Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-slnschluh Nr. 8
Nr. 303* Freitag, den ÄS. Dezember 1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Weihnachten 1914.
Liebe, Freude und Frieden, die aus der Liebe sprießen: das ist der Weihnachtsfeier Sinn und Segen. Können sich am heurigen Christfeste unsre Krieger draußen im Felde und daheim ihre Familien dieses Weihnachtssinnes bewußt werden, kann ihnen dieser Weihnachtssegen beschert sein? Walten noch Liebe, Freude und Frieden, wo der männermordende Weltkrieg tobt und tötet, Liebe in Haß, Frohsinn in Trauer, Friede in Vernichtungskampf verwandelt hat? Wäre die Frage zu verneinen, so hätte Weihnachten 1914 kein Recht gefeiert zu werden: dann könnte es in diesem Jahre keine selige Weihnachtszeit geben.
Und doch vermag auch diese eisenharte, bluterfüllte Zeit des Krieges die Wahrheit und Wirksamkeit der Weihnachtsbotschaft nicht zu entkräften. Die Weihnachtsliebe behält auch über des furchtbarsten Krieges Not und Tod ihre Macht. Wie niemals beseelt und beseligt heute die Liebe allmächtig und allumfassend das deutsche Volk, es innerlich und innigst fest in eins verschmelzend. Nie zuvor hat sich die deutsche Vaterlandsliebe so opferfreudig, so unerschöpflich und unüberwindlich stark erwiesen wie jetzt. Gebende Liebe, die alles opfert, kann sich nicht reicher betätigen als in diesem Kriege in diesen Weihnachtstagen. Die Vaterlandskämpfer geben ihr Blut und ihr letztes, ihr Leben, und zu Hause bewegt alle Hände und Herzen der Wille, den Helden im Felde Weihnachten auch fern von der Heimat zum Feste der Liebe zu gestalten. Die Weihnachtsliebe in ihrer Fülle läßt keinen, der gegen unsere Feinde die Waffen führt, ohne Liebesgabe und Liebesgruß aus dem Vaterlande. Die Weihnachtsspenden sollen nicht die Sprache der Anerkennung, der Bewunderung und des Dankes zu unseren Kriegern reden, sondern die der deutschen Liebe und Treue. Die treue Liebe überwrndet dre Trennung. Herzen, die in solcher Liebe schlagen, kann der Raum nicht trennen.
Zwar müssen unsre Helden, auch wenn sie sich in ihren Schützengräben Christbäumchen beschaffen und mit Lichten und Geschenken Herrichten, das Traute und Trauliche der ruhigen häuslichen Weihnachten entbehren und die behagliche, beschauliche Warme des heimatlichen Herdes missen. Vor allem fehlt rhnen die Weihe des Familienfestes, zu dem die Eltern, die Frau, die Kinder, die Hausgenossen gehören. Aber die Weihnachtsliebe fehlt nicht. Sie führt der Krieger Gedanken hinweg vom feindlichen Boden und aus der Geschütze Donner zurück zum Heimatsland, zu ihren Lieben. In lebendiger Wirklichkeit treten diese vor ihre Augen und unsre Helden draußen hdren die fo unsagbar süßen Klänge der frommen Weihnachtslieder aus herzigem Kindermunde.
Auch inmitten des blutigsten aller Völkerkriege versagt nicht die Weihnachtskunde aus der Himmels- höhe: Friede auf Erden! Der Friede, den einst aus Bethlehems Fluren der Engel Scharen verheißen haben, stammt nicht von dieser Erde, ist nicht die irdische Freude. Wäre er jener Friede, den der Zar Nikolaus den Völkern vorgaukeln wollte dann wäre er freilich eitel Lug und Trug. Aber der Weihnach - friede lebt im Herzen, wohnt tm guten Gewissen, m der Liebe.
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gefunden hat. Den Schmerz um die Gebliebenen muß des strahlenden Tannenbaumes Lichterglanz erneuern, der des teuersten Lichtes, des erloschenen Augenlichtes der Gefallenen gedenken laßt. Biete Kinder beweinen ihren Vater, können ihm diesmal
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Vaterland" die jede» ^i^' ,,^
M»%« -u tiÄ^Ä unfce ante" uns Mensel pflücken werden.
Aus der Heimat.
* Wie wird das Weihnachtslvetter?
