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Russische Nachhutkämpfe in Galizien

Weihnachtsfeier im Großen Hauptquartier. Der türkische Seesieg im Schwarzen Meer. Ein französischer Diplomatentraum.

[ Aus dem großen Hauptquartier ]

0,* Großes Hauptquartier, 28. Dezember, vormit­tags. (Amtlich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei Nieuport erneuerte der Feind feine Angriffs- versuche ohne jeden Erfolg. Er wurde dabei durch Feuer vom Meere her unterstützt, das uns keinen Schaden tat, dagegen einige Bewohner von Westende tötete und ver­letzte. Auch ein Angriff des Feindes gegen das Gehöft St. Georges, das er in seinen offiziellen Mitteilungen als in fehlen Händen befindlich bezeichnet hat, scheiterte.

Südlich Npern wurde von uns ein feindlicher Schützengraben genommen, wobei einige Dutzend Ge­fangene in unsere Hände fielen. Mehrfache starke An­griffe des Gegners in der Gegend nordwestlich Arras wurden abgewiesen. Südöstlich Verdun wiederholte der Feind seine Angriffe ebenfalls ohne jeden Erfolg. Das Gleiche war der Fall bei seiner Absicht, die gestern um­strittene Höhe westlich Sennherm zurückzugewinnen.

Oestlicher Kriegsschauplatz

Ostpreußen nnd Polen nördlich der Weichsel nichts neues. Auf dem linken Weichselufer entwickeln sich un­sere Angriffe trotz sehr ungünstigen Wetters weiter.

Oberste Heeresleitung.

[ Vom österr.-ungar. Generalstab *

** Wien, 28. Dezember. (WTB.) Amtlich wird verlautbart, 28. Dezember, mittags: Nördlich des Duklapasies wichen unsere Truppen dem Angriffe der Russen in Stellungen am Karpathenkamme aus. Zwi­schen Biala nnd Dnnajec im Raume nördlich Zakliczyn, wurden sehr heftige Angriffe des Feindes abgewiesen. Sonst hat sich auf dem nordöstlichen Kriegsschauplätze an unserer Front nichts wesentliches ereignet. Im Sü­den herrscht, von einigen Grenzplänkeleien abgesehen,

vollkommene Ruhe. Die Serben sprengten wieder Semliner Brücke.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Ueber die neue Schlacht in Polen

die

gte die russische Front in der deutsch-österreichischen

wird der „Tgl. Rdsch." von militärischer Seite geschrie­ben: Die neue Schlacht, die sich auf der ganzen Ostfront entwickelt hat, nachdem die Russen sich in vorher ange­legten, befestigten Stellungen zu einem neuen Wider­stände aufgerafft haben, unterscheidet sich von der ersten großen Schlacht in sehr wesentlichen Zügen, die erst recht den großen Sieg Hindenburgs über das russische Heer trotz aller „Warnungen" des russischen Generalstabes erkennen lassen. Das Wesen eines Sieges besteht be­kanntlich darin, daß der Feind gezwungen wird, sich weiter in das Innere seines eigenen Landes zurückzu- ziehen. Die erste Schlacht zeigte die russische Front in ihrer ganzen Ausdehnung an der deutsch-österreichischen Grenze von Mlawa bis weit über Krakau hinaus. Die neue Schlacht zeigt aber bereits eine wesentlich ver­kürzte Front des russischen Heeres, die nicht, wie der russische Generalstab verbreitete, das Ergebnis des freien Entschlusses der russischen Behörde ist, sondern lediglich darauf beruht, daß infolge unseres Sieges der rechte russischen Flügel durch Flucht und Rückzug stark zusammengedrängt worden ist.

Die Kämpfe haben jetzt auf dem rechten russischen Flügel im Bsura-Rawka-Abschnitt begonnen, der nicht weniger als 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist und zwischen Lodz und Warschau sich aus- dehnt. Die Oesterreicher, die an unserem rechten Flügel stehen, liegen im Kampf mit den Russen an der Nioa, einem rechten Nebenfluß der Weichsel. Ein Druck des deutschen Heeres auf den rechten Flügel erfolgt anschei­nend in südöstlicher Richtung. Unsere Truppen haben bereits teilweise die Rawka, die im Gouvernement Pe- trikau entspringt und in die Bsura mündet, soweit selbst diesen Fluß überschritten und drängen das russische Heer an die Weichsel ab. Der Druck auf den russischen linken Flügel, der von den österreichischen Truppen ausgeübt wird, erfolgte von der Linie Neusandec-Krosno aus. Ob es den Russen gelingen wird, ihren rechten Flügel

Verstrickt.

