Die Seeschlacht im Schwarzen Meer. *
Ueber die russisch-türkische, SeeMacht im Schwarzen Meer erfahrt der Konstantinopeler Korrespondent des „B. T." folgende authentische Einzelheiten:
In der Nacht vom 23. zum 24. Dezember unternahm ein türkisches Kriegsschiff eine Kreuzfahrt im Schwarzen Meer, während zwei andere Kriegsschiffe vor Batnm lagen. Der türkische Kreuzer begegnete im Schwarzen Meer der gesamten russischen Flotte. Trotz der vielfachen Ueberlegenheit des Feindes nahm der türkische Kreuzer sofort den Kampf auf. Im Lichte der Scheinwerfer erfaunte der Kommandant, daß sich bei der russischen Flotte auch ein Minenleger befand, der, wie später festgestellt wurde, den Namen „Oleg" führte. Er wurde in den Grund geschossen. Auch das türkische Linienschiff „Rosstslam" wurde schwer beschädigt. Die übrige russische Flotte verlor sich in der Dunkelheit, und es gelang ihr, nach Sewastopol zu entkomme«. Später gelang es dem türkischen Kreuzer, in dem sich lichtenden Morgennebel noch einen zweiten russischen Minenleger „Athos" in den Grund zu schießen. Seine Besatzung, bestehend aus zwei Offizieren und dreißig Mann, wurde gefangen genommen, nach Konstantinopel unb dann nach Jsmid gebracht, wo sich bekanntlich bereits die hundert Gefangenen vom russischen Minenleger „Pruth" befinden.
Aus den Aussagen der Gefangenen geht hervor, daß die russische Flotte die beiden Minenleger, die mit Steinen und Dynamit beladen waren, nach dem Hafen von Sunguldak (dem Ausfuhrhafen für die Kohlengru- ben von Heraklea) bringen und dort versenken wollte. Da die türkische Flotte auf ihren Fahrten im Schwarzen Meer ihre Kohlen größtenteils aus diesem Hafen bezieht, hat das rechtzeitige mutige Eingreifen des türkischen Kreuzers die türkische Flotte vor einer schweren Schädigung bewahrt. Ein anderer Kreuzer hat inzwischen in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember Batnm erfolgreich bombardiert und die türkische Aktion zu Lande damit wesentlich unterstützt. Im Kaukasus schreiten die türkischen Truppen siegreich vor.
Man ist in Konstantinopel voll Bewurrderung für die Tapferkeit und Geschicklichkeit der Offiziere und Mannschaften des osmanischen Kriegsschiffes, das allein imstande war, den Kampf mit einer zahlreichen russischen Flotte aufzunehmen und die Minenleger „Oleg" und „Athos", zwei der russischen Freiwilligenflotte ange- hörige Schiffe, zum Sinken zu bringen. Die amtliche Mitteilung rief in ganz Stambul große Freude hervor.
Bevorstehender Angriff des verbündeten Geschwaders vor den Dardanellen.
«* Basel, 29. Dezember. (WTB.) Laut Baseler Nachrichten wird ein entscheidender Angriff des verbündeten, verstärkten Geschwaders vor den Dardanellen, das aus 40 Wimpeln, darunter 15 Dreadnoughts besteht, erwartet.
Ein Pariser Diplomatentraum.
Das „zerschmetterte Deutschland".