Wenn auch in diesem Kriegsjahre die Zahl der Wintersportler, die für die Feiertage auf Frost und Schnee rechnen, verschwindend klein sein dürfte, so fehlt es doch nicht an solchen, die sich für Weihnachten nach Eis und Schnee sehnen. Das ungemein milde Dezemberwetter dieses Jahres ließ bisher auch kaum die Hoffnung zu, daß es noch rechtzeitig vor dem Feste zu einem so durchgreifenden Umschwung der Wetterlage kommen werde. Aber während der letzten Tage sind doch Anzeichen aufgetreten, die den Einbruch echten Winterwetters als nicht ganz unwahrscheinlich erscheinen lassen. Die tiefen ozeanischen Wirbel, die solange den Norden unseres Erdteils durchzogen, haben jetzt eine andere Bahn eingeschlagen und ziehen jetzt von den westeuropäischen Gewässern nordwärts ab, während von Osteuropa hoher Luftdruck langsam nach Westen sich auszubreiten scheint. Unter seinem Einfluß sind in der östlichen Hälfte des Landes die Temperaturen bereits bis in die Nähe des Gefrierpunkts gesunken, sodaß wenigstens für Ostdeutschland und das Alpenvorland mit dem baldigen Einbruch von Schnee und Frostwetter gerechnet werden kann. Für Westdentschland sind die Aussichten noch unbestimmt.
* (Die nächste Paketwoche.) Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps teilt mit: Zahlreiche Anfragen lassen erkennen, daß vielfach die Ansicht herrscht, daß Ende Dezember wieder eine Paketwoche stattfindet. Zur Vermeidung von Enttäuschungen und unnötigen Sendungen erinnert das stellvertretende Generalkommando daran, daß bestimmungsgemäß die nächste Paketwoche erst am 23. Januar beginnt.DasstellvertretcndeGeneralkommaudo benutzt diese Gelegenheit, um gleichzeitig bekannt zu geben, daß ihm von den im Westen im Feld stehenden Truppen und Behörden die Bitte zugegangen ist, in den nächsten Wochen keine Wollsachen und keine Eß- waren hinauszusenden, da nach Eingang der Weih- nachtssendungen an diesen Gegenständen überall Ueber- fluß herrsche; das einzige, was den Trnppeu im Westen vorläufig fehle, seien elektrische Taschenlampen mit brauchbaren Ersatzbatterien. Inwieweit dies auch für die Truppenteile desll. Armeekorps zutrifft, laßen wir offen; vermutlich ist die Sachlage die gleiche. Unzweifelhaft berechtigt ist aber, was das Frankfurter Generalkommando weiter schreibt: Auch dürfte es sich empfehlen, im Hinblick auf eine längere Dauer des Erieaes mit dem Absenden von Paketen etwas Haus- zuhalten, um die finanziellen Mittel der einzelnen Familien nicht über Gebühr anzuspannen.
8 Hersfeld, 24. Dez. (3 u r Krank e n v e r- sicberung). In der jetzigen Zeit, wo sich der Wechsel der Dienstboten vollzieht, ist es besonders wichtig die Arbeitgeber und Dienstbotenherrschaften auf die Meldevorschriften der Krankenversicherung aufmerksam zu machen, da vielfach angenommen wird, daß die Krankenversicherung b-i neu Eintretenden an Stelle der Ausgeschiedenen ohne werteres fortbesteht. Dies ist nicht der Fall, die neu eintretenden Personen müssen bei der Krankenkasse neu angemeldet und dre entlassenen Personen abgemeldet werden. Von Ar- beitaebern bezw Dienstbotenherrschaften werd oft darüber Beschwerde geführt, daß die Zahlung der Lasten betrüge bis zum Tage der Abmeldung verlangt wird wir bringen daher die in Frage kommenden aesetzlichen Bestimmungen nachstehend zur Kenntnis ^^EÄÄa Nach § 397 Abs. 1 der Nerchsver- sickerunasordnung sind die Beiträge bis zur vorschriftsmäßigen Abmeldung fortzuzahlen, alw auch ^er d^e Beendigung des BeschäfirgungsverhaltniS binans Vorschriftsmäßig ist eine Abmeldcmg nur dann, wenn sie derArbeitgeber iDienstherr) nach Maßgabe der Borschristen beiSA7 nni-M der «>^ welche -an den Kassen S-ll-ser, werden, -n e^gen. gipmcrft soll noch werden, daß dre Vkfnmmung rwinaender Natur ist, und die Kasten Vorstände nicht Beiträge für nicht rechtzeitig abgemeldete Personen zu erlanen.
