit, des Rechts und der Redlichkeit ist.
Höchster Stolz und freudigste Zuversicht darf uns Deutsche erfüllen im Rückblick auf die Art, wie wir bisher alle Kxiegsuot gemeistert haben. Tage und Taten von weltgeschichtlicher Größe durften wir erleben, im Volk und am Feind hat Deutschlands Kraft und Seelengröße sich glänzend bewährt. Die froh- begrüßte Einigkeit des deutschen Volkes nach innen und außen, seine unverbrüchliche Treue zu Kaiser und Reich, die grenzenlose Opferwilligkeit aller für alle, die todesmutige Tapferkeit unserer sieggewohnten Truppen, die nenerwachte, gläubige Frömmigkeit im ganzen Volke, die wundervolle Organisation unsers Heeres, die überragende Feldherrnkunst unserer Führer, das sind einige der Gewalten, die bisher Ruhm und Erfolg an unsere Fahnen hefteten und nns auch einen glücklichen Ausgang des ganzen Krieges verbürgen.
Trauernd gedenken wir freilich auch der schweren Opfer, die der Krieg aus allen Schichten unsers Volkes bereits gefordert hat und noch fordern wird, aber uns tröstet der Gedanke, daß sie nicht umsonst fallen. Denn mit größter Zuversicht dürfen wir hoffen,
daß das neue Jahr uns den entgültigen Sieg über unsere Feinde und damit einen dauernden Frieden bescheeren wird. Möge dieser Frieden alle Wunden heilen, die der Krieg geschlagen, möge er ein Frieden der Freude, frohen Fleißes und glücklichen Erfolges werden zu Ruhm und Segen unsers geliebten deutschen Vaterlandes!
Bus der Heimat
*(D er B r i e f w e ch s e l zwi s ch e n d e n kriegführenden Länder n.) Infolge des Krieges ist der Briefwechsel zwischen den kriegführenden Ländern sehr erschwert worden und viele Personen ist es bis heute nicht möglich geworden, ihre Beziehungen zu Freunden und Bekannten wieder anzuknüpfen. Um ihnen zu helfen, hat das Internationale Esperanto- Bureau in Genf eine Briesvermittlungsstelle eingerichtet und seine Vertreter im Auslande angewiesen, öurchSammeln von Auskünften,AufsuchenvonAdressen und Weiterleiten der Briefe usw. sich an dieser Arbeit zu beteiligen. Das Bureau erklärt sich bereit, von jedermann offene Privatbriefe entgegenzunehmen, mit Ausschluß jeder Mitteilungmilitärischen oder politischen Inhalts, und wird sie weiterbefördern und, sofern nötig, übersetzen. Jedem Briefe sindzweiinternationale Antwortscheine beizulegen, die bei jedem Postamt erhältlich sind. Adresse: Internationales Esperanto- Bureau, Börsenstraße 10, Genf (Schweiz).
* Der Ressortminister hat bereits darauf hingewiesen, daß beim jetzigen Kriegszustande der deutschen Landwirtschaft die Pflicht erwächst, die zahllosen Oedländereien, die brach liegen, zur Anpflanzung zu verwenden. Aber es sind nicht bloß Oedländereien, die zu diesem Zweck benutzt werden können. Manche Privatgärten, die bis jetzt nur spielerisch behandelt worden sind, können in weit höherem Maße der Volksernährung dienstbar gemacht werden. Und vor allem sind es die Schrebergärten, die viel mehr noch, als es bis jetzt geschieht, oagü leisen könnten, Werte zu erzeugen, die dem Volksganzen zugute kommen. Das Augenmerk wäre vor allem auf Frühkartoffeln und Hülsenfrüchte zu lenken, die früher bei uns massenhaft gebaut wurden und auch bei trockenem Frühjahr gute Ernte versprachen. Aber auch für den Anbau von Gemüse jeder Art ist noch unbenutzter Raum genug vorhanden. Bezüglich des Oedlandes, das hisher aus irgend einem Grunde nicht bebaut worden ist, ist ganz klar, daß es sich nicht wahllos zu diesem oder jenem Zweck benutzen läßt. Hier hätten die Kriegs-Landwirtschaftslehrer eine höchst dankbare Aufgabe, wenn sie jetzt schon (wenn sie erst im Frühjahr anfangen ist es zu spät!) von Ort zu Ort gingen und feststellten, wo sich solche Ländereien befinden und in welcher Weise sie benutzt werden können. Von selbst läuft der Karren nicht. Hier muß ununterbrochen und unermüdlich Anregung und Anweisung gegeben werden. Lehrer und Pfarrer dürfen sich nicht für zu gut halten, die Kreis- und Ortsbehörden bei ihren Bestrebungen zu unterstützen, gilt es doch wirklich ein vaterländisches Werk, nämlich: zu helfen, daß wir durchhalten können, wie lange der Krieg auch dauern mag.