Roman von A. von der Elbe.

4) (Nachdruck verboten.)

Es war der Sohn einer Schwester ihres verstorbe­nen Mannes, Werner Brüggen, der früher wie ein Kind des Hauses bei ihnen gehalten worden war. Sein Vater, ein Verschwender, war aus dem Leben geschie­den, nachdem er das Vermögen seiner Frau durchge- bracht, die Mutter war bald gestorben: so wurde Wer­ner, ernster geworden durch die traurige Jugend, vorn Onkel Turnau unterstützt und erzogen. Jetzt war der junge Mann 30 Jahre alt und Assistenzarzt in einem Berliner Krankenhaus.

Nach der Abendunterhaltung mit dem Bruder sah Josefine, in Nachdenken verloren, in ihrem Zimmer am Kaminofen. Sie hatte ihren weichen rotseidenen Schlaf- rock umgelegt und sich tief in einen Armstuhl gedrückt.

Richards Bemerkung, datz Hermann Eggeruck sich für Adele interessiere, beschäftigte sie. Ihr Bruder war arglos, es mußte also ein deutliches Wohlgefallen her­vorgetreten sein.

„Dies Kind — dies dumme, kleine Mädchen" — wrach sie le»e vor sich hin. Allein sie hatte oft die Be­merkung gemacht, daß alternde Männer sich der frische- I^^^"6euö zuwenden. In diesem Falle konnte eine Verbindung keinen von beiden Glück bringen. Adele war ebenso lebenshungrig, ebenso freiheitsbedürftig, wie sie selbst es gewesen war.

, Verstimmung bemächtigte sich ihrer, ein wunder- !iÄ!miNhl. War es Neid auf die unberührte Mäd- chenblüte. Sie wollte nichts — gar nichts mehr von Augeudgeliebten: sie mit der klaren Erkenntnis, daß sie nie zu einander gepaßt hätten, mit ihren Lebens- eritmerungen, ihrem kranken Körper, nein — nein _ a&er er beschäftigte und interessierte sie gegen ihren Willen, und sie nahm an, daß sie Wie zu lM habe,

nach Warschau zu bringen, ist nach dem Stande der Schlacht recht fraglich.

In der feindlichen Presse wird schon auseinander­gesetzt, daß Warschau nur eine sehr geringe Bedeutung habe. Nach bisherigen ähnlichen Vorgängen kann man annehmen, daß Warschau darum sehr gefährdet sein muß, denn es ist während dieses ganzen Krieges die Eigenart unserer Feinde gewesen, bedeutende Festun­gen, wie z. B. Antwerpen, die von unseren Truppen genommen werden, als unwichtig für den Verlauf des Krieges hiuzustelleu. Einige englische Zeitungen er­klärten, daß die russische Behauptung, ihre neue Front sei freiwillig gewählt, zwar als töricht angesprochen werden müsse, daß aber die neue Stute eine wirkliche strategische Verbesserung öarstelle. Sie schweigen aber darüber, wie weit die verkürzte Front der größeren Ge­fahr einer Umfassung ihrer Flügel ausgesetzt sei. Nach der Lage der Dinge können wir dem Ausgang der neuen Schlacht in Polen mit größter Ruhe entgegensehen.

Und dann ist die Hauptsache nicht aus dem Auge zu verlieren: Die Westmächte erhofften ihre Rettung von einem Ueberfluten Ostdeutschlands durch die Russen. Das war der alleinige Zweck der russischen Angriffe: Im Augenblick, da die Gesamtfront ins „Innere zurück- genommen" wurde, gaben die Russen doch auf, die West­mächte durch Voranfahren der russischen Dampfwalze zu erretten! Als wir Anfang September unseren rech­ten Flügel von Paris weit „zurücknahmen", gaben wir den Zweck, den Gegner niederzuringen, noch nicht auf: die Russen aber mußten unbedingt jetzt und nur jetzt voran, denn ihr Voran soll ja die Not der Westmächte beenden. ©in „defensives Rußland" kann den West­

möchten nicht helfen.

