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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Anzselder

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 300. Mittwoch, den 33. Dezember 1914

Bekanntmachung

Hersfeld, den 21. Dezember 1914.

Zur Abhaltung des Ecfaygeschästcs für das Jahr 1915 im Kreise Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:

Sonnabend, den 2. Januar 1915

von morgens 8 Uhr ab

Musterung und Aushebung der Militärpflichtigen aus der Stadt ßersfeld und sämtlichen Landgemeinden des Jdmtegerichtsbezirks Dersfeld.

Sonntag, den 3. Januar 1915

von morgens 8 Uhr ab

Musterung und Aushebung der Militärpflichtigen aus sämtlichen Landgemeinden pp. der Hmtsge»ichtsbe- zirhe friedewald ^siederaula und Schenhlengsfeld.

Montag, den 4. Januar 1915

von morgens 8 Uhr ab

Musterung und Aushebung des etwaigen Restes der Militärpflichtigen sowie Untersuchung von Reservisten, Mekrteuten und Ersatz-Reservisten.

Das Erfatzgeschäst findet zu Hersseld in der neuen Turnhalle (August Gottliebstraße) statt.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Land­gemeinden des Kreises werden angewiesen:

1. die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Ge meinden und zwar:

a) die in der Zeit vom i. Januar bis ein- schliesslich 31. Dezember 1895 Geborenen,

b) die in den Jahren 1894, 1893 oder früher Geborenen, welche bei den Ersatzgeschäften oderbei derKriegeauehebungig^zurüchgestellt worden sind und demnach über ihr Militär- verhältnis noch keine endgültige Entschei- dung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungsterminen vorzuladen.

Militärpflichtige, welche bei der Friedens- und Kriegsaushebung 1914 ausgehoben wurden, und noch nicht eingestellt worden sind, haben sich zum Erfatzgeschäst 1915 nicht zu stellen.

2. In den Terminen sich persönlich einzufinden und so lange zur Stelle zu sein, bis sämtliche Militär­pflichtige der betreffenden Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen.

3. Die Militärpflichtigen find anzuweisen rechtzeitig zur Stelle zu sein;' auch ist denselben aus^ucklich zu eröffnen, dass sie mit sauberem Körper und reiner Masche zu erscheinen haben.

Militärpflichtige, welche ohne genügenden Ent­schuldigungsgrund im Musterungstermine nicht erscheinen oder beim Aufruf ihrer Namen im Musterungslokal nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft. Ist die Versäumnis in böswilliger Absicht, oder wiederholt erfolgt, so kann ihre sofortige Einstellung zum Militärdienst als unsicherer Heerespflichtiger erfolgen. f .. ,

Militärpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden be­haupten, haben aus ihre Kosten die glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wenn wie oft und in welcher Weise sie die epilep­tischen Anfälle bei dem Militärpflichtigen wahrgenommen

^Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler und Erkrankungen, welche sich im Termine nur mit Schwierigkeiten feststellen lassen (z. B. geistige

umgehend einzureichem Auch sind die in den Händen der Militärpflichtigen' befindlichen Musterungsausweise oder sonstigen Militärpapiere einzuziehen und mir bis zum 28. Dezember »914 einzureichem ~

Schließlich ist noch dafür Sorge zu tragen, dan die zu den Musterungsterminen erschienenen MilitärpsUchttgen sämtlich der Ersatzkommission vorgestellt werden, auch wenn sie nicht verlesen wurden und m den Gründeten "^Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes wieder­holt in ihren Gemeinden bekannt machen zu lasien.

Der givilvorfitzende der Ersatzkommission:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Neuregelung der Paßpflicht in Deutschland.) Wie imReichsanzeiger" bekannt­gegeben wird, tritt am 1. Januar 1915 eine neue kaiserliche Verordnung, betreffendanderwette Re­gelung der Paßpflichten" in Kraft. Die hauptsächlichsten Punkte sind folgende: Bis auf weiteres ist jeder, der das Reichsgebiet verläßt oder der aus dem Auslande in das Reichsgebiet eintritt, verpflichtet, sich durch einen Paß über seinePersonauszuweisen. Jeder Ausländer, der sich im Reichsgebiet aufhält, ist verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen. Wehrpflichtigen Deutschen im Jnlande dürfen Pässe nur mit Zustimmung des Bezirkskommandos ausge­stellt werden, in dessen Kontrolle sie stehen. Soweit für Wehrpflichtige eine Kontrolle nicht besteht, ist die Zustimmung desjenigen Bezirkskommandos erforder­lich, in dessen Bezirk die Wehrpflichtigen ihren Wohn­sitz oder dauernden Aufenthalt haben. Die Militär­befehlshaber sind ermächtigt, in ihnen geeignet er- scheinendenFällen gewisse Erleichterungen beiErfüllung der Bestimmungen der Verordnung zu gewähren.

