Kämpfe in Galizien und den Karpathen.
Aus dem großen Hauptquartier
Großes Hauptquartier, 22. Dezember, vormittags. (Amtlich. WTB.) Bei Nieuport und in Gegend Ypern herrscht im allgemeinen Ruhe.
Zur Wiedererlangung -er am 20. Dezember verlorenen Stellung bei St. Hubert und Givenchy machten die -nrch französische Territorials verstärkten Engländer gestern und heute nacht verzweifelte Vorstöße, die zurück- gewieseu murden. In Gegend Richebourg gelang es ihnen, in ihren alten Stellungen wieder Fuß zu fassen.
Die gestrigen Angriffe der Franzosen in Gegend Albert, nordöstlich Compiegne, bei Sonain und Perthes wurden unter schweren Verlusten für sie abgeschlagen.
Im westlichen Teile der Argonnen nahmen wir einige Schützengräben. Oestlich der Argonnen, nordwestlich und nördlich Verdun wurden die französischen Angriffe znm Teil unter schwersten Verlnsten für die Franzosen leicht zurückgewiesen.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatze ist die Lage in Ost- und Westpreutzen unverändert.
In Polen stehen unsere Truppen in heftigen Kämpfen um den Bsnra- und Rawka-Abschnitt. An vielen Stellen ist der Uebergang über die Abschnitte schon erq zwungen.
Sluf dem rechten Ufer der Pilica steht der Kampf der verbündeten Truppen noch.
Wir haben leider erst nach der Veröffentlichung feste gestellt, Was; der gestern bekanntgegebene Befehl des französischen Generals Joffre vom 17. Dezember 1914 folgenden Nachsatz hatte:
Der Befehl ist heute abend allen Truppen bekannt zn geben und zu verhindern, baß er in die Presse gelangt.
Oberste Heeresleitung.
Vom österr.-ungar. Generalstab
»-^ Wien, 28. Dezember. (WTB.) Amtlich wird gemeldet am 22. Dezember, mittags: In den Karpathen wird südlich des Gebirgskammes im Gebiet der Flüsse Nagy-Ag und Latore und Ung gekämpft.
In Galizien gingen die Rnssen gestern wieder znm
Angriff über, ohne aber durchdringen zu können. Namentlich am unteren Dunajee hatten sie schwere Verluste. An der Nida und im Raume südlich Thomasso entwickelten sich kleine Gefechte. Die Kämpfe im Vor- felde von Przemysl -anern fort.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Höfer, Feldmarschallentnant.
Die Verwüstungen in den Karpathengegenden durch die Russen.
-b* Krakau, 23. Dezember. (T. U.) Wie die „Nowa Reforma" meldet, wurden die von den Russen besetzt gewesenen Karpathengegenden, insbesondere die Gegenden zwischen Limanowa und Lapanow durch die Russen arg verwüstet. In Szczyrzyce plünderten die Kosaken das altertümliche Cisternstenkloster, drangen in den Weinkeller und tranken Unmengen von Wein, bis sie betrunken waren. Dann zogen sie die Gewänder der Cisternsienser an und veranstalteten im Kloster Orgien. Die in der Umgebung liegenden Dörfer wurden von den Russen eingeäschert.
Das Bombardement Warschaus durch deutsche Flieger.
** Berlin, 23. Dezember. (T. U.) Die „Berliner Moraenp." meldet: Ueber das schwere Bombardement Warschaus durch deutsche Fliegerbomben bringt der „Kurier Lodzkin" eine anschauliche Schilderung: Nach achttägiger Ruhe durchlebte Warschau am Sonnabend abermals einige furchtbare Augenblicke. Im Laufe von drei Stunden, und zwar von 6 bis 9 Uhr früh, durch- zitterte ununterbrochen donnerartig explodierende Bomben die Luft. Mehrere Häusermauern stürzten ein und bald darauf hörte man auch das Stöhnen der Verwundeten sowie die Schreckensschreie der Bewohner. Im Laufe der Zeit wurden von zwei deutschen Aeropla- nen aus die Stadt etwa 80 Bomben herabgeschleudert. Die Bomben hatten eine Länge von 18 Zentimetern. In Anbetracht der frühen Morgenstunde herrschte anf den Straßen fast noch gar kein Verkehr. Unter den Trümmern eines teilweise zerstörten Hauses sollen viele Personen begraben worden sein. Die Person, die dem
MWWWWMWWWWS^K^AWSMS^SMWWWWWUMMWWWWWWWWWWWMWWWWW
Verstrickt.
