Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Serrfelder
für den Kreis Hersfeld
Willst
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 301.
Donnerstag, den 24. Dezember
1914
Bringt Euer Gold zur RelchshanK!
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden
\ sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat.
*(Die Verlustlisten werdn teurer!) Den Beziehern der deutschen Verlustlisten ist, wie die Kreuz-Zeitung schreibt, nachträglich eine Ueberraschung bereitet worden. Nachdem sie das Bezugsgeld für die Listen für den nächsten Monat errichtet hatten, wurde ihnen von der Post die Mitteilung, daß der alte Preis von 60 Pfenig auf 1.83 M. einschließlich Bestellgeld erhöht sei. Wer nicht nachzahlen will, verzichtetauf die Zustellung und bekonmt das schon Gezahlte wieder heraus.
§ Hersfeld, 23. Dez. (Feldpo st sendungen mit unzulässiger Adresse.) Neuerdings werden öfters Feldpostbriefe besonders Zeitungen unter Briefumschlag, mit der Adresse „An ein beliebiges Regiment im Osten" oder „An ein Etappen- lazarett im Westen" u. a. m. ausgeliefert. Derartig unbestimmt adressierte Sendungen können von der Post nicht weitergesandt, müssen vielmehr als unbestellbar behandelt werden.
§ Hersfeld, 23. Dezbr. Bei der Versendung von Paketen an mobile Truppen handelt es sich um eine militäriidje Einrichtung. Die Versendung ist zulamg entweder über die Ersatz-Truppenteile der im Felde stehenden mobilen Truppenkörper oder über Paketdepots. Die Beteiligung der Post beschränkt sich in beiden Fällen darauf, die Pakete anzunehmen und den m der Heimat befindlichen Ersatz-Truppenteilen oder Paketdepots auszuhändigen. Pakete durch Vermittelung der Ersatztruppenteile sind jederzeit zugelassen und nicht an eine Gewichtsgrenze von 5 Kilo gebunden. Das Porto für sie ist dasselbe wie für Soldatenpakete imFrieden. Die Pakete müssen an den Ersatz-Truppen teil adressiert werden. Sie werden ohne Mitwirkung der Post nach der Front als Frachtgut der Heeresverwaltung befördert und den Empfängern rm Felde durch die Heeresverwaltung, nicht also durch die Feldpost, zugestellt. Sind solche Pakete im Felde unvestell- bar, so sollen sie nach den von der Heeresverwaltung erlassenen Bestimmungen an den Absender zuruckbe- fördert werden. Pakete durch Vermittelung der Paketdepots werden nur für bestimmte Fristen und nur bis zum Gewichte von 5 Kilo durch die Heeresverwaltung zugelassen. Hierüber ergeht jedesmal eine Bekanntmachung, worin vie Frist genau bezeichnet ist. Wenn die Pakete bei der Post eingelrefert werden, erhebt diese ein Porto von 25 Pfg. Auch bei dreier Paketbeförderung hat die Post mit der Werterlertung der Pakete von den Paketdepots nach dem Felde und der Zustellung an die Trupen nichts zu tun, dre^ liegt vielmehr ebenfalls in den Händen der Heeresverwaltung. Hiernach ist es unrichtig, für das Ausbleiben der an Heeresangehörige im Felde abgesandten Pakete stet., die Postverwaltung verantwortlich zu machen, hat nur die Beförderung von der Aufgabepostaustalt in dem einen Falle zum Ersatz-Truppenteil m
anderen Falle zum Militär-Paketdepot zu vertreten, wobei Verluste oder große Verzögerungen nahezu auv- aescklossen sind. Die Schwierigkeit liegt in der -ve- ?örderuug der Feldpakete in Feindesland, namentlich wenn militärische Operationen stattstuden. Auch die dem Truppenteil obliegende Zustellung der Pakete ar hm Emviänaer ist keineswegs |o leicht aus fuhr bar, rote das Publikum vielfachannimmt. Viele Beschwerden der Absender von Feldpaketen darüber, daß diese nich angekommen seien, erweisen sich aw nM zutreffend, früh erhoben waren. In anderen Hauen läßt das Publikum unberücksichtigt, daß die über die Militär-Paketdepots gegangenen Pakete be tlmmung.'- nickt an den Absender zuruckgesandt, sondern zum Besten des Truppenteils verwandt werden, wenn n^ ^'^musänaer nickt mehr bei diesem befindet. Eb°n!° S “m V^ ^ P°k°'°n dieser Art °°r- w-en, die wegen falscher °d" ung-nug-»d-r Aus.