8 Sersield 24. Dezember. DieDüngungdes M inte r ae tr e i d e s ist gegenwärtig besonders UeBeraH wo sie bei der Bestellung unter- bli?ben ist sollte sie im Laufe des Winters nachgeholt werden Alle Getreidearten, namentlich die neueren W!!?«^k.» Sorten sind für eine künstliche Dung- mit Stickstoff Phosphorsäure und speziell auch S TV»ÄÄn im ®e6enmtiufru er
W N seinem eigensten wie auch im °°ter-
ländischen Interesse sollte jeder Landwirt in fdiesenr Jahre alle seine Roggen- und Weizenfelder mit einer guten Düngung versorgen.
§ Hersfeld, 24. Dezember. Von dem Bezirksvorstände der Vaterländischen Tratten vereine im Regierungsbezirk Cassel geht uns folgende Mitteilung 3it: Dre amerikanis ch e n Weihnachtsgabe n für die Waisen unserer fürs Vaterland gefallenen Helden werden voraussichtlich erst Anfang Januar zur Verteilung gelangen können. Das amerikanische Kriegs-Transportschiff Jason, das die für Deutschland und Oesterreich-Ungarn bestimmten Geschenke nach Europa gebracht hat, ist statt am 3. d. Mts., wie in Aussicht genommen war, erst am 7. d. Mts. in Genua angekommen. Dort sind die Gaben ansgeschtfft und zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn geteilt worden. Die für Deutschland bestimmten Sachen sind sodann nach München geschickt und dort auf die deutschen Bundesstaaten verteilt worden. Nach weiterer Verteilung auf die preußischen Provinzen usw. werden die dem Regierungsbezirk Cassel zufallenden Geschenke vermutlich erst in etwa 10 Tagen in Cassel eintreffen und von dort an die einzelnen Vaterländischen Franenvereine usw. versendet werden können.
§ Hersfeld, 24. Dez. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augenblickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehen aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zuständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fortlaufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeines Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Geeignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffentlicht werden; die Einsender mögen deshalb angeben, was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffentlicht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Umfange nachkommen werden.
8 Hersfeld, 24. Dez. Für den Bereich derpreußisch- besstschen Staats- undjder Reichseisenbahnen sowie derjenigen Bahnen, die sich den preußischen Tarifmaßnahmen allgemein angeschlossen haben, ist ein A u s - n a h m e t a r i f f ü r M a n i o k a - vderManivck - Knollen (Cassavawurzelriß getrocknet, Rückstände der Stärkegewinnung aus Maniokaknvllen auch in Scheiben geschnitten oder gemahlen zu Futterzwecken eingeführt worden. Der Tarif gilt bis auf weiteres längstens für die Dauer des Krieges.
§ Hersfeld, 24. Dez. Am 20. September 1918 hatte der Magistrat für Herrn Lehrer H a l l e n b e r g e r in seiner Eigenschaft als Leiter der gewerblichen Fortbildungsschule die Amtsbezeichnung „D i r e k t v r d er gewerblichen Fortbildungsschule" beantragt. Der Königliche Herr Regierungspräsident in Cassel hat durch Verfügung vom 17. Dezember d. J. die Genehmigung hierzu erteilt. Die genannte Amtsbezeichnung ist Herrn Hallenberger hierauf heute vorn Magistrat beigelegt worden.
):( Hersfeld, 24. Dez. Die Ersatz-Abteilung des Feld.-Art.-Regts. Nr. 47 in Fulda stellt noch Kriegsfreiwillige (nicht ausgehobene Rekruten) ein. Meldungen unter Vorlage des Meldescheins im Regimentsgeschäftszimmer in Fulda.
):( Hersfeld, 24. Dezember. Mit dem eisernen K r e u z ausgezeichnet wurden der Leutnant im Eisen- bahnregiment Nr. 2 Fr i e d r i ch K u s s i n aus Hersfeld und Lehrer Eckstein aus Goßmannsrode vom Res.-Jnf.-Rgt. 71.
Bnrgfinn, 20. Dez. In planmäßiger Weise ließ die Gemeinde in ihren Waldungen die Eicheln aufsammeln und dann als Mastmittel für die Schweine verkaufen. Der Erfolg war so überraschend, daß sie jetzt nach Abzug aller Unkosten der Gemeindekasse eine Sondereinnahme von rund 10 000 Mark zuführen konnte. Nunmehr soll das Eichelnsammeln alle Jahr geübt werden.
Des Weihnachtsfestes wegen kommt die nächste Nummer am Montag zur Ausgabe. Wichtige Nachrichten von den Kriegsschauplätzen werden wir auch während der Festtage durch Sonderblätter bekannt geben.