* (Ehren tafe ln in den Schulen.) Das Kgl. Sächsische Kultusministerium hat sich einer An­regung folgend, damit einverstanden erklärt, daß allen Schülern höherer Lehranstalten, ebenso allen Lehrern, die im gegenwärtigen -Kriege gefallen sind, Ehrentafeln im Festraum der betreffenden Anstalt gewidmet werden, und zwar in künstlerischer Aus­führung unter dem Schmuck des Eisernen Kreuzes, künftigen Schulgeschlechtern zur Nacheiferung.

* Einrichtung des Postzeitungs- d i e n st e s i n B e l g i e n. Am 1. Januar 1915 tritt in Belgien ein deutscher Postzeitungsdienst in Wirk­samkeit. Es werden zunächst von den Postanstalten in Brüssel und Verviers Bestellungen des Publikums auf deutsche Zeitungen und Zeitschriften angenommen. Die einzelnen Exemplare werden unter Umschlag mit der persönlichen Adresse des Beziehers gegen Erhebung des in Deutschland geltenden Bezugspreises und der im Zeitungsdienst der Feldpost üblichen Umschlag- gebühr befördert.

8 Hersfeld, 22. Dezbr. Im Gegensatz zu früheren Jahren wird der starke allgemeine Verkehr am 24. Dezember nachmittags mit der Abbeförderung einer großen Anzahl von Militärurlaubern zusammentreffen, und auch am 27. Dezember und 81. Dezember nach­mittags außergewöhnlich anschwellen. Wegen Hergabe Znes großen Teils der Betriebsmittel zu Heeres­zwecken können Vor-, Nach- und Sonöerzüge nicht in dem gleichen Umfange gebildet werden als es früher geschehen ist und wie es auch dieses Jahr zur ord­nungsmäßigen, pünktlichen Betriebsfiihrung wün­schenswert wäre. Es wird nicht zu vermeiden fern, daß am 24., 27. und 81. Dezember nachmittags alle Küae sehr stark benutzt, leicht Verspätungen erhalten, ünd unter Umständen Anschlüsse versäumen werden; vereinzelt werden den Personenzugen auch mit Banken ausgerüstete Güterwagen beigestellt werden müssen. Hiernach dürfte es sich empfehlen, wenn alle die­jenigen die über ihre Reisezeit frei verfugen können, sich dem Vorstehenden gemäß mit ihrer Reise ein- vfänaers bezw. der Empfängerin enthalt. Bei ftmt- sendunaen nach Berlin ist es erforderlich, außer der Mobnunasanäabe auch die Bezeichnung des Postbe- ^rks N S SW usw zuzusetz Es liegt im eigenen Interesse des Publikums, wenn es nach dreien Be- stimmunaen verfährt. Da in den letzten Tagen des Monats erfahrungsgemäß ein sehr ^Eer Andrang zu

SÄÄ^^

Jaoen vor Neujahr vorzunehmen. Es lagt nch als dann nicht vermeiden, U das Pudttkum vor den überfüllten Schaltern warten muß. Auch die früh­zeitige Bestellung der Zeitungen liegt tm Interesse

des Publikums. .,

CaNel 19 Dezember. (Verbot von Viehmartten.) Im Reaierunasbezirk Cassel hat das Auftreten der Maul- und Klmienseuche in der Gemeinde Albüngen im Kreise Eschwege Viehmarktsverbote zur F^ Uabt 4n Albungen herrscht die Seuche rn vier cve- böften Auch in der Stadt Eschwege ist die Seuche zum Ausbruch gelangt. Dagegen ist die Seuche auf sem Gute Bodenhausen bei dem nahen Ehlen (Kreis Wolfhagen) wieder als erloschen festgestellt worden.