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der Standorte in den elastischen Kreisen Mühlhausen, Gebweiler, Thann und Colmar J zeit zugelassen sind und den Vorschriften und wn des Friedendienstes unterliegen.
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(Hersfeld) b. Pferdedepot 1. d. 11. A.-K.
-t- Heringen, 23. Dez. Eine eifrige Arbeit entfaltet der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz. Außer den hohen Geldbeträgen, die hier gesammelt worden sind, wurden 170 Weihnachtspakete mit Woll- sachen und Lebensrnittel für unsere Krieger ins Feld gesandt. Für die Verwundeten hat der hiesige Zweigverein ein Genesungsheim mit Einrichtung zur Verfügung gestellt, das dem Reservelazarett in Hersfeld angegliedert worden ist. Um den Angehörigen der Krieger eine Freude zu machen, hatten die Mitglieder des Vereins eine Weihnachtsfeier für die Kinder verunstaltet. Die Vorsitzende des Vereins, Frau Direktor Brandes hieß die Anwesenden herzlich willkommen. Fröhliche Weihnachtslieder, Deklamationen, wie Ansprache schlössen sich an. Zum Schluß wurde sämtlichen Kindern bescheert. Freudestrahlend verließen die Kinder den Saal. Möge der Verein, der sich auch der Armen annimmt, sich weiterhin kräftig entfalten, zum Segen der Gemeinde und zum Segen des Vaterlandes.
Niederaula, 20. Dezember. Hier wurde, veranlaßt durch Herrn Pfarrer Schröder, ein Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins gegründet, dem zahlreiche Mitglieder beigetreten sind.
Aus dem Werratale, 21. Dezember. Im Kalibergwerke zu Merkers stießen Bergleute auf giftige Gase. Arbeiter, die weiter oben arbeiteten, bemerkten die Gefahr und erstatteten Meldung. Infolgedessen konnten die in der Tiefe befindlichen Arbeiter noch rechtzeitig aus der großen Gefahr befreit werden.
Gaffel, 22. Dezbr. Der Hessische Volksschullehrer- verein hat auf seinen Aufruf hin in seinen Einzelbezirken als Kriegsspende .Hilfe in 3tot" bis jetzt 17 500 Mk. gesammelt. Doch sind die Sammellisten noch nicht abgeschlossen. Von dem Gelde werden solche Lehrer, sowie deren Witwen, Schulamtsbewerber oder Seminaristen unterstützt, die durch den Krieg ganz oder teilweise erwerbsunfähig geworden sind, ferner Witwen und Waisen gefallener Lehrer und unterstützungsbedürftige Eltern oder Verwandte, deren Stütze fürs Vaterland gefallen ist.
>§. (Die Irren-Heil- und Pflegean- ksverbandes Cassel.) Im Etatsjahre
Gaffel, 22. De, stalten des Seairl—------
1913 wurden verpflegt a) in der Landesheilanstalt Marburg 754 Kranke mit 117 372 Verpflegungstagen gegen 663 Kranke mit 119 556 Verpflegungstagen rm Jahre 1912; b) im Landeshospital Haina 884 Kranke mit 299168 Verpflegungstagen gegen 881 Kranke mit 299 422 Verpflegungstagen im Fahre 1912; c) im Landeshospital Merxhausen 908 Kranke mit 294 640 Verpflegungstagen gegen 897 Kranke mit 298 94b Verpflegungstagen im Jahre 1912.