Unter dem Titel „Der morgige Frieden" erschien nach einer Meldung des „B. T." aus Rom in Paris eine Broschüre eines „Diplomaten", die den Geisteszustand eines Teils unserer Feinde in belustigender Weise beleuchtet. Nach diesem Zukunftstraum eines diplomatischen Tollhäuslers, der heute die Runde auch durch die italienische Presse macht, wollen die Verbündeten nach dem Siege (!) zu den Friedensverhandlungen keinen Vertreter Preußens, sondern nur Vertreter von neun verschiedenen deutschen Staaten heranziehen, da aus dem Deutschen Reiche sechs Königreiche, zwei Grotz- Herzogtümer und ein Herzogtum herausgeschnitten werden sollen, denen es verboten ist, sich zu einem Bunde zusammenzuschlietzen. Preußen geht in den angrenzenden Königreichen auf, Berlin wird „Freie Stadt", Frankreich geht bis zum Rhein und ein Stück in das Großherzogtum Baden hinein. Belgien erhält das Rheinland bis Cöln, Oesterreich wird zerstückelt, und die einzelnen Teile fallen an Rußland, Rumänien, Serbien, Montenegro und Italien. Böhmen und das stark beschnittene Ungarn werden unabhängig, und neben ihnen wird ein Großherzogtum Oesterreich hergestellt. Um die „Ordnung" und Zahlung einer Kriegsentschädigung zu garantieren, werden die Hauptstädte Oesterreichs und Deutschlands zwanzig Jahre lang mit feindlichen Garnisonen belegt! Wie auf dem Koutment, so ergeht es auch Deutschlands Kolonialreich und der Türkei, und England kann dann endlich in Ruhe seine trans- afrikanische Bahn vom Kap der Guten Hoffnung bis nach Kairo bauen. ,Jn Europa bleiben alsdann nur mehr vier Großmächte übrig: Frankreich, England, Rußland und Italien, ferner neunzehn Sekundärstaaten und sechs Kleinstaaten.
Englands Neid.
Die wahre Ursache der englischen Kriegserklärung.
Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, hat Herr Balfour am 12. Dezember in Bristol in einer Massenversammlung eingestanden, daß dieser Krieg durch Ursachen weit tieferer Natnr als durch irgendeinen besonderen und zufälligen Umstand veranlaßt worden sei. Die serbische und belgische Tragödie seien nur Episoden in einer viel größeren Tragödie und die in Flandern und Nordfrankreich begangenen Verbrechen waren nur Episoden in einem größeren Verbrechen gegen die Zivilisation. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, meint Herr Balfour unter diesem größeren Verbrechen den Aufschwung Deutschlands. Er sieht in dem Aufschwung Deutschlands seit 1870 die wahren Ursachen des deutich- englischen Krieges,' weil das erstarkende Deutschland sich nicht dem Machtspruch Englands beugen wollte, soll es vernichtet werden. Wie die „Nordd. Allg. Ztg. ferner mitteilt, gesteht auch ein Brief Bonar Laws an As- S offen ein, daß nicht der Schutz der belgischen Nennt das Interesse Englands an diesem Kriege begründet habe.
Kriegsalierlei.
Bildung eines deutschen Hilfskomitees zur Sammlung für den roten Halbmond.
städtische Kriegsfürsorgeaus-
^ Berlin, 29. Dezember. (WTB. ) Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet die Bildung eines deutschen Hilfskomitees zum Zwecke einer Sammlung für der roten Halbmond. Der Kaiser habe 40 000 Mark gestiftet und dies dem Sultan mitgeteilt. Der Dresdner Stadtrat spendete 5000 Mark, der städtische Kriegsfürsorgeausschutz in Chemnitz 1500 Mark.
Das Urteil gegen Konsul Ahlers endgültig aufgehoben.
tat Rotterdam, 29. Dezember. (T.-U.) Das Urteil gegen den früheren deutschen Konsul Ahlers in Sun- derland, der bekanntlich zum Tode verurteilt worden war, ist nach dem „B. L.-A." auch...... kassiert worden.
in letzter Instanz
Zehn Jahre Zuchthaus für einen
Landesverräter.
(T. U.) Wegen Käthner Wilhelm
** Königsberg, 29. Dezember. .
Kriegs- und Landesverrats ist der Katl. . Kogel aus Szalgtrren, Kreis Labiau, vom Krregsge u zehn Jahren Zuchthaus und zu Ehrverlust auf
6^W Dauer verureilt worden. Kogel hat nach dem & & «5 ^"Z"-Wohnort, dessen Umgegend die Rus- ihrem Einbruch in Ostpreußen aufsuchtem dem Feinde die Verproviantierung durch geeignete Winke zu erleichtern versucht.
