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vönS WMWgen. Der Versuch mißlang aber, und die Verfolger kehrten bald unverrichteter Dinge zurück.

Der Badeort Langeoog beschossen.

Am ersten Weihnachtsfeiertage erschienen über dem Dorfe der unbeschützten Noröseeinsel Langeoog während des Vormittagsgottesdienstes vier englische Flieger, die zwei Bomben abwarfen und wahrscheinlich auch Schüsse abgaben, ohne Schaden anzurichten. Die Bevölkerung bewahrte ihre Ruhe.

Die Noröseeinsel Langeoog liegt gegenüber der Küste von Ostfriesland und gehört zur Provinz Han­nover. Das Dorf der auch als Badeort bekannten Insel, heißt Westende-Langeoog und zählt etwa 300 Einwohner.

* * *

Die Londoner Daily Mail meldet unter dem 23. De- - zember aus Dünkirchen, daß Flieger der Verbündeten eine neue Zeppelinhalle mit zwölf Bomben beworfen und die Halle in Brand gesetzt hätten. Es ist richtig, daß während der letzten Tage Bomben von feindlichen Flie­gern abgeworfen worden sind; eine Zeppelinhalle haben sie jedoch nicht beschädigt.

Weihnachtskämpfe in Flandern

te^ Amsterdam, 28. Dezember. (T.-U.) „Telegraaf" meldet nach der „Voss. Ztg." aus Sluis: Am ersten Weihnachtsfeiertage wurde kein Kanonendonner gehört. Bis auf die Explosion von drei angeschwemmten Minen bei Seebrügge und Geschützfeuer gegen einen englischen Flieger, der sich hoch über dem Küstengebiet zeigte und davoit flug, als ein Treffer erzielt wurde, war es still in ganz Westflandern. Am zweiten Weihnachtsfeier­tage aber ertönte wieder so heftiger Geschützdonner von -er Ufer her wie nur je zuvor, und auch Marinegeschütze ließen sich vernehmen. In der Weihnachtsnacht ertönte an verschiedenen Punkten in der Nähe der Grenze die Lieder der Deutschen. Infolge des dicken Nebels, der am Abend des 25. Dezembers sich plötzlich über die fitste lagerte, konnte den Deutschen ihre Weihnachtsfreude nicht gestört werden. Doch es wurde scharfe Wacht ge­gen ueberraschnnge» gehalten. Zur Zeit herrscht ^ SS Äsen,6«. M Nach HUt» Meldungen aus der Front versuchten englische Regimen­ter am 24. Dezember die Stellungen ber Neuve-Cha- pelle, ungefähr 10 Kilometer nordwestlich von La Basiee zurückzuerobern, die sie am 22. und 23. hatten aufgeben müssen. Die Angriffe gingen unter strömenden Regen vor sich. Nach mehrmaligen vergeblichen Sturmangrif­fen gelang es den Engländern, sich im vordersten Schützengraben festzusetzen. Die Deutschen räumten freiwillig die dahinter liegenden Graben. Als die Eng­länder von diesen Besitz ergreifen wollten, wurden sie von verdeckt stehenden deutschen Batterien mit einet« Geschoßhagel überschüttet. Der Führer her brillieren Truppen verlangte seinerseits sofortige Unterstützung durch Artillerie. Es erwies sich jedoch unmöglich, Ge­schütze an die von den Engländern eroberten Stellungen heranzubringen, da der wolkenbruchartige Regen die aufgeweichte Erde in zähen Morast verwandelt hotte. Acht Stunden hielten die Engländer in dem verheeren­den Grauatfeuer aus, ohne ihrerseits einen Schutz ab-

den Granatfeuer aus, ohne ryrersetts einen ^wu» no: geben zu können. Dann mußten sie sich zur Aufgabe der Stellung entschließen und zogen sich zurück. Am Abend des 24. bezogen die Deutschen wieder die alten Schützengräben, ein Gegenangriff erfolgte ihrerseits

nicht. ,

Um Nieuport tobt noch immer der Kampf.

w Kopenhagen, 28. Dezember. (T. U.) Aus Lon­don wird gemeldet: Der Korrespondent der „Daily News" Hat Nieuport besucht, das noch immer von den Dentschen bombardiert wird. Die deutichen und dw französischen Laufgräben sind nur durch einen Kanal ge­trennt.

