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Mißstimmung unter den Verbündeten.

Ernste Unzufriedenheit der Franzosen mit England.

^ Genf» 21. Dezember. (Dtsch. Tgztg.)Gazette de Lausanne" meldet ein bedeutsames Eingeständnis emes Pariset Korrespondenten wegen der herrschenden Mißstimmung zwischen Frankreich und England: Das Volk murre überall auf den Straßen, in den Cafees und Salons. Die Erbitterung sei unverkennbar. Englands Hi fe entspräche nicht Englands Politik. Die bisherige Hilfe sei unbedeutend und England mache jetzt allzu langsame Anstrengungen, ja, es wolle den Krieg absicht­lich zn eigenem Vorteil in die Länge ziehen. Solches Phlegma sei jetzt unangebracht, weil Belgien zerschmet­tert sei und ein Sechstel Frankreichs unter fremdem Joche schmachte. Das könne unmöglich so weiter gehen. Falls das Volk überzeugt wird, daß England egoistisch auf seinen sicheren Inseln sitzt, statt Hilfe in vollem Um­fange zu leisten, werde das Volk der Einflüsterung nach- IdSi^ Separatfrieden mit Deutschland ab- m . Die ^Köln. Ztg." veröffentlicht auf Grund von Briefen, die ein kühler, unbefangener Beobachter aus Frankreich nach Holland geschrieben hat, ein Stim­mungsbild aus Frankreich, wonach die nachdenkendeu Franzosen allmählich zu der Erkenutnis kommen, daß ihre Heimat betrogen sei. Nachdem Frankreich neun Zehntel der Arbeit geleistet, alle Folgen des Krieges im eigenen Lande getragen hat, möchte es sobald als mög­lich ein Ende machen. Es befindet sich aber in Verbin- dung mit einem Geschäftsteilhaber, dessen Interesse verlangt, daß der Krieg möglichst in die Länge gezogen wird, um mit aller Anspannung für die ganze Welt das Frachtgeschäft besorgen zu können.

Anklagen gegen Rußland.

Das in Paris erscheinende Blatt der französischen SozialdemokratenGolos" kritisiert in scharfen Wor­ten die Heuchelei der russischen Regierung, wonach dieser Krieg für Rußland eine nationale Notwendigkeit sei. Die Liberalen Rußlands, die ebenfalls in das chauvini­stische Horn blasen, erklärt das Blatt für finnesverwirrt.

Französische Truppentransporte nach Marokko.

Aus Kopenhagen wird gemeldet: Wie fran­zösische Blätter berichten, sah sich die Heeresleitung ver­anlaßt, zwei Kolonialregimenter nach Nordmarokko und nach Tunis zn entsenden, um die dortigen Garnisonen zu verstärken.

Französische Vorwürfe gegen Joffre.

Im PariserPetit Journal" beklagt der Exminister Pichon die in französischen leitenden Kreisen einer Militärkonvention mit Japan bereiteten Hindernisse. Pichons Klage richtet sich, wie au^ deutlichen Anspie­lungen hervorgeht, gegen den Generalissimus Joffre, welchem die fremdländischen Heeresclememe schon jetzt schwer zu schaffen machen. Von einer etwaigen japa­nischen Intervention befürchtet Joffre eine noch be­denklichere Einschränkung der französischen Führer­schaft.

Neue Panik in Hartlepool.

»e* Amsterdam, 21. Dezember. (Voss. Ztg.) Times berichtet von einer neuen Panik in Hartlepool. Die Be­hörden hatten den Bewohnern der Stadt durch Schutz­leute mitteilen lassen, daß vorläufig niemand sein Haus verlassen sollte. Einige der Schutzleute gaben sogar den Rat, sich nach den Abhängen zu flüchten, da eine Be­schießung zu erwarten wäre. Die Arbeiter wurden aus den Schiffswerften nach Hause geschickt, und die Folge war eine große Panik. Der Bürgermeister von Hartle­pool hat jetzt eine Bekautmachung erlassen, in der von einem Mißverständnis die Rede ist. Einige Todesfälle im Hospital haben die Zahl der Toten für Westhartle- pool allein auf 93 gebracht. (T. U.)

DieFrankfurter Zeitung" meldet aus Amsterdam: Die englischen amtlichen Berichte über die Opfer der Beschießung der Küste geben zu, daß die deutsche Kreu­zerpatrouille den TorpedojägerDoon" bei Hartlepool in den Grund gebohrt habe. Dieser Torpedojäger wurde im Jahre 1904 gebaut. Er hatte 550 Tonnen Raumin­halt. Me Besatzung betrug 20 Mann. Von wetteren Schiffsverlusten sprüht der offizielle Bericht nicht.