Eiserne Kreuze für den Eisenbahnminister und den Reichsbankprästdenten.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der Kaiser hat dem Staatsmmister und Minister der öffentlichen Arbeiten Dr. Dr.-Jug. von Breitenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am weißen Baude mit schwarzer Fassung verliehen - Dem „Aktionär" zufolge hat der Kaiser Sein Präsidenten des Reichsbankdirektorinnis, von Havenstein, das Eiserne Kreuz am weißen Band mit schwarzer Einfassung verliehen.
Dänisches Lob des preußischen Militarismus.
- * N ^Kopenhagener „Politiken" schreibt der dünt- sche Schriftsteller Professor Karl Larsen über den dent- schen Militarismus. Er weist dabei auf die in diesem enthaltenen Kulturmomente hin und fährt dann fort:
„Unter anberem kann nicht stark genug betont werden, daß das moderne Dentschiand nicht allein das Deutschland Bismarcks und Moltkes ist, sondern anch das Deutschland Kants und Fichtes, daß seine Ahnen unter den höchsten Vertretern des deutschen Geisteslebens zu stutzen sind. Das dentsche Militärwesett hat Nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl beoentend vertieft durch die Forderuug der Opferung des eigenen Lebens, die es an jeden einzelnen vom Bürsten bis zum Tagelöhner stellt, sondern es hat namentlich die ererbten deutschen nationalen Geisteswerte im höchsten Matze popularisiert, anschaulich gemacht, sie unter die wehende nationale Fahne gestellt und verständlich gemacht, selbst für den Geringsten und Einfältigsten. Das Militärwesen hat altes deutsches Gold in rollende Münze umgeprägt, die der ganzen Nation dient. Die verschiedenen Völker können dem deutschen Militarismus gegenüber verschieden empfinden, rechnen müssen sie immer mit ihm als einer Geistesmacht."
Vermischtes*
Vom Kirchtum herabgcstürzt. Von dem 65 Meter hohen Aussichtsturme der St. Johanniskirche in Zittau sprang Montag abend ein gut gekleideter Mensch in die Tiefe, wo er mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Ueber die Person des Selbstmörders herrscht noch völliges Dunkel.
Der frühere Hofmarschall des Kaisers und Königs General der Infanterie a la suite der Armee, Freiherr Heinrich von und zu Egloffstein, geboren am 15. Juli 1845 zu Weimar, ist am Montag in Berlin gestorben.
Explosion einer französischen Sprengstoffabrik. Dem „Berl. L.-A." zufolge ereignete sich nach einer Meldung aus St. Gervais (Dpt. Haute-Savoyen) in der Spreng- stosfabrik von Cheddes, fünf Kilometer von Gervais, eine gewaltige Explosion. In dieser Fabrik wird der Sprengstoff Cheddesit hergestellt, der gegenwärtig in großen Mengen für die französische Armee erzeugt wird. Die Fabrik beschäftigte bisher etwa 500 Arbeiter, es sollten aber noch etwa 300 neue Arbeiter eintreten. Die Fabrik lieferte in letzter Zeit täglich bis zu 44 Kisten Turpinit an die französische Armee. Die französischen Militärbehörden bemühen sich, die Ursache des Unglücks zu verschleiern. Die offizielle Lesart geht dahin, daß durch das Platzen eines Geschosses zwei Arbeiter verletzt worden seien. In Cheddes werden aber keine Geschosse hergestellt und auch keine geladen. Die Fabrik verfertigt ausschließlich Sprengstoffe. Der Direktor der Fabrik soll vor einiger Zeit geäußert haben, er »räche sich auf Attentate auf die Fabrik gefaßt. In letzter Zeit wurde, da sich noch vor wen inen Tagen kleinere Explosionen ereigneten, das Gebäude besonders scharf bewacht.
3m Arlilleriefeuer am gfertanal.
Aus einem Feldpostbrief.