Waltersbansen, 21. Dezbr. Die Blätter melden: Das fünfjährige Töchtercher? des Fabrikarbeiters Keil kam L Ofenfeuer zu nahe, Die Kleider des Kindes fingen Feuer, und das Mädchen erlitt so |d)iucie Brandwunden, daß es bald darauf starb.
Germerode, 21. Dezember. Ein recht bedauerlicher Unalücksfall ereignete sich hier. Die ledige altere Tagelöhnerin K. Hermann von hier stürzte bei der Arbeit so unglücklich vom Boden auf die Tenne, daß bewußtlos liegen blieb. Der sofort herbeigerufene Arzt aus Abterode stellte innere Verletzungen fest und veranlaßte die alsbaldige Überführung der Verunglückten in das Landkrankenhaus Eschwege.
Lanaemalza, 21. Dez. In d«>r Nacht zum Freitag
P i Uht brach im Hintergebäude des Haufes Wilbelms! °» S - «uchdruckerei »on Wendt >md Klauwell - ein größeres Schadenfeuer aus, durch das das Papierlager der Firma eingeafchert wurde. Dank dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr ge- den unter dem Brandherd liegenden setzer- saa? und Maschinenraum zu schützen, sodaß diefe nur leicht beschädigt wurden.
21 Dezember. Rasch tritt der Tod den Wenden an & X gestern eine hiesige Familie erfahren" Lim Mittagsmahl- wurde der öl Jahre a D Georg Engel von einem ÄVÄ -"d sank Win den W ^"^Sondershausen, 22. Dez. Von einem Förderkorbe ... ^a aeauetscht wurde gestern abend auf Schacht « Vr ®^
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richt wurde, wie der Ersurt-t: M«. «» Ä * in ^alfenrteö geborene, verheiratete SchMEer Karr 8er gegenwärtig Reserve-Gefreiter im Jnfanterle- reatment Nr 71 in Erfurt, der seit dem 25. August
als Postordonnanz kommandiert war wegen Unterschlagung von Liebesgaben, die für bas Ersatz- hAMtssnn 71er bestimmt waren, zu einem Jahr Gefängnis und Versetzung in die zweite Klage des Soldatenstandes verurteilt.
Hanau, 21. Dezember. Der Viehhändler B. Hahn zu Lohr a. M. verletzte sich bei einer Geschäftsreise in einem Eisenbahnwagen beim Zuschlägen der Tür an der Hand. Obwohl der Arm wegen eingetretener Blutvergiftung bereits amputiert wurde, verstarb der bedauernswerte Mann.
Frankfurt. a M., 19. Dezember. Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung des hiesigen Marien-Kranken- Hauses, Dr. Sasse, ist im Alter von 48 Jahren an einer Blutvergiftung gestorben, die er sich bet der Behandlung eines verwundeten Soldaten zugezogen hatte. Dr. Sasse, der als bedeutender Chirurg galt, war ein Schüler von Professor von Bergmann unö Geheimrat von Roter-Berlin.
......und Krieg auf Erden."
Ein Wethnachtsfest im Kriege begehen wir heute. Wie im Jahre 1870 tönt in die Harmonien des Weihnachtsdreiklangs die Dissonanz hinein: und Krieg auf Erden. Ein Krieg mit den furchtbaren Waffen der Neuzeit, wie größtem Geschützkaliber und Minen- werfern, Flieger- und Luftschiffsbomben, Untersee- bootstorpedos und Maschinengewehren. Ein Krieg, in dem die Liige mächtiger ist als das heldenmütigste Ringen, in dem halbwilde und farbige Völker losgelassen werden wie Dämonen der Hölle gegen Kultur unb Bildung; ein Krieg, dessen Ziel die Vertilgung des Deutschtums, die Aufteilung des mit Blut und Eisen errichteten Deutschen Reiches ist.