Minenopfer an der englischen Nordseeküste.

-»^Mailand, 20. Dezember. (T.-U^ DerCor- riere della Sera" meldet aus London: Mehrere Dampfer sind an der Küste von Yorkshire an der Nordsee, auf Minen gerate« mit insgesamt 18 Opfern, darunter sechs vom schwedischen DampferEltervater", der vorgestern abend 6 Uhr in drei Minuten sank. Der Dampfer City" rettete die übrigen Mannschaften. DieCity sah während des Rettungswerkes den DampferPritt- zesiin Olga" und einen nicht erkannten Dampfer auf Minen stoßen. Die Mannschaft des ersteren wurde ge­rettet. Die Admiralität hat zeitweise die Schiffahrt in jener Gegend verboten.

Ein großer englischer Dampfer der Minengefahr glücklich entronnen.

(T.-U.) Der neue der am 4. Dezem- - - ^ der

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^ Neuyork, 20. Dezember.

Cunard-DampferTranssylvania", der am 4. ber Liverpool verließ, hatte wenige Stunden nach Abfahrt ein aufregendes Abenteuer. Gegen 8 Uhr mor­gens ereignete sich plötzlich vor dem Bug des «ch sses eine furchtbare Explosion. Zwei Minen, die vom Sturm losgerissen wurden, waren znsammengeftoßen und vnrch den Anprall explodiert Einige Sekunden später und das Schiff hätte seinen Untergang gefunden. Erfolge der Mohammedaner in Aegypten.

Pera, 20. Dezember. lT.-U.) 40 000 Sennssis schlugen die Judertruppen an der ägyptischen West­grenze, erbeuteten Munition und Proviant nnd dran- nett bis östlich der Oase Siwa vor. 20 000 Sennssis er­oberten K-ntara. Die Mohamm^aner in ^ ägypti­schen Grenzorten gingen zu den Sennsiis über, b«»»» Sudanesen gingen siegreich gegen Kortum vor. Inder- truppen, die den Sennsiis entgegengesandt wurden, meu-

terten. ^er Aufstand im Subau.

Süden Aegyptens haben Kämpfe begonnen. Der Hakim von Dafür laegyptische Provinz zwischen Wada^ Kordofan, Fertit und der Lybischen Wutte) bat mit 000 Mann einen Angriff unternommen, -tit Lnze Kvwz Elkab, zum engüschen Sudan gehörm. ^c nm erhoben. Die englische Regierung sandte indi- irbers Rote Meer, die bei der Landung mc««E Ein Militürzug mit Kruppen nach Karibum n'w&n^Ä snd°i° »-Lid"M»V%,?Ä 'S» L°Nich-nO»-°n S&VStare. Die. L N-N-inkLm-n. wird ihm -aum noch g=ün8=n.

Eine englische Schlappe in Sudwest.

. . ontthnn 21. Dezember. Reuter meldet aus Kap- ttadt^In Garub, 30 Meilen östlich von Lüderitzbucht, ^Am Delember ein Gefecht zwischen vordrrngenden englische« Truppen unter Sir Duncan Mackenzie und

»ettfj^en Truppen stattgefunden. Der Kampf, der über zwei Gtunden dauerte, endete mit dem Rückzüge der Engländer.

Diese erfreuliche Meldung ist umso wertvoller, als Reuter sie gibt, der seinen Draht nicht gern mit deut­schen Waffenerfolgen belastet. Auch einen Bericht über

Stümpfe in Kamerun,

die das Pressebureau iu London verbreitet, ist nicht zu entnehmen, daß die Deutschen etwa schlecht abgeschnitten hätten. Nach diesem Bericht rückten die Engländer lang­sam an der nördlichen Bahnlinie vor. In einem scharfen Gefecht bei Lum, ungefähr zwanzig Meilen nördlich Mnluka, verloren die Engländer a» Toten einen Leut­nant und drei Eingeborene und an Verwundeten einen Leutnant und acht Eingeborene. Am 10. Dezember war die ganze nördliche Bahnlinie im Besitze der Engländer, wobei ihnen fünf Lokomotiven und zwei Flugzeuge in die Hände fielen. An der Ostbahn verloren am 20. No­vember französische Kundschafter an Toten zwei Offi­ziere und 29 Eingeborene. 15 Eingeborene wurden ver­wundet. Es gelang den Dentschen nicht, über die nige- rische Grenze vorzudringen, an der kleine Scharmützel stattfanden. In einem Gefecht mit einer deutschen Streifpatrouille in Nordkamerun verloren die ^n^^ länder einen Leutnant und einen europäischen Frei­willigen.

