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Japan win nicht.

Der Frage der Truppenentsendung nach Europa steht Japan, wie bereits gemeldet, nicht sympathisch gegenüber. Folgende japanische Blätterstimme gibt Ja­pans Meinung wieder. Der Tokioer „Kokumin", ein volitisch itts Gewicht fallendes Blatt, sagt, wie die ',Voss. Ztg. erfahrt: „Japan ist ein unabhängiges Reich, und wenn es stch auch dem Bundesvertrag gemäß mit England an den Feindseligkeiten beteiligt hat, so hat es doch in bezng auf den Krieg in Europa keine Ver­pflichtungen. Die Frage wird oft so leichtfertig be­sprochen, als ob es stch darum handeln würde, indische Soldaten für die Verbündeten zu verwenden. Japan aber, als unabhängiges Land, rührt sich nicht anf Befehl irgend eines anderen Landes.

Die Abtretung der Insel Sachalin.

Die von der „Petersb. Tel.-Ag." dementierte Mel­dung, daß Rußland gegen Lieferung schwerer Geschütze und Beistellung der leitenden Artillerie-Offiziere die zweite Hälfte der Insel Sachalin an Japan abgetreten habe, wurde durch eine Reuter-Meldung aus Washing­ton bestätigt, wonach der dortige japanische Botschafter die amerikanische Regierung offiziell r ‘" ‘ - - - in Kenntnis gesetzt hat.

von dieser Tatsache

* * *

Eine französische Kolonne von Marokkanern geschlagen.

Aus Madrid wird der „Köln. Ztg." zufolge gemel­det, daß eine französische Kolonne bei Berry am Ober­lauf des Jnauenflusses durch Aufständische angegriffen wurde. Die Frauzosen zogen sich nach einem benach- barten verschanzten Lager zurück. Es sollen vier Offi­ziere und 78 Mann tot auf dem Kampfplatz gelegen haben. Die Aufständischen sollen neben mehreren Pro­viantwagen zwei Feldgeschütze erbeutet haben.

Anmarsch der türkischen Hanpttrnppen auf Batum.

Die „Südslavische Korrespondenz" meldet: Batum wurde von irregulären 3000 Kurden teilweise einge­schlossen. Der Anmarsch der türkischen Haupttruppen mit schweren Belagerungsgeschützen steht bevor. Ba­tum, eine Festung dritten Ranges, dürfte in kurzer Frist fallen.

Die Neutralen.

Hollands Kriegslasten.

Aus Amsterdam wird gemeldet: Nach einer offi­ziellen Statistik kostet der Kriegszustand in Europa das neutrale Holland seit dem 1. August ca. 500 Millionen Gulden. Die Kosten der Mobilisation sind dabei in diese Summe nur teilweise einbegriffen, ebenso der Schaden, den Handel und Industrie durch die veränderten Ver­hältnisse auf dem Festlande erlitten haben. Die Regie­rung wird demnächst erhöhte Kredite für 700 000 bel­gische Flüchtlinge auf niederländischem Gebiete ver­langen.

Beschlagnahme einer Nahrungsmittelsendnng für französische Kriegsschiffe.

Einer Meldung aus Venedig zufolge haben mehrere mit der Ueberwachung des Ausfuhrverbotes betraute Inspektoren der Finanzverwaltung in Venedig 40 Wag­gons, die mit Kartoffeln, Getreide und anderen Lebens­mitteln im Werte von mehreren Millionen beladen waren, angehalten. Die Sendung sollte auf ein nach Neapel abgehendes Schiff verfrachtet werden. Die Er­hebungen sollen ergeben haben, daß es sich um Liefe­rungen für französische Kriegsschiffe im Mittelmeer handelt. Der betreffende Spediteur wurde in eine Geld­strafe von 40000 Lire genommen.

StieflsalletleL

Der Dank der Kaiserin.

Es wird folgender Erlaß der Kaiserin veröffentlicht: Beim Jahreswechsel gedenke ich mit besonderer Innig­keit und Dankbarkeit aller, die im Vaterlande in Ein­mütigkeit und größter Opferwilligkeit mitgeholfen ha­ben, unseren tapferen Kriegern durch Liebesgaben und den Verwundeten durch sorgsame Pflege Erleichterung zu verschaffen. Die Staats- und Gemeindebehörden ha­ben Hand in Hand mit Vereinen und Einzelnen in nie rastender Arbeit sich bemüht, auch für die zurückgeblie­benen Frauen und Kinder zu sorgen und den vor dem Feinde stehenden Soldaten damit die Zuversicht zu ge­ben, daß in liebevoller Weise ihrer gedacht wird. Ich bitte, von der sonst üblichen Absendung von Glück­wünschen an Meine Person im Hinblick auf den Ernst der Zeit diesmal freundlichst abzusehen, in deutscher Treue auszuharren und weiter zu bauen an unseren Liebeswerken zum Segen des teuren Vaterlandes, bis zu einem ehrenvollen Frieden, zu dem uns Gott bald führen möge.