Am 1. Dezember abends bekamen wir den Befehl, uns fertig zu machen und gegen 12 Uhr nachts unser 3. Bataillon abzulösen. Im Augenblick waren unsere Affen gepackt und wir verkrochen uns wieder in unseren Erdhöhlen, bereit, jeden Augenblick abzumarschie- ren. Die Erdlöcher, unser eigenes Fabrikat, liegen ungefähr 1% Stunden hinter dem vordersten Schützengraben. Häuser zu beziehen, ist jetzt auf das strengste verboten worden, da sie von der feindlichen Artillerie fortwährend beschossen werden. Dieses Verbot ist eigentlich ganz überflüssig, denn beziehbar ist sowieso nichts Biet»
Um 10 Uhr herum machten wir uns auf den Marsch. Einer hinter dem anderen, ohne einen Laut von uns zu geben, gingen wir teils auf der Landstraße, teils über Felder dahin, und wir mußten aufpassen, daß wir nicht in eines der unzähligen Granatlöcher stürzten, bte der Regen alle in kleine Seen verwandelt hatte. Der Himmel war grau in grau, ägyptische Finsternis Herrichte um uns, und pfeifender Westwind trieb uns den Regen ins Gesicht. Es ist ein unheimlicher Anblick, solch . einen Zug sich lautlos durch die verwüstete Landschaft bewegen zu sehen, von der man nur die Silhouetten der zerschossenen Gehöfte und Bäume sehen kann.
Je näher wir an den Feind kommen, desto mehr mußten wir uns hüten, gehört oder gesehen zu werden. So waren wir ungefähr bis auf 200 Meter an den (Graben berangekommen, und der schwierigste Teil begann. Auf allen Bieren krochen wir durch den Schlamm; jeder Graben der Deckung bot, wurde benutzt, und wenn fein» Kugeln über das Feld fegten, warfen wir uns platt auf den Boden, ganz gleich, ob wir in einer Pfütze lagen oder im Morast. Aber das Glück war uns hold, unaeseüen und ohne Verluste kamen wir in den Graben, wo wir uns endlich verschnaufen konnten. Denn es ist keine'Kleinigkeit, mit gepacktem Affen bet Nacht und in solchem Schlamm zu laufen, wo man bis an die '""^Bts hierher'war nun eigentlich nichts Aufregendes dabei, denn dasselbe Schauspiel erleben wir jedesmal, wenn wir uns zur Ablösung begeben, nur daß wir manchmal noch Verluste dabei haben. Wir hatten uns aber kaum eine Stunde im Graben niedergelassen und eben mit Genugtuung festgestellt, daß der Schlamm wieder um einige Zentimeter gestiegen war, als das Theater begann. Nach unserer Schätzung mußten wohl drei feindliche Batterien in einer Entfernung von zirka 400 bis 500 Metern aufgefahren sein, die genau über die Lage unseres Schützengrabens informiert waren. Wie auf Kommando begann vom feindlichen Schützengraben (zirka 300 Meter Entfernung) ein allgemeines Maschinengewehr- und Jnfanteriefeuer, und zwar mit einer Schnelligkeit, wie es nur die Franzosen fertig bringen, denen da dieser sogenannte „Feuerttberfall" eigentümlich ist. Wir glaubten schon an einen „Infanterie- angriff, als es drüben in erschreckender Nahe viermal krachte. Heulend flogen die Granaten auf uns zu, und krachend platzten sie hinter uns, in einer Entfernung von zirka 50 Meter. Noch während die Granaten krepierten, ging es wieder drüben los: Rrum, Rrum, Rrum. beulend floaen die Granaten wieder herüber.
gleich barauf kamen wieder vier Schutz. Hatte die dritte Batterie geschossen, so begann wieder die erste, und immer näher kamen die Granaten. Endlich schlugen sie nur noch 2 bis 3 Meter hinter uns ein.