Ueber deutsche Fortschritte im Argonnerwalde. , wird in einer Genfer Korrespondenz des „Berl. L.-A. vom 26. Dezember gesagt: Im Argonnerwalde unter­nahmen die Deutschen gestern von fünf wichtigen Punk­ten Angriffe, die besonders bei Bogatelle und Stz Hu­bert sehr erfolgreich waren. Joffres Tagesbericht be­merkt hierzu abschwächend: Die Unseren behaupteten ihre frühere Front; aber Ortsangaben fehlen, das fei sehr bezeichnend. In der Chämpagne werde Hauptjach- lich Berry-au-bac umstritten.

Flucht der russischenBehörden ausWarschau

Ueber die Stimmung in Warschau wird aus Rom gemeldet: Ttg und Nacht hört man Ne Litaneien der Bevölkerung, die zur Madonna betet. Warschau ist heute eine einzige große Kirche, ohne Kerzeli- und PrEer. Dw Bevölkerung würde es vorziehen, wenn die Deutschen endlich kommen möchten und dre ewige Nervosität ein Ende hätte. Die Warschauer Behörden haben mMge -es bedrohlichen Vorrückens der deutschen miö öster­reichisch-ungarischen Armeen Warschau bereits verlas en und sind unter Mitnahme sämtlicher Gelder und Akten nach Wilna übergesiedelt. »er

Die „Morningpost" meldet aus Petersburg. Der Zar sei gezwungen, das strategische Hauptziel vorläufig aufzugeben und seine Armeen auf 0ie iunerswu ^^r- tcidiguugslinieN zurückzuziehen. Zur Verteidigung der Front von Warschan mntz Krakan vorläufig aufgegeben wctDßit

Petersburg unter Standrecht.

Aus Stockholm wir- gemeldet: Es bestätigt sich, -aß für das Stadtgebiet von Petersburg -er verschärfte

Kriegszustand erklärt wird.

Neue Offensive gegen Serbien.

Das Sofioter Blatt „Udro" meldet: .Erzherzog

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darauf angelegt sein, den Schwierigkeiten be« ferbnehen Geländes Rechnung zu tragen.

Ein Warschauer Denkmal in die Luft gesprengt.

Frankfurt a. M., 28. Dezember. (T. U.) Wie die ^Frksi Ztg." aus Warschau erfährt, ist dort in den letzten Tagen -as Denkmal, das Nikolaus I. 3U Ehren der ihm während der Revolution im Jahre 1830 erge­benen Polen errichtet hat, in die Luft gesprengt worden.

Aus dem türkischen Hauptquartier.

Kousiantimwel, 27. Dezember. Amtlicher Be- SSartierS (WTB.) Der amtliche rns-

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Schwarze Meer und kehrte unbeschädigt zuruck. t lttcs unserer Kriegsschiffe begegnete am 24. Dezember emer rn Nischen Flotte, die ans 17 Einheiten SUsammengrieM war, nämlich fiinf Linienschiffen, zwei Kreuzern, ->ehn Torpedobooten «nd drei Minenlegern, das b m e»

Booten.

Englische Wasserflugzeuge vernichtet.