Cassel, 21. Dez. Das Hessische Diakouissenvaus hat seit Beginn des Krieges einen Zuwachs von 21 Schwestern gehabt; auch für die nächste Zeit sind noch weitere angemeldet. Kürzlich konnten im Hause fol­gende Schwestern eingekleidet werden: Marie Deich- mann aus Cassel, Anna Brocker aus Duisburg, Mathilde Wilhelm aus Cassel, Elise Henning aus Nentershausen, Martha de la Motte aus Bresenstedt, Dora Werner aus Cassel, Marie Fröhlich aus Alten- städt, Kr. Wolfhagen, Anna Sippel aus Hönebach, Mathilde Richstein aus Brungershauseil bet Calden, Christine Voll köpf aus Hönebach, Katharine Spill aus Aua, Kreis Hersfeld, Magdalene Schrepe aus Cassel.

Hanan, 19. Dezember. Größere Gefangenentrans­porte russischer Offiziere sind nach Mittel- und Süd­deutschland gebracht worden. So passierten am Don­nerstag in einem Svnderzug den Bahnhof Hanau 360 russische Offiziere, darunter zwei kommandierende Generäle, welche nach Heidelberg und nach dem Ge­fangenenlager in Villingen gebracht worden sind. Ferner trafen etwa 200 russische Offiziere in Fried- berg i. H. ein, die in der neuen Jnsanteriekaserne einquartiert werden. Unter den Gefangenen be­finden sich Vertreter aller Volksstämme Rußlands.

Darmstadt, 19. Dez. Der 41 Jahre alte Gärtner Asheuer erschoß in einem Anfall geistiger Störung seine Ehefrau und seinen vierjährigen unehelichen Jungen mit einer Jagdflinte. Dann setzte sich As­heuer auf sein Bett und tötete sich selbst durch einen Schuß in das Herz. Eine Tochter tm Alter von 11 Jahren war zur Zeit der Tat von Hause abwesend.

Darmstadt, 19. Dezember. Gestern stürzte infolge starker Böen aus dem Flugplatz bet Darmstadt ein Flugzeug ab. Der Beobachter Kohl wurde getötet, der Führer Gruse schwer verletzt.

Feldpost.

Gedenkt unsrer Krieger in Liebe durch die Feld­post. Sucht auf alle mögliche Weise ihnen das Herz .zu erleichtern durch die Feldpost. Klagt nicht in Euren Briefen durch die Feldpost. Pflanzt Liebe undFreuden- tränen in jedes Wort welches Ihr an sie niederschreibt. Laßt jede NachrichteineEngelsbotschaftfür sie sein. Dann, 0 dann werden sie froh zu dem aufschauen, der alle Geschicke auf Erden lenkt, und um so heiliger werden sie Haus und Herd ihrer Lieben zu verteidigen suchen. Der Empfang einer Feldpost ruft unter den Kriegern eine unbeschreibliche Freude hervor; im poetischen Sinne sei ein solcher hier wieder gegeben:

Horcht! welch ein jubelndes Gebrause

Es ruft und jauchzt Hurra! Hurra! Kameraden Grüße von zu Hause, Herbei! die Feldpost, sie ist da.

Von Sturmesjubel fortgetragen Bon frohen Menschen eingeengt, Von rechts und links bestürmt mit Fragen, So, wird der Bote dtcht^umdrängt.

Her mit dem Brief, die Karte mir

Es strecken sich die Hände aus,

Das Schönste in dem Felde hier, Das ist ein lieber Gruß von Haus.

Ihr, die Ihr in der Heimat weilt Schickt uns den Liebesgruß hierher, Daß er der Sehnsuchtswunden heilt, Und Herzen füllt die freudeleer.

O Liebesgruß, Du Born der Freude

Du Trostquell aus der Heimat fern, Uns Kriegern hier bedroht vom Leide, Strahlst Du uns stets als goldner Stern.

Hersfeld, Max Bauer, Ober-Postschaffner.

Weihnacht!

Wieder klingen Weihnachtsglocken

Durch das Land mit lautem Schall

Und verkünden mit Frohlocken: Friede! Friede! Sei nun überall.

Weihnacht! Fest der Freude, Fest der Liebe,

Wieder kehrst du bei uns ein, Aber Ach, wo ist die Freude, wo der Friede, Wenn heut erglänzt dein Kerzenschein?

Denn unsre Väter, Söhne und Brüder Zogen hinaus, das Schwert in der Hand Und viele, viele, sie kehren nicht wieder, Sie schlummern als Helden in Feindesland. Drum blicken gläubig wir nach oben heute Wenn wir Weihnachtslieder singen, Bittend: Mach nur diese Festesfreude Frieden! Frieden! Wollest bald nur bringen.