Wir alle hielten uns für verloren, unsere Ohren gellten uns von dem rasenden Feuer und die Luft war verpestet von den Gasen der krepierenden Geschosse. Wir preßten uns anf dem Boden des Grabens nicber; jeder, der den Kopf einen Augenblick über den Wall erhoben hätte, wäre verloren gewesen. Ueberall flogen die Sprengstücke und die aufgeworfenen Erdklumpen umher, und der Boden erzitterte wie in einem Erdbeben. Bald stürzte auch einer der mühsam erbauten Unter« stünde nach dem andern ein, und die darunter verborgenen Mannschaften mußten daraus flüchte», um nicht begraben zu werden. Auch Ich mußte aus einem der Unterstände, die ohnehiu keinen nennenswerten Schutz boten, fliehen und kroch halb aufgerichtet ein Stück den Graben entlang. Wieder hörte ich eine Granate her- anheulen, da bekomme ich plötzlich einen furchtbaren Schlag in den Rücken, der mich der Sattste nach in den Graben schleudert, wo ich wie zerschmettert liegen bleibe. Ich mufi wohl eine ganze Weile besinnungslos gewesen sein, denn als ich wieder zu mir kam, fand ich mich halb verschüttet und konnte mich kaum bewegen. Kenchend ging mir der Atem und aus Nase und Mund kam mir Blut. Doch das alles war vergessen, als ich unsere Artillerie schießen hörte. Die seindliche Artillerie nahm den Kampf mit der unseren auf. Wir alle wären uns am liebsten vor Freude um den Hals gefallen, als unsere Granaten über uns wegflogen, und eine wilde Begeisterung und Genttgtunng erfaßte uns, als wir sie drüben hageldicht einschlagen sahen.
Jetzt begann ein Artilleriesener, wie ich eS bisher noch nicht oft gehört hatte. Ein einzeluer Schuß war überhaupt nicht mehr zu unterscheiden. Immer neue Batterien beteiligten sich an dem Kampfe, und der Horizont leuchtete an allen Enden von dem Blitzen der Kanonen. Die Luft war wie von einem einzigen furchtbaren Donnerrollen erfüllt. Aber unsere Artillerie war offensichtlich starrer als die feindliche, deren Feuer immer schwächer würbe. Unterdessen hatten auch wir begonnen, uns au dem Feuer zu geteiltsten. Was nur aus dem Lauf ging, würbe hinttbergefeuert, bis der Lauf so heiß war, daß wir ihn nicht mehr halten konnten.
Als es Morgen würbe, verstummte das Feuer uach und nach und wir hatten Zeit, um uns zu sehen. Furchtbar war die Zerstörung, die die Nacht angerichtet hatte. Der Graben war vollstündig zusainniengeschvssen und dicht dahinter war ein Granatloch neben bem andern. Auch in dem Graben selbst waren mehrere Volltreffer eingeschlagen. Wir verbanden unsere Vcrwnudcten und schassten sie, so schnell es ging, noch während der Düni- merung nach hinten. Die Toten bedeckten wir mit Mänteln und Zeltbahnen. Am Tage reparierten wir den Graben, nur ab und zu würbe ein Schutz 'rübergefeuert, wenn ein Kopf sich zeigte.
Wieder sank die Nacht, und gegen 11 Uhr kam das 2. Bataillon, um uns abzulösen. Alles ging ungestört vor sich und wie wir gekommen, gingen wir wieder heimwärts mit bem frohen Bewußtsein, auf 48 Stuuden wieder mal Ruhe zu haben.
Unsere öanilölshunde im Felde.