London, 28. Dezember. (WTB.) In dem Be- : richt der englischen Admiralität über den Angriff auf i die deutsche Nordseeküste heißt es: Drei engifkche Flie» I ger kamen auf Tauchboote», die ihnen Beistav«> fein— mär' ttSmficft fftttf Linienschiffe«, zwel stieH^i», »^« ; ^»»» .»/^ «l.L— " aber dennoch mit ten, zurück Ihre Flugzeuge waren gesunken. @i«i .xriean

ÄeSotenn^ das h«tzl «« einem fir^ wird vermißt, fein Flugzeug wurde 12 Kilometer -^

! in dem nach außen Leblenöewn Raume eine Korn- Helgoland als Wrack gesichtet. Sein Los ist nubetoast

Motz mit Erfolg das Linienschiff „ReMlaw" und ver­senkte -ie beiden Minenleger „Oleg" «nb „Athos". Zwei Offiziere und 30 russische Seesoldaten wurden ge­rettet und zu Gefangenen gemacht. Zn gleicher Zeit beschoß ein anderer Teil unserer Flotte erfolgreich Ba- tum. Am Mittag des 25. Dezember wollten zwei von unseren Schiffen die obengenannte Flotte znm Kampfe zwingen, die es aber vorzog, nach Sebastopol zu ent­fliehen.

*•* Konstantinopel, 27. Dezember. (Amtlich. WTB.) An der kaukasischen Front setzte unsere Armee ihr sieg­reiches Vordringen fort.

Französische Niederlage in Marokko.

Aus Madrid wird gemeldet: Nach hier vorlie­genden Meldungen aus Tanger wurde eine starke fran­zösische Kolonne unter Hauptmann Berry am oberen Jnauenflutz von den Aufständischen überfallen. Die Franzosen retteten sich in ein nahegelegenes verschanz­tes Lager, mußten jedoch an Toten 4 Offiziere und 78 Mann auf dem Kampfplatz zurücklassen. Den Aufstän­dischen fielen mehrere Proviantwagen und zwei Ge­schütze in die Hände.

Der Balkan.

Eine Konferenz -er neutralen Balkaukönige?

Die Kopenhagener „Politiken" gibt eine Meldung des „Gaulois" aus Rom wieder, wonach der König von Italien nach dem Vorbild der skandinavischen Königs- zusammenkunft versuchen will, eine Konferenz zwischen den Souveränen der neutralen Balkanstaaten znsam- menzurufen. Die Absicht dieser Zusammenkunft wäre, eine Art Entente zwischen den neutralen Staaten mit dem Ziele zu schaffen, ihre Neutralität zu wahren und zn kräftigen.

Der Krieg in den Kolonien.

Niederlage der Franzosen und Engländer in Kamerun.

Nach in London vorliegenden amtlichen Meldungen aus Kamerun haben französische Detachements eine schwere Niederlage durch die deutschen Truppen erlitten. Die Franzosen wurden von den Deutschen plötzlich über­fallen und mußten sich schleunigst zurückziehen, nachdem sie drei Offiziere und 44 Mann verloren hatten.

Ebenso erlitten die Engländer am 5. Dezember eine Schlappe bei dem Dorfe Laum, 30 Kilometer nördlich von Mujuka; sie verloren einen Offizier und 20 Mann.

^M»-- Lklegsallerlei.

Ein Zeppelin über Nancy.

w Genf, 28. Dezember. (T. U.) Vorgestern früh 5,20 Uhr überflog laut Meldung der „Frkf. Ztg." aus Nancy ein Zeppelin über die Stadt, der 14 Bomben herabwarf. Zwei Einwohner wurden getötet, zwei ver­wundet und mehrere Privathäuser beschädigt. Ausfuhrverbot für Rindvieh und Schweine ans Holland.

Aus dem Haag, 28. Dezember. (WTB.) Die Ausfuhr lebenden Rindviehes und lebender Schweine ist vom 24. Dezember ab aus Holland verboten.

Die Erhöhung der Brotpreise in London.

^ London, 28. Dezember. (WTB.) Die Brot- preise werden in den nächsten Tagen neuerdings auf 70 Pfg. für vier Pfund steigen.