Roman von A. von der Elbe.
1) (Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Herr von Bernhammer war zur Station gefahren, um feine Schwester zu empfaugen, die während der Abwesenheit der Gattin Bernhammers die Hausfrau vertreten und die jüngere Tochter unter ihre Obhut nehmen sollte.
Nun fuhr der Landauer durch das weit geöffnete Tor auf den Gutshof von Morse.
Kaum hielt der Wagen, so flog die leichte Gestalt eines jungen Mädchens die Stufen der Haustreppe herab, unter jubelndem Zuruf ritz sie, ehe der Bediente vom Bock springen konnte, die Wagentüre auf und frohlockte: „Sind Sie da! Hurra, Tante Jose! Heraus mit Dir! Wie habe ich mich schrecklich gefreut!" Und dann schlang sie ihre Arme um die eben Aussteigende und herzte und kützte sie stürmisch.
, l^ß m?^ Adele, Du wirfst mich ja um!" rief la- chend Josefine und rückte sich den verschobenen Hut zu- recht.
Sie gingen miteinander ins Haus, Adele in unru- yjöem Hupfen nebenher, ihr geschah nichts rasch genug, ^?^ und Bewegung, ein blühendes junges Geschöpf, mit hell blitzenden Augen, reichem bräun- lichem^Haar und frischen Farben.
"Sei nicht böse, Tante, datz Susann« nicht mit un- ^^ Vlstuöerte Adele tm Gehen. „Du weißt, Mama tn»^^a A"x^^ — ößc£ «st^rjer wird sie herunterkommen. Und Mama laßt Dir sagen, wenn Du Dick ÄS Mtest, möchtest Du sie besuchen! Mülmk" ?£ .?^«^^ prachtvollen Napfkuchen gebacken, und ic! a^seüt mt^pt .7^ haben alles im Teestübchen zurech ?5L"Ä^kletn wenig eingeheizt. Mein altes Vä
„Kurjer Lodzkin" die Schilderung gibt, besitzt hinsichtlich der Zahl der Opfer keine genauen Zahlen, -och wird in Warschau behauptet, -atz die Zahl -er Opfer sich auf annähernd tausend beläuft. U. a. fielen Bomben anch auf die Terrasse des früheren Königlichen Schlosses.
Elend in Warschau.
Wien, 23. Dezember. (T.-U.) Die Korrespondenz Rundschau meldet aus Stockholm: Die Lage in Warschau gestalte sich kritisch. Das Elend in der Stadt und Umgebung sei unbeschreiblich. In den von den Geflüchteten verlassenen Wohnungen hausen Banditen, die Plünderungen und schwere Ausschreitungen verüben. Der Generalgouverneur hat eine Verordnung erlassen, in der solche Handlungen mit Todesstrafe bedacht werden. Die Stelle des Generalgouverneurs versieht statt des gefangenen Gouverneurs Baron Korff der Vizegouverneur Gresser. Fälle von Explosionen häufen sich in der Stadt, sowohl in Privathäusern als in öffentlichen Gebäuden. Die Behörden vermuten terroristische Akte revolutionärer Organisationen. Besonderes Augenmerk wird den Deutschen zugewendet. Es werden auf Verordnung des Ministeriums Listen der deutschen Kolonisten geführt und genaue Daten verzeichnet, gleichgültig ob diese Deutschen russische oder fremde Untertanen sind. Von den zahlreichen deutschen Werken in Warschau arbeiten einige ruhig weiter. Die größte deutsche Unternehmung in Warschau ist die städtische Gasanstalt, die Eigentum einer Dessauer Aktien-Gesell- schaft ist.
Der russische Generalstav in Verlegenheit.