Frankreichs Hoffnung auf japanische Hilfe.

^ Zürich, 29. Dezember. Der Pariser „Temps" versichert nach der „Köln. Ztg.", die japanische Parla­mentskrise stehe zu der äußeren Politik in keiner Be­ziehung. Die Erklärung des japanischen Ministers des Aeußern, daß keine Macht die Entsendung japanischer Truppen nach Europa verlangt habe, bedeute lediglich, daß Japan noch kein amtliches Ersuchen dieser Art er­halten habe. Der „Temps" erklärt dagegen, daß be­stimmte diplomatische Besprechungen über eine bewaff­nete Intervention Japans in Europa gegenwärtig fort­

gesetzt würden.

Von der Schweizer Grenze erführt die „Frkf. Ztg.": Die Enttäuschung der Franzosen über die russischen Schlappen in Polen hat den Gedanken der Berufung japanischer Hilfstruppen nach Europa neu belebt. In der französischen Presse mehren sich die Stimmen, die

n

te

für die Einleitung rascher Verhandlungen mit Japan eintreten. Die abwinkende „Reuter"-Note wird dabei in gereiztem Tone erwähnt und zurückgewiesen. Ueber- Haupt ist beachtenswert, daß in einigen dieser Artikel eine gewisse Verstimmung gegen England zum Aus­druck kommt, da dieses nicht genügend berücksichtige, wie sehr Frankreich unter dem Kriege zu leiden habe. Herv6 führt in einem von der Zensur stark zerzausten Leitartikel der „Guerre Sociale" aus, das Volk verstehe nicht, warum nicht das Unmögliche geschehe, um die Deutschen zu besiegen. Deutschland, das als erstes Land der Welt anerkannt werden müsse, soweit industrielle Kühnheit urft methodischer Geist in Frage komme, sei wohl imstande, den Krieg noch ein Jahr länger hinzu­ziehen als man jetzt in Frankreich glaube. Das fran­zösische Volk in seiner großen Mehrheit werde lieber Japans Hilfe durch Abtretung ferner Gebiete erkaufen, als noch ein Jahr länger die Leiden des Krieges er­tragen. Der Abgeordnete Millevoye erklärte in der „Presse", jetzt sei nicht der Augenblick, über Rassenfragen zu philosophieren. Heute sei der Japaner, der Frank­reich Hilfe biete, als Bruder zu betrachten, währeird der Deutsche der verhaßte Feind sei.

Die französischen Verluste.

«-£ London, 29. Dezember. Reuter meldet nach der „Frkf. Ztg." aus Boulogne: Offiziere erklärten, daß der Kampf in den letzten Tagen gerade so heftig gewesen sei wie in den heißesten Epochen der großen Schlacht von Bpern vor sechs Wochen. Bei einer Bestürmung der feindlichen Laufgräben müßten die Mannschaften die eigenen Laufgräben verlassen und über ein kahles, flaches Gelände von etwa 200 bis 400 Meter Länge unter einem mörderischen Artillerie-, Maschinengewehr- nnd Gewehrfeuer hindurchlaufen. Wenn der Sturm vorüber sei, sei das Terrain zwischen den Laufgräben mit Getöteten bedeckt. Ost höre man von den Leuten, daß sie in einer halben Minute zwei- oder dreimal getroffen worden sind. Die Verluste an Sanitätsoffizieren und Ambnlanzpersonal seien ebenfalls grotz.

um ihr diesen fast zwanzig Jahre älteren Mann zu wünschen, den sie einst verschmäht hatte, und der als ein Pedant, der er war, den "fröhlichen Schmetterling, die liebe Kleine, nie verstehen und beglücken würde.

Noch lange saß sie nachgrübelnd und ihr Leben überdenkend, bis sie sich endlich fröstelnd zur Ruhe legte.

2. Kapitel.

Frau von Bernhammer beabsichtigte nicht in früher Stunde zu reisen, sie scheute die Morgenluft, schlief gern lange und ließ die letzten Vorbereitungen mit Ruhe betreiben. Sie wollte die Nacht in Berlin bleiben und von da mit einem D-Zug nach dem Süden fahren.

Leise trat Josefine zur Schwägerin ins Zimmer. „Ich hörte schon, daß es Dir leidlich geht, beste Lydia."