Beschlagnahme des Weizenvorrates in Neusüdwales.

Sidney, 28. Dezember. (WTB.) Die Regierung beschlagnahmte den ganzen Weizenvorrat in Neusttd-

wales.

Ein franzövkches Unterseeboot gesunken.

w Mailand, 28. Dezember. (T. U.) Die Blätter melden nach der „Frkf. Ztg.": Ein französisches Unter­seeboot vom Geschwader des Admirals Lapeyrsre ist auf der Höhe von Pola gesunken, als es versuchte, eines der österreichsch-nugarischen Schlachtschiffe zu torpedieren. Die Besatznng ist gerettet und gefangen genommen

worden.

Zwei Dampfer zusammengestotzen und gesunken.

Mailand, 28. Dezember. (T. U.) Der Kapstan eines in San Remo eingetroffenen Dampfers berichtet, daß der spanische Dampfer „San Domingo" den ohne Lichter fahrenden Dampfer „Pereal" so heftig ange­fahren hat, daß beide Schiffe sofort sanken. Nur zwan­zig Mann konnten gerettet werden.

Ein türkisches Luftschiff „Israel".

Im heiligen Lande haben sich bisher 6000 Juden als Teilnehmer am Feldzuge gegen Rußland einichrewen lassen. Die Juden in Jaffa ,ammeln eifrig große Be­träge zur Beschaffung eines Luftschiffes, das den Na­men „Israel" führen soll.

Ei« wertvoller Fund.

In der Handelskammer zu München-Glaövach wurde auf Grund von Erhebungen der ^abrikanten- kommission mitgeteilt, daß im Bezirk Robacx für drei­hundert Ntillionen Mark Rohwolle aufgemnden wor­den ist, mit deren Abtransport nach Deutschland begon­nen wurde. ,

Wachsende Friedensstimmung in Frankreich.

aus Paris gemeldet wird, haben im Palais Bourbon mehr als sechzig Deputierte kein Hehl darauv aemaÄt daß ihre Wählerschaft den Krieg vollständig Patt bat und daß die Regierung in Bordeaux diesem wachsenden Friedeusbedürfnis schließlich werde Rech­nung tragen müßen. _______________________

Chrlslnachl in zeindesland.

Der nach dem westlichen Schauplatz entsandte Krieäsberichterstatter der „Köln. Ztg." Dr. Georg We- mne? schreM seinem Blatte: Ich verlebte eine wunder- ^nne Gdristnacht mit den Unsern an der Front am Nier- Är 9roPT des Feindes, den man erwarten^zu sollen glaubte, waren umfassende Borsiststs- makreaeln getroffen worden. Die Wachen und die Be- sawiua^der^ Schützengräben waren verdoppelt worden, allesandere war Alarmbereit. Ich besuchte zunächst nach Givlvmck der Dunkelheit eine der vorgeschobenen Stel- lunaen aus behutsamer Wanderung in der dammern-

über Dämme und schwankende Brucken- steoe^wUchen 'd?n eben - Freuden Wasserflächen der MKW-mnun» hinweg. Fern °°n fenj M"? oeVunÄit So» W alles M. In einem der inselgleich verstreuten zerschossenen. Gehöfte, in das ” {„ Mnetnschlüpften, traf ich eine stärkere Ab- teiluna" Die Leute lagen rauchend, lesend, flüsternd im strobbeschMteten Keller, dessen Beleuchtung mit Matten nach außen hin abgedeckt war. Sie lagen angekleiüet, die Waffe^armbereit. Von einer Weihnachtsfeier war Bier feine Rede, die Truppen werden em paar Tage fväter nach'der Ablösung, feiern. Nur im Zimmer des Offiziers neben dem Telephon, war ein fußhohes Cbristbäumchen aus einem Felrwostpaket aufgestellt. Draußen in den Schützengraben standen spähende

^fen ging es zurück über frostglitzernden Boden zu m Älnieul zerschossenen, aber dennoch mit

pagnie-Weihltachisseier mn CllrlstDMlm, Harmvmum und Weihuachtsliedern, sowie einer ergreifenden An-, spräche eines Kameraden, die das Band der Liebe be­tonte, das in dieser Stunde Heimat und Front ver- knüpfe. Einige schöne Verse wurden vorgetragen, nach­her die verliehenen Eiserne Kreuzt: verteilt. Ernst und groß das ganze in seiner Schlichtheit.