Während man in der ersten Zeit größtenteils auf die Aussagen der Sanitütshnndeführer angewiesen war, wenn man sich ein Bild von der Wirksamkeit dieses neuen Zweiges der Verwundetenfürsorge machen wollte, mehren sich jetzt die Zeugnisse von Verwnndeten selbst, die ihre Rettung Sauitätshunöeu zu verdanken haben. So schreibt der Soldat Kurt H. aus einem Feldlazarett an eine Eltern: „Am 21. Oktober, nachmittags 5 Uhr 30 Minuten, wurde ich bet Bezeloire in Belgien durch einen Schrapnellschuß verwundet, welcher durch die Brust ging: es sind auch ein paar Rippe» gebroche». Dann habe ich fünf Stunden draußen gelegen mit offenen Wunden,' 10 Uhr 30 Minuten hat mich ein Sani« tütshund gefunden. Wenn er mich nicht gefnndeu Hütte, wäre ich verblutet. Dann kam ich ins Feldlazarett . ." Und ein anderer Verwundeter berichtet: „Ich wurde in der Schlacht bei St. Quentin durch einen Granatsplitter an Schultern unb Oberarm schwer verwundet. Ich hatte hinter einer Kornhecke gelegen und die Feinde beschossen. Hier blieb ich auch liegen, weil ich dnrch die großen Schinerzen und den starken Blütverlust ermattet war. Nachmittags 7 Uhr näherte sich mir ein Httnd — Airedaleterrier —, der mich beroch, bellte und dann wieder fortlief. Etwa zehn Minnten spüter kam der Hund wieder, gefolgt von Sanitütssoldaten, die sich meiner annahmen.
Ueber die Annäherung und das Bellen des Hnndes war ich trotz meiner Ermattung sehr erfreut, und ich habe das Bellen keineswegs als lästig enwfmtbeu. Obgleich mir nicht bekannt war, daß im Sanitätsdienst suivde verwendet werden, habe ich mir bei der An- nühernng des Tieres gesagt, daß Menschen in der Nähe sein müßten, die mich finden werben." Und noch ein rührendes Zeichen von Dankbarkeit eines durch einen Sanitätshuiid Geretteten sei mitgeteilt, das ein Führer erzählt: „Ich kam mit meinem Hunde durch den Garten des Garnisonlazaretts. Am Wege saß ein Soldat, anscheinend kaum erst von schweren Wunden genesen. Er gibt ein Zeichen, für einen Augenblick heranzukvm- men. Das Sprechen wirb ihm schwer, kaum ist er zu verstehen. Er habe eine Bitte auf bem Herzen, eine „große Bitte", wie er sich auSbrüctt: Er mochte einmal den Hund streicheln, denn den Sanitätshustiden verdanke er sein Leben. Bei Reims ist es gewesen, im bieten Unterholz, wo ihn die feindlichen Kugeln trafen. Er lag mit seinen beiden Kameraden gerade auf Vorposten, da platzte das Schrapnell über ihnen. Die beiden anderen waren sofort tot. Er selbst aber wurde durch Brust und Leib geschossen. Die Stunden vergingen, doch keiner kam, dies armselige Leben zu retten. Die Nacht brach herein und die letzte Hoffnung auf Rettung schwand, und in sein Schicksal ergeben, sah der Aermste einem qualvollen Tod entgegen. — Da horch! Von zwei Seiten zugleich nahten dunkle Schatten: zwei Sanitätshunde hatten ihn gefunden! Leise, wie sie gekommen, verschwanden die treuen Helfer, um ihre Führer zu holen. „Genau so wie ihr Hund haben sie ausgesehen, mit denselben klugen, treuen Augen sahen sie midi an, als sie mich gefunden, meine Retter," sagte er mit Tränen in den Augen. „Deshalb wollte ich ihren Hund so gern einmal streicheln." Und merkwürdig, der Hund, der sich sonst von keinem Fremden „außer Dienst" anfassen läßt, hält ganz still, als wüßte er, um was es sich handelt, als wäre er sich seiner großen Aufgabe bewußt, die er zu erfüllen habe.--
Dies sind nur ein paar Zeugnisse, aber sie sagen doch so viel. Das Ziel muß aber sein, schließlich alle Sanitätskompagnien mit Sanitätshunden auszurüsten, wozu jeder beitragen kann, der willig ist, eine kleine Spende für die Beschaffung geeigneter Suchbnnde und für die Ausbildung und Ausrüstung der Führer zu geben. Geldsendungen nimmt für diesen Zweck gern entgegen die Meldestelle Berktn des „Deutschen Vereins für Sanitätsbuude". Berlin SW. 68, Zimmerstraße 7.