Berlin, den 27. Dezember. T „

Auguste Viktoria I. R.

Ein Hin-en-urg-Turm.

Gneisenaus Geburtsstadt Schildau im Bezirk Halle, die bereits ein Gneisenau-Denkmal besitzt, hat beschlos­sen, den ersten Hindenburg-Turm im Deutschen Reiche zu errichten.

Bestrafte Verleumder.

Straßburg, 30. Dezember. (T.-U.) Vor dem außerordentlichen Kriegsgericht hatten sich mehrere Per­sonen zu verantworten, die herabsetzende Aeußerungen über die Deutschen getan oder wahrheitswidrige Nach­richten verbreitet hatten. Das Strafmaß bewegte sich zwischen ein bis drei Monaten Gefängnis.

Angeblicher Hochverrat.

»^ London, 30. Dezember. (T-Usi .Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Manchester habe die Polizei dort in der schloßartigen Besitzung ettres reichen Industriellen eine vollständig ausgerüstete Station für drahtlose Telegraphie entdeckt. Der Industrielle fet un­ter dem Verdachte des Hochverrats sofort verhaftet wor­den und werde vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

Da das Blatt keinerlei Namen nennt, gewinnt es den Eindruck, als ob die Nachricht erfunden sei, um eine Erklärung für das unbemerkte Herannahen der deut­schen Kriegsschiffe bei ihrem jüngsten Handstreich zu haben.

Eine Londoner Bürgerwehr.

Wie aus London gemeldet wird, soll die zur Ab­wehr der deutschen Invasion zu bildende städtische Bür­gerwehr von Groß-London mindestens 150 000 Mann umfassen. Die Tuch- und Waffenfabriken arbeiten fie­berhaft Tag und Nacht, um die neue Truppe einkletoen und bewaffnen zu können.

Verurteilung eines englischen Kriegsgefangenen zum Tode.

Der englische Kriegsgefangene Stratzenbahnschaffner William ^onsdale, der vom Gericht der Inspektion der immobilen Garde in Berlin ^f^-/^"^n Angriffes npApH einen Vorgesetzten im Dienst vor veriamM^tier Mannschaft und im Felde zu öehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war, wurde am Dienstag infolge Be­rufung des Gerichtsherrn vom Oberkriegsgerich, des Gardekorps zum Tode verurteilt. Der Verhandlungs- führer wies in -er Urteilsbegründung darauf hin, daß er ebenso wie andere englische Kriegsgefangene die Be­

fehle der DWesetzken in verhöhnender Weise nachgeäfft und einen Vorgesetzten zweimal mit geballter Faust angegriffen hat. Der Angeklagte behielt sich die Erklä­rung vor, ob er Revision einlegen wolle.

Ehrenvolle Aufträge für Landesverräter.

»^ Paris, 30. Dezember. (WTB.) Laut „Jour­nal" beauftragte der Ministerpräsident Wetterlee, Weill, Langet, Reimer und Blumenthal festzustellen, welche von den in Frankreich befindlichen Elsaß-Lothringern echte Elsaß-Lothringer und welche Reichsdeutsche seien.

Die deutsche Kriegslage im Urteil des Auslandes.

Der Berliner Korrespondent oes „Stockholmer Dag- die Eindrücke, die er

blad" schildert in dieser Zeitung auf einer Autofahrt durch Belgo

........_____, ____„len und Nordfrankreich sammelte. Er war in Festungen, Städten und Dörfern, die von den Deutschen genommen wurden, hat die Schützengräben, Stabsquartiere und das große Haupt­quartier besucht und ist des Lobes und der Bewunderung voll über alles, was er gesehen hat, namentlich über den guten, kameradschaftlichen Geist der Truppen und die mustergültige Heeresorganisation.