Zum Schluß machte ich noch eine engere Weihnachts­feier eines Bataillonsstabes mit in einem mit geretteten Möbeln wohnlich eingerichteten Bauernhause. Zuerst waren die Offiziere allein, dann folgte eine von der Stabswache für ihren Führer heimlich vorbereitete Feier mit Gesangsvorträgen und Vorträgen. Hieran schloß sich die gemeinsame Oeffnnng der Weihnachts- pakete und auch hier die Anheftung der verliehenen Eisernen Kreuze. , „ , o

Das waren Stunden voll innigen Heimatgedenkens. voll stolzen Pflichtbewußtseins, herzlicher Kameradschaft und großer, freudiger Zuknnftshoffnung, trotz der Mög­lichkeit, daß jeden Augenblick Granaten in das Dorf eut* schlagen konnten. , t

Der Kriegsberichterstatter Rudolf Enno schreibt der „Bert. Morgeupost" über Weihnachten im Felde:

Ein leichter Schneefall hatte die Wälder nordwest­lich von Berdun in ein zartes Weiß gehüllt und die Lehmwege mit einer weißen Decke überzogen. Eine wundervolle Weihnachtsstimmnng lag über der Land­schaft. Ich verlebte die Weihuachtsbescherung bet einem Infanterie-Regiment in Bereitschaftsstellttug vor dem Feind. Gegen 4 Uhr wurden die dienstfreien Kom­pagnien vor dem Quartier des Oberstell versammelt. Der Kommmldenr wies tu einer kurzen markigen An­sprache die Mannschaften auf die eigenartige Weih- nachtssitnation hin mtb führte aus, daß der Kinder- glaube, wonach die Verheißung vom Frieden auf Erden zur Wahrheit werben solle, nicht zu schänden geworden sei. Das Regiment werde wie bisher mit Hingabe weiter fechten, damit ein ehrenvoller Friede für das Vaterland gesichert bleibe. Dann folgte die Bescherung. Während der Feier trug ein Sangerchor alte Weih- nachtslieder vor. „Stille Nacht, Heilige Nacht" und das wundervolle Beethvvenlicd „Stille Nacht, o gieße bit Himmelsfrieden iu mein Herz", machte bet dem Ka­nonendonner und dem Gewehrgeknatter einen tiefer«« greifenden Eindruck.

Nach Beendigung der Feier bei diesem Regiment gings über grundlose Lehmwege durch den Wald zu einem anderen Regiment, bei dessen Kolmnandeur unter dem Weihnachtsbamn eine gemütliche Feier bei einen» Glas Punsch stattfand. Bis spät in die Nacht hinein tönten aus den Unterständen der Mannschaften Chvräle und Weihnachtslieder. Am ersten Feiertag morgens, bet strahlendem Sonnenschein, fand auf einer Wald­wiese eine Feldmesse statt. Als der Geistliche die Mann- schaften an Weib lind Kind in der Heimat erinnerte und den Leuten versicherte, daß an diesem Tage die Lieben in der Heimat mit besonderer Sehnsucht ihrer gedächten, sah man in den Blicken der ältesten Krieger tiefe Er­griffenheit. Aber hell und jubelnd erklang zum Schluß das „Großer Gott, Dich loben wir" aus tausend Kehlen, ein Zeichen, daß trotz wehmütiger Heimatsstimmung nirgends Niedergeschlagenheit und Gedrücktheit herrscht.