Ein Bnrenführer zum Tode verurteilt und erschossen.

w> Pretoria, 21. Dezember. lWTB.) Der Bu­renführer» Hanptmann Fourie, ist gestern früh vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und heute früh er­schossen worden. Sein Bruder, Leutnant Fourie, wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, das Urteil aber in fünf­jährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Beide gehörten ursprünglich zur südafrikanischen Miliz.

Japan will das Verlangen Australiens ablehnen.

r-^ Kopenhagen, 21. Dezember. (T. U.) Das japa­nische Parlament ersuchte nach Petersburger Meldungen die Tokioter Regierung nm Ablehnung des Verlangens der australischen Bundesregierung, die Operationen der japanischen Flotte auf den Raum nördlich des Aeqna- tors zu beschränken.

Der Dreikönigstag in Malmö.

Aus Malmö wird gemeldet: Ein Sonnabend ver­öffentlichtes Communiquee über die Zusammenkunft der Könige von Schweden, Norwegen und Dänemark be­sagt u. a., in seiner Einleitungsrede habe König Gustav den einträchtigen Willen der nordischen Reiche zur Neu­tralität betont und hervorgehoben, wie wünschenswert eine fortgesetzte gemeinsame Arbeit zwischen den Reichen zum Schutze der gemeiusamcn Interessen sei. In ihren Erwiderungen gaben die Könige Christian und Haakon der Hoffnung Ausdruck, daß die Zusammenkunft segens­reiche Folgen für die drei Völker haben möge. In den Verhandlungen gelangte besonders die Einigkeit in aen, die von der einen oder anderen Seite vorgelegt

en, zum Ausdruck, und so oft die Verhältnisse Ver­anlassung geben, werden neue Zusammenkünfte zwi­schen den Vertretern der Regierungen angeordnet werden.

Die Neutralen.

Wachsende Unzufriedenheit der italienischen Handelswelt.

Die rücksichtslose Art und Weise, mit welcher Eng­land die Kontrolle über alle Handelsschtffe neutraler Staaten im Mittelmeer ausübt, erregt bei den, italieni­schen Industriellen steigendes Mißbehagen. Die Schiffe treffen oft mit tagelanger Verzögerung ein, da ste von englischen Kriegsschiffen auf hoher See aufgebracht und trotz aller Proteste in willkürlichster Weise festgehalten werden. Es hat sich daher ereignet, daß ganze Schlfss- laöungen besonders mit Lebensrnitteln am diese Weise verdorben an ihrem Bestimmungsorte angelangt sind. Von Seiten der Industriellen sind mehrere Protestver- sammlungen abgehalten worden und es ist einstimmig beschlossen, eine energische Protestnote an die franzö­sische und englische Regierung dreserhalb abgehen zu lassen.

Der Haß Chinas gegen England.

DieTimes" beklagen sich nach Kopenhagener Mel­dungen über die zunehmende Popularität Deuttchlands in China. Seit dem Einfall der Japaner in Tsingtau werden zahlreiche Zitate aus chinesischen Zeitungen wiedergegeben, in denen England ein beurfileriuher Schwätzer un6 Räuber genannt wirb. DieMsing Jih Pao" verlangt direkt von Eugland als den ^ttrsttster Japans Entschädigung für die m chinesischen Städten durch die Japaner verursachten schaden.

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Holland.

Der holländische Kriegsminister verkündete in der zweiten Kammer, daß er in nächster Zeit ^men Gesetzes­vorschlag dem Hause unterbreiten werde, durch den die bisherige Loskaufung aufgehoben und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden soll.

kriegsolierlel.

Ein englisches Boot beim Minenauffischen in die Luft

London, 21. Dezember. lWTB.) »Lloyds" melde? Mehrere Boote waren 5 Meilen südlich von Kearborouah mit bem Auffischen von Minen beschäftigt. Rns von diesen Booten flog iu die Saft, wobei nur ein Mann ge^ konnte. Zwei andere Boote sollen nntergegangen sein.

Ein lothringischer Ueberlaufer.

Rom, 21. DezenrSer. (T. U.) Der lothrittgstche Reichstagsabgeordnete Weilt teilt Freunden mit, bau er ins französische Heer übergetreten sei.

Ein katholischer Bußtag am 10. Januar.