Seufzend richtete sich die Kranke aus ihrer liegen­den Stellung auf: „Es ist Euch bequem, daß mir nichts fehlt," erwiderte sie mürrisch.

„Wann darf Adele Dir Lebewohl sagen?"

„Auch den Schmerz muß ich noch ertragen! Bitte geh' und sage ihr, sie möge sich beim Abschied beherr­schen."

Josefine verließ das Zimmer, um die gespannt war­tende Adele herbeizuholen. Als sie mit dem Mädchen zurückkam, eilte dieses scheu und verlegen zur Mutter, kniete neben ihr nieder und umfing sie zärtlich mit beiden Armen. Feuchten Blickes zu ihr aufsehend, sagte sie: „Liebe Mama--ich darf doch an den Wagen kommen?"

„Latz, latz, Du hast kein Talent mit Kranken nmzu- gehen, Du bist viel zu stürmisch."

„Verzeih'." Die Arme des liebevollen Kindes san­ken herab. „Wann kehrt Ihr diesmal zurück? Suse sagte, sie wisse es nicht."

„Da hat Deine Schwester recht. Es hängt alles von meiner Gesundheit und den Aerzten ab." Und dann tickte sie das Mädchen mit einem Wchjjgen Kuß ans

Deutsche Erfolge im Oberelsatz.

»-£ Zürich, 29. Dezember. (T. U.) Die „Tages­zeitung" meldet nach der „Dtsch. Tgsztg." von der el- sässischen Grenze: Die Räumung der elsässischen Grenz- bezirke vom Feinde schreitet fort. Oberhalb Markirch auf der Höhe von St. Die wurden die Franzosen gegen Geradmer zurückgedrängt. Der Bahnhof von St. Leou- tzard, ein wichtiger Stützpunkt für die Franzosen, ist von den Deutschen besetzt worden. Um die Stellung wurde heftig gekämpft. St. Leonhard liegt auf fran­zösischem Boden und man beherrscht von dort aus die Vogesen nach der deutschen wie nach der französischen Seite hin.

Wie die „Baseler Nationalzeitung" berichtet, darf die französische Offensive im Sundgau, der deutscherseits so heftig begegnet wurde, als gescheitert betrachtet werden.

Der Kampf an der User.

s-r Berlin, 29. Dezember. (WTB.) Der Kampf an der User ist zur Zelt heftiger als je. Ein Offizier der Verbündeten sagte zu einem Korrespondenten: Wir müssen jetzt vorrücken, koste es, was es wolle. Die Ver­luste der Verbündeten feien ungeheuerlich. Der Times zufolge hätten die Deutschen zu Weihnachten eine Stunde hindurch Fourues, das belgische Hanptquartier, bom­bardiert.

s-^ Von der holländischen Grenze, 29. Dezember. Die Londoner „Times" melden nach der „Köln. Ztg.", die Deutschen hätten am ersten Weihnachtstage Venrue, das belgische Hauptquartier, beschossen. Die meisten Ge­schosse seien, ohne Schaden anzurichten, ins Wasser ge­fallen, ein Haus sei zerstört, eine Frau getötet worden. Frankreich schickt die Landsturmreserven in die Front.

»^ Mailand, 29. Dezember. (WTB.) Nach dem Corriere della Sera schickt Frankreich jetzt den größten Teil seiner Landsturmreserven von den Uebungsplätzen des Südens in die Front.

Feindliche Flieger über Dieuze.

$-£ Dieuze (Lothringen), 29. Dezember. (T. U.) Gestern erschienen zeitlich getrennt zwei feindliche Flie­ger über der Stadt. Der eine warf nach dem „B. T." über Saline und Gaswerk Bomben ab, wovon eine in die Saline fiel und einen Arbeiter tötete.

Weihnachtsfeier im Orotzen Hauptquartier

Die „Köln. Ztg." meldet aus dem Großen Haupt­quartier vom 25. Dezember:

Die Weihnachtsfeier im Großen Hauptquartier war ebenso einfach und schlicht, wie eindrucksvoll. Der Kai - s e r wollte das Fest inmitten der Soldaten begehen, die zum Hauptquartier gehören. Dazu bedürfte es eines sehr großen Raumes, da Gabentische für etwa 960 Per- sonen aufgestellt werden mußten.