Eine besonders schöne Feier wurde bet dem Briaade­stab veranstaltet. Ein hoher Offizier hatte den echt christ­lichen Gedanken gehabt, die Kinder französischer Witwen zur Feier zuzulassen. Mit großen Augen staunten die Kinder den Lichterbaum an, der ihnen so luibefannt war, der aber gerade darum einen besonders tiefen Eindruck auf ihr Gemüt machte. Die Kinder wurden mit kleinen Gaben bedacht, die sie bantbar mit Tränen in den Augen entgeaennahmen,- auch die Mütter waren tiefgerührt, als der Divisionspfarrer Urnen das Wesen der Feier in französischer Sprache erklärte. So verlief die Gesamt- feier, ohne durch feindliche Angriffe gestört zu werden, Überall stimmungsvoll und ergreifend und tröstete die Mannschaften, soweit angängig, über das hinweg, was sie am heutigen Tage entbehrten.

Vermischtes.

Das hysterische PariS. Die Pariser schwelgen gern in Ueberschwenglichkeiten, besonders wenn ihnen die Not auf den Fingern breimt. Dann fallen sie gern von einer Unüberlegtheit in die andere. So war es von je­her, wenn der „heiligen Stadt" Gefahr drohte. Auch im letzten deutsch-französischen Kriege war das klar ersicht­lich. Damals träumte man von allerlei kühnen Strei­chen, um die Deutschen zu vernichten. So erwog man allen Ernstes den Plan, die wilden Tiere des Pariser Zoologischen Gartens auf die preußischen Vorposten los­zulassen. Die Deutschen wurden aber vor den Bestien bewahrt, weil die Pariser schließlich ihren ganzen schönen Tierpark verspeisten. Auch die (Gründung eines Ama- zonenkorps kam nicht zustande, weil jede Französin Offizier und keine „gemeiner Soldat" sein wollte. Schließlich wollte man zahlreiche Hunde tollwutkrank machen und in die Reiher: der deutschen (Soldaten jagen. Der menschenfreundliche Plan kam ebenfalls nicht zu­stande, weil jeder Pariser es vorzog, seinen Hund lieber ii der Pfanne zu braten. Als die Festung Paris sich chon ergeben hatte und man nur noch über die Ein­zugsbedingungen verhandelte, gab eine Schauspielerin die Hoffnung noch nicht auf. Sie regte an, vergiftete Ringe anzufertigen. Jede Französin sollte einen sol­chen Ring am Tage des Einzuges der Deutschen tragen und einem deutschen Soldaten die Hand drücken. Dabei sollte durch eine kleine spitze Nadel im Ring das Gift dem Feinde eingespritzt werden. Damit wollte man 100 000 Deutsche um die Ecke bringen. Auch die Atassen- mürderei ist nicht zur Ausführung gelangt. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Pariser auch jetzt wieder auf allerlei solche — klugen Gedanken kommen.

Nach Veruntreuungen von 40 000 Mark flüchtig ge­worben ist der 47 Jahre. alte Kaufmann Georg Butsch. kow in Berlin, seit 14 Jahren Prokurist i» einer Holz- industrie-Aktien-Gescllschast. Die Veruntreuungen be- gamicn schon vor Jahren. Dcirch Spekulation versuchte B das verlorene Geld wieder herbeizuschassen. ?llle seine Unternehmungen mißglückten aber und verschlim­merten seine Lage. Als nun zu Weihnachten eine Re­vision bevor stand, wurde er flüchtig unter Zurücklassung seiner Frau und drei noch fchulvslichltger Kittder.

Weitere Drahtnachrichten.

Ein britischer Torpedojäger auf einen Fetten gelaufen.

»^ London, 28. Dezember. (WLVst Reuiermel- dung. Ein britischer Torpedojäger lief während eine« Sturmes auf der Höhe von Standrems fn «wottislnb auf einen Felsen. Die Bemannung rettete sich in