Mine Sonderausgabe des Kirchlichen Anzeigers bti Erzdiözese Cöln veröffentlicht ein Hirtemchreiben der Erzbischöfe und Bischöfe des Deutschen Reiches, nach dem am Smu taa den 10. Januar, ein allgemeiner Bußtag slaltttnüen soll Die Feldgeistlichen werden durch den Armeebstchos von der Feier benachrichtigt und aufge- sordert, die Mannschaften soweit als möglich zur Mit- feier anzuleiten.

Die tapferen Hessen.

Die Großherzogin von Hessen hat, der Darmstädter Zeitima zusoGe, folgendes Telegramm vom Grotzherzog bem Felde erhalten:Freudigen Herzens habe ich meine top-Iren Hessen im Osten beglückwünscht und ge- und Kameraden B^eisterutm und ^ ÖLroü1' gerufen haben wird. Gott schütze unwre^Henenl^^

Ein Ehrendegen für Hindenburg.

LSL L° N°wen"L"L von Künstlerhand geschaffenen Ehren!>egen zu über­reichen.

Ein französischer Zweidecker abgestürzk.

Aus Genf wird gemeldet: Inmitten des Pariser Schlachtviehhofes zerschellte ein französischer Militär- Zweidecker. Die Insassen wurden als verkohlte Leich­name hervorgezogen.

Konteradmiral Souchou vom Sultan empfangen.

Aus Konstantinopel meldet der Draht: Der Sultan empfind den Konteradmiral Souchou in Audienz, der, wie in Hofkreisen verlautet, vor den: Sultan erschien, um für die ihm jüngst verliehene Auszeichnung zu dan­ken. Auch die türkischen Abendblätter heben die Be­deutung der in Galizien und Polen über die russischen Armeen emntnencu Siege hervor und stellen fest daß die Osmanen Grund haben, darüber ebenso erfreut zu fein wie Deutschland und Oesterreich-Ungarn.

Deutsche Gefangene in Tunis.

Wie nach derFranks. Ztg." aus Mailand gemel­det wird, werden in Tunis große Barackenlager für die beut sehen Gefangenen erbaut. Die Offiziere wohnen in besonderen Baracken. Zur Bewachung der Deutschen werben nur weiße Truppen verwendet, da die Moham­medaner den Deutschen zur Flucht helfen könnten. Die Behandlung der Deutschen soll out sein.

Das Geheimnis der Tropenhelme von Antiguauo.

Am Strande von Antignano bet Livorno sind wie­derum sieben Tropenhelme vom englischen Regiment Connanght Rangers" an Sträub gespült worden. Der aus Rom dort eingetroffene Marmeattachee der briti­schen Gesandtschaft, Kapitän Boyle meint, die Möglich­keit des Unterganges eines britischen Transportschiffes tu den dortigen Gewässern sei nicht ausgeschlossen.

Die Weihnachtsgaben aus Amerika.

In der großen Vorhalle des Berliner Rathauses faitb am Freitag der Empfang des Gesandten der ame­rikanischen Jugend, des nebcrbrüuwrä der Weihnachts- gaben der amerikanischen Jugend an deutsche Kinder, O'Loughlin, statt, dem u. a. als Vertreterin der Kaiserin Gräfin Brockdorff, ferner die drei älteren Söhne des Kronprinzenpaares beiwohnten. Oberbürgermeister Exz. Wermuts) dankte den amerifanifebeu Kindern, die deutschen Kindern, denen der mitleidslose Krieg den Vater und Ernährer geraubt habe, in ernster und schwe­rer Zeit eine Weihnachtsfrende bereiten wollten. Die drei Prinzen des deutschen Kaiserhauses wollten die Ju­gend vertreten, die die Gaben der amerikanischen Kinder nie vergessen würden. Dann überreichte O'Longhltn die Gaben mit dem Wunsche, daß baldiger Friede die ganze Welt erfüllen möge.

Eichenhaine des Weltkriegs.

Der Direktor an der Königlichen Gärtnerlehran- statt an Berlin-Dahlem, Lange, rät, in jeder Gemeinde für jeden aus ihr im Kriege Gefallenen eine Eiche zu pflanzen. Diese Eichen zusammengestellt auf irgend einem besonders hübsch gelegenen Fünfte in der Nähe des Ortes würden dann ein beliebtes Wallfahrtsziel der kommenden Generationen bilden, sie könnten fest­lichen Zusammenkünften und Veranstaltungen dienen, sie könnten ein bleibender Ort der Weihe fein, der mit dem Seelenleben der Gemeinde, mit den bedeutendsten Erlebnissen des Ortes innigst verwüchse.