Die weite Halle war über und über mit Tannengrün geschmückt, so daß nirgends von der Decke und Wand etwas zu sehen war. Jeder Mann, vom Kaiser bis zum schlichten Landwehrmann, fand seinen Platz an den in der Längsrichtung ausgestellten Tischen, die in gleichen Abständen mit Lichtern geschmückte Bäume trugen. Jeder Offizier und jeder Mann erhielt die gleichen Pfefferkuchen, Aepfel und Nüsse sowie ein Bild des Kai­sers. Die Mannschaften erhielten außerdem Tabaks­beutel und Zigarren. An der Stirnseite der Halle war ein Altar errichtet, davor eine große Krippe. An den Seiten standen große Christtannen.

Der alte Weihnachtsgesang: „O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit" leitete die Feier ein, sobald der Kaiser die Anwesenden mit dem Gruß: „Guten Abend, Kameraden!" begrüßt hatte. Es folgte eine kurze An­sprache des Pfarrers nnd dann das Lied: „Stille Nacht, heilige Nacht". Nachdem Generaloberst von Pleffen dem Kaiser für die Bereitung des schönen Festes gedankt hatte, hielt der Kaiser folgende Ansprache:

Kameraden! In Wehr und Waffen stehen wir hier versammelt, dieses heilige Fest zu feiern, das wir sonst im Frieden zu Hause feiern. Unsere Gedanken schweifen zurück zu den Unfrtgen daheim, denen wir diese Gaben danken, die wir heute so reichlich auf unseren Tischen sehen. Gott hat es zugelassen, daß der Feind uns zwang, dieses Fest hier zu feiern. Wir sind überfallen worden, und wir wehren uns. Und das gebe Gott, daß aus die­sem Friedensfest mit unserm Gott für uns und für unser Land aus schwerem Kampf ein reicher Sieg erstehe. Wir stehen auf feindlichem Boden, dem Feind die Spitze un­seres Schwertes und das Herz unserem Gott zugewandt, und wir sprechen es aus, wie es einst der Größe Kur­fürst getan: „In Staub mit allen Feinden Deutschlands!" Amen.

Der Kaiser ging dann an den Tischen entlang und zeichnete viele Offiziere und Mannschaften durch An­sprache aus.

die Stirn hinaus. Josefine fragte, ob sie dableiben, ihr in der letzten Stunde noch Gesellschaft leisten dürfe.

„Ja, bleib, man vernachlässigt mich, ich bin so viel allein."

Adele schlich sich zur Schwester und zog sie mit sich in den Park.

Es wurde Susanne schwer, sich aufs Ungewisse von der geliebten Heimat zu trennen, sie wußte, daß die Mut­ter sie uie nach Hause lassen werde, und obgleich ihr eigenes Wünschen und Wollen völlig gebändigt am Bo­den lag, so fühlte sie doch tief den Jammer der Tren­nung. Aber sie durfte die leichtherzige Adele nicht in ihr lastendes Geheimnis ziehen, die Mutter hatte es verboten, und Susanne wollte der geliebten Schwester keinen Schmerz bereiten.

Tiefe Seufzer hoben ihre Brust, während sie mit der munter plaudernden Adele dahin schritt, und nur mühsam drängte sie die immer wieder hervorquellenden Tränen zurück. Der Park, ihr Kindheitsparadies, wie bald würde hier alles in der Blütenpracht des Frühlings stehen: schon jetzt sangen und quinkelierten die Bögel, wie man es nie im Süden hörte. Sie war schon oft mit ihrer Mutter in berühmten klimatischen Kurorten gewesen, soöaß das Reisen — ihrer beschaulichen Natur ohnehin nicht zusagend — ihr gar nicht mehr gefiel.

Die Schwestern standen, sich umschlungen haltend, auf einer Anhöhe, „der Berg" genannt, und blickten ins Land hinaus. Susanne war noch immer in ihre trüben Gedanken versunken. Wie hart und plötzlich wurde sie hier losgerissen, sie hatte nicht einmal von Hermann Eggeruck Abschied genommen. Wie der ver­ehrte Mann ihr Fortgehen und der Eltern Trennung beurteilen mochte? O gewiß würde er diesen Schritt nicht billigen,' er war ja so maßvoll, so pflichttreu,' aber ihr kam es nicht zu, einen Tadel gegen die Ihriger auch nur zu denken.