Ueber die allgemeine militärische Lage sagte ihm eine gut unterrichtete Persönlichkeit, die auf dem Kriegs­schauplatz selbst die Entwicklung der Ereignisse verfolgt: „Die Versuche der Feinde, die Deutschen aus Frarrk- reich und Belgien zu vertreiben, sind mißlungen. Die Offensiven der letzten Tage sind vollkommen ergebnis­los gewesen, trotz der bedeutenden Verstärkungen, die die Verbündeten neuerdings erhalten haben, sind anch kaum Aussichten dafür vorhanden, daß künftige Vor­stöße bester gelingen sollten. Die Ueberlegenheit des deutschen Soldatenmatertals wird sich stets geltend machen und den deutschen Heeren den Erfolg sichern. Besonders zweifelhaft erscheint es, daß es den Russen im Osten gelingen sollte, an der Weichsellinie noch ein-

mal standzuhalten. Es ist unwahrscheinlich, daß sie neue Truppen einstellen können, da bereits alle zu Gebot stehenden Reserven an den Kämpfen und der Nieder­lage beteiligt waren. Ein Rückschlag zum Nachteil der Deutschen ist anscheinend auf keinem Kriegsschauplatz zu befürchten.

Das Amsterdamer „Haudelsblad" sagt bei Be­sprechung des Schlachtenberichtes des russischen General­stabes: „Wenn diese optimistischen Berichte die ganze Wahrheit darstellen, dann wäre es für die russischen Truppen unnötig, ihre Stellungen zu verlassen und sich hinter die innerste Verteidigungslinie von War­schau, wie der Petersburger Korrespondent der „Mor- ning Post" mitteilt, zurückzuzteüeu. Ebenso wenig brauchten die Russen dann, wie das gleiche Blatt an- kündigt, die Angriffe gegen Krakau einzustellen. Das „Haudelsblad" findet es bezeichnend, daß diese bedeu­tungsvollen Ankündigungen nicht von deutscher, sondern von englisch-russischer Seite selbst gemacht werden. Da­bei müsse man noch berücksichtigen, daß die Engländer die Lage der Russen selbstredend stets bedeutend besser als die der Deutschen hinstellen. Hervorzuheben sei ferner, daß gerade die „Morning Post" zu diesen wenig hoffnungsvollen sensationellen Eingeständnissen gezwun­gen ist, da dieses Blatt so ruhmredige Prahlereien in die Welt setzte, daß der russische Stab selbst kürzlich ein Dementi geben mußte."

Der militärische Mitarbeiter des „Corriere della Sera", General Gatti, läßt seit dem Erfolge bet Kutno der Strategie Hindenburgs alle Gerechtigkeit wider­fahren. In einem Rückblick auf die strategische Lage in Polen schreibt er u. a.:

„Die gewaltige polnische Schlacht scheint verworren, dunkel, voller Wechsel. Die Aktion sprang von Norden nach Süden, von Osten nach Westen. Die Truppen be­wegen sich liiert in einer bestimmten Richtung. Für einen oberflächlichen Blick scheint der Kampf das Werk unsicherer und fließender Kräfte, die eher Umstände aus­nutzen als neue zu schaffen verstehen. Tatsächlich aber ist er vom ersten Tag an trotz aller scheinbaren Abwei- chungen die Folge und die logische Entwicklung des er­sten Planes des Marschalls Hindenburg. Die von dem deutschen Führer dem Feind auf beiden Seiten der Weichsel beigebrachte ernste Schlappe bildet, ergänzt, verbessert und verstärkt immer noch das Rückgrat der Aktion. Wer verstehen will, wie sich die Lage der beiden Gegner auf der ganzen langen Front gestaltet, die von der Mündung der Memel bis in die Karpathen hinein- reicht, muß die kurze Strecke vor allem betrachten, die zwischen Lodz und der Weichsel liegt. Je nachdem es den Deutschen oder den Russen gelang, dort mehr oder weniger stark auf den Gegner zu drücken, ging die ganze Front vor oder zurück. Das Nervenzentrum der Schlacht lag in diesen 50 Kilometern beschlossen,- die Bewegung der weit entfernten Glieder waren nnr Rückwirkungen der Schläge, die in diesem Nervenzentrum geschlagen wurden. Als es den Deutschen gelang, die Russen hier zu durchbrechen, da fiel die russische Offensive, wie ein ins Gehirn getroffener Mann umfällt"

Vermischtes.