Der russische Generalstab muß nun seine Mißerfolge zugeben. Natürlich tut er das auf einigen Umwegen, indem er scheinbar gegen Unrichtigkeiten in der gegnerischen Presse polemisiert. Aber das ändert nichts an der Schlußwirkung des Berichts, der folgendermaßen lautet: „Angesichts der unrichtigen Mitteilungen, die in den letzten Tagen über den Zustand unserer Armeen und ihre strategische Stellung in Deutschland und Oesterreich in weiten Kreisen verbreitet werden, glaubt der Generalstab das russische Volk warnen zu müssen vor der einseitigen Unrichtigkeit aller Mitteilungen, die durch die feindliche Presse über die Russenheere veröffentlicht werden. Daß die russischen Heere ihre Stellungen auf einer kleineren Front gewählt haben, ist das Ergebnis gründlicher Beratungen und freier Entschlüsse der militärischen Autoritäten. Die Stellungnahme auf einer kleineren Front findet ihre natürliche Ursache in der Konzentrierung sehr starker feindlicher Streitkräfte gegen uns und verschafft uns außerdem noch andere Vorteile, worüber aus strategischen Rücksichten nicht gesprochen werden kann."
Diese Erklärung macht einen ausgezeichneten Eindruck — auch bei uns. Wir können mit der „kleineren Front" der Russen und ihren militärischen Autoritäten einstweilen ganz zufrieden sein und für das weitere unsern Hindenburg sorgen lassen.
Von der Westfront.
Der militärische Mitarbeiter des „Berner Bund" bespricht den Vorstoß der Franzosen und bemerkt dazu, es handle sich hier um recht ernsthafte Versuche nicht nur um die deutschen Angriffe zu verhindern, sondern auch in die gegnerische Front einzudringen und sie zu sprengen. Schon lange standen zwischen der See, Dün- kirchen und Bethune und weiter südlich Amiens französische Reserven bereit, die jetzt offenbar zum Teil eingesetzt worden sind. Aussichtsvoll scheinen ihre Kämpfe öem neutralen Beurteiler nicht zu sein. Die Hauptlast scheint von den Franzosen getragen zn werden. Ein Versuch an der Küste ostwärts Raum zu gewinnen, kam nicht über Lombarzwde hinaus. Jetzt, da die Verbündeten aus ihrer Deckung zum Angriff schreiten, beginnt sich an ihnen die Ueberschwemmung zn rächen, durch die sie im November ihre Stellungen hinter der Nser vor den Deutschen gesichert haben.
Der Kriegsberichterstatter der „Köln. Ztg." im Großen Hauptquartier, Georg Wegener, meldet aus Brügge: Soeben treffe ich bei der Armee des Herzogs von Württemberg ein. Seit zwei bis drei Tagen ist die verhältnismäßige Ruhe an der Front einer sehr lebhaften Tätigkeit gewichen, sodatz der Gedanke an die liebevolle Vorbereitung für die Weihnachtsfeier bet den Truppen vorläufig ganz in den Hintergrund getreten ist. Die Engländer und Franzosen versuchten mehrere Tage hintereinander mit sehr starken Kräften unterstützt vom Feuer der Artillerie schwersten Kalibers, darunter 34 Zentimeter Kaliber, unsere Stellungen zu erschüttern, besonders bei Nieuport und am Nserkanal. Sie erreichten jedoch keine Erfolge. Die Stimmnng unserer Truppen ist überall eine ausgezeichnete.
Enttäuschung in Paris.
Aus Genf meldet der „Tag" unterm 22. Dezember: Die heute vorliegende, wortreichste aller bisherigen
und das wäre nicht nötig, aber ich wollte Dirs gar zu gern gemütlich machen, und unser Altchen wirds ganz gut bei uns haben, wenn Mama mal wieder verreist: meinst Du nicht auch, Tante Jose?"
Sie hatte dies alles lebhaft hervorgesprudelt, bald die Tante, bald ihren Vater ansehend, lächelnd und nickend, und ohne daß die andere Zeit zu einer Entgegnung gefunden hätte.
Währenddeffen waren sie durch ein geräumiges Speisezimmer, das trotz dem Holzfeuer im Kamin kühl war und mit dem leeren Eßtisch in der Mitte unbehaglich aussah, in das anstoßende Teestübchen gegangen, das mit feinen geblümten Kretonmöbeln, dem warmen Ofen und dem singenden Teekessel einen anheimelnden Eindruck machte.
Frau Mülmke, die behäbige Haushälterin, kam dem Gast knicksend entgegen, und kurze Zeit darauf saß Jo- sefine wohlversorgt in der Sofaecke, den Tee einnehmend, den Adele mit beweglicher Anmnt bereitete, während ihr gegenüber Bernhammer mit dröhnender Stimme von der Wirtschaft sprach.