* (Handtücher für unsere Kämpfer im Felde.) Unsere Truppen sind bisher mit Handtüchern noch nicht planmäßig ausgerüstet worden. Wie nun der Chef des Feldsanitätswesens vom Großen Hauptquartier mitteilt, ist es erwünscht, die Liebesgaben- tätigkeit auch auf diesen Gebrauchsgegenstand auszu- dehnen. Man vermeide jedoch zu große und schwere Handtücher und sende kein Frottiergewebe. Zweckmäßig erscheinen kleine Gerstenkornhandtücher, 60 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit, die sich leicht im Tornister verpacken lassen. Spenden nimmt das Zentraldepot für Liebesgaben, Berlin W. 50, entgegen.
):( Hersfeld, 31. Dez. Ein Wandkalender für 1915 liegt der heutigen Ausgabe unserer Zeitung bei. Möge jeder Tag desselben unseren Leserinnen und Lesern nur frohe Stunden bringen, deren man sich gern und freudig erinnert.
):( Hersfeld, 31. Dezember. Mit dem e i s s t n e n K r e uz ausgezeichnet wurden: Unteroffizier Gott- behüt aus F r i e d e w a l d, und Gefreiter Beck aus H e r s f e l d (beide vom Res. Ins. Regt. 71,12. Komp.)
):( Hersfeld, 31. Dezember. Die letzte N u m m e r unserer Zeitung im alten Jahr gelangt hiermit in die Hände unserer Leser. Aus dem Gefühl der steten Dankbarkeit heraus, zu der wir uns durch das nie getrübte freundschaftliche Verhältnis zu unserem Leserkreise verpflichtet fühlen, sprechen wir auch heute an dieser Stelle: Habt alle Dank, die Ihr in ehrlicher, treuer Kameradschaft zu uns gehalten habt und weiter halten werdet! Durch ständiges Bemühen, in unserer Zeitung all' und jedem Ansprüche unseres Leserkreises gerecht zu werden, haben wir bisher diese Freundschaft zu vergelten versucht. Wir werden in dieser Aufgabe auch künftig nicht erlahmen! Ein neues Jahr zieht jetzt herauf, dunkle und heitere Lose birgt es in seinem Schoße: niemand vermag zu sagen, welche
Gaben es für einen jeden bereit hält. Möge, das ist unser Wunsch, das Jahr 1915 ein Jahr des Heils für uns alle sein. Möge es unserem schönen deutschen Vaterlande jenen stolzen endgültigen Sieg über seine Neider und Feinde bescheren, den wir alle erhoffen, damit das deutsche Blut, das diese Saat düngen mußte, nicht umsonst floß. Möge eine neue Zeit der Blüte und des Emporsteigens sich an die schwarz-weiß-roten Fahnen heften! Möge endlich jedem unserer Leser das neue Jahr" eine vollwertige Erfüllung alles dessen bringen, was als Wunsch und Hoffnung für sein eigenes Wohlergehen in diesen Tagen sein Herz bewegt. Das sei unsere aufrichtige, von ehrlichem Mitfühlen eingegebene Bitte an das Schicksal; und damit schließen wir den Jahrgang 1914 unserer Zeitung und wünschen unseren Leserinnen und Lesern unserer Stadt, nnserer Heimat und unserem Vaterlande
ein glückliches, frohes, gesegnetes nenes Jahr!
§ Philippsthal, 30. Dezember. Herrn Hauptmann von Rhö n e ck von hier wurde das eiserneKreuz erster Klasse verliehen.