Weihnachtsfest im Kriege kann nur die christliche Familie recht feiern; denn die christlichen Feste unterscheiden sich nicht nur nach den geschichtlichen Ereignissen, bereit Andenken sie geweiht sind, sie unterscheiden sich auch in Art und Ort ihrer Feier. Weihnachten ein gemütvolles Fest, das in der Familie tief innig begangen werden will; Ostern ein Triumphfest, das im hochragenden Gotteshause unter Orgelklang und Siegesgesang gefeiert werden muß: Pfingsten, ein Fest Geistesbrause^s und feuriger Begeisterung, das am fühlbarsten in der verschwenderischen Früh- lingspracht, im blütenreichen Dome der Natur zu voller Geltung kommt. Weihnachten, das Fest der Familie. Der Krieg, der männermordende Krieg bringt es mit sich, daß in vielen Familien trauer- umflorte Augen fast feindselig in den Lichterglanz und bunten Flitterschmuck des Weihnachtsbaumes blicken, ohne den dem Frohen eine Weihnachtsfeier nichtig und farblos wäre. Ein Sohn, alle Söhne, der einzige Sohn gefallen: Ein Sohn vermißt, nicht geführt in den Listen der Gefangenenlager,' erschlagen, beraubt; vielleicht unbestattet im undurchdringlichen Dickicht des unterholzreichen Waldes oder auf trostloser kahler Heidenöde. In mancher Familie wieder betrachtet man schmerzlich bewegt das Kreuz, das auf dem Kartenblatte des Atlas bei den Kokos-Korallenriffen ober unweit der Falklandsinseln die Stelle bezeichnet, wo deutscher Heldenmut einer mit übermächtigen Waffen ausgerüsteten Ueberzahl erlag. Aber - ein großer Trost verklärt dann doch die Trauer. Sonst mag der Tod unlösliche Rätsel aufgeben, die erst im Jenseits verständlich werden; aber wenn dein Sohn, dein Mann, dein Bräutigam vorn Kriege zu Wasser oder zu Lande als Opfer erkoren wurde, so fiel er für jene größere heilige Familie, die sich deutsches Volk nennt: fürs Vaterland, damit es blühe, gedeihe, fürs Vaterland, damit Du und die anderen Deinen unversehrt von dem feurigen Atem des Krieges bliebest, unzermalmt von der russischen Dampfwalze und unbehelligt von französischer Revanchelust oder englischen Neidtücken; ein gesundes lebendiges Blatt, enge verwachsen mit dem gewaltigen Eichbaum deines deutschen Volkes, Kriegertod, Opsertod, für dich und alle' Draußen an der Aisne, Maas und Somme, an der Bzura und Rawka, Piliea und Nida, auf dem Meere und an den Küsten halten Menfchenmauern stand, die besser als hohe Berge, stärker als bombensichere Zinnen Vaterland und Herd schützen und bewahren, wenn auch der Feind das Weihnachtsfest mit Kampf und Lärm entweihen sollte.
Weihnachtsfest. Unter Gottes blauer Himmelskuppel eine große Familie; alle, die da an Jesus glauben, durch den Sohn Gottes Kinder Gottes. Im Schlachtentoben in Sterbensnöten zieht dank Gottes Liebe Friede, den die Welt nicht geben kann, ins Herz. Unterm Weihnachtsbaum und im Schützengraben Weihnachtserinneruug an jene wunderbare Geschichte und Tatsache, die mit dem Kaiser von Rom beginnt und von Engelslob erfüllt ist, die alle Gott- vertrauenden zur Krippe von Bethlehem und zur Versöhnung mit Gott führt. Krieg auf Erden, aber Frieden mit Gott, Frieden im Herzen. Das ewge Licht geht da herein und gibt der Welt einen neuen Schein; es leucht wohl mitten in der Nacht und uns zu des Lichtes Kindern macht.