Vermischtes.

Eine Löwenjagd in Nenyork. DieTimes" melbct aus Neuyork: Fitus Löwen entflohen aus dem Theater der 86. Straße während einer Srachinittagsvorstellung. Es entstand natürlich eine Panik bei dem Publikum. Etwa ein Dutzend Polizisten eröffneten das Feuer auf die Tiere. Bei dieser Schießerei wurden drei Personen und ein Polizist durch Schlisse verwundet. Die Löwen machten darauf einenFrontangriff auf die Polizei", von denen zwei verletzt wurden. Auch mehrere Perso­nen aus dem Publikum wurden während der Panik verletzt und mußten nach dem Hospital gebracht werden. Die Löwen konnten dann einzeln wieder eingefaugen werden, nur einem gelang es, die Straße zu erreichen. Schließlich wurde auch dieser Löwe getötet. Die ande­ren vier wurden in ihre Käfige zurückgebracht.

Der Assessor als Stiefelputzer. Aus dem Feldpost­brief eines Kommandeurs teilt dieSchlef. Ztg." fol­gendes mit: . . .UebriaenS eine kleine nette, dabei wahre Geschichte. Der Chef meiner sechsten Batterie läßt sich neulich durch einen Kriegsfreiwilligen die Stie­fel von dem erheblichen Lehmbelag reinigen, den sie durch den tagelangen Aufenthalt in den Geschützstellun­gen angenommen hatten. Als das Ergebnis der Arbeit nicht ganz an feiner Zufriedenheit auSfiel, äußerte er fein Mißfallen und fragte den Kriegsfreiwilligen schließlich, was er beim eigentlich in feinem bürgerli­chen Leben sei, wenn er nicht einmal Stiefel putzen könne. Antwort:Assessor im . . Amt in Berlin." . ."

,,N» willst wi awer na London!" Aus Kiel wird derTgl. Rdsch." geschrieben: Ein ergötzlicher Vorfall ereignete sich dieser Tage auf dem hiesigen Bahnhof. Dort waren zahlreiche Damen anwesend, die Liebes­gaben verteilten, unter anderem die Prinzessin Heinrich von Preußen, die bet diesen Anlässen nie fehlt? Kurz vor Abfahrt des Zuges bahnte ein Marineunteroffizier durch das Gedränge auf dem Bahnsteig sich seinen Weg, und als er dabei von ungefähr eine Dame in weißer Schürze, eine Hand leicht in die Seite gestützt, vor sich stehen sah, glaubte er, an diese gütige Spenderin ein freundliches Abschiedswort richten zu müssen. Er schob also ohne viel Umstände seinen Arm unter den ihren, und als dieser sich löste, (lupfte er ihr ganz kamerad­schaftlich auf die Schulter und sagte vergnügt:Siso, mien Teern, wat seggst du nu? Nu wüllt wi awer hin na London!"Das tun sie nur!" war die Antwort, und als die Sprecherin sich dem Maaten zuwandte, erkannte dieser zu feinem Schrecken die Prinzessin Heinrich. Aber die gute Stimmung half ihm über seine anfäng­liche Verlegenheit hinweg, und er wiederholte, wenn diesmal auch ohue handgreifliche Bekräftigung:Ja, königliche Hoheit, nun wollen wir nach London und die Engländer verdreschen!"Das tun sie nur!" nickte noch­mals freundlich die Prinzessin, und wohlgemut bestieg der unternehmungslustige Vaterlaudsverteidiger den Zug._______________________________________________

Weitere Drahtnachrichten.

Fürst Bülow vom König von Italien empfangen.

»s* Rom, 21. Dezember. lWTB.) Nach der Agenzia Stefani" hat gestern vormittag »Fürst Bülow dem König sein Beglanbignugsschreiben überreicht, er wurde im Thronsaal empfangen.

Zeichen der revolutionären Gärung in Rußland.

Rom, 21. Dezember. (B. T.) Wie dieBittorta" aus Bukarest erfährt, wurden in Petersburg 36 So- zialisteuführer verhaftet» die sich nach der Hauptstadt be- geben hatten, um wegen der Einkerkerung der sechs so­zialistischen Dumamitglieder zu protestieren. Die Gä­rung im Reiche wächst. So wurden von einem revolu­tionären Komitee Millionen anfrührerischer Manifeste im Volk nnd der Armee verbreitet. tT, 1U