Er scheute die Unterhaltung über das Nächstliegende: die morgige Abreise seiner Frau. Die Gegenwart des jungen Mädchens legte den Geschwistern ' Zwang auf. Das schwerwiegende Geheimnis der unglücklichen Ehe, und daß die Mntter morgen auf lange, unbestimmte Zeit fortgehe, wünschte er vor dieser kindlichen jüngsten Tochter zu verbergen. Hatte er doch auch mit Lydia ausgemacht, daß ihr Beschluß geheim bleiben solle, nur ihre ältere Tochter, die verständige L-ufanne, der Mutter Vertraute, würde es wissen.
Es erleichterte ihn, als die Türe aufging, und Su- mne rns Zimmer trat, die Tante mit einem Handkuß 'grüßend.
Susanne, etwas größer als die Schwester, blond nd blaß, mit ernsten, traurigen Augen, war schon seit en Stitiiiiiaaxsn die Pflegerin der Mutter und hatte
Joffre-Noten ist dazu bestimmt, dem französischen Parlament, das in den nächsten Stunden debattelos nahezu neun Milliarden bewilligen soll, den Mangel jeder bedeutsameren Entscheidung zu verschleiern. Die Gering- fälligkeit der heute gemeldeten Affaren steht in auffällig scharfem Widerspruch zu der Ruhmredigkeit des Joffre- schen Tagesbefehls, dessen zeitgemäße Veröffentlichung durch das deutsche Hauptquartier einen sehr peinlichen Eindruck in den Pariser parlamentarischen Kreisen her- vorrief. Noch gestern abend sah Kriegsminister Millerand sich genötigt, der Budgetkommission mitzuteilen, daß die Pariser Zeitungsmeldungen über große Erfolge der Verbündeten nnbestätigt geblieben seien. Die Kommission rvar wenig entzückt, zu vernehmen, daß die Deutschen eifrig fortfahren, Npern und Arras zu bombardieren und daß im Argonneuwald die angekündigts französische Revanche auch gestern ausgeblieben sei.
Rückverlegung des englischen Hauptquartiers.
Die „Times" meldet der „Nat.-Ztg." zufolge, das englische Hauptquartier sei mit Rücksicht auf die Anwesenheit des Prinzen von Wales, der als Adjutant beim Stäbe des Generals Freuch kommandiert ist, weiter nach rückwärts verlegt worden. Früher befand sich das Hauptquartier ungefähr in der Mitte der Front, man hat es aber für richtiger gehalten, den Sitz des Generalstabes jetzt außerhalb der Schußweite der großen deutschen Geschütze zu verlegen. Es befindet sich gegenwärtig etwa 32 bis 48 Kilometer hinter der Front. Wie die „Times" weiter zu berichten weiß, bereitet die telegraphische Verbindung zwischen dem Hauptquartier und London sehr viele Schwierigkeiten: diese machen sich für den Generalissimus in der störendsten Weise fühlbar.
Englands Angst vor -er -entschen Landung.
»s^ Lonoon, 23. Dezember. (T. u.) Wie stark man1 in den englischen offiziellen Kreisen mit einer deutschen Invasion rechnet, geht aus folgendem bisher sorgfältig geheimgehaltenen Umstände hervor: Das Ministerium des Innern hat an sämtliche Bürgermeister der am Meere gelegenen Ortschaften eine Zirkularnote gerichtet, in der die Beamten ausführliche Vorschriften für den Fall einer deutschen Landung erhalten. Es wird in der Note dringend geraten, die Bevölkerung zu veranlassen, in ihren Wohnorten zu bleiben, denn „die größte Gefahr bestände in einer Panik und kopflosen
8lucht der Einwohner, durch welche die strategischen perationen aufs höchste erschwert werden würden." Etwaiges Fortziehen der Einwohnerschaft und Räumen von Ortschaften darf nur unter der Kontrolle und Leitung der Militärbehörden geschehen. Unter keinen Umständen kann irgend etwas von Seiten der Einwohnerschaft auf eigene Verantwortung unternommen werden. Eine weitere dringende Aufforderung wird an die Freiwilligeukorps gerichtet, im Falle einer Landung deutscher Truppen keinerlei Unbesonnenheiten zu begehen, sondern auf die erste Aufforderung hin die Waffen a-znliefern. Es wird dann des weiteren an die jungen Leute in den Freiwilligenkorps die Mahnung gerichtet, lieber eine Stellung in der regulären Armee annehmen zu wollen, falls sie diensttauglich sind. Die Zivilstien werden nachdrücklicht gewarnt, im eigenen Interesse sich nicht durch Presseartikel zu Freischürlerta- ten hinreißen zu lassen. — Der Lordleutnant von Norfolk The Eart of Leicester hat eine in ähnlichen Ausdrücken gehaltene Bekanntmachung für die Zivilbevölkerung öffentlich anschlagen lassen. Diese Maßregel wird von -er Presse äußerst abfällig kritisiert, da sie geeignet sei, größte Beunruhigung in weiteren Kreisen der Bevölkerung hervorzurufen. Es werden verschiedentlich Stimmen laut, die eine Begrenzung des neuerlich verhängten Belagerungszustandes über ganz Großbritannien fordern, da andernfalls schwere Schädigungen des kommerziellen Lebens nicht ausbleiben können,
Deutschfeindliche Knndgebnngen in England.