Wo das Goldgelb bleibt. Aus Zerbst (Anhalt) wird berichtet: Kommt da neulich morgens ein altes Müt- tercken aufs hiesige Postamt, um, den vielen Mahnun­gen zufolge, auch ihr Gold gegen anderes Geld einzu- tauschen Der Schalterbeamte ist natürlich gern dazu bereit, und nun packt das Mütterchen ein schweres Ta­schentuch aus dem Korbe und legt dem Beamten sage und schreibe 5000 Mark in eitel Goldstücken dahin. Er aibt der Frau 800 Mark davon zurück, da er nicht mehr Geld zum Einwechseln hat. Auf den. Rat eines Herrn geht das Mütterchen nun mit dem übrigen Gelde zur Landesbank, um auch dieses einzutauschen. Befragt, wie sie mit einem Male zu so viel Gold komme, entgegnete die alte Frau, das Gold habe sie schon so lange liegen, als ihr Mann tot sei, nämlich — 21 Jahre. Als man ihr riet doch nicht so viel Geld im Hause zu halten, wo es gestohlen oder auch durch einen Brand eventuell ver- nichtet werden könnte, lehnte die Frau mit dem Be­merken ab: „Ich will es man lieber mit zu Hause neh­men Es liegt ja dort schon so lange." Und.so tat sie auch _ Wie viele mögen denn noch sein, die so unvor­sichtig urw unwirtschaftlich aus reiner Aengstlichkeit auf ihrem „goldenen Strumpfe" schlafen?

Das Schicksal eines Jungen aus Rußland. Die Lei­densgeschichte eines vierzehnjährigen Jungen aus Ruß­land wurde vor dem außerordentlichen Kriegsgericht in Breslau aufgerollt, das gegen ihn. wegen Uebertre- tuna der Meldevorschriften für Auslander verhandelte. Der Junge, Reinhold Rüstock.mit Namen, stammt von deutschen Eltern, die aber in Rußland die russische Staatsangehörigkeit erwarben. Er wurde also eben­falls Rune. Kurz nach Ausbruch des Krieges wurden seine Eltern bei den Kämpfen um Kaltsch getötet. Da er sonst niemanden in Rußland hatte, -er für ihn sorgen konnte, entschloß sich der Junge nach Deutschland zu

wandern, mit einen älteren Bruder aufzusuchen, der in Hannover leben sollte. Nach langen Irrfahrten kam er endlich nach Breslau, wo er durch sein verwahrlostes Aussehen einem Polizeibeamten auffiel, der ihn fest- nahm. Er wurde sodann unter Anklage gestellt, weil er sich als Ausländer nicht rechtzeitig bei der Polizei ge­meldet hatte. In der Verhandlung vor dem Kriegs­gericht wurde Bezug genommen auf die entsprechende Anordnung des kommandierenden Generals, wonach sich zuziehende Ausländer binnen 12 Stunden bei der Polizei zu melden hätten. Durch die Hkwei&uifnaljme wurde aber festgestellt, daß der Junge sich erst acht Stun­den in Breslau aufgehalten hatte, als der Beamte ihn anhielt. Der Angeklagte wurde daher freigesprochen, aber von der Polizei in Schutzhaft genommen.

Ein eigenartiges Erlebnis wird aus dem Ge- fangenenlager zu Königsbrück berichtet: Eiu Landsturm- maun eitles sächsischen Grenadier-Regiments weilt zur­zeit hier im Gefangenenlager. Eines Tages wird er von einem Franzosen fortwährend beobachtet und schließ­lich mit einem „Guten Morgen, Herr Hensel" auge- sprochen. Der Landsturmmaun, gana verdutzt ob dieses deutschen Grußes setteus eines Franzosen, wird noch erstaunter, als ihm der Franzose erzählt: „Na, Sie sind doch der Herr Hensel aus Pirna, ich selbst heiße Rei- mami. Wir sind doch zusammen in die Schule gegangen und haben auf dem Hausberg gewohnt." Jetzt kann sich der Sachse entsinnen. So ist bemt seinerzeit dieser Ret- mann nach Frankreich anögewaudert, hat dort gedient und ist bei AuSbruch des Krieges eingezogen worden. Seine Gedanken waren stets: „Ach, könnte ich doch ge­fangen genommen werden, nur nicht auf meine alten deutscheil Freunde schießen zu brauchen. Und so ge­schah es denn auch. Er wurde gefangen genommen mtb sogar nach seiner sächsischen Heimat gebracht.