Asbach, Kr. Hersfeld, 28. Dez. Der Arbeiter Heinrich Jakob aus dem benachbarten Kohlhausen wurde seit einigen Tagen vermißt. Der einige vierzig Jahre alte Mann war eines Morgens in der Frühe, als es noch dunkelte, wie gewöhnlich zur Arbeit nach der nah gelegenen Domäne Eichhof gegangen, war aber dort an der Arbeitsstelle nicht angekommen. Jetzt ist nun seine Leiche an der Mündung der Haun in die Fulda ausgesunden worden. Es muß deshalb angenommen werden, daß der Unglückliche in der Dunkelheit vom rechten Wege abgekommen und später bei dem Umherirren in den Fluß gestürzt und ertrunken ist.
Gilserberg, 30. Dezember. Das vierjährige Kind des im Felde weilenden Adam Thais in dem benachbarten Winterscheid stürzte in einem unbewachten Augenblick in einen Topf mit kochender Suppe und zog sich schwere Brandwunden zu. DieMutter des Kindes eilte mit.demfelben «ach dem-zwei Kilometer entfernten Lischeid, um es verbinden zu lassen; sie glitt aber auf einem Waldwege aus und stürzte mit dem Kinde so unglücklich zu Boden, daß sie sich einen Beinbruch zu- zog. Passanten nahmen sich der beiden Unglücklichen an und sorgten für deren Ueberführung in ihre Wohnung.
Malsfeld, 30. Dez. Heute morgen wurde an einer Ueberfahrtsstelle bei Altmorschen ein unbekannter älterer Mann von dem von Cassel kommenden Per- sonenzuge überfahren und getötet. Er wollte trotz geschlossener Schranke und trotzdem ihn ein Bahnbeamter durch Zuruf warnte, die Geleise noch vor dem herankommenden Personenzuge überschreiten. Die Ermttelungen ergaben, daß der Getötete ein Privatmann Karl Kohlig ist.
Gegen die Verzagten.
Der stellvertretende kommandierende General des 7. Armeekorps, General v. Gayl, schreibt den Zeitungen seines Korpsbezirks: Im Zeichen d^s gewaltigsten Krieges der Geschichte endet das alte Jahr seinen Lauf. Was wird an Ereignissen das neue bringen? Niemand weiß es. Das eine aber ist sicher: Der Sieg wird unser sein, wenn wir ausharren und weiter vertrauen auf unser Recht und die Krafk unseres Schwertes. Ist es wahr, daß dieses Vertrauen hie und da zu wanken beginnt, daß Schwarzseher am Werke sind, um in ihren Kreisen flau zu machen und die hohe Zuversicht zu dämpfen'? Sollte dem so sein, dann mag es mit aller Deutlichkeit gesagt werden: W e d e r j e tz t n o ch j e haben wir irgend welch cHI rsache, i m V e r- trauen auf den glücklichen A u s g a n a des Krieges uns beirren zu lassen. Vor 44 Jahren hat unser Schwert sieben Monate hindurch nicht gerostet. Heute aber sind die Verhältniße der Kriegführung, die Zahl der Kämpfer, die Ausdehnung der Fronten ins Ungemessene gewachsen und Feinde ringsum! Die Abrechnung mit ihnen, an der uns treue Verbündete helfen, ist aber wahrlich in bestem Gang. Im Sturm haben wir, dem Gebot der 9tot= wehr folgend, Belgien erobert. Unsere Truppen stehen unbezwinglich in Ost und West auf fremdem Boden. Unsere Schiffe sind der Schrecken der Femde. Ein Krieg freilich, in dem jeder Tag einen neuen Sieg brächte, in dem es keinen Wechselfall, keinen Rückschlag gäbe, wäre in der Tat ein merkwürdiger Krieg. Die beste Gewähr für einen glücklichen Ausgang ist der herrliche Geist unserer Truppen. Je näher an den Feind, desto stürmischer ihr Kampfesmut, ihre Begeisterung, ihr Wille zum Sieg. Und unter uns, die wir hinter der Front wie im Schatten des Friedens leben, sollte einer verzagen? Tue ein jeder in erhöhtem Maße seine Pflicht und helfe er vor allem wirtschaftlich mit äst der Stärkung unserer Kriegsrttstung. Dann dürfen wir alle mit fester Zuversicht auf den Sieg unserer guten Sache hinuvertreten ins neue Jahr. Gott schütze Kaiser unp Reich!