^ Sunderland, 23. Dezember. (T. U.) Konsul Ahlers wurde auf Anordnung des Ministeriums des Inneren aus der Haft entlassen. Als die Kunde hiervon in der Stadt bekannt wurde, zogen zweitausend Personen, zum größten Teil rauflustiger Pöbel vor die von Deutschen geführten Schlächtereien und zertrümmerten die Einrichtungen. Die Polizei schritt nicht ein; keine einzige Verhaftung wurde vorgenommen.
Englands Rekrutierung.
London, 23. Dezember. (WTB.) „Daily Chro- nicle" veröffentlicht eine Unterredung des französische« Deputierten Hoquet mit Lloyd George, in der der englische Schatzkanzler sagte, Englands Ausgaben betrugen für Heer und Flotte monatlich 45 Millionen Pfund Sterlmg. England habe jetzt über 2 Millionen Soldaten und Seeleute unter den Waffen. Seit Anfang des Monats August habe man an Wehrpflichtigen nnge- fähr 1% Millionen Soldaten rekrutiert und man werde ■M—IMWIiWIWIll III '"' "»»■~”i“si^<i»iiigc5Wiaffl3Bagaa^cL^»'^
alle Launen derselben geduldig ertragen, das machte sie still und zurückhaltend und lag auf ihrem Wesen, wie Mehltau auf Blüten.
„Mama läßt bitten, liebe Tante," sagte sie langsam mit sanfter Stimme, „daß Du, sobald es Dir paßt, zu ihr kommst."
Frau Josefine erhob sich. „Ich bin jeden Augenblick bereit." Sie ging mit raschen Schritten, von Susanne begleitet, durch das Eßzimmer, die geräumige Hausdiele und die breite Treppe hinauf und trat zu ihrer Schwägerin ein. Das Zimmer der leibenden Frau war etwas verdunkelt, sehr warm und mit vielen Decken und bequemen Möbeln versehen.
Frau Lydia richtete sich halb aus ihrer liegenden Stellung in die Höhe und streckte der Eintretenden die Hand entgegen. Josefine eilte rasch auf sie zu und un- armte sie. „Wie fühlst Du Dich heute, meine arme Lydia?"
„Ich muß mich aufrecht halten, um morgen reisen zu können, er hat es so bestimmt," sagte sie achselzuckend, ärgerlichen Tones.
„Rolle der Tante den Lehnstuhl heran, Suse, und dann setze Dich ans Fenster und Halte Dich still."
Mit weinerlichem Ton fuhr sie fort: „Was sagst Du dazu, Josefine? Nun ist die Eytscheidung gefallen. Ich habe eingewilligt, sein Haus auf unbestimmte Zeit zu verlassen."
„Du wirst Dich vielleicht in einem milderen Klima erholen," erwiderte die Schwägerin und streichelte die lange, blasse Hand, die sie ihr entgegenstreckte. Sie hcrtte es immer verstanden, sich gut mit der Launenhafteu zu stellen, und in diskreter Weise oft zu vermitteln gesucht, aber die scharfen Gegensätze in den Karakteren des Ebc paares waren dauernd nicht zu versöhnen.
(Fortsetzung folQt.l