Rettung einer Regimentsfahne. Nachdem schon vor längerer Zeit die Fahne des 61. Infanterieregiments unter großen Gefahren durch einen Musketier des Re­giments gerettet worden war, ist anet) die Fahne des 01. Reserveregimeuts in einem Gefecht in Ostpreußen in der größten Gefahr gewesen, tu die Hände der Russell zu fallen. Wie dem „B. T." geschrieben wird, lag das Reserveinfanteriercgtmeut im heftigsten Granatfeuer und konnte keine aussichtsvolle Gegeubeweguug auS- sühren. Beim Vorgehen war auch der Fahnenträger des erstell Bataillons verwundet worbeu und mit der Fahne in der Hand zusammengebrochen. Er lag mitten im Kampffelde vor der Front des Regiments. Da das ganze Gelände vom Feinde besonders stark mit Ge- schvssell aller Art überschtttket wurde mtb ein Jusicher- Heitbringen der Fahne unmöglich schien, bestaub wenig Aussicht, das Ehrenzetcheu itod) zu retten. Auf einen Aufruf hin meldeten sich jedoch sechs Freiwillige, die den Versuch wagen wollten, die Fahne znrückzuholen. Von den sechs Mutigen kam jedoch nur ein einziger zurück,- aber er brächte die Fahne mit. Am Boden kriechend, in der einen Hand die Fahne, in der anderen sein Ge­wehr tragend, langte er bei den Seinen, mit Jubel be­grüßt, an. Aber auch er mußte feine mutige Tat mit einer Verwundung bezahlen. Ihm würbe die eine Hand durchschossen. Der tapfere Erretter der Fahne ist bet Monteur Wilhelm Petrowski aus Dauzig. Er erhielt für seine Tat das Eiserne Kreuz.

Wie Zriedrich der Große seinem Heere ;u Neujahr gratulierte.

Friedrich der Große war bekanntlich, wie der Kor­respondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, ein wahrhafter Soldatenkönig. Zwar hatte er für selbst den kleinsten Vorgang in feinem Staate Sinn und Fürsorge. Aber nichts lag Kim so am Her­zen, wie das Wohl seines Heeres und seiner Offiziere, für das er in zahllosen Armeebefehlen sorgte. Wie alles, was Friedrich der Große sagte und schrieb, hatten auch diese Armeebefehle eine besondere Prägung mtb einen besonderen Ausdruck. Am interessantesten werden heute diejenigen Armeebefehle sein, in denen er sich am Neu­jahrsfeste an seine Truppen wanbte. Zuerst sei ein Glückwunsch des alten Fritz erwähnt, den er im sieben­jährigen Krieg an sein Heer richtete. Am Neujahrstage des Jahres 1760 richtete er an seine Soldaten einen Armeebefehl, in dem er ihnen zu ihren bisherigen Siegen Glück wünschte und sie ermähnte, auch weiter auszu- harren, wenn auch noch schwereres bevorstände.

Der Befehl lautet ungefähr folgendermaßen: „Der König lassen seinen Soldaten zu Neujahr herzlich Glück wünschen. Die Soldaten haben bisher gezeigt, was sie können. Ihren Mut bewundern sogar die Feinde. Sieg­reich sind sie gewesen, und der König hoffen, daß die alte Tugend auch im Neuen Jahre fortleben werde. Ein Soldat kennt nicht schweres, was bevorsteht. Wen dieser Glückwunsch nichts angeht, der sehe zu, daß er ihm tm nächsten Jahre etwas ängstige. Das neue Jahr bringt neue Erfolge und den alten Geist!"

Auch an seine Offiziere hat Friedrich der Große bemerkenswerte Armeebefehle am Neujahrstag gerichtet. Ein derartiger Glückwunsch vom 1. Januar 1799 lautete folgendermaßen: Seine Majestät der König lassen allen Herren Offizieren zum neuen Jahre gratulieren und freuen sich, baß die Herren Offiziere dazu bisher stets allen Anlaß gegeben zu haben. Sie wünschen, daß auch in Zukunft stets Veranlassung jei, den Herren Offizieren zum neuen Jahre einen Glückwunsch darzubringen." Zwei Jahre später, am 1. Januar 1783, lautete der Armeebefehl des Königs ähnlich, wenn er auch einige humoristische Abänderungen anfwies: „Seine Majestät der König lassen allen Herren Offizieren ein gutes Neues Jahr wünschen, und werden sich freuen, wenn diejenigen sich bessern würden, die ein besseres neues Jahr nötig haben."

Eine Einschränkung zeigt der Armeebefehl vom Jahre 1784, denn in diesem wünscht er nicht mehr allen Offizieren, sondern nur noch den braven ein glückliches neues Jahr. Dieser Armeebefehl lautet: „Seine Ma­jestät der König lassen allen tüchtigen Herren Offizieren vielmals zum neuen Jahre gratulieren und wünschen, daß sich die anderen, die sich hiervon nicht getroffen fühlen können, in Zukunft derart führen, daß hinfttr Seine Majestät auch ihnen gratulieren könne."

Interessant ist die Tatsache, daß Friedrich der Große trotz seiner großen Aufgeklärtheit am Sylvesterabend sehr abergläubisch war. Er sprach am Sylvester kein Wort über Krieg und Heer und duldete auch nicht, daß in seiner Gegenwart davon gesprochen wurde, da dies ein schlechtes Vorzeichen sei und einen Krieg geradezu heraufbeschwören heiße.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar.