Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ~
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ^ISlnOtl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ' J ’
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Nr. 305
Donnerstag, den 31. Dezember
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Die amtlichen Bekanntmachungen beenden sich aus der letzten Seite.
Bestellungen
auf das
Bersfeider Tageblatt
werden für das
1. Vierteljahr 1915
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Aus der Heimat.
* (Ausfuhrbewilligungen sind rechtzeitig zu beantragen.) Die Handelskammer schreibt uns: Noch immer wird der Güterverkehr stark dadurch behindert, daß Güter, deren Ausfuhr verboten ist, zur Verladung und Weiterbeförderung angenommen werden, ohne daß die Ausfuhrbewilligung vorliegt. Diese wird mitunter erst bei dem Eintreffen der Güter auf der Grenzstation nachgesucht. Hierdurch entstehen für die Interessenten unnötige Kosten durch Lagergeld und durch die Notwendigkeit der Rückbeförderung oder der Ausladung auf der Grenzstation. Vor allem aber erschwert die Ansammlung zahlreicher • Wagen und Schiffe an den Grenzstationen den Verkehr in außerordentlicher Weise und entzieht ihm Transportmittel in einer Zeit, welche deren in noch erheblich höherem Maße bedarf als jede andere. Es ist daher dringend notwendig, daß Ausfuhrbewilligungen rechtzeitig beantragt werden. Wenn die Ansicht verbreitet sein sollte, daß die Ausfuhrbewilligung leichter zu erreichen ist, sobald die Ware schon verladen am Grenzort steht, so ist dem entschieden entgegen zu treten. Diese Erwägung hat auf die Entscheidung gar keinen Einfluß.
* (Haferflocken als tägliche Nahrung.) Die Verwendung von Haferflocken bei der Beköstigung der Gefangenen in den Strafanstalten ist vom Minister des Innern seit einiger Zeit allgemein an- geordnet. Auch sonst werden Haferflocken für die tägliche Nahrung zur Sicherstellung der Volksernahrung von den Behörden empfohlen. Insbesondere ist es den Verwaltungen der Gemeinden und Gemeindeverbände nahegelegt worden, für ihre Anstalten ähnliche Anordnungen in Erwägung zu nehmen, wie ur die Strafanstalten. Die Gemeinden sind auch veranlaßt worden, mit den Wohlfahrtseinrichtungen, dem Roten Kreuz, dem Vaterländischen Frauenverein u. a. wegen Verwendung von Haferflocken in den Volksund Notstandsküchen und ähnlichen Anstalten in Verbindung zu treten.
* (Warnung vor Urlaubs ü ber» schrettung.) Wie vorsichtig der Soldat bei Einhaltung seines Urlaubs sein muß, zeigte eine Verhandlung, die vor dem Casseler Kriegsgericht stattfand. Der Pionier I. hatte am 24. November bis zum Ende des Monats Urlaub erhalten, war aber erst am 2. Dezember zurückgekehrt. Als Entschuldigung gab er an, den Zug versäumt zu haben. Er mußte sich nun wegen unerlaubter Entfernung verantworten. Nach dem Gesetz mußte der Angeklagte zu der Mrndest- strafe von sechs Monaten Gefängnis verurteilt werden. Er soll jedoch zur Begnadigung vorgeschlagen Wer*e(SB eförderungenderUnteroffi ziere de rHalbinvaliden-Ab tei lunge n im Kriege.) Die Bestimmungen über die Beförderung der Unteroffiziere im Kriege sind auch auf die Unteroffiziere der Halbinvaliden-Abteilungen anzuwenden. Diese Unteroffiziere dürfen daher innerhalb der Zahl von vorhandenen planmäßigen Stellen der Formatlonen, bei denen sie Verwendung finden, die Gebuhrurye ihres Dienstgrades oder Dienstalters beziehen und wie die übrigen Unteroffiziere zu höheren Dienstaraden befördert werden. Mit der Uebernahme in solche planmäßigen Stellen scheiden sie natürlich aus dem Etat der Halbinvaliden-Abteilung aus.
* Aus dem Bereich der preußisch- b e s i i s ck e n E i s e n b a h n g e m e i n s ch a f t haben weitere 149 Eisenbahnbedienstete, somit bisher im ganzen 276, das Eiserne Kreuz erhalten. . ^^ Heldentod für Kaiser und Vaterland haben wertere 276, und bisher insgesamt 494 Eisenbahnbedienstete der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft gesunden.
»Bonden r u n d 750 h e s s i s H e n L e h r e r - krieg er» sind bis jetzt 68 den S«H“ Vaterland gestorben, während sich 60 das Eiserne Kreuz erworben haben.
* iGeaen die Verbreiter salfcher Gerüchte.) Das Generalkommando des 10. Armeekorps
in Hannover teilt uns durch das W. T. B. mit*: Verschiedene Vorgänge in letzter Zeit machen es notwendig, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß auch die Ausstreuung und Verbreitung nicht erweislich wahrer Siegesnachrichten bestraft wird. Sie sind in hohem Grade geeignet, die Bevölkerung zu beunruhigen und das Vertrauen in die Oberste Heeresleitung zu erschüttern. Gegen die Urheber solcher falschen Nachrichten wird unnachsichtlich vorgegangen und werden sie, wenn die Gesetze nicht eine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Die Verhängung einer Geldstrafe ist ansge- schlossen. In mehreren Fällen ist ein Strafverfahren bereits eingeleitet.
):( Hersfeld, 30. Dez. Eine befreundete Dame aus Amerika schreibt: In New-Aork ist seit Anfang Dezember ein großer Deutscher Wohltätigskeit-Bazar eröffnet, dessen Erlös für die Witwen und Waisen gefallener Krieger Deutschlandsund Oesterreich-Ungarns bestimmt ist. Wir bringen folgenden dem Brief beigelegten Zeitungsausschnitt zum Abdruck: „Äazar wirkt Wunder." Riesige Summen fließen in den Schoß der Wohltätigkeit. „Goldenes Buch." Amerikanerin wird durch Bazarbesuch „bekehrt". Was der „Herold" schon vorausgesagt, als der Bazar am letzten Samstag eröffnet wurde, wird sich allen Anzeichen nach bestätigen. Der Ueberschuß des großen Liebeswerkes in der Waffenhalle des 71. Regimentes zum Besten der K r i e g s n o t l e i d e n d e n in der a l t e n H e i m a t wird weit über Doll. 150,000 betragen. Das hat sich gestern bereits gezeigt, als das Finanz-Comite bekannt machen konnte, daß anr letzten Montag die Tageseinnahmen nahezu Doll. 8000 und die von gestern nahezu Doll. 15,000 waren. Und da von Tag zu Tag noch noch immer Stiftungen von größeren Beträgen gemacht werden, so wächst der goldene Strom zusehends an. E i n g o l d e n e s B u ch. Auf dem Bazar liegt jetzt ein „Goldenes Buch" auf, das dem Bazar sicherlich eine große Summe einbringen wird, da alle Namenseintragungen mit einer größeren Geldspende verbunden sind. Dieses goldene Buch, das von Herrn Louis Kaskel vom Arion verwaltet wird; wird später dem deutschen Kaiser übersandt. A m e r i ka n e r in bekehrt. Die Stimmung im Publikum beginnt pd) zu Gunsten der Deutschen ganz gewaltig zu andern. Und der Wohltätigkeits-Bazar der, jetzt in der Waffenhalle des 71. Regiments im Gange ist, wird zu diesem allgemeinen Gesinnungswechselbeitragen. Heute ging der Redaktion des Blattes ein Brief einer „Leipzigerin zu, in dem gar interessante Mitteilungen zu Kapitel gemacht werden. Diese Dame hatte zur Eröffnung des Bazars eine Amerikanerin mitgenommen, die kein Wort deutsch versteht, was der,Leipzlgerrn" d e B - fürchtung einflößte, die Dame wurde sich furchtbar ge- lanaweilt haben. Wie erstaunt war sie aber, als sie gestern bei einem Besuch in der Familie dieser Dame erfuhr daß sie ganz begeistert über den Edelsinn der Deutschen und Oesterreicher und über die Großartigkeit des Bazars war und den Veranstalternmit höchster Begeisterung alles Lob zollte. Weiter schreibt dieDame noch: Wir stricken jetzt ebenfalls für die deutschen Soldaten und hoffen, daß die Sachen gut nach Deutsch- land kommen. In manche Päckchen necken wir Karten mit Namen und auf die Rückseite schreiben wir einige Trostworte. Ihr seht wir können auch hier drüben helfen.
8 Äerskeld 30. Dezember. Es wird darauf auf- merkam «-macht, W es nicht statthaft ist B-- 5 1 „ach den okkupierten Teilen des fein».
Auslandes zu entsenden, um von diesen Nnbwaterialien Halbfabrikate usw. aufkaufen oder machen zu lassen. Alle im feindlichen Ans- la/de vorhandenen Vorräte verbleiben zur Verfügung des Kriegsministeriums. Ueber ihre Verwendung wird soweit eine Beschlagnahme stattgesunden hat, von hier aus Bestimmung getroffen.
w Ä^rsseld 30. Dezember. Mit dem Eisernen r ; kmvrde ausgezeichnet: Gesrt. Otto Manns im Kaiserin Augusta-Garde-Grenadier Rgt. Nr. 4.
Cassel 29 Dez. Die Schweineseuche herrscht zurzeit im Reaierunasbezirk Cassel in den Kreisen Cassel, Eschwege Fritzlar, Hofgeismar, Homberg, Melsim Hanau und Grafschaft Schaumburg, wo ne in • meinden mit 25 Gehöften auftritt.
Niedervellmar, 28. Dez. Am Heiligenabend unser Dorf durch Feuerlarm erschreckt. Die etaUuiiß des A. Schweinebraten war in Brand geraten. Zum Glück wurde das Feuer durch Nachbarn wwrt bemerkt, ehe es sich weiter ausdehnte. In den Flammen kamen zwei Ziegen und ein Schwein um. Die Entstehung des Brandes ist noch nicht aufgeklärt.
Ohrdruf 24. Dez. Am Montag nachmittag traf ein weiterer Trupp englischer Gefangener hier ein und fan^ im Gefangenenlager Ausnahme. Das Mllr- tärbarackenlager, das als Gefangenenlager,ert Krregs- beginn hergerichtet war, ist in der Hauptfache wieder
Gefangene in einer Kiesgrube beschönigt.
Eisen ach, 26. Dez. (Ein verdächtiges Auto.) Ein Automobil mit einem bayerischen Artillerieoberst und einem bayrischen Artillerie-Leutnant als Insassen ist der Spionage verdächtig. Der Chauffeur trügt eine Answeiskarte mit der Nummer 65 und nennt sich Botsch. EristamerikanischerKriegsfreiwilliger. Dies Auto ist sestznhalten unb dem Landratsamt Gera sofort telegraphisch oder telephonisch Bescheid zu geben.
Cisenach, 28. Dez. Das in der Nähe des Burschenschaftsdenkmals «richtete deutsche Burschenschaftöhaus, das eine Bausumme von zirka 100000 Mk. erfordert, ist noch vor Weihnachten im Rohbau vollendet worden. Ob die feierliche Einweihung des prächtigen Gebäudes im nächsten Jahre gelegentlich der Hundertjahrfeier der deutschen Burschenschaft stnttsinden wird, ist infolge der kriegerischen Ereignisse noch nicht entschieden.
Fulda, 26. Dezember. Da nun die Maul- und Klauenseuche and) noch unter dem Viehbestände des Fuhrunternehmers Joh. Kollmann hier ausaebrocben ist und somit unter zwei verschiedenen Viehbeständen in der Stadt herrscht, ist die Abhaltung der jeweils Sonnabend hier stattsindenden Schweinemärkte bis auf weiteres untersagt worden.
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Hana», 29. Dezember. In dem vom hiesigen Oberbürgermeister der Königl. Regierung zu Cassel erstatteten Bericht über die Einwirkung des Krieges auf das wirtschaftliche Leben ivird über die Arbeit losenuntersttttzung ausgeführt: Durch den Krieg ist die Schmuckwarenindustrie in ^^^^^^ in weitem Umfange lahmgelegt worden. Die Entlassenen wurden mit .Nvtstandsarbeiteu beschäftigt. Das Kontorper- sonal wurde auf den städtischen Dienststellen anstelle der Einberufenen beschäftigt. Grundsätzlich wird mit Notstandsarbeiten aus eiiwr Familie nur eine Person beschäftigt, ist die Familie sehr stark, auch mehrere.
Kann Deutschland durch tzuuaer besiegt werden?
Die Frage um? D ^tfchlands Lcbrnsmittclvtr sorgung im Kriege findet eine sehr beachtenswerte Beleuchtung in einer Schrift, die der Borstand der Abteilung für Landwirtschaft im Königlichen Bayerischen ^Ministerium des Innern, von Braun, unter obigem Titel erscheinen ließ. Er untersucht, als die wichtigste, zunächst die Frage der Brotversorgung, indem er genaue Berechnungen über die einzelnen Arten der wichtigsten Lebensmittel anstellt. Auf Grund dieser kommt er zu der Ueberzeugung, daß wir mit Brotgetreide auch bei längerer Dauer des Krieges ausreichen, „wenn 1. jede Verwendung zu gewerblichen und zu Fütterungszwecken unterbleibt, 2. der Weizen teilweise - durch Roggen, Gerste und Kartoffeln ersetzt wird, und 3. eine möglichst sparsame Verwendung durch höchstmögliche Mehlausbeute bei der Vermahlung stattfindet. Die Einhaltung dieser drei Bedingungen wollen auch die kürzlich veröffentlichen Verordnungen der Reichsregierung sicherstcllen.
Ministerialrat von Braun knüpft an diese Auseinandersetzungen folgende sehr beherzigenswerte
Mahnung: t k „
„Es wäre allerdings an der Zeit, daß Ernst gemacht wird, denn die Mahnungen, die von der Regierung und in der Presse an die Bevölkerung, gerichtet worden sind, haben bisher kaum einen Erfolg gezeitigt. Die Mehrzahl der Deutschen hat noch nicht so recht begriffen, das; wir in dem gigantischen Kampf gegen eine Uebermacht stehen, und daß dieser Kampf nur dann zu einem siegreichen Ende geführt werden kann, wenn alle Vvlksteile, nicht nur unser Heer, ihre Pflichten bis zum äußersten erfüllen. Nach dem ersten lähmenden Eindruck der Kriegserklärungen haben die glänzenden Erfolge der ersten KriegswoWen in weiten Kreisen eine Sorglosigkeit hervorgerusen, die zu unserer Lage ebensowenig pastt als ratlose Aengstlichkeit. Ein Teil der Bevölkerung glaubt, nachdem wir ja im Lande völlige Ruhe und Ordnung haben .... ebenso weiterleben zu können wie im Frieden, und läßt alle wohlgemeinten Ratschläge unbeachtet. Das ist eine Auffassung, die ernste Folgen haben kann. Es besteht, wie gesagt kein Anlaß, zu befürchten, daß wir ausgeyun^rt werden könnten, aber wir müssen der gewiß nicht leichten Lage, in der wir uns befinden, entschlossen und mit voller.Klarheit ins Auge sehen. Und wer das tut, kaun nicht im Zweifel sein, daß die sorglose Verschwendung des Weizens, wie man sie bis jetzt noch überall beobachten kann, nicht so weitergehen darf. Das Opfer, auf das feine Weizengebäck zu verzichten, ist im Verhältnis
feine Weizengebäck zu verzichten, i|t im VeryailNiS zu den unsäglichen Entbehrungen und Strapazen, die unsere braven Truppen ohne Murren ertragen, wirklich so gering, daß es sicher jeder Deutsche willig bringt, und es ist nur die Unkenntnis oder Gedanken- losigkeit, die eine Umkehr bisher verhindert hat."
I Wer Brotgetreide verbittert, versündigt | sich am Baterlailde u. macht sich strafbar. |